{"id":18714,"date":"2018-11-29T00:53:29","date_gmt":"2018-11-28T22:53:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=18714"},"modified":"2022-07-26T14:22:00","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:00","slug":"magical-anti-atommuell-tour","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/11\/magical-anti-atommuell-tour\/","title":{"rendered":"Magical Anti-Atomm\u00fcll-Tour"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Auch die Amerikaner*innen wissen nicht, wohin mit dem Atomm\u00fcll. Die problematischen Endlagerpl\u00e4ne in Yucca Mountain sind Jahrzehnte im Verzug. Alternativ sind Endlager in Texas und New Mexico von Seiten der Regierung denkbar \u2013 konkrete Ergebnisse gibt es noch nicht. <\/span><span lang=\"de-DE\">Dennoch soll der Atomm\u00fcll von der Ostk\u00fcste \u2013 wo sich die meisten Atomkraftwerke und Zwischenlager der USA befinden \u2013 Tausende von Meilen nach Texas und New Mexico transportiert werden.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Ich habe auf vielen Veranstaltungen \u00fcber die Risiken der Transporte sowie den Stand der Diskussion um ein Endlager in Deutschland und den Widerstand in Gorleben informiert. <\/span><span lang=\"de-DE\">Thema war auch das neue M\u00e4rchen der weltweiten Atomlobby, Atomkraft k\u00f6nne dem Klimawandel Einhalt gebieten. <\/span><span lang=\"de-DE\">Darin sind sich die amerikanische und wendl\u00e4ndische Initiative einig: Keine Kohle, kein Atom, Klimaschutz gelingt nur durch Erneuerbare Energien. <\/span><span lang=\"de-DE\">Tim Judson und ich sind Teil der Don\u2019t nuke the climate Kampagne (2), die zum Weltklimagipfel im Dezember in Katowice (Polen) Proteste gegen neue Atomkraftprojekte in die UN Verhandlungen tr\u00e4gt.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Unterschiede<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die Unterschiede der Ausgangssituationen in beiden L\u00e4ndern k\u00f6nnte kaum gr\u00f6\u00dfer sein: hier Atomausstieg mit noch sieben restlichen Atomkraftwerken \u2013 dr\u00fcben in den USA 98 Atommeiler am Netz und eine breite Akzeptanz f\u00fcr eine Zukunft der Atomkraft. Und dennoch gibt es so viele Parallelen in der Realit\u00e4t der Atomkraft \u2013 eine v\u00f6llig unzureichende Zwischenlagerung, keine Pl\u00e4ne oder belastbaren Ergebnisse f\u00fcr eine so genannte Endlagerung. Gro\u00dfes Erstaunen \u00fcber die ehemalige Uranabbaust\u00e4tte Wismut mit vielen Tausend Strahlenopfern, wann immer ich davon berichte.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Das Hauptanliegen meiner Reise mit Aktiven des Citizen Awareness Network, (3) den nukebusters, in New England und der SEED Coalition (4) in Texas war das Schaffen von Aufmerksamkeit f\u00fcr anstehende Atomm\u00fclltransporte und das Diskutieren \u00fcber die Atomm\u00fcllverwahrung. W\u00e4hrend der ersten Woche in New England, unsere Tour f\u00fchrte von Montpelier \u00fcber Brattleborro, Greenfield und Boston nach Plymouth, stand die Transporteproblematik im Vordergrund. Unsere Bilder der starken, bunten, kreativen und entschlossenen Castorproteste sagten manchmal mehr als meine tausend Worte. Es gibt in der BRD Zwischenlager \u2013 drei zentrale in Ahaus, Lubmin und Gorleben und weitere dezentrale an zahlreichen AKW. In den Vereinigten Staaten lagern die abgebrannten Brennelemente unter freiem Himmel mit d\u00fcnnen Betonummantelungen an den AKW, zum gro\u00dfen Teil inmitten von Wohngebieten. <\/span><span lang=\"de-DE\">Es gibt keine Zwischenlager. Dass auch wir nicht zufrieden sind mit Zwischenlagern, die lediglich Witterungsschutz bieten, aber keinen gegen Strahlung in die Umgebung, Flugzeugabsturz und Terrorangriffe erweckte Verst\u00e4ndnis. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">In der zweiten Woche durch Texas stand die Sorge, zur Atomm\u00fcllkippe der gesamten USA gemacht zu werden, im Mittelpunkt. <\/span><span lang=\"de-DE\"><span lang=\"en-US\">Houston, El Paso, Midland, San Antonio, Andrews and Dallas: Texas ist so gro<\/span><\/span><span lang=\"de-DE\"><span lang=\"en-US\">\u00df<\/span><\/span><span lang=\"de-DE\"><span lang=\"en-US\"> wie die BRD. <\/span><\/span><span lang=\"de-DE\">Jeden Tag haben wir eine Pressekonferenz und eine \u00f6ffentliche Veranstaltung gemacht und meistens kam noch ein Treffen mit den lokal Aktiven dazu. <\/span><span lang=\"de-DE\">In den USA gab es ein favorisiertes Endlagerprojekt, Yucca Mountain in Nevada, 100 Meilen nordwestlich von Las Vegas. Von 1951 bis 1962 wurden in der Heimat der Western Shoshone und Paiute \u201eIndianerst\u00e4mme\u201c mehr als 900 Atomwaffentests durchgef\u00fchrt. Von 1987 bis 2001 gab die Regierung der Vereinigten Staaten fast sieben Milliarden Dollar aus, um Yucca Mountain zum Endlagerstandort zu deklarieren, das f\u00fcr hochradioaktiven Atomm\u00fcll f\u00fcr die n\u00e4chsten zehntausend Jahre zur Lagerung vorgesehen sein sollte. Dieses Projekt gilt zurzeit als geologisch ungeeignet und technisch gescheitert, der Kongress hat jegliche Finanzmittel f\u00fcr Yucca Mountain gestrichen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Firma Waste Control Specialists (WCS) hat den Transport von 40.000 Tonnen abgebrannter Brennelemente \u00fcber tausende Meilen nach Texas zur Zwischenlagerung beantragt. <\/span><span lang=\"de-DE\">Analog hat die Firma Holtec den Transport von 100.000 Tonnen nach New Mexico beantragt, dies w\u00e4re das gr\u00f6\u00dfte Atomm\u00fclllager weltweit. F\u00fcr die dortige Lagerung des hochradioaktiven M\u00fclls gibt es kein Konzept, lediglich die Transporte und die Sammlung sollen so erfolgen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Nuclear Regulatory Commission (NRC) hat eine Einwendungsfrist f\u00fcr B\u00fcrger*innen bis zum 19. Oktober einger\u00e4umt, die aufgrund der Beschwerde von B\u00fcrgerinitiativen just bis zum 19. November verl\u00e4ngert wurde. Wir haben w\u00e4hrend unserer Anti-Atomm\u00fcll-Tour Tausende von Einwendungen gesammelt, insgesamt w\u00e4ren von den Transporten 218 Millionen Anwohner*innen der Bahnstrecken im F\u00fcnf-Meilen-Radius betroffen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">In den Wochen nach meiner R\u00fcckkehr von der Anti-Atomm\u00fcll-Reise in den USA hat es mehrere Ereignisse gegeben, die darauf schlie\u00dfen lassen, dass die weltweit organisierte Atombande erneut eine Offensive f\u00fcr Atomkraft plant. Zun\u00e4chst ein Treffen in Amsterdam, um die europ\u00e4ische und internationale Atomgemeinde zu briefen, der Atomausstieg in Deutschland sei ein Riesenfehler und das Zur\u00fcckfahren der europ\u00e4ischen Atomkraftwerke m\u00fcsse verhindert werden. Dann die nuclear pride in M\u00fcnchen, wieder initiiert vom amerikanischen Michael Shellenberger, der so gerne Graswurzel w\u00e4re, aber leider nur Kunstrasen ist. Hintergrund ist, dass der Atommafia das Geld knapp wird \u2013 nun versuchen sie Atomkraft zur Erneuerbaren Energie zu erkl\u00e4ren und wollen an die F\u00f6rdert\u00f6pfe zur Bew\u00e4ltigung des Klimawandels. <\/span><span lang=\"de-DE\">Das ist makaber, denn Atomkraft verhindert, dem Fortschreiten des Klimawandels entgegenzuwirken. Atomkraft ist zu dreckig, zu gef\u00e4hrlich, zu teuer, zu langsam, nur unter Menschenrechtsverletzungen zu praktizieren und verhindert richtige L\u00f6sungen. Wir werden auch in diesem Jahr beim Weltklimagipfel in Katowice vom 2. bis 14. Dezember als internationale Kampagne Dont Nuke The Climate (5) daf\u00fcr sorgen, dass die Fassade, die Atombef\u00fcrworter in schillernden Farben malen, bei unserem leichten Kratzen in sich zerbr\u00f6selt. <\/span><span lang=\"de-DE\">Wir haben die realistische Chance, in den n\u00e4Xten zehn Jahren einen weltweiten Atomausstieg zu erk\u00e4mpfen. Wenn die Atombande die kommenden 20 Jahre \u00fcbersteht, dann haben wir sie noch lange am Hals. Doch jetzt ringen sie mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und haben ein echtes Zeitproblem, sie sind einfach nicht gut aufgestellt. Viele Atomprojekte scheitern, meist aus finanziellen Gr\u00fcnden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Der Atomausstieg in Deutschland wird als Vorbild von vielen Amerikaner*innen bewundert. But it\u2018s complicated. Dass es eine Urananreicherungsanlage in Gronau gibt und eine Brennelementefabrik in Lingen, die vom Atomausstieg ausgenommen sind und unbefristete Betriebsgenehmigungen haben, wusste kein Mensch, den ich traf in den USA. Aber das ist ja auch in der BRD erst seit wenigen Jahren einem relevanten Teil der \u00d6ffentlichkeit bekannt. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Atomfirmen und die Atomlobby arbeiten seit Jahrzehnten global vernetzt auf allen Kontinenten grenz\u00fcberschreitend. <\/span><span lang=\"de-DE\">Es ist wichtig, dass wir starke Standortinitiativen sind, die ihre Hausaufgaben machen und lokal aktiv und erfolgreich sind. <\/span><span lang=\"de-DE\">Nur reicht es im Zeitalter der Globalisierung und des Neoliberalismus nicht mehr, sich darauf zu beschr\u00e4nken. Die Probleme sind allerorts die gleichen, die L\u00f6sung liegt im Austausch und Lernen voneinander und miteinander. Mit der Atomkatastrophe von Tschernobyl haben viele von uns hautnah erlebt, dass es au\u00dferdem nichts n\u00fctzt, lediglich den Heimatreaktor oder das heimatliche Nukleare Entsorgungszentrum zu verhindern, weil Radioaktivit\u00e4t keine Grenzen kennt. Unser Credo \u201eStilllegung aller Atomanlagen weltweit\u201c gelingt, wenn wir uns gegenseitig international den R\u00fccken st\u00e4rken und strategisch zusammenarbeiten. Der Gorleben-Widerstand hat in den vergangenen vier Jahrzehnten sehr viel \u00fcberregionale und internationale Unterst\u00fctzung bekommen. Bis heute reisen regelm\u00e4\u00dfig Menschen und Gruppen ins Wendland, um sich \u00fcber die Anti-Atom-Bewegung hier zu informieren. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Mein Wunsch ist es, auch etwas zur\u00fcckzugeben, die Solidarit\u00e4t, die uns all die Jahre begleitet und getragen hat, ist f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Motivation f\u00fcr internationale Vernetzungen. Auf meiner Reise sind mir so viele Menschen so open minded begegnet! Es hat mich beeindruckt, wie gro\u00df das Interesse, an dem, was wir machen, ist. Ich m\u00f6chte daf\u00fcr werben und dazu einladen, einander mehr zuzuh\u00f6ren und einander mehr zu erz\u00e4hlen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Wir sind schon bis hierher gekommen. Weiter geht\u2018s!<\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><strong><span lang=\"de-DE\">Kerstin Rudek<\/span><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch die Amerikaner*innen wissen nicht, wohin mit dem Atomm\u00fcll. Die problematischen Endlagerpl\u00e4ne in Yucca Mountain sind Jahrzehnte im Verzug. Alternativ sind Endlager in Texas und New Mexico von Seiten der Regierung denkbar \u2013 konkrete Ergebnisse gibt es noch nicht. 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