{"id":19473,"date":"2019-02-27T22:33:51","date_gmt":"2019-02-27T20:33:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=19473"},"modified":"2019-03-06T13:05:19","modified_gmt":"2019-03-06T11:05:19","slug":"venezuela-ein-offener-brief","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/02\/venezuela-ein-offener-brief\/","title":{"rendered":"Venezuela &#8211; Ein offener Brief"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir, Organisationen und Menschen, die Menschenrechte verteidigen, Aktivist*innen und F\u00f6rder*innen von Gewaltfreiheit und Frieden, Kriegsdienstverweiger*innen und Antimilitarist*innen, die in Venezuela aktiv sind, wenden uns mit diesem Offenen Brief an unsere Freund*innen in der ganzen Welt, um Euch unsere Meinung \u00fcber die sich derzeit in unserem Land entfaltenden Konflikte mitzuteilen.<\/p>\n<p>Wir wissen, dass eine Abnahme der Gewaltursachen stark zusammenh\u00e4ngt mit der Menschenw\u00fcrde der Bev\u00f6lkerung. Es kann keine w\u00fcrdevollen Lebensbedingungen und Frieden geben, solange nicht die Macht, Hunger und Ungleichheit abnimmt und es nicht zu\u00a0 Verbesserungen beim Zugang zu grundlegenden Nahrungsg\u00fctern und Dienstleistungen f\u00fcr die gesamte Bev\u00f6lkerung kommt, insbesondere f\u00fcr die am st\u00e4rksten gef\u00e4hrdeten Teile. In Gesellschaften ohne demokratische Garantien zur Teilnahme an freien und fairen Wahlen von Vertretern und Machthabern gedeiht Gewalt. Es gibt keine M\u00f6glichkeit Gewaltfreiheit und Frieden zu f\u00f6rdern, wenn wir die Ursachen von Diskriminierung und Ungleichheit ignorieren, die Millionen von Menschen dazu gezwungen hat, das Land zu verlassen. Um Gewaltlosigkeit und Frieden zu f\u00f6rdern, m\u00fcssen wir darauf bestehen, die Aus\u00fcbung von Macht mit einer Logik der Einseitigkeit, des Autoritarismus und Militarismus zu beseitigen, da sie die Beziehungen zwischen den Menschen nur aus der Perspektive von Freunden versus Feinden, von Verb\u00fcndeten versus Verr\u00e4tern betrachtet, und Unterschiede und Freiheit, sowohl symbolisch wie auch ganz real, zu eliminieren versucht.<\/p>\n<p>Venezuela erlebte einen immer schneller werdenden Prozess mit erheblichen R\u00fcckschl\u00e4gen f\u00fcr unsere Lebensqualit\u00e4t, womit es immer schwieriger wurde, Zugang zu den grundlegendsten G\u00fctern f\u00fcr den Lebensunterhalt zu erhalten, was das demokratische System tiefgreifend beeinflusst hat. Seit 2015, nach der Wahl der Nationalversammlung, war es offensichtlich, dass die politischen, der Regierung nahestehenden Kr\u00e4fte, ihre Mehrheit verloren hatten und die Wahlen manipuliert wurden, um zu garantieren, dass die Partei von Maduro, die Partido Socialista Unido de Venezuela (PSUV &#8211; Vereinigte Sozialistische Partei Venezuelas) an der Macht bleibt.<\/p>\n<p>Die Regierung ver\u00f6ffentlicht keine offiziellen Daten und missachtet und kriminalisiert Untersuchungen und Zeugenaussagen, die eine Realit\u00e4t widerspiegeln, die im Gegensatz zu der in den nationalen Medien steht. Diese werden streng \u00fcberwacht und zensiert. Das Hochkommissariat f\u00fcr Menschenrechte der Vereinten Nationen berichtete, dass 3,5 Millionen Venezolaner*innen zur Migration aus dem Land gezwungen wurden. Venezuela erleidet einen Allgemeinen Humanit\u00e4ren Notstand &#8211; verursacht durch politische Entscheidungen, nicht durch nat\u00fcrliche Katastrophen oder bewaffnete Konflikte. Der Staat ist verantwortlich f\u00fcr die beigebrachten Sch\u00e4den und demonstriert zugleich, dass er keinerlei Absicht hat, diese Sch\u00e4den wiedergutzumachen.<\/p>\n<p>2018 erreichte die Armutsrate nach Angaben der drei wichtigsten Universit\u00e4ten des Landes etwa 48% der Haushalte. Die Inflation erreichte 1.229.724 Prozent und k\u00f6nnte laut Prognosen im Jahr 2019 10 Millionen Prozent erreichen. Eine einzelne Familie ben\u00f6tigt 60 Monatsl\u00f6hne, um die zum \u00dcberleben notwendigen Waren und Dienstleistungen zu erwerben. 2017 verloren 64% der Venezolaner rund 11 kg an Gewicht, 33% der Kinder zwischen null und zwei Jahren leiden unter Verz\u00f6gerungen in ihrem Wachstums- und Entwicklungsprozess. Nach einer von der Caritas durchgef\u00fchrten Studie mussten 53% der venezolanischen Haushalte auf \u00dcberlebensstrategien wie Betteln und Nahrungssuche im M\u00fcll zur\u00fcckgreifen.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Jahr 2018 gaben nichtstaatliche Organisationen an, dass 60% der im Jahr 2011 bestehenden \u00e4rztlichen Versorgung verschwunden war. Laut offiziellen Angaben stieg die Sterberate bei M\u00fcttern um 66%, bei Kindern um 30% an. Seit 2017 haben mehr als 79.000 Menschen mit HIV keine antiretroviralen Medikamente mehr erhalten. Venezuela hat die weltweit h\u00f6chste Wachstumsrate von Malaria-F\u00e4llen, was zu einem Anstieg der F\u00e4lle in Lateinamerika um 43% f\u00fchrt. Allein im Jahr 2018 stieg die Zahl der F\u00e4lle von Malaria um 53% an. Angesichts des Wiederauflebens von ausgerotteten Krankheiten wie Tuberkulose (10.952 F\u00e4lle), Diphtherie (9.362 F\u00e4lle) und Pocken, was mindestens 5.000 Todesf\u00e4lle verursacht hat, ist eine alarmierende Krise des Gesundheitssystems zu verzeichnen. Sie wurde verursacht durch den fehlenden Zugang zu Medikamenten, Pr\u00e4ventions- und Kontrollprogrammen. Die Pharmazeutische F\u00f6deration Venezuelas berichtete, dass 2018 der Mangel an Medikamenten 85% erreichte. Das Defizit bei Betten in Krankenh\u00e4usern betr\u00e4gt 64%, 79% der Krankenh\u00e4user haben kein flie\u00dfendes Wasser, 53% der Operationsr\u00e4ume sind geschlossen und 95% der Medikamente, medizinischen Vorr\u00e4te und Ausr\u00fcstung sowie Ersatzteile werden importiert.<\/p>\n<p>Der Oberste Gerichtshof hat 2017 versucht, die Nationalversammlung durch einen Erlass zu annullieren, was die Generalstaatsanw\u00e4ltin Luisa Ortega D\u00edaz zu einem \u201eBruch der Verfassungsordnung\u201c erkl\u00e4rte. Infolgedessen hat Venezuela zusammen mit Nicaragua die gr\u00f6\u00dfte Serie von friedlichen Protesten in der heutigen lateinamerikanischen Geschichte erlebt. Millionen von Menschen gingen auf die Stra\u00dfe, um freie und vertrauensw\u00fcrdige Wahlen einzufordern, sowie die Achtung der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung, die Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit. Die im Land bestehenden demokratischen Mittel zur Ver\u00e4nderung der Situation wurden blockiert, die Bev\u00f6lkerung war beteiligt an M\u00e4rschen, Blockaden von Stra\u00dfen, organisierten Spazierg\u00e4ngen, Petitionen, k\u00fcnstlerischen direkten Aktionen, Hungerstreiks, Referenden und Dialogen. Als Antwort wurde ein repressiver Milit\u00e4rplan unter dem Namen \u201ePlan Zamora\u201c umgesetzt, unter Beteiligung der Sicherheitskr\u00e4fte, der bolivianischen Nationalgarde und bewaffneter Zivilisten. Nach Angaben von nichtstaatlichen Organisationen gab es im ganzen Land innerhalb von vier Monaten 6.729 Protestaktionen. 135 Menschen wurden ermordet, mehr als 12.000 inhaftiert. Es gibt 848 politische Gefangene und \u00fcber 230 Opfer von Folter, grausamer und ungew\u00f6hnlicher Bestrafung. Millionen sind im Exil. Das Ergebnis war eine systematische Verfolgung jedes politischen Dissens\u2018, was die Er\u00f6ffnung einer vorl\u00e4ufigen Untersuchung durch den Internationalen Strafgerichtshof f\u00fcr Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Folge hatte.<\/p>\n<p>Nicol\u00e1s Maduro verstie\u00df gegen die Verfassung, als er eine nationale verfassungsgebende Versammlung forderte, die mit \u00fcber der Verfassung stehenden Befugnissen ausgestattet war und den Ausnahmezustand erkl\u00e4rte, die der Regierung die Macht ohne Kontrolle durch die gesetzgebende K\u00f6rperschaft \u00fcbertrug. Dar\u00fcber bestimmte er das Datum f\u00fcr die Pr\u00e4sidentschaftswahl, ohne Mindestbedingungen f\u00fcr freie Wahlen einzuhalten, die den Venezolaner*innen die freie Wahl des Pr\u00e4sidenten erm\u00f6glicht h\u00e4tten. So wurde Maduro 2018 f\u00fcr weitere sechs Jahre wiedergew\u00e4hlt, durch ein politisches Ereignis, das nicht transparent, nicht frei und nicht vertrauensw\u00fcrdig war, wie die Vereinten Nationen, die Organisation der Amerikanischen Staaten und 60 L\u00e4nder aus der ganzen Welt bezeugten. Die Wahl war auch von der venezolanischen Menschenrechtsbewegung angeprangert worden.<\/p>\n<p>2018, nachdem der Kampf der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr die Wiederherstellung der Demokratie besiegt war, und bei st\u00e4ndiger Verschlechterung des Allgemeinen Humanit\u00e4ren Notstandes, verzeichnete Venezuela die st\u00e4rkste Migration, die die Region je erlebt hat. Nach Angaben des Hochkommissariats f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge (UNHCR), verlie\u00dfen drei Millionen Venezolaner*innen das Land. Wenn sich die Situation 2019 nicht gravierend \u00e4ndert, k\u00f6nnte sich die Zahl auf f\u00fcnf Millionen Menschen erh\u00f6hen. Die Proteste in Venezuela haben nicht aufgeh\u00f6rt. 2018 gab es insgesamt 12.715 Protestaktionen, also im Durchschnitt 35 t\u00e4glich. 89% davon thematisierten die Sozial- und Arbeitsanforderungen, die Bereitstellung der Grundversorgung, Gesundheit und Lebensmittel. Im Zusammenhang mit diesen Aktionen wurden 14 Menschen ermordet, 13 durch Sch\u00fcsse. 2017 wurde die Fuerza de Acciones Especiales (FAES), eine Sondereinheit der Polizei, gegr\u00fcndet, mit dem Ziel, in den Wohnviertel S\u00e4uberungen durchzuf\u00fchren. Sie ver\u00fcbten willk\u00fcrliche Inhaftierungen, Zwangseinweisungen und au\u00dfergerichtliche Hinrichtungen. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Provea hat die FAES mindestens 205 Menschen ermordet.<\/p>\n<p>Am 10. Januar 2019 erkl\u00e4rte Nicol\u00e1s Maduro sich selbst f\u00fcr eine zweite Amtszeit zum Pr\u00e4sidenten. Er verstie\u00df gegen die nationale Verfassung und setzte eine de-facto-Regierung ein. Die Nationalversammlung erkl\u00e4rte am 23. Januar als die einzige Institution, die durch eine Wahl des Volkes legitimiert ist und ihr Mandat auf die Verfassung st\u00fctzt, dass die Pr\u00e4sidentschaft widerrechtlich angeeignet worden sei und \u00fcbernahm damit die Befugnisse des Exekutivorgans, um eine \u00dcbergangsregierung einzusetzen und damit innerhalb kurzer Zeit freie und vertrauensw\u00fcrdige Wahlen durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Seit dem 21. Januar gibt es eine neue Welle von Massenprotesten. Teile des Volkes sind die Tr\u00e4ger der Proteste, wie die Bev\u00f6lkerung des Stadtteils Cotiza, die in den Stra\u00dfen ein Ende der widerrechtlichen Aneignung der Pr\u00e4sidentschaft einforderte, nachdem eine nahegelegene Milit\u00e4rgarnison erkl\u00e4rt hat, Maduro nicht als Pr\u00e4sidenten anzuerkennen. Die Nachbarschaftsproteste wurden von den Sicherheitskr\u00e4ften, angef\u00fchrt von der FAES, niedergeschlagen. Zwischen 21. Januar und 4. Februar 2019 wurden bei den Protesten 35 Menschen ermordet, 9 Personen wurden bei Hausrazzien, die im Anschluss an die Proteste stattfanden, au\u00dfergerichtlich hingerichtet. Es gab 939 Festnahmen, unter ihnen Hunderte von Frauen, 77 Jugendliche und 7 Indig\u00e9nas.<\/p>\n<p>Die politischen und humanit\u00e4ren Krisen und die Fl\u00fcchtlingskrise von Venezuela sind ein Problem f\u00fcr die Region. L\u00e4nder mit verschiedener ideologischer Ausrichtung haben seit Jahren ihre Besorgnis ausgedr\u00fcckt. Und die gegenw\u00e4rtige Situation wurde zu einem entscheidenden Moment f\u00fcr die Zukunft des Landes und der Region. Die 13 L\u00e4nder, die am dichtesten besiedelt und am st\u00e4rksten von der venezolanischen Migration betroffen sind, haben sich in der Lima-Gruppe zusammengeschlossen. Sie haben die Nationalversammlung anerkannt und Juan Guiad\u00f3 als Interimspr\u00e4sidenten. Sie unterst\u00fctzen den Aufruf zu Neuwahlen, insbesondere den Aufruf zu einem friedlichen \u00dcbergang ohne Gewaltanwendung. Auch 21 L\u00e4nder der Europ\u00e4ischen Union haben sich der Forderung nach freien und vertrauensw\u00fcrdigen Wahlen angeschlossen, mit der die de-facto-Regierung durch Nicol\u00e1s Maduro gestoppt werden soll. Sie erkennen die rechtm\u00e4\u00dfige Aus\u00fcbung der Exekutivgewalt durch den Pr\u00e4sidenten der Nationalversammlung Juan Guaid\u00f3 an. Die Europ\u00e4ische Gemeinschaft hat die Einsetzung einer Kommission gefordert, die innerhalb von drei Monaten vertrauensw\u00fcrdige Wahlen durchf\u00fchren soll. Mexico und Uruguay haben einen Dialogprozess vorgeschlagen, um friedliche Wege aus der Krise zu finden. Kolumbien und Brasilien &#8211; Nachbarstaaten von Venezuela und stark betroffen durch die Grenz- und Fl\u00fcchtlingskrise &#8211; unterst\u00fctzen die Erkl\u00e4rungen der Lima-Gruppe und boten Hilfe bei der Bereitstellung humanit\u00e4rer Unterst\u00fctzung an der Grenze an. Die USA hat eine st\u00e4rker kriegerische Haltung in der Krise eingenommen, indem sie Druck aus\u00fcbt, den \u00dcbergang entsprechend des Vorschlags der Lima-Gruppe umzusetzen, andernfalls aber alle anderen Optionen, einschlie\u00dflich einer milit\u00e4rischen Option, in Betracht ziehen.<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rungen der US-Regierung haben verst\u00e4ndlicherweise weltweit zu Reaktionen gef\u00fchrt. Leider war die Reaktion weder darauf gerichtet, einen Krieg zu vermeiden, mit Blick auf die Trag\u00f6die, die ein Krieg f\u00fcr die venezolanische Bev\u00f6lkerung und die Region bedeuten w\u00fcrde, noch einen friedlichen Ausstieg Maduros von der Macht zu unterst\u00fctzen, damit das venezolanische Volk seinen Willen frei \u00e4u\u00dfern kann. Die Reaktionen sahen nur einen Konflikt zwischen Maduro mit einem venezolanischen Sozialismus versus einem Yankee-Imperialismus. Solch eine Reaktion, verst\u00e4rkt durch die Propaganda der venezolanischen Regierung, f\u00fchrt zu einer gro\u00dfen Ungerechtigkeit denjenigen Menschen gegen\u00fcber, die unter dem allgemeinen humanit\u00e4ren Notstand leiden, ihre Freiheiten nicht genie\u00dfen k\u00f6nnen und von denen sich die Mehrheit einen politischen Wandel w\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Wenn wir \u00fcber Imperialismus in Venezuela sprechen, m\u00fcssen wir die ganze Wahrheit sagen. Unser Land ist weiterhin ein Exporteur von Erd\u00f6l. Die USA sind weiter neben China und Russland wichtige Handelspartner, was zu bedeutenden Vereinbarungen zwischen der russischen \u00d6lgesellschaft Rosneft und der venezolanischen \u00d6lgesellschaft Pdsva gef\u00fchrt hat, die jedoch nicht \u00f6ffentlich sind. Dar\u00fcber hinaus hat Maduro einen Erlass herausgegeben, der ab 2016 gro\u00dfangelegten Bergbau im Arco Minero del Orinoca erlaubt, einer Fl\u00e4che von 111.843,70 Quadratkilometern, was 12,25% des venezolanischen Territoriums entspricht &#8211;\u00a0 gr\u00f6\u00dfer als Portugal. Aufgeteilt in vier Bereiche wird damit die Ausbeutung von Gold, Diamanten, Coltan und anderen Mineralien erm\u00f6glicht. Das Gebiet ist das gr\u00f6\u00dfte Trinkwasserreservoir im Land, es ist Land der Indig\u00e9na, und es gibt keinerlei Studien \u00fcber die Umweltauswirkungen. Es gab zuvor auch keine freie und auf Informationen fu\u00dfende Zustimmung zu den Projekten. Die Nationalversammlung hat den Projekten nicht zugestimmt, eine nach der Verfassung erforderliche Anforderung. Das Land wurde militarisiert, mit erheblichen negativen Konsequenzen und einem Anstieg der Mafiaaktivit\u00e4ten, sklaven\u00e4hnlichen Bedingungen, sexueller Ausbeutung, Umweltsch\u00e4den, einem negativen kulturellen Einfluss auf indigene Gemeinschaften, die mit den Campesinos zu Minenarbeitern wurden, begleitet von Massakern und Verschwindenlassen von Minenarbeitern. Die \u00f6ffentlichen Beschwerden, die die M\u00f6glichkeit einer der gr\u00f6\u00dften Umweltkatastrophen in der Region und die Verletzung von Umwelt- und Sozialrechten thematisierten, wurden von Lobbyisten aus der ganzen Welt zum Schweigen gebracht. Die T\u00fcrkei, China, Kanada, Russland und verschiedene afrikanische L\u00e4nder sind in h\u00f6chstem Ma\u00dfe interessiert und an der Erkundung und Ausbeutung der Minen von Arco Minero beteiligt.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen erg\u00e4nzen, dass Russland zum gr\u00f6\u00dften Waffenh\u00e4ndler f\u00fcr Venezuela geworden ist. Rosoboronexport, der gro\u00dfe russische Waffenexporteur, k\u00fcndigte 2018 an, die Zusammenarbeit mit der Maduro-Regierung beim Bau und der Er\u00f6ffnung einer Kalaschnikow-Waffenfabrik zu reaktivieren, um sie 2019 zu er\u00f6ffnen &#8211; ein Vorhaben, das sich aufgrund von Korruptionsvorw\u00fcrfen \u00fcber Jahre verz\u00f6gert hat.<\/p>\n<p>Ab 2016 wurde die Maduro-Regierung zu einer Milit\u00e4rregierung mit begrenztem zivilen Anteil. Venezolanische Milit\u00e4rvertreter, die sich einem milit\u00e4rischen Sektierertum verschrieben haben, besetzen derzeit ohne jede Form \u00f6ffentlicher Kontrolle die wichtigsten Stellen bei Kauf, Import und Verteilung von Waren f\u00fcr den Allgemeinem Humanit\u00e4ren Notstand und eine betr\u00e4chtliche Zahl von Ministerien, Gouverneursposten, staatlichen und privaten Firmen, Banken usw. Nach einer von Transparency Venezuela durchgef\u00fchrten Untersuchung standen 2018 zw\u00f6lf Ministerien und sechs Landesregierungen unter der F\u00fchrung von Milit\u00e4rs. Die nationale Produktion und der Vertrieb von Grundnahrungsmitteln, die am seltensten sind und am meisten auf den Schwarzm\u00e4rkten gehandelt werden, wird von Milit\u00e4rs kontrolliert: \u00d6l, Reis, Zucker, Rindfleisch, Kaffee, schwarze Bohnen, Hygieneartikel, pharmazeutische Erzeugnisse, Di\u00e4tprodukte, Mais, Maismehl, Margarine, Toilettenpapier, Hygieneartikel f\u00fcr Frauen, Windeln, Schweinefleisch, Weizen und Soja. Milit\u00e4rangeh\u00f6rige koordinieren die neun wichtigsten Gro\u00dfhandelsm\u00e4rkte f\u00fcr die Verteilung von Lebensmitteln im ganzen Land. Ihnen untersteht das Management von Flugh\u00e4fen und nationalen H\u00e4fen. Es gibt Milit\u00e4runternehmen in den Bereichen Finanzwesen, Banken, Landwirtschaft, Kommunikation, \u00d6l, Bergbau, Bildung, Gesundheit, Versicherungswesen, Industrie, Bauwesen und Vertragsgestaltung. Das Land wird vom Milit\u00e4r regiert und ist dessen Gnade ausgeliefert, was seine Logik und st\u00e4ndige Kriegspropaganda mit einschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Venezuela erlebt seit zwei Jahrzehnten die Logik eines Krieges, die die Venezolaner*innen spaltet. Es war ein Prozess der Polarisierung, der sich im Laufe der Jahre ver\u00e4ndert hat und in dem sich heute die Menschen in extremen Positionen wiederfinden: Diejenigen, die die Demokratie verteidigen und diejenigen, die auf autorit\u00e4re Art und Weise die Macht zu halten versuchen: Durch die Verletzung der Verfassung und die Aufhebung der Autonomie unabh\u00e4ngiger M\u00e4chte, durch die Manipulierung von Wahlen, so dass diese nicht wirklich den Willen des Volkes widerspiegeln. Es ist die Verteidigung einer Milit\u00e4rdiktatur mit einem zivilen Staatsoberhaupt, \u00e4hnlich wie bei Alberto Fujimori in Peru, gegen die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung, die eine friedliche L\u00f6sung w\u00fcnscht, in der sich die Stimme des venezolanischen Volkes in freien und vertrauensw\u00fcrdigen Wahlen ausdr\u00fccken kann, so dass wir selbst unser Schicksal w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Nicol\u00e1s Maduro hat alle friedlichen Mittel f\u00fcr die Wiederherstellung der Demokratie, der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung und die dringend notwendige Aufmerksamkeit f\u00fcr den Allgemeinen Humanit\u00e4ren Notstand blockiert. Er hat kritische Stimmen ignoriert und kriminalisiert, auch diejenigen, die sich mit dem Chavismus identifizieren und \u00f6ffentlich Maduros Regierungsstil kritisieren.<\/p>\n<p>Was heute in Venezuela geschieht, ist kein Fall von Imperialismus gegen\u00fcber einer legitimen Regierung sozialistischen Zuschnitts. Der Weg, den die Bev\u00f6lkerung eingeschlagen hat, ist ein verfassungsm\u00e4\u00dfiger und friedlicher Weg, um zur Demokratie zur\u00fcckzukehren. Wir wollen keine gewaltsame milit\u00e4rische Intervention, wir wollen weder mehr Tod noch Leid, wir fordern die ganze Welt auf, die Auflehnung der venezolanischen Bev\u00f6lkerung nicht zu \u00fcberh\u00f6ren. Wir k\u00f6nnen einen Krieg stoppen, wir k\u00f6nnen eine milit\u00e4rische Intervention aufhalten, wenn sich alle innerhalb und au\u00dferhalb unserer Grenzen zusammenschlie\u00dfen, wir gemeinsam unsere Stimme erheben und fordern, dass das Volk durch wirklich freie und demokratische Wahlen souver\u00e4n \u00fcber unser Schicksal entscheidet.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Konflikt in Venezuela gibt es zwei L\u00f6sungen: eine friedliche, die bedeutet, durch freie und vertrauensw\u00fcrdige Wahlen zur verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung zur\u00fcckzukehren, die heute von einer de-facto-Regierung verletzt wird. Die zweite Option ist die Anwendung von Gewalt, sei es durch ein Vorgehen des venezolanischen Milit\u00e4rs gegen die herrschenden Eliten oder durch ein bewaffnetes Eingreifen ausl\u00e4ndischen Milit\u00e4rs. Es h\u00e4ngt von jedem\/jeder Einzelnen von uns und unseren Handlungen ab, gen\u00fcgend Druck auszu\u00fcben, damit die L\u00f6sung gewaltfrei ist und Demokratie und Gerechtigkeit einschlie\u00dft, die das venezolanische Volk, die Menschen im Land verdienen. Wir m\u00f6chten, dass es unsere Stimmen und Bestrebungen sind, die \u00fcber die Zukunft und das Schicksal unseres Landes bestimmen, nicht die Waffen. Aber daf\u00fcr brauchen wir Eure Hilfe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Caracas, den 10. Februar 2019<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hochachtungsvoll<br \/>\nAlba Purroy, Alejandro \u00c1lvarez Iragorry , Alexis Ramirez, Alfredo Infante, \u00c1ngel Zambrano, Aura Scaramelli , Catalina Valera, Cristal Palacios, Crist\u00f3bal Plaza, Daniel Arzola , Daniel Certain, Douglas G\u00f3mez , Erick Lairet, Euglis Palma , Feliciano Reyna, Gracia Salazar, Israel Valera Perez, Juan Carlos La Rosa, Katiuska Camargo , Lexys Rend\u00f3n, Mar\u00eda Eugenia Redondo, Mar\u00eda Fernanda Abzueta , Norkys J. Salcedo , Rafael Uzc\u00e1tegui, Ra\u00fal Hurtado, Robzayda Marcos Vera, Rodolfo Montes de Oca, Rolanda Larez, Santiago Zapata , Seymar Liscano, William Requejo , Zoraida Pacheco<\/p>\n<p>Organizations: Acci\u00f3n Solidaria, Action for Solidarity, Asociaci\u00f3n Civil Oportunidad, Centro de Justicia y Paz -Cepaz , Clima21 &#8211; Ambiente y Derechos Humanos , CODHEZ: Comisi\u00f3n para los Derechos Humanos del Estado Zulia, Conciencia Ciudadana A.C , Creemos Alianza Ciudadana, EXCUBITUS DHE, Instituto Mead de Venezuela A.C, Laboratorio Ciudadano de Noviolencia Activa, Laboratorio de Paz, LuchaNoViolentaEnVenezuela, Programa Venezolano de Educaci\u00f3n-Acci\u00f3n en Derechos Humanos (Provea), Proyecta Ciudadan\u00eda A.C , Psiquearte, RedOrgBaguta, Revista SIC del Centro Gumilla, Uni\u00f3n Vecinal para la Participaci\u00f3n Ciudadana A.C , Wainjirrawa<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Open letter from Peace and Non-violence activists and organizations from Venezuela to our friends throughout the world. 10. Februar 2019. \u00dcbersetzung ins Englische: Daniel Cooper Berm\u00fadez, ins Deutsche: Rudi Friedrich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wir, Organisationen und Menschen, die Menschenrechte verteidigen, Aktivist*innen und F\u00f6rder*innen von Gewaltfreiheit und Frieden, Kriegsdienstverweiger*innen und Antimilitarist*innen, die in Venezuela aktiv sind, wenden uns mit diesem Offenen Brief an unsere Freund*innen in der ganzen Welt, um Euch unsere Meinung \u00fcber die sich derzeit in unserem Land entfaltenden Konflikte mitzuteilen. 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