{"id":20794,"date":"2019-10-10T02:01:01","date_gmt":"2019-10-10T00:01:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=20794"},"modified":"2019-11-11T01:45:33","modified_gmt":"2019-11-10T23:45:33","slug":"autos-raus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/10\/autos-raus\/","title":{"rendered":"Autos raus!"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_20875\" aria-describedby=\"caption-attachment-20875\" style=\"width: 199px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/gwr442_IMG_20190914_140433.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-20875\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/gwr442_IMG_20190914_140433-169x300.jpg\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"353\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/gwr442_IMG_20190914_140433-169x300.jpg 169w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/gwr442_IMG_20190914_140433-300x531.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/gwr442_IMG_20190914_140433-600x1063.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/gwr442_IMG_20190914_140433-768x1360.jpg 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/gwr442_IMG_20190914_140433-578x1024.jpg 578w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/gwr442_IMG_20190914_140433.jpg 903w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-20875\" class=\"wp-caption-text\">Frankfurt\/M., 14.9.2019: 18.000 Farradfahrer*innen gegen die Autolobbymesse IAA. Foto: Nicolai Hagedorn<\/figcaption><\/figure>\n<p><span lang=\"de-DE\">Da radelten dann also am 14. September rund 18.000 Demonstrant*innen durch die Frankfurter City \u00fcber gesperrte Stra\u00dfen, auf denen man sonst nur mit ordentlich Mut Fahrrad fahren kann. <\/span><span lang=\"de-DE\">Wo also im Normalfall tausende Blechkisten, in denen jeweils ein einzelner Pendler hockt, Einfallstra\u00dfen wie die Friedberger Landstra\u00dfe verstopfen und daf\u00fcr sorgen, dass man kein Kind alleine auf den Basketballplatz lassen kann, weil der auf der anderen Seite der vierspurigen Stra\u00dfe liegt, war Ruhe eingekehrt. <\/span><span lang=\"de-DE\">Und es ist tats\u00e4chlich eine erstaunliche Erfahrung, in einer deutschen Gro\u00dfstadt die V\u00f6gel zwitschern h\u00f6ren zu k\u00f6nnen. Statt L\u00e4rm, Gestank und dem t\u00e4glichen Stra\u00dfenkrieg tausende Fahrradfahrer*innen und Kinder, die sich frei in der Stadt und auf ihren Fahrr\u00e4dern bewegen k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die nicht enden wollende Karawane, die sich, aus allen Himmelsrichtungen kommend, in Frankfurt zu einem beeindruckenden Korso vereinte und die t\u00e4gliche Blechkatastrophe zumindest f\u00fcr einige Stunden verjagt hatte, lie\u00df erahnen, wie eine vom Individualverkehr befreite Gesellschaft aussehen, riechen und sich anh\u00f6ren w\u00fcrde und trieb manchem und mancher Tr\u00e4nen der R\u00fchrung in die Augen &#8211; was hier anl\u00e4sslich der #aussteigen-Demonstration, an der nach Veranstalterangaben bis zu 25.000 Menschen teilnahmen, stattfand, war tats\u00e4chlich ein Anti-Auto-Happening, das auch notorische Dauerdemonstrant*innen selten erlebt haben d\u00fcrften, ein beeindruckendes Statement f\u00fcr die Eind\u00e4mmung des Individualverkehrs mindestens innerhalb der St\u00e4dte.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Bereits seit dem fr\u00fchen Morgen hatten sich aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet Fahrradkorsos auf den Weg Richtung Bankenmetropole gemacht, um ihrem Unmut \u00fcber die nicht vorankommende Verkehrswende Ausdruck zu verleihen. In Mannheim starteten die Teilnehmer*innen bereits in den fr\u00fchen Morgenstunden um zwanzig vor sechs, weitere Startpunkte waren Wiesbaden, Mainz, Aschaffenburg oder Gie\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Besonders erfreulich an diesem \u00fcberaus erfreulichen Tag: Den meisten Teilnehmer*innen sind angesichts der zu bew\u00e4ltigenden Aufgaben Minimalforderungen wie Umstieg auf E-Autos oder autofreie Innenst\u00e4dte zu wenig. <\/span><span lang=\"de-DE\">Sowohl in den Reden bei der Abschlusskundgebung, als auch in Gespr\u00e4chen unter den Teilnehmenden, war eher Tenor, dass es ganz grunds\u00e4tzliche L\u00f6sungen geben m\u00fcsse, um die durch die Automassen verursachten Emissionen zu reduzieren und den Autoverkehr m\u00f6glichst umfassend zu \u00fcberwinden. Es bleibt zu hoffen, dass sich die formierende Massenbewegung von Ablenkman\u00f6vern nicht abhalten l\u00e4sst und es stattdessen schafft, den politischen Druck zu erh\u00f6hen. Dass sie in diesem Fall mit dem Frankfurter Oberb\u00fcrgermeister Peter Feldmann, der von den IAA-Veranstaltern ausgeladen worden war, weil er eine Auto-kritische Rede halten wollte, sogar einen Spezialdemokraten an ihrer Seite hatte, ist zwar nur eine Randerscheinung, aber durchaus bemerkenswert. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Frankfurter CDU qu\u00e4len derweil ganz andere Sorge, als der Erhalt der Bewohnbarkeit des Planeten, was sie umgehend in einer Pressemitteilung wissen lie\u00df: \u201eSollte der Messestandort Frankfurt jemals in Frage gestellt werden, ginge dieser schwere Verlust f\u00fcr die Stadt klar auf Peter Feldmanns Konto.\u201c<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">F\u00fcr die sich tats\u00e4chlich massenhaft und vergleichsweise handlungsf\u00e4hig formierende Klimabewegung ist in Sachen Verkehr die jahrzehntelange so hemmungs- wie r\u00fccksichtslose Automobilmachung in Deutschland das richtige Ziel der Proteste. <\/span><span lang=\"de-DE\">Von den gro\u00dfen CO2-Emmissionsquellen Energiewirtschaft, Industrieproduktion und Verkehr werden mit der Kohleverstromung und dem Individualverkehr nun mit der Ende Gel\u00e4nde- und der aussteigen-Bewegung exakt die richtigen, weil relevantesten Emmissionsquellen angegriffen. Selbstverst\u00e4ndlich wird auch \u00fcber eine R\u00fcckf\u00fchrung etwa des Flugverkehrs zur reden sein, allerdings tun die Aktivist*innen gut daran, sich zun\u00e4chst besonders auf die Faktoren zu konzentrieren, die den Gro\u00dfteil der Emissionen ausmachen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Zahlen sprechen da eine deutliche Sprache. Wie das Umweltbundesamt mitteilt, wird der Emissionstrend \u201efast ausschlie\u00dflich durch die Emissionen des Stra\u00dfenverkehrs dominiert, welche um die 95 Prozent der Verkehrsemissionen ausmacht.\u201c <\/span><span lang=\"de-DE\">Die \u00fcbrigen f\u00fcnf Prozent verkehrsbedingter Emissionen verteilen sich auf \u201eSchienen-, Schiffs- und Flugverkehr\u201c.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Der ideelle Gesamtkapitalist, also die jeweiligen Regierungen und staatlichen Beh\u00f6rden, unter der Fuchtel deutscher Wirtschaftsinteressen, sind nicht in der Lage, die Emissionen auch nur zu senken, das ist bei vielen Demonstrant*innen l\u00e4ngst angekommen. Nur Selbstorganisation, die Erlangung politischer Handlungsf\u00e4higkeit und dadurch aufzubauender gesellschaftlicher und politischer Druck k\u00f6nnen die Verkehrswende herbeif\u00fchren, eine These, die an den beiden Wochenendtagen allgegenw\u00e4rtig ist \u2013 man politisiert sich.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Dass es nicht schnell genug gehen kann damit, und dass das Problem bei der Mehrheit des nach wie vor blechverliebten Deutschvolkes nach wie vor nicht angekommen ist, zeigt eine aktuelle \u201eSpiegel\u201c-Recherche: \u201eAnfang 2019 kamen in der Bundesrepublik auf 1000 Einwohner 567 Pkw &#8211; ein historischer H\u00f6chststand.(&#8230;) Im Jahr zuvor hatte der Wert bei 561 Pkw gelegen, im Jahr 2008 waren es erst 501.\u201c <\/span><span lang=\"de-DE\">Da kann man angesichts der bevorstehenden Klimakatastrophe nur noch staunen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Am Sonntag nach der Gro\u00dfdemo gelang dem B\u00fcndnis \u201eSand im Getriebe\u201c noch ein Erfolg, als hunderte Aktivist*innen mehrere Eing\u00e4nge der IAA, darunter die beiden Haupteing\u00e4nge mehrere Stunden lang blockieren konnten. <\/span><span lang=\"de-DE\">Um die Blechmesse g\u00e4nzlich dichtzumachen, fehlte es an Masse und Willen zur Konfrontation mit den anwesenden Hundertschaften der Polizei. Noch.<\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><strong><span lang=\"de-DE\">Nicolai Hagedorn<\/span><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da radelten dann also am 14. September rund 18.000 Demonstrant*innen durch die Frankfurter City \u00fcber gesperrte Stra\u00dfen, auf denen man sonst nur mit ordentlich Mut Fahrrad fahren kann. Wo also im Normalfall tausende Blechkisten, in denen jeweils ein einzelner Pendler hockt, Einfallstra\u00dfen wie die Friedberger Landstra\u00dfe verstopfen und daf\u00fcr sorgen, dass man kein Kind alleine &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/10\/autos-raus\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":502,"featured_media":20996,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Autos raus! - graswurzelrevolution","description":"Frankfurt\/M., 14.9.2019: 18.000 Farradfahrer*innen gegen die Autolobbymesse IAA. 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