{"id":17597,"date":"2018-09-01T00:00:00","date_gmt":"2018-08-31T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/09\/der-schlimmste-ort\/"},"modified":"2022-07-26T13:56:29","modified_gmt":"2022-07-26T11:56:29","slug":"der-schlimmste-ort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/09\/der-schlimmste-ort\/","title":{"rendered":"Der schlimmste Ort"},"content":{"rendered":"<p>Glaubt man den historischen Wetteraufzeichnungen, dann war der 14. M\u00e4rz 1945 ein milder Fr\u00fchlingstag in Frankfurt. Der Zweite Weltkrieg war l\u00e4ngst verloren, die Stadt von den alliierten Luftangriffen weitgehend zerst\u00f6rt, die Rote Armee hatte Pommern und Westpreu\u00dfen bereits besetzt und r\u00fcstete sich f\u00fcr den Angriff auf Berlin. Zwei Wochen sp\u00e4ter w\u00fcrde die siebte US-Armee den Widerstand in der Stadt am Main endg\u00fcltig gebrochen haben. Aber an diesem Mittwochmorgen konnten die Frankfurter noch ein letztes Mal zeigen, welch gute Nationalsozialisten und wie treu ergeben sie ihrer SS waren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18582\" aria-describedby=\"caption-attachment-18582\" style=\"width: 476px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Golub-Lebedenko-Platz-im-Gallus-\u00a9-Aljoscha-Walther.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18582 \" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Golub-Lebedenko-Platz-im-Gallus-\u00a9-Aljoscha-Walther-1024x574.png\" alt=\"\" width=\"476\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Golub-Lebedenko-Platz-im-Gallus-\u00a9-Aljoscha-Walther-1024x574.png 1024w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Golub-Lebedenko-Platz-im-Gallus-\u00a9-Aljoscha-Walther-300x168.png 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Golub-Lebedenko-Platz-im-Gallus-\u00a9-Aljoscha-Walther-600x336.png 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Golub-Lebedenko-Platz-im-Gallus-\u00a9-Aljoscha-Walther-768x430.png 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Golub-Lebedenko-Platz-im-Gallus-\u00a9-Aljoscha-Walther.png 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 476px) 100vw, 476px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18582\" class=\"wp-caption-text\">Im Gedenken an die Hingerichteten wurde ein Platz nach ihnen benannt. Foto: Aljoscha Walther<\/figcaption><\/figure>\n<p>Am Morgen waren aus dem KZ-Au\u00dfenlager &#8222;Katzbach&#8220;, das sich mitten in der Stadt auf dem Gel\u00e4nde der &#8222;Adlerwerke&#8220; befand, zwei H\u00e4ftlinge entflohen. Die Adlerwerke waren bereits 1880 als Heinrich Kleyer GmbH gegr\u00fcndet worden und hatten bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges unter anderem Fahr- und motorisierte Dreir\u00e4der, Autos, Motorr\u00e4der und Schreibmaschinen produziert. Nachdem gro\u00dfe Teile des Frankfurter Werkes bei Bombenangriffen zerst\u00f6rt worden waren, konzentrierte man sich seit 1944 weitgehend auf den Bau von Motoren und Fahrgestellen f\u00fcr kriegswichtige Fahrzeuge und da die Arbeitskr\u00e4fte auszugehen drohten, hatte man auch KZ-H\u00e4ftlinge angefordert. Ende Oktober 1944 schlie\u00dflich war das KZ-Au\u00dfenlager innerhalb des Geb\u00e4udekomplexes der Adlerweke eingerichtet und von 1139 H\u00e4ftlingen bezogen. Das KZ mit dem Decknamen &#8222;Katzbach&#8220;, benannt nach der &#8222;Schlacht an der Katzbach&#8220;, bei der 1813 deutsch-russische Truppen w\u00e4hrend der so genannten Befreiungskriege die franz\u00f6sischen Einheiten zur\u00fcckgedr\u00e4ngt hatten, war eines der wenigen, die mitten in einer Gro\u00dfstadt errichtet wurden. Die R\u00e4ume waren von Beginn an \u00fcberbelegt, insgesamt wurden bis Kriegsende, also in etwa sieben Monaten, rund 1600 H\u00e4ftlinge in dem Lager unter- und zum gr\u00f6\u00dften Teil umgebracht.<\/p>\n<p>Zwei von ihnen, Georgi Lebedenko und Adam Golub waren an jenem Morgen aus dem KZ-Au\u00dfenlager geflohen. Weit kamen beide nicht, auch weil sich an ihrer Ergreifung &#8222;offenbar die halbe Nachbarschaft beteiligt hatte&#8220;, wie Ernst Kaiser und Michael Knorn bereits 1998 in ihrer Studie &#8222;Wir lebten und schliefen zwischen den Toten &#8211; R\u00fcstungsproduktion, Zwangsarbeit und Vernichtung in den Frankfurter Adlerwerken&#8220; dokumentierten. Demnach wurde Lebedenko zuerst gefasst und &#8222;um 6:00 Uhr morgens&#8220; in einer Stra\u00dfe nahe den Adlerwerken im Frankfurter Stadtteil Gallus erschossen. Golub gelang es etwas l\u00e4nger, sich zu verstecken. Er wurde schlie\u00dflich in der nahen Lahnstra\u00dfe im Keller eines Wohnhauses entdeckt. Rund 30 Frankfurtern, die sich auf der Stra\u00dfe versammelt hatten, bot sich eine Szenerie, die die Hausfrau Maria L. nach dem Krieg in ihrer Vernehmung durch die Kriminalpolizei Frankfurt so darstellte: &#8222;Wei\u00df (gemeint ist Martin Wei\u00df, einer der wegen seiner Brutalit\u00e4t im Umgang mit KZ-H\u00e4ftlingen gef\u00fcrchtetsten Frankfurter SS-M\u00e4nner, N.H.) begab sich in den Keller, er hatte schon einen Revolver oder eine Pistole in den H\u00e4nden gehalten. Der H\u00e4ftling kam aber von allein die Treppe herauf und sagte zu Wei\u00df &#8218;Kamerad, nicht schie\u00dfen&#8216;, worauf Wei\u00df seine Pistole wieder einsteckte und nach einem herumliegenden Kn\u00fcppel griff. Auf der Stra\u00dfe dann wollte er den H\u00e4ftling schlagen, worauf ich vom Fenster meiner im ersten Stock gelegenen Wohnung dem Wei\u00df zurief, er solle den H\u00e4ftling nicht schlagen. Wei\u00df lie\u00df tats\u00e4chlich den Kn\u00fcppel fallen und auf der Stra\u00dfe erschoss er den Betreffenden von hinten mit einem Kopfschuss.&#8220; Georgi Lebedenko und Adam Golub waren zum Zeitpunkt ihrer Hinrichtung 21 bzw. 19 Jahre alt.<\/p>\n<p><strong>Der h\u00f6chste Bilanzgewinn des Zweiten Weltkrieges<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte des KZ Katzbach und den davon profitierenden Adlerwerken ist in mehrfacher Hinsicht exemplarisch, einerseits f\u00fcr die Rolle der deutschen Industrie und ihrer Manager im Dritten Reich, andererseits f\u00fcr den Umgang der Bundesrepublik und ihrer Institutionen mit T\u00e4tern und Opfern.<\/p>\n<p>So konnten die Adlerwerke mit Hilfe der KZ-H\u00e4ftlinge im Jahr 1944 den h\u00f6chsten Bilanzgewinn w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges verbuchen, man profitierte reichlich von den eingesetzten Zwangsarbeiter*innen, deren gesamter Arbeitswert beim Unternehmen blieb und deren Arbeitsf\u00e4higkeit man nur gerade so aufrecht erhielt &#8211; der Faschismus war auch hier Wegbereiter eines kapitalistischen Schlaraffenlands. Gleichzeitig war das Lager unter den H\u00e4ftlingen ber\u00fcchtigt. Die extra f\u00fcr diesen Zweck zusammengestellte private Wachmannschaft, die sich gemeinsam mit der SS um die Insassen k\u00fcmmerte, w\u00fctete wie an kaum einem anderen Ort. Der H\u00e4ftling Zygmunt Swistak erz\u00e4hlte sp\u00e4ter der Journalistin Joanna Skibinska von den Bedingungen im Frankfurter KZ: &#8222;Wir waren ja im Herbst und im Winter dort und hatten nur diese Sommerstr\u00e4flingsanz\u00fcge. Wir besa\u00dfen \u00fcberhaupt keine Unterw\u00e4sche. An den F\u00fc\u00dfen trugen wir Holzschuhe, ohne Socken und auf dem Kopf eine gestreifte M\u00fctze. Das war alles. Es war wahnsinnig kalt. (&#8230;) Dazu noch diese Behandlung, dieses st\u00e4ndige Schlagen. Die Treppe herauf und herunter jagen! An jeder Ecke stand ein Deutscher mit einem Stock und hat uns angetrieben.&#8220;<\/p>\n<figure id=\"attachment_18580\" aria-describedby=\"caption-attachment-18580\" style=\"width: 345px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Branecki2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-18580\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Branecki2.jpg\" alt=\"\" width=\"345\" height=\"220\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Branecki2.jpg 800w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Branecki2-300x191.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Branecki2-600x383.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Branecki2-768x490.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 345px) 100vw, 345px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18580\" class=\"wp-caption-text\">Andrzej Branecki bei der Abschlussveranstaltung zum Projekt &#8222;Mitten unter uns im Historischen Museum 2015 &#8211; Foto: Horacio Villalobo<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein anderer \u00dcberlebender, Andrzej Branecki, der zuvor bereits die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Mannheim kennengelernt hatte, betonte: &#8222;In Buchenwald haben wir untereinander von Dachau als einem &#8218;Sanatorium&#8216; gesprochen. Und Frankfurt war sp\u00e4ter der schlimmste Ort, an dem ich in meinem ganzen Leben gewesen bin&#8220; Auch der ebenfalls mit Auschwitz-Erfahrung nach Frankfurt verschleppte Wladyslaw Jarocki best\u00e4tigte: &#8222;Die Adlerwerke waren viel schlimmer als ein Lager, das war ein Todeskommando! Die Sterblichkeitsrate war unheimlich hoch &#8211; durch L\u00e4use und Hunger. (\u0085) Ich wog 40 Kilo! Die Suppe bestand aus Pressr\u00fcckst\u00e4nden von Zitronen und Kartoffelschalen aus der SS-K\u00fcche. Diese Abf\u00e4lle haben sie in einen Kessel geworfen und gekocht &#8211; oder auch nicht. (\u0085) Unsere Holzschuhe legten wir vor dem Einschlafen auf der Pritsche unter den Kopf wie ein Kissen. Wir hatten nicht einmal ausreichend Decken. Manchmal standen die Bretter dieser Pritschen so weit auseinander, dass man das Gef\u00fchl hatte, man schliefe auf einer Leiter. Das kann man nicht beschreiben.&#8220;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Mitten unter uns&#8220;: K\u00fcnstlerin erinnert mit Gro\u00dfprojekt<\/strong><\/p>\n<p>Kurz vor Kriegsende wurden die H\u00e4ftlinge evakuiert. Am 13. M\u00e4rz 1945 wurden etwa 500 von ihnen in das KZ Bergen-Belsen verbracht, acht davon \u00fcberlebten das Kriegsende rund sechs Wochen sp\u00e4ter. Am 24. M\u00e4rz 1945 begann f\u00fcr die \u00fcbrigen rund 400 H\u00e4ftlinge der so genannte Evakuierungsmarsch von Frankfurt nach Buchenwald, wo knapp vier Wochen sp\u00e4ter nur rund 40 von ihnen ankamen und kurz darauf von der US-amerikanischen Armee befreit wurden.<\/p>\n<p>72 Jahre sp\u00e4ter spricht die K\u00fcnstlerin Stefanie Grohs im Frankfurter Nordend von einer Aktion, die sie im Jahr 2015 durchgef\u00fchrt und bei der sie im Stadtgebiet rund 1600 Stoffbinden an Baumst\u00e4mmen angebracht hatte. Die gestreiften Binden orientierten sich an der H\u00e4ftlingsbekleidung, sorgten in der Stadt monatelang f\u00fcr Aufsehen und sollten laut Grohs die rund 1600 Todesopfer des Frankfurter KZs repr\u00e4sentieren. &#8222;Alles hat damit angefangen, dass ich die Geschichte meiner eigenen Familie nachvollziehen wollte, die allerdings eher im Bereich des T\u00e4tervolks angesiedelt ist&#8220;, erz\u00e4hlt sie im Gespr\u00e4ch mit der GWR, &#8222;und bei der Recherche bin ich dann in der Gedenkst\u00e4tte in Auschwitz gelandet, was so ein Schockerlebnis war, dass ich das starke Bed\u00fcrfnis entwickelt habe, mich dazu zu positionieren.&#8220; Von der ehemaligen Existenz eines KZs in Frankfurt habe sie erst sp\u00e4ter erfahren und festgestellt, &#8222;dass es unglaublich viele Menschen in der Stadt gibt, die das nicht wissen, auch Leute die ihr ganzes Leben hier verbracht haben.&#8220; Deshalb habe sie \u00fcberlegt, wie diese Tatsache in das Bewusstsein der heutigen Bev\u00f6lkerung zu bringen sei und so sei die Idee mit den Stoffbinden entstanden.<\/p>\n<p>Nachdem die Stadt Frankfurt jahrzehntelang eher daran interessiert gewesen sei, Katzbach totzuschweigen, freut sich Grohs dar\u00fcber, dass mit ihrem und zwei weiteren Kunstprojekten, die finanziell unterst\u00fctzt worden waren, auch das Interesse der aktuellen Stadtregierung an zumindest einem aktiven Erinnern sichtbar geworden sei, sie mahnt aber auch: &#8222;Das sind allerdings nur tempor\u00e4re Kunstaktionen gewesen und das reicht nicht.&#8220;<\/p>\n<p>Neben ihrem k\u00fcnstlerischen Engagement ist Grohs auch Mitglied eines F\u00f6rdervereins, der sich f\u00fcr die Errichtung einer Gedenkst\u00e4tte zum KZ Katzbach einsetzt.<\/p>\n<p>Die &#8222;Initiative gegen das Vergessen&#8220; k\u00e4mpft seit Mitte der 90er Jahre um ein angemessenes Gedenken und eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr die \u00dcberlebenden &#8211; erstaunlicher Weise mit einigem Erfolg. So gibt es seit November 1997 in Frankfurt einen Golub-Lebedenko-Platz, benannt nach den hingerichteten Fl\u00fcchtlingen aus dem Fr\u00fchjahr 1945 und man erstritt 1998 eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr die elf noch lebenden Katzbach-H\u00e4ftlinge in H\u00f6he von insgesamt 80.000 D-Mark von der Dresdner Bank, die 1945 Mehrheitsaktion\u00e4rin der Adlerwerke war &#8211; selbstverst\u00e4ndlich gegen den massiven Widerstand seitens Management und Aktion\u00e4rsversammlung. Seit Jahren streitet der Verein nun f\u00fcr eine Gedenkst\u00e4tte und damit f\u00fcr ein angemessenes Gedenken an die Opfer der staatlich organisierten Verbrechen in Frankfurt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges.<\/p>\n<p><strong>Noch immer keine angemessene Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die Opfer<\/strong><\/p>\n<p>Zwar hat die Stadt mittlerweile signalisiert, dass sie an der Einrichtung einer solchen Gedenkst\u00e4tte grunds\u00e4tzlich interessiert sei, so &#8222;schnell&#8220; geht das dann aber doch nicht, und so werden wohl auch die letzten \u00dcberlebenden dieser siebenmonatigen H\u00f6lle ein angemessenes Gedenken an ihr Martyrium nicht mehr miterleben.<\/p>\n<p>Auf GWR-Anfrage erkl\u00e4rt die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig, sie &#8222;unterst\u00fctze die Initiativen darin, diesem Ort und den hier stattgefundenen Verbrechen dauerhaft zu gedenken&#8220;, allerdings sei es notwendig, &#8222;unter Ber\u00fccksichtigung der in den letzten Jahrzehnten ver\u00f6ffentlichten Quellen und Dokumente, die L\u00fccke zwischen den \u00e4lteren Untersuchungen und heute zu schlie\u00dfen&#8220;, schlie\u00dflich habe man erst &#8222;mit diesem neuen Wissen (\u0085) eine fundierte Grundlage f\u00fcr eine Gedenkst\u00e4tte&#8220;. Eine Historikerin am Fritz Bauer Institut sei bereits &#8222;mit der Aktualisierung des Forschungsstandes zum KZ Katzbach&#8220; befas<\/p>\n<figure id=\"attachment_18581\" aria-describedby=\"caption-attachment-18581\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Katzbach-Listen-1_ausgeschnitten_neu.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18581 \" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Katzbach-Listen-1_ausgeschnitten_neu.jpg\" alt=\"\" width=\"580\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Katzbach-Listen-1_ausgeschnitten_neu.jpg 1000w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Katzbach-Listen-1_ausgeschnitten_neu-300x179.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Katzbach-Listen-1_ausgeschnitten_neu-600x358.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Katzbach-Listen-1_ausgeschnitten_neu-768x458.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18581\" class=\"wp-caption-text\">KZ Katzbach: Namensliste der H\u00e4ftlinge<\/figcaption><\/figure>\n<p>st.<\/p>\n<p>Auch wenn alle Initiativen-Vertreter*innen im Gespr\u00e4ch angeben, Frau Hartwig sei es mit der Gedenkst\u00e4tte durchaus ernst und sie keinesfalls die Schuldige an dem Desaster: \u00dcber 70 Jahre nach der Befreiung der H\u00e4ftlinge nehmen es deutsche Beh\u00f6rden in guter deutscher Tradition doch sehr genau mit Forschung und fundierter Grundlage, wenn es um das Gedenken an die Opfer geht &#8211; da ist Eile offenbar nicht geboten. Mit der Rehabilitierung und Auszeichnung der M\u00f6rder hingegen konnte es gar nicht schnell genug gehen und so setzten auch die Verantwortlichen f\u00fcr den Frankfurter Nazi-Mordrausch ihre Karrieren nach Kriegsende weitgehend unbehelligt fort.<\/p>\n<p>Ernst Hagemeier, 1944\/45 &#8222;Betriebsf\u00fchrer&#8220; der Adlerwerke, konnte nach kurzer Inhaftierung bereits im Juli 1948 auf seinen alten Posten als Vorstandsvorsitzender zur\u00fcckkehren. Vom NS-Nachfolgestaat BRD wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Carl Goetz, von 1939 bis 1945 Vorsitzender des Aufsichtsrates der Adlerwerke, erhielt ebenfalls das Bundesverdienstkreuz.<\/p>\n<p>Der &#8222;Abwehrbeauftragte&#8220; des Unternehmens, Dr. Franz Engelmann, ebenfalls einer der Hauptverantwortlichen, wurde 1950 zum &#8222;Minderbelasteten&#8220; erkl\u00e4rt und nicht weiter rechtlich belangt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18583\" aria-describedby=\"caption-attachment-18583\" style=\"width: 295px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Gr_Verdienstkreuz_BVK.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18583\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Gr_Verdienstkreuz_BVK.jpg\" alt=\"\" width=\"295\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Gr_Verdienstkreuz_BVK.jpg 500w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Gr_Verdienstkreuz_BVK-300x332.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Gr_Verdienstkreuz_BVK-271x300.jpg 271w\" sizes=\"auto, (max-width: 295px) 100vw, 295px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18583\" class=\"wp-caption-text\">Der NS- Nachfolgestaat BRD ehrte die Nazi-Verbecher mit Verdienstkreuzen &#8211; Foto: Wikipedia<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der als Lagerf\u00fchrer und SS-Hauptscharf\u00fchrer Chef der Frankfurter M\u00f6rderbande, Erich Franz, setzte sich nach \u00d6sterreich ab, ein m\u00f6glicher Prozess wurde von der Wiener Staatsanwaltschaft gar nicht erst ernsthaft angestrengt, man halte &#8222;die vorliegende Sach- und Beweislage (\u0085) f\u00fcr aussichtslos&#8220;, hie\u00df es 1967 lustlos in der Begr\u00fcndung &#8211; trotz eindeutiger Indizien. Der mehrfache M\u00f6rder Franz wurde bis zu seinem Tod 1985 nicht mehr strafrechtlich verfolgt.<\/p>\n<p>SS-Lagerkoch Martin Wei\u00df, der M\u00f6rder des Teenagers Adam Golub und vieler weiterer Menschen, kehrte in seine rum\u00e4nische Heimat zur\u00fcck, wurde nicht weiter belangt und starb 1995 im Alter von 79 Jahren. Laut Kaiser und Knorn, die den Katzbach-Komplex in den 1990er Jahren als Lehrer im Rahmen eines Sch\u00fclerprojektes und ohne finanzielle Hilfen aufrollten, wurden die Personalangaben des 1965 ausgestellten, f\u00fcr das Bundesgebiet g\u00fcltigen Haftbefehls &#8222;mit derartigem Desinteresse bearbeitet, dass der zust\u00e4ndige Staatsanwalt im Jahre 1984 lakonisch vermerkte, damit &#8218;d\u00fcrfte allerdings kaum jemand festzunehmen sein, selbst wenn der Schuldige auftauchen sollte.'&#8220; ((1))<\/p>\n<p><b>Nicolai Hagedorn<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Glaubt man den historischen Wetteraufzeichnungen, dann war der 14. 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