{"id":1977,"date":"1998-05-01T00:00:27","date_gmt":"1998-04-30T22:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=1977"},"modified":"2022-07-26T13:34:08","modified_gmt":"2022-07-26T11:34:08","slug":"strategie-nummer-eins-schlicht-das-uberleben-der-idee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1998\/05\/strategie-nummer-eins-schlicht-das-uberleben-der-idee\/","title":{"rendered":"Strategie Nummer Eins: schlicht das \u00dcberleben der Idee"},"content":{"rendered":"<p>Da\u00df der Vergleich des Erfolges oder Mi\u00dferfolges der (T)KDV-Bewegungen in Spanien und Deutschland &#8211; insbesondere vor den \u00e4u\u00dferst unterschiedlichen gesellschaftlich-historischen Hintergr\u00fcnden &#8211; eigentlich unm\u00f6glich ist, hat Andreas selbst an mehreren Stellen betont. Und so m\u00f6chten wir auch weniger auf den Bericht \u00fcber die Geschichte der spanischen Bewegung eingehen, als uns vielmehr mit den Punkten befassen, die zur deutschen Entwicklung angemerkt worden sind und die unseres Erachtens von einer teilweise groben Fehleinsch\u00e4tzung der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in Deutschland gepr\u00e4gt sind. Wir wollen dabei mit unserer Antwort nicht die Gr\u00fcnde und nicht die Probleme der TKDVer thematisieren. Dies tun wir regelm\u00e4\u00dfig an anderer Stelle.<\/p>\n<p>In dem Artikel wird in jedem Fall richtig dargestellt, da\u00df in Deutschland die friedenspolitischen Verb\u00e4nde, Friedensinitiativen etc. KDV und erst recht TKDV niemals als eine politische Sto\u00dfrichtung angesehen haben, und sie tun es bis heute bez\u00fcglich der TKDV immer noch nicht. Was die legalisierte KDV nach Art. 4 Abs. 3 GG anbelangt, wird zwar von der DFG-VK deren Politik zu diesem Thema als &#8222;politisch&#8220; angesehen, in Wirklichkeit aber wird f\u00fcr gew\u00f6hnlich in erster Linie Dienstleistung betrieben, also dem mehr oder insbesondere weniger politisch ambitionierten KDVer der Verwaltungsweg n\u00e4her gebracht und die Auswahl einer Zivildienststelle unterst\u00fctzt. So bietet die DFG-VK Bundesgesch\u00e4ftsstelle etwa immer noch als eine der am meisten unmittelbar in Anspruch genommenen Dienste dort eine Ersatzdienststellen-Liste an.<\/p>\n<h3>TKDVer in der BRD: fehlende praktische Solidarit\u00e4t<\/h3>\n<p>Da\u00df die Totalen Kriegsdienstverweigerer in Deutschland eine recht schleppend verlaufende und \u00e4u\u00dferst kleine Soziale Bewegung &#8211; als diese m\u00f6chten wir sie auf jeden Fall bezeichnen &#8211; darstellen, liegt unseres Erachtens am allerwenigsten bei den Totalverweigerern selbst, schon gar nicht an mangelnder Organisation, wie dies Rafael Ajangiz in seinem Vortrag in Georgsmarienh\u00fctte auf mehrfache Nachfrage wiederholend behauptete, um so den Unterschied des Erfolgs der spanischen und der deutschen TKDV-Bewegung recht monokausal zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>JedeR, die\/der die TKDV-Bewegung in Deutschland seit den 70er Jahren etwas n\u00e4her kennt, wei\u00df, da\u00df der Organisationsgrad bei denen, die sich der Bewegung verbunden f\u00fchlen, zumindest teilweise sehr hoch ist. Das hei\u00dft nicht, da\u00df es dort nicht noch sehr viel mehr zu tun geben k\u00f6nnte. Es ist aber eine Frage auch des Umfeldes, wieviel geleistet werden kann. Wenn es zur Zeit etwa 150 Totalverweigerer pro Jahr gibt, von denen gerade einmal gut 20 pro Jahr sich als politisch verstehen und eine Au\u00dfenwirkung erreichen wollen, dann ist das auf der einen Seite eine sehr geringe Zahl. Auf der anderen Seite sind die &#8211; selbst nicht mehr von der Strafverfolgung betroffenen &#8211; verbleibenden Aktiven schon mit dieser Zahl beinahe \u00fcberfordert, wenn es darum geht, zuverl\u00e4ssige Arrest- \/Proze\u00df- und Knastbetreuung zu leisten.<\/p>\n<p>An diesem Punkt m\u00f6chten wir ansetzen und versuchen deutlich zu machen, wie schwer einerseits der Kontakt zu &#8222;Nicht-Szene-Menschen&#8220; ist, wie viel andererseits durchaus von Seiten der TKDVer immer und immer wieder versucht wurde, diese Schwierigkeiten abzubauen. Es sei vorweggenommen, da\u00df wir die Hauptdefizite nicht bei den Totalverweigerern sehen (und noch einmal: Defizite existieren, das ist unstrittig), sondern bei den Menschen um sie herum, bei anderen Sozialen Bewegungen, die sich nur in sehr kleinen, abgeschlossenen Kreisen um die Problematik Wehrpflicht\/Militarismus\/KDV\/TKDV gek\u00fcmmert haben und vielfach praktische Solidarit\u00e4t haben vermissen lassen.<\/p>\n<p>Geben wir nur vier Beispiele, die die mangelnde (inhaltliche) Kontakt- und Solidarit\u00e4tsfreudigkeit anderer Sozialer Bewegungen beleuchten:<\/p>\n<p>Als erstes die Geschichte, da\u00df auf mindestens jedem zweiten TKDV-Bundestreffen die Frage auftaucht und behandelt wird, wie wir uns aus unseren eigenen Betroffenheitskreisen l\u00f6sen k\u00f6nnen; insbesondere, wie wir versuchen k\u00f6nnen, auch gerade vor dem patriarchalen Hintergrund des Militarismus, mit Frauen und Frauengruppen gemeinsam zu arbeiten. So entstand beispielsweise auf dem Bundestreffen 1994 ein Aufruf an Frauengruppen, gemeinsam gegen Pl\u00e4ne zu einer Allgemeinen Dienstpflicht zu arbeiten. Wir wissen nicht, wieweit die einzelnen regionalen Gruppen f\u00fcr eine Verbreitung dieses Aufrufs gesorgt haben. F\u00fcr Braunschweig k\u00f6nnen wir berichten, da\u00df der Aufruf an etwa zehn Gruppen (Unigruppen, Frauenbuchl\u00e4den, -caf\u00e9s etc.) verteilt wurde, ohne da\u00df auch nur eine einzige Reaktion hierauf ergangen ist. Dies ist (nun nicht auf Frauengruppen, sondern jedwede Soziale Bewegung bezogen) ein leider ziemlich typisches Ergebnis.<\/p>\n<p>Zweitens greifen wir die GWR selbst auf: In der gleichen Ausgabe, in der \u00fcber die TKDV-Bewegungen in Spanien und Deutschland geschrieben wird, findet sich vier Seiten vorher bei der Einladung zum Herbsttreffen der GraswurzlerInnen die Frage: &#8222;Ist Totalverweigerung bei der heutigen Entwicklung noch sinnvoll? Wie und wo k\u00f6nnen \u2018Totis\u2019 Unterst\u00fctzung gebrauchen?&#8220; Die erste dieser beiden Fragen hat uns &#8211; abgedruckt in der GWR! &#8211; doch schlicht die Schuhe ausgezogen, stellt sie doch indirekt die Frage nach der Effektivit\u00e4t dieser Form Zivilen Ungehorsams. Zum anderen wird auch hier deutlich, da\u00df Totalverweigerung eben nicht als gemeinsame Strategie politischen Handelns verstanden wird. Vielmehr betrachten nicht direkt Betroffene die Totalverweigerer meist aus der &#8222;wir- sie&#8220;-Perspektive.<\/p>\n<h3>Die widerspr\u00fcchliche Politik amnesty internationals<\/h3>\n<p>Als drittes Beispiel sei die Politik amnesty internationals genannt, die lautt\u00f6nend eine KDV-Kampagne inszenieren, dabei aber auf ein westeurop\u00e4isch verk\u00fcrztes Verst\u00e4ndnis von Kriegsdienstverweigerung zur\u00fcckgreifen. ai lehnt seit jeher die Adoption von inhaftierten Totalverweigerern ab und beruft sich dabei auf u.a. in Deutschland angeblich &#8222;ausreichende&#8220; KDV-&#8222;Mindeststandards&#8220;. Die Vertreter von ai werden wiederum von verschiedenen KDV-Verb\u00e4nden (etwa Zentralstelle KDV; Tr\u00e4gerkreis Osnabr\u00fccker Friedenskongre\u00df) hofiert und deren Politik im wesentlichen unkritisch pr\u00e4sentiert, auch, um in der Bev\u00f6lkerung mit dem &#8222;hohen Ansehen&#8220; von ai Stimmung zu machen. In diesem Zusammenhang ist auch die Adoption von Osman Murat \u00dclke als &#8222;Gefangener aus Gewissensgr\u00fcnden&#8220; zu sehen, sowie die etwa in Deutschland existierende breite Solidarit\u00e4t f\u00fcr Osman auch au\u00dferhalb ai. Verschwiegen wird in diesem Zusammenhang h\u00e4ufig, da\u00df es Osman und den anderen aktiven AntimilitaristInnen in der T\u00fcrkei beispielsweise auf keinen Fall um die Einrichtung eines Zivildienstes geht, sondern da\u00df ihr Agieren auf der grunds\u00e4tzlichen Ablehnung allen milit\u00e4risch-staatlichen Handelns beruht. So w\u00fcrde also ein Zivildienst in der T\u00fcrkei nichts an Osmans Situation \u00e4ndern &#8211; warum aber sollte zur Zeit (berechtigterweise) die Solidarit\u00e4t recht gro\u00df sein, diese aber (unberechtigterweise) bei Einf\u00fchrung eines eventuellen Zivildienstes (nach dem in der T\u00fcrkei praktisch niemand fragt) zumindest teilweise zusammenbrechen? Warum sollte dann die Verfolgung eines radikalen Antimilitaristen auf einmal weniger Aufmerksamkeit einfordern? Warum w\u00fcrde dann amnesty international &#8211; und in der Folge auch diverse andere b\u00fcrgerliche Verb\u00e4nde in Deutschland &#8211; die Unterst\u00fctzung einstellen? Fragen, die sich bei einer solchen, an &#8222;westeurop\u00e4ischen Standards&#8220; orientierten Sichtweise aufdr\u00e4ngen und einen bisweilen bitteren Beigeschmack bei den Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rungen hinterlassen. Und so ist es kein Wunder, wenn \u00fcber diese &#8211; ohne Zweifel berichtens- und verurteilenswerten &#8211; Vorg\u00e4nge in der T\u00fcrkei geschrieben wird, aber die akute Situation in der BRD &#8211; j\u00fcngst etwa 16 Monate Freiheitsstrafe ohne Bew\u00e4hrung gegen einen Totalen Kriegsdienstverweigerer in G\u00f6ttingen als &#8222;Spitze des Eisbergs&#8220; &#8211; in diesen angesprochenen Kreisen vollst\u00e4ndig ignoriert wird.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sei auf die Rote Hilfe verwiesen, die im Sommer 1996 beschlo\u00df, sich vorl\u00e4ufig (bis heute) nicht mehr an Geldstrafen in F\u00e4llen Totaler Kriegsdienstverweigerung zu beteiligen, mit der Begr\u00fcndung, die Strafen seien &#8222;Teil der politischen Aktion selbst, \u00e4hnlich wie der bewu\u00dft in Kauf genommene Knast in diesen F\u00e4llen&#8220;! Nach diesem Zeitpunkt an die RH gerichtete Briefe, die sich mit Fragen der Zusammenarbeit besch\u00e4ftigten, wurden nicht mehr beantwortet.<\/p>\n<p>Es ist gleichzeitig anzumerken, da\u00df Andreas in seinem Artikel selbst erkl\u00e4rt, da\u00df &#8222;die Verbreitung Zivilen Ungehorsams in der BRD nicht auf die KDVer, sondern auf die Friedens- und \u00d6kologiebewegung zur\u00fcckzuf\u00fchren&#8220; sei, &#8222;auch wenn viele der Aktiven KDVer waren&#8220;. Dies entspricht genau unserem Eindruck, da\u00df die l\u00e4ngerfristig aktiven TKDVer sich auch immer praktisch solidarisch zu anderen Sozialen Bewegungen verhielten &#8211; soweit es die Arbeitsanforderungen an sie selbst \u00fcberhaupt zulie\u00dfen.<\/p>\n<h3>Gesellschaftliches Umfeld ist gefordert<\/h3>\n<p>Gehen wir nun also die Punkte durch, an denen Andreas die Defizite in der Entwicklung der TKDV-Bewegung festmacht. Um es vorweg zu nehmen: Die Defizite sind im einzelnen zwar tats\u00e4chlich vorhanden, sie lassen sich aber nicht aus dem Kreis der zur TKDV arbeitenden Menschen heraus l\u00f6sen. Vielmehr w\u00fcrde eine L\u00f6sung dieser Probleme ein gesellschaftliches Umfeld brauchen, in dem es m\u00f6glich ist, da\u00df viele Dinge den &#8222;befreundeten&#8220; Sozialen Bewegungen &#8222;selbstverst\u00e4ndlich&#8220; erscheinen und diese somit eine gewisse soziale Auffangfunktion aus\u00fcben k\u00f6nnten, wo es notwendig ist. Genau diese Voraussetzungen waren und sind in Spanien offenbar vor einem spezifischen historischen Hintergrund gegeben, und genau diese Voraussetzungen sind in Deutschland vor einem spezifischen historischen Hintergrund wohl so schlecht wie in kaum einem anderen europ\u00e4ischen Land.<\/p>\n<ol>\n<li>Kollektive Entscheidung: Schon anhand der oben dargestellten Zahlen ist es klar, da\u00df ein Verweigerungskollektiv auch nur ann\u00e4hrend in &#8222;spanischen Verh\u00e4ltnissen&#8220; (300 im ersten Jahr) unm\u00f6glich ist. Trotzdem geben sich die (wenigen) Aktiven alle M\u00fche, kollektives Bewu\u00dftsein und gemeinsames Handeln zu f\u00f6rdern. Betrachten wir nur die Zeitschrift OHNE UNS, die im inzwischen 14. Jahrgang erscheint, immer als unsicheres Projekt, immer in Minimalauflage, immer unter personellen und finanziellen Problemen litt &#8211; und dennoch irgendwie aufrecht erhalten werden konnte (die OU d\u00fcrfte wohl die einzige politische Zeitschrift mit 14 Jahren Geschichte sein, die in einer 400er Auflage produziert wird). Betrachten wir die gerade von TKDVern immer wieder aufgenommene Diskussion um politisches Handeln und Bewu\u00dftsein im Wehrpflichtbereich, insbesondere was die Frage der Dienstleistung zur (legalisierten) KDV als auch was die Frage zur &#8222;Wehrpflichtumgehung&#8220; betrifft. Betrachten wir die Versuche, mit Strafprozessen gemeinsam umzugehen, sich untereinander zu verteidigen, da\u00df also &#8222;\u00e4ltere&#8220; TKDVer die Zulassung als Strafverteidiger durch die Gerichte in den jeweiligen &#8222;Einzelf\u00e4llen&#8220; beantragen und somit in Gruppen den akut &#8222;betroffenen&#8220; TKDVern (nicht nur) juristische Unterst\u00fctzung anbieten und dies auch als politisches, gemeinsames Konzept begreifen, gerade auch, um den Anschein des &#8222;Einzelt\u00e4ters&#8220; zu durchbrechen.<br clear=\"none\" \/><br \/>\nEs ist also richtig, da\u00df es nur &#8222;Versuche kleinerer Gruppen&#8220; gab, &#8222;zu einer kollektiven Herangehensweise zu kommen&#8220; &#8211; was den Bereich TKDV betrifft, gibt es aber \u00fcberhaupt nur kleinere Gruppen. Mehr Kollektivit\u00e4t w\u00fcrde mehr Totalverweigerer w\u00fcrde mehr a-priori-Verst\u00e4ndnis von au\u00dfenstehenden Kreisen zur Voraussetzung haben.<br clear=\"none\" \/><br clear=\"none\" \/><\/li>\n<li>\u00d6ffentliche Pr\u00e4sentation: Zun\u00e4chst mu\u00df wieder auf die Zahlen verwiesen werden. Tats\u00e4chlich liegt, wie Andreas es vermutete, der Anteil der TKDVer, die keinen Antrag auf Anerkennung als legalisierter KDVer stellen, leicht unter dem Anteil der als &#8222;KDVer&#8220; anerkannten TKDVer. Das Verh\u00e4ltnis allerdings hat sich in den letzten Jahren zugunsten der ersten Gruppe gewandelt. Dies ist in erster Linie auf die Verbreitung der Bekanntheit der TKDV zur\u00fcckzuf\u00fchren, die es mit sich bringt, da\u00df sich betroffene Menschen fr\u00fcher Gedanken um ihr eigenes Verhalten machen und somit ggf. erst gar keinen Antrag auf Anerkennung als &#8222;KDVer&#8220; stellen. Dies wiederum ist auf die relativ hochorganisierte \u00d6ffentlichkeitsarbeit der aktiven TKDV- Initiativen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Entsprechend gab es zu Beginn der 90er einen hohen Anteil an ZD-Abbrechern, der inzwischen fast vollst\u00e4ndig verschwunden ist, bei gleichzeitig leicht ansteigenden Zahlen der TKDVer.<br clear=\"none\" \/><br \/>\nDie \u00f6ffentliche Pr\u00e4sentation wird dort, wo es aktive TKDV-Gruppen gibt, durchaus als Mittel angewandt. Das Problem ist auch hier wieder, da\u00df bis auf die genannten Gruppen niemand bereit ist, einen Betroffenen in einer solchen Aktion nachhaltig zu unterst\u00fctzen. Da\u00df &#8222;\u00f6ffentliche Pr\u00e4sentationen von einzelnen in der Kaserne &#8230; h\u00e4ufig zu einer Individualisierung&#8220; f\u00fchrten und &#8222;das Problem weg von der politischen Frage der Wehrpflicht hin zu einer Auseinandersetzung der Gewissensentscheidung des einzelnen&#8220; zog, kann ebenfalls angesichts der Zahlen nicht \u00fcberraschen (im \u00fcbrigen halten wir die oben gemachte recht strikte Trennung von &#8222;politischer Frage der Wehrpflicht&#8220; und &#8222;Gewissensentscheidung des einzelnen&#8220; keineswegs f\u00fcr so deutlich machbar, da\u00df sich die beiden Aspekte gegenseitig auszuschlie\u00dfen scheinen).<br clear=\"none\" \/><br clear=\"none\" \/><\/li>\n<li>Gewaltfreies Training: Das Thema Knast werde in der hiesigen TKDV-Bewegung kaum diskutiert. Es ist schon merkw\u00fcrdig, wenn ein TKDVer als GWR-Redakteur dies schreibt. Fakt ist, da\u00df es auf Bundestreffen mindestens seit sieben Jahren regelm\u00e4\u00dfig Arrest-, und seit der &#8222;Wiedereinf\u00fchrung&#8220; von Knaststrafen auch Knast-AGs gibt und da\u00df u.a. im OHNE UNS auch Knastproblematik \u00fcber die TKDV hinaus immer wieder beleuchtet wird. Schlie\u00dflich gab es auch Zusammenarbeit etwa mit dem Carl-Kabat-Haus, als dieses noch Knastvor- und Nachbereitungswochenenden anbot &#8211; einige Zeit, bevor &#8222;gewaltfreie Trainings&#8220; teilweise zu angeblichen Allheilmethoden etabliert wurden.<br clear=\"none\" \/><br \/>\nDas Problem liegt auch hier wieder in den Zahlen. Nat\u00fcrlich werden TKDVer bei ihrer aktuellen Anzahl nicht &#8222;bedeutender Reibungsfaktor im Repressionsapparat&#8220; &#8211; zumindest, wenn sich dies auf die Knastaufenthalte beziehen soll. Gerade aber wegen der geringen Zahl scheint dies zur Zeit auch keineswegs eine besonders sinnvolle Strategie zu sein. Wissen sich etwa TKDVer in Spanien bei Verzicht auf ein Rechtsmittel gegen ein Knasturteil zum einen in &#8222;guter Gesellschaft&#8220; sowohl im Knast als auch &#8222;drau\u00dfen&#8220;, so ist jeder inhaftierte TKDVer hierzulande relativ isoliert und kann &#8222;gl\u00fccklich&#8220; sein, wenn es auch nur einen oder zwei andere Inhaftierte in dem Zeitraum gibt, in dem er sitzt. Das soziale Umfeld hat h\u00e4ufig keine Auffangfunktion, eher im Gegenteil, KDV-Verb\u00e4nde k\u00fcmmern sich im wesentlichen (hier, wie immer: bis auf wenige sehr angenehme Ausnahmen) einen Schei\u00df um Inhaftierte, kirchliche und b\u00fcrgerrechtsbewegte Kreise bezahlen ihren ai-Mitgliedsbeitrag und schlafen ruhig.<br clear=\"none\" \/><br clear=\"none\" \/><\/li>\n<li>Einbeziehung anderer Menschen: Auch hier wieder ein Beispiel. In dem Verfahren wegen angeblichen Versto\u00dfes gegen das Rechtsberatungsgesetz (\u00fcbrigens eine Konsequenz selbst organisierter juristischer Unterst\u00fctzung) hat die TKDV-Ini Braunschweig eine Selbstanzeigenaktion gestartet. Der R\u00fccklauf ist in etwa so, wie erwartet, m\u00e4\u00dfig, aber verwendbar, sicher aber ganz ganz anders, als er in Spanien etwa w\u00e4re. Das spannende ist jedoch, wie beispielsweise die Zentralstelle KDV oder die DFG-VK-Gruppe Flensburg h\u00e4nderingend argumentieren, warum sie sich daran nicht beteiligen wollen. Ohne dies im Detail auszuf\u00fchren: es entspricht einer &#8211; selbst in tendenziell fortschrittlichen Kreisen unglaublich festgefahrenen &#8211; b\u00fcrgerlichen Mentalit\u00e4t, solche Aktionsformen schlicht abzulehnen, keinen &#8222;Sinn&#8220; daf\u00fcr zu haben (im wahrsten Sinne des Wortes). Es ist also nicht &#8222;die Schw\u00e4che der Bewegung&#8220;, die es hier dem Staat leicht macht, solche Versuche des kollektiven und au\u00dfenstehende Menschen miteinbeziehenden Handelns &#8222;zu ignorieren&#8220;. Es ist wiederum die Schw\u00e4che der angrenzenden Sozialen Bewegungen, die Notwendigkeit radikalen Handelns und praktischer Solidarit\u00e4t zu erkennen, die weder erhebliche Kosten noch hohen Arbeitsaufwand fordern w\u00fcrden.<br clear=\"none\" \/><br clear=\"none\" \/><\/li>\n<li>Zusammenarbeit mit Parteien und Bewegungsorganisationen: Ob nun gerade die Zusammenarbeit mit Parteien in Deutschland (die wiederum historisch kaum mit der spanischen Situation zu vergleichen ist) wegweisend sein soll, sei dahingestellt. Nun sind es teilweise gerade die erkl\u00e4rten Anarchisten unter den TKDVern, die noch den intensivsten pragmatischen Kontakt zu Parteien pflegen, immer dem Vorsatz verpflichtet, dogmatische \u00dcberzeugungen nicht vor eventuelle &#8211; wenn auch nicht erwartete &#8211; pragmatische Vorteile zu stellen.<br clear=\"none\" \/><br \/>\nDa\u00df nun die Totalen KDVer auf eine Ebene der Verantwortung f\u00fcr die Isolierung vom Rest der Friedensbewegung gestellt werden, ist reichlich k\u00fchn. So werden ebenso wie zu den Parteien immer und immer wieder &#8211; reichlich frustrierende und an die pers\u00f6nliche Substanz gehende &#8211; Kontakte zu allen m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Gruppen, Verb\u00e4nden etc. gesucht. Wie eingangs beschrieben, ist der R\u00fccklauf &#8211; auch im Sinne einer inneren Ver\u00e4nderung bei den Angesprochenen &#8211; dabei extrem gering, es ist aber auch kaum ein Wille da, \u00fcberhaupt zu verstehen.<br clear=\"none\" \/><br clear=\"none\" \/><\/li>\n<li>St\u00e4ndige Aktualisierung der Strategie: Andreas wirft die Frage auf, inwieweit \u00fcberhaupt eine Strategie existiert. Wir m\u00f6chten antworten, aufgrund unserer personellen und organisatorischen Verfa\u00dftheit ist Strategie Nummer Eins: schlicht das \u00dcberleben der Idee. Nun ausgerechnet die Berliner Kampagne als positiven Ausnahmetatbestand hinzustellen, wie es Andreas getan hat, ist ebenfalls auf das h\u00f6chste fragw\u00fcrdig, da gerade die Kampagne in Berlin unserer Ansicht nach viele der oben angef\u00fchrten Punkte aus Eigenverschulden nicht im Ansatz versucht umzusetzen. Dies jedoch im einzelnen auszuf\u00fchren w\u00fcrde hier zu weit gehen, betrifft daneben aber auch nicht das eigentliche Problem dieses Textes.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Abschlie\u00dfend bleibt zu fragen, welche Perspektiven sich aus der Sicht der TKDV-Bewegung vor dem hier skizzierten Hintergrund ergeben. Zun\u00e4chst sind wir, wie jede andere Soziale Bewegung auch, auf die praktische, zumindest aber ideelle Solidarit\u00e4t anderer Sozialer Bewegungen angewiesen. Dazu geh\u00f6rt von Seiten der KDV- Organisationen ein klares Bekenntnis zur Totalen Kriegsdienstverweigerung, was sich auch in deren verinnerlichten Selbstverst\u00e4ndnis niederschlagen mu\u00df. Es ist nicht nachvollziehbar, wieso einerseits Lippenbekenntnisse immer wieder existieren, aber sich KDV-Verb\u00e4nde niemals auch nur ansatzweise die Sachkompetenz aneignen (wollen), die sie sich zur Frage der legalen &#8222;KDV&#8220; \u00fcber Jahre hinweg erarbeitet haben.<\/p>\n<p>Solange M\u00e4nner, die sich in gewissen Sozialen Bewegungen befinden, sich bei dem Entschlu\u00df zur Totalverweigerung aus diesen partiell l\u00f6sen m\u00fcssen, weil sie isoliert sind und auf Unverst\u00e4ndnis oder zumindest doch gnadenlose Hilflosigkeit treffen, solange also nur eine relativ kleine Gruppe von &#8222;Spezialisten&#8220; &#8211; denen dann von anderer Seite perfiderweise &#8222;Abschottung&#8220; vorgeworfen wird &#8211; sich um dieses Anliegen k\u00fcmmert, solange kann von Seiten der TKDVer keine Wende in diesem Beziehungsgeflecht wirksam angetrieben werden. Daher bleibt es unsere derzeitige vornehmliche Aufgabe, immer und immer wieder zu versuchen, angrenzenden Sozialen Bewegungen und den KDV-Verb\u00e4nden den &#8222;Sinn&#8220; der Sache n\u00e4herzubringen und \u00fcber Verst\u00e4ndnis deutlich hinausgehendes Interesse zu wecken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da\u00df der Vergleich des Erfolges oder Mi\u00dferfolges der (T)KDV-Bewegungen in Spanien und Deutschland &#8211; insbesondere vor den \u00e4u\u00dferst unterschiedlichen gesellschaftlich-historischen Hintergr\u00fcnden &#8211; eigentlich unm\u00f6glich ist, hat Andreas selbst an mehreren Stellen betont. Und so m\u00f6chten wir auch weniger auf den Bericht \u00fcber die Geschichte der spanischen Bewegung eingehen, als uns vielmehr mit den Punkten befassen, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1998\/05\/strategie-nummer-eins-schlicht-das-uberleben-der-idee\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Strategie Nummer Eins: schlicht das \u00dcberleben der Idee - graswurzelrevolution","description":"Da\u00df der Vergleich des Erfolges oder Mi\u00dferfolges der (T)KDV-Bewegungen in Spanien und Deutschland - insbesondere vor den \u00e4u\u00dferst unterschiedlichen gesellschaftli"},"footnotes":""},"categories":[141,1025],"tags":[],"class_list":["post-1977","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-229-mai-1998","category-die-waffen-nieder"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1977","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1977"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1977\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1977"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1977"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1977"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}