{"id":21481,"date":"2020-01-03T12:12:01","date_gmt":"2020-01-03T10:12:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=21481"},"modified":"2020-03-07T11:09:37","modified_gmt":"2020-03-07T09:09:37","slug":"aufspielen-statt-abschieben-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/01\/aufspielen-statt-abschieben-2\/","title":{"rendered":"\u201eAufspielen statt Abschieben\u201c"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die Lebenslaute-Aktion von 2013 in Berlin stand unter dem Motto \u201eAufspielen statt Abschieben \u2013 Music For Free Movement\u201c und war vor allem als Unterst\u00fctzung der Proteste der Migrant*innen gedacht, die den Berliner Oranienplatz besetzt hielten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die vierzehn Mitglieder der Bezugsgruppe versammelten sich p\u00fcnktlich um 5.35 Uhr an den Parkpl\u00e4tzen entlang der Stra\u00dfe Alt-Moabit in der N\u00e4he des BMI, alle in feierlicher schwarz-wei\u00dfer Konzertkleidung. Wir gingen ruhig, ja schlendernd und wie zuf\u00e4llig, durch eine kleine Allee, die parallel zum BMI verl\u00e4uft, bis wir am Ufer der Spree ankamen. Da wir vereinbart hatten, dass alle Gruppen genau um 5.45 Uhr die vier Zug\u00e4nge zum Ministerium blockieren sollten, hatten wir noch ein paar Minuten Zeit, um in die tr\u00e4ge Str\u00f6mung der Spree zu schauen und dabei innere Ruhe zu gewinnen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/gwr445_LebenslauteCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-21534 alignright\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/gwr445_LebenslauteCover-223x300.jpg\" alt=\"Cover des Buches &quot;Widerst\u00e4ndige Musik an unm\u00f6glichen Orten&quot;\" width=\"223\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/gwr445_LebenslauteCover-223x300.jpg 223w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/gwr445_LebenslauteCover-300x404.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/gwr445_LebenslauteCover-600x808.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/gwr445_LebenslauteCover-768x1034.jpg 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/gwr445_LebenslauteCover-761x1024.jpg 761w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/gwr445_LebenslauteCover.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 223px) 100vw, 223px\" \/><\/a>Das BMI ist in der \u00f6stlichen H\u00e4lfte eines gewaltigen Geb\u00e4udes untergebracht, das die Form eines zur Spree hin offenen U hat. Im Ministerium haben neunhundert MitarbeiterInnen auf dreizehn Etagen ihre Arbeitspl\u00e4tze. Der Abstand zwischen den beiden Teilen des U betr\u00e4gt ungef\u00e4hr f\u00fcnfundzwanzig Meter; hier finden sich Gr\u00fcn- und Blumenanlagen, Wasserspiele und Wege.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Um 5.40 Uhr gingen wir gem\u00e4chlich vom Spreeufer aus in das U hinein und gelangten schnell zur \u201e\u201eB\u00fchne 2\u201c, dem von uns zu blockierenden Zugang in der Mitte des rechten U-Anteils. Es handelt sich um eine ca. 2,50 m breite, nach au\u00dfen aufgehende Glast\u00fcr, vor der wir uns um Punkt 5.45 Uhr niederlie\u00dfen; vor den unmittelbar die T\u00fcr blockierenden S\u00e4ngerInnen arrangierte sich unser Instrumentalquartett, bestehend aus zwei Geigen, Bratsche und Fagott. Ohne Hektik packten die Musikerinnen ihre Instrumente, Notenst\u00e4nder und Hocker aus. Um 5 vor 6 sa\u00dfen wir musizierend vor der T\u00fcr, die nun durch unser Transparent \u201eAufspielen statt Abschieben \u2013 Lebenslaute\u201c weitgehend verdeckt war. Bei den ersten Kl\u00e4ngen versuchten uniformierte Beamte, die T\u00fcr von innen aufzudr\u00fccken, aber unsere Sitzblockade hielt. Jemand von uns rief durch den T\u00fcrspalt hinein: \u201eDiese T\u00fcr bleibt heute geschlossen.\u201c Fortan unterblieben die Versuche, die T\u00fcr mit Gewalt von innen zu \u00f6ffnen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Kaum hatten wir mit der Musik begonnen (\u201eWie nun, ihr Herren, seid ihr stumm &#8230;\u201c), als auch schon zwei uniformierte Herren, Polizeibeamte, schnellen Schritts auf uns zu eilten. Der eine blieb stumm, bem\u00fchte sich, unbeteiligt dreinzuschauen. Der andere war der Wortf\u00fchrer und rief w\u00fctend: \u201eUm sechs Uhr ist diese T\u00fcr frei!\u201c Trotz aller anderslautenden Androhungen wurde T\u00fcr 2 nicht ger\u00e4umt. So hatten wir Gelegenheit, von sechs bis zehn Uhr fast ununterbrochen zu musizieren. Um die Anliegen und Fragen der Polizei zu diskutieren und eine Konsensentscheidung zu finden, mussten wir unsere Musik nur f\u00fcr jeweils wenige Minuten unterbrechen. Zum Repertoire der Gruppe Ubuntu geh\u00f6rten:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span lang=\"de-DE\">Chor\u00e4le: Sch\u00fctz: Wie nun, ihr Herren, &#8230;<\/span><\/li>\n<li><span lang=\"de-DE\">Buxtehude: umgedichteter Choral \u201eWir hei\u00dfen die willkommen, die Not hierher gef\u00fchrt, &#8230;\u201c<\/span><\/li>\n<li><span lang=\"de-DE\">Kanons: Wer glaubt, dass die Welt &#8230; \/ Sollt in Frieden leben &#8230; \/ Es klingen die Lieder, wir kom<\/span><span lang=\"de-DE\">men bald wieder &#8230;<\/span><\/li>\n<li><span lang=\"de-DE\">Afrikanische Lieder: Malaika, Mungu akipenda, Siyanibingelela<\/span><\/li>\n<li><span lang=\"de-DE\">Brecht\/T\u00fcbinger: Was ist der Mensch &#8211; ohne einen Pass<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Dazu hatte unser Instrumental-Quartett viele hervorragend klingende St\u00fccke parat. Wie wir sp\u00e4ter von anderen h\u00f6rten, hatte unsere \u201eB\u00fchne\u201c eine unglaubliche Akustik, weil die Musik zwischen den beiden Hochhausfassaden des U hin und her reflektiert wurde und sich dabei verst\u00e4rkte, so dass es klang, als ob da ein gro\u00dfes Orchester und ein starker Chor am Werk w\u00e4ren. Gegen 7.30 Uhr reduzierte sich unsere Gruppe um drei Mitglieder, die nach eingehendem Abw\u00e4gen des F\u00fcr <\/span><span lang=\"de-DE\">und Wider dem Ruf folgten, mit anderen eine weitere Gruppe zu bilden, um einen f\u00fcnften Zugang, von dem wir alle zuvor keine Kenntnis hatten, zu blockieren. Unser Instrumental-Quartett blieb aber bestehen, und im Chor waren weiterhin alle Stimmen vertreten.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/5grEfkpTe2o\" width=\"100%\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><span data-mce-type=\"bookmark\" style=\"display: inline-block; width: 0px; overflow: hidden; line-height: 0;\" class=\"mce_SELRES_start\">\ufeff<\/span><span data-mce-type=\"bookmark\" style=\"display: inline-block; width: 0px; overflow: hidden; line-height: 0;\" class=\"mce_SELRES_start\">\ufeff<\/span><\/iframe><\/p>\n<p align=\"justify\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5grEfkpTe2o&amp;feature=youtu.be&amp;fbclid=IwAR13xFAyybKL5S69y5wG1lxlydo8CMoLDshM0159ooUUBfdTEKRsupnOxBo\">Youtube<\/a><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Der anfangs schwierige Kontakt mit der Polizei entspannte sich allm\u00e4hlich. Wir hatten ab 9.30 Uhr durchblicken lassen, dass sich alle Gruppen ab zehn Uhr am BMI-Zugang vom Spreeufer her versammeln w\u00fcrden, um dann ab elf Uhr das Hauptkonzert mit Blockade der dort befindlichen T\u00fcren (\u201eB\u00fchne 3\u201c) zu beginnen. St\u00fcndlich erfuhren wir \u00fcber die Telefonkonferenzen der SprecherInnen, was an den anderen Zug\u00e4ngen los war. An unserer \u201eB\u00fchne\u201c kamen zahlreiche Menschen vorbei, die wir mit unseren Handzetteln versorgten und in Gespr\u00e4che verwickelten. Ein vornehm gekleideter Herr behauptete, er sei inhaltlich gar nicht weit von uns entfernt, aber so eine Blockade sei der falsche Weg. Damit w\u00fcrden wir unserem Anliegen nur schaden. Viele PassantInnen, auch solche, die eigentlich ins Ministerium hinein wollten, schienen nachdenklich zu werden. Mehrmals hielt jemand aus unserer Gruppe mit Hilfe einer \u201eFl\u00fcstert\u00fcte\u201c aus dem Stegreif eine Ansprache an die Vor\u00fcbergehenden, mit Informationen \u00fcber Lebenslaute und \u00fcber den Zweck unserer Musikblockade.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Ab 9.45 Uhr erschienen immer mehr MitarbeiterInnen des BMI, zumeist (stumme) Herren in grauen Anz\u00fcgen und mit Aktenk\u00f6fferchen, in unserer N\u00e4he. Sie warteten auf Einlass und hatten bis dahin Gelegenheit, unseren Handzettel zu studieren; offenbar hatte man sie informiert, heute erst auf zehn Uhr zum Dienst zu erscheinen. Als wir um Punkt zehn die T\u00fcr freigaben und singend (Wie nun, Ihr Herren &#8230;) ein Spalier bildeten, mussten die inzwischen ungef\u00e4hr zwanzig Damen und Herren durch eben dieses Spalier gehen, was sie mit gesenkten K\u00f6pfen und unter Vermeidung von Blickkontakt taten. Vielleicht kam unsere Botschaft bei dem einen oder der anderen an?<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Wir verlie\u00dfen unseren liebgewonnenen Blockadeplatz um zehn Uhr und begaben uns an das offene Ende des U, wo das Abschlusskonzert stattfinden sollte. Wir alle fanden es erstaunlich und begl\u00fcckend, wie so eine Bezugsgruppe in kurzer gemeinsamer Aktionszeit zusammenwachsen kann; wie jede und jeder seine F\u00e4higkeiten einbringt, wie sich jede(r) auf jede(n) verlassen kann, wie alle sich im sozialen Verbund der Gruppe zunehmend sicher und wohl f\u00fchlten. F\u00fcr die Polizisten, die an ein von Befehlen und Gehorchen gepr\u00e4gtes Berufsleben gewohnt sind, war es offenkundig neu und interessant, unsere Gruppen, in denen es keine Hierarchie gibt, und unsere Konsensfindung zu beobachten.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/DSC1836.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-21763 size-large\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/DSC1836-1024x603.jpg\" alt=\"\" width=\"100%\" height=\"100%\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/DSC1836-1024x603.jpg 1024w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/DSC1836-300x177.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/DSC1836-600x353.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/DSC1836-768x452.jpg 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/DSC1836.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<h5 align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Ged\u00e4chtnisprotokoll des Dialogs mit der Polizei<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Ich war seitens der Ubuntu-Gruppe f\u00fcr den \u201ePolizeikontakt\u201c vorgesehen, mir zur Seite stand der uns unterst\u00fctzende Freund von ZUGABe (Ziviler Ungehorsam, Gewaltfreie Aktion, Bewegung); das gab ein gutes Gef\u00fchl, und es war wechselweise immer ein Zeuge da. Ich bem\u00fchte mich, in meinem schwarzen Anzug aufrecht, mit Blickkontakt, freundlich auf die Beamten zuzugehen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>Polizeibeamter (PB)<\/strong>: \u201eUm 6 Uhr ist diese T\u00fcr frei! Geben Sie mir Ihren Ausweis!\u201c<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>Lebenslaute (LL)<\/strong>: Guten Tag! Ihre Fragen an diese Gruppe k\u00f6nnen Sie \u00fcber uns stellen. Ich bin f\u00fcr den Polizeikontakt zust\u00e4ndig. Bei Lebenslaute ist es \u00fcblich, dass die Bezugsgruppen ihre Entscheidungen nach dem Konsensprinzip gemeinsam treffen. Ich m\u00f6chte deshalb Ihren Wunsch, dass wir diese T\u00fcr um sechs Uhr freigeben sollten, jetzt der Gruppe vortragen. Wir bitten Sie, uns ein wenig Zeit einzur\u00e4umen, damit wir Ihr Anliegen ausdiskutieren k\u00f6nnen. In ungef\u00e4hr zehn Minuten kann ich Ihnen dann unsere Entscheidung mitteilen. Zum Ausweis: Ich bin nur \u201ePolizeikontaktperson\u201c, aber kein \u201eR\u00e4delsf\u00fchrer\u201c oder f\u00fcr die Gruppe Verantwortlicher. <\/span><span lang=\"de-DE\">Deshalb h\u00e4ndige ich Ihnen meinen Pass jetzt nicht aus: Wenn man Ihrerseits diesen Zugang r\u00e4umen will, m\u00fcssen wir alle unsere Ausweise vorzeigen \u2013 das ist uns bekannt. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">(Innerlich vor Wut brodelnd ging der Beamte stampfend ein paar Schritte davon und beriet sich mit seinem Kollegen. Nach zehn Minuten:)<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>PB:<\/strong> Nun? Es ist schon 5 nach 6, jetzt m\u00fcssen Sie die T\u00fcr freigeben. Es ist ein Fluchtweg!<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>LL:<\/strong> Die Gruppe hat Ihren Wunsch eingehend diskutiert. Es wurde dann entschieden, dass wir weiterhin diese T\u00fcr blockieren wollen. Wegen Ihrer Information, dass es sich bei dieser T\u00fcr um einen Fluchtweg handelt, m\u00f6chte ich erneut die ganze Gruppe einbeziehen, um einen Konsens zu erm\u00f6glichen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>PB:<\/strong> Beeilen Sie sich mit Ihren Diskussionen! <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">(nach zehn Minuten:)<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>PB:<\/strong> Kennen Sie die Konsequenzen Ihrer Blockade? Sie begehen Landfriedensbruch. Eine Hundertschaft Sondereinsatzkr\u00e4fte ist schon unterwegs.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>LL:<\/strong> Zuerst m\u00f6chte ich Ihnen die Gruppenentscheidung zur Frage des Fluchtwegs mitteilen. Selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcrden wir die T\u00fcr sofort freigeben, wenn sie in einer Notsituation als Fluchtweg gebraucht wird, zum Beispiel wenn drinnen ein Feuer ausbricht. Auch f\u00fcr Notarzt und Feuerwehr w\u00fcrden wir den Weg sofort frei machen. Im Fall einer Notsituation k\u00f6nnten wir \u00fcbrigens auch Erste Hilfe leisten, es gibt \u00c4rztInnen in unserer Gruppe. Zu Ihrer neuen Frage wegen der Konsequenzen und Ihrer Mitteilung \u00fcber die anr\u00fcckende Hundertschaft werde ich jetzt &#8230;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>PB<\/strong>: &#8230; wieder die Gruppe fragen. Das kenne ich ja nun schon, es steht mir hier.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>LL:<\/strong> Wir freuen uns, dass Ihnen der Modus unserer Entscheidungsfindungen nun schon klar geworden ist. Zu Konsequenzen und Hundertschaft werden Sie unsere Entscheidung in wenigen Minuten erfahren. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">(nach f\u00fcnf Minuten, in weniger aufgeregtem Ton:)<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>PB:<\/strong> Ich mache Ihnen einen guten Vorschlag. Hier auf dieser Rasenfl\u00e4che, ungef\u00e4hr zehn Meter von der T\u00fcr entfernt, k\u00f6nnen Sie Ihr Banner ausbreiten und dann, so viel Sie wollen, musizieren. Der Vorteil f\u00fcr Sie: Sie werden aus den Fenstern aller Stockwerke gesehen, Ihr Protest w\u00e4re viel effektiver. Auch der Minister, der dort oben seine R\u00e4ume hat, w\u00fcrde Sie sehen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>LL:<\/strong> Gestatten Sie, dass wir zuerst auf Ihre noch nicht beantworteten Fragen und Informationen zur\u00fcckkommen. Die Konsequenzen unseres Tuns sind uns klar. Wir haben uns gut auf diese Aktion vorbereitet. Es gibt auch JuristInnen in unseren Reihen. Allerdings sind wir nicht der Meinung, dass wir uns des Landfriedensbruchs schuldig machen. Wir verhalten uns absolut gewaltfrei und w\u00fcrden auch keinen Widerstand leisten, wenn man uns wegtragen wollte. Was wir hier machen, ist allenfalls eine Ordnungswidrigkeit. Die anr\u00fcckende Hundertschaft veranlasst uns nicht, diesen Zugang freizugeben. Ihren sehr bedenkenswerten Vorschlag, hier in der Mitte des U zu musizieren, m\u00f6chte ich jetzt der Gruppe unterbreiten.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">(Er ergab sich mehr und mehr in sein Schicksal; aber \u201eBezugsgruppen\u201c und \u201eKonsensfindung\u201c werden ihm vermutlich Alptr\u00e4ume bescheren. Nach zehn Minuten:)<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>LL:<\/strong> Die Gruppe dankt Ihnen f\u00fcr den konstruktiven Vorschlag, hat aber dann entschieden, doch vor dieser T\u00fcr bleiben zu wollen. Zum Minister: Ist Herr Friedrich denn jetzt schon dort oben in seinem Zimmer? <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>PB:<\/strong> Nein, um halb sieben ist er nat\u00fcrlich noch nicht da. Er wird auch heute \u00fcberhaupt nicht kommen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>LL:<\/strong> Ach so, dann k\u00f6nnte er ja auch nicht aus seinem Fenster unser Transparent sehen, wenn wir es dort auf dem Rasen ausbreiten w\u00fcrden. Schade. Wir w\u00fcrden Ihnen gern noch etwas mehr \u00fcber Lebenslaute erz\u00e4hlen. Im vorigen Jahr haben wir die Waffenfabrik Heckler und Koch in Oberndorf blockiert. Wir haben deutlich gemacht, dass wir die Produktion todbringender Handfeuerwaffen und den Handel damit f\u00fcr ein gro\u00dfes Unrecht halten. Ihre Dienstwaffe hier, ist die auch von HK?<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>PB:<\/strong> Ja, und diese Pistole ist gut. Die Ausr\u00fcstung f\u00fcr Polizei und Bundeswehr im eigenen Land zu produzieren, das ist doch wichtig. Au\u00dferdem gibt\u2019s da viele Arbeitspl\u00e4tze.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Nun entspann sich ein l\u00e4ngeres Gespr\u00e4ch \u00fcber R\u00fcstungskonversion, \u00fcber die Frage, ob der Endverbleib exportierter Waffen kontrolliert werden kann etc. Unsere aktuelle Blockadesituation trat vor\u00fcbergehend in den Hintergrund.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>PB:<\/strong> Eins muss ich Ihnen ja lassen: Ihre Organisation ist gut. Sie haben da vorn ja sogar ein Toilettenh\u00e4uschen aufgestellt &#8230; Chapeau!<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><strong>LL:<\/strong> Ja, das ist doch klar; wir wollen doch hier nicht in die B\u00fcsche gehen und die Umgebung des Ministeriums verschmutzen. Lebenslaute wei\u00df, was sich geh\u00f6rt.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Wir konnten beobachten, dass ab und zu anders uniformierte \u201eOrdnungskr\u00e4fte\u201c auftauchten und mit \u201eunseren\u201c Polizisten heftig diskutierten. Erst sp\u00e4ter erfuhren wir, dass zwischen der Berliner und der Bundespolizei lange Zeit unklar war, wer f\u00fcr unsere Aktion eigentlich zust\u00e4ndig sei. <\/span><span lang=\"de-DE\">Schlie\u00dflich hat sich die Bundespolizei durchgesetzt; das war f\u00fcr uns positiv, weil die Bundespolizei ein deeskalierendes Verhalten bevorzugte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Winfrid Eisenberg<\/span><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Lebenslaute-Aktion von 2013 in Berlin stand unter dem Motto \u201eAufspielen statt Abschieben \u2013 Music For Free Movement\u201c und war vor allem als Unterst\u00fctzung der Proteste der Migrant*innen gedacht, die den Berliner Oranienplatz besetzt hielten. 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