{"id":17538,"date":"2018-05-01T00:00:00","date_gmt":"2018-04-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/05\/sprache-und-politik-im-ehemaligen-jugoslawien\/"},"modified":"2022-07-26T14:22:02","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:02","slug":"sprache-und-politik-im-ehemaligen-jugoslawien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/05\/sprache-und-politik-im-ehemaligen-jugoslawien\/","title":{"rendered":"Sprache und Politik im ehemaligen Jugoslawien"},"content":{"rendered":"<p>Im November 1945 fanden Parlamentswahlen statt, bei denen sich die von der Kommunistischen Partei gef\u00fchrte Nationale Front alle Sitze sicherte und 1946 eine Regierung der Kommunistischen Partei Jugoslawiens einrichtete.<\/p>\n<p>Nach Reformen im Jahr 1953 experimentierte Jugoslawien mit Ideen der wirtschaftlichen Dezentralisierung und Selbstverwaltung, bei denen ArbeiterInnen sich in die Politik ihrer Fabriken einbringen und einen Teil der eventuellen \u00dcbersch\u00fcsse behalten konnten. Die Rolle der Partei in der Gesellschaft verlagerte sich von Machtmonopolist zum ideologischen F\u00fchrer. In der Folge wurde der Name der Partei in &#8222;Bund der Kommunisten Jugoslawiens&#8220; ge\u00e4ndert. 1963 wurde das Land selbst in &#8222;Sozialistische F\u00f6derative Republik Jugoslawien&#8220; umbenannt.<\/p>\n<h3>Sprache und Macht<\/h3>\n<p>Diese Ver\u00e4nderungen zeigen, dass semantische \u00dcberlegungen durchaus mit der politischen Dynamik der Machtaus\u00fcbung und -erhaltung verkn\u00fcpft waren. Die ideologisierte Sprache der fr\u00fchen jugoslawischen Zeit trug viele Z\u00fcge der Diskurse und Schm\u00e4hungen, die man auch in anderen staatssozialistischen L\u00e4ndern antreffen konnte. Schwarz-wei\u00dfe, autorit\u00e4re Begriffe wie &#8222;Volksfeind&#8220; waren in den unmittelbaren Nachkriegsjahren gebr\u00e4uchlich, als das Land mit der gleichen stalinistischen R\u00fccksichtslosigkeit wie andere Ostblockstaaten regiert wurde und die Liquidierung realer oder mutma\u00dflicher GegnerInnen fast allt\u00e4glich war. Nach dem Bruch Titos mit Stalin 1948 und dem Ausschluss Jugoslawiens aus der Kominform begann das Land einen unabh\u00e4ngigen Kurs in der Weltpolitik einzuschlagen und mied den Einfluss von West und Ost. Die Entfremdung von der Sowjetunion wurde genutzt, um \u00fcber den Marshall-Plan US-Hilfe zu erhalten. Auch gr\u00fcndete Jugoslawien die Bewegung der blockfreien Staaten und spielte darin eine f\u00fchrende Rolle. Die ideologische Sprache der 1940er und 50er Jahre begann sich allm\u00e4hlich zu mildern.<\/p>\n<p>Ein bemerkenswerter Schachzug in der fr\u00fchen jugoslawischen Periode war die Kodifizierung der mazedonischen Sprache, ein langfristiger Prozess, der 1944 seinen H\u00f6hepunkt erreichte und in den folgenden Jahren umgesetzt wurde. Seit dem Zusammenbruch der osmanischen Herrschaft auf dem Balkan war die historische Region Mazedonien ein hart umk\u00e4mpftes Gebiet, und seine Teilung zwischen Serbien, Griechenland und Bulgarien f\u00fchrte zum Ersten Balkankrieg (1912-13) und Zweiten Balkankrieg (1913). Bulgarien war von M\u00e4rz 1941 bis August 1944 ein Verb\u00fcndeter Nazi-Deutschlands und besetzte w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs gro\u00dfe Teile Mazedoniens. Nach der Vertreibung der Achsenm\u00e4chte aus dem s\u00fcdlichen Balkan 1944 konnten die weitgehend kommunistischen und pro-jugoslawischen Partisanen die Kontrolle \u00fcbernehmen. Die Einrichtung einer nominell getrennten Sprache in der neuen Sozialistischen Republik Mazedonien als Teil Jugoslawiens war ein Weg, diese Macht zu zementieren und dem bulgarischen Einfluss entgegenzuwirken. Bis 1944 war das mazedonische Idiom n\u00e4mlich weithin als bulgarischer Dialekt angesehen worden. Die neue mazedonische Standardsprache f\u00fcr den Gebrauch in den Medien, in der Verwaltung, in Schulen usw. bezog sich auf die Dialekte um die St\u00e4dte Prilep und Veles, also in einiger Entfernung vom \u00f6stlichen Teil des Landes, dessen Dialekte mehr \u00c4hnlichkeit mit dem Bulgarischen besitzen, und eine Version des kyrillischen Alphabets wurde festgelegt, die eher auf der serbischen als auf der bulgarischen Schrift basiert. Die Definition und Formulierung einer Sprache kann als wichtiges Element der &#8222;Nationenbildung&#8220; im Interesse der MachthaberInnen angesehen werden. Bulgarisch und Mazedonisch sind auch heute in hohem Ma\u00dfe verwandt und gegenseitig verst\u00e4ndlich, aber die Existenz einer separaten und international anerkannten mazedonischen Sprache und Nation ist letztlich ein Produkt der Machtdynamik der 1940er Jahre.<\/p>\n<p>Jugoslawien wurde zunehmend in die Weltwirtschaft integriert. Gro\u00dfe westliche Konzerne lie\u00dfen im Land produzieren, Rohstoffe wurden f\u00fcr den Weltmarkt verkauft, zahlreiche jugoslawische B\u00fcrgerInnen arbeiteten im Ausland (und schickten h\u00e4ufig Geld nach Hause) und internationale Unternehmen vermarkteten in Jugoslawien ihre Waren &#8211; einschlie\u00dflich &#8222;kultureller&#8220; Produkte wie Popmusik. Diese Einfl\u00fcsse fanden mehr Eingang in die Sprache als in den eher abgeschotteten staatssozialistischen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Viele ExpertInnen betrachten die jugoslawische Politik gegen\u00fcber Minderheitensprachen als vorbildlich. Obwohl drei Viertel der Bev\u00f6lkerung Serbokroatisch sprachen, galt auf Bundesebene keine einzige Sprache als &#8222;die&#8220; offizielle. Eine Reihe von Gemeinschaftssprachen genossen offiziellen Status in den Teilrepubliken und autonomen Provinzen, z.B. Ungarisch, Russinisch, Slowakisch und Rum\u00e4nisch in der Vojvodina; Albanisch, T\u00fcrkisch und Romanes im Kosovo; Italienisch in Kroatien usw. Insgesamt 16 Sprachen wurden von Zeitungen, Radiostationen und Fernsehstudios verwendet, 14 waren Unterrichtssprachen in Schulen und neun an Universit\u00e4ten. Als Staat, der aus dem Kampf einer multiethnischen PartisanInnenbewegung hervorging, war dies eine faire und progressive Anerkennung der sprachlichen Vielfalt des Landes. Die jugoslawische Volksarmee war die einzige Institution von nationaler Bedeutung, die Serbokroatisch als einzige Arbeits- bzw. Befehlssprache benutzte.<\/p>\n<p>Diese rechtliche Gleichstellung konnte jedoch die De-facto-Dominanz des Serbokroatischen nicht verdecken. Als Sprache von fast 75% der 22 Millionen EinwohnerInnen des Landes und des Machtzentrums in Belgrad fungierte es als inoffizielle Lingua franca. Es war ein Pflichtfach an allen Schulen, w\u00e4hrend relativ bedeutende kleinere Sprachen wie Slowenisch, Mazedonisch und Albanisch au\u00dferhalb der jeweiligen Region nicht unterrichtet wurden. Ihr Status war entsprechend niedrig.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nlich war ich entsetzt, als ich das absolute Desinteresse und den offen zur Schau getragenen Abscheu junger SlawistikstudentInnen an der Universit\u00e4t Zagreb (1988-1989) erlebte, als sie einen Semesterkurs der mazedonischen Sprache absolvieren mussten. Als w\u00e4re es eine Zumutung f\u00fcr sie, &#8222;coole&#8220; TypInnen aus einer nordwestlichen Metropole, diese &#8222;primitive&#8220; s\u00fcdbalkanische Hinterwaldsprache zu lernen.<\/p>\n<h3>Serbokroatisch<\/h3>\n<p>Jeglicher Blick auf die Sprachpolitik Jugoslawiens muss sich haupts\u00e4chlich mit Serbokroatisch befassen. Diese s\u00fcdslawische Sprache wurde von fast drei Vierteln der Bev\u00f6lkerung als Muttersprache gesprochen, von vielen anderen als Zweitsprache.<\/p>\n<p>Eine Sprache mit einer Bandbreite von verschiedenen Dialekten und Varianten. Serbokroatisch wurde von kroatischen und serbischen SchriftstellerInnen und LinguistInnen Mitte des 19. Jahrhunderts im sog. &#8222;Wiener Abkommen&#8220; standardisiert. Dieser Schritt traf auf breite Akzeptanz. Von Anfang an gab es leicht unterschiedliche serbische und kroatische Standards, obwohl beide auf dem gleichen Subdialekt (\u0160tokavisch) basierten. Ab 1918 diente Serbokroatisch als Amtssprache des K\u00f6nigreichs Jugoslawien.<\/p>\n<p>Die Idee der linguistischen Standardisierung entspringt h\u00e4ufig dem Streben nach der Schaffung einer Nation und ist somit fester Bestandteil vieler Nationalismen. Jeder Staat ist bestrebt, in die Sprache einzugreifen und Linguistik von einer beschreibenden Disziplin in eine normative Lehre zu verwandeln, die Sprache formen w\u00fcrde, anstatt sie in ihrer Wandelbarkeit und Ausdrucksfreiheit zu dokumentieren. Die nachfolgenden 50 Jahre des sozialistischen Jugoslawiens hindurch, glich die serbokroatische Sprachpolitik einem Balanceakt, bei dem die Politik und die Schl\u00fcsselbegriffe angepasst wurden, um ein Gleichgewicht zu wahren. Es war im Interesse des bestehenden Systems, ein gewisses Ma\u00df an innerer Vielfalt zuzulassen und gleichzeitig darauf zu bestehen, dass es sich immer noch um eine einheitliche Sprache handele.<\/p>\n<p>1954 unterzeichneten bedeutende SchriftstellerInnen, SprachwissenschaftlerInnen und LiteraturkritikerInnen, die von den gro\u00dfen kulturellen Institutionen Matica srpska in Serbien und Matica hrvatska in Kroatien unterst\u00fctzt wurden, das Abkommen von Novi Sad. Seine Kernaussage war, dass SerbInnen, KroatInnen und MontenegrinerInnen eine einzige Sprache mit zwei gleichen Varianten teilen, die sich um Zagreb (West) und Belgrad (Ost) entwickelt hat. Die Vereinbarung bestand darauf, dass die lateinische und die kyrillische Schrift den gleichen Status haben und dass die zwei offiziellen Dialekte auf Augenh\u00f6he seien. Es wurde festgelegt, dass der Name der Sprache in offiziellen Zusammenh\u00e4ngen &#8222;Serbokroatisch&#8220; sein sollte, w\u00e4hrend die umgangssprachlichen Bezeichnungen &#8222;Serbisch&#8220; und &#8222;Kroatisch&#8220; beibehalten werden d\u00fcrfen. Matica hrvatska und Matica srpska sollten gemeinsam an einem W\u00f6rterbuch arbeiten, und ein gemischtes Komitee von Linguisten wurde damit beauftragt, die Kodifizierung der Rechtschreibung vorzubereiten. In den 1960er Jahren wurden beide B\u00fccher gleichzeitig in ijekavischem Lateinisch in Zagreb und ekavischem Kyrillisch in Novi Sad ver\u00f6ffentlicht. Es herrschte ein einheitlicher Geist &#8211; ein polyzentrisches Modell sprachlicher Einheit.<\/p>\n<p>Bosnien-Herzegowina war die ethnisch wohl vielf\u00e4ltigste Region Jugoslawiens, und die Menschen dort brauchten eine Beherrschung beider Schriften. Ein Beispiel daf\u00fcr, wie dies in der Praxis funktionierte, lieferte die Tageszeitung &#8222;Oslobo?enje&#8220; (Die Befreiung) aus Sarajewo, die abwechselnd in Lateinisch und Kyrillisch erschien.<\/p>\n<p>Bereits in den 50er Jahren trat der kommunistische F\u00fchrer und sp\u00e4tere Dissident Milovan ?ilas f\u00fcr eine Abkehr von der zentralen Planung hin zu mehr wirtschaftlicher Autonomie ein. Seine Argumente f\u00fcr mehr demokratischen Einfluss auf die Entscheidungsfindung f\u00fchrten schlie\u00dflich dazu, dass er den Einparteienstaat selbst und die starre Parteidisziplin hinterfragte. Auch schlug er den R\u00fccktritt von Staatsbeamten vor, die ihre Macht missbrauchten und den Weg der Reform versperrten. Besonders im Nordwesten des Landes waren die 60er Jahre von einer allm\u00e4hlichen Emanzipation von der stalinistischen Politik der Nachkriegsjahre gepr\u00e4gt. Wichtige Reformen Mitte der 60er Jahre f\u00fchrten Elemente der Marktwirtschaft ein, und eine Phase der Demokratisierung im Bund der KommunistInnen zwischen 1966 und 1969 lie\u00df den Parteiorganisationen in den einzelnen Republiken und Regionen eine gr\u00f6\u00dfere Rolle zukommen.<\/p>\n<p>Als Teil dieser allgemeinen Bewegung in Richtung einer st\u00e4rkeren regionalen Autonomie und wohl auch im langj\u00e4hrigen Bewusstsein kroatischer Besonderheiten, ver\u00f6ffentlichten kroatische Intellektuelle 1967 eine &#8222;Deklaration \u00fcber die Bezeichnung und Stellung der kroatischen Schriftsprache&#8220;, die von ZentristInnen in Belgrad als separatistischer Affront wahrgenommen wurde. Die Matica hrvatska stellte das Novi Sad-Abkommen und die gemeinsame Rechtschreibung in Frage und begann mit der eigenst\u00e4ndigen Arbeit, die 1971 in ein kroatisches Orthographie-Handbuch m\u00fcndete. Das Buch wurde bei der Unterdr\u00fcckung des &#8222;Kroatischen Fr\u00fchlings&#8220; umgehend verboten, 1972 aber im Ausland ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Der Wettstreit verschiedener Str\u00f6mungen im staatstragenden politischen Mainstream fand seinen sprachlichen Ausdruck in verschiedenen Bereichen. In den 80ern gab es zunehmend Einw\u00e4nde gegen die Sprachregelung &#8222;Serbokroatisch&#8220; (oder sogar &#8222;Kroatoserbisch&#8220;), vor allem in Kroatien. Um diesen Sensibilit\u00e4ten Rechnung zu tragen, wurden in der sp\u00e4ten jugoslawischen Periode umst\u00e4ndliche Konstruktionen gezimmert, so bezogen sich manche W\u00f6rterb\u00fccher und Nachschlagwerke auf eine &#8222;kroatische oder serbische Sprache&#8220;. Was w\u00fcrde einE Ausl\u00e4nderIn ohne Kenntnis der komplexen sprachpolitischen Wirklichkeit denken, wenn eine entscheidende Definition &#8211; der Name der Sprache &#8211; das mehrdeutige Wort &#8222;oder&#8220; enth\u00e4lt?!<\/p>\n<p>Seit Ende des Kalten Krieges und dem Untergang Jugoslawiens als geopolitischer Puffer zwischen Ost und West ist die Zersplitterung des ehemaligen Staatsterritoriums von einem Prozess der sprachlichen &#8222;Balkanisierung&#8220; begleitet worden. Der vorherrschende Diskurs in Serbien und Kroatien heute besagt, dass sie zwei, wenn auch eng verwandte Sprachen sind. Bosnisch wurde ebenfalls als offizieller Standard in Bosnien-Herzegowina eingef\u00fchrt, und in Montenegro wurde ein separater Standard (einschlie\u00dflich zwei neuer Buchstaben!) eingef\u00fchrt und von der Internationalen Organisation f\u00fcr Normung als eigenst\u00e4ndige Sprache anerkannt. Dieser Schritt des marginal f\u00fchrenden prowestlichen Lagers in Montenegro ist eines von vielen Instrumenten einer andauernden geopolitischen Kampagne, um eine eigene montenegrinische Identit\u00e4t zu festigen und letztlich den serbischen Einfluss einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p>Rein sprachlich hat sich wenig ge\u00e4ndert. Viele dieser Ver\u00e4nderungen sind deklarativer Natur und spiegeln die Politik auf einer \u00dcberbauebene wider. Trotz der zentrifugalen Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte sind die Unterschiede zwischen den Varianten des Serbokroatischen immer noch geringer als beispielsweise zwischen den internationalen Varianten des Englischen. Um es mit den Worten des Gelehrten Branko Franoli? (1980) zu sagen: &#8222;Die Sprachpolitik Jugoslawiens besteht aus einer Reihe von Wechseln zwischen zentralistischen und pluralistischen Tendenzen. Diese Tendenzen sind immer vorhanden, nur ihre relativen Schwerpunkte \u00e4ndern sich. Die Sprachplanung Jugoslawiens ist ein Auswuchs und ein Instrument der politischen Entscheidungsfindung und der allgemeinen sozialen Planung.&#8220;<\/p>\n<h3>Die Zukunft<\/h3>\n<p>Es ist leicht, diese Entwicklungen zu kritisieren, besonders im Nachhinein, und sehr viel schwieriger, eine positive Vision f\u00fcr die Sprachpolitik und -praxis in diesem Teil der Welt zu entwickeln. Die Achtung der Vielfalt sollte ein Hauptanliegen sein. Sprache darf nicht l\u00e4nger als Werkzeug nationalistischer oder machtpolitischer Manipulation verwendet werden.<\/p>\n<p>Einen ermutigenden Ansto\u00df in diese Richtung bietet die &#8222;Deklaration zur gemeinsamen Sprache&#8220;, die Anfang 2017 nach vorbereitenden regionalen Konferenzen aufgeschlossener AutorInnen und JournalistInnen in Podgorica (Montenegro), Split (Kroatien), Belgrad (Serbien) und Sarajewo (Bosnien und Herzegowina) vorgestellt wurde. Ihre antinationalistischen Thesen stellen einen Gegenpol zur postjugoslawischen Manie des Partikularismus und des &#8222;Nationalismus der kleinen Unterschiede&#8220; dar.<\/p>\n<p>Frauenverachtende Sprache ist ein weiteres tief verwurzeltes Problem auf dem Balkan (wie in vielen anderen L\u00e4ndern auch). M\u00e4nnliche Gewalt, Macho-Kultur und die Abwertung unbezahlter h\u00e4uslicher Arbeit sind Grundlagen der autorit\u00e4ren und patriarchalischen Gesellschaften, in denen wir leben &#8211; und dementsprechend spiegeln sie sich in der Sprache wider. Aber viele Individuen fordern diese Strukturen t\u00e4glich heraus und versuchen, Kommunikationsformen, die sexistisch, fremdenfeindlich und homophob sind, zu umgehen. Dieses Bewusstsein und dieser Kampf sind gute Voraussetzungen f\u00fcr alle k\u00fcnftigen &#8222;makrosprachlichen&#8220; L\u00f6sungen und Definitionen, die kommen m\u00f6gen.<\/p>\n<p><b>Will Firth<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im November 1945 fanden Parlamentswahlen statt, bei denen sich die von der Kommunistischen Partei gef\u00fchrte Nationale Front alle Sitze sicherte und 1946 eine Regierung der Kommunistischen Partei Jugoslawiens einrichtete. 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