{"id":19879,"date":"2019-04-02T00:47:19","date_gmt":"2019-04-01T22:47:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=19879"},"modified":"2019-04-02T01:12:10","modified_gmt":"2019-04-01T23:12:10","slug":"gnade-des-gedaechtnisverlustes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/04\/gnade-des-gedaechtnisverlustes\/","title":{"rendered":"Gnade des Ged\u00e4chtnisverlustes"},"content":{"rendered":"<h5 align=\"left\">\u201e\u201a<span lang=\"de-DE\">Das habe ich getan\u2018, sagt mein Ged\u00e4chtnis. Das kann ich nicht getan haben, sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich gibt das Ged\u00e4chtnis nach.\u201c (Nietzsche, Jenseits von Gut und B\u00f6se, 1886. Viertes Hauptst\u00fcck. Spr\u00fcche und Zwischenspiele)<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Mein Artikel \u201eGnade des Nichtwissens\u201c in der Graswurzelrevolution Nr. 434 vom Dezember 2018 endet mit einer Anklage der \u201eKlassenjustiz\u201c, die eine \u201eBesch\u00e4digung\u201c des Klinik-Standorts Oldenburg mehr f\u00fcrchtete als eine unaufgekl\u00e4rte Mord-Serie. Es hat sich hier aber offensichtlich viel getan, die Staatsanwaltschaft agiert heute ganz anders und der Vorsitzende Richter Sebastian B\u00fchrmann f\u00fchrt die Verhandlung gegen den angeklagten Krankenpfleger Niels H\u00f6gel gelegentlich fast im Stil einer Wahrheitskommission. <\/span><span lang=\"de-DE\">So appellierte er mehrmals an den Angeklagten, der ja bereits zu lebensl\u00e4nglicher Haft verurteilt ist, \u201edie ganze Wahrheit\u201c zu sagen, sich seiner Verantwortung zu stellen und an die Angeh\u00f6rigen zu denken, die auf eine Antwort warten, wie das m\u00f6glich war.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">So k\u00f6nnten der Prozess und die \u00f6ffentliche Diskussion tats\u00e4chlich zur Selbst-Aufkl\u00e4rung der Gesellschaft \u00fcber den Schrecken in den Strukturen werden, und \u00fcber das System der Kranken-Verwaltung. Wenn da nicht das gro\u00dfe Schweigen w\u00e4re. Viele Fragen sind offen, und B\u00fchrmann stellt sie mit direkter Klarheit, er benennt seine Zweifel an Aussagen, Darstellungen, Abl\u00e4ufen. Da ist zum Beispiel H\u00f6gels Aussage, dass er im Jahr 2002 im Klinikum Oldenburg nicht get\u00f6tet hat, wohl aber vorher dort und danach in Delmenhorst bis 2005. <\/span><span lang=\"de-DE\">Kann das sein und wie ist es zu erkl\u00e4ren? Gab es im Klinikum Oldenburg interne Konferenzen zum Krankenpfleger H\u00f6gel? Eine Anweisung der Stationsleitung, auf die Kalium-Werte zu achten? Eine \u201eKalium-Konferenz\u201c au\u00dferhalb der Station, bei der die hohen Verbrauchswerte Thema waren?<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Das soll im Medizinischen Ausbildungs-Zentrum MAZ stattgefunden haben. Es gab mehr als 20 TeilnehmerInnen. Aber: Die Erinnerung, das Ged\u00e4chtnis \u2026 <\/span><span lang=\"de-DE\">Geschehnisse, die mehr als 15 Jahre zur\u00fcck liegen, verblassen: Wann genau etwas stattgefunden hat, wer genau dabei war, die einzelnen Namen, das alles muss sogar zweifelhaft werden. <\/span><span lang=\"de-DE\">Manchmal braucht man Ged\u00e4chtnisst\u00fctzen. Wenn aber seit sp\u00e4testens 2005 immer wieder dar\u00fcber gesprochen und geschrieben wurde, man vielleicht von Freunden und Kollegen angesprochen, schlie\u00dflich von der Polizei und der Klinikleitung befragt wurde, es um ein konfliktreiches Geschehen geht, wird die Erinnerung nicht so verblassen, dass man sich nur noch an die allgemeinen Arbeitsvorg\u00e4nge erinnert. So stellen sich aber nicht wenige Zeugen dar. <\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Ged\u00e4chtnisst\u00fctzen oder angeleitetes Vergessen? F\u00fcrsorgepflicht oder Schweigepflicht?<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Der Oldenburger Chef des Klinikums hat allen fr\u00fcheren KollegInnen von H\u00f6gel einen Rechtsbeistand angeboten; einige ZeugInnen nahmen diesen als \u201eAufpasser\u201c wahr (HAZ 31.01.19); der Richter fand das Stellen eines Rechtsbeistands durch Arbeitgeber \u201eh\u00f6chst ungew\u00f6hnlich\u201c und befragte den Klinikchef Dirk Tenzer dazu, der das eine \u201eFrage der F\u00fcrsorge\u201c nannte. Eine Zeugin, die nicht mehr im Klinikum arbeitet, erfuhr von einer Kollegin, \u201eder Anwalt w\u00fcrde einem auch mitteilen, was man sagen darf, oder wie man sich ausdr\u00fccken soll\u201c (NWZ 31.01.2019).<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Tenzer kam erst 2013 nach Oldenburg. Als ihm klar wurde, welcher Verdacht gegen das Klinikum existierte, begann er 2014 mit hausinternen Ermittlungen und Gutachten, er forderte die MitarbeiterInnen auf, ganz offen alles mitzuteilen, was sie wussten und sicherte ihnen Verschwiegenheit zu. Dass er dieses Versprechen schlie\u00dflich nicht halten konnte, bringt nun viele ZeugInnen in das Dilemma, dass sie sich heute nicht erinnern wollen, ihnen aber vorgehalten werden kann, woran sie sich 2014 noch gut erinnerten. Es wurde also 2014 die Erinnerung nochmals aufgefrischt (und sicherlich viel \u00fcber die zur\u00fcckliegenden Geschehnisse gesprochen, schlie\u00dflich war H\u00f6gel mehrfach angeklagt, die Zeitungen berichteten und nun wurden die alten Fragen wieder aufgeworfen) \u2013 und danach kam die gro\u00dfe Amnesie. So entsteht ein Muster der Zeugenaussagen: Der Richter versichert, dass es nur um die Aufkl\u00e4rung der Geschehnisse gehe, er habe Achtung vor den schwierigen Arbeits- und Entscheidungssituationen der Pflegekr\u00e4fte, niemand wolle diesen etwas B\u00f6ses oder sie vor Gericht sehen, es seien Ermittlungsverfahren auf Betreiben des Gerichts eingestellt worden, nur um die Wahrheit gehe es, man m\u00f6ge an die Angeh\u00f6rigen der Todesopfer denken \u2026 Und nun erz\u00e4hlen Sie bitte, woran sie sich erinnern. Die Erinnerungen sind meist schwach, wenn es an die entscheidenden Fragen geht: Gab es Verdachtsmomente gegen H\u00f6gel? Wie wurde darauf reagiert? H\u00f6gel wird ansonsten als der kompetente, zuverl\u00e4ssige Kollege erlebt, der f\u00fcr gute Stimmung sorgte. Aber Verdachtsmomente? Nein! <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Der Richter hat schon Zeugen angeboten, ihre n\u00e4chsten Antworten sich selbst geben zu k\u00f6nnen, der Vorwurf von Absprachen steht im Raum. <\/span><span lang=\"de-DE\">Dann konfrontiert der Richter die ZeugInnen mit ihren Aussagen etwa bei der Polizei oder er verliest Passagen aus den Tenzer-Protokollen, manchmal existieren auch Mail- und SMS-Nachrichten, die ein v\u00f6llig anderes Bild ergeben. Der Richter muss geradezu fragen, wie die ZeugInnen sich ihre fr\u00fcheren Erinnerungen erkl\u00e4rten und ob der Dr. Tenzer sich das aus den Fingern gesaugt h\u00e4tte. <\/span>\u201e<span lang=\"de-DE\">Kann es sein, dass Ihre Erinnerungen 2014 andere waren, weil Dr. Tenzer Ihnen Vertraulichkeit zugesichert hat?\u201c \u201eEr hat gesagt, was ich hier aussage, verl\u00e4sst nicht diesen Raum\u201c. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Erkl\u00e4rungen der stark abweichenden Darstellungen 2014 und jetzt im Prozess fallen d\u00fcrftig aus, man erinnere sich nicht, k\u00f6nne sich gar nicht erkl\u00e4ren \u2026 Der Richter ermahnt dann nochmals, die Wahrheit zu sagen und k\u00fcndigt an: Meineid wird bestraft mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr. Er erm\u00f6glicht noch Korrekturen und Pr\u00e4zisierungen der Aussagen, dann wird vereidigt. Dabei erinnern sich die ZeugInnen an H\u00f6gel gut:<\/span><\/p>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Der Profi<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">H\u00f6gel war als \u201ereanimationsgeil\u201c (NWZ vom 31.1.2019) bekannt; er war dabei \u201ebrillant\u201c. Alle Zeugen verfallen in Lob, wenn von H\u00f6gels F\u00e4higkeiten die Rede ist, man f\u00fchlte sich sicher, wenn er anwesend war, dabei sympathisch, unkompliziert, laut lustig, pr\u00e4sent. Stress-Situationen habe er gut ausgehalten. Er war der Beste, arbeitete rauschhaft, jeder Handgriff sa\u00df. Wenn er da war, waren auch die \u00c4rzte froh und erleichtert: \u201eWenn der da war, wusste ich, es l\u00e4uft!\u201c. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Da war er auf \u201eStation 211\u201c genau richtig, und deshalb war er dorthin gegangen: Die Zahl der Betten in der Herzchirurgie war auf 16 erh\u00f6ht worden, auch allerschwerste F\u00e4lle wurden aufgenommen, man wollte sich einen Ruf erarbeiten. PatientInnen mit \u201eschlechter Prognose\u201c gab es also viele, da m\u00fcssen Todesf\u00e4lle nicht \u00fcberraschen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Hier arbeitete eine Elite, auch andere PflegerInnen kamen \u201evon au\u00dferhalb\u201c deshalb hierhin, selbstbewusst. Frank Lauxtermann erinnert sich: \u201e\u201aUnsere Station war ein Prestigeobjekt\u2018, sagt der ehemalige Pfleger. \u201aWir hatten keine Personalnot, wir hatten keinen Pflegenotstand.\u2018 Was sie hatten: einen guten Ruf.\u201c berichtet Per Hinrichs. (1)<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">H\u00f6gel war eine \u201eF\u00fchrungskraft\u201c: Er war im Zentrum, gab anderen Anweisungen, \u201eeiner musste ja das Sagen haben\u201c, und das war durch Pr\u00e4senz, Kompetenz, Pers\u00f6nlichkeit \u2013 H\u00f6gel. Er leitete auch neue KollegInnen an. Er brachte seinen Kameraden aus dem Fu\u00dfballverein, der ebenfalls Krankenpfleger geworden war, auf Station 211 unter. Er hatte einen Ruf als \u201eLebemann und Frauenheld\u201c, das wurde w\u00f6rtlich so im Prozess gesagt. Er war auch auf der Rauchertreppe der Alleinunterhalter. Er war also fast unangreifbar. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Es waren eher Au\u00dfenseiter, die die allgemeine Begeisterung nicht teilten: <\/span><span lang=\"de-DE\">Frank Lauxtermann, der jetzt umfassend aussagt, fand ihn kalt und nur technisch orientiert, an PatientInnen eher desinteressiert. <\/span>\u201e<span lang=\"de-DE\">Mit H\u00f6gel verband ihn wenig, weil der sich mal \u00fcber seine Gehbehinderung lustig gemacht hatte: Humpelnd lief er in den Aufenthaltsraum und feixte in die Runde: \u201aGuck mal, wer bin ich!\u2018 Lauxtermann war nicht dabei, ein Freund erz\u00e4hlte ihm die Episode.\u201c (2). <\/span><span lang=\"de-DE\">Lauxtermann spricht nun im Prozess auch an, dass es ein \u201eKlima\u201c gab, das beg\u00fcnstigend wirkte, und er nennt einen anderen Fall: \u201eSo soll der Pfleger Ralf B. im Jahre 2000 einen Patienten an den Hoden gefesselt haben. Als derselbe Mann zehn Jahre sp\u00e4ter eine Patientin unsittlich ber\u00fchrt, fliegt er schlie\u00dflich.\u201c (3) <\/span><span lang=\"de-DE\">Dar\u00fcber wird \u00f6ffentlich nicht viel berichtet. Ich war am 21. und 22. Februar in der Weser-Ems-Halle und wurde erst im Prozess darauf aufmerksam, weil der Richter danach einen Zeugen fragte. Das \u201eAbbinden\u201c der Hoden soll wohl als eine \u201eFixierung\u201c des Patienten praktiziert worden sein, es tat weh, wenn der Patient sich bewegte, so habe ich es verstanden (mir fehlt manchmal die Vorstellungskraft).<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Eine Strichliste aus dem Jahr 2002 zeigt, dass H\u00f6gel bei auff\u00e4llig vielen Reanimationen anwesend war, bei 18 im erfassten Zeitraum, der \u201ezweitschnellste\u201c kam auf immerhin neun oder zehn auch nicht unverd\u00e4chtige Reanimationen, es gab aber auch PflegerInnen, die nur bei einer Reanimation Dienst hatten. Ist so etwas nicht auff\u00e4llig? Nat\u00fcrlich wurde nur wegen der Auff\u00e4lligkeit die Strichliste begonnen. Hoher Verbrauch von Kalium \u2013 war das nicht aufgefallen? <\/span><span lang=\"de-DE\">ZeugInnen erw\u00e4hnen sogar, dass er \u201eSensen-H\u00f6gel\u201c genannt wurde. Andere sagen, das h\u00e4tten sie aber erst 2006 geh\u00f6rt, als H\u00f6gel angeklagt war.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die handschriftliche Liste der Stationsleitung endet mit dem Vermerk, die Verdachtsmomente reichten nicht aus, die Staatsanwaltschaft einzuschalten und \u201eDie Gef\u00e4hrdung der Abteilung, ja des gesamten Klinikums ist nicht zu akzeptieren aufgrund von Verdachtsmomenten und vielen Zuf\u00e4llen\u201c, und schlie\u00dflich habe man H\u00f6gel ja nun in eine andere Abteilung versetzt. So beweist diese Liste aber, dass 2002 bereits die Einschaltung der Staatsanwaltschaft diskutiert worden war und es eine besondere Beobachtung H\u00f6gels gab! Im Prozess wurde auch (dank Tenzers Protokollen) bekannt, dass der pflegerische Leiter der Station, der wahrscheinlich auch die Liste gef\u00fchrt hatte, zun\u00e4chst darauf gedr\u00e4ngt hatte, die Staatsanwaltschaft einzuschalten, das dann aber auf jeden Fall vermieden werden sollte, weil das Klinikum den Hygiene-Skandal 2001 noch nicht verkraftet hatte. Dass die Liste gef\u00fchrt wurde, soll auf den damaligen Chefarzt zur\u00fcckgehen, der schlie\u00dflich auch H\u00f6gels Entfernung 2002 betrieb. 2016 erreichte die Liste die Staatsanwaltsschaft Oldenburg.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Der psychiatrische Gutachter Karyofilis ist leider so schwer erkrankt, dass er nicht vor Gericht aussagen kann und der Richter nur aus seinen Notizen zitiert. Er wurde als Gutachter ersetzt durch den aus dem NSU-Prozess bekannten Psychiater Henning Sa\u00df.<\/span><span lang=\"de-DE\">Karyofilis\u2018 Gutachten beruht auf 2015 gef\u00fchrten Gespr\u00e4chen. Er sieht eine Erkl\u00e4rung der Taten darin, dass H\u00f6gel \u201ezum Elite-Kreis der Pfleger geh\u00f6ren\u201c (HAZ 9.3.19) wollte, der Kampf um Anerkennung die wichtigste Triebkraft war. H\u00f6gel best\u00e4tigte im Prozess jetzt am 8. M\u00e4rz 2019 seine Aussagen gegen\u00fcber Karyofilis und erkl\u00e4rte, er sei gegen Ende seiner Mordserie ein immer h\u00f6heres Risiko eingegangen, denn er \u201ewollte endlich aufh\u00f6ren und erwischt werden\u201c (HAZ 9.3.19). <\/span><span lang=\"de-DE\">In der \u201e\u00c4rzte-Zeitung\u201c vom 27. Februar 2015 hatte Karyofilis seine Erfahrungen erl\u00e4utert: \u201eAber auf der Intensivstation gab es keinen pers\u00f6nlichen Bezug zu den Patienten, sie hatten f\u00fcr ihn keine Individualit\u00e4t. Auch Angeh\u00f6rige hat er erst in der Verhandlung kennengelernt. Wie wir alle, erinnert er sich zudem lieber an das Positive als an das Negative.\u201c <\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Was kann man \u00fcber Ursachen sagen?<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\">\u201e<span lang=\"de-DE\">Vor allem die Gelegenheit. Herr H. hat sich ja nicht vorgenommen, jemanden zu t\u00f6ten. Er wollte vielmehr zeigen, wie gut er retten kann. Dass dabei Patienten sterben, hat er billigend in Kauf genommen. Er hatte auf der Intensivstation die Gelegenheit, die Macht, die Kenntnisse, er litt zudem unter \u00c4ngsten, Depressionen und innerer Leere.\u201c (ebenda). <\/span><span lang=\"de-DE\">Das \u201ezudem\u201c zweifle ich etwas an. Die Fragen von Gutachter, Nebenkl\u00e4ger-VertreterInnen und anderen Prozess-Beteiligten zielen \u00f6fters darauf ab, ob es in H\u00f6gels Biographie und seinem Verhalten Besonderheiten gab, die einen Erkl\u00e4rungsansatz bieten: Alkohol, Tabletten, Unausgeglichenheit, Depressionen, H\u00f6henangst, ein traumatischer Auto-Unfall, den H\u00f6gel selbst erw\u00e4hnt hatte \u2026 Aber nein, sagt da der Zeuge, er hatte doch sofort einen Ersatzwagen und fuhr auch weiter Rettungsdienst, mit Blaulicht, da konnte er weder Autobahnen noch Br\u00fccken meiden. Fast aufgedr\u00e4ngt wirkten mir gelegentlich diese Versuche, goldene Br\u00fccken, damit die Gesellschaft eine individualpsychologische Erkl\u00e4rung sichert und nicht nach Macht und Geltung fragt, denn diese d\u00fcrfen ja nicht pathologisiert und kriminalisiert werden. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Antworten haben bisher nichts Stichhaltiges zu Tage gef\u00f6rdert, er war zu keiner Zeit etwa dienstunf\u00e4hig; fast alle Fragen dieser Richtung werden von den ZeugInnen verneint.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Whistleblower oder Denunziant?<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Wie in der GWR 434 dargestellt, findet im Oldenburger Prozess leider immer wieder seine Best\u00e4tigung, dass in b\u00fcrokratischen Organisationen Zw\u00e4nge herrschen, die Abweichler schnell wegen \u201eunkollegialem Verhalten\u201c ma\u00dfregeln und innere Korrekturen erschweren. Im Fall des Falles steht dann \u201eAussage gegen Aussage\u201c und \u201eWhistleblower\u201c werden schnell zu \u201eDenunzianten\u201c degradiert, sozial isoliert und ausgeschlossen. <\/span>\u201e<span lang=\"de-DE\">Reinen Tisch\u201c will Frank Lauxtermann machen, er sagt umfassend und ohne Rechtsbeistand aus. Lauxtermann wurde zur \u201eUnperson\u201c. <\/span>\u201e<span lang=\"de-DE\">Nach seiner polizeilichen Aussage im Mai 2015 sei der Kontakt zu den ehemaligen Kollegen aus der Herzchirurgie abgerissen, sagt Lauxtermann. Die Freundschaft mit seinem Trauzeugen, ebenfalls Pfleger dort, sei zerbrochen. Fast alle Mitarbeiter des Klinikums h\u00e4tten ihn bei Facebook gesperrt.\u201c (NWZ 23.01.2019) <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Denn enge Freunde, gerade sein Trauzeuge, erinnern sich eben nicht, und wenn sie mit Aussagen Lauxtermanns konfrontiert werden, so sagen sie, dieser habe \u201esich verrannt\u201c, \u201ekennt nur noch ein Thema\u201c, hatte pers\u00f6nliche Probleme, zuerst k\u00f6rperlich, dann auch psychisch. Lauxtermann nennt pr\u00e4zise Orte, wer wann wo mit wem wor\u00fcber gesprochen haben soll, etwa bei einem gemeinsamen Grillen, und er hat nun zwei fr\u00fchere Freunde wegen Falschaussage angezeigt, die behaupten, das habe nicht stattgefunden. Aber Lauxtermann hat nur bis M\u00e4rz 2001 in der Herzchirurgie gearbeitet, vieles hat er nur geh\u00f6rt, weil es ihm sein Freund und Trauzeuge H. erz\u00e4hlt hatte. Viele Aussagen zwischen \u201eFranky\u201c und \u201eSir\u201c \u2013 wie sie sich damals in E-Mails und SMS anredeten \u2013 klingen so, dass zu fr\u00fcheren Zeiten Ewald H. Frank Lauxtermann sogar angestachelt hat, gegen das Klinikum auszusagen; Lauxtermann erw\u00e4hnt, dass Ewald und ein anderer Kollege ihn zu einer anonymen Anzeige gegen das Klinikum aufgefordert hatten als H\u00f6gel in Delmenhorst entdeckt worden war (auf ihn w\u00fcrde ja kein Verdacht fallen, weil er nicht mehr dort besch\u00e4ftigt war). Das hatte Lauxtermann zun\u00e4chst abgelehnt.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Der Zeuge Ewald H. war eng mit Lauxtermann befreundet, aber seine Erinnerung l\u00e4sst ihn jetzt im Stich, der Richter nennt seine Aussagen offen \u201esteril\u201c, sie sind vorsichtig und zur\u00fcckhaltend. Dabei hatte er noch 2014 Tenzer zu Protokoll gegeben, dass es regelm\u00e4\u00dfig Notfallsituationen gab, wenn H\u00f6gel anwesend war, der Kaliumverbrauch st\u00e4ndig Thema, er sei von der Pflegedirektorin gebeten worden, sich ruhig zu verhalten und an den Ruf der Klinik zu denken (NWZ, 22.2.2019). <\/span><span lang=\"de-DE\">Zu diesen Aussagen erkl\u00e4rte der Zeuge jetzt, er k\u00f6nne sich nicht erinnern, habe das so bestimmt nicht gesagt und er wisse nicht, wie Tenzer so etwas in das Protokoll schreiben konnte. <\/span><span lang=\"de-DE\">Noch nach Lauxtermanns Aussagen vor der Polizei hatte er diesen best\u00e4rkt: \u201eEs werden einige m\u00e4chtig nerv\u00f6s\u201c, \u201ees wird alles herauskommen\u201c, \u201edie Wahrheit kommt ans Licht\u201c, \u201eWas f\u00fcr ein Sumpf\u201c \u2026<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Selbst wenn man bereit ist, bei einer Freundschaft Situationen zuzugestehen, in denen man eine bestimmte Entscheidung nicht teilt, aber dem Freund dennoch alles Gute f\u00fcr seine Entscheidung w\u00fcnschen kann und ihm \u2013 wie hier \u2013 \u201eMut und Charakter\u201c zuspricht, vielleicht nur vorsichtig anmerkt \u201eAber achte auf Deine Gesundheit\u201c oder besser \u201eVerrenne Dich nicht\u201c, vielleicht weil man wei\u00df, dass der Freund reizbar oder schnell entt\u00e4uscht ist und ihn nicht verlieren will \u2026 \u2013 bei allem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr schwierige soziale Situationen sieht das doch nach einer traurigen Entscheidung aus. Als Lauxtermann dann las, was sein Freund bei der Polizei ausgesagt hatte und dass er sich nicht erinnerte, kam es zum Bruch. <\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die Betriebsr\u00e4tin<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">H\u00f6gel kam 2002 aufgel\u00f6st und \u00e4ngstlich ins Betriebsratsb\u00fcro des Klinikums Oldenburg, man wollte ihn loswerden. Nat\u00fcrlich musste die Betriebsr\u00e4tin nachfragen, was ihm denn vorgeworfen wurde. Und seine Rechte als \u201eArbeitnehmer\u201c vertreten, daran l\u00e4sst das Gericht keinen Zweifel. Die Betriebsr\u00e4tin erinnerte sich gut an viele Details und Namen, sie hatte ja auch gerade erst dort angefangen und verfolgte hellwach ihre neuen Aufgaben.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Leider sind ihre direkt auf H\u00f6gel bezogenen Erinnerungen daf\u00fcr blass, aber es gibt Betriebsratsprotokolle. Die Klinik-Verwaltung vermied zun\u00e4chst genaue Informationen, verwendete offensichtlich eher allgemeine S\u00e4tze, \u201edas Vertrauen \u00e4rztlicherseits\u201c sei nicht mehr gegeben. Das reicht im Zweifelsfall f\u00fcr eine K\u00fcndigung, denn wenn das Vertrauen zerst\u00f6rt ist, wird es schwierig, zusammenzuarbeiten, ganz besonders in einer Klinik. Dringend wird aber versucht, den Betriebsrat davon zu \u00fcberzeugen, er m\u00f6ge auf H\u00f6gel einwirken, mit dem versprochenen Zeugnis das Haus zu verlassen. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer wies nun auch darauf hin, dass mehrmals Notsituationen entstanden seien, bei denen immer H\u00f6gel zugegen war: \u201eZum Schutz von Herrn H\u00f6gel selbst und auch zum Schutz der Patienten\u201c, schlie\u00dflich auch \u201eum einen m\u00f6glichen Imageschaden abzuwenden\u201c m\u00fcsse H\u00f6gel gehen, verzeichnen die Aufzeichnungen des Betriebsrats. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Auf den Einwand der Betriebsr\u00e4te, die Notfallsituationen k\u00f6nnten doch Zufall sein, gab der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer zu Protokoll er halte das f\u00fcr \u201enahezu ausgeschlossen\u201c. So hielt der Betriebsrat es f\u00fcr geboten, H\u00f6gel, der \u00fcbrigens ablehnte, in einem weniger stressigen Bereich mit weniger verantwortungsvollen Aufgaben zu arbeiten, in diesem Sinne zu beraten: Das Vertrauen sei unwiederbringlich dahin. Der Richter fragt auch, ob die Betriebsr\u00e4tin sich an andere Situationen erinnern kann, dass \u2013 wie im Fall H\u00f6gel \u2013 einem Besch\u00e4ftigten von einem Tag auf den anderen verboten wird zu arbeiten, aber volle Bez\u00fcge bis zum Jahresende gew\u00e4hrt werden, ein gutes Zeugnis in Aussicht gestellt, aber er m\u00fcsse sich schnell entscheiden und sich dann weg bewerben, sonst werde er entlassen \u2026 Nein, nie. <\/span><span lang=\"de-DE\">In dieser Situation hat H\u00f6gel sich auch mit seinem Pfleger-Freund und der Familie beraten; die fragten sich auch, was ihm denn vorgeworfen werde. Dabei muss einmal von H\u00f6gel der Satz gefallen sein, es ginge um so etwas wie beim Feuerwehrmann, der Br\u00e4nde legt. Sein Vater und der Freund meinten, er solle k\u00e4mpfen, Mutter und Schwester waren eher f\u00fcr das Nachgeben.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">2005 bekam die Betriebsr\u00e4tin nochmals mit dem Fall H\u00f6gel zu tun: Ein Betriebsrat aus Delmenhorst rief an und erkundigte sich, ob mit H\u00f6gel in Oldenburg etwas nicht gestimmt habe. <\/span><span lang=\"de-DE\">Hier ist die entscheidende Frage, was genau der Delmenhorster Betriebsrat ansprach \u2013 und wann! Bevor H\u00f6gel \u00fcberf\u00fchrt wurde? Sie kann sich nicht erinnern. Der Richter baut goldene Br\u00fccken und f\u00fchrt die allgemeine Lebenserfahrung an: Unter Betriebsr\u00e4ten redet man doch offen, der Delmenhorster wird doch ein bestimmtes Thema, einen bestimmten Verdacht angesprochen haben \u2026 Die Betriebsr\u00e4tin hat immer noch regelm\u00e4\u00dfigen Kontakt zu dem Kollegen, aber erinnern kann sie sich nicht. Folgt der Eid.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Rauchertreppe zur H\u00f6lle<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">In den Zeugenerinnerungen gibt es einige Schl\u00fcsselszenen, die umstritten sind, denn sie k\u00f6nnten belegen, dass es konkrete Verdachtsmomente gegen H\u00f6gel gab, dass er nicht Kochsalz zum Reinigen eines Venenkatheters in seiner mitgef\u00fchrten Spritze hatte, sondern Kaliumchlorid. Das eine kann Leben retten, das andere auch beenden. So soll eines Tages ein Oberarzt in H\u00f6gels Kittel gegriffen, die Spritze herausgezogen haben, um damit seine Brille zu reinigen: \u201eMeine Brille ist schmutzig, da ist Kochsalz ja das beste Reinigungsmittel\u201c, die L\u00f6sung auf der Brille verschmierte diese aber so, dass der Arzt sie sogar in einem anderen Raum gr\u00fcndlich reinigen musste. Also: Das war kein Kochsalz, das war Kalium! Das war der Beweis! So erz\u00e4hlt es der Zeuge, der die Geschichte aber nur von einem Kollegen erz\u00e4hlt bekommen hat. Dieser erinnert sich nicht.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Ein Zeuge sagt gar, die Brille sei dann sauber gewesen. Andere haben davon geh\u00f6rt, k\u00f6nnen aber nicht \u2026 Wann und wo soll das gewesen sein? Gl\u00fccklich wer nicht rauchte, und vom blo\u00dfen H\u00f6rensagen will man ja niemanden belasten. So stieg die Spannung, was der Arzt wohl sagen werde. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Der damalige Oberarzt, der jetzt in den Niederlanden besch\u00e4ftigt ist, kam mit Rechtsbeistand. <\/span><span lang=\"de-DE\">Auf die Frage, ob er sich an die Szene auf der \u201eRauchertreppe\u201c erinnerte, die so viele Zeugen berichtet hatten, von der noch mehr geh\u00f6rt hatten, begannen seine Erkl\u00e4rungen weitschweifig: Er sei kurzsichtig und m\u00fcsse mehrmals am Tag seine Brille reinigen \u2026 aber an die Szene auf der Rauchertreppe, nein \u2026 Der Richter: Ob es denn oft vorkomme, dass er einem Pfleger die Spritze aus dem Kittel ziehe, um damit seine Brille zu reinigen \u2026 Es dauert lange und ist m\u00fchselig, aus den Aussagen das Zugest\u00e4ndnis herauszuh\u00f6ren, man habe H\u00f6gel beobachtet. <\/span><span lang=\"de-DE\">Angesichts der Vereidigung bat der Rechtsbeistand um Unterbrechung der Sitzung, offensichtlich wollte er seinen Mandanten belehren, dass dieser einige Leugnungen etwas abschw\u00e4chen sollte, so dass dieser nach der Verhandlungspause auch erkl\u00e4rte: \u201eEs kann sein. Ich wei\u00df es nicht genau.\u201c<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Erinnerungsl\u00fccken sind bei Oldenburger Zeugen viel ausgepr\u00e4gter als bei den Delmenhorster KollegInnen H\u00f6gels. Auch in Delmenhorst gab es enorme Widerst\u00e4nde, einen Kollegen zu verd\u00e4chtigen. Es gab typische b\u00fcrokratische Handlungsmuster: Als man sich \u00fcber den hohen Verbrauch des Herzmedikaments Gilurytmal wunderte (das H\u00f6gel benutzte), wurde das Medikament vom \u201eSondermedikament\u201c zum \u201eStandardmedikament\u201c umdeklariert, damit die Nachbestellungen vereinfacht wurden! Aber einzelne KollegInnen gaben sich nicht zufrieden. <\/span>\u201e\u201a<span lang=\"de-DE\">Stell\u2019 dich nicht so an\u2018, habe der Stationsleiter gesagt, berichtet S. vor Gericht, \u201adie Menschen werden nun mal \u00e4lter und sterben. Wenn du das nicht mehr kannst, dann musst du eben aufh\u00f6ren.\u2018 S. erz\u00e4hlt einer Kollegin von dem Vorfall. Die sagt: \u201aBirgit, wei\u00dft du eigentlich, was du hier gerade machst? Das ist Rufmord! Du hast keine Beweise!\u2018\u201c (NWZ 1.2.2019). <\/span><span lang=\"de-DE\">Es siegte aber hier Zivilcourage und Verantwortungsbewusstsein \u00fcber die \u201eCorporate Identity\u201c, zuerst in einzelnen.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Chefsache<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Beim erw\u00e4hnten Oberarzt kam noch ein anderes Motiv zur Geltung: Zuerst sei man ja Wissenschaftler, wenn also geh\u00e4ufte F\u00e4lle von Komplikationen, Reanimation beispielsweise auftreten, so sucht man die Ursache, aber nicht auf der Ebene, ob es einen Verursacher gebe, sondern abstrakt-wissenschaftlich. Dann sei das an den Chefarzt gemeldet worden \u201eund damit wurde es zur Chefsache\u201c, er habe sich dann gar nicht mehr damit besch\u00e4ftigt, denn wenn in Deutschland etwas Chefsache sei \u2026 \u201edeswegen hat man in Deutschland Hierarchie\u201c (NWZ 23.02.2019).<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die Entlastung durch Hierarchie ist allerdings, auch wenn sie hier zu einer zweifelhaften Selbst-Entlastung angef\u00fchrt wird, ein tats\u00e4chlich wirksamer Mechanismus b\u00fcrokratischer Organisationen, unverantwortlich zu agieren. Diese Chefsache hat dann immerhin dazu gef\u00fchrt, dass Hebel in Bewegung gesetzt wurden, den beliebten Kollegen H\u00f6gel zun\u00e4chst aus der Kardiologie-Station in die An\u00e4sthesie zu versetzen und schlie\u00dflich loszuwerden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span lang=\"de-DE\">Wo so ein derart starkes Machtgef\u00e4lle herrscht wie in einem Krankenhaus, kann man die Machtlosen letztlich nicht vollkommen sch\u00fctzen. Grunds\u00e4tzlich gehe ich aber davon aus, dass alle in einem Krankenhaus t\u00e4tigen Menschen an dem Wohlergehen der Patienten interessiert sind. (\u2026) Denn die Arbeit besonders auf den Intensivstationen ist enorm anstrengend. Es muss deshalb ausreichend Gelegenheiten geben, offen \u00fcber Schw\u00e4chen und Probleme sprechen zu k\u00f6nnen. Und: Whistleblowing darf nicht als Verrat gelten. Wenn jemand das Gef\u00fchl hat, etwas l\u00e4uft schief, dann muss es eine Kultur geben, die es w\u00fcrdigt, wenn jemand einen Verdacht \u00e4u\u00dfert. Herr H. w\u00e4re heute froh, wenn seine Taten eher heraus gekommen w\u00e4ren.\u201c (Karyofilis in der \u00c4rzte-Zeitung, 27.2.2015)<\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Der Prozess zeigt, wie weit wir davon entfernt sind!<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Ein fr\u00fcherer Freund und Kollege H\u00f6gels, sie spielten Fu\u00dfball im gleichen Verein, er wurde von H\u00f6gel ans Klinikum Oldenburg geholt und ging mit ihm dann nach Delmenhorst, ahnte wohl tats\u00e4chlich nichts und sagte im Prozess, er k\u00f6nne nie wieder als Krankenpfleger arbeiten. <\/span><span lang=\"de-DE\">Hier ist also ein Vertrauen verloren gegangen, das die meisten ZeugInnen immer wieder betonen: \u201eAuf der Intensivstation muss man sich blind vertrauen k\u00f6nnen.\u201c \u201eDiese Vertrauensbasis erlange ich nie wieder\u201c, sagt Stephan K. (NWZ 23.02.2019)<\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><strong><span lang=\"de-DE\">Johann Bauer<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u201aDas habe ich getan\u2018, sagt mein Ged\u00e4chtnis. Das kann ich nicht getan haben, sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich gibt das Ged\u00e4chtnis nach.\u201c (Nietzsche, Jenseits von Gut und B\u00f6se, 1886. Viertes Hauptst\u00fcck. Spr\u00fcche und Zwischenspiele) Mein Artikel \u201eGnade des Nichtwissens\u201c in der Graswurzelrevolution Nr. 434 vom Dezember 2018 endet mit einer Anklage der \u201eKlassenjustiz\u201c, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/04\/gnade-des-gedaechtnisverlustes\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":502,"featured_media":19926,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Gnade des Ged\u00e4chtnisverlustes - graswurzelrevolution","description":"\u201e\u201a Das habe ich getan\u2018, sagt mein Ged\u00e4chtnis. Das kann ich nicht getan haben, sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. 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