{"id":22569,"date":"2020-06-20T01:01:15","date_gmt":"2020-06-19T23:01:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=22569"},"modified":"2020-08-17T01:28:11","modified_gmt":"2020-08-16T23:28:11","slug":"die-schaffende-frau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/06\/die-schaffende-frau\/","title":{"rendered":"Die Schaffende Frau"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\">\u201e<span lang=\"de-DE\">Wir wollen eine Front machen gegen die gro\u00dfe Zahl der r\u00fcckst\u00e4ndigen Familien- und Frauenzeitungen, die das Gem\u00fct und den Sinn unserer Frauen und Kinder mit den farblosen Idealen einer vergangenen Zeitepoche n\u00e4hren und es bis jetzt nicht verstanden haben, sich auf den Boden der Revolution zu stellen.\u201c <\/span><span lang=\"de-DE\">(1) <\/span><span lang=\"de-DE\">M<\/span><span lang=\"de-DE\">it <\/span><span lang=\"de-DE\">diesen Worten <\/span><span lang=\"de-DE\">positionierte sich Aim\u00e9e K\u00f6ster in einem Brief an <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/09\/freude-ueber-die-pierre-ramus-werkausgabe\/\">Pierre Ramus<\/a> vom 28. Februar 1925, mit dem sie sich immer wieder um die politische Ausrichtung ihrer Zeitung stritt. <\/span><span lang=\"de-DE\">Aber was war <\/span><em><span lang=\"de-DE\">Die Schaffende Frau<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\"> f\u00fcr eine Zeitschrift? Welche inhaltliche Einordnung k\u00f6nnen wir vornehmen und wie schaffte es Aim\u00e9e K\u00f6ster dieses Projekt zu bewerkstelligen? <\/span><span lang=\"de-DE\">Der folgende<\/span><span lang=\"de-DE\"> Artikel soll sich diesen Fragen widmen. Grundlage ist eine bisher unver\u00f6ffentlichte <\/span><span lang=\"de-DE\">wissenschaftliche <\/span><span lang=\"de-DE\">Arbeit zu dem Thema. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<h5 align=\"left\">\u201e<span lang=\"de-DE\">Der Belagerungszustand ist aufgehoben! <\/span><\/h5>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Die <em>Schaffende Frau<\/em> ist frei!\u201c (2)<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/03\/der-syndikalistische-frauenbund-aktive-arbeiterinnen-in-der-weimarer-republik\/\">Aim\u00e9e K\u00f6ster<\/a> war die alleinige Herausgeberin, die den inhaltlichen Rahmen selbstst\u00e4ndig und unabh\u00e4ngig bestimmte, aber auch die finanziellen und rechtlichen Konsequenzen scheinbar allein zu meistern hatte. Mit der ersten Ausgabe im Oktober 1919 erschien <\/span><span lang=\"de-DE\">Die <em>Schaffende Frau<\/em><\/span><span lang=\"de-DE\"> monatlich im gleichnamigen Verlag. <\/span>Aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten konnte dieses Organ w\u00e4hrend der wachsenden Krise und Inflation zeitweilig nur noch alle zwei Monate erscheinen. Die Etablierung der Zeitschrift erfolgte durch den Versand der ersten Ausgabe an verschiedene Frauen, <span lang=\"de-DE\">\u201edie in irgend einer Art in Beziehung zur freiheitlichen Bewegung stehen, sei es da\u00df sie sich zur Weltanschauung des <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/11\/stroemungen-des-pazifismus-und-antimilitarismus\/\">Pazifismus,<\/a> des humanistischen oder des politischen Sozialismus bekennen.\u201c<\/span><span lang=\"de-DE\"> (3) Als Form des Feedback wurde all jenen, denen die Zeitung nicht gefiel, vorgeschlagen, die erste Nummer einfach zur\u00fcckzuschicken. (4) <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Doch eine Zeitschrift zu publizieren, barg verschiedene Probleme, und dies musste auch Aim\u00e9e K\u00f6ster erleben. Neue Zeitschriften ben\u00f6tigten die Genehmigung des Reichswehrkommandos in Dresden. (5) Die Beantragung der <em>Schaffenden Frau<\/em> wurde allerdings abgelehnt und damit begr\u00fcndet, <\/span><span lang=\"de-DE\">\u201eda\u00df kein Bed\u00fcrfnis f\u00fcr eine sozialistische Frauenzeitung da sei!\u201c<\/span><span lang=\"de-DE\"> (6) Die Herausgeberin r\u00e4umte in einem R\u00fcckblick in der 50. Ausgabe selbst ein, dass sie diese Genehmigung etwas leicht genommen hatte und davon ausgegangen war, dass es kein Problem sein w\u00fcrde, eine solche zu erlangen. (7) W\u00e4hrend sie versuchte, die Genehmigung r\u00fcckwirkend zu <\/span>erhalten<span lang=\"de-DE\">, wurden bereits die ersten Nummern ihrer Zeitschrift erfolgreich ver\u00f6ffentlicht. Aufgrund der fehlenden Genehmigung erfolgte allerdings am 21. Februar 1920 die polizeiliche Beschlagnahmung der ersten vier Ausgaben. (8) Bereits im sechsten Heft berichtete Aim\u00e9e K\u00f6ster aber: <\/span><span lang=\"de-DE\">\u201eDer Belagerungszustand ist aufgehoben! Die <em>Schaffende Frau<\/em> ist frei!\u201c<\/span><span lang=\"de-DE\"> \u2013 die Genehmigung war erfolgt. <\/span><\/p>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Sozialistische Zeitschrift mit Modebeilage<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die Zeitung trug <\/span><span lang=\"de-DE\">wechselnde<\/span><span lang=\"de-DE\"> Untertitel, <\/span><span lang=\"de-DE\">so zum Beispiel<\/span><span lang=\"de-DE\">: <\/span><span lang=\"de-DE\">Sozialistische Zeitschrift mit Modebeilage, Er\u00f6rterung der sozialen Probleme, Erziehungs-, Schul-, Frauen- und freireligi\u00f6se Fragen, Weltb\u00fcrgertum und Pazifismus, Sozialistische Romane und Novellen, Berufsfragen, Mode- und Handarbeitsvorlagen, Technische Aufs\u00e4tze f\u00fcr die Handfertigkeit der schneidernden Hausfrau<\/span><span lang=\"de-DE\">. <\/span><span lang=\"de-DE\">(9) Dies deutete bereits auf den \u00fcbergeordneten Charakter de<\/span><span lang=\"de-DE\">s<\/span> <span lang=\"de-DE\">Periodikums<\/span><span lang=\"de-DE\"> hin. <\/span><span lang=\"de-DE\"> Aim\u00e9e K\u00f6ster und damit auch <\/span><em><span lang=\"de-DE\">Die Schaffende Frau<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\"> standen zwar der anarchosyndikalistischen Theorie und Praxis nah. <\/span><span lang=\"de-DE\">In ihrer Breite an Diskussionen und Ideen ging die Zeitung aber \u00fcber diesen Kontext hinaus und skizzierte unterschiedliche zeitgen\u00f6ssische Ans\u00e4tze zur Rolle der Frau in der Gesellschaft. Ihre Zielgruppe war <\/span><span lang=\"de-DE\">\u201edie aufgekl\u00e4rte Frau, [\u2026] die vorurteilslose Frau aus den Reihen der Intellektuellen und die denkende Frau aus den sozialistischen Arbeiterkreisen.\u201c<\/span><span lang=\"de-DE\"> (10)<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Aim\u00e9e K\u00f6sters Motivation, dieses Projekt ins Leben zu rufen, begr\u00fcndete die Herausgeberin mit dem Mangel <\/span><span lang=\"de-DE\">\u201eim Charakter und im Geist der Frauenzeitungen einen der Gegenwart angepa\u00dften freiheitlichen Zug und die Er\u00f6rterung der modernen Fragen in neuzeitlicher, radikaler Beleuchtung.\u201c<\/span><span lang=\"de-DE\"> (11) Einzige Ausnahmen im Chor der reaktion\u00e4ren und arbeiterfeindlichen Frauenzeitungen waren in K\u00f6sters Augen <\/span><em><span lang=\"de-DE\">D<\/span><span lang=\"de-DE\">ie<\/span> <span lang=\"de-DE\">Neue Generation<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\">, herausgegeben von Helene St\u00f6cker, <\/span><em><span lang=\"de-DE\">D<\/span><span lang=\"de-DE\">ie Gleichheit<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\">, redigiert von Clara Zetkin sowie <\/span><em><span lang=\"de-DE\">D<\/span><span lang=\"de-DE\">ie Frau im Staat<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\">, herausgegeben von Anita Augspurg. Allerdings hatten diese keine Modebeilagen, weshalb die b\u00fcrgerlichen Modezeitungen trotzdem von den Arbeiterfrauen bezogen wurden. Aufgrund der finanziellen Lage waren die Arbeiterinnen auf Schnittmusterb\u00f6gen zur Herstellung der eigenen Kleidung angewiesen. (12)<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Auf dem ersten Titelblatt wurde die schaffende Frau als S\u00e4erin in einem Strahlenkranz <\/span><span lang=\"de-DE\">(<\/span><span lang=\"de-DE\">siehe <\/span><span lang=\"de-DE\">Abbildung)<\/span><span lang=\"de-DE\"> abgebildet. Dieses Bild hatte eine starke politische Ausdruckskraft, es zeigte die produktive Arbeiterin, die als Synonym f\u00fcr eine Frau gelesen werden kann, die neue gesellschaftliche Ideen s\u00e4te, verbreitete und sich damit selbst befreite. Das Titelblatt bildete zwischenzeitlich verschiedene Modezeichnungen <\/span><span lang=\"de-DE\">(<\/span><span lang=\"de-DE\">siehe <\/span><span lang=\"de-DE\">Abbildung)<\/span> <span lang=\"de-DE\">ab, die im Heft besprochen wurden. Damit wurde der Fokus optisch auf den Modeteil gelegt. Im <\/span><span lang=\"de-DE\">vierten<\/span><span lang=\"de-DE\"> Jahrgang wurde die S\u00e4erin in neuem Glanz (13) zur\u00fcck auf das Cover geholt. Ansto\u00df daf\u00fcr erhielt <\/span><em><span lang=\"de-DE\">D<\/span><span lang=\"de-DE\">ie Schaffende Frau<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\"> unter anderem durch einen Leser*innenbrief, in welchem sich die S\u00e4erin als Inbild der produktiven Arbeit zur\u00fcckgew\u00fcnscht und darum gebeten wurde, die h\u00fcbsch gekleideten M\u00e4dchen, die nicht unbedingt die Realit\u00e4t widerspiegelten, gehen zu lassen. (14)<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Der Modeteil nahm mit vier bis sechs Seiten in den sp\u00e4teren Ausgaben mit Schnittmusterbogen einen gro\u00dfen Teil ein. Trotzdem wurde die Zeitschrift den inhaltlichen Fragen, die sie aufwarf, gerecht. <\/span>\u201e<span lang=\"de-DE\">Es sind die Felsen der Kirche und des Staates, der Gesetze, die von M\u00e4nnern und zugunsten der M\u00e4nner ersonnen wurden und deshalb die nat\u00fcrlichen Rechte der Frau niedertreten [&#8230;], es sind sie Ehegesetze und jene, die die M\u00fctter unterdr\u00fccken und betr\u00fcgen, [&#8230;] es sind vor allem die ungeschriebenen Gesetze, die laut Sitte und Brauch die Frau zum minderwertigen Wesen stempeln [&#8230;]\u201c \u2013 \u201eWir alle wissen, da\u00df die Befreiung des Proletariats das Werk des Proletariats sein mu\u00df. Jeder mu\u00df sich selbst befreien &#8211; auch die Frau! [&#8230;] Die Frau mu\u00df selbst den Weg finden zur Freiheit, sie muss selbst die Ketten sprengen [&#8230;]!\u201c <\/span><span lang=\"de-DE\">(15) Begleitend zu diesem Text zeigte die Ausgabe 37 auf dem Titelblatt eine Frau durch Ketten an einen Felsen geschmiedet. <\/span><\/p>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Haushalt und sozialistische <\/span><span lang=\"de-DE\">Gesellschaftsidee<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Die inhaltliche Schwerpunktsetzung der Zeitschrift lag im Bereich gesellschaftspolitischer und alltagspraktischer Themen. Fragen um Beruf, Familie und Haushalt wurden im Zusammenhang einer sozialistischen Gesellschaftsidee besprochen. Fortsetzungsreihen zur \u201eGeschichte des Sozialismus\u201c von <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/02\/gedenken-an-den-anarchosyndikalisten-und-kriegsgegner-fritz-oerter\/\">Fritz Oerter<\/a>, \u201eDie Frau in der kommunistischen Gesellschaftsordnung\u201c von Alexandra Kollontai oder im vierten Jahrgang eine Serie mit dem f\u00fcr eine Frauenzeitung ungew\u00f6hnlichen Titel \u201eVon gro\u00dfen M\u00e4nnern\u201c von <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/01\/rudolf-rocker-rockt-noch-immer-2\/\">Rudolf Rocker<\/a> (16) wurden abgedruckt. Themen wie die gesellschaftliche Stellung des unehelichen Kindes, Prostitution, die Rolle der Frau in Bezug auf Haushalt, Mutterschaft und Lohnarbeit, die Organisation der Gesellschaft in der Praxis, mit Eink\u00fcchenh\u00e4usern oder Siedlungsprojekten, Geschlechterrollen, Sexualit\u00e4t, Verh\u00fctung \u2013 all dies wurde in Aufs\u00e4tzen oder Leser*innenbriefen diskutiert. Auch die Frage der Erziehung und Bildung nahm einen gro\u00dfen Stellenwert ein, da die Vermittlung neuer sozialistischer und fortschrittlicher Ideen und Entw\u00fcrfe, um die zuk\u00fcnftige Gesellschaft zu gestalten, ein zentrales Thema war. Fortsetzungsromane, Gedichte und Novellen versuchten auf literarische Weise gesellschaftskritische und klassenk\u00e4mpferische Ansichten zu vermitteln. Besprechungen von B\u00fcchern aus der im Laufe der Zeit etablierten Versandbuchhandlung, die dem Verlag angegliedert war, wurden ebenfalls regelm\u00e4\u00dfig abgedruckt. Besprochen wurden B\u00fccher \u00fcber sexuelle Aufkl\u00e4rung und <\/span><span lang=\"de-DE\">Verh\u00fctung bis hin zu anarchistischen <\/span>Theoretikerinnen und Theoretikern.<span lang=\"de-DE\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Syndikalistischer Frauenbund<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Am 13. November 1921 gr\u00fcndeten 22 Frauen einen <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/03\/der-syndikalistische-frauenbund-aktive-arbeiterinnen-in-der-weimarer-republik\/\">Syndikalistischen Frauenbund<\/a> in Dresden. (17) Mitglieder waren unter anderem Aim\u00e9e K\u00f6ster, Hanna Strube, Mathilde Wachsmuth und Elisabeth Windhoff. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die <em>Schaffende Frau<\/em><\/span><span lang=\"de-DE\"> war also mit den syndikalistischen Frauenb\u00fcnden personell und inhaltlich verwoben. Sowohl Aim\u00e9e K\u00f6ster, als auch andere Mitglieder des Dresdner Frauenbundes publizierten im <\/span><span lang=\"de-DE\">Frauenbund<\/span><span lang=\"de-DE\"> (<\/span><span lang=\"de-DE\">die Beilage der Frauenb\u00fcnde i<\/span><span lang=\"de-DE\">n <\/span><em><span lang=\"de-DE\">Der<\/span> <span lang=\"de-DE\">Syndikalist<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\">)<\/span><span lang=\"de-DE\">. Die <em>Schaffende Frau<\/em><\/span><span lang=\"de-DE\"> berichtete unter dem Titel <\/span><em><span lang=\"de-DE\">Die Frauenb\u00fcnde im Reich<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\"> \u00fcber aktuelle Diskussionen und Projekte der Frauenb\u00fcnde, mit besonderem Fokus auf die Dresdner Ortsgruppe. Ebenso wurden Aufrufe, Frauenb\u00fcnde zu organisieren, und Hinweise, wie das am besten umgesetzt werden k\u00f6nnte, abgedruckt.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Reichweite der <em>Schaffenden Frau<\/em><\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Wenn auch die anarchistische Frauenbewegung in Deutschland quantitativ eher unbedeutend war, ist die Zeitschrift doch als bedeutend f\u00fcr libert\u00e4re Sozialist*innen einzuordnen und erm\u00f6glicht einen Blick auf parteiunabh\u00e4ngige Frauen im Arbeiter*innenmilieu. Die Reichweite der<\/span><em><span lang=\"de-DE\"> Schaffenden Frau <\/span><\/em><span lang=\"de-DE\">war ebenfalls durchaus beachtlich, wenn auch die Auflagenst\u00e4rke nicht bekannt ist. Sie wurde nicht nur in Deutschland gelesen, sondern auch in der Schweiz, \u00d6sterreich und in Luxemburg vertrieben. In Luxemburg wurde der Vertrieb zum Beispiel durch die Gewerkschaftsk\u00e4mpferin Lily Becker \u00fcbernommen. Zudem wurde <\/span><em><span lang=\"de-DE\">Die Schaffende Frau<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\"> unter anderem an Privatpersonen in die Tschechoslowakei geschickt sowie nach Brasilien. Fritz Kniestedt bestellte in einem abgedruckten Brief 36 Ausgaben nach Brasilien, mit revolution\u00e4rem Gru\u00df. (18) <\/span>\u201e<span lang=\"de-DE\">Wer in der Versandbuchhandlung Die <em>Schaffende Frau<\/em> B\u00fccher bestellt, unterst\u00fctzt den Verlag und hilft damit beitragen, da\u00df unsere Zeitung sich weiter erh\u00e4lt. Die <em>Schaffende Frau<\/em> ist ein Unternehmen, das ohne Kapital anfing, ohne Kapital besteht und nur auf die Eink\u00fcnfte der Zeitung und des Buchvertriebs angewiesen ist.\u201c <\/span><span lang=\"de-DE\">(19)<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Zu Beginn war die Zeitschrift f\u00fcr 60 Pfennig zu erwerben. Sp\u00e4ter, w\u00e4hrend der Hochzeiten der Inflation, gab es keinen Festpreis mehr, da die Preisentwicklung zwischen Produktion, Druck und Auslieferung erheblich schwankte. So schrieb Aim\u00e9e K\u00f6ster in der <\/span><span lang=\"de-DE\">September<\/span><span lang=\"de-DE\">a<\/span><span lang=\"de-DE\">usgabe <\/span><span lang=\"de-DE\">von 1923: <\/span><span lang=\"de-DE\">\u201eIch wage es nicht, den Preis der <em>Schaffenden Frau<\/em> nach der Schl\u00fcsselzahl des B\u00f6rsenvereins zu kalkulieren, [&#8230;] weil dann die Zeitung heute, am 25. August, bereits 600.000 Mark kosten w\u00fcrde.<\/span><span lang=\"de-DE\">\u201c (20) Um diesem Problem entgegenzuwirken, organisierte sie die Bezahlung auf Vorschlag von Leser*innen durch Vorauszahlungen; wenn das Geld aufgebraucht war, wurden weitere Betr\u00e4ge nachgereicht. (21) Der Druck der Zeitschrift erfolgte bis Oktober 1920 in der Albanus\u2019schen Buchdruckerei und wurde danach in der USPD Druckerei Genossenschafts-Druckerei Gro\u00df-Dresden e.B.m.b.H vollzogen. (22) Aus pers\u00f6nlichen und finanziellen Gr\u00fcnden ver\u00f6ffentlichte Aim\u00e9e K\u00f6ster im 19. Heft im April 1921,<\/span><span lang=\"de-DE\">\u201eda\u00df der Verlag der <em>Schaffenden Frau<\/em> am 1. April 1921 in den Besitz der Genossenschafts-Druckerei Gro\u00df-Dresden, e.B.m.b.H. in Dresden \u00fcbergegangen ist. Die Herausgeberin und verantwortliche Schriftleiterin Frau Aim\u00e9e K\u00f6ster beh\u00e4lt jedoch wie bisher die Redaktion der <em>Schaffenden Frau<\/em>.\u201c<\/span><span lang=\"de-DE\"> (23) Im R\u00fcckblick beschrieb sie in der 50. Ausgabe: <\/span><span lang=\"de-DE\">\u201eEs war mir nicht mehr m\u00f6glich, die redaktionellen, die gesch\u00e4ftlichen, die Expeditionsarbeiten, die Buchf\u00fchrung, die Korrespondenz allein zu bew\u00e4ltigen, ich litt k\u00f6rperlich und geistig unter der stehts gr\u00f6\u00dferen gesch\u00e4ftlichen Verantwortung, hatte au\u00dferdem Schwierigkeiten mit Wohnung und Gesch\u00e4ftsraum und war nat\u00fcrlich verschuldet beim Drucker.\u201c<\/span><span lang=\"de-DE\"> (24) Im 36. Heft im September 1922 schrieb sie, dass sie den Verlag zum 1. Oktober zur\u00fcck \u00fcbernehmen wird. Vor allem die politische Unabh\u00e4ngigkeit war ihr sehr wichtig.<\/span><\/p>\n<h5 align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Das Aus nach sechs Jahren<\/span><\/h5>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Am 17. August 1925 lie\u00df sich die \u00f6konomische Situation nicht mehr bew\u00e4ltigen und Aim\u00e9e K\u00f6ster schrieb an ihre Leser*innengemeinschaft, dass <\/span><span lang=\"de-DE\">Die <em>Schaffende Frau<\/em><\/span><span lang=\"de-DE\"> f\u00fcr einige Monate eingestellt werden w\u00fcrde, bis die <\/span><span lang=\"de-DE\">\u201esteigende[n] Erwerbsm\u00f6glichkeiten den gegenw\u00e4rtig unter schweren Entbehrungen leidenden Bildungsbetrieb des arbeitenden Deutschlands wieder aufleben lassen, [dann] wird auch [&#8230;] die <em>Schaffende Frau<\/em> wieder auf dem Plan erscheinen und mit altgewohnter Entschiedenheit f\u00fcr die Interessen der arbeitenden Frauenwelt voll eintreten.\u201c<\/span><span lang=\"de-DE\"> (25) Die Wiederkehr fand nicht statt und somit stellte <\/span><span lang=\"de-DE\">Die <em>Schaffende Frau<\/em><\/span><span lang=\"de-DE\"> mit ihrer 66. Ausgabe im sechsten Jahrgang ihre Arbeit ein. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Aim\u00e9e K\u00f6ster spielte f\u00fcr die Herausgabe der Zeitung eine zentrale Rolle. Deshalb ist die Frage nach ihrer Person spannend. Wie ist ihre individuelle politische Entwicklung einzuordnen und wo schl\u00e4gt diese sich in der<\/span><span lang=\"de-DE\"> Schaffenden Frau<\/span><span lang=\"de-DE\"> wieder? Die Tatsache, dass Aim\u00e9e K\u00f6ster Mitbegr\u00fcnderin des Dresdner Frauenbundes war, l\u00e4sst eine klare \u00dcberschneidung mit dem anarchosyndikalistischen Spektrum der <\/span><span lang=\"de-DE\">Freien Arbeiter Union Deutschlands (<\/span><span lang=\"de-DE\"><a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/03\/ohne-feminismus-keine-gewerkschaft\/\">FAUD)<\/a> erkennen und erkl\u00e4rte die inhaltliche N\u00e4he zu libert\u00e4ren Themen und Positionen, die einen gro\u00dfen Anteil der Zeitschrift ausmachten und sich ebenfalls in ihren Artikeln in anderen Zeitungen niederschlugen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Forderungen und Inhalte der syndikalistischen Frauenb\u00fcnde wurden allerdings nicht programmatisch in <\/span><span lang=\"de-DE\">Die <em>Schaffenden<\/em><\/span><em><span lang=\"de-DE\">e<\/span><span lang=\"de-DE\"> Frau<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\"> \u00fcbernommen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Sie<\/span><span lang=\"de-DE\"> spiegelten sich aber wider und wurden durchaus radikaler weiterentwickelt. <\/span><span lang=\"de-DE\">D<\/span><span lang=\"de-DE\">ie Zeitschrift <\/span><span lang=\"de-DE\">pr\u00e4gt <\/span><span lang=\"de-DE\">kein in sich geschlossenes Weltbild, sondern eine Offenheit zur Diskussion und der Versuch, verschiedene Ans\u00e4tze auf ihre Inhalte zu pr\u00fcfen und im Sinne der Emanzipation der Frau zu einer Handlungsperspektive zu entwickeln.<\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><strong><span lang=\"de-DE\">Josephine Fischer<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span lang=\"de-DE\">Quelle:<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">K\u00f6ster, Aim\u00e9e (Hrg.): Die schaffende Frau: Sozialistische Zeitschrift mit Modebeilage, Er\u00f6rterung der sozialen Probleme, Erziehungs-, Schul-, Frauen- und freireligi\u00f6se Fragen, Weltb\u00fcrgertum und Pazifismus, Sozialistische Romane und Novellen, Berufsfragen, Mode- und Handarbeitsvorlagen, Technische Aufs\u00e4tze f\u00fcr die Handfertigkeit der schneidernden Hausfrau, Dresden 1.1919\/20 \u2013 6.1925.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir wollen eine Front machen gegen die gro\u00dfe Zahl der r\u00fcckst\u00e4ndigen Familien- und Frauenzeitungen, die das Gem\u00fct und den Sinn unserer Frauen und Kinder mit den farblosen Idealen einer vergangenen Zeitepoche n\u00e4hren und es bis jetzt nicht verstanden haben, sich auf den Boden der Revolution zu stellen.\u201c (1) Mit diesen Worten positionierte sich Aim\u00e9e K\u00f6ster &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/06\/die-schaffende-frau\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":502,"featured_media":22902,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Die Schaffende Frau - graswurzelrevolution","description":"\u201e Wir wollen eine Front machen gegen die gro\u00dfe Zahl der r\u00fcckst\u00e4ndigen Familien- und Frauenzeitungen, die das Gem\u00fct und den Sinn unserer Frauen und Kinder mit de"},"footnotes":""},"categories":[1128,1038,1032],"tags":[1103,1134,1135,1076,1088],"class_list":["post-22569","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-450-sommer-2020","category-kleine-unterschiede","category-spurensicherung","tag-anarchismus","tag-fau","tag-feminismus","tag-frauen","tag-klassenkampf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22569","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/502"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22569"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22569\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22902"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22569"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22569"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22569"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}