{"id":17526,"date":"2018-05-01T00:00:00","date_gmt":"2018-04-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/05\/anarchistinnen-glauben-an-eine-alternative\/"},"modified":"2022-07-26T14:11:50","modified_gmt":"2022-07-26T12:11:50","slug":"anarchistinnen-glauben-an-eine-alternative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/05\/anarchistinnen-glauben-an-eine-alternative\/","title":{"rendered":"Anarchist*innen glauben an eine Alternative"},"content":{"rendered":"<p>Jeder, der unl\u00e4ngst die Proteste gegen die globale Ungerechtigkeit beobachtet oder sich an ihnen beteiligt hat, kann best\u00e4tigen, dass in den letzten Jahren eine dynamische soziale Bewegung entstanden ist. Doch f\u00fcr manche Leute hat diese Bewegung eine besonders negative Seite. So bezeichnete der britische Premierminister nach den Protesten in G\u00f6teborg w\u00e4hrend des Gipfeltreffens der Europ\u00e4ischen Union im Jahr 2001 die Demonstrant*innen als einen &#8222;anarchistischen Wanderzirkus&#8220; und verh\u00f6hnte ihre Methoden und Tr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Als ich im gleichen Jahr nur etwas sp\u00e4ter auf einer weiteren Protestveranstaltung in London durch die Menge ging, sah ich, dass eine Gruppe von Leuten ein schwarzes Spruchband mit der roten Aufschrift &#8222;Anarchistischer Wanderzirkus&#8220; trug. Es war sicher nicht das erste Mal, dass Anarchist*innen die Worte ihrer Gegner*innen als ein Markenzeichen des Stolzes benutzt haben, aber diesmal wirkte es wie ein besonders gelungener Witz.<\/p>\n<p>Der Anarchismus wird oft nur als Witz betrachtet, und selbst viele seiner Sympathisant*innen scheinen echte Probleme zu haben, ihn ernst zu nehmen.<\/p>\n<p>Anarchist*innen werden selbst von ihren Freund*innen f\u00fcr die gewaltt\u00e4tigsten oder chaotischsten Ereignisse in der heutigen Bewegung verantwortlich gemacht. Nat\u00fcrlich kann der Anarchismus auch nur ein spontaner Protest sein, ein geschrienes &#8222;Nein!&#8220;, eine geballte Faust, eine erhobene Fahne, aber jeder Widerstand, der seinen Anspr\u00fcchen gerecht werden will, bewirkt nicht nur eine vor\u00fcbergehende St\u00f6rung des Alltags, sondern er zielt auch darauf ab, von Tag zu Tag den Alltag zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Nicolas Walter hat immer versucht, die positiven Aspekte des Anarchismus zu vermitteln. Er betrachtete den Anarchismus als einen realistischen Weg, um das Leben der Menschen zu ver\u00e4ndern, und mit seiner Betonung der pragmatischen Elemente des anarchistischen Denkens hat seine Schrift &#8222;Betrifft: Anarchismus&#8220; vieles von dem vorweggenommen, was f\u00fcr die heutige Bewegung gegen den globalen Kapitalismus typisch ist.<\/p>\n<p>Seit dem Zusammenbruch des Experiments des Staatskommunismus sind viele Expert*innen zu der \u00dcberzeugung gelangt, dass es wirklich keine Alternative zur bestehenden Organisationsform der Gesellschaft gibt. Aber die Anarchist*innen haben niemals aufgeh\u00f6rt an eine Alternative zu glauben. Kaum hatte die Russische Revolution stattgefunden, wendeten sich die Anarchist*innen von ihrem autorit\u00e4ren Charakter ab. Sie fordern immer noch die Freiheit, die der Staatskommunismus verweigerte, ebenso wie die Gleichheit, die der globale Kapitalismus bestreitet.<\/p>\n<p>Anarchismus ist heute die einzige politische Denkweise, die Freiheit und Gleichheit zugleich einfordert. Weil die Anarchist*innen erkennen, dass Freiheit und Gleichheit in der Praxis ein und dasselbe sind, unterscheiden sie sich sowohl von den Sozialist*innen, welche den Schwerpunkt auf die Gleichheit legen, als auch von den Liberalen, die den Schwerpunkt auf die Freiheit legen. Auch wenn viele ihrer Teilnehmer*innen sich nicht als &#8222;Anarchisten&#8220; bezeichnen w\u00fcrden, ist die Einsicht, dass Freiheit und Gleichheit unteilbar sind, die charakteristische Einsicht in der heutigen Bewegung gegen die globale Ungleichheit, deren Mitglieder antiautorit\u00e4re Methoden verwenden, ohne Hierarchien oder F\u00fchrungskr\u00e4fte arbeiten, um ihre Proteste und ihre Forderungen sowohl f\u00fcr ein gerechteres Wirtschaftssystem als auch f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Freiheit f\u00fcr jedes Mitglied der Gesellschaft zu entwickeln.<\/p>\n<p>Das soll nicht hei\u00dfen, dass diese Bewegung unbedingt anarchistisch ist. Diejenigen, die heute auf der Suche nach Freiheit und Gleichheit sind, neigen dazu, den Staat nicht als ihr Hauptangriffsziel zu betrachten, wie es die meisten Anarchist*innen in der Vergangenheit getan haben. Stattdessen sehen sie den Kapitalismus, wie er sich vor allem in den multinationalen Konzernen verk\u00f6rpert, als ihren Hauptgegner.<\/p>\n<p>Diese Konzentration auf die Konzerne als den Hauptfeind hat einige der prominentesten Sprecher*innen der heutigen Widerstandsbewegung argumentieren lassen, dass der Staat im Gegensatz zu den Unternehmen gutartig sein muss, da sie glauben, dass einzig und allein der Staat in der Lage ist, die b\u00f6sartigsten Folgen des Kapitalismus auf das Leben der Menschen abzuwenden.<\/p>\n<p>Viele Autor*innen, die die Anti-Globalisierungsbewegung unterst\u00fctzen, haben argumentiert, dass der beste Weg, um hier Fortschritte zu erzielen, der ist, dass die Regierungen Gesetze verabschieden, die das Verhalten der Konzerne reformieren und f\u00fcr eine internationalere Regulierung des globalen Handels durch das gemeinsame Handeln von Gruppen von Staaten sorgen.<\/p>\n<p>Ihr Argument ist tats\u00e4chlich, dass der Fortschritt dadurch erlangt wird, dass der Staat die Macht zur\u00fcckerlangt, die er an die Konzerne abgetreten hat.<\/p>\n<p>Sicherlich haben die Regierungen es oft geschafft, die Macht der Konzerne zu begrenzen &#8211; indem z.B. in einigen Staaten die Mindestlohngesetzgebung eingef\u00fchrt, die Kinderarbeit verboten, die Gesundheits- und Sicherheitsnormen gesichert wurden und anderes mehr. Und sogar Anarchist*innen sehen ein, dass der Staat auch gutartige Funktionen haben kann. Wie Nicolas Walter sagt: &#8222;Wir haben es hierbei also einmal mit dem sogenannten \u0082freiheitlichen Rechtsstaat&#8216; zu tun, der sich f\u00fcr die Freiheit des Einzelnen und im anderen Fall mit dem &#8218;Wohlfahrtsstaat&#8216;, der sich f\u00fcr mehr soziale Gerechtigkeit einsetzt.&#8220; Aber er f\u00fcgt hinzu, &#8222;dass es eine \u0085 Hauptfunktion des Staates ist, die bestehende Ungleichheit aufrechtzuerhalten&#8220;.<\/p>\n<p>Diese letzte Aussage mag den Leuten in der heutigen Widerstandsbewegung, die all ihr Vertrauen in den Staat setzen, zu denken geben. Wozu sind Regierungen da? K\u00f6nnen sie dazu gebracht werden, Gleichheit und Freiheit herbeizuf\u00fchren, oder werden sie die Gleichheit und Freiheit einzig und allein nur so weit sch\u00fctzen, wie diese Rechte nicht mit Reichtum und Macht in Konflikt geraten?<\/p>\n<p>Schau Dir doch das Verhalten unserer eigenen Regierungen an, die ihre Absicht verk\u00fcnden, der Dritten Welt die Schulden zu erlassen, und dann aber Waffenverk\u00e4ufe in Entwicklungsl\u00e4nder f\u00f6rdern, die durch noch mehr Schulden finanziert werden. Oder auch: Die die Vorteile des Freihandels verk\u00fcnden und dann aber an Z\u00f6llen und Subventionen festhalten, welche die inl\u00e4ndischen Konzerne sch\u00fctzen. Wenn die anarchistische Analyse des Staates richtig ist, die da besagt, dass der Schutz der bestehenden Ungleichheit dem Staat seine Existenzgrundlage verschafft, dann k\u00f6nnen diese offensichtlichen Widerspr\u00fcche kaum verwundern.<\/p>\n<p>In der Hinsicht bietet &#8222;Betrifft: Anarchismus&#8220; eine n\u00fctzliche Kritik einiger Argumente, die man h\u00e4ufig in der Anti-Globalisierungsbewegung h\u00f6ren kann. Nicolas Walter argumentiert nicht, dass diejenigen, die f\u00fcr die Reform der Regierungsinstitutionen arbeiten, fehlgeleitet sind, weil sein Pragmatismus ihn dazu bringt zu verstehen, dass dies oft der einzige Weg ist, um Fortschritte zu erzielen. Aber er argumentiert, dass mehr als nur eine Reform des Staates erforderlich sein wird, um Freiheit und Gleichheit herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Und so harmonisieren seine Ideen mit vielem, was man von den Aktivist*innen h\u00f6rt, denn obwohl diejenigen, die nur die Literatur der Anti-Globalisierungsbewegung gelesen und darin Argumente zugunsten der Staatsmacht gefunden haben, erfahren doch diejenigen, die den Anti-Globalisierungsaktivist*innen auf der Stra\u00dfe zugeh\u00f6rt haben, eine gr\u00fcndliche Skepsis gegen\u00fcber dem Verhalten der Regierungen. Es ist kein Zufall, dass der Aufstieg des neuen politischen Aktivismus einhergegangen ist mit einem R\u00fcckgang der Wahlbeteiligung und &#8211; insbesondere unter den J\u00fcngeren &#8211; der Entstehung eines Zynismus gegen\u00fcber den Versprechungen des Staates. Der Grund, warum Menschen auf die Stra\u00dfe gegangen sind und sich in Nichtregierungsorganisationen organisieren, anstatt sich f\u00fcr ihre Abgeordneten zu engagieren und deren Wahlkampf zu organisieren, ist, dass sie der Meinung sind, dass ihnen der herk\u00f6mmliche politische Prozess nicht das bringt, was sie sich w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Aber wenn die Regierungen nicht handeln, wer dann? Die Tradition, auf die sich Nicolas Walter in &#8222;Betrifft: Anarchismus&#8220; bezieht &#8211; die Tradition der Anarchist*innen von William Godwin \u00fcber Peter Kropotkin und Emma Goldman bis zu Ricardo und Enrique Flores Mag\u00f3n, zeigt eine andere Geschichte auf, wie Einzelpersonen oder Gruppen ohne \u00e4u\u00dfere Autorit\u00e4t handeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das ist der Kern des Anarchismus. Wie Walter sagt, ist das Wesen des Anarchismus, also die Sache, ohne welches es kein Anarchismus w\u00e4re, die Verneinung der Autorit\u00e4t, die irgendjemand \u00fcber einen anderen aus\u00fcbt. Diese Negation der Autorit\u00e4t ist als Konzept schwierig zu vermitteln. Die meisten Menschen haben den Glauben vollst\u00e4ndig verloren, dass irgendetwas ohne die Unterst\u00fctzung der institutionellen Macht des Staates oder der Marktmacht der Konzerne erreicht werden kann.<\/p>\n<p>Die Unf\u00e4higkeit, eine L\u00f6sung au\u00dferhalb dieser Einrichtungen zu erkennen, hat alle Aspekte der politischen Debatte infiziert. Schau Dir zum Beispiel &#8211; um mal weg von der Anti-Globalisierungsbewegung zu kommen &#8211; die aktuelle Debatte \u00fcber die Sozialpolitik an, die immer als ein Konflikt zwischen \u00f6ffentlicher und privater Vorsorge ausgetragen wird. Doch die Anarchist*innen w\u00fcrden sagen, dass dies in seiner gegenw\u00e4rtigen Gestalt eher ein Konflikt zwischen Staat und Gesellschaft ist, da die wirklich \u00f6ffentliche Sph\u00e4re, also die Sph\u00e4re, die nicht von der Regierung, sondern von den Menschen selber kontrolliert wird, sich gar nicht entfalten kann.<\/p>\n<p>Es gibt eine andere M\u00f6glichkeit, sich eine Wohlfahrtsgesellschaft vorzustellen, in der gew\u00f6hnliche Menschen nicht nur in den Krankenh\u00e4usern und den Schulen arbeiten, sondern diese auch selber organisieren. Viele Anarchist*innen haben die Idee des Mutualismus hervorgehoben &#8211; denn der Wunsch nach Kooperation ist als ein menschlicher Antrieb ebenso ausgepr\u00e4gt wie der Wunsch nach Autorit\u00e4t. Aber mit dem Aufstieg des staatlichen Wohlfahrtswesens im fr\u00fchen zwanzigsten Jahrhundert wurden alle alten Traditionen des Mutualismus, die in einem Land wie Gro\u00dfbritannien bereits existierten &#8211; die Genossenschaften, die Gemeindespit\u00e4ler, die Versicherungsvereine &#8211; diskreditiert. Da sich heute sowohl die staatliche als auch die betriebliche Altersvorsorge auf ihre jeweils eigene Art als unbefriedigend erweisen, ist es vielleicht an der Zeit, nicht nur immer komplexere Mischformen der beiden auszuprobieren, sondern auch \u00fcber das nachzudenken, was Peter Kropotkin die Gegenseitige Hilfe nennt, also das Prinzip, dass die Menschen selber ihr eigenes Wohlergehen organisieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine weitere M\u00f6glichkeit, in der &#8222;Betrifft: Anarchismus&#8220; einen interessanten Beitrag zu den aktuellen Debatten leisten kann, liegt in der optimistischen Synthese von Nicolas Walter hinsichtlich der verschiedenen Arten von anarchistischen, sozialistischen und libert\u00e4ren Aktionen. Er l\u00e4sst ihre jeweiligen Unterschiede gelten, aber weil er einen so pragmatischen und unkomplizierten Blick auf den Anarchismus besitzt, ist er auch gut darin herauszufinden, was all die verschiedenen Str\u00f6mungen des anarchistischen Denkens und Handelns vereint und wie jede Str\u00f6mung sich mit jeder anderen vernetzen kann, anstatt sich zu zerspalten.<\/p>\n<p>Eine solche Sichtweise ist besonders n\u00fctzlich in der gegenw\u00e4rtigen Situation. Denn was wir in der Bewegung f\u00fcr die globale Gerechtigkeit sehen ist zweifellos keine einheitliche Bewegung. Es w\u00e4re absurd anzunehmen, dass die EZLN (Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung), die mobilisiert wurde, um f\u00fcr die Rechte der indigenen V\u00f6lker in Mexiko zu k\u00e4mpfen, und die &#8222;Reclaim-the-Streets&#8220;-Bewegung gegen die Globalisierung, die in den Metropolen der westlichen Welt tagelange Stra\u00dfenpartys organisiert, vergleichbare Organisationen w\u00e4ren. Und es w\u00e4re unsinnig zu behaupten, dass eine sich selbstversorgende Gemeinschaft in England wie die Kooperative &#8222;Tinkers Bubble&#8220; in Somerset und die Bewegung der Landlosen in Brasilien identische Strategien verfolgen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Und doch gibt es auch erkennbar grenz\u00fcberschreitende Ideen. Viele der scheinbar unterschiedlichsten Menschen und Organisationen teilen bestimmte grundlegende Ziele. So finden sie eine gemeinsame Basis in ihrer Bejahung des Anti-Autoritarismus, in ihrem Glauben, dass Menschen aus anderen Gr\u00fcnden als dem Willen zur Macht oder dem Wunsch nach Profit handeln, ihrem Wunsch, die wirtschaftliche Organisation auf der Grundlage der Kooperation zu sehen, und die soziale Organisation auf der Grundlage der Gegenseitigen Hilfe und ihrem Glauben an gewaltfreies direktes Handeln als das Mittel, um eine neue Gesellschaft herbeizuf\u00fchren. Alle diese Ideen sind typisch f\u00fcr diese neuen Organisationen, und sie sind seit mehr als einem Jahrhundert charakteristisch f\u00fcr die Anarchist*innen.<\/p>\n<p>Nicolas Walters Einstellung zu den Unterschieden der verschiedenen Erscheinungsformen des Anarchismus ist ehrlich gemeint, aber sie ist auch ziemlich einzigartig. So sieht er Verbindungen zwischen denen, die sich als erkl\u00e4rte Anarchist*innen verstehen, und denjenigen, die das nicht tun, aber ein anarchistisches Temperament zeigen. Er sieht Verbindungen zwischen den verschiedenen Str\u00f6mungen des anarchistischen Denkens. Und er sieht die Verbindungen zwischen den verschiedenen Aktionsformen &#8211; von der Propaganda durch Wort und Tat bis hin zur Direkten Aktion. Seine F\u00e4higkeit, Vielfalt als eine Reihe von Bindegliedern zu sehen und nicht als eine Reihe von Br\u00fcchen, mag vielleicht etwas sehr optimistisch sein, aber sie kann uns auch helfen zu erkennen, dass manchmal das, was die Menschen miteinander verbindet, wichtiger ist als das, was sie auseinander treibt. Und so ist einer der hoffnungsvollsten S\u00e4tze dieser hoffnungsvollen Schrift dieser: &#8222;In der Praxis sind jedoch die meisten Differenzen zwischen reformistischen und revolution\u00e4ren Anarchisten bedeutungslos, denn nur der wildeste Revolution\u00e4r weigert sich, Reformen gutzuhei\u00dfen, und nur der sanfteste Reformist weigert sich, Revolutionen zu begr\u00fc\u00dfen; schlie\u00dflich wissen alle Revolution\u00e4re, dass ihre Anstrengungen im allgemeinen zu nichts weiter als zu Reformen f\u00fchren, wohingegen alle Reformisten wissen, dass ihre Arbeit vermutlich zu einer Art Revolution f\u00fchrt.&#8220;<\/p>\n<h3>\u00dcber Nicolas Walter<\/h3>\n<p>&#8222;Betrifft Anarchismus&#8220; wurde 1968 geschrieben. Ein Jahr zuvor war ich, Nicolas Walters zweite Tochter, geboren worden. Nacht f\u00fcr Nacht sa\u00df Nicolas am K\u00fcchentisch in einem kleinen Haus in einem h\u00e4sslichen, unscheinbaren Vorort Nord-Londons. Mit einem Fu\u00df und dann wieder mit dem anderen schaukelte er den Kinderwagen mit seinem quengelnden Baby drin &#8211; hin und her. Gleichzeitig schrieb er mit einem schwarzen F\u00fcllfederhalter in seiner riesigen, schwungvollen Handschrift den ersten Entwurf dieses Essays, das erstmals 1969 als Sonderausgabe der Zeitschrift &#8222;Anarchy&#8220; erschienen ist.<\/p>\n<p>&#8222;Betrifft: Anarchismus&#8220; war ein Herzensprojekt und die Frucht eines langen Studiums der anarchistischen Bewegung. Nicolas war erstaunt, dass der Text nicht nur sofort als Brosch\u00fcre vom Verlag Freedom Press nachgedruckt wurde, von der bis 1977 f\u00fcnf Auflagen erschienen sind, sondern dass er auch in viele andere Sprachen \u00fcbersetzt wurde, darunter Japanisch, Serbokroatisch, Griechisch, Deutsch, Chinesisch, Polnisch und Russisch. Die Schrift machte ihn vielerorts &#8211; nicht nur unter europ\u00e4ischen und nordamerikanischen Aktivist*innen &#8211; bekannt.<\/p>\n<p>Nachdem die letzte Auflage der Brosch\u00fcre vergriffen war, wollten die anarchistischen Genoss*innen von Freedom Press sie in den fr\u00fchen achtziger Jahren nachdrucken, aber Nicolas war damit nicht einverstanden. Er bestand immer darauf, dass er den Text noch einmal \u00fcberarbeiten m\u00fcsse, bevor er nachgedruckt w\u00fcrde, und sagte, dass er Abschnitte \u00fcber Feminismus und Umweltschutz, die wichtigsten neuen Str\u00f6mungen in der Ideologie des Widerstandes, hinzuf\u00fcgen w\u00fcrde. Diese h\u00e4tten m\u00e4chtige Erg\u00e4nzungen seines urspr\u00fcnglichen Textes sein k\u00f6nnen. Nicolas hatte im Wachstum der feministischen Bewegung sowohl eine Herausforderung als auch eine Inspiration gefunden. Und obwohl er durch und durch ein urbaner Mensch war, verachtete er zutiefst das reine Konsumdenken und f\u00fchlte sich mit der Sch\u00f6nheit der freien Natur innig verbunden. H\u00e4tte dies ihn veranlassen k\u00f6nnen, etwas Wertvolles dar\u00fcber zu schreiben, wie eine kooperativere Gesellschaft eine liebevollere Beziehung zu ihrer Umwelt haben k\u00f6nnte? Aber obwohl er diese \u00dcberarbeitung seines Textes begonnen hatte, wurde sie nie abgeschlossen. So ist diese Ausgabe die erste Neuver\u00f6ffentlichung seiner klassischen Arbeit seit 1980.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass &#8222;Betrifft: Anarchismus&#8220; ungeachtet all seiner Bedeutung, die der Text auch noch in der Gegenwart besitzt, doch ein Werk seiner Zeit ist, gepr\u00e4gt von all dem Idealismus der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts. &#8222;In den sechziger Jahren dachte ich, dass alles zum Besseren ge\u00e4ndert werden k\u00f6nnte&#8220;, sagte Nicolas in den Neunzigern in einem Interview mit einem Redakteur der Londoner Zeitung &#8222;The Independent&#8220;.<\/p>\n<p>In der Tat entstand &#8222;Betrifft: Anarchismus&#8220; als das Ergebnis eines lebenslangen Engagements, nicht nur f\u00fcr die anarchistischen Ideen, sondern auch f\u00fcr die anarchistische Aktion. F\u00fcnf Jahre bevor er &#8222;Betrifft: Anarchismus&#8220; schrieb, hatte Nicolas den Versuch unternommen, Gro\u00dfbritannien vom Weg des Autoritarismus und Militarismus abzubringen, auf dem es sich hinzu zu bewegen schien. 1962 waren Nicolas, seine Frau Ruth und sechs ihrer Freunde, die alle in der Friedensbewegung t\u00e4tig waren, frustriert von der Richtung, welche die zeitgen\u00f6ssischen Proteste eingeschlagen hatten.<\/p>\n<p>Zwar waren Gro\u00dfdemos und illegale Sitzstreiks alle gut und f\u00fchrten zu viel beachteten Presseberichten und zahlreichen Verhaftungen, aber welche effektive Wirkung hatten sie auf den wachsenden Militarismus der Regierung?<\/p>\n<p>Nicolas und seine Freundinnen und Freunde begannen nach einer M\u00f6glichkeit zu suchen, um die Macht des Staates direkt herauszufordern. Im Laufe der Monate diskutierten sie verschiedene Ideen. Dann erinnerte sich einer von ihnen, dass ein Freund eines Freundes einmal erw\u00e4hnt hatte, dass er in einem &#8222;geheimen Bunker&#8220; in der N\u00e4he von Reading in der Grafschaft Berkshire gearbeitet hatte. Auf gut Gl\u00fcck brachen er und drei andere im Februar 1963 nach Reading auf, um herauszufinden, was es mit diesem geheimen Bunker auf sich hatte.<\/p>\n<p>Sie fuhren stundenlang \u00fcber eisbedeckte Stra\u00dfen und stapften weitere Stunden \u00fcber schneebedeckte Felder, ohne genau zu wissen, was sie eigentlich suchten. Es war nur eine Vermutung, eine absurde Idee, wirklich, aber sie trug Fr\u00fcchte. Am \u00f6stlichen Ende eines Dorfes namens Warren Row fanden sie einen umz\u00e4unten H\u00fcgel mit einem Holztor, das mit einem Vorh\u00e4ngeschloss verschlossen war, und einer freistehenden Baracke. Sie kletterten \u00fcber das Tor, um auf dem Gel\u00e4nde ein aus Ziegeln erbautes Kesselhaus und eine breite Betonrampe zu finden, die in den Hang f\u00fchrte. Nicht weit entfernt davon standen drahtlosen Antennen, deren Kabel in den H\u00fcgel f\u00fchrten. Einer von ihnen pr\u00fcfte die T\u00fcren des Kesselhauses und entdeckte, dass sie unverschlossen waren. Sie gingen rein. Innen entdeckten sie eine weitere T\u00fcr, die ebenfalls unverschlossen war und sich mit einem Schwung \u00f6ffnete, um den Blick auf eine steile Treppe freizugeben, die in einen unterirdischen B\u00fcrokomplex f\u00fchrte. Sie liefen die Treppe hinunter, die Stille wurde nur vom Trappeln ihrer Schritte unterbrochen. Unten angelangt schnappten sie sich alles an Dokumenten, die sie dort auf den Schreibtischen vorfanden. Dann st\u00fcrmten sie wieder hinaus und fuhren davon.<\/p>\n<p>Die Untersuchung der Dokumente zeigte der Gruppe, dass sie ein gro\u00dfes Geheimnis entdeckt hatten. Sie waren direkt in ein geheimes Hauptquartier der Regierung eingedrungen, das sich Regionaler Regierungssitz Nr. 6 nannte und erbaut worden war, um Regierungsbeamte im Falle des Atomkrieges zu beherbergen. Zu der Zeit wurde die britische \u00d6ffentlichkeit ganz im Dunkeln \u00fcber die Pl\u00e4ne gelassen, die ihre eigene Regierung f\u00fcr das \u00dcberleben nicht des gew\u00f6hnlichen Volkes, sondern der politische Elite entwickelt hatte.<\/p>\n<p>Nicolas und seine Freunde, die sich jetzt die &#8222;Spione f\u00fcr den Frieden&#8220; nannten, waren im Besitz eines Geheimnisses, von dem sie hofften, dass sie mit ihm den geheimen Militarismus der Regierung \u00e4ndern k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Erst einmal kehrten vier Mitglieder der Gruppe nach Warren Row zur\u00fcck, um mehr \u00fcber das geheime Hauptquartier zu erfahren. Sie fuhren an einem Samstag dorthin und kamen nach Mitternacht an. Diesmal war die T\u00fcr des Kesselhauses verschlossen. Dort in der eisigen Dunkelheit stehend, entschieden sie sich mit aller Vorsicht in das Geb\u00e4ude einzubrechen und verbrachten mehrere Stunden in der Anlage. Im Innern des Bunkers \u00fcbernahm jeder eine andere Aufgabe. Einer machte Fotos, einer kopierte Dokumente, einer machte Skizzen von Landkarten. Ein anderer durchsuchte jeden Raum und durchst\u00f6berte dabei jede Schublade und jeden Schrank. Dann verlie\u00dfen sie den Bunker mit einem Koffer voller kopierter Papiere und einer Kamera voller Fotos.<\/p>\n<p>Die Gruppe tippte dann ein Flugblatt, das sie in 3.000 Exemplaren vervielf\u00e4ltigte, in dem sie erkl\u00e4rte, was sie entdeckt hatte. In den Tagen vor dem Internet oder den Desktop-Computern stellte dies die Gruppe vor \u00fcberraschende Probleme der Ressourcen und der Organisation. Die Geheimhaltung hatte oberste Priorit\u00e4t. Mit Handschuhen bekleidet t\u00fcteten sie die Flugbl\u00e4tter in Briefumschl\u00e4ge ein und warfen diese f\u00fcr den Versand in unterschiedliche Briefk\u00e4sten in ganz London ein.<\/p>\n<p>Dann verbrannten sie alle ihre eigenen Dokumente, schickten die Originalfotos anonym zu Sympathisant*innen und warfen die Schreibmaschine, die sie f\u00fcr die die Aktion benutzt hatten, in einen Fluss. Wie Nicolas 25 Jahre nach den Geschehnissen schrieb, war in der Nacht vom Mittwoch, dem 10. April 1963, &#8222;ein Geheimnis entkommen, und ebenso entkamen die Spione f\u00fcr den Frieden&#8220;.<\/p>\n<p>Wenn man jetzt die Geschichte erz\u00e4hlt, dann klingt sie fast wie ein Spiel. Aber f\u00fcr die acht Menschen, die daran beteiligt waren, bedeutete sie deutlich mehr. Alle waren sie jung und hatten noch ihr Leben vor sich, dennoch gingen sie das Risiko von langen Gef\u00e4ngnisstrafen ein f\u00fcr das, wovon sie \u00fcberzeugt waren. Die unmittelbare Wirkung ihrer Aktion war explosiv.<\/p>\n<p>Die tausenden von Flugbl\u00e4ttern waren in die Redaktionsb\u00fcros der Zeitungen, in die H\u00e4user von Prominenten, Abgeordneten und Demonstrant*innen versendet worden, und obwohl die Regierung sofort eine sog. &#8222;D-Notice&#8220; ((2))\u00a0verschickt hatte, um die Ver\u00f6ffentlichung von Informationen \u00fcber das System der geheimen Regierungsbunker zu verhindern, beschlossen die Zeitungen, diese Warnung zu ignorieren. An diesem Samstag machte die Geschichte Schlagzeilen in jeder britischen Zeitung. Tausende von Demonstrant*innen, die sich damals an einem weiteren Aldermaston-Friedensmarsch in der Gegend beteiligten, machten sich sofort auf nach Warren Row, um dort zu demonstrieren. Dieser Tag, es war der 13. April, war gleichzeitig auch der 21. Geburtstag von Ruth Walter. Zusammen mit Walter sa\u00df sie im schwachen Sonnenschein drau\u00dfen in Warren Row, trank billigen Rotwein und sang zusammen mit dem Rest der Menge: &#8222;We shall overcome&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Es war einer der magischsten Tage&#8220;, sagte sie sp\u00e4ter, &#8222;Pl\u00f6tzlich wussten wir, dass wir damit wirklich davongekommen waren.&#8220;<\/p>\n<p>Die meisten Leute schienen zu glauben, dass es nur ein Insider gewesen sein kann, der eine solch sensible und beunruhigende Information geleakt hatte. Der &#8222;Sunday Telegraph&#8220; war sich dessen sicher und schrieb am 21. April: &#8222;Es w\u00e4re nicht verwunderlich, wenn die Untersuchung einen scharfsinnigen politischen Kopf ans Licht bringt, der diese brillante subversive Operation geleitet hat&#8220;, und am 19. Mai schrieben sie \u00fcber &#8222;ein Genie, das hinter den Spionen f\u00fcr den Frieden steckte&#8220;, einen &#8222;Jekyll- und Hyde-Charakter&#8220;, den man sich als &#8222;einen brillanten Mann&#8220; vorstellte, &#8222;der einen wichtigen Job durchf\u00fchrte&#8220;.<\/p>\n<p>Trotz &#8211; oder auch gerade wegen &#8211; so fiebriger Spekulationen wurden die wirklichen Spione nie ermittelt oder inhaftiert.<\/p>\n<h3>Was haben die Spione f\u00fcr den Frieden langfristig erreicht?<\/h3>\n<p>In einer Hinsicht sehr wenig, denn die Regierung hielt an ihrer \u00dcberzeugung fest, dass sie einen Atomkrieg f\u00fchren und \u00fcberleben k\u00f6nnte, und die Aktion der Spione f\u00fcr den Frieden l\u00f6ste auch keinen Schneeballeffekt zur Entstehung einer massenrevolution\u00e4ren Aktion aus, wie einige von ihnen sicherlich gehofft hatten.<\/p>\n<p>In anderer Hinsicht haben sie aber doch sehr viel erreicht, denn die Idee, dass die Menschen \u00fcber die geheimen milit\u00e4rischen Vorbereitungen ihrer Regierung informiert werden sollten, fand fruchtbaren Boden in einer sich wandelnden Gesellschaft. Zusammen mit der Duplizit\u00e4t der sp\u00e4ter im gleichen Jahr stattfindenden Enth\u00fcllungen der Profumo-Affaire ((3))\u00a0half die Geschichte, den bedingungslosen Respekt zu brechen, der die Beziehung der britischen Bev\u00f6lkerung zu ihrer Regierung bislang gepr\u00e4gt hatte. Die einzelnen Spione wurden von dieser Mischung aus Erfolg und Misserfolg ermutigt und in Best\u00fcrzung versetzt. Im Laufe der Jahre erlebte Nicolas den charakteristischen Verlust an Illusionen, wie das so vielen Revolution\u00e4ren ergeht, und er begriff, dass, obwohl er der Gesellschaft geholfen hat sich zu \u00e4ndern, die Zukunft, an die er einmal geglaubt hatte, sich nicht realisieren w\u00fcrde &#8211; zumindest nicht zu seinen Lebzeiten.<\/p>\n<p>Aber der Verlust des Glaubens an eine revolution\u00e4re Zukunft hat Nicolas nur gelegentlich zu schaffen gemacht. Die meiste Zeit machte er weiter mit dem, was er immer getan hatte und protestierte energisch gegen die Geheimniskr\u00e4merei der Regierung, gegen den Militarismus, f\u00fcr die freie Rede und f\u00fcr den Frieden. Nur einmal brachte ihn das tats\u00e4chlich ins Gef\u00e4ngnis. Im Oktober 1966 hatte er an einem Protest gegen die britische Politik gegen\u00fcber dem Vietnamkrieg teilgenommen, indem er einen Gottesdienst in Brighton st\u00f6rte, in dem der damalige britische Premierminister Harold Wilson eine Bibellesung hielt. &#8222;Heuchler!&#8220;, rief er, &#8222;wie k\u00f6nnen Sie das Wort Gottes benutzen, um Ihre Politik zu rechtfertigen?&#8220; 1967, kurz nach meiner Geburt, wurde er zu zwei Monaten Gef\u00e4ngnis wegen seiner Rolle in der Protestaktion verurteilt. Ich habe noch das Foto, das auf der Vorderseite der &#8222;Sun&#8220; ver\u00f6ffentlicht wurde (also in den Tagen, als die &#8222;Sun&#8220; noch eine seri\u00f6se Zeitung war), das uns vier zeigt &#8211; meine Eltern, meine Schwester und ich selbst im Alter von sechs Monaten &#8211; wie wir fragend in die Kamera schauen, kurz bevor mein Vater eingesperrt wurde.<\/p>\n<p>Viele Anarchist*innen haben sich dem Anarchismus wegen ihrer pers\u00f6nlichen rebellischen Einstellung zugewandt. Nicolas machte da keine Ausnahme. Er war ein nat\u00fcrlicher Anarchist, mit einer geringen Toleranz f\u00fcr die Autorit\u00e4t, und er besa\u00df gro\u00dfe Reserven an Zorn. Als Kind in eine Internatsschule geschickt, dann direkt von der Schule zum Kriegsdienst und von dort direkt an die Universit\u00e4t von Oxford, dabei lernte er trotz &#8211; oder wegen &#8211; seines traditionellen Hintergrundes der Autorit\u00e4t zu misstrauen.<\/p>\n<p>Erstaunlicherweise findet man in seiner eigenen Familientradition auch den Anarchismus. So war sein Gro\u00dfvater, Karl Walter, einer von zwei britischen Delegierten des ersten Internationalen anarchistischen Kongresses, der 1907 in Amsterdam abgehalten wurde.<\/p>\n<p>Obwohl Nicolas in seinen letzten Jahren einen Gro\u00dfteil seiner Protestaktivit\u00e4ten aufgab, auch wegen seiner zunehmenden k\u00f6rperlichen Behinderung, h\u00f6rte er nie auf, f\u00fcr die anarchistische Presse zu schreiben und auf anarchistischen Versammlungen zu sprechen. Eine Brosch\u00fcre, die er 1986 \u00fcber die Bedeutung des Mai-Feiertages ver\u00f6ffentlichte, kann man zugutehalten, dass durch sie der 1. Mai als ein popul\u00e4rer Tag des Protests f\u00fcr die Anarchist*innen in Gro\u00dfbritannien wiederentdeckt wurde. Und seine Edition der Essays von Charlotte Wilson, einer Anarchistin, die mitgeholfen hatte 1886 in London die international renommierte anarchistische Zeitschrift &#8222;Freedom&#8220; zu gr\u00fcnden, wurde nach seinem Tod im Jahr 2000 ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Er war daran interessiert, wie eine neue Generation die anarchistischen Ideen f\u00fcr sich entdeckte und definierte &#8211; obwohl ihn ihr Mangel an historischem Bewusstsein und das Fehlen konkreter Ziele f\u00fcr die Zukunft oft auch w\u00fctend gemacht hat.<\/p>\n<p>Es ist traurig, dass er die Neuauflage von &#8222;Betrifft: Anarchismus&#8220; nicht mehr erleben konnte, aber seine Worte leben weiter, und seine Stimme klingt wie jene, an die diejenigen, die ihn kannten, sich erinnern: k\u00e4mpferisch und kompromisslos, aber immer flackert im Hintergrund eine gro\u00dfe Hoffnung und Menschlichkeit auf.<\/p>\n<p><b>Natasha Walter<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder, der unl\u00e4ngst die Proteste gegen die globale Ungerechtigkeit beobachtet oder sich an ihnen beteiligt hat, kann best\u00e4tigen, dass in den letzten Jahren eine dynamische soziale Bewegung entstanden ist. 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