{"id":20269,"date":"2019-06-10T01:07:10","date_gmt":"2019-06-09T23:07:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=20269"},"modified":"2019-06-27T12:34:02","modified_gmt":"2019-06-27T10:34:02","slug":"unterstuetzung-heisst-komplizenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/06\/unterstuetzung-heisst-komplizenschaft\/","title":{"rendered":"Unterst\u00fctzung hei\u00dft Komplizenschaft"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Mitte April 2019 passierte mit moderater Mehrheit eine Gesetzesvorlage den US-Kongress, die diese Unterst\u00fctzung mit sofortiger Wirkung beendet h\u00e4tte \u2013 getriggert bezeichnenderweise nicht durch die vors\u00e4tzliche Bombardierung von Schulbussen, Hochzeiten oder Fl\u00fcchtlingsbooten, sondern durch den Mord an einem Kolumnisten der Washington Post, Jamal Khashoggi. Die Resolution war ein bedeutender Schritt und h\u00e4tte den Krieg im Jemen tats\u00e4chlich kurz- bis mittelfristig beendet. Doch Donald Trump setzte zum erst zweiten Mal sein pr\u00e4sidiales Veto ein und kippte das Gesetz. Das erste Mal nutzte er sein Veto, als er eine Resolution beerdigte, die seinen \u201enationalen Notstand\u201c zum Bau eines Miniabschnitts seiner Mauer nach Mexiko f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rte. Auch weiterhin US-Bomben auf jemenitische Zivilist*innen niederregnen zu sehen, ist f\u00fcr Trump offenbar von \u00e4hnlich hoher Priorit\u00e4t wie sein rechtsnationalistisches \u201eBUILD THE WALL\u201c-Mantra.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Neben multimilliardenschweren Waffenverk\u00e4ufen unterst\u00fctzen die USA die achtk\u00f6pfige, von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gef\u00fchrte Kriegskoalition gegen die Zivilbev\u00f6lkerung des Jemen mit Luftbetankungen der Kampfjets der Koalition, mit milit\u00e4rischer Aufkl\u00e4rung und Geheimdienstinformationen der CIA, logistischer Unterst\u00fctzung, Targetauswahl und genereller Milit\u00e4rberatung in den Kommandozentralen in Riad und Abu Dhabi, mit einigen U.S. Special Forces am Boden und vor allem auch mit der diplomatischen, politischen und nicht zuletzt moralischen R\u00fcckendeckung f\u00fcr die Kriegskoalition \u2013 von Obamas offenem Support bis hin zur symbiotischen Verflechtung des Hauses Saud mit dem Hause Trump. Angesichts dieser allumfassenden Komplizenschaft ist es nachvollziehbar, dass der Fokus der sp\u00e4rlichen Berichterstattung auf dem US-Support der Kriegskoalition liegt \u2013 bis hin zur in der arabischen wie westlichen Welt gern vertretenen Verschw\u00f6rungstheorie, Saudi-Arabien f\u00fchre in Wahrheit als Pentagon-Marionette Krieg im Jemen. So verst\u00e4ndlich diese US-Fixierung auch sein mag, zeichnet sie dennoch ein mehr als unvollst\u00e4ndiges Bild und blendet die Mitverantwortung all der anderen \u2013 zumeist europ\u00e4ischen \u2013 Staaten f\u00fcr die Fortf\u00fchrung der erbarmungslosen Bombardierung des Jemen systematisch aus.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_20356\" aria-describedby=\"caption-attachment-20356\" style=\"width: 533px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-20356\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/4-1024x621.jpg\" alt=\"\" width=\"533\" height=\"323\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/4-1024x621.jpg 1024w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/4-300x182.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/4-600x364.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/4-768x465.jpg 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/4.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-20356\" class=\"wp-caption-text\">London, September 2017. Hunderte demonstrieren vor der DSEI-Waffenmesse gegen R\u00fcstungsexporte &#8211; Foto: Alsidare Hickson (via flickr.com, CC by-SA 2.0)<\/figcaption><\/figure>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Woher stammen die Waffen?<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die unmittelbarste und sichtbarste Form der Unterst\u00fctzung sind Waffenlieferungen an die Kriegskoalition. Die inl\u00e4ndische R\u00fcstungsindustrie in Saudi-Arabien und den VAE (Vereinigte Arabische Emirate) ist im Grunde vernachl\u00e4ssigbar. Beide L\u00e4nder wollen im Rahmen ihrer jeweiligen Vision 2030 \u2013 ambitionierte Programme zur Diversifizierung der vom Erd\u00f6l abh\u00e4ngigen Volkswirtschaften \u2013 auch ihre R\u00fcstung zu mindestens 50 Prozent auf eigene F\u00fc\u00dfe stellen. Mithilfe von unz\u00e4hligen bereits etablierten oder geplanten Joint Ventures und Partnerschaften mit den R\u00fcstungsschmieden dieser Welt sollen die eigenen R\u00fcstungsindustrien beider L\u00e4nder in den n\u00e4chsten Jahren auf Weltniveau gebracht werden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Dieser Prozess einer massiven Militarisierung der Arabischen Halbinsel befindet sich noch in den Kinderschuhen. Auch die anderen Koalitionspartner Jordanien, Marokko, Kuwait, Bahrain und Sudan verf\u00fcgen \u00fcber eine kaum vorhandene inl\u00e4ndische Produktion. <\/span><span lang=\"de-DE\">Einzig \u00c4gypten hat zwar historisch entwickelt eine relativ fortgeschrittene R\u00fcstungsindustrie, doch sind alle acht Staaten der Kriegskoalition mehr oder weniger hochgradig von Waffenimporten abh\u00e4ngig, wie das EU Institute for Security Studies in einer umfassenden \u00dcbersicht zu arabischen R\u00fcstungsindustrien darlegt. (1)<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Der Stockholmer Friedens-Thinktank SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) gilt als weltweit f\u00fchrende wissenschaftliche Einrichtung zur Erforschung von Milit\u00e4rausgaben und Waffenverk\u00e4ufen und brachte j\u00fcngst seine f\u00fcr 2018 geupdateten Datenbanken heraus. Wie ich durch Auswertung aller L\u00e4nderdatenbanken ermitteln konnte, waren es insgesamt 32 L\u00e4nder, die in den Jahren des Jemen-Kriegs \u2013 von 2015 bis 2018 \u2013 die acht L\u00e4nder der Kriegskoalition mit Waffenlieferungen in H\u00f6he von mehr als 31 Milliarden US-Dollar versorgten. (2) <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Top-10-Waffenlieferanten an die Saudi-Emirate-Koalition 2015-2018 sind demnach (in Millionen US-Dollar, in Klammern jeweils Anteil des Landes an allen Lieferungen an die acht L\u00e4nder in Prozent):<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\" align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">USA 17.745 (56,8)<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\" align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Frankreich 3.975 (12,7)<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\" align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Russland 2.434 (7,8)<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\" align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">UK 2.136 (6,8)<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\" align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Deutschland 1.194 (3,8)<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\" align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Niederlande 577 (1,9)<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\" align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">T\u00fcrkei 502 (1,6)<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\" align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Spanien 437 (1,4)<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\" align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Italien 434 (1,4)<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\" align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">China 420 (1,3)<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Weit abgeschlagen an der Spitze stehen mit 56 Prozent die USA. Werden lediglich die Waffenlieferungen an die beiden treibenden Kr\u00e4fte der Koalition \u2013 Saudi-Arabien und die VAE \u2013 ber\u00fccksichtigt, erh\u00f6ht sich dieser Anteil gar auf 70 Prozent. Nichtsdestotrotz finden sich viele weitere L\u00e4nder in dieser Liste der Schande wieder, die durch ihre Exporte den Krieg im Jemen am Laufen halten. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der 32 L\u00e4nder liegt in Westeuropa beziehungsweise geh\u00f6rt der NATO an. Die einzigen signifikanten Lieferanten au\u00dferhalb dieser Gruppe sind Russland, das seit 2017 im gro\u00dfen Stile nach \u00c4gypten Waffen exportiert und China, das nach Russland der zweitgr\u00f6\u00dfte Lieferant des Sudan ist. Mit einem Achtel aller Waffenlieferungen liegt Frankreich auf Platz zwei, das nach dem Putsch von General Al-Sisi zum gr\u00f6\u00dften Lieferanten der \u00e4gyptischen Milit\u00e4rdiktatur aufstieg. Gro\u00dfbritannien auf Platz vier liefert nahezu ausschlie\u00dflich nach Saudi-Arabien. Deutschland ist der zweitgr\u00f6\u00dfte Exporteur in Richtung Katar, die Niederlande der gr\u00f6\u00dfte nach Jordanien.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Es ist interessant, dass sich mit Lieferungen nach Jordanien auch Israel auf der Liste befindet \u2013 neben Amman und Kairo erkennt keine Regierung der arabischen Welt Israel auch nur als Land an. Auch ist es bemerkenswert, dass die gr\u00f6\u00dften vier Waffenexporteure an die Saudi-Emirate-Koalition zu den f\u00fcnf st\u00e4ndigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats geh\u00f6ren (mit China sogar alle P5-Staaten in den Top 10). Die Waffen jener Staaten, denen nach Artikel 24 I der UN-Charta \u201edie Hauptverantwortung f\u00fcr die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit\u201c \u00fcbertragen wurden, haben im Jemen also die ebenfalls laut UN \u201egr\u00f6\u00dfte humanit\u00e4re Katastrophe der Welt\u201c produziert \u2013 nicht zuletzt ein offensichtliches Beispiel daf\u00fcr, dass die Architektur der Vereinten Nationen von Grund auf reformiert werden muss.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Schwerstes Kriegsger\u00e4t made in Germany<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\">\u201e<span lang=\"de-DE\">Wir werden ab sofort keine Ausfuhren an L\u00e4nder genehmigen, solange diese unmittelbar am Jemen-Krieg beteiligt sind\u201c, hei\u00dft es durchaus unzweideutig im Koalitionsvertrag der aktuellen GroKo-Neuauflage. Doch wie die Merkel-Regierung mit diesem simplen Satz umging, ist bezeichnend f\u00fcr die Scheinheiligkeit deutscher R\u00fcstungsexportpolitik. Auf periodisch wiederkehrendes Nachbohren des Journalisten Tilo Jung in der Bundespressekonferenz, welche L\u00e4nder sich denn auf dieser Jemen-Schwarzliste der Regierung bef\u00e4nden, sah sich Regierungssprecher Steffen Seibert in regelrechter Dem\u00fctigung gezwungen, wieder und wieder auszuweichen: \u201eEs gibt Gespr\u00e4che\u201c, so Seibert nichtssagend, der zu dieser Frage so hilflos wirkt wie selten. Die Bundesregierung ist offensichtlich nicht willens oder in der Lage zu ermitteln, welche L\u00e4nder am Jemen-Krieg beteiligt sind.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Auch nach konservativster Auslegung kann wohl unterstellt werden, dass zumindest Saudi-Arabien \u2013 als Anf\u00fchrer der Kriegskoalition \u2013 an diesem Krieg, den es anf\u00fchrt, auch \u201eunmittelbar beteiligt\u201c ist. Nichtsdestotrotz beging die Bundesregierung eklatanten Wortbruch und genehmigte laut R\u00fcstengsexportbericht von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) allein in den ersten drei Quartalen 2018 R\u00fcstungsexporte nach Saudi-Arabien in H\u00f6he von 416 Millionen Euro \u2013 im Vergleich zu 254 Millionen Euro im gesamten Vorjahr. In einem internen Papier von Altmaier an den Bundestag, welches dem \u201eSpiegel\u201c vorliegt, hie\u00df es im September 2018, dass weitere \u201emillionenschwere R\u00fcstungsexporte nach Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien genehmigt\u201c wurden, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass sich allein die Genehmigungen nach Saudi-Arabien im ersten GroKo-Jahr 2018 etwa verdoppelt haben. Wenn Koalitionsvertr\u00e4ge keine zumindest in der Tendenz rechtlich bindenden Dokumente darstellen, k\u00f6nnen die Parteien die Scharade wochenlanger Verhandlungen \u00fcber diese \u201eVertr\u00e4ge\u201c sich und uns allen einfach ersparen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Doch dann kam im Oktober 2018 der brutale Mord am Washington-Post-Kolumnisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul. Die anfangs starke globale Medienberichterstattung um die Causa Khashoggi n\u00f6tigte selbst die Bundesregierung zum widerwilligen Handeln, die einen zun\u00e4chst zweimonatigen Exportstopp nach Saudi-Arabien anordnete. Dieser \u201eStopp\u201c wurde zwar mehrfach verl\u00e4ngert, doch war er von Anfang an das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben stand. So lieferte der umsatzst\u00e4rkste deutsche R\u00fcstungskonzern Rheinmetall ununterbrochen weiter \u201eMark-83\u201c-Bomben und verschiedenste Munition \u00fcber Tochterfirmen in Italien und S\u00fcdafrika an Saudi-Arabien, deren Wert Rheinmetall-Vorstand Helmut Merch auf \u00fcber einhundert Millionen Euro j\u00e4hrlich beziffert. Obwohl der \u201eStopp\u201c Ende M\u00e4rz um weitere sechs Monate verl\u00e4ngert wurde, wurden im selben Atemzug nach intensiver Lobbyarbeit aus Paris und London Lieferungsbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr deutsche Bauteile in europ\u00e4ischen Gemeinschaftsprojekten gelockert \u2013 im Vorfeld war von \u201eUnmut\u201c und \u201ewachsendem \u00c4rger\u201c aus Gro\u00dfbritannien und Frankreich die Rede. Britische R\u00fcstungskonzerne k\u00f6nnen nun wieder von deutschen Zulieferern versorgt werden, um Eurofighter f\u00fcr Saudi-Arabien zu bauen. Auch Bauteillieferungen an franz\u00f6sische R\u00fcstungsfirmen mit Endziel Saudi-Arabien wurden keine zwei Wochen nach der Lockerung wieder genehmigt; ebenso schweres Kriegsger\u00e4t an Katar (seit Juni 2017 nicht mehr Teil der Koalition), \u00c4gypten und die VAE \u2013 \u201eschlicht verbrecherisch\u201d, meint Sevim Dagdelen, die stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, \u00fcber die j\u00fcngsten Genehmigungen an verschiedenste Mitglieder der Kriegskoalition.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">In akribischer Analysearbeit fand das transeurop\u00e4ische Recherchenetzwerk #GermanArms Beweise, dass deutsche Waffensysteme von der Saudi-Emirate-Koalition im Jemen eingesetzt werden \u2013 \u201ean Land, in der Luft und zur See\u201c; von Kriegsschiffen \u00fcber Jagdbomber bis zu Haubitzen. (3) Insbesondere die von L\u00fcrssen in Mecklenburg-Vorpommern gebauten Patrouillenboote, von denen Dutzende an Saudi-Arabien geliefert wurden und werden, stehen immer wieder im Fokus, da sie von der Koalition mit h\u00f6chster Wahrscheinlichkeit f\u00fcr die nahezu hermetische Seeblockade des Jemen eingesetzt werden \u2013 dem Hauptgrund f\u00fcr die historische Hungersnot im Land. So banal diese Tatsache auch erscheinen mag \u2013 Waffen werden verkauft, um eingesetzt zu werden. \u2013 l\u00f6st sie bei der Bundesregierung doch die immer gleichen Abwehrreflexe aus: \u201eMir ist davon nichts bekannt\u201c, so Wirtschaftsminister Peter Altmaier gegen\u00fcber der Deutschen Welle in seiner ihm typischen Mischung aus Arroganz und Verachtung.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">W\u00e4hrend sich die Bundesregierung im geheim tagenden und zur Verschwiegenheit verpflichteten Bundessicherheitsrat versteckt, dort Waffenverk\u00e4ufe an die Diktatoren dieser Welt durchwinkt und im Anschluss mit Aussagen wie der Altmaierschen sich selbst und uns alle zum Narren h\u00e4lt, ergab eine repr\u00e4sentative YouGov-Umfrage vom Mai 2018, dass sich 64 Prozent der Befragten gegen Waffenexporte generell aussprechen und ganze 80 Prozent konsequent gegen jegliche Waffenlieferungen in Kriegs- und Krisengebiete sind. Klarer kann eine Handlungsanweisung an die Regierung kaum artikuliert werden \u2013 oder andersherum: unversch\u00e4mter kann der Wille des vermeintlichen Souver\u00e4ns kaum missachtet werden.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Komplizenschaft<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Anders als bei Unterst\u00fctzern wie Deutschland ist der britische Support nicht gestreut auf die verschiedenen L\u00e4nder der Kriegskoalition, sondern liegt mit klarem Fokus nahezu vollst\u00e4ndig auf Saudi-Arabien: Insbesondere die erbarmungslose Bombardierung der Zivilbev\u00f6lkerung im Nordjemen durch die Royal Saudi Air Force w\u00e4re ohne den britischen Konzern BAE Systems schlicht unm\u00f6glich. Der britische Support f\u00fcr die Kriegsallianz ist angesichts von Waffenlieferungen, Logistikunterst\u00fctzung, Geheimdienstaustausch, Milit\u00e4rberatung, Ausbildung bis hin zu Truppenentsendungen wahrlich allumfassend und spielt alles in allem schon bald in einer Liga mit dem Support aus den USA. (4) Bezeichnenderweise stehen Washington und London auf dem so wichtigen Parkett der diplomatischen und politischen R\u00fcckendeckung eng an Riads und Abu Dhabis Seite: Zwei Tage nach Beginn der Gro\u00dfoffensive auf die von den Houthi-Rebellen gehaltene Hafenstadt Hodeida \u2013 der buchst\u00e4blichen Lebensader des Jemen, durch die 80 Prozent der Lebensmittel ins Land kommen \u2013 im Juni 2018 scheiterte eine von Schweden eingebrachte Resolution im UN-Sicherheitsrat, die zum sofortigen Waffenstillstand in Hodeida aufrief, am Veto aus den USA und Gro\u00dfbritannien.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Allein seit Beginn des Jemen-Kriegs hat London Waffenexporte in H\u00f6he von \u00fcber 5,5 Milliarden Pfund (rund 6,3 Milliarden Euro) an die Saudi-Emirate-Koalition genehmigt und ist sowohl in den Jahren des Jemen-Kriegs als auch historisch nach den USA der zweitgr\u00f6\u00dfte Waffenlieferant des saudischen K\u00f6nigshauses; vor allem wird die saudische Luftwaffe von BAE Systems unterhalten. In einem bahnbrechenden Rechtsgutachten vom Februar 2019 erkl\u00e4rte das britische Oberhaus, Waffenlieferungen der britischen Regierung an die Saudi-Emirate-Koalition seien wegen ihres Einsatzes gegen Zivilist*innen im Jemen illegal und verstie\u00dfen gegen das humanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht. Mit \u00e4hnlich hohen Zahlen wie in den deutschen Umfragen sind auch drei von vier Britinnen und Briten gegen Waffenexporte in Kriegsgebiete. Es ist unn\u00f6tig zu erw\u00e4hnen, dass weder die parlamentarische \u00c4chtung noch die Meinung der britischen Bev\u00f6lkerung einen Einfluss auf die Waffenexportpraktiken der May-Regierung haben.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Auch wenn London stets abstreitet, im Jemen selbst aktiv an Kampfhandlungen beteiligt zu sein, wurden im M\u00e4rz 2019 f\u00fcnf britische Soldaten bei K\u00e4mpfen mit Houthi-Rebellen angeschossen und schwer verletzt in die Heimat ausgeflogen, was bohrende Fragen \u00fcber das tats\u00e4chliche Ausma\u00df der Verstrickung des britischen Milit\u00e4rs auf den jemenitischen Schlachtfeldern aufwarf. Ein britischer Forschungsbericht von 2018 deckte erstmals das personelle Ausma\u00df britischer Involvierung im Jemen-Krieg auf und ermittelte die \u00fcberw\u00e4ltigende Zahl von 7.000 Personen aus Gro\u00dfbritannien (aus Milit\u00e4r, Regierung und Privatwirtschaft), die das saudische Milit\u00e4r im Jemen-Krieg unterst\u00fctzen; insbesondere die saudische Luftwaffe. Diese Unterst\u00fctzung reicht von Wartung und Bewaffnung der saudischen Tornados und Eurofighter \u00fcber Ausbildung von Piloten bis zu milit\u00e4rischer Koordinierung in den Kommandozentralen. (5)<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span lang=\"de-DE\">Wenn britischer Support saudische Gewalt erm\u00f6glicht, so ist diese Gewalt auch britische Gewalt\u201c, schreibt der Golf-Experte David Wearing im April 2019 im Guardian, \u201eund Gro\u00dfbritannien wird im erheblichen Ma\u00dfe zum Mitschuldigen f\u00fcr deren menschliche Kosten\u201c. (6) Selbstredend ist diese Aussage nicht auf Gro\u00dfbritannien beschr\u00e4nkt, sondern von universeller G\u00fcltigkeit und in ihrer Klarheit und Einfachheit fast schon etwas irritierend. Viel zu sehr bem\u00fcht sich die Politik, die einfache Kausalit\u00e4t f\u00fcr nichtig zu erkl\u00e4ren, dass Waffenlieferungen hier zu menschlichem Elend dort f\u00fchren. Fadenscheinige und einfach zu dekonstruierende Pseudoargumente \u00fcber Arbeitspl\u00e4tze oder B\u00fcndnisverpflichtungen sollen ebenso wie hohle pseudojuristische Mammutphrasen wie Endverbleibserkl\u00e4rung oder restriktives R\u00fcstungsexportkontrollgesetz den simplen Zusammenhang verschleiern, dass Unterst\u00fctzung eines Massenm\u00f6rders gleichbedeutend ist mit Komplizenschaft an Massenmord. David Wearings Aussage ist damit mindestens auf alle 32 Regierungen anwendbar, die in den \u00fcber vier Jahren des katastrophalen Jemen-Kriegs die leergebombten Arsenale der Saudi-Emirate-Koalition wieder \u00fcppig best\u00fcckten oder diese anderweitig in ihrem genozidalen Bombenkrieg unterst\u00fctzen \u2013 allen voran die USA, Frankreich, Russland, Gro\u00dfbritannien und Deutschland. Sie alle wurden \u201eim erheblichen Ma\u00dfe zum Mitschuldigen\u201c am unertr\u00e4glichen Leid der jemenitischen Zivilbev\u00f6lkerung.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Jakob Reimann<\/span><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitte April 2019 passierte mit moderater Mehrheit eine Gesetzesvorlage den US-Kongress, die diese Unterst\u00fctzung mit sofortiger Wirkung beendet h\u00e4tte \u2013 getriggert bezeichnenderweise nicht durch die vors\u00e4tzliche Bombardierung von Schulbussen, Hochzeiten oder Fl\u00fcchtlingsbooten, sondern durch den Mord an einem Kolumnisten der Washington Post, Jamal Khashoggi. 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