{"id":1929,"date":"1998-04-01T00:00:11","date_gmt":"1998-03-31T22:00:11","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=1929"},"modified":"2022-07-26T12:59:14","modified_gmt":"2022-07-26T10:59:14","slug":"leben-zwischen-wahnsinn-und-widerstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1998\/04\/leben-zwischen-wahnsinn-und-widerstand\/","title":{"rendered":"Leben zwischen Wahnsinn und Widerstand"},"content":{"rendered":"<p>Im Fr\u00fchjahr 1994 verk\u00fcndete die GIA (Groupe Islamique Arm\u00e9e), die den algerischen militanten Untergrund dominierende islamistische und antisemitische Guerilla, ein Ultimatum: Alle Frauen, die ab dem 8. M\u00e4rz keinen Schleier tragen, w\u00fcrden umgebracht. Zehntausende Algerierinnen protestierten dagegen. Am 22. M\u00e4rz zogen sie in geschlossenen Formationen durch die Stra\u00dfen Algiers und brachten den gesamten Verkehr zum Erliegen (S.19, 134). Die Sicherheitskr\u00e4fte hatten die Demonstrantinnen gebeten, doch wenigstens die Hauptstra\u00dfe zu r\u00e4umen, aber das hat die Frauen nicht beeindruckt. Trotz der unausweichlichen Bedrohung durch die militanten islamistischen Untergrundgruppen k\u00e4mpfen Algeriens Frauen weiterhin entschieden f\u00fcr ihre Rechte. Vereinzelt ebenso wie in Gruppen und Assoziationen organisiert setzen sie immer wieder herausfordernde und eindeutige Zeichen zivilen Ungehorsams.<\/p>\n<p>Spannend und mitrei\u00dfend zu lesen ist das Buch der Journalistin Bettina R\u00fchl. Sie erz\u00e4hlt und berichtet von den mutigen Taten der Frauen, aber auch von ihrer Dem\u00fctigung und Ohnmacht, und von den Widerspr\u00fcchen und unterschiedlichen Positionen, die sie selbst vertreten, je nach dem, ob sie der verbotenen islamischen Partei FIS (Front Islamique de Salut), der Demokratiebewegung oder staatsnahen Frauenorganisationen angeh\u00f6ren. Zweifelsohne: Opfer und Zielscheibe der Gewalt sind in Algerien vor allem &#8211; M\u00e4dchen und Frauen. Und das nicht nur aufgrund der schleichenden Islamisierung. Viele Errungenschaften und Rechte, die sich die Frauen seit dem Unabh\u00e4ngigkeitskrieg erk\u00e4mpft haben, sind binnen des gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses wieder beschnitten und vernichtet worden (S. 136). Somit richtet sich der Widerstand der Frauen &#8211; inzwischen &#8211; gegen zwei Gewaltmonopole: gegen den allt\u00e4glichen Terror der islamischen Untergrundgruppen und gegen die Repression des Regimes.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend einer mehrw\u00f6chigen Recherchereise durch Algerien hatte die Autorin Gelegenheit, mit Frauen unterschiedlichen Alters und verschiedener sozialer Herkunft ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Ob das von ihr befragte Spektrum auskunftswilliger Frauen letztendlich repr\u00e4sentativ ist, mu\u00df dahingestellt bleiben, schlie\u00dflich gibt Bettina R\u00fchl ehrlicherweise selbst die Einschr\u00e4nkung bekannt, da\u00df sie zwei st\u00e4ndige Begleiter der Regierung bei sich haben mu\u00dfte, sonst w\u00e4re ihr jede Recherche verboten worden. Dadurch aber hatte sie nicht nur keinen Kontakt mit SympathisantInnen der IslamistInnen im Land selber &#8211; mit den beiden FIS-Frauen sprach sie im deutschen Exil -, sondern &#8222;auch einige der politisch unabh\u00e4ngigen Frauen waren wegen meiner Begleitung nicht bereit, mit mir zu sprechen.&#8220; (S.8) Ihre trotz dieses Vorbehaltes im Buch versammelten Gespr\u00e4chspartnerinnen waren nicht nur Frauen aus der sogenannten &#8222;feministischen Avantgarde&#8220;. Es war Bettina R\u00fchl ein besonderes Anliegen, auch &#8222;&#8230; jene zu Wort kommen zu lassen, die nicht daran gew\u00f6hnt sind, das Wort zu ergreifen, denn sie spielen in dem algerischen Drama eine nicht minder wichtige Rolle.&#8220; (S.8)<\/p>\n<p>Ihre authentischen Berichte und Reportagen pr\u00e4sentieren ein Spiegelbild der algerischen Gesellschaft. Aktuelle politische Ereignisse und Entwicklungen sind von der Autorin flie\u00dfend mit einbezogen worden. Die sogenannte dritte Kraft, n\u00e4mlich die zivile Gesellschaft Algeriens; der aktive und passive Widerstand aus den Kreisen und Gruppen der Bev\u00f6lkerung selbst, ist in der Berichterstattung der westlichen Medien bisher vernachl\u00e4ssigt worden. So gut wie gar nicht ber\u00fccksichtigt wurde bisher die Tatsache, da\u00df es seit den 80er Jahren innerhalb der zivilen Gesellschaft dieses nordafrikanischen Landes zus\u00e4tzlich eine eigenst\u00e4ndige und \u00fcberaus dynamisch wirkende Kraft gibt: die algerische Frauenbewegung. &#8222;Innerhalb der zivilen Gesellschaft spielen die Frauen eine wichtige Rolle; sie haben sich in den vergangenen Jahren in Dutzenden von Assoziationen zusammengeschlossen, w\u00e4hrend die M\u00e4nner eher in politischen Parteien organisiert sind.&#8220; (S.8)<\/p>\n<h3>Eine Welle von Gewalt und Terror durchzieht das Land<\/h3>\n<p>Bewaffnete \u00dcbergriffe auf D\u00f6rfer, verst\u00fcmmelte Leichen und Bombenattentate z\u00e4hlen mittlerweile zu den Alltagserfahrungen der Menschen in Algerien. Im verst\u00e4rkten Ma\u00dfe ist die Landbev\u00f6lkerung der unmittelbaren Todesdrohung ausgesetzt. Aber auch in den St\u00e4dten eskaliert die Gewalt immer mehr; insbesondere in der Hauptstadt Algier. Menschen aus allen sozialen Schichten und politischen Gruppierungen sind allt\u00e4glich vom Terror bedroht. &#8222;Im Laufe der Jahre ist immer undurchsichtiger geworden, wer f\u00fcr die Bombenattentate, Massaker und Morde im einzelnen verantwortlich ist: Islamistische Untergrundk\u00e4mpfer, getarnte Sicherheitskr\u00e4fte des Regimes, Todesschwadronen, Kriegsherren lokaler Milizen oder kriminelle Banden, die von der unsicheren Lage profitieren und die Bev\u00f6lkerung mit Erpressungen und Schutzgeldforderungen terrorisieren.&#8220; (S.15)<\/p>\n<p>Viele Menschen wurden gezielt ermordet, und die M\u00f6rder hatten sehr detaillierte Informationen \u00fcber ihre Opfer (S.147). Es ist ganz offensichtlich das makabre Kalk\u00fcl des Regimes und der Regierung selbst, durch Terror unter dem falschen Etikett der Islamisten deren Ansehen bei der Bev\u00f6lkerung weiter zu diskreditieren. Durch diese Eskalation des Schreckens soll das Volk gewisserma\u00dfen auf die Seite der Armee und des Regimes gezwungen werden. &#8222;Im Kampf gegen die bewaffnete Opposition scheint der Regierung jedes noch so barbarische Mittel Recht zu sein.&#8220; (S.16) Andererseits sind es tats\u00e4chlich im extremen Ma\u00dfe militante islamistische Untergrundgruppen, welche das algerische Volk ihrer Gewalt unterwerfen wollen.<\/p>\n<p>Angaben und Berichten algerischer Journalistinnen zufolge verst\u00e4rkte sich das Ausma\u00df der Massenvergewaltigungen an Frauen und M\u00e4dchen im Verlauf der letzten Jahre vehement (S.19f). Der Ha\u00df der Islamisten hat sich von Anfang an auf die selbstbewu\u00dft lebende Frau konzentriert. &#8222;Eine Vielzahl von Verhaltensregeln sollte sie zu einem Lebenswandel zwingen, der nach Lesart der radikalen Islamisten vermeintlich der islamischen Moral entspricht.&#8220; (S.19) Algerische Frauenrechtlerinnen gaben an, da\u00df \u00fcber 700 Frauen und M\u00e4dchen nur deshalb ermordet wurden, weil sie sich diesen Vorschriften widersetzt hatten: weil sie geschieden waren oder in die Schule gingen, weil sie westlich gekleidet waren oder ihre Arbeitsstelle nicht aufgeben wollten (S.19). &#8222;Hunderte von M\u00e4dchen und M\u00fcttern wurden von bewaffneten Gruppen entf\u00fchrt, vergewaltigt und verst\u00fcmmelt, weil sie die sogenannte &#8218;Lustehe&#8216; (zauedj el mutaa) verweigerten, die ihnen Mitglieder der Untergrundgruppe aufzwingen wollten.&#8220; (S.19) Die &#8218;Lustehe&#8216; ist ein schiitisch tradierter &#8218;Brauch&#8216;, nach dem ein Vertrag \u00fcber einige Monate zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen wird, was den Massenvergewaltigungen islamistischer K\u00e4mpfer einen Anstrich religi\u00f6ser Legitimit\u00e4t gibt; der mehrheitlich sunnitische Islam in Algerien widerspricht aber dieser Tradition; d.A.)<\/p>\n<p>Frauen wurden aus abgelegenen D\u00f6rfern entf\u00fchrt und monatelang in lager\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden festgehalten und mehrmals t\u00e4glich vergewaltigt. Die K\u00f6pfe einiger der get\u00f6teten Frauen wurden zur &#8218;Warnung&#8216; in die D\u00f6rfer gebracht und vor Schulen auf St\u00f6cke gespie\u00dft.<\/p>\n<h3>Die Arbeit der Frauenassoziationen<\/h3>\n<p>Einige der Assoziationen der Frauenbewegung haben sich auf die eher praktische soziale Arbeit mit Frauen konzentriert. Die feministische Organisation SOS (Femmes en detresse \/ Frauen in Not) ist eine derjenigen Basisvereinigungen, die in den 80er Jahren aus den konspirativen Frauengruppen entstanden. Sie ist darum bem\u00fcht, vergewaltigten und in schwere soziale Not geratenen Frauen zu helfen. Es ging ihr zun\u00e4chst darum, einen Schutzraum (Frauenh\u00e4user) und dann &#8218;Hilfe zur Selbsthilfe&#8216; zu gew\u00e4hrleisten. SOS verstand sich anfangs bewu\u00dft als unabh\u00e4ngige Nichtregierungsorganisation (NGO).<\/p>\n<p>Die soziale Arbeit von SOS hatte allerdings in erster Linie eine radikal-transformierende Intention. In einem ersten Schritt galt es, die Masse der ins Unrecht gesetzten Frauen aufzufangen. Im zweiten Schritt sollte, wenn m\u00f6glich, politische Aufkl\u00e4rungsarbeit geleistet werden. Allgemein ging es darum, den aufgenommenen Frauen zu Selbstbewu\u00dftsein und wirtschaftlicher Unabh\u00e4ngigkeit zu verhelfen. Allerdings ist die Zahl der in Not geratenen Frauen so gro\u00df, da\u00df die Arbeit von Gruppen wie SOS nur ein Leuchtfeuer ist. Mit dem verbreiteten Analphabetismus und der Frauenarmut konnten die Projekte gar nicht Schritt halten. Ein besonderer Beweis von Zivilcourage war die Arbeit von SOS anfangs deshalb, weil die Organisation eigentlich im Untergrund arbeiten mu\u00dfte. Zwar konnte durch &#8218;Mund-zu-Mund-Propaganda&#8216; betroffenen Frauen eine Anlaufstelle genannt werden, doch trotzdem mu\u00dften sie st\u00e4ndig mit islamistischen Terrorangriffen rechnen. Ihr Zentrum sowie einige Frauenh\u00e4user befinden sich in Algier. Frauen, die auf dem Lande wohnen, haben erschwertere M\u00f6glichkeiten, einen Weg zu den humanit\u00e4ren und feministischen Organisationen zu finden.<\/p>\n<p>Im zivilen Untergrund besteht ein Verbindungsnetz, vorrangig zwischen den unabh\u00e4ngigen Assoziationen. Das ist schon deshalb notwendig, um gegebenenfalls Massendemonstrationen sowie Gro\u00dfveranstaltungen auf den Plan zu rufen (S.123ff u. 159f).<\/p>\n<h3>Die algerischen Familiengesetze: legalisierte Frauendiskriminierung<\/h3>\n<p>Die weitaus meisten Frauen, die von der SOS aufgenommen wurden, waren Opfer des Familiengesetzes. Dieses Gesetz erlaubt dem Mann, seine Frau praktisch ohne jeden Grund zu versto\u00dfen. Au\u00dferdem legalisiert es die Polygamie. Frauen, die sich weigern, neben zwei weiteren Ehefrauen zu leben, landen mit ihren Kindern auf der Stra\u00dfe, denn der Mann hat das Anrecht auf die eheliche Wohnung. Die Wohnungsknappheit ist in Algerien \u00fcberdurchschnittlich hoch. Hinzu kommt, da\u00df die meisten Frauen in der Regel keine ausreichende Schul- oder berufliche Bildung erhalten haben. Dadurch wird es ihnen doppelt erschwert, eine eigene Existenz aufzubauen (S.20, 123). F\u00fcr die Frau ist also das Recht auf Scheidung so gut wie beschnitten. Sie darf sich nur scheiden lassen, wenn der Mann impotent ist oder wenn er einen schweren Fehler begangen hat, der den Ruf der ganzen Familie sch\u00e4digt &#8211; ein Umstand, der in den meisten F\u00e4llen nur schwer nachzuweisen ist.<\/p>\n<p>Dieses Gesetz ist von fundamentalistischen IslamistInnen entworfen worden. Im Prinzip leugnet es alle Rechte der Frauen. Selbst heiraten kann eine Frau nur, wenn ihr Vormund das erlaubt. Das ist sogar der Fall, wenn sie eine beruflich selbst\u00e4ndige Position innehat, etwa als \u00c4rztin. Die Masse der Frauen hat dieses Gesetz wieder &#8218;an den Herd&#8216; getrieben und an einer beruflichen Selbstverwirklichung gehindert (S.104f). &#8222;Fast 60 Prozent der Algerierinnen k\u00f6nnen weder lesen noch schreiben, w\u00e4hrend nur ein Drittel der M\u00e4nner Analphabeten sind.&#8220; (S.21)<\/p>\n<p>Das Familiengesetz und seine bereits fr\u00fch vorhersehbaren Folgen standen im Brennpunkt der Auseinandersetzungen und des Engagements der Frauenbewegung. Die ersten Ans\u00e4tze und Details waren bereits 1980 erkennbar. \u00d6ffentlich thematisiert wurden die Gefahren des Gesetzes zuerst von Frauen aus der Gruppierung der Moudjahidattes (der ehemaligen Partisaninnen, welche im Unabh\u00e4ngigkeitskrieg mitgek\u00e4mpft haben). Eine dieser Frauen berichtet: &#8222;Weil wir damals keine Assoziationen gr\u00fcnden durften, haben wir im Untergrund gearbeitet.&#8220; Sie haben zusammen mit Studentinnen Demonstrationen und Sitzstreiks organisiert, &#8222;denn von Anfang an war klar, da\u00df dieses Gesetz unsere Minderwertigkeit festschreiben sollte.&#8220; (S.159)<\/p>\n<p>Seit Ende der 80er Jahre wurde der Konflikt mit diesem Gesetz &#8211; innerhalb der Frauenbewegung &#8211; zu einer Art &#8222;Kernspaltungsfrage&#8220;. Die einen waren konsequent f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung und Abschaffung des Gesetzes; die anderen hofften auf eine Reformierung. In dieser Diskussion hat sich dann die SOS f\u00fcr den reformerischen Weg entschieden. Die Regierung war bisher allerdings nicht bereit, das Gesetz wieder zu \u00e4ndern. Als die Organisation ihren Status als Nichtregierungsorganisation aufgab, vom Sozialministerium finanziell unterst\u00fctzt wurde und sogar dem \u00dcbergangsparlament der Milit\u00e4rregierung beigetreten ist, verlie\u00dfen einige Mitbegr\u00fcnderinnen die Organisation (S.123ff). Dieser Schritt war n\u00f6tig, denn jegliches Zugest\u00e4ndnis mit dem Regime beschneidet den m\u00fchsam erk\u00e4mpften Eigenraum, um den die Frauen k\u00e4mpfen. Die Entwicklung der SOS zeigt jedoch das Dilemma, in dem sich einige Frauenprojekte in Algerien befinden.<\/p>\n<p>Besonders ausschlaggebend f\u00fcr die dynamische Entwicklung der Frauenbewegung war, da\u00df einige Frauen aus den Reihen der ehemaligen Partisaninnen ihre Erfahrungen an die j\u00fcngere Frauengeneration weitergaben. Ehemalige Moudjahidates arbeiten oft in mehreren Assoziationen gleichzeitig, vermutlich schon deswegen, um die Flexibilit\u00e4t des Untergrund-Kontaktnetzes aufrechtzuerhalten. Sie waren auch diejenigen, die zusammen mit Studentinnen der Universit\u00e4t Algier Ende der 70er Jahre die erste Keimzelle, genannt &#8222;Das Kollektiv der Frauen&#8220;, der algerischen Frauenbewegung ins Leben gerufen haben, die neben den offiziellen Regierungsorganisationen existierte (S.115-123, 145- 154). Ihre eigene Beteiligung an der Seite der M\u00e4nner beim bewaffneten Unabh\u00e4ngigkeitskrieg idealisieren sie noch immer. Manche ihrer Aussagen belegen, da\u00df auch im Krieg eine geschlechtliche Arbeitsteilung vorherrschte, und die Peinlichkeit mancher Statements f\u00e4llt ihnen kaum auf: &#8222;W\u00e4hrend des Krieges waren wir alle bereit, zu sterben, damit ein Mann \u00fcberlebt.&#8220; (S.152) Da\u00df sie ihre Idealisierungen angesichts des neuerlichen Krieges nicht revidieren, hat wohl mit einer spezifischen Identit\u00e4t zu tun, die sie sich bei ihrer Durchsetzung als Partisaninnen im m\u00e4nnerdominierten Umfeld w\u00e4hrend des Unabh\u00e4ngigkeitskrieges aneigneten.<\/p>\n<p>Die haupts\u00e4chlichen InitiatorInnen der Bewegung sind jedoch die Frauen, die der sogenannten Bildungselite angeh\u00f6ren. Beruflich arbeiten sie zumeist als Lehrerinnen, Journalistinnen, Medizinerinnen usw. Von Anfang an waren die Frauen dieser sogenannten feministischen &#8222;Avantgarde&#8220; darum bem\u00fcht, sich nicht elit\u00e4r abzusondern. Das Kontaktb\u00fcndnis zu den Frauen aus der Arbeiterinnenschicht gelang weitestgehend.<\/p>\n<p>Das Buch von Bettina R\u00fchl will nicht in erster Linie einen theoretischen \u00dcberblick \u00fcber die Frauenbewegung Algeriens geben. Entscheidend ist, da\u00df hier engagierte Frauen selbst erz\u00e4hlen, aus ihrem Alltag und ihrer eigenen Biographie. Die Geschichte der Frauenbewegung Algeriens ist auf diese Art und Weise lebendig und transparent dargestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Fr\u00fchjahr 1994 verk\u00fcndete die GIA (Groupe Islamique Arm\u00e9e), die den algerischen militanten Untergrund dominierende islamistische und antisemitische Guerilla, ein Ultimatum: Alle Frauen, die ab dem 8. M\u00e4rz keinen Schleier tragen, w\u00fcrden umgebracht. Zehntausende Algerierinnen protestierten dagegen. Am 22. 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