{"id":22990,"date":"2020-08-28T00:18:52","date_gmt":"2020-08-27T22:18:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=22990"},"modified":"2020-09-04T11:48:28","modified_gmt":"2020-09-04T09:48:28","slug":"die-wahre-geschichte-des-christoph-kolumbus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/08\/die-wahre-geschichte-des-christoph-kolumbus\/","title":{"rendered":"Die wahre Geschichte des Christoph Kolumbus"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Du plauderst mit einer Freundin und sie meint: &#8222;Warum regen sich die in Amerika so \u00fcber den Kolumbus-Tag auf? Es geht ja nur um diesen italienischen Seefahrer, der als erster den Ozean \u00fcberquert hat!\u201c Nun, was k\u00f6nnte man darauf antworten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier ein paar Dinge, die man wissen und weitersagen sollte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem Christoph Kolumbus vor 528 Jahren Schiffbruch erlitten und mehr zuf\u00e4llig auf die tropische Insel gesto\u00dfen war, welche heute unter dem Namen Hispaniola (Haiti und die Dominikanische Republik) bekannt ist, schrieb er \u00fcber die Ta\u00edno, die sie bewohnten: \u201e&#8230;unschuldig und von einer solchen Freigiebigkeit mit dem, was sie haben, dass niemand es glauben w\u00fcrde, der es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Was immer man von ihnen erbittet, sie sagen nie nein, sondern fordern einen ausdr\u00fccklich auf, es anzunehmen und zeigen dabei soviel Liebensw\u00fcrdigkeit, als w\u00fcrden sie einem ihr Herz schenken.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kolumbus dachte sich, dass es ihm dank der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und des bereitwilligen Entgegenkommens der matriarchal organisierten Ta\u00ednos ein Leichtes sein w\u00fcrde, die riesige Insel zu erobern, mit ihren \u201e&#8230;kostbaren, breit dahinstr\u00f6menden Fl\u00fcssen\u201c und W\u00e4ldern \u201evoller B\u00e4ume und endlos vieler Arten, so riesig, dass sie den Himmel zu ber\u00fchren scheinen\u201c. Er hielt fest: \u201eIch k\u00f6nnte sie alle mit 50 Mann erobern und beherrschen wie es mir gef\u00e4llt\u201c. 1550, knapp sechzig Jahre nach seiner ersten Landung waren die Ta\u00edno auf einen kleinen Teil der urspr\u00fcnglichen Population reduziert. Von rund 300.000 Menschen der urspr\u00fcnglichen Bev\u00f6lkerung waren noch etwa 500 \u00fcbrig. Und Haiti hatte 98 % der B\u00e4ume verloren, die Kolumbus bei seiner Ankunft bewundert hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die brutale Unterwerfung und Zerst\u00f6rung der Ta\u00edno, die Kolumbus als erster Gouverneur und Vizek\u00f6nig der Insel angezettelt hatte, kann nicht einmal im damaligen Kontext als \u201egew\u00f6hnlich\u201c bezeichnet werden. Immer noch werden der Seefahrer und seine Besatzung in einem Zuge mit anderen eroberungsw\u00fctigen Europ\u00e4ern der Neuzeit genannt. Die sadistische Brutalit\u00e4t mit der sie vorgingen, sollte aber nicht so leichtfertig \u00fcbersehen oder gar entschuldigt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ta\u00ednos wurden von den Spaniern regelm\u00e4\u00dfig wegen Vorf\u00e4llen ausgepeitscht, die Kolumbus selber als kleinere Vergehen bezeichnete. Stahl jedoch jemand in der Not ein wenig Gem\u00fcse oder ein Tier, konnte das dazu f\u00fchren, dass ihm die Nase, das Ohr oder eine Hand abgeschnitten wurde. Die so Verst\u00fcmmelten wurden manchmal gezwungen, als Exempel ihren abgeschnittenen K\u00f6rperteil herumzutragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kolumbus stahl Ta\u00ednofrauen und schenkte sie seinen Matrosen, welche sie brutal schlugen und vergewaltigten. Wenn sie in Gefangenschaft hatten geb\u00e4ren m\u00fcssen, wurden ihre Babys manchmal hungrigen Hunden vorgeworfen. Kolumbus etablierte auch einen Handel mit neun- bis zehnj\u00e4hrigen Ta\u00ednom\u00e4dchen, welche zum Zweck der systematischen Vergewaltigung verkauft wurden\u00a0(1). Er kidnappte und versklavte auch erwachsene Ta\u00ednos und initiierte so den transatlantischen Sklavenhandel im Zuge seiner R\u00fcckreisen nach Europa.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammengefasst darf gesagt werden, dass Kolumbus den Menschen, die ihn nach seinem Schiffbruch in der Karibik so liebensw\u00fcrdig aufgenommen und ihm geholfen hatten, \u00fcberhaupt wieder nach Spanien zur\u00fcckzukehren, als ausbeutender, misshandelnder, vergewaltigender, versklavender und mordender Kolonialist begegnete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur zwei Drittel der Ta\u00edno hatten vier Jahre nach Kolumbus\u2019 Ankunft \u00fcberlebt. Viele waren get\u00f6tet worden, andere starben an eingeschleppten Krankheiten oder hatten sich aus Verzweiflung von Klippen gest\u00fcrzt. Sie hatten vorgezogen so zu sterben, als unter der sadistischen Tyrannei der europ\u00e4ischen Kolonialisten zu leben. Kolumbus hat zudem ein System etabliert, welches den Spaniern erlaubte, das Land, das den Ta\u00edno geh\u00f6rte, gleich \u00fcbel zu misshandeln wie ihre Frauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht so, dass die Ta\u00edno keinen Widerstand geleistet h\u00e4tten: Kolumbus lie\u00df 39 Kolonialisten in der ersten europ\u00e4ischen Niederlassung von Amerika zur\u00fcck, in \u201eLa Navidad\u201c, das im heutigen Haiti lag. Als er ein paar Monate sp\u00e4ter aus Spanien zur\u00fcckkehrte, waren alle Seeleute tot. Es hie\u00df, sie h\u00e4tten sich \u00fcbel benommen und an den Frauen vergangen. Dieser Vorfall konnte ihn nicht bremsen, und seine Angewohnheit anderer Leute Land einfach zu besiedeln, hat im Gegenteil die Europ\u00e4er inspiriert, welche dieses Verhalten legitimierten, und die entsprechende Haltung in ihrer Denkweise verankerten. Die von Kolumbus besetzten Landstriche waren bald das R\u00fcckgrat ganzer Imperien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es folgte jahrhundertelange Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung der einheimischen Bev\u00f6lkerung von Hispaniola und ihres Landes. Die spanischen Kolonialisten rodeten ganze Landstriche, um in massivem Stil Tabakplantagen anlegen zu k\u00f6nnen. Dieser Vorgang stand am Anfang einer langen Geschichte der Rodung und Bodenerosion. Seit mehreren Jahren leidet die Insel Hispaniola unter D\u00fcrre als Folge der Klimakrise, und man k\u00f6nnte auch das als eine der Sp\u00e4tfolgen der Kolonisation unter und nach Kolumbus bezeichnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem Frankreich in den Besitz von Haiti gekommen war, wurde sogar noch mehr Land entwaldet und zwangsdeportierte Afrikaner*innen wurden gezwungen Zucker anzubauen, um europ\u00e4ische Begehrlichkeiten zu stillen. Der erste Ort, den die Europ\u00e4er kolonialisiert hatten, wurde zwar auch zum ersten Ort, der sich erfolgreich dagegen erhob \u2013 aber die zerst\u00f6rerische Praxis Monokulturen anzulegen, um den Konsum in \u00dcbersee zu bedienen, war bereits etabliert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sollten nicht vergessen, dass Kolumbus f\u00fcr einen Genozid und f\u00fcr das in Gang setzen eines \u00d6kozids verantwortlich ist. Der Reichtum aus Ressourcen wie Zucker, Tabak und Baumwolle f\u00fchrte letztendlich auch zum Beginn der industriellen Revolution, welche nicht zuletzt die Kohleemission auf ein nie vorher dagewesenes Rekordlevel brachte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Haiti bleibt das \u00e4rmste Land aller von Europ\u00e4ern gepl\u00fcnderten Gegenden. Die Region der Europ\u00e4ischen Union hingegen ist bis heute eine der reichsten der Welt. Das ist nicht eigenes Verschulden oder Schicksal. Es r\u00fchrt daher, dass die Bev\u00f6lkerung von Hispaniola, ihre Arbeit, ihre Ressourcen und ihr Land w\u00e4hrend langer Zeit ausgebeutet und ausgeraubt wurden, ohne dass jemals Schadenersatz geleistet worden w\u00e4re. Die heimt\u00fcckische Art der Kolonisation Amerikas, welche in Haiti begann, hat aber schlussendlich nicht nur die Menschen gequ\u00e4lt, welche damals dort lebten. Sie hat auch ein System begr\u00fcndet, das indigene V\u00f6lker in Sklaverei oder ewiger Armut gefangen h\u00e4lt, w\u00e4hrend Europa im Wohlstand badet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und genau das, solltest du deiner Freundin sagen, ist der Grund, warum so manche von uns die Idee verabscheuen, einen Kolumbus-Tag zu feiern.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Aura Bogado<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcbersetzung aus dem Englischen: Patricia Muheim Mikul\u00edkov\u00e1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Du plauderst mit einer Freundin und sie meint: &#8222;Warum regen sich die in Amerika so \u00fcber den Kolumbus-Tag auf? Es geht ja nur um diesen italienischen Seefahrer, der als erster den Ozean \u00fcberquert hat!\u201c Nun, was k\u00f6nnte man darauf antworten? 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