{"id":20303,"date":"2019-06-07T14:53:02","date_gmt":"2019-06-07T12:53:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=20303"},"modified":"2019-08-28T16:49:16","modified_gmt":"2019-08-28T14:49:16","slug":"es-fing-mit-dem-containern-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/06\/es-fing-mit-dem-containern-an\/","title":{"rendered":"\u201eEs fing mit dem Containern an\u201c"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><strong>B<span lang=\"de-DE\">ernd Dr\u00fccke: Hallo Janis, hallo Susanne, ihr habt zusammen mit Claudia Thermann und Jana Boelter ein Konzept f\u00fcr die fairTEILBAR entwickelt. Was ist das f\u00fcr ein Projekt?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Janis Matheja: Die fairTEILBAR ist ein Projekt f\u00fcr gerettete Lebensmittel und wir sind seit etwa einem Jahr in M\u00fcnster am Start. Wir werden Ende Juni 2019 ein Ladenlokal in der Hammer Stra\u00dfe 60 er\u00f6ffnen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Uns geht es darum, Lebensmittel zu retten und diese allen Menschen zug\u00e4nglich zu machen, in einem Ladenlokal und in einem Bistro, wo man dann auch direkt vor Ort die Lebensmittel verzehren und teilweise einkaufen kann. Alle Menschen sollen sich die Lebensmittel leisten k\u00f6nnen. Deshalb setzen wir auf das Prinzip \u201eZahle, was es dir wert ist\u201c. Die Kund*innen sollen den Preis selbst bestimmen k\u00f6nnen, f\u00fcr eine solidarische Preisgestaltung. Um das abzuschlie\u00dfen, werden wir eine Bildungsk\u00fcche und eine Manufaktur einrichten, wo wir Produkte herstellen. Wirsing aus der Nachernte, Nudeln mit falschem Etikett, krumme Gurken \u2013 alles, was nicht in den Handel kommt, aber qualitativ einwandfrei ist, soll in der fairTEILBAR angeboten werden. Bisher haben wir in Pop-ups, also zeitlich begrenzten Verkaufs-Gelegenheiten bei Veranstaltungen, gezeigt, wie lecker unsere selbst gekochten Speisen aus geretteten Lebensmitteln sind.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Marvin Feldmann: Wie ist die Idee zu diesem Projekt entstanden?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Susanne Kemper: Sie ist in vielen kleinen Schritten entstanden. Ich selber rette, genauso wie Janis, schon ganz lange Lebensmittel. Das Ganze hat mit dem klassischen Containern angefangen. Mit Foodsharing weitergegangen ist es dann in meinem normalen Leben. Wenn ich nicht gerade Lebensmittel rette, bin ich Sozialarbeiterin und haben mit vielen Menschen zu tun, f\u00fcr die es nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, den K\u00fchlschrank bis zum Monatsende f\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Das hei\u00dft, ich habe da auf der einen Seite ganz viele Lebensmittel gesehen, die irgendwie \u00fcbrig waren, trotz bereits engagierter Initiativen. Auf der anderen Seite habe ich Menschen kennengelernt, die Interesse an diesen Lebensmitteln haben. <\/span><span lang=\"de-DE\">Da ist mir klar geworden, dass wir eine neue, zeitgem\u00e4\u00dfe Variante brauchen. Unter anderem in Janis habe ich Menschen gefunden, die sich f\u00fcr diese Idee und f\u00fcr diesen Gedanken begeistern, die Lust haben, sich gemeinsam mit mir zu einer neuen Idee und zu einem neuen Konzept auf zu machen. So ist die fairTEILBAR entstanden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Bernd: Es gab schon F\u00e4lle, wo Menschen wegen Containern kriminalisiert wurden. K\u00f6nnt Ihr dazu etwas erz\u00e4hlen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Susanne: Gerne. Erstmal ist es eigentlich positiv, dass das Thema \u201eLebensmittel retten\u201c so in der \u00d6ffentlichkeit landet. Lebensmittelverschwendung passiert ja in der Regel hinter verschlossenen T\u00fcren. Ich denke, den meisten Menschen ist gar nicht klar, wie gro\u00df die Mengen sind, von denen wir sprechen. In diesem konkreten Fall sind zwei junge Studentinnen f\u00fcr das Containern bestraft worden. In unseren Augen wird da die falsche Seite kriminalisiert, weil egal, ob jetzt politisch, auf Seite der Einzel- und Gro\u00dfh\u00e4ndler, wir brauchen gesetzliche Regelungen, die daf\u00fcr sorgen, dass Lebensmittelvernichtung als Problem erkannt wird und dass es wichtig ist, sich um diese Lebensmittel zu k\u00fcmmern. Von daher hoffen wir, dass wir auch da einen Beitrag leisten k\u00f6nnen, um das Thema noch mehr in die \u00d6ffentlichkeit zu bringen und daf\u00fcr aufzustehen und die Leute stark zu machen, dass solche Dinge in Deutschland anders werden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>Bernd: Wieviele Lebensmittel werden vernichtet, die man eigentlich noch gut essen k\u00f6nnte? Was sind das f\u00fcr Dimensionen?<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Janis: Bei uns in Deutschland sind das \u00fcber 313 Kilo pro Sekunde, die an genie\u00dfbaren Lebensmitteln vernichtet werden. Darunter fallen auch Lebensmittel im Haushalt. Da rechnet man mit ungef\u00e4hr 80 Kilo pro Nase und Jahr. Dann kommen noch die Lebensmittel dazu, die gar nicht im Laden landen, die schon auf dem Acker aussortiert werden, weil die M\u00f6hre krumm ist, mit zwei Beinen, oder weil der Kohlrabi zu gro\u00df geworden ist. Das sind auch mehrere tausend Kilo, ganze LKW-Ladungen, die vernichtet werden.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_20407\" aria-describedby=\"caption-attachment-20407\" style=\"width: 444px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/gwr440_IMG_0301.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-20407\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/gwr440_IMG_0301.jpg\" alt=\"\" width=\"444\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/gwr440_IMG_0301.jpg 1000w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/gwr440_IMG_0301-300x220.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/gwr440_IMG_0301-600x440.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/gwr440_IMG_0301-768x563.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 444px) 100vw, 444px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-20407\" class=\"wp-caption-text\">fairTEILBAR M\u00fcnster in der Hammer Stra\u00dfe 60. Foto: Bernd Dr\u00fccke<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Bernd: Containern ist auch eine politische Aktion. K\u00f6nnt Ihr dazu etwas erz\u00e4hlen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Susanne: Containern ist eine Form des Lebensmittelrettens, indem meistens Privatpersonen gemeinsam oder alleine nach dem Supermarktschluss sich auf den Weg an die Tonnen der Superm\u00e4rkte machen und dann selber einen Blick hineinwerfen, welche Produkte in der Tonne gelandet sind, die entsorgt werden sollten, obwohl sie noch verzehrf\u00e4hig genie\u00dfbar sind. <\/span><span lang=\"de-DE\">Das sind in der Regel noch relativ gro\u00dfe Mengen, auch ein Teil dieser 313 Kilo, von denen wir gerade gesprochen haben. <\/span><span lang=\"de-DE\">Aber weil der M\u00fcll offiziell zu den Besitzt\u00fcmern des jeweiligen Einzelh\u00e4ndlers geh\u00f6rt, und nat\u00fcrlich auch Grundst\u00fccke betreten werden m\u00fcssen, um an die Tonnen zu gelangen, befinden wir uns da gesetzlich in einer Grauzone. Wenn man beim Containern erwischt wird, ist man vom guten Willen des Einzelh\u00e4ndlers oder auch des Polizeibeamten abh\u00e4ngig. Also, wie die die Lage dann bewerten, ob die eher ein Herz f\u00fcr die Lebensmittel oder die Gesetzeslage haben. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Marvin: Was ist euer Ziel? Verfolgt ihr mit dem Projekt fairTEILBAR eine Utopie?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Janis: Das Ziel w\u00e4re, dass gar keine Lebensmittel mehr weggeschmissen werden. <\/span><span lang=\"de-DE\">Das Projekt fairTEILBAR ist erstmal regional in M\u00fcnster und im M\u00fcnsterland angesiedelt. Deshalb hoffen wir, dass das hier in die lokale Politik mit einflie\u00dft, dass es eine Verbindlichkeit gibt, Lebensmittel wohlt\u00e4tigen oder gemeinn\u00fctzigen Zwecken zuzuf\u00fchren. <\/span><span lang=\"de-DE\">Ein weiteres Ziel w\u00e4re Bildungsarbeit: <\/span><span lang=\"de-DE\">Wie kriegt man in Schulen Topics wie Lebensmittelwertsch\u00e4tzung \u00fcberhaupt unter? Wie kriegt man Kinder wieder auf den Acker? Wie lernen sie, wie eine M\u00f6hre w\u00e4chst?<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Bernd: Wie k\u00f6nnen die Leser*innen der Graswurzelrevolution euch unterst\u00fctzen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Susanne: Uns kann man unterst\u00fctzen, indem man zu Hause seine Lebensmittel im K\u00fchlschrank zu Ende verbraucht und sie nicht wegwirft. <\/span><span lang=\"de-DE\">Wir freuen uns \u00fcber jeden, der die Idee teilt und weitererz\u00e4hlt. Wir freuen uns auch \u00fcber den ein oder anderen Like auf unseren Socialmedia-Seiten, besucht uns bei unseren Pop-ups und in unserem Laden an der Hammer Stra\u00dfe 60, die Termine findet ihr auf unserer Homepage (2). <\/span><span lang=\"de-DE\">Werdet Teil der L\u00f6sung. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"left\"><strong><span lang=\"de-DE\">Susanne Kemper<\/span>, <span lang=\"de-DE\">Janis Matheja<\/span>, <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"left\"><strong>Interviewer: B<span lang=\"de-DE\">ernd Dr\u00fccke, Marvin Feldmann<\/span><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernd Dr\u00fccke: Hallo Janis, hallo Susanne, ihr habt zusammen mit Claudia Thermann und Jana Boelter ein Konzept f\u00fcr die fairTEILBAR entwickelt. Was ist das f\u00fcr ein Projekt? Janis Matheja: Die fairTEILBAR ist ein Projekt f\u00fcr gerettete Lebensmittel und wir sind seit etwa einem Jahr in M\u00fcnster am Start. 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