{"id":23556,"date":"2020-10-28T14:08:09","date_gmt":"2020-10-28T12:08:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/10\/make-dolma-not-war\/"},"modified":"2022-07-26T14:07:47","modified_gmt":"2022-07-26T12:07:47","slug":"make-dolma-not-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/10\/make-dolma-not-war\/","title":{"rendered":"Make dolma, not war!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wenn der Krieg um Bergkarabach, der zwischen Aserbaidschan und Armenien stattfindet, thematisiert wird, r\u00fcckt schnell die Fragestellung sowohl der aserbaidschanischen wie der armenischen Seiten in den Fokus, wem das Gebiet Bergkarabach geh\u00f6rt und wer hier zuerst war. Aserbaidschaner*innen fordern die Implementierung der vier von der UNO verabschiedeten Resolutionen, w\u00e4hrend Armenier*innen betonen, dass Aserbaidschaner*innen nicht zu den in Bergkarabach wohnenden V\u00f6lkern geh\u00f6ren und daher kein Recht auf die Region haben. Ein erstes Zeichen f\u00fcr die kommende, jetzt anhaltende kriegerische Auseinandersetzung war es schon, als die Gefechte an der Grenzzone zwischen Aserbaidschan und Armenien im Juli 2020 aufgeflammt sind. Nun tobt der Konflikt seit dem 27. September im Gebiet Bergkarabach wieder ganz dynamisch und unvorhersehbar. Sowohl Armenien als auch Aserbaidschan haben ihre milit\u00e4rische Mobilmachung angek\u00fcndigt. Der Internet-Zugang ist in Aserbaidschan fast komplett ausgefallen. Schon im Juli gerieten die Nationalist*innen auf beiden Seiten in Euphorie, nach den Schie\u00dfereien in Tovuz, wobei sie sich \u00fcber die Nachrichten gefreut haben, dass auf der anderen Seite mehr Menschen get\u00f6tet und Infrastruktur-Fl\u00e4chen zerst\u00f6rt worden waren. Die vom selben <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/06\/libertaere-strategien-gegen-den-nationalismus\/\">Nationalismus<\/a> besessenen Menschen versammeln sich vor den Geb\u00e4uden der Botschaften im Ausland, auch hier in Deutschland &#8211; schwenken Flaggen und beschimpfen sich gegenseitig oder verpr\u00fcgeln sich. Dabei werden in diesem Kriegszustand die organisierte politische Repression gegen die Meinungsfreiheit, die die Menschenw\u00fcrde verletzenden Gesetze, Arbeitslosigkeit, Polizeigewalt und Korruption schnell vergessen. So spielen die vom Nationalismus aufgehetzten Menschen ihre vorgegebenen Rollen sehr gut, was die beiden Konfliktstaaten als Zwischenergebnis feiern. Das ist die Folge der bis jetzt nicht vorhandenen Beziehungen zwischen den am Konflikt beteiligten Menschen. Weder auf politisch-wirtschaftlicher noch auf soziokultureller Ebene gab es in den letzten Jahren eine Ann\u00e4herung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u0130lham Aliyev ist als Nachfolger \u2028seines Vaters seit 2003 amtierender Pr\u00e4sident Aserbaidschans. \u00c4hnlich wie sein Vater l\u00e4sst er einen Personenkult um sich aufbauen. Er prahlt mit der Milit\u00e4rausr\u00fcstung Aserbaidschans, droht der anderen Seite mit einem verheerenden Angriff, der auf der Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung basiere. Ein Waffenstillstand sei in dieser Situation, so Ilham Aliyev, dann denkbar, wenn die armenische Armee Bergkarabach verlasse und Armenien Aserbaidschans territoriale Integrit\u00e4t anerkenne. Nikol Paschinjan, Armeniens Premierminister, solle sich beim aserbaidschanischen Volk entschuldigen und Armenien solle eine Landkarte ver\u00f6ffentlichen, die den Abzug seiner Truppen aus Bergkarabach zeigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Menschen in Aserbaidschan, die sich selbst als oppositionelle politische Aktivist*innen bezeichnen, bringen in dieser Sache zurzeit ihren eindeutigen Kooperationswillen mit Ilham Aliyev zum Ausdruck. Von Philosoph*innen \u00fcber Oppositionsparteien und Friedenstifter*innen bis hin zu Schauspieler*innen und Journalist*innen feiern fast alle Aliyevs Enthusiasmus bez\u00fcglich seiner Kriegsf\u00fchrung. Diese Art \u201eBurgfrieden\u201c war auch eines seiner urspr\u00fcnglichen Ziele. Die Menschen, die fr\u00fcher kein gutes Haar an ihm gelassen haben, warten jetzt auf seine Ansagen, die der Frage nachgehen, was als N\u00e4chstes in diesem Krieg getan werden soll. Die T\u00fcrkei unterst\u00fctzt Aserbaidschan und ver\u00f6ffentlicht unter anderem offizielle Berichte aus den Kriegsgebieten \u00fcber die Situation in Aserbaidschan, sogar fr\u00fcher als aserbaidschanische Beh\u00f6rden. Armenien ist bis zum heutigen Zeitpunkt in dieser Situation auf sich allein gestellt. Da Georgien nach dem Ausbruch des Krieges aufgrund der Absicht vieler armenischst\u00e4mmiger Georgier*innen, an den K\u00e4mpfen in Bergkarabach teilzunehmen, seine Grenzen zu Armenien geschlossen hat, kann die milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung aus Russland nur \u00fcber die Route Kaspisches Meer-Iran-Armenien geliefert werden. Die aserbaidschanische Minderheit im Iran hat die Wege gesperrt, damit der R\u00fcstungsexport aus Russland nach Armenien nicht stattfinden kann. Sie veranstalten dar\u00fcber hinaus Kundgebungen in T\u00e4bris, im \u0130ran, die darauf abzielen, Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Bergkarabachkrieg zu erzeugen. Des Weiteren fordern sie die Schlie\u00dfung der iranisch-armenischen Grenze. Armenien gab vor kurzem bekannt, dass die armenische Botschaft aus Israel wegen des Exports israelischer Waffen nach Aserbaidschan zur\u00fcckgerufen wird. Seit dem 4. Oktober bombardiert Armenien nun die gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dte Aserbaidschans. Der Grund daf\u00fcr ist der Wunsch der armenischen Regierung, dass sich Russland direkt in den Konflikt einmischt, was bis jetzt nicht gelungen ist. Russland hat ein milit\u00e4risches Abkommen mit Armenien geschlossen, das bis zum Jahr 2044 g\u00fcltig ist. Es besagt, dass die Sicherheit Armeniens von Russland gew\u00e4hrleistet wird.\u2006 \u2006 Bergkarabach ist ein autonomes Gebiet, aber aus Sicht von UNO und Europarat Teil des aserbaidschanischen Staatsgebietes und kein Teil von Armenien. Russland w\u00e4re laut Beistandsvertrag allerdings verpflichtet, in den Krieg\u2006 \u2006 einzugreifen, wenn Aserbaidschan armenisches Territorium angreifen sollte. Wenn Aserbaidschan also auf die von Armenien durchgef\u00fchrten Bombenangriffe auf die aserbaidschanischen Gebiete Ganja, Barda, Tartar, Beylagan, Khizi, Aghjabedi mit einem Angriff auf armenisches Staatsgebiet antworten sollte, w\u00e4re Russland \u201everpflichtet\u201c, milit\u00e4risch zu intervenieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Wunsch, Frieden und Freiheit durch Krieg zu erreichen, ist widerspr\u00fcchlich. Denn Frieden kann nicht durch Krieg erreicht werden. Der Friedensbegriff wird hier instrumentalisiert, um den Krieg zu rechtfertigen und weiterzuf\u00fchren. Bisher sind laut Spiegel, zwischen 27. September und 11. Oktober, mindestens 250 Menschen auf beiden Seiten Opfer einer sinnlosen kriegerischen Auseinandersetzung geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich appelliere an alle freiheitsliebenden, antimilitaristischen Kr\u00e4fte in Aserbaidschan und Armenien \u2013 wir sollten uns nicht von der herrschenden Propaganda instrumentalisieren lassen! Ich bedauere zutiefst, dass unschuldige Menschen auf beiden Seiten in einem sinnlosen Krieg ums Leben gekommen sind. Ich, als <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/04\/frausein-in-aserbaidschan\/\">antiautorit\u00e4re Feministin<\/a>, lehne den auf der nationalistischen Ideologie basierenden Krieg auf beiden Seiten ab! Ich bin mir sicher, dass es auf beiden Seiten Menschen gibt, die die militaristische Politik Armeniens und Aserbaidschans nicht unterst\u00fctzen, sondern ablehnen, und ich stehe diesen Menschen bei und unterst\u00fctze ihre Stimme. Als Jugendliche aus beiden Gesellschaften m\u00fcssen wir uns jetzt auf den <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/09\/der-gewaltfreie-aufstand-in-armenien\/\">Kampf gegen hierarchische, klassistische Werte, autorit\u00e4re Institutionen<\/a> sowie alle sozialpatriarchalen Gr\u00e4ueltaten in Aserbaidschan und Armenien fokussieren, in denen patriarchalische \u00dcberzeugungen vorherrschen, in denen eine soziale Klassenl\u00fccke besteht und in denen der Wohlstand in wenigen H\u00e4nden einer sehr kleinen Gruppe von zutiefst korrumpierten Menschen konzentriert ist. Ich m\u00f6chte keinen Frieden durch Krieg, sondern fordere die sofortige Beendigung des kriegerischen Zustands.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Rovshana<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der Krieg um Bergkarabach, der zwischen Aserbaidschan und Armenien stattfindet, thematisiert wird, r\u00fcckt schnell die Fragestellung sowohl der aserbaidschanischen wie der armenischen Seiten in den Fokus, wem das Gebiet Bergkarabach geh\u00f6rt und wer hier zuerst war. 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