{"id":21229,"date":"2019-12-07T00:30:16","date_gmt":"2019-12-06T22:30:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=21229"},"modified":"2019-12-12T17:34:56","modified_gmt":"2019-12-12T15:34:56","slug":"dezentrale-utopien-und-globale-herausforderungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/12\/dezentrale-utopien-und-globale-herausforderungen\/","title":{"rendered":"Dezentrale Utopien und globale Herausforderungen"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Welche Alternativen pr\u00e4sentieren wir, wenn wohlhabende Prepper private Schutzbunker f\u00fcr die kommenden Ressourcenkriege bauen, Wissenschaftler_innen an der Wetterbeeinflussung (Geoengineering) f\u00fcr Industriel\u00e4nder arbeiten und rechte Parteien die Wirtschaft der eigenen L\u00e4nder st\u00e4rken wollen \u2013 ignorierend, dass Kolonialismus, Kapitalismus und jetzt auch noch Klimawandel, tendenziell die L\u00e4nder am st\u00e4rksten trifft, die am wenigsten dazu beigetragen haben? Welche Art von Systemwandel wollen wir? Welche dezentralen Utopien kann die radikale Linke den aktuellen globalen Herausforderungen entgegensetzen?<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Nicht nur weil der Klimawandel mit einer gewissen Dringlichkeit den Systemwandel wieder mehr ins Gespr\u00e4ch bringt, ist die Frage \u201e\u00e4h, was f\u00fcr ein System eigentlich?\u201c interessant. Uns stehen heute \u2013 jedenfalls solange wir Strom- und Internetinfrastruktur am Laufen halten k\u00f6nnen und wollen \u2013 viele ortsunabh\u00e4ngige Vernetzungs-, Organisierungs-, Diskussions-, Visualisierungs- und Datenverarbeitungswerkzeuge zur Verf\u00fcgung. Anarchistische Konzepte k\u00f6nnen eine inklusive, nachhaltige, anpassungsf\u00e4hige und resiliente Alternative sowohl zu Kapitalismus als auch zu rechten Ideologien sein. Daher m\u00f6chte dieser Text zur Diskussion \u00fcber anarchistische Utopien anregen. Diese Diskussionen k\u00f6nnen unsere eigenen Vorstellungen konkretisieren, unsere Ideen transportieren und gleichzeitig anarchistische Diskussions- und Entscheidungsprozesse erleben lassen. Als eine m\u00f6gliche Form der Auseinandersetzung habe ich an drei Stellen im Text Links zum Diskussionswerkzeug Kialo eingef\u00fcgt.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Fallen der Utopiendiskussion<\/span><\/h5>\n<figure id=\"attachment_21328\" aria-describedby=\"caption-attachment-21328\" style=\"width: 431px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fffantikap.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-21328\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fffantikap-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"431\" height=\"243\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fffantikap-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fffantikap-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fffantikap-600x338.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fffantikap-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fffantikap.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 431px) 100vw, 431px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-21328\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Archiv<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Bei der Dogmatismusfalle erscheint die Utopie als fixe und einzig wahre Anleitung und nicht als sich flexibel an gegenw\u00e4rtige Erkenntnisse anpassende und sich \u00fcber die Zeit ver\u00e4ndernde Zielvorstellung, die Motivation und Orientierung f\u00fcr die n\u00e4chsten Schritte liefern kann. Um der Elfenbeinturmfalle zu entgehen, sind leicht zug\u00e4ngliche und solidarisch gef\u00fchrte Utopiediskussionen wichtig, die zur Reflexion der politischen Aktivit\u00e4ten anregen, keine Angst vor konkreten Aussagen oder erstmal unvereinbar nebeneinander stehenden Meinungen haben, und attraktive Alternativen ins Gespr\u00e4ch bringen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Der Versuch Teile von Utopien schon in der Gegenwart umzusetzen, hilft neue Erkenntnisse zu gewinnen und tr\u00e4gt zum Aufbau alternativer (Infra-)Strukturen bei. Jedoch sollten wir uns von Schwierigkeiten bei der Umsetzung im bestehenden System mit all seinen Widerspr\u00fcchen nicht entmutigen lassen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Unter der Annahme, dass die meisten kein pr\u00e4industrielles Leben bevorzugen, ist vielleicht die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung die Frage, wie ein komplexe Anforderungen erf\u00fcllender Gesellschaftsentwurf gleichzeitig plausibel von seiner Realisierbarkeit \u00fcberzeugen kann. <\/span><span lang=\"de-DE\">So entstand als ironische \u00dcberspitzung der L\u00fccke zwischen utopischen Entw\u00fcrfen und gef\u00fchlt unklarer Realisierbarkeit 2015 das Internet Meme \u201eFully automated luxury gay space communism\u201c. <\/span><span lang=\"de-DE\">Um diese Plausibilit\u00e4tsl\u00fccke zu schlie\u00dfen, ist es meines Erachtens wichtig, sich \u00fcber konkrete, realisierbare Gesellschaftsentw\u00fcrfe auszutauschen. Zudem kann das Hoffen auf die spontane Organisation in einer Umbruchsituation zu krassen Versorgungsengp\u00e4ssen und dies zu kriegerischen Auseinandersetzungen und autorit\u00e4ren Machtergreifungen f\u00fchren. <\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"de-DE\">Kritik und Grunds\u00e4tze als Basis der Utopie<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Sutterl\u00fctti\/Meretz (2) empfehlen \u00fcber Utopien zu diskutieren, indem mensch zun\u00e4chst die Kritik am bestehenden System darlegt, dann eine Utopie nicht bis ins Ausgestaltungsdetail, aber zumindest in ihren Kategorien oder Grunds\u00e4tzen beschreibt, und sich schlie\u00dflich mit der Frage der Transformation auseinandersetzt. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Anarchistische Kritik wendet sich gegen Herrschaft und daher auch gegen Ausbeutung und Ausgrenzung. <\/span><span lang=\"de-DE\">Freiheit, Solidarit\u00e4t, Dezentralit\u00e4t, Nachhaltigkeit und Gewaltfreiheit sind f\u00fcr viele Kategorien anarchistischer Utopien. Die Wichtigkeit dieser Grunds\u00e4tze wird zus\u00e4tzlich mit der Forderung nach der Anwesenheit des Ziels in den Mitteln f\u00fcr die heutige Praxis und den Weg der Transformation betont. <\/span><span lang=\"de-DE\">Doch was genau bedeuten Begriffe wie Freiheit und Solidarit\u00e4t in unterschiedlichen Ans\u00e4tzen des linken Spektrums? <\/span><span lang=\"de-DE\">Beispielsweise \u00fcber Freiheit l\u00e4sst sich ausf\u00fchrlich diskutieren: So schreibt Ulrich Klemm (3), dass <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2005\/07\/freiheit-und-anarchie\/\">Freiheit keine vertraglich garantierte Angelegenheit sein kann<\/a>, w\u00e4hrend Oskar Lubin (4) Vorteile gewisser Formen von Institutionen f\u00fcr emanzipative Str\u00f6mungen benennt. K\u00f6nnen wir trotz unterschiedlicher Utopie-Entw\u00fcrfe diese solidarisch diskutieren und kritisieren und auf diese Weise weiterentwickeln? <\/span><span lang=\"de-DE\">Vielleicht stellen sich zun\u00e4chst kategorisch unterschiedliche Ideen als in der Praxis sehr \u00e4hnlich dar oder es finden sich Utopie-Entw\u00fcrfe in denen diverse Ans\u00e4tze nebeneinander gelebt werden k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Vielf\u00e4ltige dezentrale Gesellschaften<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Im Commonismus-Entwurf von Sutterl\u00fctti\/Meretz (2) ist ein wichtiger Grundsatz die Freiwilligkeit bei der Erledigung von T\u00e4tigkeiten mit dem Vertrauen, dass wichtige Aufgaben von irgendwem erledigt werden. Die Entscheidung, was produziert wird und wer das bekommt, inklusive der M\u00f6glichkeit der Kooperationsverweigerung, liegt bei den Produktionskollektiven. Mir ist noch nicht klar, wie Gefahren der Willk\u00fcr und der Machtaus\u00fcbung von denen, die in wichtigen Produktionsst\u00e4tten (z. B. Strom und Wasser) t\u00e4tig sind, vermieden werden k\u00f6nnen. Zudem scheint viel Last auf dem Individuum zu liegen, das durch geschicktes Diskutieren mit Produktionskollektiven f\u00fcr die Erf\u00fcllung der eigenen Bed\u00fcrfnisse sorgen muss. Mir fehlt dabei die Freiheit von der Angst der Nichterf\u00fcllung wichtiger Bed\u00fcrfnisse, die durch gemeinsame, dezentrale und freiwillige Vereinbarungen deutlich reduziert werden k\u00f6nnte. Freiwillige Vereinbarungen k\u00f6nnten auch vermeiden, dass Sorgearbeit nur an einigen h\u00e4ngen bleibt. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">In emanzipatorischen Gesellschaftsentw\u00fcrfen gibt es viele Ideen zwischen den Polen der kompletten Freiwilligkeit und interpersonellen Aushandlung einerseits und selbstorganisierten dezentralen \u201eInstitutionen\u201c andererseits. Freiwillige Vereinbarungen, die im Konsens getroffen wurden, haben eine hohe Akzeptanz und Umsetzungswahrscheinlichkeit. Nichteinhaltungen von Vereinbarungen k\u00f6nnen problematisiert werden und Verteilungskonflikte mit Unterst\u00fctzung von Kollektiven zur Konfliktbearbeitung z. B. im Sinne der Transformativen Hilfe (5) bearbeitet werden. Unbeliebte T\u00e4tigkeiten k\u00f6nnen attraktiver gestaltet werden, mit beliebteren kombiniert werden (\u201eAusgeglichene Arbeitsfelder\u201c in Parecon (6)) oder nach einer gemeinsamen Vereinbarung rotiert werden. In neueren Publikationen (7) erw\u00e4hnen Sutterl\u00fctti\/Meretz auch Formen dezentraler Planung mit Vorschlagscharakter. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1998\/05\/von-bolo-bolo-zu-kraftwerk-1\/\">Bolo\u2018bolo<\/a> (8) beschreibt, wie in einer dezentralen Gesellschaft mehrere dieser Ans\u00e4tze nebeneinander existieren k\u00f6nnten: So k\u00f6nnte es ein bolo oder eine Region geben, in der es keine gemeinsamen Vereinbarungen, sondern nur Aushandlungen zwischen Konsument_innen und Produzent_innen gibt, ein anderes in dem Grundbed\u00fcrfnisse im Konsens definiert, deren Erf\u00fcllung durch ein auf Konsens beruhendes T\u00e4tigkeitsverteilungssystem sichergestellt, und nicht-Einhaltung von Vereinbarungen thematisiert wird, und wiederum ein anderes, in dem ein Rat von Weisen \u00fcber Verteilung von T\u00e4tigkeiten und G\u00fctern entscheidet (https:\/\/www.kialo.com\/31672). <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Diese Ans\u00e4tze k\u00f6nnten nicht nur regional nebeneinander existieren, was regionale Migration erfordern w\u00fcrde, sondern sogar in der gleichen Region parallel gelebt werden. Konkret k\u00f6nnte das so aussehen, dass sich jeder Mensch f\u00fcr einen Ansatz entscheidet, nach diesem Ansatz Versammlungen zur Entscheidungsfindung besucht, t\u00e4tig ist und Zugang zu G\u00fctern hat und gleichzeitig mit Menschen zusammen lebt, die einen anderen Ansatz bevorzugen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die Idee von der lokalen Ansatzvielfalt, vermeidet Probleme der Isolation und Indoktrinierung, erlaubt das Ausprobieren und Weiterentwickeln verschiedener Konzepte von Herrschaftsfreiheit und k\u00f6nnte beim Scheitern einer Idee trotzdem Versorgungskrisen ganzer Regionen vermeiden. Sollte dies zu als unfair wahrgenommen Ungleichgewichten zwischen den Ans\u00e4tzen f\u00fchren, wie dem \u00fcberdurchschnittlich hohen Anteil von sorgebed\u00fcrftigen Menschen im Ansatz mit relativ hoher Versorgungssicherheit oder dem \u00fcberdurchschnittlichen Verbrauch einer knappen Ressource, so w\u00e4ren minimale Vereinbarungen zwischen den Ans\u00e4tzen notwendig.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"de-DE\">Globale Herausforderungen<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Doch w\u00e4hrend auf lokaler Ebene eine Co-Existenz vielf\u00e4ltiger Lebensentw\u00fcrfe, wie beispielsweise weitgehender Subsistenzwirtschaft einerseits und nachhaltiger Hightech-Produktion andererseits, oder der Verteilung von knappen G\u00fctern nach abgeleisteten Arbeitsstunden einerseits und nach Bedarf anderseits, vorstellbar sind, sind auf \u00fcberregionaler und globaler Ebene manchmal nicht mehrere M\u00f6glichkeiten parallel lebbar: Eine Region kann ein Kohlekraftwerk nur betreiben oder nicht betreiben und die von Wissenschaftler_innen empfohlene Reduktion der Treibhausgase zur Vermeidung des Klimawandels kann nur ernst genommen werden. Wie k\u00f6nnen diese Art von Entscheidungen in einer polyzentralen und polyparadigmatischen Welt gef\u00e4llt werden?<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">In bolo\u2018bolo gibt es mehrere Ebenen von lokalen, regionalen, kontinentalen und globalen Gremien. In der planetaren Versammlung, dem asa\u2019dala, kommen Delegierte aus den kontinentalen Gremien zusammen und besprechen Fragen wie die Verteilung von fossilem Treibstoff, Forschung und interkontinentaler Transport. <\/span><span lang=\"de-DE\">In \u201eGlimpses Into the Year 2100\u201c (9) geht es genau um den Fall einer Revolution in Zeiten des Klimaumbruchs. Es gibt ein weltweites Informations- und Diskussionssystem und weltweite Wahlen zu bestimmten Entscheidungen. In der Welt-Versammlung von Delegierten werden Fragen wie Ein-Kind-Politik, Bann auf private Autos und Bann der F\u00fctterung von Tieren f\u00fcr die Fleischproduktion besprochen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Diese Art von Entscheidungen auf planetarer Ebene erscheint mir zu einschr\u00e4nkend. Wenn das Ziel die Reduktion der Treibhausgase ist, k\u00f6nnte jede Gemeinschaft und Region lokal entscheiden, auf welche Weise sie die Reduktion umsetzt.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Minimalanforderungen an eine globale F\u00f6deration dezentraler Gemeinschaften<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Zun\u00e4chst scheint eine Vereinbarung \u00fcber die Akzeptanz der Co-Existenz unterschiedlicher Ans\u00e4tze sinnvoll. Dann sollte es eine grobe Verst\u00e4ndigung dar\u00fcber geben, welche Fragen den ganzen Planeten betreffen und deshalb auf planetarer Ebene transparent dargestellt und entschieden werden sollten. <\/span><span lang=\"de-DE\">Um die dezentrale Selbstverwaltung zu st\u00e4rken, sollte der Umfang global relevanter Themen m\u00f6glichst gering gehalten werden. Sinnvoll sind dar\u00fcber hinaus meiner Meinung nach Vereinbarungen zum Format des Austauschs \u00fcber Bedarf, Ressourcen und Erfahrungen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Zur L\u00f6sung planetarer Fragen k\u00f6nnte sich die F\u00f6deration der Gemeinschaften und Regionen auf unterschiedliche Methoden einigen oder diese je nach Entscheidungsfrage variieren. M\u00f6glich ist auch eine Kombination aus Methoden, wobei jede zum gleichen Ergebnis kommen sollte: Eine Befragung eines Expert_innenkomitees, eine online Diskussion mit anschlie\u00dfender Abstimmung und \u2013 wie bei bolo\u2018bolo die Entscheidung der Delegierten (https:\/\/www.kialo.com\/31673). <\/span><span lang=\"de-DE\">Globale F\u00f6deration mit imperativem Mandat, kann, wenn sie wie bei bolo\u2018bolo \u00fcber viele Regionalit\u00e4tsebenen geht, zu zeitaufw\u00e4ndigen Entscheidungen f\u00fchren. Dieser Nachteil k\u00f6nnte Dank Vernetzung \u00fcber Internet behoben werden, indem Kommunikation beschleunigt und m\u00f6glicherweise um einige Regionalit\u00e4tsebenen verschlankt wird. <\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Transformation<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die Frage danach, wie eine Transformation in eine <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/12\/herrschaftsfreie-gesellschaft-als-ideal-ein-gespraech-ueber-den-anarchismus\/\">herrschaftsfreie Gesellschaft<\/a> aussehen kann, ist davon abh\u00e4ngig, welche Art von Gesellschaft angestrebt wird. Gleichzeitig sind Gedanken zur Transformation wichtig, um die tats\u00e4chliche Realisierbarkeit anschaulich zu machen. Um den Rahmen dieses Artikels nicht zu sprengen, m\u00f6chte ich nur einige Transformationsideen andeuten: Da Kriegs- und \u00dcberwachungstechnologie dystopische Level erreicht haben und auch wegen der oben beschriebenen Komplexit\u00e4t der Versorgung, kann ich mir eine spontane Revolution schwer vorstellen. Intuitiver erscheinen mir Prozesse des Aufbaus von Projekten und Netzwerken, die schon Teile der Utopie umsetzen, sich ausbreiten und schlie\u00dflich die bestehende Gesellschaft in die angestrebte Gesellschaft \u00fcbergehen lassen. Vorstellbar ist auch eine Art globaler Abstimmung, bei der sich eine \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit f\u00fcr den \u00dcbergang in eine andere Gesellschaftsform entscheidet, wie sie in \u201eUtopia ist machbar\u201c (10) angedacht ist. Eine spannende Frage ist dabei auch, wie vermittelbar ist, dass einige nach der Transformation in nachhaltige Gesellschaften mehr mit der Knappheit von Ressourcen konfrontiert sein werden, als in ihrem jetzigen Lebensstil (<\/span><a href=\"https:\/\/www.kialo.com\/31674\"><span lang=\"de-DE\">https:\/\/www.kialo.com\/31674<\/span><\/a><span lang=\"de-DE\">).<\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Aufruf zum Austausch \u00fcber Utopien<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Wichtig ist meiner Meinung nach, dass m\u00f6glichst viele Leute sich \u00fcber Utopien inklusive lokaler Organisation, der Co-Existenz verschiedener Gesellschaftsmodelle, globaler Entscheidungsfindung und Realisierbarkeit austauschen. Je mehr Leute die Ideen herrschaftsfreier Gesellschaftsformen unterst\u00fctzen, desto besser sind die Chancen der erfolgreichen Transformation, denn wenn schon beim Diskutieren \u00fcber m\u00f6gliche Utopien klar wird, wie z. B. die Strom- und Wasserversorgung geregelt werden k\u00f6nnte und wenn sogar schon ein paar Leute bekannt sind, die sagen \u201ewir kennen uns aus, wir k\u00f6nnen das machen\u201c, dann reduziert dies \u00c4ngste und Hemmschwellen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Der Austausch \u00fcber Utopien kann je nach Vorlieben unterschiedlichste Formen annehmen: Von Internetdiskussionen und Gespr\u00e4chen am Stammtisch, \u00fcber frei zug\u00e4ngliche Artikel oder B\u00fccher, wissenschaftliche Untersuchungen zur Realisierbarkeit und Computersimulationen (siehe auch (8)), \u00fcber Versuche der Umsetzung in Wohnprojekten, Kollektiven und Netzwerken, bis hin zu Planspielen in der lokalen Politgruppe oder im Freund_innenkreis. <\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"de-DE\">Planspiele<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Planspiele k\u00f6nnen z. B. so aussehen, dass zwei Leute die Spielkoordination \u00fcbernehmen und zun\u00e4chst eine Ausgangssituation schildern. Dann bilden sich je nach Situation Gruppen (z. B. Lebensmittel-Produzent_innenr\u00e4te, Verteilungskoordinator_innen und Leute, die sich f\u00fcr Kinderbegleitung zust\u00e4ndig f\u00fchlen, &#8230;), die untereinander und miteinander die n\u00e4chsten Schritte besprechen und angehen. Die Spielkoordination kann nach z. B. 30 Minuten weitere Inputs zur sich ver\u00e4ndernden Situation geben (z. B. es sind drei Wochen vergangen, durch ausbleibenden Regen drohen Ernteausf\u00e4lle). Dabei k\u00f6nnen nicht nur \u201eSch\u00f6nwetterutopien\u201c sondern auch Worstcase-Szenarien wie Macht\u00fcbernahmen von Rechts, Ressourcenkriege oder \u00d6kodesaster gespielt werden. <\/span><span lang=\"de-DE\">Wichtig ist dabei Zeit f\u00fcr eine emotionale Nachbetrachtung einzuplanen und ein Stopp-Zeichen zu vereinbaren, sodass Leute, denen das Spiel emotional zu krass wird, rechtzeitig unterbrechen k\u00f6nnen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Toll an Planspielen ist, dass je nach Alter und Interessen der Spielgruppe, die zu spielende Situation angepasst werden und trotz des Ernsts der Lage konstruktiver Spa\u00df aufkommen kann.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Katharina Tidesh<\/span><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Alternativen pr\u00e4sentieren wir, wenn wohlhabende Prepper private Schutzbunker f\u00fcr die kommenden Ressourcenkriege bauen, Wissenschaftler_innen an der Wetterbeeinflussung (Geoengineering) f\u00fcr Industriel\u00e4nder arbeiten und rechte Parteien die Wirtschaft der eigenen L\u00e4nder st\u00e4rken wollen \u2013 ignorierend, dass Kolonialismus, Kapitalismus und jetzt auch noch Klimawandel, tendenziell die L\u00e4nder am st\u00e4rksten trifft, die am wenigsten dazu beigetragen haben? 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