{"id":20796,"date":"2019-10-08T10:47:49","date_gmt":"2019-10-08T08:47:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=20796"},"modified":"2019-10-10T15:57:01","modified_gmt":"2019-10-10T13:57:01","slug":"sounds-for-climate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/10\/sounds-for-climate\/","title":{"rendered":"Sounds for Climate"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Im \u201eTuchwerk\u201c, einer alten Textilfabrikanlage, die heute von kulturellen Initiativen genutzt wird, gab es von 12 bis 22 Uhr abends ein klimabewegtes Programm aus musikalischen Acts, Redebeitr\u00e4gen, veganem Essen und Infost\u00e4nden klimapolitischer Initiativen. \u201eSounds for Climate\u201c (S4C) wurde vom Hambi Support Aachen organisiert. Der Liedermacher Gerd Schinkel war mit zwei Bandkollegen als Trio angereist und er\u00f6ffnete das Musikprogramm mit seinen nachdenklichen bis ironischen politischen Texten. <\/span><span lang=\"de-DE\">Innerhalb des letzten Jahres hat er \u00fcber hundert Songs geschrieben, die sich in ergreifender Poesie mit dem europ\u00e4ischen Klimakiller Nr. 1 befassen: dem rheinischen Braunkohlerevier. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die K\u00e4mpfe um den Hambacher Wald hat er so intensiv musikalisch begleitet wie wohl kein zweiter Musiker.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Als ein weiteres Urgestein der Protestmusik trat Klaus der Geiger auf, dessen furiose Violine kongenial mit der Gitarre von Marius Peters in Dialog trat. Klaus hat schon vor einem gef\u00fchlten halben Jahrhundert gegen den \u201eBagger von Rheinbraun\u201c angesungen, und tat dies auch diesmal mit der ihm eigenen Gef\u00fchlsintensit\u00e4t, deren Authentizit\u00e4t au\u00dfer Zweifel steht.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Als weiterer Meister des Worts kam der \u201eKlavierkabarettist\u201c Bodo Wartke auf die B\u00fchne, der u.a. sein Lied \u201eDer Hambacher Wald\u201c vortrug. Auch dieses hatte 2018, wie das Engagement der beiden vorgenannten K\u00fcnstler, auf dem kulturellen Sektor zum Sieg der Klimagerechtigkeitsbewegung im Kampf gegen die Rodung des Hambi beigetragen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Der Hambi war beim Klimafestival in Aachen ein beherrschendes Thema. Eine Fotoausstellung des K\u00fcnstlers Todde Kemmerich \u00fcber den Wald zierte die Au\u00dfenw\u00e4nde der Fabrikgeb\u00e4ude; der Aktivist Clumsy, der in der Hambi-Siedlung Oaktown wohnt, berichtete vom Stand der Bewegung und vom Versuch des Konzerns RWE, den Wald auch ohne Rodung, durch aggressives Heranbaggern, zu zerst\u00f6ren. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Das Festival war bewusst auf den Jahrestag der R\u00e4umung durch den gr\u00f6\u00dften Polizeieinsatz in der Geschichte Nordrhein-Westfalens gelegt worden. Diese auf groteske L\u00fcgen gegr\u00fcndete Schandtat des Innenministers Herbert Reul (CDU) hatte am 19. September 2018 zum Tod des Aktivisten und Journalisten Steffen Meyn gef\u00fchrt. Das Festival hatte auch den Anspruch, dessen Credo als Blogger, \u201eVergissMeynNicht\u201c, umzusetzen, wie R\u00fcdiger Haude, einer der Organisatoren, zur Er\u00f6ffnung des Fests betonte.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Weitere Redebeitr\u00e4ge kamen u.a. von Vertreter*innen der Aachener Fridays-for-Future-Bewegung (wobei ein junger Sch\u00fcler, deutlich vor dem Stimmbruch, betonte, dass der Klimakampf \u201eein antikapitalistischer und anarchistischer Kampf\u201c sein m\u00fcsse), vom Waldp\u00e4dagogen Michael Zobel, und von einer Vertreterin der Aachener Sektion von \u201eExtinction Rebellion\u201c. <\/span><span lang=\"de-DE\">Nach den Worten Clumsys heizten The Bloodstrings dem Publikum ein, die ihren Stil als \u201efemale-fronted punk-a-billy\u201c bezeichnen und sonst durchaus auf gr\u00f6\u00dferen Festivals, z.B. Wacken, zuhause sind. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Der Schlussact und musikalische H\u00f6hepunkt wurde nach der einsetzenden Dunkelheit von den sieben Virtuos*innen von Final Virus geboten, die das musikalische Spektrum der Rockmusik in Dimensionen \u00fcberschreiten, von denen man zuvor kaum eine Idee hatte. <\/span><span lang=\"de-DE\">Beim letzten St\u00fcck holte Peter Sonntag, Bassist und Kopf der Band, die anwesenden Mitglieder des politischen Chores \u201eAndere Saiten\u201c auf die B\u00fchne, und zusammen mit der gro\u00dfartigen Stimme der Final-Virus-S\u00e4ngerin Missy Wainwright trug man eine Adaption des Beatles-Hits \u201eCome together\u201c vor, mit dem auffordernden Text der Anderen Saiten: \u201eAuf die Stra\u00dfe\u201c!<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Sounds for Climate war ein Fest, um die vergangenen Erfolge zu feiern und sich zu informieren und zu vernetzen. So wurde das Gel\u00e4nde von bis zu 600 Leuten belebt, die m\u00fchelos Coolness mit Awareness verkn\u00fcpften. <\/span><span lang=\"de-DE\">Ein junger Besucher sagte mir, er sei eigentlich nur f\u00fcr Final Virus gekommen, verlasse das Festival aber mit einem klaren Bewusstsein f\u00fcr die Klimaproblematik. Genauso war es gedacht gewesen. Und wenn am 20. September etwa 8000 Aachener*innen bei der \u00f6rtlichen Demo zum globalen Klimastreik teilnahmen, ist gewiss die eine oder der andere dabeigewesen, die oder der den Entschluss dazu am 14. September im Tuchwerk gefasst hat.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Wer beim Auf- und Abbau und w\u00e4hrend des Festivals dabei war, zeigte sich vor allem von einem Sachverhalt beeindruckt: Das f\u00fcnfk\u00f6pfige Orga-Team hatte zwar ein halbes Jahr mit der Planung und Vorbereitung des Festivals verbracht, verlie\u00df sich aber in der hei\u00dfen Phase auf die Eigeninitiative und Selbstorganisation der vielen Helfer*innen beim Schleppen und Schrauben, beim Getr\u00e4nkeverkauf, an der Sp\u00fclstation, den Ordnerdiensten, dem Spendensammeln, Aufr\u00e4umen usw. usf. <\/span><span lang=\"de-DE\">Und siehe da, alles griff nahtlos ineinander, man hatte den Eindruck einer perfekten Organisation. Ganz ohne Zentrale: Es war ein Festtag der Selbstorganisation.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">F\u00fcr die Organisator*innen war es schon am 15. September keine Frage mehr, dass dieses Fest im kommenden Jahr wiederholt werden muss \u2013 vielleicht eine Nummer gr\u00f6\u00dfer. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die am 20. September dann von der Bundesregierung vorgelegten \u201eEckpunkte\u201c zum \u201eKlimaschutz\u201c, die jeden denkenden Menschen vollends fassungslos gemacht haben, liefern ein zus\u00e4tzliches Motiv dazu, im Klimakampf nicht lockerzulassen \u2013 auch und erst recht nicht da, wo die f\u00e4llige Revolution die Form des Tanzens annimmt.<\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span lang=\"de-DE\">Leonie Felix<\/span><\/p>\n<p align=\"right\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im \u201eTuchwerk\u201c, einer alten Textilfabrikanlage, die heute von kulturellen Initiativen genutzt wird, gab es von 12 bis 22 Uhr abends ein klimabewegtes Programm aus musikalischen Acts, Redebeitr\u00e4gen, veganem Essen und Infost\u00e4nden klimapolitischer Initiativen. \u201eSounds for Climate\u201c (S4C) wurde vom Hambi Support Aachen organisiert. 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