{"id":21240,"date":"2019-12-05T00:31:20","date_gmt":"2019-12-04T22:31:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=21240"},"modified":"2019-12-12T17:40:44","modified_gmt":"2019-12-12T15:40:44","slug":"kapitalismus-im-neuen-kleid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/12\/kapitalismus-im-neuen-kleid\/","title":{"rendered":"Kapitalismus im neuen Kleid"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">An die Ver\u00f6ffentlichungen des Club of Rome \u00fcber die Grenzen des Wachstums wird man sich noch erinnern, an die \u00d6lkrise und die Bestrebungen Fahrzeuge zu produzieren, die weniger Treibstoff verbrauchen. All dies ignorierend k\u00fcndigte nun der VW-Konzern an, dass bis 2025 jeder zweite weltweit verkaufte Volkswagen ein SUV sein soll. Ein Fahrzeug also, das sich weder an den Anforderungen des Stadtverkehrs, noch denen der Wildnis orientiert, daf\u00fcr aber einen gr\u00f6\u00dferen Beitrag zur Klimakatastrophe leistet. Dass die Autokonzerne auch an der Entwicklung angeblich \u201egr\u00fcner\u201c Fahrzeuge arbeiten, dient in erster Linie der Kosmetik ihres ramponierten Images. Dieser Absicht dient auch der ideologische \u00dcberbau, die Negation aller wissenschaftlichen Erkenntnisse, der Klimaskeptizismus genannte Glaubenskrieg. Der CO<\/span><span lang=\"de-DE\">2<\/span><span lang=\"de-DE\">-Fu\u00dfabdruck eines batteriebetriebenen Autos ist nicht besser als der Autos mit einem Verbrennungsmotor. Zwar sto\u00dfen E-Autos keine Abgase im Betrieb aus, doch verursacht ihre Herstellung einen gewaltigen Aussto\u00df von Kohlendioxid. Nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Bauphysik erfordert der Bau eines E-Autos doppelt so viel Energie wie der eines konventionellen Autos. Hauptgrund ist der Akku: Die Forscher sch\u00e4tzen, dass f\u00fcr jede Kilowattstunde (kWh) Batteriekapazit\u00e4t 125 Kilogramm Kohlendioxid ausgesto\u00dfen werden. F\u00fcr eine 22-kWh-Batterie eines BMW i3 w\u00e4ren das dann fast drei Tonnen CO2.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Da in Elektroautos fast nur Lithium-Ionen- oder Lithium-Polymer-Akkumulator eingesetzt werden, gilt Lithium als wei\u00dfes Gold. F\u00fcnf multinationale Konzerne kontrollieren die Weltproduktion. Besonders aktiv agiert China, das sich mit mehr als 500.000 verkauften Elektro- und Hybridwagen zum gr\u00f6\u00dften Absatzmarkt entwickelt hat. Peking will aber nicht nur Weltmarktf\u00fchrer in der E-Mobilit\u00e4t sein, sondern auch die Produktion von Batterien dominieren. Es verbraucht schon jetzt \u00fcber 40 Prozent des weltweit gewonnenen Lithiums und streckt seine F\u00fchler nach den Ressourcen in S\u00fcdamerika und Australien aus. Der chinesische Autohersteller Great Wall Motors kaufte sich k\u00fcrzlich beim australischen Konzern Pilbara Minerals ein, der \u00fcber gro\u00dfe Lithium-Minen verf\u00fcgt und die chinesische Investmentfirma GSR Capital will sich an SQM in Chile, einem der weltgr\u00f6\u00dften Konzerne beteiligen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Nach Sch\u00e4tzungen der Deutschen Rohstoffagentur wird sich der globale Bedarf von derzeit etwa 33.000 Tonnen bis 2025 mindestens verdoppeln. Die Reserven liegen gesch\u00e4tzt weltweit bei 40 Millionen Tonnen, etwa 80 Prozent davon befinden sich in Salzseen im Dreieck zwischen S\u00fcdbolivien und dem Norden von Chile und Argentinien. In einem der trockensten und regen\u00e4rmsten Gebiete der Erde leben Menschen, die durch einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Wasser Quinoa, Mais, Kartoffeln und Bohnen anpflanzen und Obstb\u00e4ume bew\u00e4ssern k\u00f6nnen. Nun wird lithiumhaltiges Wasser aus den Salzseen gepumpt und in Verdunstungsbecken geleitet. Da der Lithiumanteil unter einem Prozent liegt, m\u00fcssen f\u00fcr eine Tonne Lithium zwei Millionen Liter Wasser verdunsten. <\/span><span lang=\"de-DE\">Durch diesen Eingriff sinkt der Grundwasserspiegel, wegen des geringen Niederschlags und der hohen Verdunstung trocknen Lagunen und Flussebenen aus. Zudem werden Chemieabf\u00e4lle umweltsch\u00e4dlich entsorgt. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Von den Profiten bei bolivianischem Gas und Erd\u00f6l kassierten die internationalen Konzerne 82 Prozent, 18 Prozent gelangten in die Staatskasse, bis die Regierung unter Morales das Verh\u00e4ltnis umdrehte und Gewinne in Sozialprogramme steckte. Nach dem Staatsstreich der rechten Oligarchie ist eine R\u00fcckkehr zu den alten Verh\u00e4ltnissen zu erwarten, zum Nachteil der verachteten indigenen V\u00f6lker. Die Konzernpropaganda will Glauben machen, der Abbau geschehe mit dem Einverst\u00e4ndnis der indigenen Gemeinschaften und werde ihnen zu einem besseren Leben verhelfen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Portugal soll der erste Lithiumproduzent Europas werden, weil man dort \u00fcberwiegend im Tagebau an das \u201ewei\u00dfe Gold\u201c gelangen kann. Aus Protest gegen die Pl\u00e4ne der Regierung boykottierten die Einwohner*innen der vom Tagebau bedrohten Gemeinde Morgade in nordportugiesischen Kreis Montalegre die Europawahlen. Nur vier der 328 registrierten W\u00e4hler*innen stimmten ab (2). <\/span><span lang=\"de-DE\">Bei den Parlamentswahlen im Oktober 2019 wiederholten sie ihren Boykott.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span lang=\"de-DE\">Wir sind in diesem ganzen Prozess noch nie angeh\u00f6rt worden und wir akzeptieren nicht, dass man eine Mine neben unsere H\u00e4usern bauen will, die unsere Lebensweise v\u00f6llig ver\u00e4ndern wird. Wir akzeptieren nicht, dass man in Lissabon beschlie\u00dft, einen Teil unserer D\u00f6rfer und Berge und unserer Lebensqualit\u00e4t zu zerst\u00f6ren\u201c, sagte Armando Pinto, Sprecher der Associa\u00e7\u00e3o Montalegre Com Vida.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span lang=\"de-DE\">Wir treten in eine neue \u00c4ra des Kapitalismus ein, die \u201agr\u00fcne\u2018 Phase\u201c, sagte der spanische Anarchist Miguel Amor\u00f3s im Fr\u00fchjahr 2019 bei einem Vortrag in Alicante, \u201ein der mit neuen Technologien versucht wird, die wirtschaftliche Entwicklung mit dem Territorium und den darin enthaltenen Ressourcen in Einklang zu bringen, um so \u201anachhaltiges\u2018 Wachstum zu erm\u00f6glichen und die gegenw\u00e4rtige an Motorisierung und Konsum orientierte Lebensweise mit der nat\u00fcrlichen Umwelt oder besser noch mit dem, was von ihr \u00fcbrig ist, in Einklang zu bringen. Der \u201aProzess der Energiewende\u2018 ist nur ein Aspekt des \u201awirtschaftlichen \u00dcbergangs\u2018 zum \u00d6kokapitalismus, der von der wilden (neoliberalen) Integration der Natur in den Markt bis zu einer Phase reicht, in der die Vermarktung durch unternehmerische und staatliche Mechanismen geregelt wird. Es handelt sich um eine industrielle, finanzielle und politische Operation von gro\u00dfer Bedeutung, die alles ver\u00e4ndern wird, damit sich nichts \u00e4ndert und alles beim Alten bleibt.\u201c (3)<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Nach seiner Analyse schl\u00e4gt \u201ein einer politisch und sozial blockierten Situation die internationale herrschende Klasse den Weg zu einer profitablen \u201aNachhaltigkeit\u2018 ein, auf dem die Zerst\u00f6rung weitergeht und sogar zunimmt, aber es geht sicherlich darum, den Kapitalismus zu retten, nicht den Planeten. In dieser Phase ist es die Aufgabe des Staats, die Proteste zu kanalisieren, die Bildung einer pragmatischen Umweltelite zu f\u00f6rdern und den Weg f\u00fcr den neuen gr\u00fcnen Kapitalismus zu ebnen, w\u00e4hrend die Umweltbewegung von Agenten multinationaler Konzerne infiltriert und mit Geldern unterschiedlicher Herkunft aufgekauft wird. Um Extremismus entgegenzutreten, ist die gr\u00fcne Partei in ein Instrument der herrschenden Ordnung zu verwandeln und sind systemfeindliche \u201aFundamentalisten\u2018 nicht so schnell wie m\u00f6glich zu isolieren.\u201c<\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Auch mit den Klimaaktivisten setzte er sich auseinander:<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\">\u201e<span lang=\"de-DE\">Die Bewegung gegen die Klimaver\u00e4nderung hat mit Extinction Rebellion eine \u201aMarke\u2018 entstehen lassen, die f\u00fcr das Krisenmanagement durch den Staat argumentiert. Appelliert man an den Staat, ist man kein \u201aRadikaler\u2018, da man gegen das \u201aAussterben\u2018, aber nicht gegen das Kapital eintritt. Das Ziel beschr\u00e4nkt sich darauf, die Regierungen zu zwingen, \u201aden B\u00fcrgern die Wahrheit zu sagen\u2018 und den CO<\/span><span lang=\"de-DE\">2<\/span><span lang=\"de-DE\">-Bilanz zu verbessern.\u201c<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die Schachz\u00fcge der Herrschenden der j\u00fcngsten Vergangenheit best\u00e4tigen die Richtigkeit von Amor\u00f3s Einsch\u00e4tzung, dass es keinen \u201eklimaneutralen\u201c Kapitalismus gibt. Nach einigen Wahlerfolgen beeilen sich die Gr\u00fcnen nun zu verk\u00fcnden, f\u00fcrderhin nicht \u201eallzu radikal\u201c auftreten zu wollen. Das Klimaschutzgesetz bleibt selbst hinter bescheidenen Erwartungen zur\u00fcck. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Wirtschaftsexperten malen wieder den Teufel der Rezession an die Wand, weswegen wohl der Handel mit zuk\u00fcnftigen Hightech-G\u00f6tzen durch bedingungslose Pr\u00e4mienzahlungen an die K\u00e4ufer angekurbelt werden muss. <\/span><span lang=\"de-DE\">Schlie\u00dflich zeigt der gro\u00dfe Jubel \u00fcber die Ank\u00fcndigung, eine Monsterautofabrik in Brandenburg zu bauen, dass man die Warnung der elftausend Wissenschaftler*innen vor dem bevorstehenden Kollaps und die Proteste der Aktivist*innen einfach negieren will.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><span lang=\"de-DE\">zinkhund<\/span><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An die Ver\u00f6ffentlichungen des Club of Rome \u00fcber die Grenzen des Wachstums wird man sich noch erinnern, an die \u00d6lkrise und die Bestrebungen Fahrzeuge zu produzieren, die weniger Treibstoff verbrauchen. 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