{"id":184,"date":"1996-04-01T00:00:40","date_gmt":"1996-03-31T22:00:40","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=184"},"modified":"2022-07-26T13:11:59","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:59","slug":"castor-die-chancen-nutzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1996\/04\/castor-die-chancen-nutzen\/","title":{"rendered":"Castor? Die Chancen nutzen!"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem der erste Castor im April 1995 nur mit dem gr\u00f6\u00dften Polizeieinsatz in der Geschichte der Bundesrepublik durchgesetzt werden konnte, ist die Atomindustrie sehr vorsichtig geworden, was weitere Gorleben-Transporte angeht. Statt 40 bis 50 Transporte pro Jahr, wie urspr\u00fcnglich geplant, sollen vorerst nur ca. zwei Atomm\u00fcll-Fuhren j\u00e4hrlich stattfinden. Solange der Widerstand im Wendland und an den Bahnstrecken durch die Republik langen Atem beweist und nicht nachl\u00e4\u00dft, ist Gorleben f\u00fcr die Entsorgungs-Pl\u00e4ne der AtomikerInnen wenig n\u00fctzlich.<\/p>\n<p>Ganz im Gegenteil: So haben jetzt scheinbar auch die Betreiber des AKW Gundremmingen gemerkt, da\u00df sie sich mit dem Versuch, einen Castor nach Gorleben zu schicken, eine neuerliche Diskussion um das ungel\u00f6ste Atomm\u00fcll-Problem einhandeln. Statt des f\u00fcr den 11. M\u00e4rz geplanten Belade-Beginns wird nun auf Zeit gespielt. Erst wurde um eine Woche verschoben, dann erkl\u00e4rte die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, lieber bis nach den Landtagswahlen am 24. M\u00e4rz warten zu wollen und schlie\u00dflich wollen sie nur noch dann die Brennelemente in den Castor packen, wenn sowohl die beteiligten Stromkonzerne als auch die involvierten staatlichen Stellen zusichern, da\u00df sie die dann folgende Auseinandersetzung bis zum Schlu\u00df mit durchziehen.<\/p>\n<p>Die Cogema, Betreiberin von La Hague, \u00e4ngstigt sich derweil um das franz\u00f6sische Image im Ausland. Nachdem der Streit um die Atomtests jetzt halbwegs \u00fcberstanden scheint, will mensch sich nicht gleich die n\u00e4chste internationale Atom-Debatte einhandeln. Wichtig ist f\u00fcr die WAA-Chefs, da\u00df sie weiter lukrative Auftr\u00e4ge der deutschen Atomindustrie erhalten. W\u00fcrden diese wegen der Diskussion \u00fcber die Wiederaufarbeitung, ausgel\u00f6st von den umstrittenen Transporten, Abstand von ihren Auslandsgesch\u00e4ften nehmen, w\u00e4re der Cogema nicht gedient. Bisher ist geplant, mit der Beladung in La Hague nach Ostern zu beginnen.<\/p>\n<p>Der nieders\u00e4chsische Innenminister schickte derweil einen Brief an Bundesreaktorministerin Merkel, in dem er beschreibt, da\u00df weitere Castor-Transporte die innere Sicherheit Niedersachsens gef\u00e4hrden. Um die zum Castor-Schutz n\u00f6tigen \u00dcberstunden abfeiern zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen hinterher ganze Polizeiwachen zeitweise geschlossen werden. Und da das Land faktisch pleite ist, kann es sich weitere Gro\u00dfeins\u00e4tze wie 1995 kaum leisten.<\/p>\n<p>Ach ja, Atomindustrie und Staat haben es nicht einfach mit dem Widerstand der Anti-AKW-Bewegung. Wenn es gelingt, in den n\u00e4chsten Wochen nicht nur den Blick auf die Opfer von Tschernobyl zu richten, sondern auch aktiv Anti-Atom-Politik zu betreiben, dann kann dies zum Sargnagel f\u00fcr die Atomindustrie werden. Die Chancen dazu sind da, die politischen GegnerInnen schwanken. Jetzt liegt es an den AtomkraftgegnerInnen selbst. Notwendig dazu ist eine gute Beteiligung an den sechs dezentralen Demonstrationen am 27.\/28. April und am Widerstandscamp in Ahaus vom 26. bis 28. April. Notwendig ist aber auch, die Tschernobyl-Demos zu nutzen, um f\u00fcr die kurz danach anstehenden Aktivit\u00e4ten in Gundremmingen, entlang der Transportstrecken aus Bayern und\/oder Frankreich und im Wendland zu werben (siehe GWR 206). Von alleine verhindert sich kein Castor und wird kein AKW stillgelegt.<\/p>\n<p>Gelingt es aber, da\u00df, wenn der n\u00e4chste Castor-Transport Richtung Gorleben rollt, noch mehr Menschen Widerstand leisten, als beim ersten Tag X 1995, dann ist der Zeitpunkt absehbar, an dem die Atomindustrie die Castor-Halle in Gorleben aufgibt. Das w\u00e4re ein Etappensieg, der Mut macht zu neuen Taten an den anderen &#8222;Entsorgungs&#8220;-Standorten Ahaus, Greifswald, Morsleben und Salzgitter und an den Transportstrecken nach La Hague und Sellafield.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem der erste Castor im April 1995 nur mit dem gr\u00f6\u00dften Polizeieinsatz in der Geschichte der Bundesrepublik durchgesetzt werden konnte, ist die Atomindustrie sehr vorsichtig geworden, was weitere Gorleben-Transporte angeht. Statt 40 bis 50 Transporte pro Jahr, wie urspr\u00fcnglich geplant, sollen vorerst nur ca. zwei Atomm\u00fcll-Fuhren j\u00e4hrlich stattfinden. Solange der Widerstand im Wendland und an &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1996\/04\/castor-die-chancen-nutzen\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Castor? 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