{"id":20551,"date":"2019-08-29T14:21:17","date_gmt":"2019-08-29T12:21:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=20551"},"modified":"2019-09-17T00:30:16","modified_gmt":"2019-09-16T22:30:16","slug":"wehrmachtsbordelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/08\/wehrmachtsbordelle\/","title":{"rendered":"Wehrmachtsbordelle"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEin geschlechtskranker Soldat kann keinen Dienst leisten; selbstverschuldete Dienstunf\u00e4higkeit aber ist eines deutschen Soldaten unw\u00fcrdig! Von dir erwartet das Vaterland nicht nur volle soldatische Leistung, es will auch, da\u00df du einst eine gesunde Familie gr\u00fcndest und Vater gesunder Kinder wirst!\u201c (2), so informiert ein Merkblatt der Wehrmacht die deutschen Soldaten \u00fcber die Erwartungen des Staates an ihre Lebensf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Der Kampf gegen Geschlechtskrankheiten bekommt f\u00fcr die nationalsozialistische F\u00fchrung sp\u00e4testens mit Ausbruch des Krieges auch eine politische Dimension: allein Polen, so der\u00a0 Leitende Sanit\u00e4tsoffizier beim Milit\u00e4rbefehlshaber im Generalgouvernement im Oktober 1940, sei durch Geschlechtskrankheiten \u201estark verseucht\u201c (3), die Wehrmacht bef\u00fcrchtet einen hunderttausendfachen Ausfall deutscher Soldaten, die sich auf (verbotenen) Intimverkehr mit Polinnen einlassen, dort die Prostitution nutzen oder sexuell gewaltt\u00e4tige \u00dcbergriffe begehen. Schritt f\u00fcr Schritt hatte der nationalsozialistische Staat versucht, die teilweise Entkriminalisierung von Prostituierten bei gleichzeitiger Kriminalisierung von Bordellbetreibenden, die mit dem Gesetz zur Bek\u00e4mpfung der Geschlechtskrankheiten von 1927 in Kraft getreten waren, r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zwangsprostitution zum Nutzen des NS-Staats<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Abschaffung von Zwangsuntersuchungen und die Verlagerung der Zust\u00e4ndigkeit von der Polizei auf die Gesundheits\u00e4mter widerriefen die Nationalsozialisten. Ziel war indes nicht, Prostitution abzuschaffen, sondern sie f\u00fcr den NS-Staat nutzbar zu machen.<\/p>\n<p>Es entstanden nicht nur f\u00fcr Zivilisten zug\u00e4ngliche Bordellh\u00e4user und -stra\u00dfen mit kasernierten Prostituierten in den St\u00e4dten, sondern auch Bordelle f\u00fcr Fremd-und Zwangsarbeiter, f\u00fcr KZ-H\u00e4ftlinge, f\u00fcr Arbeiter der Organisation Todt, f\u00fcr Mitarbeiter der Reichsbahn, der Gestapo und Polizei, der SS und der Wehrmacht. W\u00e4hrend f\u00fcr die Schaffung der Bordelle f\u00fcr KZ-H\u00e4ftlinge das Motiv gewesen war, ihre Arbeitsleistung durch ein Belohnungssystem, welches einen Bordellbesuch beinhaltete, zu steigern, sah die Wehrmachtf\u00fchrung die Errichtung von Einrichtungen f\u00fcr die Soldaten aus anderen Gr\u00fcnden als notwendig an. Der Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten in der Truppe hatte die Heeres\u00e4rzte zu folgendem Schluss kommen lassen: \u201eGeschlechtskrankheiten sind (\u2026) reichlich verbreitet. Ihr h\u00e4ufiges Auftreten wird durch die au\u00dfergew\u00f6hnlich starke heimliche Prostitution beg\u00fcnstigt. Es mu\u00df mit allen Mitteln darauf hingearbeitet werden, da\u00df die Geschlechtskrankheiten in der deutschen Wehrmacht nicht weiter um sich greifen und da\u00df der Geschlechtsverkehr mit gesundheitlich nicht kontrollierten weiblichen Personen unterbunden wird. Die einzige M\u00f6glichkeit, eine erfolgversprechende Kontrolle der Prostituierten durchzuf\u00fchren, besteht nur bei den Insassen der Bordelle (\u2026).\u201c (4)<\/p>\n<p>\u201eSexualnot\u201c der Soldaten, mutma\u00dfte man, f\u00fchre zu Vergewaltigungen an Zivilistinnen besetzter L\u00e4nder und zu unerw\u00fcnschten homosexuellen Handlungen. (5) Dagegen helfe die Bereitstellung staatlich \u00fcberwachter Bordelle. Vor allem in den Gebieten der Sowjetunion bef\u00fcrchtete man zudem, sich mit sogenannten \u201efreien\u201c, das hei\u00dft nicht kasernierten Prostituierten einlassende Soldaten k\u00f6nnten leichtes Opfer von Spionage werden. (6) W\u00e4hrend nicht nachvollzogen werden kann, ob der Bordellbetrieb wirklich zu weniger Homosexualit\u00e4t und Spionage gef\u00fchrt hat, muss die Wehrmacht nach kurzer Zeit zugeben: die Triebabfuhrtheorie, nach der die Bereitstellung von Prostitution f\u00fcr die Truppe zu weniger Vergewaltigungen f\u00fchrt, ist gescheitert. Die wenigsten Soldaten, die in den besetzten Gebieten sexuelle \u00dcbergriffe begehen, kommen vor ein Gericht, die, die sich dort erkl\u00e4ren m\u00fcssen, greifen nun ab und an darauf zur\u00fcck zu erkl\u00e4ren, sie h\u00e4tten gedacht, dass es sich um eine Prostituierte gehandelt habe. Sie werden nicht bestraft. (7) Weiterhin bemerkt die Wehrmacht durch den Bordellbetrieb bei den Soldaten eine ver\u00e4nderte Haltung gegen\u00fcber Frauen, und da diese die deutschen Frauen miteinbezieht, sorgt man sich um die Familienf\u00e4higkeit der Soldaten.\u00a0 (8) Der Bordellbetrieb befriedige zudem, so kritische Stimmen innerhalb der Wehrmachtf\u00fchrung, nicht nur vorhandene Bed\u00fcrfnisse, er erzeuge auch welche bei M\u00e4nnern, die sonst nie ins Bordell gegangen w\u00e4ren. Der Massenandrang, mit dem die Wehrmachtsbordelle zu k\u00e4mpfen hatten, sei Resultat einer Art Schneeballsystems, dass es ohne die Bereitstellung von Bordellen gar nicht erst gegeben h\u00e4tte: \u201eDie Nachteile eines Bordells, der im Ganzen widerliche Massenbetrieb und die nicht zu untersch\u00e4tzende Tatsache, da\u00df hier in gro\u00dfer Zahl auch junge Soldaten und solche, die sonst kaum dazugekommen w\u00e4ren, von Kameraden mitgenommen und zum Verkehr mit Dirnen regelrecht gen\u00f6tigt werden, &#8211; diese zweifelsfreien Nachteile werden durch den Kontrollbetrieb in keiner Weise aufgewogen.\u201c (9)<\/p>\n<p>Dennoch werden die Bordelle nicht geschlossen. Das \u201eStandardbordell f\u00fcr Besatzungszwecke\u201c wird weiterhin im Operationsgebiet der Wehrmacht errichtet und unterhalten (so u.a. in Frankreich, Polen, Griechenland, Italien, Belgien und im gesamten Gebiet der Sowjetunion). Die Wehrmacht richtet Bordelle oft in den beschlagnahmten H\u00e4usern von Juden und J\u00fcdinnen ein (10) oder sie \u00fcbernimmt die Kontrolle \u00fcber bereits bestehende Bordelle. Der Preis f\u00fcr einen Bordellbesuch wird auf drei Reichsmark festgesetzt (11), die H\u00e4user unterstehen dem Ortskommandanten, im besetzten Polen der Zivilverwaltung. Wer die H\u00e4user besuchen darf, unterliegt einer strengen Trennung. Zivilisten d\u00fcrfen die Bordelle der Wehrmacht nicht besuchen und andersherum. (12)<\/p>\n<p>Zugleich erfolgt oft eine Trennung nach Truppenteilen; Offizieren ist der Besuch von Mannschaftsbordellen immer untersagt. F\u00fcr sie werden spezielle Bordelle eingerichtet, \u201eAbsteigehotels\u201c genannt. (13)<\/p>\n<p>Sadomasochistische Praktiken sowie Verkehr ohne Kondom sind nicht erlaubt, (14), nach jedem Besuch muss der soldatische Freier sich sanieren lassen. (15) Die sich im Bordell befindlichen Prostituierten unterliegen zweimal w\u00f6chentlich einer Zwangsuntersuchung, (16), sie k\u00f6nnen jederzeit von einem soldatischen Freier wegen vorgeblicher Geschlechtskrankheit angezeigt werden: \u201eAlle Prostituierten erhalten einen Ausweis f\u00fcr jeweils vorgenommene \u00e4rztliche Untersuchungen. Diesen Ausweis m\u00fcssen sie unaufgefordert jedem sie benutzenden deutschen Soldaten vorzeigen.\u201c (17)<\/p>\n<p>Die Verbringung der Frauen in die Bordelle erfolgt unterschiedlich. Zun\u00e4chst kann die Wehrmacht auf die Gesundheitsamtakten des jeweiligen Gebietes zugreifen und damit feststellen, wer bereits Prostituierte ist oder im Verdacht steht, eine zu sein. Polizeima\u00dfnahmen und Razzien folgen (18), festgesetzte Frauen und auch Frauen, die auf der Suche nach Ansteckungsquellen als geschlechtskrank angezeigt werden, werden zwangsuntersucht. (19)<\/p>\n<p>Frauen, die trotz einer Geschlechtskrankheit mit Wehrmachtssoldaten Intimverkehr aus\u00fcben, erhalten empfindliche Strafen (20). Ein direkter Anlass zur Verbringung ins Bordell ist ein Erlass des Reichsstatthalters, wonach Polinnen, die \u201eGeschlechtsverkehr mit Deutschen aus\u00fcben, in ein Bordell gebracht werden k\u00f6nnen.\u201c (21)<\/p>\n<p>Sich dem Vorwurf, \u201eRassenschande\u201c auszu\u00fcben, muss sich zumindest im Bordell kein Soldat aussetzen. Heinrich Himmler erkl\u00e4rt f\u00fcr Wehrmacht, SS und Polizei die rassistischen Bestimmungen zumindest im Bordell als nichtig: \u201eDer Geschlechtsverkehr eines Angeh\u00f6rigen der SS oder Polizei mit einer Polin wird grunds\u00e4tzlich als milit\u00e4risches Vergehen gerichtlich bestraft. Hierbei ist es unerheblich, ob zwischen den Beteiligten ein Liebesverh\u00e4ltnis besteht oder es sich nur um einen ein- oder mehrmaligen Kontakt gelegentlichen Geschlechtsverkehr ohne irgendwelche seelischen Bindungen handelt. (\u2026) Ich w\u00fcnsche unter keinen Umst\u00e4nden, da\u00df eine Lockerung der Auffassungen \u00fcber das Verbot des Geschlechtsverkehrs mit Polinnen eintritt. (\u2026) Ich verkenne die Schwierigkeiten nicht, die in geschlechtlicher Hinsicht f\u00fcr die M\u00e4nner der SS und Polizei im Generalgouvernement bestehen. Deswegen will ich auch gegen einen Verkehr in Bordellen oder mit unter beh\u00f6rdlicher und \u00e4rztlicher Kontrolle stehenden Sittendirnen nichts einwenden, da hierbei weder irgendeine Zeugung noch irgendwelche inneren Bindungen zu erwarten sind.\u201c (22)<\/p>\n<p>Weiter gilt: \u201eDie M\u00e4dchen sind Polinnen. Der Verkehr mit den Polinnen in den Bordellen wurde nicht als ein gesellschaftlicher, der mit den Polen nach dem Erla\u00df des F\u00fchrers verboten ist, angesehen. Die Beziehungen der Dirnen zu den wechselnden Besuchern (\u2026) sind sachlich-wirtschaftlicher Art. Sie haben auch nicht den gesellschaftlichen Einschlag, den das \u00f6ffentliche Kennenlernen auf der Stra\u00dfe, dem Strich oder den die sonstigen Formen des Kennenlernens haben. Ein gesellschaftlicher Verkehr setzt ein gewisses Ma\u00df an Achtung und geistigen Beziehungen voraus, die in den Bordellen nicht gegeben sind.\u201c (23)<\/p>\n<p>Die Verbringung von Frauen anderer Nationalit\u00e4ten in die Bordelle erf\u00fcllt f\u00fcr die Wehrmacht und ihre Soldaten auch den Zweck, Frauen als Frauen, Frauen als Angeh\u00f6rige anderer L\u00e4nder und damit anderer Nationen selbst auf den mindergelittenen Status von Prostituierten, denen Achtung und Respekt nicht entgegengebracht werden m\u00fcssen, herabzusetzen und somit als Mann und als Angeh\u00f6riger einer vermeintlich h\u00f6herwertigen Nation und \u201eRasse\u201c einen Besatzerstatus zu fixieren und zu demonstrieren. Dies gilt auch f\u00fcr J\u00fcdinnen, deren Verschaffung in Wehrmachts- und SS-Bordelle de facto verboten wurde, dennoch gibt es vereinzelte Hinweise, dass auch sie, ebenso wie Romnja, Sintizza und auch schwarze Frauen in die Bordelle verbracht worden sind. (24)<\/p>\n<p>In Frankreich werden \u201efreie\u201c Prostituierte von den deutschen Besatzern kriminalisiert, sie versuchen der Verfolgung und der Inhaftnahme durch eine Meldung ins Bordell zu entkommen. Sie werden teilweise von Zuh\u00e4ltern in die Bordelle vermittelt oder versuchen mit der \u201efreiwilligen\u201c Meldung aus dem Straflager zu entkommen. (25) Auch im Warthegau erfolgen Zugriff und Rekrutierung der Frauen \u00fcber die Beh\u00f6rden \u2013 Gesundheitsamt, Kriminalpolizei, Gestapo und Heeresstreifen beteiligen sich an Selektion und Verschaffung in die Bordelle. (26). Weiter \u00f6stlich erfolgt die Gewalt offensichtlicher: Frauen werden bei Razzien in Kinos, Caf\u00e9s und vor dem Arbeitsamt aufgegriffen, sie werden vor die Wahl gestellt, sich ins Bordell zu melden oder aber zum Arbeitseinsatz in Deutschland gebracht zu werden (oftmals mit der Folge, vergewaltigt, misshandelt, get\u00f6tet und von der Familie getrennt zu werden) (27) oder sie werden direkt verschleppt. (28)<\/p>\n<p>In einem Fall verschleppter M\u00e4dchen in ein Milit\u00e4rbordell in der Ukraine stellte sich nach \u00e4rztlicher Untersuchung heraus, dass 85% der jungen Frauen zum Zeitpunkt der Ankunft im Bordell noch jungfr\u00e4ulich gewesen waren. (29)<\/p>\n<p>Doch selbst wenn manche Meldung ins Bordell in einigen F\u00e4llen noch den Anschein von Freiwilligkeit haben sollte: Sp\u00e4testens bei \u201eArbeitsaufnahme\u201c wird klar, dass es sich um Zwangsprostitution handelt. Oft wird den Frauen ein Merkblatt ausgeh\u00e4ndigt, dass sie dar\u00fcber informiert, sie w\u00fcrden bei Nichteinhaltung der im Bordell geltenden Regeln in ein Konzentrationslager verbracht. (30)<\/p>\n<p>Im Bordell selbst werden die Frauen eingesperrt: der \u201eArbeitsvertrag\u201c, wenn es einen gibt, ist nicht einseitig k\u00fcndbar, Ausgang muss genehmigt werden und wenn, dann findet er nur begleitet statt, Urlaub zu Regenerationszwecken wird oft nicht genehmigt \u2013 auf \u201eArbeitsniederlegung\u201c, Verweigern der Zwangsuntersuchungen oder gar Flucht stehen Geld- und Gef\u00e4ngnisstrafen, Straf- oder Konzentrationslager. (31) Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Frauen, die sich im Bordell mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt hatten, vor allem im Osten Europas vom SD erschossen worden sind. (32)<\/p>\n<p>Die Wehrmacht versucht, ihren Soldaten einen Anreiz zu geben, die Bordelle zu nutzen statt die freie Prostitution: \u201eDie Qualit\u00e4t der M\u00e4dchen [sic!] wird laufend \u00fcberwacht und darauf gesehen, da\u00df nur jugendliche, ansehnliche und m\u00f6glichst h\u00fcbsche M\u00e4dchen eingestellt werden, weil nur auf diese Weise eine wirksame Konkurrenz zur freien Prostitution aufgenommen werden kann.\u201c (33) In der Folge kommt es in manchen Bordellen zu Massenandr\u00e4ngen wie im Bordell am Truppen\u00fcbungsplatz Neuhammer: \u201eIn der Zeit vom 4.3. \u2013 10.3.43 kamen durchschnittlich jeden Tag auf jede Prostituierte: im Ostlager 22, 6, im Westlager 25,7 Besucher. Am Sonntag, den 7.3.43, wurde die h\u00f6chste Besucherzahl mit 27,6 bzw. 46,5 je Prostituierte erreicht. Da die Bordelle erst 7 Tage in Betrieb sind, ist mit einer Steigerung obiger Besucherzahlen zu rechnen.\u201c (34)<\/p>\n<p>Vor allem aus Abh\u00f6rprotokollen l\u00e4sst sich erschlie\u00dfen, dass die soldatischen Freier um die Verbringungsmechanismen ins und um die Lebensbedingungen im Bordell gewusst haben: \u201eIn Warschau haben unsere Truppen vor der Haust\u00fcr Schlange gestanden. In Radom war der erste Raum voll, w\u00e4hrend die LKW-Leute drau\u00dfen standen. Jede Frau hatte in einer Stunde 14 bis 15 Mann. Sie haben da alle zwei Tage die Frau gewechselt.\u201c (35)<\/p>\n<p>Das fehlende Mitgef\u00fchl mit den Frauen erkl\u00e4rt sich mit dem traditionellen Anspruch des Siegers und Besatzers, die Frauen des Gegners sexuell missbrauchen zu k\u00f6nnen, aber auch mit rassistischen Motiven (so wurde Franz\u00f6sinnen und \u201eSlawinnen\u201c abgesprochen, \u00fcberhaupt eine Geschlechtsehre\u201c zu haben, an der sie verletzt werden k\u00f6nnten (36), zudem, sei, so die Soldaten, was den Frauen angetan worden war, nicht betr\u00e4chtlich, sie seien ja vorher schon Prostituierte gewesen. (37).<\/p>\n<p>Obwohl die Soldaten teilweise selbst konstatierten, die Wehrmachtsbordelle seien ein gewaltbesetztes Thema gewesen, hat sie das von den massenhaften Besuchen im Bordell, die f\u00fcr sie ja kein Zwang gewesen sind, nicht abgehalten. Den vom Staat f\u00fcr sie bereitgestellten Raum, sexuelle Gewalt auszu\u00fcben, haben damit viele von ihnen freiwillig genutzt. Dies diente nicht nur der sexuellen Bed\u00fcrfnisbefriedigung, sondern auch der Identit\u00e4tsversicherung als Mann und als Besatzer sowie der Verst\u00e4rkung der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer handlungsf\u00e4higen Tat- bzw. T\u00e4tergemeinschaft. W\u00e4hrend die soldatischen Freier allerdings noch lange nach dem Krieg recht offen \u00fcber ihre als \u201eerotische Heldentaten\u201c empfundenen Handlungsweisen gesprochen und teilweise damit geprotzt haben, war es f\u00fcr die Frauen, die die Bordelle \u00fcberlebt haben, nach dem Krieg lebensgef\u00e4hrlich, \u00fcber das zu sprechen, was ihnen geschehen ist: der Ausschluss aus der Gesellschaft in ihrer Heimat war die Folge, teilweise aber auch Gef\u00e4ngnis, Deportation oder Todesstrafen wegen vermeintlicher \u201eKollaboration mit dem Feind\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEin geschlechtskranker Soldat kann keinen Dienst leisten; selbstverschuldete Dienstunf\u00e4higkeit aber ist eines deutschen Soldaten unw\u00fcrdig! 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