{"id":22558,"date":"2020-06-20T01:02:14","date_gmt":"2020-06-19T23:02:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=22558"},"modified":"2020-06-20T02:32:38","modified_gmt":"2020-06-20T00:32:38","slug":"kaffee-oder-koka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/06\/kaffee-oder-koka\/","title":{"rendered":"Kaffee oder Koka?"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Wir sind auf dem Weg zu den indigenen Selbstverwaltungsgebieten von Agua Negra und Chimborazo. Stundenlang fahren wir \u00fcber eine rumpelige Staubpiste hinein in die Westkordillere. Unterwegs zeigt unser Fahrer Andr\u00e9s auf die hellgr\u00fcnen Felder, die \u00fcberall zu sehen sind: \u201eAlles Koka-Felder!\u201c. Hier, in den abgelegenen Bergh\u00e4ngen, leben die meisten Menschen vom Anbau der Koka-Pflanze. Diese kauft ihnen die Drogenwirtschaft ab und verwandelt es in Kokain, das anschlie\u00dfend nach Nordamerika und Europa geschmuggelt wird.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Als wir in Agua Negra ankommen, empf\u00e4ngt uns der Oberste Rat der Selbstverwaltung. In dem 12 km\u00b2 gro\u00dfen Gebiet leben in drei Gemeinden rund 2.200 Menschen. \u201eBei uns werden keine Pflanzen angebaut, die zu illegalen Substanzen weiterverarbeitet werden k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt Daniel Meneses. Er ist Gobernador, der f\u00fcr ein Jahr gew\u00e4hlte oberste Repr\u00e4sentant der Selbstverwaltung. Sie h\u00e4tten 2014 beschlossen, das Koka aus ihrem Gebiet zu verbannen und bestehende Felder zu zerst\u00f6ren. \u201eAber wir haben ein Problem: Wir sind umzingelt von diesen Pflanzen und von den bewaffneten Gruppen, die damit Gesch\u00e4fte machen. Wir brauchen Hilfe.\u201c<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_22695\" aria-describedby=\"caption-attachment-22695\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Kaffee_oder_Koka_-11.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-22695 size-full\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Kaffee_oder_Koka_-11.jpg\" alt=\"\" width=100% height=100% srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Kaffee_oder_Koka_-11.jpg 1000w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Kaffee_oder_Koka_-11-300x168.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Kaffee_oder_Koka_-11-600x336.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Kaffee_oder_Koka_-11-768x430.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22695\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Wenn wir schweigen, t\u00f6ten sie uns, und wenn wir reden auch, Also reden wir!&#8220; &#8211; Gedanken an die ermordete Gemeinder\u00e4tin Cristina Bautista am Sitz der Selbstverwaltung von Tacueyo, Cauca &#8211; Foto: Martin M\u00e4usezahl<\/figcaption><\/figure>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Strukturelle Ungleichheit<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Am n\u00e4chsten Morgen steigen wir hoch zur Finca El Paraiso im angrenzenden Selbstverwaltungsgebiet von Chimborazo. Dort nehmen rund 30 Kaffee-B\u00e4uer*innen an einer Fortbildung teil. In Chimborazo und Agua Negra leben etwa 90 Prozent der Familien vom Kaffeeanbau. Bei den Kleinb\u00e4uer*innen dominiert ein Thema: \u201eDer Kaffeeanbau ist sehr harte Arbeit und was wir f\u00fcr den Anbau ben\u00f6tigen wird immer teurer. Aber die H\u00e4ndler zahlen sehr wenig f\u00fcr die Ernte.\u201c, sagt etwa Abraham. \u201eMit den Preisen, die sie uns bieten\u201c, erg\u00e4nzt Jos\u00e9, \u201eist es einfach nicht m\u00f6glich, wirtschaftliche Sicherheit f\u00fcr unseren Familien zu erhalten.\u201c Seit vielen Jahren liegt der Weltmarktpreis f\u00fcr Kaffee deutlich unter dem, was Kleinb\u00e4uer*innen f\u00fcr ein w\u00fcrdevolles und wirtschaftlich einigerma\u00dfen sicheres Leben br\u00e4uchte, meist lag er sogar unter den Produktionskosten.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die viel zu niedrigen Erzeuger*innen-Preise und die Abh\u00e4ngigkeit vom Markt, in dem sie als Verk\u00e4ufer*innen kleiner Mengen verderblicher Waren das schw\u00e4chste Glied sind, sind zentrale Probleme f\u00fcr alle Kleinb\u00e4uer*innen im Cauca. Dazu kommt die Vernachl\u00e4ssigung durch den Staat und die Landknappheit, die unter anderem dazu f\u00fchren, dass die wachsenden jungen Bev\u00f6lkerung weder Land noch ausreichende Bildungs- oder Berufsm\u00f6glichkeiten hat. W\u00e4hrend ein Gro\u00dfteil der landwirtschaftlich nutzbaren Fl\u00e4chen im Cauca wenigen reichen Familien geh\u00f6rt, sind die kleinb\u00e4uerlichen Gemeinden in einem vielschichtigen Netz struktureller Ungleichheiten und Marginalisierungen gefangen.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Perspektive Koka-Anbau<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\">\u201e<span lang=\"de-DE\">Viele in Agua Negra fragen sich, was sie unter diesen Voraussetzungen machen sollen\u201c, berichtet Gobernador Meneses. \u201eInsbesondere die jungen Leute sehen f\u00fcr sich keine Perspektive mehr, au\u00dfer im Koka-Anbau zu arbeiten.\u201c Nachmittags kehren sie aus den Gemeinden ringsum zur\u00fcck. Sie arbeiten dort als Koka-Pfl\u00fccker*innen und sorgen so f\u00fcr einen Zuverdienst, der die Familie wirtschaftlich \u00fcber Wasser h\u00e4lt. \u201eAls Helfer bei der Kaffeeernte verdient man vielleicht 20.000 Peso am Tag,\u201c verdeutlicht Kaffeebauer Rodrigo, \u201ebei Koka sind es 80.000 oder mehr.\u201c<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Koka ist das einzige landwirtschaftliche Produkt, das hier wirtschaftlich etwas einbringt. Aber auch mit dessen Anbau bleiben die Menschen arm. Das gro\u00dfe Geld machen andere. Der Anbau ist f\u00fcr viele Familien schlicht eine individuelle \u00dcberlebensstrategie. Gesellschaftlich jedoch, hat er fatale Auswirkungen.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Eine neue Gewaltspirale<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Das zeigt sich auch in Tacuey\u00f3, einem Selbstverwaltungsgebiet mit 16.000 Einwohner*innen. Hier, im Norden des Cauca, wird neben Kaffee vor allem Marihuana angebaut. Ende Oktober 2019 wurde in Tacuey\u00f3 bei einem Angriff das Ratsmitglied Cristina Bautista sowie vier Mitglieder der unbewaffneten indigenen Selbstverteidigungseinheiten, Guardia Ind\u00edgena, erschossen und f\u00fcnf weitere Guardias verletzt. Die T\u00e4ter waren Teil der sogenannten FARC-Dissidenz. Dies sind Einheiten der ehemaligen Guerilla, die den 2016 mit der kolumbianischen Regierung geschlossen Friedensvertrag nicht anerkennen oder sich nach der Demobilisierung erneut zusammengeschlossen haben.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">In Kolumbien hat sich der bewaffnete Konflikt zwischen Guerilla, Paramilit\u00e4rs und Regierung nach dem Friedensschluss in einen undurchschaubaren Konflikt verschiedener bewaffneter Gruppierungen verwandelt. Auch sie sind ein Produkt wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit sowie krasser Ungleichheit. Die politisch-ideologisch entleerten Gewaltunternehmen finanzieren sich vor allem durch die Kontrolle der Drogenwirtschaft, aber auch durch illegalen Bergbau, Waffenhandel, erzwungene Abgaben, Entf\u00fchrungen und Auftragsmorde. Zentral daf\u00fcr ist die Beherrschung von Gebieten mit Bodensch\u00e4tze, wichtigen Routen oder Drogen-Anbau. \u201eUnser Gebiet ist strategisch wichtig. Hier konkurrieren verschiedene bewaffnete Gruppen um die Kontrolle\u201c, sagt Arbei Noscue, Koordinator der Guardia Ind\u00edgena in Tacuey\u00f3. \u201eNeben der FARC-Dissidenz sind auch die ELN- und die EPL-Guerilla (1), die Paramilit\u00e4rs der Aguilas Negras und neue Gruppen aktiv, die sich aus ehemaligen Paramilit\u00e4rs und Guerilleros zusammensetzen.\u201d<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Tacueyo, Agua Negra und Chimborazo waren lange Operationsgebiet der FARC. Jahrzehntelang respektierten weder Staat noch Guerilla das Leben oder die Selbstbestimmungsrechte der indigenen Bev\u00f6lkerung. Nach deren Friedensschluss wurden die Gemeinden in eine neue Gewaltspirale hineingezogen. \u201eDas Massaker vom 29.10. war der H\u00f6hepunkt einer l\u00e4ngeren Eskalation\u201c, erkl\u00e4rt Nora Taquinas, Mitglied des Selbstverwaltungsrates von Tacuey\u00f3. \u201eZun\u00e4chst nahmen die Drohungen gegen indigene Amtstr\u00e4ger*innen und die Guardia Ind\u00edgena zu. Seit Anfang 2019 folgen Taten. Immer wieder gab es Attentate, Verletzte und Tote.\u201c \u00dcberall, wo in Kolumbien Koka oder Marihuana angebaut werden, gibt es vermehrt Morde an Aktivist*innen. Im Cauca wurden in den letzten Monaten Dutzende Amtstr\u00e4ger*innen der indigenen Selbstverwaltung ermordet. Da die Gewaltakteuren die Kontrolle und Unterwerfung der Gemeinden wollen, ist ihnen deren Organisierung ein Dorn im Auge.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">F\u00fcr die betroffenen Selbstverwaltungsgebiete und die indigene Bewegung insgesamt sind diese Angriffe eine gro\u00dfe Herausforderung. \u201eDar\u00fcber hinaus wird auch der gesellschaftliche Zusammenhalt unserer Gemeinden zerst\u00f6rt\u201c, stellt Gemeinder\u00e4tin Taquinas fest. Es komme vermehrt zu heftigen Konflikten innerhalb der Gemeinden. Davon berichtet uns auch Virgilio Corpus, Ratsmitglied in der Selbstverwaltung von Chimborazo: Einige junge Gemeindemitglieder hatten dort trotz Verbot Koka-Felder angelegt. Nachdem die Gemeinde diese zerst\u00f6rte, griffen die jungen M\u00e4nner im August 2019 das Rathaus der Selbstverwaltung an und setzten es in Brand. Im November wurde ein Guardia Ind\u00edgena bei der Beseitigung eines Koka-Feldes im Selbstverwaltungsgebiet von einem Gemeindemitglied erschossen. \u201eInsbesondere die Jugend ist anf\u00e4llig daf\u00fcr, diese Pflanzen anzubauen oder sich den bewaffneten Gruppen anzuschlie\u00dfen,\u201c erkl\u00e4rt er. Wegen der fehlenden wirtschaftlichen Perspektiven seien deren Anwerbeversuche f\u00fcr einige junge Menschen attraktiv.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_22696\" aria-describedby=\"caption-attachment-22696\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Kaffee_oder_Koka_4-1.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-22696 size-full\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Kaffee_oder_Koka_4-1.jpg\" alt=\"\" width=100% height=100% srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Kaffee_oder_Koka_4-1.jpg 1000w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Kaffee_oder_Koka_4-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Kaffee_oder_Koka_4-1-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Kaffee_oder_Koka_4-1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22696\" class=\"wp-caption-text\">Blick in eine ungewisse Zukunft &#8211; der niedrige Preis f\u00fcr Kaffee erlaubt den Erzeugern aus dem indigenen Selbstverwaltungsgebietes Chimborazo keine wirtschaftliche Sicherheit. Foto: Elisabet Pe\u00f1a<\/figcaption><\/figure>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Staatliche Militarisierung<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Vom Staat k\u00f6nnen die Gemeinden bei der L\u00f6sung der komplexen Situation nicht viel erwarten. Die extrem rechte Regierung um Pr\u00e4sident Iv\u00e1n Duque, dem j\u00fcngst Verbindungen zu f\u00fchrenden K\u00f6pfen der Drogenwirtschaft nachgewiesen wurden, hat auf die vermehrten Angriffe der bewaffneten Gruppen gegen die indigenen Amtstr\u00e4ger*innen mit der Entsendung weiterer Armeeeinheiten reagiert. \u201eMein ganzes Leben lang war diese Gegend militarisiert\u201c, stellt Nora Taquinas fest. Aber die Drohungen und Morde h\u00e4tten nicht aufgeh\u00f6rt, die Drogenwirtschaft und die bewaffneten Gruppen seien weiter aktiv. \u201eDie Armee ist kein Schutz, sondern ein weiteres Risiko.\u201c Die Regierung plant nun, die Koka-Pflanzungen aus Flugzeugen heraus mit dem Unkrautvernichter Glyphosat zu zerst\u00f6ren \u2013 eine Forderung der US-Regierung. Im Friedensvertrag vereinbarte Programme, die wirtschaftliche Unterst\u00fctzung bei der Umstellung auf andere Erzeugnisse sowie Infrastrukturaufbau vorsehen, werden von der Regierung hingegen kaum umgesetzt \u2013 obwohl diese laut einer Studie der UN sehr erfolgreich sind.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Ein eigener Weg aus <\/span><span lang=\"de-DE\">der Ungleichheit<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die Selbstverwaltungen der indigenen Gemeinden arbeiten derweil an ihren eigenen L\u00f6sungen. Neben der St\u00e4rkung der zivilen Selbstverteidigungseinheiten Guard\u00eda Indigena ist dies vor allem der Aufbau einer selbstbestimmten \u201eeigenen Wirtschaft\u201c (2). Dem Kaffee-Anbau kommt dabei eine Schl\u00fcsselrolle zu. Er ist in der Region traditionell verbreitet und kann noch am ehesten eine wirtschaftliche Alternative zu Koka- und Marihuana-Anbau darstellen. Der bewegungseigenen Kooperative CENCOIC geh\u00f6ren mittlerweile rund 3.000 Familien aus 18 verschiedenen Selbstverwaltungsgebieten an. Auch in Agua Negra, Chimborazo und Tacueyo gibt es wachsende CENCOIC-Gruppen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Beim Austausch mit den dortigen Mitgliedern klingen die meisten zufrieden bis hoffnungsvoll. Durch die Kooperative k\u00f6nnen sie einerseits die Abh\u00e4ngigkeit von lokalen H\u00e4ndlern umgehen, erhalten direkten Zugang zu Handelsstrukturen und bessere Preise. Andererseits unterst\u00fctzt sie die Kooperative mit einem Agrartechniker*innen-Team, mit Fortbildungen sowie der Verbesserung und Erleichterung ihrer Produktion \u2013 etwa mit Trockentunneln. \u201eDurch den solidarischen Zusammenschluss\u201c, so die Kaffeeb\u00e4uerin Dilma, \u201ehaben wir Dinge erreicht, die wir uns alleine nie ertr\u00e4umt h\u00e4tten.\u201c Steigende Ertr\u00e4ge und h\u00f6here Qualit\u00e4t machen den Anbau trotz niedriger Weltmarktpreise rentabel. Um den Marktstrukturen grundlegender zu entkommen, ben\u00f6tigen die indigenen Gemeinden allerdings solidarische Handelsstrukturen, die ihnen gute Preise unabh\u00e4ngig vom Weltmarkt garantieren.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Solidarische Gemeindeprozesse<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Ein weiterer selbstbestimmter Ansatzpunkt sind die unz\u00e4hligen Gemeinschaftsunternehmen, die Eigentum der Gemeinden sind und von der Selbstverwaltung kontrolliert werden. \u201e<\/span><span lang=\"de-DE\">Truchas Juan Tama<\/span><span lang=\"de-DE\"> ist wirtschaftlich rentabel,\u201c sagt Ana Berta Finscue stolz. Sie ist eine der Koordinatorinnen des Gemeinschaftsunternehmens mit 45 Mitarbeiter*innen, die in Tacuey\u00f3 Forellen z\u00fcchten und verarbeiten. \u201eEs geht aber nicht vorrangig um den wirtschaftlichen Erfolg, sondern wichtige Ziele sind die gesellschaftlichen Effekte.\u201c Den Gemeinschaftsbetrieben geht es auch darum, eine Alternative zu den bewaffneter Gruppen und der Drogenwirtschaft zu schaffen. Einige der jungen Menschen, die hier arbeiten, waren vorher bei bewaffneten Gruppen. \u201eDie Arbeit bei uns gibt ihnen eine Chance, wieder in die Gemeinde zur\u00fcckzukehren\u201c.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">In der Schule von Tacuey\u00f3 versucht man, den Jugendlichen gleich eine andere Perspektive zu geben. Auf dem Schul-Bauernhof werden ihnen Anbau- und Weiterverarbeitungstechniken vermittelt, die ihnen ein gutes \u00f6konomisches Standbein in der Landwirtschaft erm\u00f6glichen sollen. Gemeinsam bauen die Sch\u00fcler*innen unter anderem Kaffee an und sind damit sogar in der Kooperative CENCOIC organisiert. Auch die bewegungseigene Universit\u00e4t UAIIN (3) bem\u00fcht sich darum, wirtschaftliche Alternativen in den indigenen Gemeinden zu f\u00f6rdern. Im Studiengang \u201eWiederbelebung der Mutter Erde\u201c, der \u00d6kologie und \u00d6konomie aus indigener Sicht zusammenbringt, baut jede*r Student*in gemeinsam mit der Heimatgemeinde ein Wirtschaftsprojekt auf, unterst\u00fctzt ein bestehendes Gemeinschaftsunternehmen oder eine Kooperative. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">So sollen die jungen Menschen in die Bewegung und die Selbstverwaltungsprozesse integriert werden. Statt Gewalt, Egoismus und Angst, die in der Drogen- und Gewaltwirtschaft vorherrschen, bauen diese auf solidarische Gemeindeprozesse. Trotz der immensen Bedrohung, mit der sie konfrontiert sind, hoffen sie, so dem destruktiven Zusammenspiel von kapitalistischem Markt und Gewaltakteuren zu entkommen.<\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><strong><span lang=\"de-DE\">Eliseth Pe\u00f1a und <\/span><\/strong><strong><span lang=\"de-DE\">Martin M\u00e4usezahl<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Eliseth Pe\u00f1a ist indigene Medienfachfrau und Journalistin aus Popay\u00e1n, Cauca. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Martin M\u00e4usezahl ist Teil des Hamburger <\/span><span lang=\"de-DE\">Kaffeekollektiv <a href=\"https:\/\/www.aroma-zapatista.de\">Aroma Zapatista<\/a>,<\/span><span lang=\"de-DE\"> das Kaffee der Bewegung vertreibt und sie regelm\u00e4\u00dfig besucht.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<style> #Kasten {color: #ffffff; background-color: #007F4E; border-radius: .5em;}<\/style>\n<div id=\"Kasten\">\n<p align=\"center\"><span lang=\"de-DE\"><strong>INFOBOX<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">Die indigene Bewegung des Departamento Cauca<span lang=\"de-DE\"> organisiert sich seit 1971 im <\/span><span lang=\"de-DE\">Consejo Regional Ind\u00edgena del Cauca<\/span><span lang=\"de-DE\"> (Indigener Regionalrat des Cauca, CRIC). Zentral ist der Kampf gegen die kolonial-rassistische Ausgrenzung als Indigene sowie gegen die wirtschaftliche Ausbeutung als Kleinb\u00e4uer*innen. Seit der Gr\u00fcndung des CRIC erk\u00e4mpfte die Bewegung trotz massiver Repression umfassende Selbstverwaltungs- und Landrechte sowie kulturelle Anerkennung. Sie organisiert sich aktuell in 126 Lokalverwaltungen und 94 rechtlich anerkannten Selbstverwaltungsgebieten mit etwa 264.000 Einwohner*innen und einer Fl\u00e4che von rund 5.500 km\u00b2. Dort organisieren die Menschen ihre Verwaltung, sowie Teile ihrer Bildung, Gesundheitsversorgung, Rechtsprechung und Wirtschaft nach eigenen Vorstellungen. Das Land als Hauptproduktionsmittel ist unver\u00e4u\u00dferlicher Kollektivbesitz und wird den Bewohner*innen zur kostenlosen Nutzung \u00fcberlassen. Die wiederbelebten indigenen Weltsichten, Sprachen und Gesellschaftsweisen bilden die Basis f\u00fcr den Zusammenhalt der Gemeinden und sind zentraler Kraftquell der Bewegung. Der CRIC ist aufgrund seiner Organisiertheit und St\u00e4rke zu einem Vorreiter f\u00fcr ganz Kolumbien geworden.<\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind auf dem Weg zu den indigenen Selbstverwaltungsgebieten von Agua Negra und Chimborazo. Stundenlang fahren wir \u00fcber eine rumpelige Staubpiste hinein in die Westkordillere. Unterwegs zeigt unser Fahrer Andr\u00e9s auf die hellgr\u00fcnen Felder, die \u00fcberall zu sehen sind: \u201eAlles Koka-Felder!\u201c. Hier, in den abgelegenen Bergh\u00e4ngen, leben die meisten Menschen vom Anbau der Koka-Pflanze. 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