{"id":22979,"date":"2020-08-28T00:03:08","date_gmt":"2020-08-27T22:03:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=22979"},"modified":"2020-09-22T12:01:33","modified_gmt":"2020-09-22T10:01:33","slug":"schlachthausarbeit-toeten-im-akkord","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/08\/schlachthausarbeit-toeten-im-akkord\/","title":{"rendered":"Schlachthausarbeit &#8211; T\u00f6ten im Akkord"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Graswurzelrevolution (GWR): Das T\u00f6ten von Tieren, besonders auch das Schlachten zu Ern\u00e4hrungszwecken, war im gewaltfreien Anarchismus immer schon ein Thema, ein Beispiel ist <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/03\/tolstois-christlicher-anarchismus\/\">Tolstois<\/a> Besuch des Schlachthauses in Tula. Im Internationalen Sozialistischen Kampfbund waren die Mitglieder zu einem Schlachthofbesuch und zur vegetarischen Lebensweise verpflichtet. Du hast dieses Thema wiederaufgegriffen. Was war Deine Motivation?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel Sebastian: Die Mensch-Tier-Beziehung geh\u00f6rt zu meinen Forschungsschwerpunkten. Das <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/produkt\/das-schlachten-beenden\/\">Schlachten<\/a> ist ein zentraler Bestandteil der gesellschaftlichen Beziehungen zu Tieren, wird aber nur selten untersucht. Dabei haben mich insbesondere die Akteure interessiert, die am Schlachten beteiligt sind: Wie nehmen sie ihre Arbeit wahr, wie gehen sie mit ihr um, wie nehmen sie die \u00f6ffentlichen Diskussionen \u00fcber die Schlachthofarbeit wahr?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>GWR: Wie bist du bei deiner Untersuchung vorgegangen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel Sebastian: Ich habe mit 13 m\u00e4nnlichen Arbeitnehmern aus sechs deutschen Schlachth\u00f6fen Interviews gef\u00fchrt und ausgewertet. Der Kontakt zur Branche war anfangs schwer. Erst als ich unterschiedliche Funktionstr\u00e4ger aus der <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/06\/die-fleischindustrie-in-der-coronakrise%e2%80%86\/\">Fleischindustrie<\/a> von der Relevanz meiner Forschung \u00fcberzeugen konnte, wurden mir auch Arbeitnehmer aus gro\u00dfen Schlachtunternehmen vermittelt. Die Gespr\u00e4che dauerten zwischen 30 Minuten und zweieinhalb Stunden. Meine Interviewpartner waren alle fest angestellt und hatten eine Ausbildung zum Fleischer. Damit unterschieden sie sich von dem anderen wichtigen Teil der Schlachthof-Belegschaften: den meist osteurop\u00e4ischen Schlachthofarbeiter*innen mit Werkvertr\u00e4gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>GWR: Die Arbeitssoziologie hat diesen gro\u00dfen Teil der Arbeitswelt bisher vernachl\u00e4ssigt und nicht in die Bestrebungen um die Humanisierung der Arbeit einbezogen. Die aktuelle Debatte dreht sich um die Arbeitsverh\u00e4ltnisse wie Werkvertr\u00e4ge, L\u00f6hne, Unterbringung. Du hast dich auf den Arbeitsinhalt konzentriert.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel Sebastian: In meiner Dissertation interessierten mich vor allem die subjektive Dimension des Schlach\u2028tens und deren kulturelle Rahmung. Die erste Studie behandelt die Frage, wie die Arbeitnehmer mit den betrieblichen Anforderungen an das Empfinden und Ausdr\u00fccken von Emotionen umgehen. Schlachth\u00f6fe stellen die Emotionserwartung, dass die dort T\u00e4tigen neutral auf das T\u00f6ten reagieren. Wer Skrupel, Mitleid oder Schulgef\u00fchle hat, kann den Beruf nicht aus\u00fcben. Mich hat interessiert, ob die Arbeitenden grunds\u00e4tzlich emotional unber\u00fchrt vom T\u00f6ten sind und wenn nicht, wie sie die notwendige Neutralit\u00e4t w\u00e4hrend der Arbeit herstellen. Die zweite Studie fragt nach den Reaktionsweisen von Schlachthofarbeitern auf die moralische Stigmatisierung der Schlachthofarbeit. Hier wollte ich herausfinden, inwiefern meine Interviewpartner moralische Stigmatisierung erfahren und ob sie sich eher aktiv gegen moralische Kritik wehren oder ob sie eher versuchen, Kritik und Stigmatisierung zu meiden und ihren Beruf in der \u00d6ffentlichkeit verheimlichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>GWR: Was waren die Ergebnisse deiner Forschung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel Sebastian: Fast alle interviewten Schlachthofarbeiter sagten von sich, das T\u00f6ten von Tieren mache ihnen nichts aus. Es stellte sich aber heraus, dass alle von ihnen Techniken nutzen, um emotionale Distanz gegen\u00fcber den Tieren herzustellen. Wichtig war hier etwa, keine individuellen Beziehungen zu Schlachttieren zuzulassen und diese vor allem als Werkstoffe zu betrachten, deren Zweck es ist, zu Fleisch verarbeitet zu werden. Dies gelang den Interviewpartnern unter normalen, routinierten Bedingungen. Interessant war, dass dieser \u201aemotionale Normalbetrieb\u2018 des Schlachtens zeitweise unterbrochen wurde und die Arbeit emotional deutlich herausfordernder wurde &#8211; etwa, wenn Jungtiere geschlachtet werden mussten. Auch meine Frage, ob sie sich vorstellen k\u00f6nnten, Hunde zu schlachten, verneinten die Interviewpartner entschieden. Auffallend war, dass alle Interviewpartner schon in der Kindheit oder Jugend mit dem Schlachten von Tieren Kontakt hatten. Meist wurde auf dem eigenen Hof geschlachtet oder Familienmitglieder arbeiteten im Schlachthof und vermittelten so fr\u00fch die entsprechenden Ideen und Einstellungen gegen\u00fcber dem Schlachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>GWR: Haben deine Interviewpartner von moralischer Stigmatisierung berichtet und hat die Kritik an den Zust\u00e4nden in Schlachth\u00f6fen Auswirkungen auf ihr Selbstbild?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel Sebastian: Ja, meine Interviewpartner nahmen einen Wandel im \u00f6ffentlichen Blick auf den Schlachtberuf wahr: Sie w\u00fcrden zunehmend kritisiert, obwohl die Mehrheit dennoch Fleisch konsumiert. Dies empfanden sie als ungerecht. Zudem sprachen viele vom schlechten Image ihres Berufs und f\u00fchlten sich falsch verstanden. Einer sagte etwa: \u201eDie denken immer, man sei ein Killer\u201c. Nur zwei meiner Interviewpartner erfuhren kaum oder keine moralische Stigmatisierung. Die anderen gingen ausnahmslos aktiv und konfrontativ mit dem Stigma um. Sie lehnten die kulturellen Ideen ab, die sie als stigmatisierend empfanden und argumentierten f\u00fcr die kulturelle G\u00fcltigkeit ihrer Sicht der Dinge. Viele betonten beispielsweise, dass ihrer Meinung nach Schlachtungen nur dann moralisch relevant sind, wenn diese nicht \u201asauber und ordentlich\u2018 durchgef\u00fchrt w\u00fcrden und die Tiere mit unprofessioneller H\u00e4rte behandelt w\u00fcrden. Vorw\u00fcrfe systematischer Gewalt an Tieren, wie sie etwa Tierrechtler*innen oder Veganer*innen artikulieren, wiesen sie als uninformiert und \u00fcbertrieben zur\u00fcck. Ein Kernargument zur Reduktion der Stigmatisierung war: Nur wer Insiderwissen \u00fcber Schlachthofarbeit hat, kann sich ein Urteil erlauben und nur Schlachthofarbeiter haben dieses Insiderwissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>GWR: Gibt es daneben auch weitere \u201eEntlastungstechniken\u201c, z.B. Alkohol oder andere Mittel?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel Sebastian: Diese vor allem psychologische Dimension stand nicht im Mittelpunkt meiner Forschung. Es gibt einige Berichte \u00fcber den Konsum von Bet\u00e4ubungsmitteln als Reaktion auf die emotionalen und k\u00f6rperlichen Herausforderungen der Schlachtarbeit, aber in meinen Interviews kamen diese nicht zur Sprache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>GWR: W\u00fcrdest du sagen, dass die \u201eemotionale Neutralit\u00e4t\u201c eigentlich die lerntheoretische Formulierung der fr\u00fcher so genannten \u201eVerrohung\u201c oder \u201eAbstumpfung\u201c ist, Begriffe, die ja oft emp\u00f6rt zur\u00fcckgewiesen wurden? Dass also die \u00dcbertragung der Gewalt aus dem Mensch-Tier-Verh\u00e4ltnis auf das Mensch-Mensch-Verh\u00e4ltnis m\u00f6glich oder wahrscheinlich ist?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel Sebastian: Diese These ist g\u00e4ngig, aber sie l\u00e4sst sich empirisch schwer belegen. Tats\u00e4chlich berichteten einige meiner Interviewpartner, dass ihnen das T\u00f6ten anfangs schwergefallen sei \u2013 ein Hinweis auf eine Abh\u00e4rtung \u00fcber Zeit. Ein Schlachthofarbeiter sagte mir, er sei mit der Zeit gegen\u00fcber dem Schicksal der Tiere \u201aabgestumpft\u2018. Andere erz\u00e4hlten, ihnen sei das T\u00f6ten noch nie schwergefallen, was wiederum gegen die These gradueller Abh\u00e4rtung spricht. F\u00fcr einen anderen war es wichtig, dass die Schlachtung nach seinen Ma\u00dfst\u00e4ben von Respekt und Sauberkeit geschieht, damit sie f\u00fcr ihn emotional kein Problem darstellt. Das Bild ist also uneinheitlich und meine Forschungsperspektive letztlich auch nicht geeignet, um diese Frage wirklich zu kl\u00e4ren. Das betrifft auch die Frage, inwiefern Gewalt an Tieren im Schlachthof das Gewaltpotential gegen\u00fcber Menschen steigert. Hier gibt es empirische Befunde aus anderen Studien, die beispielsweise einen Zusammenhang zwischen Schlachthof-Neubauten und dem Anstieg von Gewaltkriminalit\u00e4t in der Region gefunden haben, aber diese Studien reichen nicht aus, um abschlie\u00dfende Urteile zu f\u00e4llen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>GWR: Berichte \u00fcber \u201eSchlachthofgr\u00e4uel\u201c gibt es seit Jahrhunderten. Viele Menschen glauben aber, dass in modernen Schlachth\u00f6fen alles bestens durchorganisiert und \u00fcberwacht w\u00fcrde. Es scheint aber gerade diese Organisation die Ursache gro\u00dfer Leiden zu sein, weil unter Stress stehende Lebewesen sich eben nicht reibungslos in vorgegebene Prozesse einordnen lassen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel Sebastian: Interessant finde ich vor allem, welche Behandlungsweisen von Tieren in welchem sozio-historischen und kulturellen Kontext als \u201aGr\u00e4uel\u2018 betrachtet werden. Hier scheint mir, dass ein zunehmender Teil der Gesellschaft nicht mehr nur Fehlbet\u00e4ubungen, Schl\u00e4ge oder sonstige Formen von \u201aau\u00dfergew\u00f6hnlicher\u2018 Gewalt in Frage stellt, sondern dass auch der besagte \u201aNormalbetrieb\u2018 des Schlachthofs zunehmend in der moralischen Kritik steht. Fest steht allerdings: Aus der gegenw\u00e4rtigen Form industrieller Fleischproduktion resultieren spezifische Gr\u00fcnde, warum Probleme auftreten k\u00f6nnen, da unter der Maxime der Profitmaximierung mit Hochdruck produziert wird. Wenn 30.000 Schweine pro Tag in einem Betrieb bet\u00e4ubt und get\u00f6tet werden, kommt es unweigerlich zu Fehlern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>GWR: Die Fleischindustrie steht aktuell wegen der Ausbr\u00fcche von Covid-19 in vielen deutschen Schlacht- und Zerlegebetrieben in der Kritik. Denkst du, dass sich die Kritik auch auf die Situation der Tiere ausweiten wird?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel Sebastian: Die Corona-Krise funktioniert in vielen gesellschaftlichen Bereichen als eine Art Brennglas und macht Probleme sichtbar, die vorher eher ignoriert wurden. Die schlechten Arbeitsbedingungen in der Pflege und in Krankenh\u00e4usern als Resultat von Sparpolitik waren die ersten Beispiele. Durch die <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/06\/das-system-toennies\/\">Corona-Ausbr\u00fcche in Schlachth\u00f6fen<\/a> werden nun auch die systemischen Probleme der Fleischbranche sichtbarer. Diese Probleme sind das Resultat des Zusammenwirkens unterschiedlicher \u2028Akteure unter dem Vorzeichen von profitmaximierender und wachstumsorientierter Produktion: Einzelhandelsunternehmen buhlen mit m\u00f6glichst g\u00fcnstigen Fleischpreisen um die Gunst der Konsumierenden. Schlachtbetriebe reagieren, indem \u2028sie versuchen, Fleisch g\u00fcnstiger \u2028zu produzieren, um den Konkurrenzkampf f\u00fcr sich zu entscheiden. Sie geben den Druck an die Betreiber*innen von Tierproduktionsanlagen weiter, die ihrerseits m\u00f6glichst g\u00fcnstig \u2013 und das hei\u00dft meist zulasten der Tiere \u2013 produzieren. Die Schlachtunternehmen selbst sparen vor allem bei den Arbeitskosten. Etwa, indem fl\u00e4chendeckend g\u00fcnstige Arbeitskraft aus Osteuropa auf Basis von Werkvertr\u00e4gen \u00fcber Subunternehmen eingekauft wird. Diese Subunternehmen maximieren ihrerseits ihren Gewinn, indem sie die Arbeitenden in \u00fcberteuerten Sammelunterk\u00fcnften unterbringen und starke Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse schaffen, die den meisten, die auf der Basis von Werkvertr\u00e4gen arbeiten, kaum Chancen zur Gegenwehr lassen. Die Branche steht unter enormem Druck und die Gewinnmargen sind klein. Die Last tragen diejenigen Akteure mit den geringsten Machtressourcen: die osteurop\u00e4ischen Werkvertragsarbeiter*innen und die Tiere. Die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit f\u00fcr diese systemisch bedingten Probleme der Fleischindustrie hat das Potential, auch die Situation der Tiere st\u00e4rker in die \u00f6ffentliche Debatte zu integrieren, da sie Resultat der gleichen \u00f6konomischen Grundlage ist, wie die Situation der auf Werkvertragsbasis Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>GWR: Fleischkonsument*innen, die sich f\u00fcr fortschrittlich oder tierfreundlich halten, erkl\u00e4ren oft, sie kauften nur \u201ebio\u201c. Macht das im Bezug auf das Schlachten \u00fcberhaupt etwas aus?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel Sebastian: Welche Produktionsweisen von Fleisch fortschrittlich sind, oder ob es diese \u00fcberhaupt gibt, ist eine Frage, die wir als Gesellschaft aushandeln m\u00fcssen. Der Begriff \u201abio\u2018 bezieht sich auf die Haltung der Tiere, nicht auf deren T\u00f6tung. Es gibt keine \u201aBio-Schlachtung\u2018, sondern nur Schlachtungen von Tieren aus Haltung mit einem Bio-Zertifikat. Hinter Bio-Fleisch steht die Idee, dass das T\u00f6ten von Tieren legitim ist, aber die Bedingungen der Haltung optimiert werden m\u00fcssen. Konventionelle Produktion beinhaltet die Idee, dass am gegenw\u00e4rtigen Status Quo industrieller Tierproduktion kein Reformbedarf besteht. Perspektiven aus der veganen Szene oder der Tierrechtsbewegung betonen wiederum, dass nicht die Form der Fleischproduktion oder bestimmte Behandlungsweisen von Tieren, sondern deren Nutzung und T\u00f6tung als solche moralisch verwerflich sind. Als Gesellschaft m\u00fcssen wir diese Positionen nun auf ihre Plausibilit\u00e4t pr\u00fcfen und uns auch fragen, welche Interessen und Motive jeweils hinter den Positionen stehen. Fleischkonsum ist in diesem Sinne keine Privatsache. Ich denke, dass wir diese Diskussion nicht l\u00e4nger verschieben und wegschauen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>GWR: Wenn wir dem Ziel einer gewaltfreien Gesellschaft n\u00e4her kommen wollen, muss auch die Gewalt gegen Tiere angegangen werden. Haben sich aus deinen Forschungen Hinweise ergeben, ob wir diesen notwendigen \u00c4nderungen derzeit n\u00e4her kommen und wie diese eher zu erreichen w\u00e4ren?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel Sebastian: Es l\u00e4sst sich ein komplexer, teils widerspr\u00fcchlicher kultureller Wandel in der <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/06\/animal-utopia-gegenbilder-zur-tierindustrie\/\">Mensch-Tier-Beziehung<\/a> westlicher Gesellschaften nachvollziehen. Aktuell scheint die gesellschaftliche Wahrnehmung der moralischen Relevanz von Tieren zuzunehmen. Allerdings existieren deutliche, historisch gewachsene Unterschiede in den kulturellen Ideen gegen\u00fcber domestizierten Tieren: \u201aHaustiere\u2018 wurden seit dem Beginn der westlichen Moderne zunehmend als Subjekte mit individuellen Pers\u00f6nlichkeiten wahrgenommen, w\u00e4hrend \u201aNutztiere\u2018 im Zuge der Industrialisierung ihrer Haltung und Schlachtung immer mehr als Objekte ohne Individualit\u00e4t behandelt wurden. Diese Kluft wird nun vermehrt in Frage gestellt. Die tradierten kulturellen Ideen, dass wir Schweine, H\u00fchner oder K\u00fche nutzen und t\u00f6ten d\u00fcrfen, erscheinen immer mehr Menschen als unangemessen. Wir befinden uns inmitten einer Kontroverse \u00fcber gesellschaftliche Mensch-Tier-Beziehungen und \u00fcber gesellschaftliche Naturverh\u00e4ltnisse im Allgemeinen. Wie diese Debatten ausgehen, bleibt offen. Aber die aktuelle Situation hat das Potential, eine grundlegende Transformation der Beziehungen zwischen Menschen und Tieren einzuleiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graswurzelrevolution (GWR): Das T\u00f6ten von Tieren, besonders auch das Schlachten zu Ern\u00e4hrungszwecken, war im gewaltfreien Anarchismus immer schon ein Thema, ein Beispiel ist Tolstois Besuch des Schlachthauses in Tula. Im Internationalen Sozialistischen Kampfbund waren die Mitglieder zu einem Schlachthofbesuch und zur vegetarischen Lebensweise verpflichtet. Du hast dieses Thema wiederaufgegriffen. Was war Deine Motivation? 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