{"id":17721,"date":"2018-09-28T12:00:00","date_gmt":"2018-09-28T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/09\/anarchismus-und-queere-politik\/"},"modified":"2022-07-26T14:11:49","modified_gmt":"2022-07-26T12:11:49","slug":"anarchismus-und-queere-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/09\/anarchismus-und-queere-politik\/","title":{"rendered":"Anarchismus und queere Politik"},"content":{"rendered":"<p>Mit \u201eAnarchimus queeren\u201c legen die Herausgeber*innen ein Kompendium von zumeist kurzen Essays vor, die \u201eeine Art Einf\u00fchrung\u201c (S. 15) sein sollen.<\/p>\n<p>\u201eDiese Einf\u00fchrung\u201c, so formuliert ihr Selbstanspruch weiter, sei eine, die die \u201eSchnittpunkte von anarchistischer und queerer Politik\u201c (S. 15) in den Blick nehme.<\/p>\n<p>Die artikulierten Zielsetzungen beinhalten dann auch folgerichtig die M\u00f6glichkeiten des queeren Anarchismus aufzuzeigen.<\/p>\n<p>In der Tat bietet der Band, wie er von sich selbst wiederholt behauptet, eine \u201evielseitige Mischung\u201c (S. 10).<\/p>\n<p>Sie vereint relativ konventionelle Kritik an einer heteronormativen Gesellschaft, wie z. B. in den Beitr\u00e4gen von Ryan Conrad \u201eHomo-Ehe und queere Liebe\u201c und \u201eHeteronormativit\u00e4t muss zerst\u00f6rt werden\u201c von Saffo Papantonopoulou, mit antikapitalistischer Untersuchung der Sexarbeit (\u201eEine queere Analyse der Sexarbeit\u201c) und facettiert gleicherma\u00dfen staatliche Drogenpolitik (\u201eSchadensreduzierung als Genussaktivismus\u201c von Benjamin Shepard) wie auch sexuelle Praktik mit staatlicher Insititution enggef\u00fchrt wird in \u201eAnarchie, BDSM und Konsens-Kultur\u201c von Hexe.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich spiegeln die Beitr\u00e4ge so ein breites Spektrum an Zugriffsweisen und Motiven anarchistischer und queerer Kritik wider. Obwohl diese Vielfalt sicherlich den Reiz des Sammelbandes ausmacht, tr\u00e4gt sie auch dazu bei, dass Anspruchshaltung und deren Erf\u00fcllung teils weit auseinanderklaffen. So ersch\u00f6pft sich beispielsweise die erw\u00e4hnte Kritik an der heteronormativen Institution Ehe vor allem darin, konventionelle Kritikpunkte \u00fcbersichtsartig abzurei\u00dfen.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund bleibt dann auch die Forderung nach einer Verbindung von queerem Aktionismus und Anarchie, die neue Perspektiven er\u00f6ffnet, seltsam unerf\u00fcllt. Das liegt zum einen sicherlich daran, dass die Beitr\u00e4ge so \u00fcberaus heterogen sind, damit eine genauere sowie umfassendere Begriffs- und Definitionsreflexion verwehren und oftmals im Entwurfsstadium verharren. F\u00fcr eine konsequente Umwertung von queerer Kritik und Anarchismus, die diese Verbindung dezidiert produktiv ausreizt, ohne sich in Wiederholungen antikapitalistisch formulierter Kritik zu verlieren, ist das schlicht zu kurz gegriffen.<\/p>\n<p>Das mag und muss aber auch gar nicht der Anspruch einer selbsterkl\u00e4rten Einleitung bzw. Einf\u00fchrung sein. Schlie\u00dflich versteht sich die Publikation, um ihre Widmung aufzugreifen, eben als eine Einf\u00fchrung \u201e[f]\u00fcr alle, die f\u00fcr eine Welt ohne Vorgesetzte, Grenzen und Langeweile k\u00e4mpfen\u201c (S. 7).<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr alle thematisch Interessierten bietet es eine leichte und durchaus kurzweilig zu lesende Einf\u00fchrung, die ihren Reiz vornehmlich aus der Vielgestalt ihrer Zugriffsweisen gewinnt. Mehr freilich als ein oberfl\u00e4chlicher Einstieg ist diese selbsternannte \u201eKomplexit\u00e4t ohne Vagheit\u201c (S. 11) nicht.<\/p>\n<p><strong>Sona Arasteh-Roodsary<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit \u201eAnarchimus queeren\u201c legen die Herausgeber*innen ein Kompendium von zumeist kurzen Essays vor, die \u201eeine Art Einf\u00fchrung\u201c (S. 15) sein sollen. \u201eDiese Einf\u00fchrung\u201c, so formuliert ihr Selbstanspruch weiter, sei eine, die die \u201eSchnittpunkte von anarchistischer und queerer Politik\u201c (S. 15) in den Blick nehme. 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