{"id":20656,"date":"2019-09-13T12:41:31","date_gmt":"2019-09-13T10:41:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=20656"},"modified":"2019-09-25T23:43:37","modified_gmt":"2019-09-25T21:43:37","slug":"wir-blockieren-am-ort-der-zerstoerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/09\/wir-blockieren-am-ort-der-zerstoerung\/","title":{"rendered":"Wir blockieren am Ort der Zerst\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_20686\" aria-describedby=\"caption-attachment-20686\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190823-_DSC2282.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-20686\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190823-_DSC2282-1024x577.jpeg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"385\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190823-_DSC2282-1024x577.jpeg 1024w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190823-_DSC2282-300x169.jpeg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190823-_DSC2282-600x338.jpeg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190823-_DSC2282-768x433.jpeg 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190823-_DSC2282.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-20686\" class=\"wp-caption-text\">Klimacamp im Rheinland, AUgust 2019 &#8211; Foto: Herbert Sauerwein<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\">Als wir uns an einem sonnigen Samstagmittag im Juni aus dem Demonstrationszug entlang des riesigen Tagebaus l\u00f6sen, Tausende Menschen in wei\u00dfen Anz\u00fcgen, unaufhaltsam die Polizeiketten durchflie\u00dfen und in Richtung des gigantischen Braunkohle-Baggers gehen, sp\u00e4testens da ist klar: Kohleausstieg ist immer noch Handarbeit. 2038, wie von der Kohlekommission vorgeschlagen, ist kein Ausstiegsdatum, mit dem wir ruhig schlafen k\u00f6nnen. Die Klimakrise ist bereits grausame Realit\u00e4t, Menschen vor allem im globalen S\u00fcden leiden unter Rekordhitze und Wassermangel. Wenn wir die Erderhitzung nicht auf 1,5 Grad begrenzen, droht eine Klimakatastrophe, die zu allererst die \u00c4rmsten dieser Welt treffen wird und letztlich uns allen die Zukunft raubt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Mit dem bisher gr\u00f6\u00dften Protest-Wochenende gegen Kohle hat Ende Gel\u00e4nde diesen Sommer gezeigt: Der unm\u00f6gliche Vorschlag von Regierung, Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen f\u00fcr 19 weitere Jahre Kohle hat die Bewegung f\u00fcr Klimagerechtigkeit nicht befriedet. Im Gegenteil: Sie ist st\u00e4rker als je zuvor. Zusammen mit Fridays for Future und dem B\u00fcndnis Alle D\u00f6rfer bleiben ist es uns gelungen, 10.000 Menschen ins Rheinland zu bringen, die sich geschlossen gegen die zerst\u00f6rerische Braunkohle-Industrie gestellt haben \u2013 darunter viele Menschen, die zum ersten Mal zivilen Ungehorsam geleistet haben.<\/p>\n<h5>Kommissions-Debakel<\/h5>\n<p align=\"justify\">H\u00e4tten wir das im Februar 2019 f\u00fcr m\u00f6glich gehalten? Nach der Aktionswoche gegen die Kohlekommission im Februar blieb ein Gef\u00fchl der Hilflosigkeit. Ja, im Hambacher Forst hatte die Klima-Bewegung im Herbst 2018 einen Etappensieg errungen: Mit Baumh\u00e4usern, Waldspazierg\u00e4ngen und zivilem Ungehorsam hatten Besetzer*innen und Spazierg\u00e4nger*innen gemeinsam die Rodung gestoppt. Dann legte Ende Gel\u00e4nde nach und blockierte Ende Oktober den Tagebau, der den Wald und das Klima bedroht. Unsere Forderungen nach sofortigem Kohleausstieg und Systemwandel waren so pr\u00e4sent wie nie zuvor und wurden von immer mehr Menschen geteilt. Doch f\u00fcr den politischen Prozess des Kohleausstiegs hatte das keine Auswirkungen; in der Kohlekommission siegten die Interessen der Kohle-Konzerne. Wir waren frustriert, obwohl wir eigentlich nichts anderes erwartet hatten.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ein halbes Jahr und eine Massenaktion sp\u00e4ter ist das Thema Klima pr\u00e4senter als je zuvor. Das ist vor allem Fridays for Future zu verdanken. Die streikenden Sch\u00fcler*innen haben die Klimakrise in die Talkshows und an die Abendbrottische gebracht. Doch bei den w\u00f6chentlichen Demonstrationen f\u00fcrs Klima bleiben die Forderungen oft vage: Woran liegt es, dass Deutschland seine Klimaziele nicht einh\u00e4lt? Was ist es, das wir grundlegend \u00e4ndern m\u00fcssen? Um das aufzuzeigen, m\u00fcssen wir uns die konkreten Orte anschauen, an denen die Klimakrise produziert wird. Das sind nicht in erster Linie die Schnitzel oder die Plastikt\u00fcten. Das ist die fossile Industrie.<\/p>\n<h5>Kohle-Gruben sind Orte der Zerst\u00f6rung<\/h5>\n<p align=\"justify\">Braunkohle ist der dreckigste Energietr\u00e4ger und Deutschland ist das Land, das weltweit am meisten Braunkohle verfeuert. Weder der Hambi noch die Kohlekommission haben daran etwas ge\u00e4ndert. Jeden Tag baggern die riesigen Kohle-Bagger weiter. Jeden Tag sto\u00dfen deutsche Kohle-Kraftwerke mehr CO2 aus als ganze L\u00e4nder. Nicht Menschen im globalen S\u00fcden werden von dem zerst\u00f6rerischen Wirtschaftsmodell der Kohle-Konzerne bedroht, auch Sch\u00fcler*innen, die ihre Zukunft verlieren, und Tagebau-Betroffene, die ihre D\u00f6rfer verlieren. Mit dem gro\u00dfen gemeinsamen Protest-Wochenende im Rheinland ist es gelungen, das deutlich zu machen. Wir haben den Finger in die klaffende Wunde der Tagebaue gelegt und gezeigt: Ein \u201eWeiter so\u201c gibt es nicht \u2013 nicht mit uns!<\/p>\n<p align=\"justify\">Nun setzt die Regierung zum n\u00e4chsten Befriedungsversuch an: Ein Klimakabinett soll am 20. September Vorschl\u00e4ge pr\u00e4sentieren, wie die Klimakrise noch gestoppt werden kann. Es ist der Versuch von CDU\/CSU und SPD, ihren internen Streit in der Klimapolitik beizulegen und mit Kleinstma\u00dfnahmen wie einem viel zu niedrigen CO2-Preis der \u00d6ffentlichkeit vorzugaukeln, das Problem sei gel\u00f6st. Das wird nicht gelingen: F\u00fcr den 20. September sind die bisher gr\u00f6\u00dften Proteste von Fridays for Future geplant, auch Erwachsene sollen dieses Mal mitstreiken. Ende Gel\u00e4nde ruft dazu auf, sich den Protesten anzuschlie\u00dfen \u2013 und auch zivilen Ungehorsam zu leisten. Das ist wichtig, um einen Gegenpunkt zu setzen zu den unzureichenden Vorschl\u00e4gen der Regierung. Es ist auch wichtig, damit wir uns die eigene Handlungsf\u00e4higkeit erhalten. Doch was kommt dann?<\/p>\n<h5>Systemwandel selber machen<\/h5>\n<p align=\"justify\">Wir d\u00fcrfen nicht noch einmal auf den politischen Prozess starren wie das sprichw\u00f6rtliche Kaninchen. Wir brauchen eigene, konkrete Ziele auf unserem Weg zu Klimagerechtigkeit und Systemwandel. Der sofortige Kohleausstieg ist ein konkreter und zentraler Schritt auf diesem Weg. Deshalb d\u00fcrfen wir uns nicht vom Klimakabinett in die Irre f\u00fchren lassen. Wir m\u00fcssen zur\u00fcck zum Ort der Zerst\u00f6rung und weiter den Finger in die Wunde legen. Ende Gel\u00e4nde plant dieses Jahr deshalb noch eine zweite Aktion zivilen Ungehorsams. In der Lausitz, unweit von Berlin, stehen drei dreckige Braunkohle-Kraftwerke, f\u00fcr die es keinen Abschaltplan gibt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ein Tagebau soll sogar noch erweitert werden. Einem ganzen Dorf, Proschim, das sich selbst komplett mit erneuerbaren Energien versorgt, droht deshalb die Abbaggerung. Dabei ist jetzt schon klar, dass der tschechische Kohle-Konzern LEAG die Lausitz im Stich lassen wird, sobald sich das Braunkohle-Gesch\u00e4ft nicht mehr rentiert. Bereits 2016 hat Ende Gel\u00e4nde ein ganzes Wochenende lang die Braunkohle-Bagger in der Lausitz zum Stillstand gebracht. Es war keine einfache Aktion. Wir haben lokale Nazi-Strukturen gegen uns aufgebracht und als diese uns angriffen, lies die Polizei sie gew\u00e4hren. Wir wissen also: Protest gegen Kohle in der Lausitz ist kein Spaziergang. Aber aus Angst vor den Rechten in Unt\u00e4tigkeit verharren kann keine Option sein \u2013 das tut schon die Politik. Wo sie versagt, werden wir aktiv: mit Schutzkonzepten, einem klar abgesteckten Aktionsziel und Aktionszeitraum.<\/p>\n<h5>Fazit<\/h5>\n<p align=\"justify\">Wenn das Klimakabinett am 20. September 2019 sein Versagen pr\u00e4sentiert, sind wir nicht frustriert \u2013 sondern schon mitten in den Planungen f\u00fcr eine Aktion in der Lausitz. W\u00e4hrend die Regierung beim Kohleausstieg keinen Schritt voran kommt, nehmen wir die Sache selbst in die Hand. Wann und wie genau, m\u00fcssen wir gemeinsam mit anderen Akteuren besprechen, vor allem mit den Menschen aus dem lokalen Kohle-Widerstand. Eines jedenfalls ist sicher: Die Kohle-Bagger werden nur stillstehen, wenn wir sie mit unseren K\u00f6rpern blockieren. Auf geht\u2019s, ab geht\u2019s, in die Lausitz!<\/p>\n<p align=\"right\"><strong>Lara von Ende Gel\u00e4nde<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Wenn ihr Euch an den Planungen beteiligen m\u00f6chtet, schreibt bitte an lausitz@ende-gelaende.org<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als wir uns an einem sonnigen Samstagmittag im Juni aus dem Demonstrationszug entlang des riesigen Tagebaus l\u00f6sen, Tausende Menschen in wei\u00dfen Anz\u00fcgen, unaufhaltsam die Polizeiketten durchflie\u00dfen und in Richtung des gigantischen Braunkohle-Baggers gehen, sp\u00e4testens da ist klar: Kohleausstieg ist immer noch Handarbeit. 2038, wie von der Kohlekommission vorgeschlagen, ist kein Ausstiegsdatum, mit dem wir ruhig &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/09\/wir-blockieren-am-ort-der-zerstoerung\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":502,"featured_media":20685,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Wir blockieren am Ort der Zerst\u00f6rung - graswurzelrevolution","description":"Klimacamp im Rheinland, AUgust 2019 - Foto: Herbert Sauerwein Als wir uns an einem sonnigen Samstagmittag im Juni aus dem Demonstrationszug entlang des riesigen"},"footnotes":""},"categories":[1051,1029],"tags":[],"class_list":["post-20656","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-441-september-2019","category-prima-klima"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20656","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/502"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20656"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20656\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20685"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20656"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20656"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20656"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}