{"id":21020,"date":"2019-11-04T15:56:24","date_gmt":"2019-11-04T13:56:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=21020"},"modified":"2019-11-25T18:47:28","modified_gmt":"2019-11-25T16:47:28","slug":"rheinmetall-stoppen-bevor-noch-mehr-menschen-sterben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/11\/rheinmetall-stoppen-bevor-noch-mehr-menschen-sterben\/","title":{"rendered":"\u201eRheinmetall stoppen, bevor noch mehr Menschen sterben\u201c"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Bernd Dr\u00fccke (GWR): Themen des heutigen Interviews sind die deutschen R\u00fcstungsexporte und die Politik eines deutschen R\u00fcstungskonzerns. Konkret geht es um die Rheinmetall AG. Rheinmetall ist eine Firma, die 1889 in Deutschland gegr\u00fcndet wurde. Sie belegt Platz 25 der weltgr\u00f6\u00dften R\u00fcstungskonzerne und produziert Waffen nicht nur in Deutschland, sondern auch in S\u00fcdafrika, Italien und anderen L\u00e4ndern. Rheinmetall exportiert Waffen, Munition und Tod zum Beispiel nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Mit diesen Waffen werden Kriege gef\u00fchrt, zum Beispiel im Jemen, wo zigtausende Menschen ermordet werden. Der Konzern steht in einer m\u00f6rderischen Tradition: Im Ersten und im Zweiten Weltkrieg wurden auch mit Waffen von Rheinmetall Kriegsverbrechen des Deutschen Reiches ver\u00fcbt. Es ist also ein Konzern mit einer militaristischen und nationalsozialistischen Vergangenheit, der leider noch nicht zerschlagen wurde. Als Zeitung Graswurzelrevolution engagieren wir uns daf\u00fcr, dass der Konzern entwaffnet wird. Wir beteiligen uns an der Kampagne \u201eRheinmetall entwaffnen\u201c. Diese Kampagne ist auch ein Thema unserer heutigen Sendung. <\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Unser Studiogast ist Rhoda-Ann Bazier aus S\u00fcdafrika. Rhoda ist gerade als Mitglied des ANC, des African National Congress, in Deutschland unterwegs. Zwei Wochen lang h\u00e4lt sie hier Vortr\u00e4ge und macht Veranstaltungen. Rhoda, was ist das Ziel deiner Rundreise?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Rhoda-Ann Bazier: Der Anlass ist, dass ich zum Camp \u201eRheinmetall entwaffnen\u201c eingeladen worden bin. In S\u00fcdafrika hat Rheinmetall unter dem Namen Rheinmetall Denel Munition (RDM) mehrere Standorte, einer davon ist eine gro\u00dfe Munitionsfabrik direkt in meinem Bezirk, dem Kapst\u00e4dter Stadtteil Macassar, keine zehn Minuten von meiner Wohnung entfernt.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Bernd: In dieser Fabrik in S\u00fcdafrika gab es letztes Jahr eine katastrophale Explosion. Was ist da passiert?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Rhoda: Die Explosion ereignete sich am 3. September 2018 und t\u00f6tete acht Arbeiter. Die F\u00fchrung von Rheinmetall lie\u00df daraufhin die einzelnen Familien zusammenrufen, ohne aber genau zu sagen, was passiert war, sondern nur, dass etwas passiert war. Die Angeh\u00f6rigen der Arbeiter sind dann sofort zur Fabrik geeilt. Schnell versammelte sich eine gro\u00dfe Menschenmenge vor den Toren der Fabrik, aber hereingelassen wurden nur die Angeh\u00f6rigen, einige Mitglieder des Stadtrats und ein paar Geistliche als Unterst\u00fctzer der Angeh\u00f6rigen. Nat\u00fcrlich war keine Presse zugelassen. In der Fabrik fand ein Gespr\u00e4ch zwischen dem Management, den Angeh\u00f6rigen und ihren Unterst\u00fctzern statt. <\/span><span lang=\"de-DE\">Eigentlich h\u00e4tten an jenem Tag zehn Leute in diesem Bereich der Fabrik arbeiten sollen, aber zwei waren am Morgen gar nicht erschienen, und so kam es, dass sich acht Arbeiter in dem Teil der Fabrik befanden, der dann explodiert ist.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Selbst am Tag nach der Explosion war der Chef von RDM, ein Deutscher namens Norbert Schulze, bei einem Pressegespr\u00e4ch noch nicht in der Lage zu sagen, wie viele Leute wirklich in dem Teil der Fabrik gearbeitet hatten und wie viele umgekommen waren. Die Firma hatte keinen \u00dcberblick \u00fcber die Situation. Sp\u00e4ter wurde den Familien Beratung und psychologische Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Zeit der Trauer angeboten. <\/span><span lang=\"de-DE\">Drei Tage nach der Explosion wandten sich die Familien an mich und berichteten, sie h\u00e4tten im Rahmen dieser \u201epsychologischen Unterst\u00fctzung\u201c irgendwelche Papiere unterschreiben m\u00fcssen, von denen sie \u00fcberhaupt nicht wussten, was da drin steht und welche Konsequenzen das eventuell hat. Also direkt in der Zeit, in der auch die st\u00e4rksten Emotionen \u00fcber einen Menschen hereinbrechen, der einen nahen Angeh\u00f6rigen verloren hat. <\/span><span lang=\"de-DE\">Es gab keine Zeugen; au\u00dfer den Angeh\u00f6rigen waren nur Managementvertreter der Firma anwesend. Sie bekamen auch keine Kopien der Papiere, die sie unterschrieben hatten.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>Bernd: Warum ist Rheinmetall \u00fcberhaupt in S\u00fcdafrika aktiv? Welchen Hintergrund hat das?<\/strong> <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Rhoda: Urspr\u00fcnglich hatte Rheinmetall drei Munitions- und Waffenfabriken in und um Kapstadt: Swartklip, Wellington und Macassar. In anderen Regionen S\u00fcdafrikas hat Rheinmetall weitere Fabriken, aber hier geht es um die drei Standorte in Kapstadt. Der Standort Swartklip wurde vor einiger Zeit geschlossen und der gesamte Produktionsbereich in das Werk Macassar verlegt. <\/span><span lang=\"de-DE\">Swartklip wurde damals auf Dr\u00e4ngen und Forderungen der Bewohner der umliegenden Stadtteile geschlossen, unter anderem mit Hilfe unseres Mitstreiters Terry Crawford-Browne. Grund war, dass die in der Anlage produzierte und gelagerte Munition f\u00fcr die unmittelbar angrenzenden Stadtteile eine gro\u00dfe Gefahr darstellte. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Fabrik in Macassar ist schon alt, sie wurde bereits in der Apartheid-\u00c4ra von dem damaligen staatlichen R\u00fcstungskonzern ARMSCOR errichtet und \u00fcber Jahrzehnte betrieben.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Nach dem Ende der Apartheid hat sich die s\u00fcdafrikanische Regierung dann nach internationalen Partnern f\u00fcr diesen Staatskonzern umgesehen. Rheinmetall wurde als erstklassiges Unternehmen bewertet und deshalb als Partner ausgew\u00e4hlt. 2008 wurde die Partnerschaft umgesetzt. So entstand Rheinmetall Denel Munition. An diesem Unternehmen h\u00e4lt Rheinmetall 51% der Anteile. <\/span><span lang=\"de-DE\">In den Fabriken wird Schie\u00dfpulver produziert, aber auch Artilleriegeschosse und Raketen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Diese Waffen werden in verschiedene L\u00e4nder exportiert, mit denen es Vertr\u00e4ge gibt, z.B. Australien oder die USA, aber auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Auf diesem Weg kann Rheinmetall genau die R\u00fcstungsexporte durchf\u00fchren, die von Deutschland oder Europa aus nicht mehr erlaubt sind.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Julian Richter (GWR): Rhoda, du warst ja in der ersten Septemberwoche auf dem Camp \u201eRheinmetall entwaffnen\u201c und hast dort Workshops geleitet und eine Rede gehalten. Was waren denn deine Eindr\u00fccke von diesem Camp, was hast du dort erlebt und gesehen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Rhoda: Ich kann erst mal nur \u201eWow\u201c sagen, das Camp war gro\u00dfartig. Ich bin f\u00fcnf Tage lang auf dem Camp gewesen und muss den Organisatoren und Organisatorinnen unbedingt gratulieren. <\/span><span lang=\"de-DE\">Das Camp war \u00e4u\u00dferst vielf\u00e4ltig: Es gab Demos, Aktionen und Blockaden unter dem Motto \u201eWar starts here\u201c. Sehr interessant war auch der Austausch mit den Solidarit\u00e4tsgruppen aus anderen L\u00e4ndern, in denen Rheinmetall produziert. So hatte ich eine beeindruckende Begegnung mit AktivistInnen aus Sardinien, wo Rheinmetall eine gro\u00dfe Fabrik hat. Ich habe an vielen Workshops teilgenommen und habe selbst einen veranstaltet. Ich habe mich an so vielen Veranstaltungen und Aktionen beteiligt wie m\u00f6glich \u2013 wir S\u00fcdafrikanerInnen sind einfach AktivistInnen, das ist unsere Art.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Das Camp gab uns, die wir aus unterschiedlichen L\u00e4ndern angereist waren, die Gelegenheit, einander kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Strategien zu entwickeln und Solidarit\u00e4t aufzubauen. Rheinmetall hat seinen Sitz in Deutschland und agiert von hier aus. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung in Deutschland gewinnen, wenn wir Rheinmetall-Standorte schlie\u00dfen und zugleich den Lebensunterhalt der Arbeiterinnen und Arbeiter sichern wollen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Denn das ist ein wichtiger Aspekt: Es geht bei Rheinmetall um sehr viel Geld und auch um Arbeitspl\u00e4tze. Das d\u00fcrfen wir nicht ignorieren. Der Preis daf\u00fcr ist aber der vieltausendfache Tod von Menschen. Deshalb sagen wir: Wir m\u00fcssen diese Kriege stoppen, bevor es zu einem Dritten Weltkrieg kommt.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Rheingold-02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-21145\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Rheingold-02-1024x343.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"343\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Rheingold-02-1024x343.jpg 1024w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Rheingold-02-300x101.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Rheingold-02-600x201.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Rheingold-02-768x257.jpg 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Rheingold-02.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Julian: Warum engagierst du dich daf\u00fcr, das Munitionswerk in Kapstadt zu schlie\u00dfen? Was sind deine pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnde?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Rhoda: Es hat dort in den letzten Jahren schon mehrere Unf\u00e4lle und Explosionen gegeben. Bereits bei einem fr\u00fcheren Unfall wurde ein Mensch get\u00f6tet, andere wurden verst\u00fcmmelt. Die Gesch\u00e4ftsleitung hat immer versucht, diese Unf\u00e4lle unter den Teppich zu kehren. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Gesch\u00e4ftsleitung behauptet, sie habe einen Sicherheitsplan f\u00fcr die Fabrik, aber wir haben da schwere Zweifel. Wir bekommen die Explosionen und Unf\u00e4lle ja immer auch au\u00dferhalb der Fabrik, in der Community selbst zu sp\u00fcren. <\/span><span lang=\"de-DE\">Au\u00dferdem werden die Arbeiter krank durch die Chemikalien, mit denen sie im Werk hantieren oder deren D\u00e4mpfe sie einatmen. Krebserkrankungen sind eine h\u00e4ufige Sp\u00e4tfolge der Arbeit bei RDM. <\/span><span lang=\"de-DE\">\u00dcbrigens hat die j\u00fcngste Explosion nicht nur acht Menschen get\u00f6tet, sondern auch eine Frau verletzt. Diese Verletzte wurde nur durch die Initiative der Anwohner \u00fcberhaupt ausfindig gemacht.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Rheinmetall Kapstadt und Rheinmetall Deutschland haben nach der Explosion den Angeh\u00f6rigen der Toten Geld gegeben. Aber Geld kann nicht den Tod eines Menschen ungeschehen machen oder den Schmerz der Angeh\u00f6rigen aufwiegen. Bevor noch mehr Menschen sterben, ob in Kapstadt oder in den Kriegen, die Rheinmetall mit Munition und Waffen beliefert, muss diese Firma gestoppt werden.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Wir wissen, dass dadurch Arbeitspl\u00e4tze wegfallen werden, und das ist nicht unwichtig. Wo immer Rheinmetall hinzieht, dort entstehen Arbeitspl\u00e4tze. <\/span><span lang=\"de-DE\">Aber wir sagen: Es gibt bessere M\u00f6glichkeiten. Rheinmetall h\u00e4lt wie gesagt 51% der Anteile an dem Joint Venture RDM; die verbleibenden 49% geh\u00f6ren dem s\u00fcdafrikanischen Staatskonzern Denel. Rheinmetall und Denel, die Eigent\u00fcmer, m\u00fcssen ihrer Verantwortung nachkommen. Sie m\u00fcssen die Fl\u00e4chen sanieren, die von den Munitionsfabriken verseucht sind, damit eine andere Produktion, eine zivile Produktion auf diesen Fl\u00e4chen und in diesen Fabriken m\u00f6glich wird.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Auf der Rheinmetall-Hauptversammlung im Mai in Berlin hat der Vorstandsvorsitzende Papperger gesagt, in Zukunft wolle man in Kapstadt bei der Produktion und im Handling gef\u00e4hrlicher Materialien Roboter einsetzen. Das hei\u00dft, die Arbeitspl\u00e4tze werden sowieso abgebaut. Es wird keine Zukunft f\u00fcr diese Art der Produktion geben, und auch deswegen m\u00fcssen wir uns darum k\u00fcmmern, diese Fl\u00e4chen anders zu nutzen und alternative Formen der Besch\u00e4ftigung zu entwickeln.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Noch einmal zur\u00fcck zu der Frau, die ich zuvor erw\u00e4hnt habe, die bei der Explosion verletzt wurde. Sie ist seit der Explosion arbeitsunf\u00e4hig. Zum einen hat sie innere Verletzungen erlitten, zum anderen ist sie psychisch extrem mitgenommen. Nun hat Rheinmetall ihr die K\u00fcndigung geschickt. Das muss hier auch einmal erw\u00e4hnt werden, wie Rheinmetall seine Besch\u00e4ftigten behandelt. Die Frau ist jetzt arbeitslos. Als sie Arbeitslosengeld beantragen wollte, stellte sich heraus, dass sie bei der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde nicht einmal gemeldet war, obwohl die Beitr\u00e4ge zur Arbeitslosenversicherung jeden Monat von ihrem Lohn abgezogen worden waren. Das ist ein Skandal. Diese Frau hat nun gar kein Einkommen und kann die f\u00fcr ihre Genesung erforderlichen Medikamente nicht bezahlen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Julian: Was sind deine pers\u00f6nlichen Erfahrungen im Kontakt und im Umgang mit Rheinmetall Denel Munitions?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Rhoda: In der Fabrik in Macassar sind ein paar hundert Menschen besch\u00e4ftigt. 90% davon kommen aus meinem Stadtteil von Kapstadt und davon wiederum sind die meisten Gelegenheitsarbeiter oder Leiharbeiter, die nicht bei RDM selbst, sondern bei einer Fremdfirma namens Blue angestellt sind. <\/span><span lang=\"de-DE\">Nach der Explosion mit den acht Toten sind die meisten Leiharbeiter, etwa drei- oder vierhundert, entlassen worden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Durch unsere Unterst\u00fctzungsarbeit f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen der get\u00f6teten Arbeiter haben wir nochmal ganz eigene Erfahrungen mit der Firma und dem Management gemacht. Die Firma hat z.B. die Unterredungen mit den Angeh\u00f6rigen so gelegt, dass sich die Familien auf keinen Fall vor Ort treffen und zusammentun konnten. <\/span><span lang=\"de-DE\">Aber in unserem Stadtteil gibt es ein Einkaufszentrum, wo die Leute regelm\u00e4\u00dfig hingehen. Dort begegnet man einander sowieso. Auf meine Initiative haben sie sich dann als Gruppe getroffen und besprochen, dass sie nochmal Zugang zum Ort der Explosion haben wollten \u2013 dem Ort, an dem ihre V\u00e4ter und S\u00f6hne get\u00f6tet wurden. Den Angeh\u00f6rigen ist es wichtig, den Platz, an dem ihre Angeh\u00f6rigen gestorben sind, noch einmal zu sehen und sich dabei verabschieden zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Durch unsere Organisation, die Greater Macassar Civic Association, haben wir mitbekommen, wie mies Rheinmetall die Angeh\u00f6rigen behandelt und wie sich die Firma aus ihrer Verantwortung stiehlt. Bei uns sagt man: Wenn du einen Angeh\u00f6rigen unserer Community schlecht behandelst, behandelst du die gesamte Community schlecht. Damit ist Rheinmetall praktisch zu unserem Feind geworden.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die Familien haben nun eine Erkl\u00e4rung verfasst, in der sie beschreiben, wie Rheinmetall sie behandelt, ohne jeden Respekt. Es gibt keine psychische Unterst\u00fctzung, keine medizinische Hilfe, keine Beihilfe zur Ausbildung f\u00fcr die Kinder der Get\u00f6teten. Und die Familien wollen endlich einen Abschlussbericht, der kl\u00e4rt: Was genau ist passiert? Was sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Explosion gewesen? Wir wollen eine Antwort auf diese Fragen. Wir fordern, dass der abschlie\u00dfende Bericht \u00fcber die gr\u00f6\u00dfte und folgenschwerste Explosion der letzten Jahre endlich ver\u00f6ffentlicht wird, damit wieder normales Leben in die Community einkehren kann.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">So viel zu den unmittelbaren Forderungen. Aber uns geht es um mehr: Wir k\u00e4mpfen gegen Rheinmetall, weil Rheinmetall mitten in unserem Stadtteil sitzt und Tag f\u00fcr Tag unser Leben bedroht. Mitten im Wohngebiet produziert diese Firma explosive Materialien. Und betreibt obendrein zwei Schie\u00dfpl\u00e4tze direkt neben unserem Stadtteil. Das muss aufh\u00f6ren. <\/span><span lang=\"de-DE\">Ja, unser Viertel ist arm und benachteiligt, aber wir werden nicht zulassen, dass Rheinmetall die Menschen wie Fliegen sterben l\u00e4sst. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Julian: Was erhoffst du dir f\u00fcr das Werk von Rheinmetall Denel Munitions in deinem Wahlkreis? Welche Zukunftsvisionen hast du f\u00fcr den Fall, dass es tats\u00e4chlich zur\u00fcckgebaut wird?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Rhoda: Urspr\u00fcnglich komme ich aus der Gewerkschaftsbewegung, ich war Aktivistin der Gewerkschaft SACCAWU. Die Rheinmetall-Arbeiter sind teilweise bei der Chemiearbeitergewerkschaft CEPPWAWU organisiert, das ist sozusagen unsere Schwestergewerkschaft \u2013 beide Organisationen geh\u00f6ren dem gro\u00dfen s\u00fcdafrikanischen Gewerkschaftsdachverband COSATU an. Deshalb haben wir bei COSATU schon \u00fcber diese Frage diskutiert.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Uns ist klar, auch als Gewerkschaft, dass wir in dieser ohnehin armen Community keine Arbeitspl\u00e4tze verlieren wollen und k\u00f6nnen. Deshalb wollen wir keine Stilllegung, sondern eine Umnutzung der Fabrik. Hier m\u00fcssen wir gemeinsam mit den zust\u00e4ndigen Ministerien, mit den Gewerkschaften, dem National Economic Development and Labour Council (Nedlac. Nationaler Rat f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung und Arbeit) und anderen Beteiligten eine gemeinsame L\u00f6sung entwickeln. Einen wichtigen Schritt hat die Regierung selbst schon unternommen: Die Ausfuhrgenehmigungen f\u00fcr R\u00fcstungsg\u00fcter nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate sind derzeit ausgesetzt. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Nat\u00fcrlich wollen wir den Leuten nicht ihre Arbeitspl\u00e4tze wegnehmen. Die Leute brauchen ein Einkommen, damit sie leben und ihre Familien ern\u00e4hren k\u00f6nnen. Aber wir wollen nicht, dass sie vom Gesch\u00e4ft mit dem Tod leben m\u00fcssen. Rheinmetall hat so viel Geld, warum investieren sie es nicht in Alternativen, warum schaffen sie nicht zivile Arbeitspl\u00e4tze? Rheinmetall hat doch auch eine zivile Sparte, die sogar gr\u00f6\u00dfer ist als die milit\u00e4rische. Warum also er\u00f6ffnet die Firma in Macassar nicht eine zivile Produktionsst\u00e4tte? <\/span><span lang=\"de-DE\">Diese Forderung stellen wir nicht nur um unserer eigenen Bev\u00f6lkerung willen, sondern auch in Solidarit\u00e4t mit kriegsgeschundenen L\u00e4ndern wie dem Jemen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Auf dem \u201eRheinmetall entwaffnen\u201c-Camp haben wir erfahren, dass deutsche R\u00fcstungsg\u00fcter \u00fcber England nach Afghanistan exportiert werden, weil es in England weniger Restriktionen gibt. Dagegen sagen wir: Rheinmetall muss sich \u00fcberall an die Exportbeschr\u00e4nkungen halten, die in Deutschland gelten. Ich bin \u00fcberzeugt: Unsere Solidarit\u00e4t mit den vom Krieg betroffenen L\u00e4ndern wird sich auszahlen, sobald wir RDM schlie\u00dfen und eine andere Produktion in Kapstadt aufbauen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Bernd: Die Graswurzelrevolution erscheint seit 1972 als Monatszeitung f\u00fcr eine gewaltfreie und herrschaftslos<\/span><\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_21147\" aria-describedby=\"caption-attachment-21147\" style=\"width: 571px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/34414473732_7143b20bf9_o.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-21147\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/34414473732_7143b20bf9_o-731x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"571\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/34414473732_7143b20bf9_o-731x1024.jpg 731w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/34414473732_7143b20bf9_o-300x420.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/34414473732_7143b20bf9_o-600x841.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/34414473732_7143b20bf9_o-214x300.jpg 214w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/34414473732_7143b20bf9_o-768x1076.jpg 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/34414473732_7143b20bf9_o.jpg 1142w\" sizes=\"auto, (max-width: 571px) 100vw, 571px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-21147\" class=\"wp-caption-text\">Berlin, Mai 2017, Antimilitaristische Demo vor der Hauptversammlung des E\u00fcstungskonzerns Rheinmetall, Foto: Uwe Hiksch<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">e Gesellschaft. Wir setzen uns f\u00fcr eine weltweite Entmilitarisierung ein. Krieg ist f\u00fcr uns ein Verbrechen an der Menschheit und wir setzen alles daran, Kriege zu verhindern und zu stoppen. <\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Rheinmetall ist einer der gr\u00f6\u00dften Waffenexporteure der Welt. Rheinmetall exportiert Krieg, Massenmord und Verbrechen. In S\u00fcdafrika kommt noch hinzu, dass die Situation der Menschen, die bei Rheinmetall arbeiten, katastrophal ist, dass auf Menschenleben wenig R\u00fccksicht genommen wird, dass allein am 3. September 2018 acht Menschen bei einem Unfall zu Tode kamen und Menschen, die verletzt und traumatisiert wurden, entlassen werden. Dieser Konzern macht eine verbrecherische Politik, gegen die wir k\u00e4mpfen m\u00fcssen, auch international. Es geht ja nicht nur um S\u00fcdafrika. Rheinmetall produziert z.B. auch in Italien und Algerien Waffen. In der T\u00fcrkei will der Konzern eine Panzerfabrik bauen, damit Recep Tayyip Erdo<\/span><span lang=\"de-DE\">\u011f<\/span><span lang=\"de-DE\">an seine Kriege gegen die Kurdinnen und Kurden intensivieren kann. Dieser Konzern exportiert Kriege in viele Regionen der Welt. <\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Rhoda-Ann, wie siehst du die Situation der antimilitaristischen Bewegung gegen Rheinmetall, gegen Militarisierung, gegen Kriegswaffenexporte? Wie siehst du die Chancen, Rheinmetall und andere R\u00fcstungskonzerne zu ent-r\u00fcsten, zu entwaffnen? Damit sie etwas Sinnvolles f\u00fcr die Menschheit tun, statt Krieg und Verbrechen zu s\u00e4en?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Rhoda: Diese Frage m\u00f6chte ich konkret mit Blick auf unseren Kampf vor Ort, in Kapstadt, beantworten. Dort stehen unsere Chancen gar nicht schlecht. In unserer ehemaligen B\u00fcrgermeisterin Patricia de Lille, inzwischen Bauministerin der s\u00fcdafrikanischen Regierung, haben wir eine m\u00e4chtige Verb\u00fcndete. Sie hat die Partei gewechselt, bzw. eine eigene Partei gegr\u00fcndet. Als sie noch B\u00fcrgermeisterin von Kapstadt war, hat sie an einer Gedenkveranstaltung f\u00fcr die Toten teilgenommen und damit ein starkes Zeichen gesetzt. Sie hat gesagt, die Fabrik muss geschlossen werden, stattdessen soll eine Wohngegend entstehen. In diesem Punkt bin ich allerdings anderer Meinung: Ich denke, wir brauchen dort keine Wohnungen, sondern Arbeitspl\u00e4tze. Das Werksgel\u00e4nde soll saniert und anschlie\u00dfend eine andere Produktionsst\u00e4tte er\u00f6ffnet werden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Aber zur\u00fcck zu Ministerin de Lille. Sie ist eine engagierte Gegnerin der Rheinmetall-Fabrik und ist vor Jahren schon als Whistleblowerin in Erscheinung getreten, als sie illegale Waffengesch\u00e4fte aufgedeckt hat. <\/span><span lang=\"de-DE\">F\u00fcr uns ist es wichtig, sie als Mitstreiterin zu haben. Wir streben ein B\u00fcndnis mit ihr, aber auch mit anderen Ministern und Institutionen der Regierung an, um gemeinsam Rheinmetall zum Einlenken zu zwingen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Nat\u00fcrlich bekommen wir Gegenwind. Wir erleben immer wieder R\u00fcckschl\u00e4ge. Auch innerhalb unserer Bewegung gibt es Meinungsverschiedenheiten und widerstreitende Positionen. Aber wir befinden uns in einem Prozess, und ich bin zuversichtlich: Am Ende werden wir unser Ziel erreichen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Bernd und Julian: Herzlichen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/span><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernd Dr\u00fccke (GWR): Themen des heutigen Interviews sind die deutschen R\u00fcstungsexporte und die Politik eines deutschen R\u00fcstungskonzerns. Konkret geht es um die Rheinmetall AG. Rheinmetall ist eine Firma, die 1889 in Deutschland gegr\u00fcndet wurde. Sie belegt Platz 25 der weltgr\u00f6\u00dften R\u00fcstungskonzerne und produziert Waffen nicht nur in Deutschland, sondern auch in S\u00fcdafrika, Italien und anderen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/11\/rheinmetall-stoppen-bevor-noch-mehr-menschen-sterben\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":502,"featured_media":21149,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"\u201eRheinmetall stoppen, bevor noch mehr Menschen sterben\u201c - graswurzelrevolution","description":"Bernd Dr\u00fccke (GWR): Themen des heutigen Interviews sind die deutschen R\u00fcstungsexporte und die Politik eines deutschen R\u00fcstungskonzerns. Konkret geht es um die R"},"footnotes":""},"categories":[1059,1025,1027],"tags":[],"class_list":["post-21020","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-443-november-2019","category-die-waffen-nieder","category-wir-sind-nicht-alleine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21020","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/502"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21020"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21020\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21149"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21020"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21020"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21020"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}