{"id":20092,"date":"2019-05-01T19:01:27","date_gmt":"2019-05-01T17:01:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=20092"},"modified":"2022-07-26T12:53:00","modified_gmt":"2022-07-26T10:53:00","slug":"luft-zum-atmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/05\/luft-zum-atmen\/","title":{"rendered":"Luft zum Atmen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_20131\" aria-describedby=\"caption-attachment-20131\" style=\"width: 228px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/lza_plakat-02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-20131\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/lza_plakat-02.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"323\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/lza_plakat-02.jpg 580w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/lza_plakat-02-300x425.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/lza_plakat-02-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-20131\" class=\"wp-caption-text\">Kinoplakat<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Da sitzt Wolfgang Schaumberg im Jahr 2018 in einem Klassenraum vor einer Tafel und erz\u00e4hlt, wie er und viele Genoss*innen mit ihrer Betriebsarbeit vor mehr als 45 Jahren die Weltrevolution vorantreiben wollten. Er berichtet, wie die jungen Linken Kontakte mit Genoss*innen aus Deutschland und Spanien kn\u00fcpften, die bei Opel arbeiteten. Im Anschluss ist Willi Hajek zu sehen, der als Jugendlicher vom Pariser Mai beeindruckt war und den Geist der Revolte in die Bochumer Fabrik tragen wollte. Robert Schlosser erinnert sich schlie\u00dflich, wie er als Jungarbeiter zu der Gruppe stie\u00df, weil die \u2013 anders als die IG-Metall-Gewerkschafter*innen \u2013 nicht auf Sozialpartnerschaft setzten, sondern bereit waren, sich mit Bossen und Meistern anzulegen. Es sind Ausschnitte aus dem Film \u201eLuft zum Atmen\u201c, der an fast vier Jahrzehnte k\u00e4mpferischer linker Betriebsarbeit bei Opel-Bochum erinnert.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">1975 bekam die Gruppe oppositioneller Gewerkschaftler*innen (GoG) bei den Betriebsratswahlen \u00fcber 5000 Stimmen und erhielt damit knapp ein Drittel der Sitze. Die IG Metall war auf die linke Konkurrenz nicht gut zu sprechen. Mehrere GoG-Mitglieder wurden ausgeschlossen, einige erst nach vielen Jahren wieder in die Gewerkschaft aufgenommen. Doch der Konflikt mit der IG-Metall-B\u00fcrokratie setzte sich fort. Schlie\u00dflich mussten die rebellischen Kolleg*innen ihren Namen in &#8222;Gegenwehr ohne Grenzen&#8220; \u00e4ndern.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die Gruppe, die sich seit 1972 jede Woche getroffen hatte, hielt auch nach der Schlie\u00dfung von Opel im Jahr 2014 Kontakt und begann, \u00fcber einen Film nachzudenken, der von den vielen K\u00e4mpfen der Belegschaft erz\u00e4hlt. Die linke Videoplattform labournet.tv, die Filme \u00fcber die globalen Arbeitsk\u00e4mpfe ver\u00f6ffentlicht, wurde schlie\u00dflich mit der Umsetzung beauftragt. <\/span><span lang=\"de-DE\">Der Film zeigt die allt\u00e4gliche Kleinarbeit linker Gewerkschafter*innen, die f\u00fcr ein langfristiges Engagement entscheidend war. Dazu geh\u00f6rt der Kampf um den Bildungsurlaub, der es den Besch\u00e4ftigten erm\u00f6glichte, den Betrieb eine Woche zu verlassen und sich mit anderen Themen zu besch\u00e4ftigen.<\/span><span lang=\"de-DE\">Die GoG sorgte daf\u00fcr, dass Opel ein rebellischer Betrieb blieb. 2004 machte das Werk mit einem siebent\u00e4gigen wilden Streik gegen Entlassungspl\u00e4ne noch einmal bundesweit Schlagzeilen. Besch\u00e4ftigte, die den Betrieb und die Autobahn lahmlegen \u2013 solche Bilder kannte man von Arbeitsk\u00e4mpfen in Frankreich, aber nicht in der BRD. Hier ging die Saat auf, die die GoG ges\u00e4t hatte.<\/span><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/326048049\" width=\"100%\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/vimeo.com\/326048049\">LUFT ZUM ATMEN &#8211; 40 Jahre Opposition bei Opel in Bochum | Trailer<\/a> from <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/sabcatmedia\">Sabcat Media<\/a> on <a href=\"https:\/\/vimeo.com\">Vimeo<\/a><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Und doch entschied sich in einer Urabstimmung schlie\u00dflich eine gro\u00dfe Mehrheit der Belegschaft daf\u00fcr, den Streik zu beenden, gerade in dem Augenblick, als er Wirkung zeigte und europaweit zu Lieferproblemen f\u00fchrte. Als der Betrieb schlie\u00dflich vollst\u00e4ndig geschlossen wurde, gab es kaum noch Widerstand. Noch heute sind damalige Aktivist*innen entt\u00e4uscht \u00fcber die IG-Metall-B\u00fcrokratie, aber auch auf ihre eigenen Kolleg*innen. Doch die gr\u00f6\u00dfere Niederlage war das Scheitern des schon im Namen der Gruppe angelegten Versuchs, europaweiten Widerstand aller Opel-Werke gegen das Management zu organisieren. Die GoG reiste zu den verschiedenen Standorten in Spanien, Belgien und Osteuropa. Aber ein gemeinsamer Widerstand kam nicht zustande. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr werden Gegenstand der Diskussion sein, die der Film ausl\u00f6st.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_20130\" aria-describedby=\"caption-attachment-20130\" style=\"width: 537px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/sl6at9rw.png\"><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-20130\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/sl6at9rw-1024x576.png\" alt=\"\" width=100% height=\"302\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/sl6at9rw-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/sl6at9rw-300x169.png 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/sl6at9rw-600x338.png 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/sl6at9rw-768x432.png 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/sl6at9rw.png 1600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-20130\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Sabcat Media<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Mit dem deprimierenden Abbruch des Ausstands 2004 endet der Film, aber nicht die Geschichte der GoG. Die war noch weiter im Betrieb aktiv, allerdings mit nachlassender Unterst\u00fctzung. Sie beteiligte sich in den letzten Jahren vor der Opel-Schlie\u00dfung auch an der Diskussion \u00fcber die Fragen, was wollen wir produzieren, m\u00fcssen es unbedingt Autos sein oder k\u00f6nnen wir mit unserem Wissen und unseren Maschinen nicht auch Gegenst\u00e4nde produzieren, die gesellschaftlich vertr\u00e4glicher sind als Autos. Diese Diskussion, die im Film jetzt nicht vorkommt, w\u00e4re allerdings auch f\u00fcr Veranstaltungen nach den Filmvorf\u00fchrungen interessant. Muss eine linke Gewerkschaftsarbeit in Betrieben, die beispielsweise Autos produzieren, nicht mehr sein als eine konsequente Interessenvertretung f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten? Geht es nicht um die Frage, was produziert wird und wie k\u00f6nnen die Arbeitenden da Einfluss nehmen? Schlie\u00dflich gab es Ende der 1970er solche Diskussionen der Konversion von Produktionen unter Arbeiter*innenkontrolle, angeregt von Besch\u00e4ftigten der britischen R\u00fcstungsfirma Lucas Aerospace. Sie f\u00fchrte zu einer heute leider fast vergessenen Debatte \u00fcber die Produzent*innenmacht in Betrieben, welche f\u00fcr Mensch und Umwelt sch\u00e4dliche Produkte herstellen.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da sitzt Wolfgang Schaumberg im Jahr 2018 in einem Klassenraum vor einer Tafel und erz\u00e4hlt, wie er und viele Genoss*innen mit ihrer Betriebsarbeit vor mehr als 45 Jahren die Weltrevolution vorantreiben wollten. Er berichtet, wie die jungen Linken Kontakte mit Genoss*innen aus Deutschland und Spanien kn\u00fcpften, die bei Opel arbeiteten. 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