{"id":17706,"date":"2018-09-28T12:00:00","date_gmt":"2018-09-28T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/09\/hambi-bleibt\/"},"modified":"2018-10-29T02:41:06","modified_gmt":"2018-10-29T00:41:06","slug":"hambi-bleibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/09\/hambi-bleibt\/","title":{"rendered":"Hambi bleibt!"},"content":{"rendered":"<p>Was ist das Wesen des Konflikts um den Hambacher Forst? Schauen wir uns kurz die Hauptakteure an.<\/p>\n<h3>RWE<\/h3>\n<p>Die RWE-Managerin Katja von Doren erkl\u00e4rte am 6. September 2018 in einem Interview mit der WAZ, im Hambacher Forst gehe es \u201eum vor langer Zeit beschlossene Pl\u00e4ne, f\u00fcr die es eine klare Rechtsgrundlage gibt\u201c. ((1)) Das beschreibt die Position des Konzerns ganz gut. Dass es nach den vor langer Zeit beschlossenen Pl\u00e4nen gewisse Entwicklungen gab, die mit der Existenzm\u00f6glichkeit menschlicher Zivilisation auf der Erde zu tun haben, namentlich die Einsicht in die Dramatik des menschengemachten Klimawandels, steht im Widerspruch zu RWEs \u201eklarer Rechtsgrundlage\u201c. Man muss immer wieder daran erinnern: Am 12. Dezember 2015 hat die Weltgemeinschaft auf der Pariser Klimakonferenz (COP 21) beschlossen, eine \u201eBegrenzung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2\u00b0C \u00fcber dem vorindustriellen Niveau, wenn m\u00f6glich auf 1,5\u00b0C \u00fcber dem vorindustriellen Niveau\u201c zu erzielen. ((2)) Dass dies nur geht, wenn Deutschland bis 2040 seine CO2-Emissionen auf Null zur\u00fcckf\u00e4hrt und im Stromsektor dieses Ziel deutlich fr\u00fcher erreicht, haben Klimawissenschaftler wie Professor Quaschning nachvollziehbar vorgerechnet. RWE leugnet diesen Sachverhalt einfach und pocht auf Genehmigungen aus einer anderen Realit\u00e4t. Der Konzern lebt in einem Paralleluniversum, in dem die Zeit letztlich im 19. Jahrhundert stehen geblieben ist. Man kann dies RWE nicht vorwerfen, weil die Logik eines kapitalistischen Unternehmens nun einmal Profitmaximierung und nichts anderes ist. Wird die Grundlage dieses Profits in anderen Sph\u00e4ren sch\u00e4dlich, kann die Kurs\u00e4nderung nur von anderen Akteuren kommen.<\/p>\n<p>Der rheinische Braunkohlekomplex ist der gr\u00f6\u00dfte CO2-Emittent Europas. Die RWE-Kraftwerke Neurath und Niederau\u00dfem nehmen die Pl\u00e4tze 2 und 3 in der \u201eHitparade\u201c der klimasch\u00e4dlichsten Kraftwerke Europas ein. ((3)) Beide werden vom Tagebau Hambach mit Brennstoff beliefert. Dass sie beim Ergebnis der derzeit tagenden \u201eKohlekommission\u201c zu den ersten Abschaltkandidaten geh\u00f6ren, ist klar. RWE will davon nichts wissen und hat sogar den Neubau eines neuen Kraftwerksblocks in Niederau\u00dfem beantragt (\u201eBOA-Plus\u201c), der 1100 MW Leistung haben und noch auf Jahrzehnte 27 Millionen Tonnen CO2\u00a0j\u00e4hrlich in die Atmosph\u00e4re pusten soll. ((4))<\/p>\n<p>Diese Planung ist h\u00f6chstwahrscheinlich Fake. Sie hat denselben Zweck wie die \u00fcberschnelle Zerst\u00f6rung des Hambacher Forsts: So zu tun, als habe man gutgl\u00e4ubig Gigantisches f\u00fcr die Aufrechterhaltung des Braunkohlesystems geleistet, und sich dann den (ohnedies aus betriebswirtschaftlichen Gr\u00fcnden geplanten) Verzicht mit Milliarden an Steuergeldern versilbern zu lassen.<\/p>\n<p>Der BUND hat Ende August nachgewiesen, dass RWE den Hambacher Wald schon seit langem \u201eauf Vorrat\u201c rodet. Statt der erlaubten zwei Jahre Vorlauf der Abholzung vor der Abbaggerung rodet RWE bis zu f\u00fcnf Jahre im Voraus. ((5)) Das ist illegal, genie\u00dft aber die volle R\u00fcckendeckung des politischen Systems. RWE ist jetzt begierig darauf, den Wald endg\u00fcltig zu zerst\u00f6ren \u2013 nicht aus irgendeiner Notwendigkeit der Betriebsabl\u00e4ufe heraus, sondern um der Klimaschutzbewegung durch Dem\u00fctigung das Genick zu brechen.<\/p>\n<h3>\u201eDie Politik\u201c<\/h3>\n<p>Darin sind sie sich mit den etablierten Kr\u00e4ften des politischen Systems einig. Hier, wo eigentlich nicht die Konzernbilanz den Horizont einengen sollte, regiert gleichwohl eine atemberaubende Faktenverleugnung. Ein Beispiel: Eine Entschlie\u00dfung des Regionalrats der Bezirksregierung K\u00f6ln formulierte im Jahr 2016, der Neubau von \u201eBOA-Plus\u201c solle unbedingt durchgef\u00fchrt werden, weil er einen \u201eBeitrag zur CO2-Reduzierung und dem Erreichen der Klimaziele von Bund und Land\u201c darstelle. Dieser Antrag wurde von CDU, SPD und FDP unterst\u00fctzt, die damit verdeutlichten, dass sie klima- und energiepolitisch offensichtlich unter Realit\u00e4tsverlust leiden. ((6))<\/p>\n<p>Aber kommen wir zur\u00fcck zum Hambi. Hier ist die schwarzgelbe Landesregierung der entscheidende Akteur des offiziellen politischen Systems. Die am 13. September mit 3500 Polizeibeamten gestartete R\u00e4umung der Waldbesetzung wurde veranlasst durch die Ministerin f\u00fcr \u201eHeimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung\u201c, Ina Scharrenbach (CDU). Sie machte geltend, die (unmittelbar zuvor erst rechtlich zu \u201eGeb\u00e4uden\u201c erkl\u00e4rten) Baumh\u00e4user m\u00fcssten sofort entfernt werden, weil sie nicht den Bestimmungen des Brandschutzes entspr\u00e4chen; es gehe also um einen Schutz der Bewohner*innen vor drohender Gefahr. Kurz zuvor hatte die Polizei noch Feuerl\u00f6scher der Besetzer*innen konfisziert, weil diese zu Waffen umfunktioniert werden k\u00f6nnten! Die unkonventionelle Idee der Ministerin, sich f\u00fcr die Belange der \u201eHeimat\u201c mit einer Waldvernichtung einzusetzen, spiegelt nat\u00fcrlich die Schwierigkeit wieder, <em>irgendeinen<\/em> Vorwand f\u00fcr die R\u00e4umung zu finden.<\/p>\n<p>Aber es steckt auch eine starke politische Botschaft darin: Hallo Klimasch\u00fctzer*innen, hallo Rechtsstaat, ihr k\u00f6nnt uns alle mal am Arsch lecken! Wir setzen die RWE-Interessen sowieso durch!<\/p>\n<p>Die Botschaft lautet auch: Hallo Gewerkschaft der Polizei, hallo Kirchen, hallo Umweltschutzverb\u00e4nde! Hallo, Stadt Kerpen und Landratsamt D\u00fcren, die ihr diesen Irrsinns-Beschluss aus dem Hause Scharrenberg umsetzen m\u00fcsst \u2013 geht doch heulen! F\u00fcrwahr ein gro\u00dfartiger Dienst an der politischen Kultur im Lande.<\/p>\n<h3>Die Klimasch\u00fctzer<\/h3>\n<p>Seit Ende August 2018 hat das Konglomerat aus Landesregierung und RWE-Konzern mit der Eskalation des Konflikts begonnen. Der Hambacher Forst und selbst der benachbarte Ort Kerpen-Buir wurden zum \u201egef\u00e4hrlichen Ort\u201c erkl\u00e4rt, in dem die Polizei anlasslos Menschen kontrollieren und durchsuchen darf. Das Wiesencamp der Besetzer*innen wurde durchsucht und teilweise demoliert; in den Baumhaus-Siedlungen wurden alle Strukturen am Boden zerst\u00f6rt \u2013 unter dem Namen des \u201eAufr\u00e4umens\u201c. Die Besetzer*innen haben sich durch dieses Anziehen der Gewaltschraube ganz \u00fcberwiegend nicht provozieren lassen.<\/p>\n<p>Der b\u00fcrgerliche Widerstand ist in derselben Zeit massiv gewachsen. Bereits seit Ende 2017 \u2013 seit der ersten erfolgreichen \u201eRodungsverhinderungssaison\u201c \u2013 gibt es in vielen St\u00e4dten insbesondere des Rheinlands Hambi-Support-Gruppen, die die Waldbesetzung unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die seit \u00fcber vier Jahren durchgef\u00fchrten \u201eWaldspazierg\u00e4nge\u201c des Waldp\u00e4dagogen Michael Zobel nahmen immer mehr den Charakter politischer Demonstrationen an. Am 9. September 2018 war die Teilnehmer*innenzahl erstmals vierstellig, am 16. September versammelten sich vielleicht 7000 Menschen, um f\u00fcr den Schutz des Waldes zu demonstrieren, dessen Zerst\u00f6rung durch die R\u00e4umung der Waldbesetzung inzwischen begonnen hatte. Wenn man die Stimmung dieser Gro\u00dfveranstaltung zwischen Fr\u00f6hlichkeit und berechtigtem Zorn bei den Demo-Teilnehmer*innen und der \u00fcberwiegend br\u00e4sigen Ausdruckslosigkeit der uniformierten Befehlsausf\u00fchrer alleine als Bemessungsgrundlage nehmen kann, dann hat der Widerstand l\u00e4ngst gewonnen. Aber bei all dem Singen und Tanzen, den Familien mit Kindern jedes Alters und den zur Wiederaufforstung mittels mitgebrachter Setzlinge entschlossenen Aktiven der Aktion \u201eAuf-B\u00e4umen\u201c wurde wenige hundert Meter weiter im Wald das kalte Zerst\u00f6rungswerk an der Waldbesetzung weiterhin fortgesetzt.<\/p>\n<p>Mich hat das Video enorm beeindruckt, in dem eine Waldbesetzerin unmittelbar nach ihrer R\u00e4umung, flankiert von zwei Polizisten in Kampfmontur, unter Tr\u00e4nen die Logik dieses Konflikts auf den Punkt bringt: \u201eSie denken wahrscheinlich, sie h\u00e4tten gewonnen. Aber sie k\u00f6nnen nicht gewinnen, weil sie den Wald genauso brauchen [\u2026], und das einfach nicht verstehen \u2026\u201c ((7)) Die Frau schildert dann das utopisch-anarchistische Potenzial der Waldbesetzung, das sicher ein weiterer Grund f\u00fcr die armseligen Politikerdarsteller in D\u00fcsseldorf ist, gerade diese Gemeinschaft zu zerschlagen. \u2013 Nicht nur mich bewegt dieses Video. Es ist, w\u00e4hrend ich diese Zeilen schreibe, unfassbare 2,8 Millionen mal angesehen worden. Wenn es eines Beweises bedurft h\u00e4tte, dass RWE und die Landesregierung diesen Konflikt bereits verloren haben, liegt er in diesem Video vor. Hambi bleibt, auch wenn RWE den letzten Baum vernichtet hat \u2013 als Erfahrung, als Inspiration, und als Menetekel.<\/p>\n<p>Der Widerstand gegen die Zerst\u00f6rung des Hambacher Waldes wird inzwischen von einem sehr breiten Spektrum der b\u00fcrgerlichen Zivilgesellschaft unterst\u00fctzt. Die Gewerkschaften Verdi und GdP (Gewerkschaft der Polizei) protestierten gegen die Schaffung vollendeter Tatsachen, w\u00e4hrend in Berlin die Kohlekommission \u00fcber ein Ausstiegsdatum aus der dreckigen Braunkohle diskutiert. Desgleichen die Kirchen. ((8))<\/p>\n<p>Alle seri\u00f6sen Medien \u00e4u\u00dfern ihr Unverst\u00e4ndnis \u00fcber die Betonkopf-Politik des CDU-FDP-RWE-SPD-Lagers, bis hin zum (nicht gerade antikapitalistischer Umtriebe verd\u00e4chtigen) \u201eHandelsblatt\u201c. ((9)) Medien auf der ganzen Welt berichten aus der rheinl\u00e4ndischen Provinz.<\/p>\n<p>Wo Deutschland seinen Ruf als klimapolitischer Vorreiter nicht schon l\u00e4ngst verspielt hatte, steht es jetzt endg\u00fcltig \u2013 zu Recht \u2013 in der Schmuddelecke. ((10))<\/p>\n<h3>Demokratietheoretische Lehren<\/h3>\n<p>Der Streit um den Hambacher Forst ist durch die beschriebene Frontstellung auch ein Test der Qualit\u00e4t unserer parlamentarischen Demokratie. Wenn sich die Betonk\u00f6pfe nicht nur gegen Vernunft und Moral, nicht nur gegen die \u00dcberlebensf\u00e4higkeit der Menschheit auf dem Planeten Erde durchsetzen, sondern auch gegen fast die gesamte \u00f6ffentliche Meinung und einen Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung, dann ist das die endg\u00fcltige Bankrotterkl\u00e4rung dieses parlamentarischen Systems.<\/p>\n<p>Das Betonkopflager sp\u00fcrt, wie es in die Defensive geraten ist und schl\u00e4gt mit immer absurderen Aktionen um sich. Die Zerst\u00f6rung der Waldbesetzung geh\u00f6rt ja bereits dazu. Aber es ist atemberaubend, was von der NRW-Landesregierung zur Begr\u00fcndung des gr\u00f6\u00dften Polizeieinsatzes der Landesgeschichte vorgetragen wird. Wohl aus dem Innenministerium Herbert Reuls (CDU) wurde die frei erfundene M\u00e4rchengeschichte \u00fcber ausgedehnte Tunnelsysteme unter dem Hambi lanciert, die einigen Provinzjournalisten feuchte Alptr\u00e4ume von einer Neuauflage des Vietnamkrieges bescherten. ((11)) Am 5. September pr\u00e4sentierte Reul der Presse Waffen, die im Hambacher Forst gefunden worden seien und die unmittelbar bevorstehende Polizeiaktion rechtfertigten. Sp\u00e4ter musste er einr\u00e4umen, dass die Funde jahrelang zur\u00fccklagen und deshalb mit der aktuellen Situation nichts zu tun hatten. ((12)) In einem Interview mit dem Fernsehmagazin \u201eWestpol\u201c entbl\u00f6dete er sich am 16. September nicht, diesen Skandal damit zu begr\u00fcnden, es sei ihm darum gegangen, \u201edass Transparenz hergestellt wird\u201c. ((13))<\/p>\n<p>Diese freche L\u00fcgenpolitik setzt sich bis heute fort. Der Ministerpr\u00e4sident Armin Laschet (CDU) h\u00f6chstselbst verbreitete am 16. September ein Tweet, wonach die Polizei auf \u201eFallen\u201c der Waldbesetzer gesto\u00dfen sei, die mittels einer \u201eDrahtseilkonstruktion\u201c einen Eimer voll Schutt und Beton in der H\u00f6he fixierten, der dann auf Polizeik\u00f6pfe herunterfallen sollte.<\/p>\n<p>Die Polizei Aachen best\u00e4tigte hingegen, dass es sich dabei um ein \u00fcbliches Gegengewicht f\u00fcr ein Kletterseil handelte, das im Boden verankert war. ((14))<\/p>\n<p>Die in die Defensive geratene Betonkopffraktion wei\u00df sich nicht anders zu helfen, als \u00d6l in ein Feuer zu gie\u00dfen, das sie am Ende selbst verschlingen k\u00f6nnte. Besonders interessant ist zu beobachten, was dieses Desperadotum mit den ausf\u00fchrenden Organen des Staates anrichtet.<\/p>\n<p>Es gibt die Polizist*innen und Vollzugsbeamt*innen, bei denen das Gebaren ihrer Vorgesetzten zu den \u00fcblichen Verrohungen f\u00fchrt. Der widerw\u00e4rtige \u201eAugengriff\u201c eines Polizisten am 13. September, der sich anschlie\u00dfend mit f\u00fcnf weiteren m\u00e4nnlichen Beamten begrapschend auf die einzelne Frau wirft, die zuvor fr\u00f6hlich eine Polizeiabsperrung zum Wald \u00fcberwunden hatte und v\u00f6llig friedlich war, geh\u00f6rt hierhin. ((15))<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist auch der durch Videoaufnahmen belegte Fall, dass sich ein Polizeibeamter mit einer Maschinenpistole im Anschlag auf der Hebeb\u00fchne zu den Baumh\u00e4usern hoch hieven lie\u00df, was selbstverst\u00e4ndlich vollkommen illegal ist.<\/p>\n<p>Krasser noch ist der Fall einer traumatisierten Aktivistin, die in die Gefangenensammelstelle Aachen gebracht wurde und hinterher schilderte, dass ihre Zelle die ganze Nacht \u00fcber mit den Ger\u00e4uschen von Kettens\u00e4gen beschallt wurde. Es ist noch fraglich, ob diese Angaben gerichtsfest bewiesen werden k\u00f6nnen; jedenfalls gibt es Beamte, denen dies ohne Weiteres zuzutrauen ist. Es handelt sich um einen eindeutigen Fall von Psycho-Folter.<\/p>\n<h3>Bullen in Minir\u00f6cken<\/h3>\n<p>Seit die Polizei den Wald zum \u201egef\u00e4hrlichen Ort\u201c erkl\u00e4rt und den Zugang erschwert bzw. schlie\u00dflich verhindert hat, hatte ich viele Kontakte mit Polizeibeamten. Am 17. September \u2013 die R\u00e4umung war in vollem Gange \u2013 sprach ich mit zwei Polizistinnen, die deutlich den Eindruck machten, stinksauer auf den Einsatz zu sein.<\/p>\n<p>Sie wissen sehr gut, dass hier nur eine Dem\u00fctigung der Klimaschutzbewegung durchgef\u00fchrt werden muss, ohne dass klar ist, ob die unter dem Wald liegende Kohle \u00fcberhaupt noch gef\u00f6rdert werden darf. Sie nahmen meine Ermunterung, sich \u00fcber ihre Gewerkschaft und bei ihren Vorgesetzten \u00fcber diesen Irrsinn zu beschweren, wohlwollend entgegen.<\/p>\n<p>Daneben gibt es freilich Kollegen, die es geil finden, dass sie \u201elegitim\u201c Gewalt aus\u00fcben k\u00f6nnen. Und jene vielen, die von ihren Vorgesetzten ideologisch aufger\u00fcstet werden. Am 6. September, als man noch nach Polizeikontrollen in den Wald gelassen wurde, ging ich wohl ein paar Schritte zu weit auf die Baggerkante zu und bekam dadurch Gelegenheit, mit einer f\u00fcnfk\u00f6pfigen Wannenbesatzung zu sprechen. Die jungen M\u00e4nner waren buchst\u00e4blich angepisst von den Erz\u00e4hlungen, dass ihre Kollegen im Wald mit F\u00e4kalien beworfen worden sein sollten.<\/p>\n<p>Es machte sehr den Eindruck, dass jeder tats\u00e4chliche Fall bei ihnen mit hundertfacher Verst\u00e4rkung ankommt. Dasselbe mit den Zwillensch\u00fcssen. Der R\u00e4delsf\u00fchrer dieser Wanne betonte mir gegen\u00fcber mehrmals, dass die von Besetzerzwillen katapultierten Kugeln eine h\u00f6here Durchschlagskraft h\u00e4tten als die Kugeln aus seiner Dienstwaffe (die er l\u00e4ssig am Holster trug). Wer bringt den jungen Polizist*innen so etwas bei? Wo sind die Beweise? Wo die Opfer des Zwillenterrors?<\/p>\n<p>Der Mann sprach weiter: Von der Polizei gehe niemals Gewalt gegen Personen aus, anders als umgekehrt (siehe Zwillen und F\u00e4kalien). Zu dieser Zeit lag ein Aktivist, den man gewaltsam von einem Tripod geholt hatte, mit einem frischen, staatlich lizenzierten Armbruch im Krankenhaus. Ich wies den Beamten darauf hin, dass bereits sein Auftreten mit einem reichhaltigen Waffenarsenal um den Hosenbund f\u00fcr mich latente Gewalt verk\u00f6rpere. Er entgegnete, wie bei allen meinen vorherigen Ausf\u00fchrungen zur Klimawandelproblematik, sein Mantra: \u201eUnd deswegen rechtfertigen Sie also die Gewalt der Besetzer?\u201c Diesmal f\u00fcgte er aber noch einen denkw\u00fcrdigen Satz hinzu: \u201eDann finden Sie also auch, dass eine Frau mit Minirock selbst schuld ist, wenn sie vergewaltigt wird?\u201c \u2013 Das ist auch so eine ironische Arabeske des Hambi-Konflikts: 3500 hochger\u00fcstete Polizist*innen gegen 150 Besetzer*innen (bei denen ich wahrhaftig bei meinen vielen Besuchen keine Zwille gesehen habe), und diese martialische \u00dcbermacht geriert sich als das ultimative, wehrlose Opfer jener b\u00f6sen, b\u00f6sen Waldmenschen.<\/p>\n<h3>Jetzt nicht nachlassen!<\/h3>\n<p>Vielerlei Realit\u00e4tsverleugnung also auf Seiten der staatlichen Akteure. Vergessen wir aber nicht, dass die weitere Forcierung der menschengemachten Klimakatastrophe die \u201eMutter aller Realit\u00e4tsverleugnungen\u201c ist. Jede Megatonne Braunkohle, die verbrannt wird, sch\u00e4digt das Klima in irreversibler Weise.<\/p>\n<p>Deswegen ist das Verbrechen, das am Hambacher Forst begangen wird, letztlich ein Verbrechen an der gesamten Menschheit. Es ist jede M\u00fche wert, die ab Mitte Oktober anstehende Vernichtung der Waldreste zu verhindern. Kommt sp\u00e4testens dann alle ins Rheinland! Und bringt eure Freund*innen mit zum zivilen Ungehorsam! Lasst uns den l\u00e4ngst gezogenen Vergleich wahrmachen: Der Hambi, das ist das neue Wackersdorf!<\/p>\n<p><strong>R\u00fcdiger Haude, 19.9.2018, 10 Uhr<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist das Wesen des Konflikts um den Hambacher Forst? Schauen wir uns kurz die Hauptakteure an. RWE Die RWE-Managerin Katja von Doren erkl\u00e4rte am 6. September 2018 in einem Interview mit der WAZ, im Hambacher Forst gehe es \u201eum vor langer Zeit beschlossene Pl\u00e4ne, f\u00fcr die es eine klare Rechtsgrundlage gibt\u201c. 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