{"id":18250,"date":"2018-10-27T01:23:26","date_gmt":"2018-10-26T23:23:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=18250"},"modified":"2018-11-07T14:59:21","modified_gmt":"2018-11-07T12:59:21","slug":"wendehaelse-an-der-grube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/10\/wendehaelse-an-der-grube\/","title":{"rendered":"Wendeh\u00e4lse an der Grube"},"content":{"rendered":"<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Bahnschrift Light Condensed, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So ein Wald ist wirklich geduldig. Er h\u00e4lt viel aus. Seine nahezu stoische Ruhe kann man nur bewundern, denn jetzt musste der Hambacher Wald sogar erdulden, dass anl\u00e4sslich seiner drohenden Rodung durch RWE die Partei der Gr\u00fcnen genau dort, in seinem Schatten, ihren \u201eKleinen Parteitag\u201c abhielt. In einem Zelt mit Blick auf seine pr\u00e4chtigen B\u00e4ume und sein ihm drohendes Schicksal, die Tagebaugrube. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Bahnschrift Light Condensed, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Angesichts der Verbundenheit der NRW-Gr\u00fcnen mit genau dieser drohenden Rodung und der Braunkohleindustrie war dieser Parteitag ein wahrhaft besch\u00e4mendes und nur allzu durchsichtiges Theater! Von Selbstkritik weit entfernt und gro\u00dfe Spr\u00fcche klopfend, witterten die Gr\u00fcnen dort exzellente M\u00f6glichkeiten, auf Stimmenfang zu gehen. Offensichtlich in der Hoffnung, dass die meisten W\u00e4hlerInnen unter Amnesie leiden. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Bahnschrift Light Condensed, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Zur Erinnerung: <\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Bahnschrift Light Condensed, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1998 war es die gr\u00fcne NRW-Umweltministerin B\u00e4rbel H\u00f6hn, die RheinBraun\/RWE f\u00fcr den Tagebau Garzweiler die sogenannte S\u00fcmpfungslizenz erteilte. Das bedeutet, in den Tagebaugruben Grundwasser abpumpen zu d\u00fcrfen \u2013 mit allen negativen \u00f6kologischen Konsequenzen f\u00fcr Menschen, Tiere und Pflanzen der Umgebung durch die Senkung des Grundwasserspiegels. Ohne das Abpumpen des Grundwassers w\u00fcrden die Tagebaugruben mit Grundwasser volllaufen, ein Abbau der Braunkohle w\u00e4re nicht m\u00f6glich.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Bahnschrift Light Condensed, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">2016 waren es die NRW-Gr\u00fcnen in Koalition mit der SPD, die die Rodung des Hambacher Forsts beschlossen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_18498\" aria-describedby=\"caption-attachment-18498\" style=\"width: 458px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/AktiHambi-e1541123124723.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18498\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/AktiHambi-1024x640.jpeg\" alt=\"\" width=\"458\" height=\"287\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18498\" class=\"wp-caption-text\">Aktivistin im Hambacher Forst im Oktober 2018 &#8211; Foto: Herbert Sauerwein<\/figcaption><\/figure>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Bahnschrift Light Condensed, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dass sie sich jetzt geradezu erdreisteten, genau dort ihren \u201eKleinen Parteitag\u201c abzuhalten, macht mich pers\u00f6nlich fassungslos. Aber die Hambach-Strategie der Gr\u00fcnen zeigt erste Erfolge. Sie befinden sich in puncto W\u00e4hlerstimmen in einem rasanten Aufstieg. Ihre Inszenierung als Partei, die sich konsequent dem Umweltschutz, der \u2013 wenn \u00fcberhaupt noch m\u00f6glichen \u2013 Verhinderung des Klimawandels verschrieben hat, scheint zu funktionieren. Denn tats\u00e4chlich scheinen Teile der Bev\u00f6lkerung, und das nicht nur in NRW, unter Amnesie zu leiden. Man denke nur an die Zustimmung der Gr\u00fcnen f\u00fcr die Bundeswehreins\u00e4tze in der damaligen Bundesrepublik Jugoslawien 1999 und in Afghanistan Ende 2001 und f\u00fcr die Agenda 2010. Auch ein Mann wie Joschka Fischer, seines Zeichens Berater\/Lobbyist von Siemens, BMW und \u2013 man mag es kaum glauben \u2013 RWE, ist nach wie vor ein hochangesehenes Mitglied dieser Partei.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<blockquote>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Bahnschrift Light Condensed, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber ich will die Vergangenheit nicht l\u00e4nger bem\u00fchen, um die Absurdit\u00e4t der Ziele, das Drama dieser Partei aufzuzeigen. Das, was ich den Gr\u00fcnen vorwerfe, ist ganz schlicht und ergreifend die nicht bzw. kaum vorhandene Systemkritik. Sie tr\u00e4umen weiter vom gr\u00fcnen Kapitalismus. Der aber ist mit seiner Wachstums- und Profitmaximierungslogik eine Quadratur des Kreises. Die Gr\u00fcnen sind die Partei des Green-Washing.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Bahnschrift Light Condensed, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht ohne Grund ist die Hauptforderung der globalen Umweltschutz- und Klimabewegungen \u201eSystem change not climate change\u201c. Die Menschen, die im globalen S\u00fcden leben, haben das schon lange erkannt, denn sie sind den Brutalit\u00e4ten des Kapitalismus, seiner Diktatur der Profitmaximierung, viel st\u00e4rker ausgesetzt als wir in den sogenannten westlichen Industrienationen. Wir profitieren (noch) vom Kapitalismus, wir haben uns kaufen lassen. Und das auf Kosten der Menschen des globalen S\u00fcdens. Sie werden f\u00fcr unsere Konsumprodukte versklavt, sie verlieren ihr Land, ihre Gemeinschaften, ihre Kulturen und werden ins Elend gest\u00fcrzt. Auf dem \u201eTribunal f\u00fcr die Rechte der Natur\u201c, das im letzten Jahr in Bonn anl\u00e4sslich der Klimakonferenz stattfand, standen Menschen auf dem Podium, die weinend davon berichteten, was internationale Konzerne in \u201eKooperation\u201c mit korrupten Regierungen ihren Gemeinschaften antun: massive Umweltzerst\u00f6rung (z.B. im Nigerdelta), Landraub, Mord, Folter, Zerst\u00f6rung ganzer Gemeinschaften und Kulturen. Im Gremium dieses Tribunals sa\u00df kein einziger Gr\u00fcner, keine einzige Gr\u00fcne, aber viele weltweit anerkannte UmweltaktivistInnen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/dYsSWCgrYYI\" width=\"100%\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><span data-mce-type=\"bookmark\" style=\"display: inline-block; width: 0px; overflow: hidden; line-height: 0;\" class=\"mce_SELRES_start\">\ufeff<\/span><\/iframe><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Bahnschrift Light Condensed, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dieses Thema interessiert die Gr\u00fcnen schlichtweg nicht, zumindest nicht glaubhaft. Denn dann m\u00fcssten sie die Systemfrage stellen. Und genau das wollen sie nicht. Aus Angst vor Stimmenverlusten. Sie wollen mit dem System kooperieren. Die Ziele, die sich die Gr\u00fcnen auf ihre Fahne geschrieben haben wie Umweltschutz, Verhinderung des Klimawandels, Beseitigung der sozialen Ungerechtigkeiten, sind im Kapitalismus definitiv unm\u00f6glich! Mit der Globalisierung und dem b\u00f6sartigen neoliberalen Diktat der sogenannten freien M\u00e4rkte ziehen internationale Unternehmen mittlerweile im Namen von Profit und Rendite f\u00fcr die Aktion\u00e4re marodierend und alles zerst\u00f6rend um die Welt und es sieht so aus, als g\u00e4be es nichts und niemanden mehr, der sich ihnen in den Weg stellen k\u00f6nnte. Die Regierungen tun es nicht, weil sie zu sehr mit ihnen verbandelt und\/oder selbst korrupt sind. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Bahnschrift Light Condensed, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Menschen k\u00f6nnen es schaffen, wenn sie sich zu einer internationalen, solidarischen Massen-Bewegung zusammenschlie\u00dfen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Bahnschrift Light Condensed, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In diesem Kontext geben die Gr\u00fcnen ein j\u00e4mmerliches Bild ab! Am Hambacher Wald allemal! <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"RIGHT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Bahnschrift Light Condensed, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Margareta Muer<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><em><span style=\"font-family: Bahnschrift Light Condensed, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zum Thema Hambacher Forst siehe auch die Artikel von Anett Keller und R\u00fcdiger Haude in <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/category\/ausgaben\/433-november-2018\/\">dieser GWR<\/a><\/span><\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So ein Wald ist wirklich geduldig. Er h\u00e4lt viel aus. Seine nahezu stoische Ruhe kann man nur bewundern, denn jetzt musste der Hambacher Wald sogar erdulden, dass anl\u00e4sslich seiner drohenden Rodung durch RWE die Partei der Gr\u00fcnen genau dort, in seinem Schatten, ihren \u201eKleinen Parteitag\u201c abhielt. 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