{"id":21242,"date":"2019-12-04T00:40:24","date_gmt":"2019-12-03T22:40:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=21242"},"modified":"2019-12-29T00:20:17","modified_gmt":"2019-12-28T22:20:17","slug":"antimilitarismen-in-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/12\/antimilitarismen-in-bewegung\/","title":{"rendered":"Antimilitarismen in Bewegung"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1997\/12\/prinzipienerklarung-der-war-resisters-international\/\">War Resisters\u2018 International<\/a> (WRI, Internationale der KriegsdienstgegnerInnen) ist die 1921 unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs gegr\u00fcndete pazifistische Internationale mit Mitgliedsorganisationen in zurzeit 47 L\u00e4ndern. Hinzu kommen regionale Netzwerke wie in Hispanoamerika die Red Antimilitarista de Am\u00e9rica Latina y el Caribe (RAMALC, Antimilitaristisches Netz von Lateinamerika und der Karibik) und das Pan-African Nonviolence and Peacebuilding Network (PANPEN, Pan-Afrikanisches Netzwerk f\u00fcr Gewaltfreiheit und Friedensaufbau). Deutsche Sektionen der WRI sind u.a. die bundesweit pr\u00e4sente Deutsche Friedensgesellschaft \u2013 Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und die vorwiegend im Raum Berlin t\u00e4tige Internationale der Kriegsdienstgegner*innen (IDK). Die Zeitschrift Graswurzelrevolution ist assoziiertes Mitglied der WRI. <\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_21380\" aria-describedby=\"caption-attachment-21380\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/gwr444_War_Resisters_International_Free_West_Papua.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21380\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/gwr444_War_Resisters_International_Free_West_Papua.jpg\" alt=\"Etwa 150 Menschen auf einer B\u00fchne vor einem Plakat mit der Aufschrift: &quot;Free West Papua&quot;\" width=\"1000\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/gwr444_War_Resisters_International_Free_West_Papua.jpg 1000w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/gwr444_War_Resisters_International_Free_West_Papua-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/gwr444_War_Resisters_International_Free_West_Papua-600x338.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/gwr444_War_Resisters_International_Free_West_Papua-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-21380\" class=\"wp-caption-text\">Konferenzb\u00fchne der War Resisters\u2018 International (WRI) am 1. August 2019 in Bogot\u00e1 &#8211; mit der Forderung \u201eFree West Papua\u201c. Foto: Gernot Lennert<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Neben einer \u00f6ffentlichen dreit\u00e4gigen Konferenz tagte die Versammlung (Assembly) der WRI, die ungef\u00e4hr alle vier Jahre zusammentritt, das h\u00f6chste Entscheidungsgremium bestehend aus Delegierten der Mitgliedsorganisationen. Nach der Versammlung traf sich der neu gew\u00e4hlte Rat der WRI zu seiner konstituierenden Sitzung. Er besteht aus zw\u00f6lf individuell von der Versammlung gew\u00e4hlten Mitgliedern und je einer Person pro Sektion. Er tagt j\u00e4hrlich, physisch oder elektronisch. <\/span><span lang=\"de-DE\">Bei den WRI-Konferenzen kommen pazifistisch und antimilitaristisch Aktive aus allen Kontinenten zusammen. Sie treffen langj\u00e4hrige Mitstreiter*innen wieder, kn\u00fcpfen neue Kontakte und verabreden neue gemeinsame Aktionen und Projekte.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Plenumsvortr\u00e4ge, Themengruppen, Workshops<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Vortr\u00e4ge im Plenum \u2013 zur Situation in Kolumbien, in Lateinamerika und in der Welt \u2013 er\u00f6ffneten die \u00f6ffentlichen Konferenztage, gefolgt von Arbeit in \u00fcber alle Tage hinweg tagenden Themengruppen (Mesas tem\u00e1ticas) mit den weit gefassten Themen Gerechter Friede, Diverser Friede und Nachhaltiger Friede. <\/span><span lang=\"de-DE\">An zwei Sp\u00e4tnachmittagen blieb Raum f\u00fcr thematisch konkretere k\u00fcrzere Workshops, z.B. zu <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/05\/unterstuetzung-fuer-suedkoreanische-kriegsdienstverweigerer\/\">Kriegsdienstverweigerungskampagnen in S\u00fcdkorea<\/a> und Kolumbien, zu <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/10\/menschenrechtsbeobachtung-in-chiapas-mexiko-internationale-begleitung-in-guatemala\/\">Menschenrechten in Mexiko<\/a> sowie ein Workshop zur Vorbereitung einer gewaltfreien Stra\u00dfentheater-Aktion zum Ende des \u00f6ffentlichen Teils der Konferenz. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">In der \u00f6ffentlichen Konferenz zeigte sich, dass in der antimilitaristischen und pazifistischen Bewegung in Lateinamerika andere Themen im Vordergrund stehen als in der europ\u00e4ischen Friedensbewegung. <\/span><span lang=\"de-DE\">Menschenrechtsverteidigung, Militarisierung von Grenzen gegen Fl\u00fcchtlinge (z.B. zwischen den USA und Mexiko), die spezielle Unterdr\u00fcckung von Indigenen und afrolateinamerikanischen Menschen sowie der Extraktivismus, womit die r\u00fccksichtslose auf Gewalt gest\u00fctzte Ausbeutung der Ressourcen zum Schaden der Bev\u00f6lkerung und der Umwelt gemeint ist. Erstaunlich war, dass die Situation in Venezuela nicht thematisiert wurde. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Kampagnen gegen Waffenhandel verbinden Aktive der Friedensbewegung \u00fcber Kontinente hinweg. <\/span><span lang=\"de-DE\">Kein Thema waren die Spannungen zwischen NATO\/EU einerseits und Russland andererseits sowie die Kriege im Nahen Osten. Sie sind aus lateinamerikanischer Sicht offenbar ziemlich fernliegend, mit Ausnahme der Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t. <\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Workshop: \u201eSelbstbestimmung, Gewissensgefangene und Entkolonialisierung heute\u201c<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">In diesem Workshop stellten gewaltfreie Aktive aus Ambazonia, Westpapua und Westsahara die jeweiligen K\u00e4mpfe um Eigenst\u00e4ndigkeit und ihre Bewegungen vor. Auch Puerto Rico war Thema. <\/span><span lang=\"de-DE\">Ambazonia nennt die dortige separatistische Bewegung den englischsprachigen Teil Kameruns. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die vormalige deutsche Kolonie in ein kleineres britisches und ein gr\u00f6\u00dferes franz\u00f6sisches Mandatsgebiet geteilt. 1961 musste die Bev\u00f6lkerung Britisch-Kameruns zwischen Anschluss an Nigeria oder ans frankophone Kamerun w\u00e4hlen. Der n\u00f6rdliche Teil stimmte f\u00fcr den Anschluss an Nigeria, Britisch-S\u00fcdkamerun entschied sich f\u00fcr einen f\u00f6derativen zweisprachigen Staat zusammen mit der frankophonen Republik Kamerun. Doch der Bundesstaat Kamerun wurde Schritt f\u00fcr Schritt in einen stark von Frankreich abh\u00e4ngigen Einheitsstaat umgewandelt und die politische und kulturelle Autonomie des englischsprachigen Teils immer mehr eingeschr\u00e4nkt. Seit den 1980er Jahren wuchsen unter der sich auch wirtschaftlich benachteiligt sehen <\/span><span lang=\"de-DE\">den anglophonen Bev\u00f6lkerung der Widerstand und das Streben nach Wiederherstellung der Eigenst\u00e4ndigkeit. Heute sind der Erhalt des von der Zentralregierung attackierten englischsprachigen Bildungssystems und des in der Tradition des Common Law stehenden Rechtssystems die Hauptkonfliktpunkte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">2017 eskalierten die Auseinandersetzungen zum bewaffneten Konflikt mit bisher mindestens 1000 Toten, Tausenden von Fl\u00fcchtlingen und mit Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen seitens der Regierung und seitens \u201eambazonischer\u201c und \u201es\u00fcdkamerunischer\u201c bewaffneter Organisationen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Bei der Konferenz wurden das Ambazonia Prisoners of Conscience Support Network sowie der R\u00e9seau des D\u00e9fenseurs des Droits Humains en Afrique Centrale (REDHAC, Central Africa Human Rights Defenders Network) in die WRI aufgenommen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Ebenfalls aufgenommen wurde Pasifika in Westpapua, der westlichen H\u00e4lfte Neuguineas. Pasifika setzt sich f\u00fcr Gewaltfreiheit, Menschenrechte und Selbstbestimmung in Westpapua ein und pflegt Kontakte nach Australien und in die pazifische Inselwelt. 1963 wurde das damalige Niederl\u00e4ndisch-Neuguinea an Indonesien angegliedert. Seitens der Bev\u00f6lkerung Westpapuas stimmte eine nicht-repr\u00e4sentative Versammlung zu, deren Mitglieder von indonesischen Beh\u00f6rden ausgesucht worden waren. <\/span><span lang=\"de-DE\">Seitdem wird Indonesien von der indigenen Bev\u00f6lkerung mehrheitlich als Kolonialmacht wahrgenommen. Schon kurz nach der WRI-Konferenz brachten Massenproteste in Westpapua gegen die rassistische Verfolgung papuanischer Studenten in Java die Menschenrechtssituation in Westpapua weltweit in die Nachrichten. <\/span><span lang=\"de-DE\">Der indonesische Staat schickte erneut Truppen gegen die Demonstrationen, sechs Demonstrierende wurden get\u00f6tet. Auch \u00fcber das Netzwerk der WRI wurde Protest mobilisiert. <\/span><span lang=\"de-DE\">Milit\u00e4r und Polizei Indonesiens beziehen Waffen, mit denen sie gegen Demonstrationen vorgehen, aus dem Ausland. Daraus ergibt sich f\u00fcr politisch Aktive in S\u00fcdkorea, Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland ein Hebel um gegen die menschenrechtsverletzende Politik Indonesiens vorzugehen. Deutschland beteiligt sich an der Ausbildung der indonesischen Polizei. Aktive von Pasifika sagen dazu: \u201eWas Ihr in Deutschland schaffen m\u00fcsst, ist, eure Regierung davon abzuhalten, die indonesische Polizei zu trainieren und zu bewaffnen, die der gr\u00f6\u00dfte staatliche Gewaltakteur ist.\u201c (Zivilcourage Nr. 4\/2019 S. 12)<\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Workshop: Gegen die R\u00fcckkehr der Zwangsrekrutierung<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">In den letzten Jahren haben einige Staaten die sogenannte Wehrpflicht reaktiviert oder erstmals eingef\u00fchrt: wie die Ukraine, Georgien, Litauen, Schweden, Marokko, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Staaten. Anderswo, wie in Deutschland oder den Niederlanden, wird die Wiederbelebung und Ausweitung der Zwangsdienste gefordert. Im Workshop berichteten die beiden westsaharischen Aktivist*innen von der H\u00e4rte des von den Jugendlichen gef\u00fcrchteten Milit\u00e4rdienstes in Marokko, wo die Zwangsrekrutierten zum Minenr\u00e4umen eingesetzt werden und generell als Werkzeuge benutzt werden, um deren Wohlergehen sich der Staat, wenn sie z.B. in Gefangenschaft geraten, nicht k\u00fcmmert. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Der Workshop war als Ort des Austauschs \u00fcber die aktuellen Entwicklungen in verschiedenen L\u00e4ndern und zur Diskussion von Gegenstrategien gedacht. Es nahmen zwar kompetente und kenntnisreiche Aktive aus der Westsahara, Gro\u00dfbritannien, Deutschland und Finnland teil, doch es fehlten Leute aus den betroffenen L\u00e4ndern, wo die Zwangsdienste gerade wieder eingef\u00fchrt wurden und werden. <\/span><span lang=\"de-DE\">Es h\u00e4tte spannend sein k\u00f6nnen, zu erfahren, wie die sogenannte Auswahlwehrpflicht in Schweden funktioniert, die als Modell f\u00fcr andere Staaten diskutiert wird, und wie sich Friedensgruppen dazu verhalten, wie in Frankreich der Widerstand gegen den gerade eingef\u00fchrten Service national universel, ein paramilit\u00e4rischer Zwangsdienstmonat f\u00fcr 15- bis 18-J\u00e4hriige aussieht, und wie \u00fcber die Reaktivierung von Zwangsdiensten in anderen L\u00e4ndern diskutiert wird. Doch die meisten an Kriegsdienstverweigerung interessierten Teilnehmenden der Konferenz kamen aus L\u00e4ndern, in denen man weit davon entfernt ist, \u00fcber Reaktivierung der Zwangsrekrutierung zu diskutieren, weil sie nie abgeschafft oder ausgesetzt worden war. In den meisten Staaten Lateinamerikas, S\u00fcdkorea, der T\u00fcrkei, Israel und Finnland geht es nach wie vor darum, das Recht auf Kriegsdienstverweigerung durchzusetzen und die Lage der Verweigernden zu verbessern. Eine Herausforderung f\u00fcr die WRI ist es, sich transnational dem Trend zu milit\u00e4rischen und zivilen Zwangsdiensten entgegenzustellen.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_21382\" aria-describedby=\"caption-attachment-21382\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/gwr444_Konferenz_War_Resisters_International_B\u00fcchertisch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21382\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/gwr444_Konferenz_War_Resisters_International_B\u00fcchertisch.jpg\" alt=\"Eine Auslage antimilitaristischer Zeitungen: Zvilcourage, friedlicht und Graswurzelrevolution\" width=\"1000\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/gwr444_Konferenz_War_Resisters_International_B\u00fcchertisch.jpg 1000w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/gwr444_Konferenz_War_Resisters_International_B\u00fcchertisch-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/gwr444_Konferenz_War_Resisters_International_B\u00fcchertisch-600x338.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/gwr444_Konferenz_War_Resisters_International_B\u00fcchertisch-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-21382\" class=\"wp-caption-text\">Infotisch mit deutschsprachigen WRI-Zeitschriften auf der Konferenz der War Resisters\u2018 International vom 30. Juli bis 1. August 2019 in Bogot\u00e1 (Kolumbien). Foto: Gernot Lennert<\/figcaption><\/figure>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Kriegsdienstverweigerung<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Ein Erfolg der WRI ist die internationale Kampagne f\u00fcrs Recht auf Kriegsdienstverweigerung in S\u00fcdkorea, wo gerichtlich das Recht auf einen Alternativdienst f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer anerkannt worden ist. Die WRI will mit weiteren Aktivit\u00e4ten zu S\u00fcdkorea daran ankn\u00fcpfen, um m\u00f6glichst ertr\u00e4gliche Konditionen f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer zu erreichen. <\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Wiederbelebung der WRI-Versammlung?<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Es zeigte sich eine Kluft zwischen der gut besuchten \u00f6ffentlichen Konferenz einerseits und der schwach besuchten WRI-Versammlung andererseits. Vermutlich haben viele Teilnehmende an der \u00f6ffentlichen Konferenz die WRI kaum mitbekommen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Dazu beigetragen hat sicher, dass die WRI-Versammlung, die eigentlich das Herzst\u00fcck der Gesamtkonferenz sein sollte, fast nur noch die turnusgem\u00e4\u00df notwendigen Wahlen zum Rat der WRI durchf\u00fchrt und organisatorische Fragen kl\u00e4rt. Sie ist aber kaum noch Ort f\u00fcr inhaltliche Grundsatzdiskussionen. Es ist angenehm, dass Versammlung und Ratstreffen der WRI in einer harmonischen Atmosph\u00e4re im Konsens entscheiden. Doch wenn Kontroverses vermieden wird, verlieren solche Treffen an Attraktivit\u00e4t. Gerade die Situation in Venezuela h\u00e4tte man thematisieren k\u00f6nnen. Selbst wenn man sich nicht auf eine gemeinsame Position h\u00e4tte einigen k\u00f6nnen, h\u00e4tte man wenigstens erfahren k\u00f6nnen, welche Einsch\u00e4tzungen und Meinungen es dazu \u00fcberhaupt im WRI-Spektrum und in den lateinamerikanischen Gruppen gibt.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"de-DE\">Globalisierung der WRI<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die WRI war noch in den 1980er Jahren eine fast ausschlie\u00dflich auf Westeuropa, Nordamerika und Indien beschr\u00e4nkte Organisation. In den 1990er Jahren kamen die dynamischen antimilitaristischen Bewegungen in der T\u00fcrkei und in Lateinamerika hinzu, es folgten das afrikanische Netzwerk und die sehr aktive Sektion in S\u00fcdkorea und Mitgliedsorganisationen in Nepal. Doch bei aller Freude \u00fcber diese Globalisierung br\u00f6ckelt die europ\u00e4ische Basis. Wenn bei WRI-Konferenzen aus einst in der WRI wichtigen westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern niemand kommt, ist das besorgniserregend. Noch d\u00fcsterer sieht es bez\u00fcglich Osteuropas aus. Zwischen Tschechien und S\u00fcdkorea klafft f\u00fcr die WRI einige riesige eurasische L\u00fccke ohne jegliche Mitgliedsorganisationen in so wichtigen L\u00e4ndern wie Polen, der Ukraine und Russland. <\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">100 Jahre WRI <\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die Hundertjahrfeier der WRI soll 2021 m\u00f6glichst nah am Gr\u00fcndungsort der WRI in Bilthoven bei Den Haag stattfinden, in Verbindung mit einem Ratstreffen der WRI. <\/span><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Kolumbien: Weiterhin Gewalt<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Trotz des seit 2017 umgesetzten Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerrillabewegung Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia \u2013 Ej\u00e9rcito del Pueblo (FARC-EP, Revolution\u00e4re Streitkr\u00e4fte Kolumbiens \u2013 Volksarmee) und sp\u00fcrbarer Verbesserungen und gro\u00dfer Fortschritte hat die Gewalt nicht aufgeh\u00f6rt. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">An der zentralen Kreuzung von Bogot\u00e1 gibt es einen t\u00e4glichen eindrucksvollen Dauerprotest, bei dem Bilder und Dokumente von Menschen gezeigt werden, die durchs Milit\u00e4r ermordet worden sind. Typisch sind daf\u00fcr die \u201efalsos positivos\u201c: das Milit\u00e4r ermordete unbeteiligte Zivilpersonen, um dies dann als Erfolgsmeldung \u00fcber die T\u00f6tung von Mitgliedern der Guerrilla zu verkaufen. Am 26. Juli, kurz vor Konferenzbeginn, konnte ich in Bogot\u00e1 eine beeindruckende Demonstration von \u201emehr als 15.000 Menschen\u201c (ADN 27.7.2019) gegen die Morde an Hunderten von \u201elideres y lideresas sociales\u201c (soziale F\u00fchrer und F\u00fchrerinnen), wie f\u00fchrende Aktive sozialer Bewegungen in Kolumbien genannt werden. beobachten. Seit dem Friedensabkommen sind bis zu 800 Menschen aus politischen Gr\u00fcnden ermordet worden. Bei meinem Aufenthalt im August 2019 stie\u00df ich fast jedes Mal, wenn ich in kolumbianische Zeitungen schaute und Fernsehnachrichten sehen konnte, auf Meldungen von neuen Morden, vor allem an Menschen aus der indigenen und auch afrokolumbianischen Bev\u00f6lkerung in l\u00e4ndlichen Gebieten, die, wenn sie kommerziellen Aktivit\u00e4ten wie Bergbau, Landwirtschaft oder Drogenhandel im Weg sind, h\u00e4ufig ermordet werden. (<a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=21244&amp;preview=true\">Morde an Angeh\u00f6rigen der gewaltfreien Guardia Ind\u00edgena im Oktober<\/a>.) In Zeitungen wird immer wieder ermordeter Journalist*innen gedacht.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Neben Aktiven sozialer Bewegungen sind etwa 150 Politiker*innen der Partei FARC (Fuerza Alternativa Revolucionaria del Com\u00fan, Alternative Revolution\u00e4re Kraft des Miteinander), in der sich die meisten ehemaligen Angeh\u00f6rigen der Guerrillabewegung organisiert haben, um als legale Partei am politischen Prozess teilzunehmen. Wegen dieser als unzumutbar empfundenen Morde erkl\u00e4rte Ende August 2019 ein Teil der FARC, den bewaffneten Guerrillakampf wieder aufzunehmen. Auch zuvor gab es schon FARC-Dissidenten, die sich nie auf den Friedensprozess eingelassen hatten, ebenso wenig wie die zweite gr\u00f6\u00dfere Guerrillaorganisation Ej\u00e9rcito de Liberaci\u00f3n Nacional (ELN, Nationale Befreiungsarmee). <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Kolumbien ist ein konservatives Land, das im Unterschied zu den Nachbarl\u00e4ndern keine linken Regierungen hervorgebracht hat. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Landverteilung ist die ungleichste in ganz Lateinamerika. Nationalismus und katholische Religion sind stark ausgepr\u00e4gt. Die Nationalflagge und der Personenkult um den Libertador (Befreier) Bol\u00edvar sind allgegenw\u00e4rtig, nicht nur bei den aufw\u00e4ndigen Feiern zum 200j\u00e4hrigen Jahrestag der Unabh\u00e4ngigkeit anl\u00e4sslich der Schlacht von Boyac\u00e1 am 7. August 1819. Die Schlacht markiert die Besiegelung der Unabh\u00e4ngigkeit von Spanien. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Dass das Friedensabkommen mit den FARC von einer knappen Mehrheit der Bev\u00f6lkerung in einem Referendum abgelehnt worden ist, bevor es dann in modifizierter Form doch noch abgeschlossen wurde, zeigt die St\u00e4rke des Konservatismus in Kolumbien, aber auch dass viele Menschen unter der Gewalt der FARC gelitten haben und ihr keine Sympathie entgegenbringen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Auch wenn die gro\u00dfen Drogenkartelle von Medell\u00edn und Cali zerschlagen worden sind, geht der Drogenhandel weiter. Die Gewalt hat in den letzten Jahren bedeutend nachgelassen. Doch es gibt noch immer eine un\u00fcbersichtliche Gemengelage zwischen kriminellen Banden und mehr oder weniger mit politischen und wirtschaftlichen Interessen verflochtenen Gewaltakteuren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Gernot Lennert<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"western\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die War Resisters\u2018 International (WRI, Internationale der KriegsdienstgegnerInnen) ist die 1921 unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs gegr\u00fcndete pazifistische Internationale mit Mitgliedsorganisationen in zurzeit 47 L\u00e4ndern. 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