{"id":17555,"date":"2018-06-01T00:00:00","date_gmt":"2018-05-31T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/06\/und-sie-sind-immer-noch-anarchistin\/"},"modified":"2022-07-26T14:11:49","modified_gmt":"2022-07-26T12:11:49","slug":"und-sie-sind-immer-noch-anarchistin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/06\/und-sie-sind-immer-noch-anarchistin\/","title":{"rendered":"&#8222;&#8230;und Sie sind immer noch Anarchistin?!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>So wurden haupts\u00e4chlich am Samstag M\u00f6glichkeiten diskutiert, wie politische Arbeit in anarchistischen Zusammenh\u00e4ngen aussehen kann, wenn der allabendliche Besuch des \u00f6rtlichen Punkschuppens durch neue Zw\u00e4nge abgel\u00f6st wird: Setzt die Kombination von \u00fcberbordenden Lohnarbeitszeiten, Familie und zunehmender Erm\u00fcdung ein, werfen viele langj\u00e4hrig politisch Aktive das Handtuch &#8211; und das liegt nicht immer an einem selbstgew\u00e4hlten Gang in die Spie\u00dfigkeit, sondern auch an linken Strukturen, die diese Lebensmodelle ausgrenzen.<\/p>\n<p>Einen Schwerpunkt des Programms bildeten deshalb \u00dcberlegungen, wie Elternschaft, die Notwendigkeit eines geregelten Einkommens und \u00fcberhaupt das \u00c4lterwerden mit libert\u00e4ren Anspr\u00fcchen und politischer Praxis vereinbar sein k\u00f6nnen. Bereits die Auftaktdiskussion am Freitagabend hatte mit alternativen Bildungsmodellen ein Thema aufgegriffen, das gerade Menschen mit Kindern anspricht.<\/p>\n<p>Einem v\u00f6llig anderen Bereich widmete sich der Sonntag mit den Workshops des \u00e7apulcu-Kollektivs zu Technologiekritik und zu sicherer Kommunikation, die beide als Brosch\u00fcren ver\u00f6ffentlicht sind.<\/p>\n<p>Der Samstag war in einen Vormittags- und einen Nachmittagsblock gegliedert, in denen jeweils zwei Veranstaltungen stattfanden. Recht gut besucht war die morgendliche Diskussion \u00fcber die Problematik, Kinder und politischen Aktivismus zu vereinbaren &#8211; f\u00fcr anarchistische Zusammenh\u00e4nge eine ebenso gro\u00dfe Herausforderung wie f\u00fcr die Eltern selbst, wenn sie versuchen, ihre Abl\u00e4ufe diesen Notwendigkeiten anzupassen.<\/p>\n<p>Der parallel laufende Workshop zur &#8222;Tyrannei unstrukturierter Gruppen&#8220; fand nach einem ersten Input in Diskussionsphasen statt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie (informelle) Hierarchien innerhalb libert\u00e4rer Politstrukturen abgebaut werden k\u00f6nnten, darunter Informations-, Wissens- und Erfahrungshierarchien ebenso wie die unterschiedlich starke Einbindung in die gesamte politische Szene.<\/p>\n<p>Bei diesen Gespr\u00e4chsrunden traten klare Gegens\u00e4tze zutage, die die Interessen verschiedener Altersgruppen widerspiegelten.<\/p>\n<p>Ebenso wurde das Konfliktfeld zwischen effektivit\u00e4tsorientierter Arbeit und m\u00f6glichst hierarchiearmen gruppeninternen Prozessen sichtbar. F\u00fcr alle befriedigende L\u00f6sungsans\u00e4tze konnten nicht entwickelt werden, doch die ge\u00e4u\u00dferten Ideen waren hilfreich, um die Hierarchien gerade in sehr heterogenen Strukturen zu reflektieren.<\/p>\n<p>Nachmittags widmete sich ein Workshop des Kollektivs RaAupe unter dem Titel &#8222;Gemeinsame \u00d6konomie und kollektive Organisation von Leben&#8220; einer alternativen Lebensgestaltung, die der gesellschaftlichen Zersplitterung in Individuen und Kleinfamilien entgegengesetzt werden kann.<\/p>\n<p>Zeitgleich fand der Vortrag &#8222;\u00c4lter werden und aktiv bleiben!&#8220; des Politaktivisten Michael Dandl statt, in dem der seit 35 Jahren in (post-)autonomen Zusammenh\u00e4ngen Engagierte anhand seiner eigenen Biografie und theoretischer Analysen das Thema umriss. Angesprochen wurden die Entstehung einer fundamentaloppositionellen Haltung &#8211; oftmals im Kontext jugendbewegter Subkultur &#8211; und deren Beibehaltung trotz zunehmenden sozialen Drucks, trotz pers\u00f6nlicher Frustration und trotz staatlicher Repression.<\/p>\n<p>Thema war auch der szeneinterne Ageismus: in den von J\u00fcngeren dominierten Zusammenh\u00e4ngen wird eine Ablehnung gegen\u00fcber den \u00c4lteren h\u00e4ufig offen ge\u00e4u\u00dfert, und ein Gro\u00dfteil der Plenums- und Aktionsabl\u00e4ufe ist an den M\u00f6glichkeiten junger Menschen orientiert.<\/p>\n<p>Der lange Input ging flie\u00dfend in eine rege Diskussion \u00fcber, in der zun\u00e4chst die Frage im Raum stand, wie es nach dem Abklingen der anf\u00e4nglichen &#8222;Wut im Bauch&#8220;, die in den ersten Jahren Hauptmotor f\u00fcr die politische Arbeit ist, weitergeht: wie kann daraus konstruktiv eine dauerhaft widerst\u00e4ndige Haltung entwickelt und diese auch bei ver\u00e4nderten Lebensumst\u00e4nden aufrechterhalten werden?<\/p>\n<p>Viele Teilnehmer*innen berichteten von ihren Erfahrungen in altersgemischten Gruppen oder auch in Strukturen, die sich haupts\u00e4chlich aus \u00c4lteren zusammensetzen, die \u00fcber \u00e4hnliche (Polit-)Sozialisationen und Bewegungserfahrungen verf\u00fcgen. Die Berichte von langj\u00e4hrig Aktiven, in der von st\u00e4ndigem Wechsel gepr\u00e4gten Szene mit immer neuen Mitstreiter*innen die immer selben erm\u00fcdenden Diskussionen zu f\u00fchren, erm\u00f6glichte den J\u00fcngeren ein besseres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr deren Situation und erg\u00e4nzte den morgendlichen Workshop \u00fcber gruppeninterne Hierarchien.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Die bei den Anarchietagen gef\u00fchrten Debatten waren ein wichtiger Beitrag, um die Positionen und Schwierigkeiten von Menschen anderer Altersstufen und Lebenssituationen zu verstehen und diese in den gemeinsamen politischen Alltag einzubeziehen.<\/p>\n<p><b>Silke<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So wurden haupts\u00e4chlich am Samstag M\u00f6glichkeiten diskutiert, wie politische Arbeit in anarchistischen Zusammenh\u00e4ngen aussehen kann, wenn der allabendliche Besuch des \u00f6rtlichen Punkschuppens durch neue Zw\u00e4nge abgel\u00f6st wird: Setzt die Kombination von \u00fcberbordenden Lohnarbeitszeiten, Familie und zunehmender Erm\u00fcdung ein, werfen viele langj\u00e4hrig politisch Aktive das Handtuch &#8211; und das liegt nicht immer an einem selbstgew\u00e4hlten Gang &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/06\/und-sie-sind-immer-noch-anarchistin\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"\"...und Sie sind immer noch Anarchistin?!\" - graswurzelrevolution","description":"So wurden haupts\u00e4chlich am Samstag M\u00f6glichkeiten diskutiert, wie politische Arbeit in anarchistischen Zusammenh\u00e4ngen aussehen kann, wenn der allabendliche Besuc"},"footnotes":""},"categories":[1006,1042],"tags":[],"class_list":["post-17555","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-430-sommer-2018","category-ohne-chef-und-staat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17555","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17555"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17555\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17555"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17555"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17555"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}