{"id":21823,"date":"2020-03-07T20:37:45","date_gmt":"2020-03-07T18:37:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=21823"},"modified":"2020-03-17T21:22:49","modified_gmt":"2020-03-17T19:22:49","slug":"ums-verrecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/03\/ums-verrecken\/","title":{"rendered":"Ums Verrecken"},"content":{"rendered":"<p>Ende November 2019 vermeldete die neoliberale Wochenzeitung \u201eDie Zeit\u201c, Roger Hallam, Mitgr\u00fcnder und Vordenker von Extinction Rebellion (XR), habe den Holocaust im Interview einen \u201eweiteren Schei\u00df\u201c genannt und betrachte das industrielle Abschlachten von sechs Millionen Juden als \u201eein historisch fast normales Ereignis\u201c. Solche, die deutschen Verbrechen relativierenden und verharmlosenden Absonderungen d\u00fcrften niemanden \u00fcberraschen, Hallam hatte zuvor bereits Sexisten und Rassisten zur Mitarbeit eingeladen und war mit weiteren fragw\u00fcrdigen Einlassungen aufgefallen.<\/p>\n<p>Trotzdem darf er als Sprecher einer Gruppe auftreten, die sich selbst gern als letzte Instanz der Rebellion \u201egegen das Aussterben\u201c der Menschheit versteht. Eine Sprecherin von XR \u00e4u\u00dferte gegen\u00fcber der TAZ die von erstaunlicher Hybris zeugende Einsch\u00e4tzung, man habe \u201ezivilen Ungehorsam mehrheitsf\u00e4hig gemacht\u201c. Und w\u00e4hrend man sich in Hamburg von Mitstreitern distanzierte, weil diese bei einer Blockade im Angesicht \u00fcbertriebener Gewaltanwendung durch die staatlichen Repressionsorgane polizeifeindliche Parolen gerufen hatten, sparen die XR-Vorturner nicht mit Kriegs- und Gewaltrhetorik. Der neben Hallam zweite prominente \u201eSpokesman\u201c der Bewegung, Rupert Read, Philosophie-Dozent an der University of East Anglia in Norwich, sprach in einem Beitrag der ARD-Sendung \u201eTitel, Thesen, Temperamente\u201c davon, man m\u00fcsse angesichts des drohenden Endes der Zivilisation \u201ehandeln, als ob wir im Krieg w\u00e4ren. Da gr\u00fcbelt man ja auch nicht lange, ob es \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist, den Gegner zu besiegen. Werden wir daf\u00fcr ein Jahr brauchen oder zehn? Lasst uns erstmal ein paar Studien in Auftrag geben und solange tun wir gar nichts. Nein, man reagiert sofort, um die Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen.\u201c Dass sich bei derartigen Vorstellungen, die allen Ernstes davon ausgehen, kriegerische Auseinandersetzungen h\u00e4tten in erster Linie den Anspruch oder die Eignung, \u201edie Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen\u201c, bis ins biederste linksliberale Lager die Nackenhaare str\u00e4uben, darf auch Wohlmeinende nicht \u00fcberraschen und man k\u00f6nnte das als verirrten Ausrei\u00dfer bezeichnen, wenn im Falle XR solcherlei nicht an der Tagesordnung w\u00e4re.<\/p>\n<p>Auch gegen\u00fcber der GWR berichteten zuletzt AktivistInnen verschiedener Gruppen von besserwisserischem und teilweise gef\u00e4hrlichem Gebahren der XR-Leute. \u201eIch vermisse eine klare politische Position\u201c, sagt etwa GWR-Mitherausgeberin C\u00e9cile Lecomte, \u201edas Logo, das \u00c4hnlichkeiten zu dem der Identit\u00e4ren aufweist, scheint wichtiger als Inhalte zu sein. Auch der Hang zur Esoterik beunruhigt mich, ich sehe darin die Gefahr eines Abdriftens nach rechts. Auf Blockaden in Berlin konnte man f\u00fcr die Erde meditieren. Wenn man glaubt, die von XR ausgerufenen Ziele seien Schutz genug gegen rechts, nach dem Motto \u2018wer rechts ist, der kommt ohnehin nicht zu uns\u2018, liegt falsch. Das habe ich bei unserem Wagenplatz damals auch gedacht: Wer im Bauwagen leben will, ist doch links. N\u00f6, so war es am Ende nicht, neue Rechte haben sich breit gemacht und ihr Gedankengut \u00fcber rechte Esoterik unter die Menschen gebracht.\u201c XR sei, so Lecomte, auch nicht bereit, sich von Mitarbeitern des rechten Verschw\u00f6rungsportals \u201eRubikon\u201c zu distanzieren, die sich bei XR engagieren, ohne ihre Mitarbeit bei \u201eRubikon\u201c zu beenden: \u201eIntern wurde dar\u00fcber viel debattiert, die resultierende Entscheidung daraus ist, dass Querfront\/Verschw\u00f6rungsleute toleriert werden.\u201c Lecomte verweist auch auf eine vom sp\u00e4teren XR-Sprecher Rupert Read im Zuge des Brexit-Referendums vertretene Ansicht. In einem Diskussionsbeitrag im Guardian hatte Read 2016 argumentiert, die Bef\u00fcrwortung weiterer Masseneinwanderung aus Staaten der EU in das brittische K\u00f6nigreich w\u00fcrde die \u201eeinfachen Arbeiter\u201c (\u201eordinary working people\u201c) \u201eendg\u00fcltig entfremden\u201c (\u201eterminally alienate\u201c), und zwar, wie Read meint, \u201efor good reasons\u201c. Bisher ist von einer Distanzierung von Read aus dem XR-Kreis wenig zu h\u00f6ren, obwohl man doch sonst gewisserma\u00dfen Distanzierweltmeister ist \u2013 wenn es um Linke geht. In einem Fall wurde berichtet, im Bus zu einer Aktion sei das Anstimmen antikapitalistischer Ges\u00e4nge untersagt worden, weil XR nicht explizit antikapitalistisch sei, es gehe bei der Aktion um Organisation, nicht um Meinungsfreiheit. (Quelle: \u201eKlimak\u00e4mpfe\u201c von Hanna Poddig, Unrast Transparent, Seite 63). Inzwischen hei\u00dft es in den Grundprinzipien von XR-Deutschland: \u201eVerhalten, das Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Islamophobie, Homophobie, Behindertenfeindlichkeit, Klassendiskriminierung, Altersvorurteile und alle anderen Formen der Diskriminierung, einschlie\u00dflich beleidigender Sprache, aufweist, akzeptieren wir weder pers\u00f6nlich noch online.\u201c<\/p>\n<p>Weiter kritisiert Lecomte vor allem die Einstellung von XR zu staatlicher Repression und ihren Organen. Aufgrund ihrer Erfahrungen mit Mitgliedern von XR sagt sie: \u201eSie behaupten, Repression sei \u00fcberschaubar und sie l\u00fcgen Teilnehmer*innen damit an. Sie verharmlosen Repression. Auch die Auswirkungen, die Knast auf einzelne haben kann. Das ist kein nachhaltiger Aktivismus. Auch das `ich habe mir nichts vorzuwerfen, also kann ich mit der Polizei reden\u2018, finde ich gef\u00e4hrlich. In manchen Ortsgruppen gibt es scheinbar die Empfehlung, Vorladungen der Polizei nachzukommen und Aussagen zu machen. Die Polizei sei ja nicht der Gegner. Das finde ich gef\u00e4hrlich f\u00fcr linke emanzipatorische Bewegungen und sehr naiv hinsichtlich der Frage, was Repression ist, bewirkt und worauf sie zielt. Au\u00dferdem sind die Leute damit \u00fcberfordert, wenn sie Post mit schweren Vorw\u00fcrfen bekommen. Denn nett ist der Staat trotzdem nicht, auch wenn man ihm Blumen schenkt und \u201asich nichts vorzuwerfen hat\u2018\u201c.<\/p>\n<p>Bei Extinction Rebellion, so viel d\u00fcrfte klar sein, l\u00e4uft einiges in eine ganz falsche Richtung. Die Frage, die sich f\u00fcr linke, emanzipatorische, antikapitalistische Gruppen stellt, ist, wie man mit einer neuen Gruppe umgehen soll, die sich rechtsoffen zeigt, bei gemeinsamen Aktionen andere durch ihr Verhalten in Gefahr bringt, durch unsinnigen Aktivismus, wie z.B. die Blockade der U-Bahn in London, die Besetzung der Parteir\u00e4ume der Partei \u201eDie Linke\u201c, die als einzige ernsthafte Klimaschutzma\u00dfnahmen fordert oder esoterische Folklore bei Aktionen, die gesamte Klimabewegung der L\u00e4cherlichkeit preisgibt, andererseits durch ihr sehr niedrigschwelliges Angebot (jeder kann mitmachen) und ihren Eventcharakter (man betrachte die XR-Homepage, die eher an die Seite eines Rockfestivals erinnert als an eine politische Organisation) viele anspricht und aktiviert, die sich bisher nicht politisch engagiert haben.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Blogger Daniel Kulla machen es sich die XR-Kritiker ohnehin zu einfach. Dabei bezieht er sich unter anderem auf einige Beitr\u00e4ge der Publizistin Jutta Ditfurth, die XR in Interviews und Beitr\u00e4gen scharf kritisiert hatte. In Interviews mit der Frankfurter Rundschau bzw. der FAZ bezeichnete Ditfurth die Gruppe etwa als Sekte, aus der \u201enichts Gutes\u201c mehr werde. \u201eDas Auff\u00e4lligste\u201c an der Struktur von XR sei \u201eder Widerspruch zwischen dem selbstopferungsbereiten Irrationalismus einer Endzeit-Sekte und den knallharten, sehr rationalen Gesch\u00e4ftsinteressen eines Teils der F\u00fchrung.\u201c Dabei gehe es \u201eauch um die Modernisierung des Kapitalismus: wie macht man die Klimakatastrophe zur Gesch\u00e4ftsgrundlage? Extinction Rebellion soll die dazu passende manipulierbare Bewegung werden, die die \u00f6ffentliche Meinung gef\u00fchlig beeinflusst.\u201c Ein mangelnder Begriff von Kapital und Klasse hindere die Gruppe \u00fcberdies daran, zwischen Ausbeutern und Erniedrigten zu differenzieren und die eigentlichen Verursacher der Klimakrise zu erkennen. Stattdessen besch\u00e4ftige man sich etwa mit der so genannten \u201eTiefen\u00f6kologie\u201c, die \u201eihre Wurzeln in einem faschistischen Menschenbild\u201c habe.<\/p>\n<p>\u201eDitfurths bisherige Beitr\u00e4ge\u201c, meint Kulla, \u201escheinen mir einerseits teilweise zutreffende, aber oft auch banale linke Kritik an XR (von der wiederum viel auch innerhalb von XR diskutiert wird) mit andererseits zwanghaft wirkenden Unterstellungen zusammenzuwerfen. Ich habe das anderswo \u201ahei\u00dflaufende Mustererkennung\u2018 genannt, wenn sie im Interview mit der Frankfurter Rundschau (FR) etwa die Verwendung von Kraken als bekannter vom Aussterben bedrohter Art auf die antisemitische Verwendung dieses Bildes herunterbricht oder wenn sie dortselbst \u201aInszenierungen, bei denen drei Menschen mit Seil um den Hals am Galgen stehen, unter ihren F\u00fc\u00dfen schmelzendes Eis\u2018 an \u201adas Bild an Erh\u00e4ngung von Zivilist*innen durch Wehrmacht und SD-Gruppen an der Ostfront\u2018 erinnert.\u201c<\/p>\n<p>Kulla will XR nicht \u201eals Ganzes\u201c verteidigen, ihm gehe es vielmehr darum, \u201eerstmal festzuhalten, dass das f\u00fcr eine haupts\u00e4chlich aus der \u201aupper middle class\u2018 stammende Bewegung eine erstaunlich aktive und progressive ist, von der aber eine enge Verbindung zu Arbeitsk\u00e4mpfen oder eine schon existierende umfangreichere Erfahrung mit staatlicher Repression einfach nicht erwartet werden kann\u201c, und tats\u00e4chlich ist XR im Vergleich mit totalen Nullveranstaltungen wie etwa der liberalen Sonntagsmesse \u00b4pulse of europe\u00b4 (erinnert sich noch jemand?) ja tats\u00e4chlich geradezu widerst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>\u201eDas Bed\u00fcrfnis, sich an XR auszulassen und sich damit auch (scheinbar) mal mit breiteren Bev\u00f6lkerungsschichten einverstanden zu sehen,\u201c erkl\u00e4rt Kulla, \u201edr\u00fcckt diese Sicht aber systematisch beiseite.\u201c Statt \u201esolch wohlfeiler Kritik\u201c schl\u00e4gt er vor, \u201esich um die Organisation der Arbeitskr\u00e4fte als Klasse zu k\u00fcmmern und auf dieser Grundlage sowohl wirksame B\u00fcndnisse einzugehen als auch auf diese anderen Bewegungen st\u00e4rker einwirken zu k\u00f6nnen. Dass wir denjenigen, die \u00fcber die Produktionsmittel verf\u00fcgen, diese wegnehmen und vergesellschaften m\u00fcssen, um \u00fcberhaupt entscheiden zu k\u00f6nnen, was und wie produziert wird, m\u00fcssen wir halt selbst sagen, wenn es gesagt werden soll bzw. m\u00fcssen wir helfen, den Standpunkt zu organisieren, von dem es allgemein vertreten werden kann.\u201c<\/p>\n<p>Der Reflex, eine neue Bewegung entlang der eigenen \u201ereinen Lehre\u201c zu beurteilen, und diese, wenn sie der Pr\u00fcfung nicht standh\u00e4lt, komplett und unab\u00e4nderlich unangespitzt im Boden zu versenken und ihr jede Entwicklungsm\u00f6glichkeit abzusprechen, ist auch im Fall XR kontraproduktiv.<\/p>\n<p>So berechtigt die Sorge sein mag, dass bei XR Akteure mit kapitalistischen oder anderweitig problematischen Interessen zu viel Einfluss haben: Aus den tausenden XR-Aktiven hilflose und manipulierbare Marionetten zu machen, indem man sie zu Sektenmitgliedern erkl\u00e4rt, tut so, als ob Emanzipation ein Zustand w\u00e4re, der \u201efertig\u201c in die Welt tritt und von jedem, der (umwelt)politisch aktiv ist, erwartet werden kann. Dass Leute an den Widerspr\u00fcchen, die eine solche Bewegung hervorbringt, zu Einsichten und Erkenntnissen kommen k\u00f6nnen, dass auch eine Struktur, die tats\u00e4chlich viele Vorgaben macht und als vergleichsweise hierarchisch erscheint, die M\u00f6glichkeit offen l\u00e4sst, dass sich darin emanzipatorische Prozesse vollziehen k\u00f6nnen, daf\u00fcr ist solch ultimatives Niedermachen blind.<\/p>\n<p>Und warum eigentlich sollte man XR die Solidarit\u00e4t endg\u00fcltig und restlos entziehen? Die Aktionen der Gruppe sind in den guten Momenten sch\u00f6ne Beispiele f\u00fcr die Wirksamkeit gewaltfreier Massenaktionen, die politische Botschaft der zugegebenerma\u00dfen oft kitschig-pathetischen XR-Drastik verweist auf die ja tats\u00e4chlich dramatische Situation der Klimakrise und Aufregung dar\u00fcber, dass die Gruppe mit ihrer \u00dcberdramatisierung einen ernsthaften Diskurs verhindere, kann angesichts der regelm\u00e4\u00dfig aus der Wissenschaft kommenden Prognosen und der bisher ergriffenen Gegenma\u00dfnahmen als politische Zuspitzung auch wohlwollend aufgefasst werden \u2013 ein bisschen \u00dcbertreibung kann bei all der sonstigen Ignoranz und Sorglosigkeit vielleicht nicht schaden.<\/p>\n<p>Dass die XR-Aktiven nicht ausschlie\u00dflich gehirngewaschene Sektentrottel sind und dass innerhalb der Gruppe l\u00e4ngst Aushandlungsprozesse stattfinden, zeigt sich auch darin, dass sich XR Deutschland von den antisemitischen \u00c4u\u00dferungen Hallams z\u00fcgig distanzierte. Selbst ein Ausschluss des angeblichen Gurus wurde gefordert. Auch \u00fcber das Verhalten bei Aktionen, \u00fcber den Umgang mit Rechten und \u00fcber politische Positionierungen wird, so h\u00f6rt man aus dem Aktivistenkreis, durchaus kontrovers diskutiert.<\/p>\n<p>Harsche Kritik von au\u00dfen kann dabei durchaus hilfreich sein und muss ge\u00fcbt werden. Den Diskursraum durch die zwanghafte Verortung einer noch jungen Gruppe als von undurchsichtigen Kapitalisten gelenkte Sekte voller Esoteriker und Halbnazis zu verrammeln, bevor er er\u00f6ffnet wurde, hilft hingegen niemandem. Was also ist der Stand der Diskussion?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ist XR ein Einfallstor f\u00fcr rechte Kr\u00e4fte?<\/em><\/p>\n<p>Nur insoweit antisemitische, migrationsfeindliche oder sonstige ausgrenzende Aussagen unwidersprochen bleiben oder mehrheitsf\u00e4hig sind, was aber zumindest bislang nicht der Fall ist. Auch der Hang zu Esoterik ist sicher ein Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr Rechte und wird zu Recht kritisiert. Insgesamt scheint die Position von XR der derzeitigen Argumentation der neuen Rechten aber in vielem auch zu widersprechen. So begriffslos die Bewegung auch sein mag, scheint selbst der Diskurs auch innerhalb von XR so weit zu sein, dass Rechte sich da kaum mehr wiederfinden. Wo die AfD den menschengemachten Anteil am Klimawandel entweder leugnet, oder sich mit einer parlamentarischen Anfrage blamiert, in der sie von der Bundesregierung allen Ernstes wissen will, wieviel CO2 die Seenotrettung von Fl\u00fcchtenden kostet (Bundestag, Drucksache 19\/15585), geht XR durchaus davon aus, dass eine Ver\u00e4nderung im Wirtschaften alle betrifft und insbesondere die westlichen Industrienationen ihre Produktionsweise ver\u00e4ndern m\u00fcssen. Das scheint vom rechten Diskurs in dieser Frage doch sehr weit entfernt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ist XR eine von Kapitalisten gelenkte U-Boot-Bewegung, die den Klimaprotest infiltriert?<\/em><\/p>\n<p>Wohl kaum. Richtig ist aber, dass XR keine Graswurzelbewegung ist. Die Gruppe wurde von einigen wenigen Aktiven gegr\u00fcndet, ist durchgestylt und zielt geschickt auf \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit. Das wirkt tats\u00e4chlich eher wie eine gezielte Kampagne als eine politische Bewegung und im Impressum der XR-Homepage findet sich, worauf auch Ditfurth hinweist, eine Compassionate Revolution Ltd., also eine Kapitalgesellschaft. Es wird zu beobachten sein, inwiefern sich die XR-Gruppen von den Vorgaben aus London emanzipieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wie sollten wir XR begegnen?<\/em><\/p>\n<p>\u00c4u\u00dferst kritisch. Aber auch solidarisch. Dabei sind mit der Entstehungsgeschichte, den Organisationsprinzipien und der relativen Offenheit tats\u00e4chlich Probleme verbunden, mit denen XR zu k\u00e4mpfen hat. Dazu k\u00f6nnten durchaus wichtige Kritikpunkte und offene Fragen benannt werden, wozu gewaltfreie Anarchisten mit den Erfahrungen aus der Geschichte und der Kenntnis gewaltfreier Strategie besser als die meisten anderen beitragen k\u00f6nnten. Die oben erw\u00e4hnten falschen Aktionen entstammen beispielsweise dem eigentlich gerade unterst\u00fctzenswerten herrschaftslosen Prinzip, wonach jede\/r (wenn die Forderungen und Prinzipien geteilt werden) jederzeit mit XR-Banner und -Label Aktionen machen kann. Offenbar waren praktisch bis auf zwei alle Londoner Aktivisten gegen die U-Bahn-Blockade-Aktion.<\/p>\n<p>Ein Diskursverhalten, bei dem man nur denjenigen als Diskurspartner akzeptiert, der das denkt und sagt, was man h\u00f6ren will, ist hingegen keines. Kulla ist zuzustimmen, wenn er darauf hinweist, dass \u201ewir\u201c das, was wir f\u00fcr wichtig halten, vielmehr selber sagen m\u00fcssen, bzw. \u201eeinen Standpunkt organisieren, von dem es allgemein vertreten werden kann.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende November 2019 vermeldete die neoliberale Wochenzeitung \u201eDie Zeit\u201c, Roger Hallam, Mitgr\u00fcnder und Vordenker von Extinction Rebellion (XR), habe den Holocaust im Interview einen \u201eweiteren Schei\u00df\u201c genannt und betrachte das industrielle Abschlachten von sechs Millionen Juden als \u201eein historisch fast normales Ereignis\u201c. 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