{"id":20792,"date":"2019-10-10T02:16:04","date_gmt":"2019-10-10T00:16:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=20792"},"modified":"2019-10-10T02:26:05","modified_gmt":"2019-10-10T00:26:05","slug":"graswurzelbewegung-gegen-die-klimakatastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/10\/graswurzelbewegung-gegen-die-klimakatastrophe\/","title":{"rendered":"Graswurzelbewegung gegen die Klimakatastrophe"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Ziel dieser generationen\u00fcbergreifenden Graswurzelbewegung war und ist es, \u201ef\u00fcr konsequente Klimapolitik und die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels zu demonstrieren\u201c, so FFF. In 163 L\u00e4ndern und 2.900 St\u00e4dten beteiligten sich die Menschen unter dem Motto #AlleF\u00fcrsKlima an den Protesten und direkten gewaltfreien Aktionen gegen die katastrophale Klimapolitik. In Deutschland demonstrierten laut tagesschau.de \u00fcber 1,4 Millionen Menschen in \u00fcber 600 St\u00e4dten. In Berlin gingen Hunderttausende auf die Stra\u00dfe, in K\u00f6ln waren es \u00fcber 70.000, in Hamburg \u00fcber 100.000, in M\u00fcnchen \u00fcber 40.000. Auch in kleineren St\u00e4dten beteiligten sich viele Menschen von jung bis alt. In der 310.000 Einwohner*innen-Stadt M\u00fcnster, dem Redaktionssitz der Graswurzelrevolution, gingen 25.000 Menschen auf die Stra\u00dfe, so viele wie noch nie und doppelt so viele wie zuletzt bei den gro\u00dfen lokalen Demos gegen Nazis und AfD. <\/span><span lang=\"de-DE\">In Freiburg beteiligten sich nach Angaben von GWR Abo &amp; Vertrieb sogar 30.000 der 230.000 Freiburger*innen an der lokalen Demonstration. Auch in vielen anderen St\u00e4dten fanden am 20. September die gr\u00f6\u00dften Demonstrationen seit Jahrzehnten statt. Gro\u00dfartig!<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Umso grotesker wirken die \u201eAntworten\u201c, die die Bundesregierung noch am gleichen Tag der \u00d6ffentlichkeit in Form eines \u201eKlimapaketes\u201c als angeblichen \u201eDurchbruch\u201c pr\u00e4sentierte. Auf tagesschau.de kommentierte der Klimaforscher Mojib Latif das \u201eKlimapaket\u201c treffend: \u201eMein Urteil f\u00e4llt vernichtend aus. <\/span><span lang=\"de-DE\">Also, das ist weit hinter dem zur\u00fcckgeblieben, was ich mir vorgestellt habe. Man muss es so deutlich sagen: Das ist fast eine Nullnummer. (\u2026) Mit solchen Mini-Schritten wird man die Klimaziele, die Deutschland angek\u00fcndigt hat, niemals erreichen.\u201c<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Tats\u00e4chlich hat sicher kaum jemand damit gerechnet, dass die von Auto-, Kohle- und anderen kapitalistischen Lobbyist*innen dominierte Bundesregierung ein \u201eKlimapaket\u201c schn\u00fcrt, das zur Milderung der Klimakatastrophe beitragen kann. Deutschland ist der weltweit gr\u00f6\u00dfte Braunkohlef\u00f6rderer, noch vor China. Sieben der zehn dreckigsten Kraftwerke Europas stehen in der Bundesrepublik. Allein das Kohlekraftwerk Neurath st\u00f6\u00dft im Jahr so viele Abgase aus wie der gesamte innerdeutsche Flugverkehr in zw\u00f6lf Jahren. \u201eBraunkohle ist nicht nur die ineffizienteste Form der fossilen Energiegewinnung, sondern auch die, die am st\u00e4rksten zum Klimawandel beitr\u00e4gt\u201c, so hei\u00dft es in einer Sonderbeilage der Monatszeitung \u201eanalyse &amp; Kritik\u201c (ak) vom Herbst 2019.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die Bundesregierung f\u00f6rdert den Braunkohleabbau durch Steuererleichterungen und andere Verg\u00fcnstigungen. Zwischen einer Milliarde Euro (Gutachten im Auftrag des Bundesumweltamtes von 2004) und 15 Milliarden Euro (Gutachten im Auftrag von Greenpeace) betr\u00e4gt die verdeckte Subvention der Braunkohle j\u00e4hrlich. Deshalb kommt immer noch mehr als ein Drittel des Stroms in Deutschland aus Kohlekraftwerken, 60 Prozent davon aus Braunkohle. <\/span>\u201e<span lang=\"de-DE\">Mit der Braunkohlef\u00f6rderung belastet Deutschland auch die Nachbarl\u00e4nder. Wegen der enormen Strom\u00fcbersch\u00fcsse exportiert die Bundesrepublik Strom billig oder sogar kostenlos. Das f\u00fchrt dazu, dass in anderen L\u00e4ndern sauberere Gaskraftwerke abgeschaltet werden und Windr\u00e4der nicht ans Netz gehen\u201c, so die Kolleg*innen von ak. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Bundesregierung hat im \u201eKohlekompromiss\u201c festgelegt, erst 2038 aus der, die Klimakatastrophe befeuernden, Kohlef\u00f6rderung auszusteigen. Das ist Klimakillerpolitik! Was ist von dem \u201eKlimapaket\u201c der Regierung zu erwarten, die den Kohleabbau f\u00f6rdert? <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span lang=\"de-DE\">Was die Regierung da jetzt vorgelegt hat, kann angesichts der Dramatik der Klimakatastrophe und angesichts der Forderungen aus der Gesellschaft nur blankes Entsetzen hervorrufen\u201c, so Dr. R\u00fcdiger Haude, der sich unter anderem bei den Scientists for Future engagiert. <\/span><span lang=\"de-DE\">Der Aachener Wissenschaftler und Aktivist erw\u00e4hnt im Gespr\u00e4ch mit der Graswurzelrevolution-Redaktion drei Ma\u00dfnahmen, die das Kabinett allen Ernstes als \u201eKlimaschutzma\u00dfnahmen\u201c anbiete: Erh\u00f6hung der Pendlerpauschale, Senkung des Strompreises und versch\u00e4rfte Abstandsregelungen f\u00fcr Windkraftanlagen. \u201eDie beiden ersten Ma\u00dfnahmen haben die Wirkung, den Energieverbrauch zu erh\u00f6hen, der doch drastisch gesenkt werden m\u00fcsste. Die dritte Ma\u00dfnahme verhindert, dass die Stromerzeugung erneuerbar werden kann, denn mit der neuen Regelung werden sich kaum noch Fl\u00e4chen finden lassen, auf denen neue Anlagen errichtet werden k\u00f6nnen \u2013 au\u00dfer im Wald, wo die Akzeptanzproblematik ja eher gr\u00f6\u00dfer als anderswo ist. Der ganze Rest ist \u2013 um das Wort der Kanzlerin zu bem\u00fchen \u2013 Pillepalle\u201c, so Haude. Das Versagen der Bundesregierung zeige sich bereits darin, dass sie st\u00e4ndig \u201edie Klimaziele\u201c beschw\u00f6re, als handele es sich um eine naturgegebene Gr\u00f6\u00dfe: \u201eGemeint sind die v\u00f6llig veralteten Pl\u00e4ne der Bundesregierung und der EU, wonach selbst 2050 immer noch gro\u00dfe Mengen CO2 emittiert werden sollen. Die aus dem Pariser Klima\u00fcbereinkommen resultierenden Notwendigkeiten werden ignoriert.\u201c Selbst diese \u00e4u\u00dferst mutlosen Ziele m\u00fcssten mit dem Armutszeugnis des \u201eKlimakabinetts\u201c notwendig verfehlt werden. <\/span><span lang=\"de-DE\">Haude fragt sich, ob die Bundesregierung am 20. September den Protestierenden auf den Stra\u00dfen in Deutschland einfach den Stinkefinger zeigen wollte oder zu politischem Handeln inzwischen v\u00f6llig unf\u00e4hig sei. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">\u00c4hnlich perplex reagierten auch die jungen Aktivist*innen von Fridays for Future auf das \u201eKlimapaket\u201c. In ihrer Presseerkl\u00e4rung vom 21. September hei\u00dft es: \u201eAuch 24 Stunden sp\u00e4ter scheint das, was wir gestern erleben durften, immer noch surreal. Es ist ein klares Signal nach Berlin, ein klares Signal an die Politik: Ihr werdet eurer Verantwortung den zuk\u00fcnftigen Generationen gegen\u00fcber nicht gerecht! Doch in der Politik ist das wohl nicht angekommen. Zumindest erh\u00e4lt man diesen Eindruck, wenn man einen Blick auf die Ma\u00dfnahmen wirft, die man dort als \u201aDurchbruch\u2018 zu deklarieren versucht.\u201c Das 1,5-Grad-Ziel werde Deutschland mit diesen Ma\u00dfnahmen verfehlen. F\u00fcr die heutigen sowie die nachfolgenden Generationen bedeute das eine instabile Zukunft, sogar eine existentielle Bedrohung. <\/span>\u201e<span lang=\"de-DE\">Wir werden nicht l\u00e4nger dabei zusehen, wie die Menschheit weiterhin an dem Ast s\u00e4gt, auf dem sie sitzt. Das hier ist noch lange nicht das Ende. Wenn \u00fcberhaupt, ist es erst der Anfang. Wir lassen uns mit Pseudo-Klimaschutzma\u00dfnahmen wie diesen nicht abspeisen! We are unstoppable!\u201c, so die klare Ansage von FFF.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Passend dazu warnt der Weltklimarat IPCC in einem neuen Bericht am 24. September vor einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels. Wenn der Aussto\u00df von Treibhausgasen nicht drastisch reduziert werde, drohten K\u00fcsten und Inseln unterzugehen. Fakten! <\/span><span lang=\"de-DE\">Wie viele Warnungen und Forschungsergebnisse muss es noch geben, damit sich endlich etwas \u00e4ndert?<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong>\u201e<span lang=\"de-DE\"><span lang=\"en-US\">System Change not Climate Change\u201c<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span lang=\"de-DE\">Die Demos der Klima-Gerechtigkeits-Bewegung und soziale K\u00e4mpfe f\u00fcr Seenotrettung, gegen h\u00f6here Mieten, Hausbesetzungen, Aktionen gegen die AfD, das muss alles zusammen gesehen werden. Ziviler Ungehorsam und Gewaltfreie Aktion sind jetzt einfach wichtig, um mehr Druck zu machen. Daf\u00fcr w\u00e4re es gut, wenn die Bewegung tiefer inhaltlich reflektiert, wie es teilweise beim FFF-Kongress in Dortmund lief. Ich finde es toll, wie breit die Bewegung schon ist: Es gab dieses Jahr schon so viele Aktionen und Camps zum Klimathema \u00fcberall auf der Welt, dass selbst ich langsam den \u00dcberblick verliere. Jetzt gerade wird das Kunstd\u00fcnger-Werk von Yara bei Brunsb\u00fcttel blockiert (1)\u201c, so der Klimaaktivist Heinz Wittmer im Gespr\u00e4ch mit der GWR.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Anders als die begeisterten Menschen aus den neuen sozialen Bewegungen, ereiferten sich nach den ph\u00e4nomenalen Demos und der bewegenden Rede der 16j\u00e4hrigen Klimaaktivistin Greta Thunberg am 22. September vor der UNO (siehe Seite 2), Prominente wie Dieter Bohlen und weniger prominente M\u00e4nner in den \u201esozialen Medien\u201c gegen das \u201epsychisch kranke Kind\u201c und die von ihr mit inspirierte FFF-Bewegung.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Auf was f\u00fcr einen rechten Dammbruch wir uns nach dem bevorstehenden Abgang von Angela Merkel einstellen k\u00f6nnen, machte wieder mal ein Multimillion\u00e4r und M\u00f6chtegernkanzlerkandidat deutlich. Der CDU-Rechtsau\u00dfen Friedrich Merz polterte am 22.\u00a0September mit Bezug auf die FFF-Demos und Greta Thunbergs Rede im AfD-Stil auf Twitter: \u201eHinter den Forderungen nach radikalen L\u00f6sungen steckt nicht der Wunsch nach mehr #Klimaschutz. Der eine oder die andere spricht es ja auch ganz offen aus: Es geht gegen unsere freiheitliche Lebensweise, um die Zerst\u00f6rung der marktwirtschaftlichen Ordnung.\u201c<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">In gewisser Weise liegt Merz gar nicht so falsch. Wenn die Menschheit \u00fcberleben und die Klimakatastrophe und das Artensterben eind\u00e4mmen will, muss sie sich von der \u201efreiheitlichen Lebensweise\u201c des Vielprivatjetfliegers Merz verabschieden, Zucker in den Kerosintank kippen und vom wachstumsorientierten Denken Abschied nehmen, das uns bisher alle mehr oder weniger pr\u00e4gte. Ein \u00dcberleben der Menschheit und echte Klimagerechtigkeit ist letztlich nur durch ein \u00dcberwinden des Kapitalismus m\u00f6glich.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Ein System, das auf Ausbeutung der Natur und des Menschen durch den Menschen beruht, geh\u00f6rt auf den Misthaufen der Geschichte. Wir brauchen eine menschen- und klimagerechte, \u00f6kologisch vertr\u00e4gliche und solidarische Gesellschaft. Eine gerechtere Welt, in der die Bed\u00fcrfnisse von allen Menschen z\u00e4hlen und nicht die Gier von wenigen, ist m\u00f6glich. Wer, wenn nicht die neuen globalen, gewaltfreien Massenbewegungen sollte das durchsetzen k\u00f6nnen? <\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><strong><span lang=\"de-DE\">Bernd Dr\u00fccke<\/span><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ziel dieser generationen\u00fcbergreifenden Graswurzelbewegung war und ist es, \u201ef\u00fcr konsequente Klimapolitik und die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels zu demonstrieren\u201c, so FFF. In 163 L\u00e4ndern und 2.900 St\u00e4dten beteiligten sich die Menschen unter dem Motto #AlleF\u00fcrsKlima an den Protesten und direkten gewaltfreien Aktionen gegen die katastrophale Klimapolitik. 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