{"id":23241,"date":"2020-10-04T15:36:21","date_gmt":"2020-10-04T13:36:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=23241"},"modified":"2020-10-26T16:23:54","modified_gmt":"2020-10-26T14:23:54","slug":"das-angekratzte-image-weiter-zerstoeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/10\/das-angekratzte-image-weiter-zerstoeren\/","title":{"rendered":"Das angekratzte Image weiter zerst\u00f6ren"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/04\/rheinmetall-entruesten\/\">Waffenexporte<\/a> in Kriegsgebiete lehnen weite Teile der Bev\u00f6lkerung ab. Aber weil damit viel Geld verdient werden kann, lassen deutsche <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/11\/rheinmetalls-visionen\/\">Waffenproduzenten<\/a> nichts unversucht, mit weltweiten Waffenlieferungen ihre Rendite zu erh\u00f6hen. Um auf diese verbrecherische Politik aufmerksam zu machen, haben die Kampagne Rheinmetall entwaffnen und die Musik- und Aktionsgruppe <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/produkt\/widerstaendige-musik-an-unmoeglichen-orten\/\">Lebenslaute<\/a> im August 2020 an Produktionsstandorten Blockadeaktionen durchgef\u00fchrt. Die Kritik an Rheinmetall richtet sich auch gegen die nicht vorhandene Erinnerungskultur des Konzerns, denn in der Nazizeit profitierte der deutsche R\u00fcstungskonzern von der Zwangsarbeit von tausenden Menschen. Einen Gedenkort dazu gibt es noch nicht und er wird erst jetzt nach Druck aus der Zivilgesellschaft diskutiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Musiker*innen-Netzwerk <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/03\/ihr-maechtigen-seht-ungeruehrt-auf-eure-sklaven\/\">Lebenslaute<\/a> hat sich Mitte August mehrere Tage gemeinsam auf die Aktion bei Rheinmetall in Unterl\u00fc\u00df vorbereitet. Damit es w\u00e4hrend der Corona-Zeit nicht zu Problemen kommt, fanden alle Proben und Auftritte im Freien statt \u2013 teilweise unter Zeltdach mit ca. 100 Musizierenden plus 15 Unterst\u00fctzer*innen. Trotz intensiver Beobachtung durch die Polizei kamen alle Aktivist*innen am 17. August um 5.40 Uhr an die vier Blockadeorte. Rheinmetall wollte keine unsch\u00f6nen Bilder in der Presse und lie\u00df deswegen die Blockaden zu. Die Polizei hoffte wohl, wenigstens ein Tor am Hauptwerk frei halten zu k\u00f6nnen, sagte dann aber, es seien spontane Versammlungen, die akzeptiert werden. Ein weiteres Nebentor wurde durch ein Fahrradschloss zugemacht. Vielen Mitarbeiter*innen wurde von Rheinmetall gesagt, sie sollen zu Hause bleiben. Doch viele wollten zur Arbeit und so wurden die polierten Autos \u00fcber einen Feld- und Waldweg umgeleitet, der nach einer Weile auch von Musiker*innen blockiert war. Dort wurde dann doch vorsichtig zur Seite ger\u00e4umt. Personalien wurden nie festgestellt. Das gemeinsame Abschlusskonzert ab 11 Uhr direkt vor dem Hauptverwaltungsgeb\u00e4ude auf dem firmeneigenen Parkplatz war optisch perfekt und musikalisch beeindruckend.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Auch andere Waffenproduzenten im Fokus<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kampagne Rheinmetall entwaffnen hat wegen Corona, anders als in den letzten Jahren, in diesem Jahr kein Camp in Unterl\u00fc\u00df geplant, statt dessen wurden am 28. August Blockadeaktionen an Produktionsstandorten in Kassel durchgef\u00fchrt. Morgens um 5.15 Uhr ging es zu den Toren des Panzer-Produzenten Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Beim dortigen Hauptsitz in Kassel waren aus Imagegr\u00fcnden die Firmenschilder abgeschraubt, damit die Pressefotos nicht so gut werden wie in Unterl\u00fc\u00df. Auch hier war vielen Mitarbeiter*innen gesagt worden, sie sollten zu Hause bleiben. Einige kamen dann doch zu Fu\u00df und schoben sich mit der Schulter (im Gegensatz zu den Blockierenden ohne Mund-Nasenschutz) durch die Blockade. Ein schnell ge\u00f6ffneter Hintereingang wurde z\u00fcgig blockiert. Dann wurden die Mitarbeiter*innen von der Polizei durch die Blumenrabatte eines benachbarten Vorgartens geschickt, bis dies von einer weiteren Aktionsgruppe unterbunden wurde. Ab zehn Uhr kamen dann mehrere hundert Menschen zum \u00f6ffentlich angek\u00fcndigten Termin, was zu der Blockade am zweiten KMW-Werk f\u00fchrte. Personalien wurden auch hier nie festgestellt. Wichtiger f\u00fcr Rheinmetall und Polizei war, dass niemand auf das Werksgel\u00e4nde geht. Das w\u00e4re aber ein sch\u00f6ner Ort zum Demonstrieren&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gut war die spektren\u00fcbergreifende Mobilisierung: <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/03\/fridays-for-future-saturdays-for-system-change\/\">Fridays-For-Future-<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/06\/massenhafter-ziviler-ungehorsam-die-antifa-und-der-trump-faschismus\/\">Black-Lives-\u2028Matters-Gruppen<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/11\/der-tuerkische-ueberfall-auf-rojava\/\">Kurd*innen<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/04\/a-feminismus-von-unten\/\">Feminist*innen<\/a> und andere emanzipatorische Aktivist*in-nen beteiligten sich. Ab 16 Uhr war eine Demo am Halit-Platz angemeldet, aber schon davor zog eine Demo mit mehreren hundert Menschen durch die Innenstadt von Kassel. Da wegen Corona die bundesweite Vorbereitung nicht so gut lief und auf wenigen Schultern lag, wirkte der Nachmittag ein wenig unkoordiniert, h\u00e4tte konfrontativer sein k\u00f6nnen, aber KMW verhielt sich defensiv und verzichtete lieber auf ein paar Stunden Produktion. Insgesamt war es ein toller Aktionstag, der Interesse an mehr weckt.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Perspektiven f\u00fcr die Friedensbewegung<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die R\u00fcstungsproduzent*innen wissen, warum sie uns nicht schnell vor ihren Toren wegr\u00e4umen lassen. An Diktatoren und Kriegstreiber Waffen zu liefern ist in der Bev\u00f6lkerung nicht beliebt. Mehr oder weniger eigenst\u00e4ndige Firmen im Ausland zu gr\u00fcnden, beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/11\/rheinmetall-stoppen-bevor-noch-mehr-menschen-sterben\/\">Rheinmetall S\u00fcdafrika<\/a>, um Exportverbote zu umgehen ist legal und gewinnbringend, aber nicht gut f\u00fcr das Image. Denn es gibt keinen gerechten Krieg, Krieg ist immer ein Verbrechen an der Menschlichkeit und noch mehr Menschen m\u00fcssen fl\u00fcchten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rheinmetall verdient noch ein zweites Mal, in dem sie Z\u00e4une und \u00dcberwachungstechnik verkaufen. Die deutsche Regierung verh\u00e4lt sich widerspr\u00fcchlich. Dass sich am Krieg in Libyen beteiligende <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/09\/aegypten-befreiung-auf-einem-berg-von-leichen\/\">\u00e4gyptische Milit\u00e4r<\/a> wird ganz legal aus Deutschland beliefert, andere Waffenexporte mit der Marine im Mittelmeer gestoppt. Der BND verschiebt heimlich Waffen in Kriegsgebiete, um eigene Interessen zu sichern, und und und.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Fazit<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">An die erfolgreichen Proteste gegen Waffenproduktion sollte weiter ankn\u00fcpft werden. Das kann der Friedensbewegung nur gut tun. Unterl\u00fc\u00df mit den zwei Werken ist der gr\u00f6\u00dfte Produktionsort des gr\u00f6\u00dften deutschen Waffenproduzenten Rheinmetall und hat einiges an Potential, wie die Aktionstage schon im letzten Jahr gezeigt haben. In der N\u00e4he sind einige wichtige Bundeswehrstandorte. N\u00e4chstes Jahr wird es vermutlich wieder ein antimilitaristisches Camp geben. Die Niederlassungen der Waffenindustrie in ganz Deutschland, auch von anderen Firmen, eignen sich gut als Aktionsorte der antimilitaristischen Bewegung. Nicht nur an Protesttagen zu Rojava. Also organisiert und beteiligt euch an kommenden Aktionen.<\/p>\n<div id=\"Kasten\"><\/div>\n<div class=\"wp-embed-footer\">\n<ul>\n<li class=\"wp-embed-site-title\"><a href=\"https:\/\/www.lebenslaute.net\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">Lebenslaute<\/a><a href=\"https:\/\/www.lebenslaute.net\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\"> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-embed-site-icon\" src=\"https:\/\/www.lebenslaute.net\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/cropped-LL-faust_icon-32x32.png\" srcset=\"https:\/\/www.lebenslaute.net\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/cropped-LL-faust_icon-150x150.png 2x\" alt=\"\" width=\"32\" height=\"32\" \/><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/rheinmetallentwaffnen.noblogs.org\/\">Rheinmetall entwaffnen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/\">Informationsstelle Militarisierung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Waffenexporte in Kriegsgebiete lehnen weite Teile der Bev\u00f6lkerung ab. 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