{"id":21310,"date":"2019-12-06T23:52:27","date_gmt":"2019-12-06T21:52:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=21310"},"modified":"2020-01-13T21:46:05","modified_gmt":"2020-01-13T19:46:05","slug":"lasst-sie-nicht-ertrinken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/12\/lasst-sie-nicht-ertrinken\/","title":{"rendered":"Lasst sie nicht ertrinken!"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Diese dritte Jubil\u00e4umsbrosch\u00fcre \u2013 die erste erschien nach einem Jahr, die zweite nach drei Jahren \u2013 berichtet \u00fcber die Arbeit des Callcenters, \u00fcber aktuelle Entwicklungen und dokumentiert Rettungs- und Todesf\u00e4lle. Jeder Band enth\u00e4lt eine Chronologie. Die aktuellsten F\u00e4lle aus diesem Jahr: Im Juli ertranken mehr als 150 Menschen im zentralen Mittelmeer. Im August rettete die \u201eOpen Arms\u201c 125 und die \u201eOcean Viking\u201c 80 Menschen. In beiden F\u00e4llen hatte das Alarm Phone auf die Seenotf\u00e4lle aufmerksam gemacht. In den f\u00fcnf Jahren seines Bestehens hatte das Callcenter Kontakt mit 2.800 Booten und hat zur Rettung von Tausenden Menschen vor dem Ertrinken beigetragen. Jedoch mussten die Aktivist*innen viel zu oft auch das Sterben auf See bezeugen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die Autor*innen schildern ihre Telefonate und haben einige Gespr\u00e4che aufgezeichnet. Es geht um konkrete Daten zur Situation und Position des Bootes, aber ebenso um eine freundliche, solidarische Ansprache der Menschen, und denen, die oft sehr verzweifelt sind, Mut zuzusprechen. Das Alarm Phone alarmiert die zust\u00e4ndigen K\u00fcstenwachen und versucht zu verfolgen, ob diese wirklich eine Such- und Rettungsmission starten. Es kooperiert mit den verbliebenen zivilen Rettungsinitiativen, die trotz Repression noch Schiffe oder Aufkl\u00e4rungsflugzeuge betreiben k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"de-DE\">Die Fl\u00fcchtenden nicht allein lassen<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Das Alarm Phone dokumentiert und ver\u00f6ffentlicht, was auf dem Mittelmeer geschieht, wie die Rettung oft verz\u00f6gert oder verweigert wird, und wie versucht wird, Menschen an der \u00dcberquerung des Mittelmeers zu hindern. Das Projekt skandalisiert eine europ\u00e4ische Politik, die mit ihrer Fl\u00fcchtlingsabwehr f\u00fcr das Sterben auf dem Mittelmeer verantwortlich ist und zu diesem Zweck auch milit\u00e4rische Mittel einsetzt. Dabei wird das Leben der Fl\u00fcchtenden aufs Spiel gesetzt und ihr Grundrecht auf Asyl missachtet. Bei Pullback-Aktionen holen t\u00fcrkische oder libysche K\u00fcstenwachen rechtswidrig Boote zur\u00fcck in ihre Hoheitsgew\u00e4sser, umgekehrt erzwingen beim Pushback beispielsweise griechische K\u00fcstenwachen die R\u00fcckkehr von Booten aus europ\u00e4ischen Gew\u00e4ssern in den Einflussbereich der T\u00fcrkei.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">In der Brosch\u00fcre wird \u00fcber die Arbeit des Alarm Phone berichtet und \u00fcber die Situation auf den drei Hauptrouten. Im westlichen Mittelmeer zwischen Marokko und Spanien haben 2018 die \u00dcberfahrten deutlich zugenommen. Der mit Abstand am meisten frequentierte Weg f\u00fchrt jedoch nach wie vor durch das \u00e4g\u00e4ische Meer von der T\u00fcrkei nach Griechenland. Je schwieriger die \u00dcberfahrten werden, desto mehr Menschen versuchen es auf dem Landweg \u00fcber den Fluss Evros. Auf beiden Wegen kommt es immer wieder zu massiven Menschenrechtsverletzungen, die milit\u00e4rische Grenzsicherung wird durch die EU finanziert, auch die NATO ist in den Gew\u00e4ssern unterwegs. \u00dcber das zentrale Mittelmeer von Libyen und Tunesien nach Italien und Malta wagten sich weniger Schiffe. Seit einiger Zeit kommen auch wieder Boote direkt an den europ\u00e4ischen K\u00fcsten an, alleine in den Monaten M\u00e4rz bis Juni 2019 mit weit \u00fcber 1.000 Menschen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Zur Arbeit beim Alarm Phone geh\u00f6rt auch die Konfrontation mit dem Tod. Manche Aktivist*innen m\u00fcssen Verstorbene dokumentieren und identifizieren, um die Angeh\u00f6rigen benachrichtigen zu k\u00f6nnen, denn nichts ist qu\u00e4lender als die Ungewissheit, ob die Liebsten noch am Leben sind oder nicht. Auch das Gedenken ist Teil der Solidarit\u00e4t. So wird zum Beispiel in Mailand eine monatliche Demonstration organisiert, so wie die der M\u00fctter von Verschwundenen in Buenos Aires. In Griechenland wurden Orte des Gedenkens errichtet, wo Angeh\u00f6rige gemeinsam mit solidarischen Begleiter*innen trauern k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"de-DE\">Bewegungsfreiheit f\u00fcr alle!<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Ein weiteres Callcenter-Projekt, das langsam seine Arbeit aufnimmt, ist das Alarme Phone Sahara. Es hat seinen Schwerpunkt in Niger, wo Deutschland und andere EU-L\u00e4nder zwecks Migrationskontrolle Sicherheitskr\u00e4fte finanzieren. Jenseits der kontrollierten Reisewege ist die Fahrt durch die W\u00fcste gef\u00e4hrlich, immer wieder bleiben Autos liegen. Die Rettung ist sehr m\u00fchsam, das Sahara Phone ber\u00e4t auch Reisende und dokumentiert Notf\u00e4lle.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Hotline-Projekte werden ebenfalls in Slowenien und an der Grenze zwischen Italien und Frankreich in den Alpen aufgebaut, sowie in Frankfurt am Main ein Notruftelefon gegen Abschiebungen. Die Jubil\u00e4umsbrosch\u00fcre enth\u00e4lt auch Stimmen von Gefl\u00fcchteten, Berichte \u00fcber Gewalt und Gedichte, die schmerzlich vor Augen f\u00fchren, welche Ungerechtigkeit und welches Leid rassistische Grenzregime verursachen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Das Alarm Phone rettet Leben, es dokumentiert und skandalisiert das Sterben auf der Flucht, und es tritt f\u00fcr das Recht auf Bewegungsfreiheit f\u00fcr alle Menschen ein. Mit seiner zuverl\u00e4ssigen allt\u00e4glichen Arbeit, ebenso wie mit Gedenk- und Protestaktionen bekr\u00e4ftigt es immer wieder seine Forderungen: \u201eF\u00e4hren statt <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/11\/das-meer-der-tod-und-die-deals\/\">Frontex!<\/a>\u201c, \u201eFlucht ist kein Verbrechen!\u201c und \u201eBewegungsfreiheit f\u00fcr alle!\u201c<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese dritte Jubil\u00e4umsbrosch\u00fcre \u2013 die erste erschien nach einem Jahr, die zweite nach drei Jahren \u2013 berichtet \u00fcber die Arbeit des Callcenters, \u00fcber aktuelle Entwicklungen und dokumentiert Rettungs- und Todesf\u00e4lle. Jeder Band enth\u00e4lt eine Chronologie. Die aktuellsten F\u00e4lle aus diesem Jahr: Im Juli ertranken mehr als 150 Menschen im zentralen Mittelmeer. 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