{"id":23814,"date":"2020-11-28T18:42:07","date_gmt":"2020-11-28T16:42:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/11\/alle-doerfer-alle-waelder-bleiben\/"},"modified":"2021-01-06T00:23:34","modified_gmt":"2021-01-05T22:23:34","slug":"alle-doerfer-alle-waelder-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/11\/alle-doerfer-alle-waelder-bleiben\/","title":{"rendered":"Alle D\u00f6rfer, alle W\u00e4lder bleiben!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Was passierte Mitte November 2020 \u2013 in Zeiten der Pandemie und des begrenzten Lockdowns \u2013 in diesen Brennpunkten des Widerstands gegen die schon begonnene Klimakatastrophe? Im <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/11\/wald-statt-asphalt\/\">Dannenr\u00f6der Wald<\/a> wehren sich Besetzer*innen gegen den Bau einer \u00fcberfl\u00fcssigen Autobahn und damit auch gegen die Erderhitzung durch den KFZ-Verkehr. RWE l\u00e4sst ebenfalls B\u00e4ume in D\u00f6rfern roden, die sogar nach den bisherigen Pl\u00e4nen erst in einigen Jahren f\u00fcr die Verstromung von Braunkohle abgebaggert werden sollen. Neben dem Dannenr\u00f6der Wald (\u201eDanni\u201c) sind das Dorf L\u00fctzerath und die anderen am Braunkohle-Tagebau Garzweiler bedrohten D\u00f6rfer aktueller Brennpunkt des Widerstands gegen die schon begonnene Klima-Katastrophe bzw. der Bewegung f\u00fcr Klimagerechtigkeit in Deutschland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In L\u00fctzerath, dem von Zwangsumsiedlung gezeichneten und nun bald durch Abbaggerung bedrohten Dorf am Tagebau Garzweiler, hat der Kohle-Konzern <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/06\/sie-haben-keine-rechte-willkommen-im-rwe-land\/\">RWE<\/a> in diesen Tagen ein regelrechtes Baum-Massaker mit Unterst\u00fctzung mehrerer Hundertschaften der Polizei veranstaltet. L\u00fctzerath soll als erstes Dorf der D\u00f6rfer, die noch dem Tagebau weichen sollen, vernichtet werden. Niemand soll mehr Lust haben, dort zu leben. Keyenberg, Kuckum, Unterwestrich, Berverath sollen folgen. In L\u00fctzerath leben noch drei Landwirte mit ihren Familien und eine Familie mit einem Kleinkind, entgegen der dreisten aber sehr gezielten L\u00fcge des Pressesprechers von RWE im K\u00f6lner Stadtanzeiger vom 10.11.2020, als er sagte, dass L\u00fctzerath schon umgesiedelt sei, h\u00f6chstens noch eine Person oder eine Familie dort wohnen.<br \/>\nTats\u00e4chlich leben in den noch zahlreich erhaltenen und auch sch\u00f6nen H\u00e4usern L\u00fctzeraths nun auch etliche \u201eAktivistis\u201c auf Einladung des solidarischen und k\u00e4mpferischen Landwirts E. Heukamp &#8211; er wurde im Oktober in der TAZ portr\u00e4tiert. Diese H\u00e4user sind auch jetzt noch teilweise von wunderbaren Wiesen und B\u00e4umen umgeben. Seit Monaten existiert am Ortseingang eine Dauer-Mahnwache, getragen unter anderem von den Initiativen \u201eKirche im Dorf lassen\u201c und \u201eAlle D\u00f6rfer bleiben\u201c, unterst\u00fctzt von den Gruppen f\u00fcr Klimagerechtigkeit im Rheinland, wie u.a. \u201eAusgeCO2hlt, Aufb\u00e4umen, Zucker im Tank, Ende Gel\u00e4nde Aachen, \u2013 K\u00f6ln, \u2013 Bonn, Hambi-Support-Gruppen\u201c. Der Widerstand wird auch unterst\u00fctzt von weiteren lokalen B\u00fcrgerinitiativen, vor allem von den \u201eBuirern f\u00fcr Buir\u201c, Attac K\u00f6ln und der bundesweiten AG Energie Klima Umwelt von Attac, teilweise auch vom BUND und von Greenpeace.<br \/>\nIm Keyenberger Wald ist ein kleineres Baumhausdorf in enger Kooperation mit \u201eAlle D\u00f6rfer bleiben\u201c entstanden. Es tr\u00e4gt den sch\u00f6nen Namen \u201eUnser aller Wald\u201c und ist auch ein R\u00fcckzugsort \u201eout of action\u201c f\u00fcr die durch Polizeigewalt traumatisierten Aktivist*innen. Das bundesweite B\u00fcndnis \u201eAlle D\u00f6rfer bleiben\u201c, in dem Betroffene aller <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/03\/braunkohle-ist-klimakiller-nr-1\/\">Braunkohle<\/a>-Reviere, Aktivist*innen der Klimagerechtigkeitsbewegung, sowie solidarische B\u00fcrger*innen gemeinsam gegen Zwangsumsiedlung und Klimazerst\u00f6rung k\u00e4mpfen, hatte ebenso wie die neue Initiative \u201eL\u00fctzerath lebt\u201c aufgerufen:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-24033\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/L\u00fctzerath-Baum-Massaker-2020-11-15-15klein.jpg\" alt=\"\" width=\"100%\" height=\"100%\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/L\u00fctzerath-Baum-Massaker-2020-11-15-15klein.jpg 500w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/L\u00fctzerath-Baum-Massaker-2020-11-15-15klein-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/L\u00fctzerath-Baum-Massaker-2020-11-15-15klein-150x84.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">\u201eSch\u00fctzt mit uns L\u00fctzerath und die B\u00e4ume an der L277!\u201c<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Widerstandsformen sind vielf\u00e4ltig: Menschen halten sich in den B\u00e4umen auf, um diese zu sch\u00fctzen. \u00dcber den Zufahrtsstra\u00dfen zum Dorf sind Seile, Traversen und H\u00e4ngematten gespannt, in denen Menschen h\u00e4ngen, um den Maschinen des Kohlekonzerns den Weg zu versperren. Es bilden sich immer wieder neue Sitzblockaden. Neben diesen direkten Aktionen des <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/08\/die-folgen-des-zivilen-ungehorsams\/\">Zivilen Ungehorsams<\/a> gibt es immer wieder auch Demonstrationen, solidarische Gottesdienste der Initiative \u201eKirche im Dorf lassen\u201c, Protest-Spazierg\u00e4nge und -Picknicks.<br \/>\nMehrere Hundertschaften der Polizei versuchen die sinnlose Zerst\u00f6rung durch RWE mit Einsch\u00fcchterung und entfesselter Gewalt durchzusetzen. Immer wieder werden Menschen eingekesselt und auf brutale Weise in Gewahrsam genommen. Alle Menschen, die sich dem Schauplatz dieser Strategie der Zerm\u00fcrbung, Vertreibung und des \u201eTatsachen-Schaffens\u201c durch RWE n\u00e4hern wollen, werden an den Tagen der Rodung auf allen Zufahrts-Stra\u00dfen und -Wegen aufgehalten. Polizeiautos mit permanent eingeschaltetem Blaulicht bilden eine Absperrung. Die \u00d6ffentlichkeit soll wohl vermuten, dass in dem abgesperrten Gebiet eine Gefahrenzone massiver Kriminalit\u00e4t herrsche. Nur Journalist*innen werden noch so gerade durchgelassen. Eine in der N\u00e4he wohnende Frau, die mit einem noch in L\u00fctzerath lebenden Landwirt befreundet ist, wollte diesen an einem Tag relativer Ruhe \u2013 wie bei einem Waffenstillstand \u2013 besuchen und wurde auf brutalste Weise aufgehalten: Zun\u00e4chst durch Schubsen gegen die Brust durch Mitarbeiter des von RWE beauftragten Sicherheitsdienstes, dann pl\u00f6tzlich durch einen gewaltigen Schlag auf den R\u00fccken von hinten durch einen RWE-Mitarbeiter. Ein Arzt musste eine schwere Prellung feststellen.<br \/>\nEine solidarische Rollstuhlfahrerin wurde bei einem Protest-Spaziergang isoliert, von Polizist*innen umstellt, ihre Tasche untersucht, ihre durch ihre spastische L\u00e4hmung zusammengepressten H\u00e4nde wurden auseinandergerissen, da die Rollentr\u00e4ger der Exekutive vermuteten, dass sie etwas in diesen verbergen w\u00fcrde.<br \/>\nBeobachter*innen der R\u00e4umung der <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/01\/baumbesetzung-auf-dem-aachener-weihnachtsmarkt\/\">Baumbesetzungen<\/a> und Traversen durch Kletter-Cops mussten zuschauen, wie diese dabei r\u00fccksichtslos das Leben der Baumsch\u00fctzer*innen gef\u00e4hrdeten. Es wurden Traversen angeschnitten, dann an Seilen mit gro\u00dfer Kraft gezogen, obwohl die eine Aktivistin noch oben im Baum gesichert war, diese Sicherung drohte zu reissen und die Aktivistin aus gro\u00dfer H\u00f6he abzust\u00fcrzen.<br \/>\nAls der wunderbare, von mehreren Menschen besetzte, Walnussbaum am 10. November ger\u00e4umt wurde, gef\u00e4hrdeten die Rodungsarbeiter und die Polizisten vor allem die letzte ganz oben im Baum fest gesicherte Aktivistin, indem die Harvester-Rodungsmaschine immer mehr gro\u00dfe \u00c4ste abzwackte, der Rest-Baum immer st\u00e4rker schwankte. Bei den Festnahmen erfolgte mehrmals als erstes ein unvermittelter Schlag ins Gesicht. All dies ist durch zahlreiche Fotos und Videos dokumentiert.<br \/>\nManch Beobachter sprach von \u201eStaatsterrorismus\u201c. Andere meinten, das w\u00e4re ja genauso wie in Kolumbien \u2013 die \u201eSecus\u201c erinnern an die Paramilit\u00e4rs ((1)) \u2013 und Brasilien oder Belarus. Aus der Umgebung, aus D\u00fcsseldorf, M\u00f6nchengladbach, Aachen, Bonn, K\u00f6ln usw. kamen Unterst\u00fctzer*innen. Darunter auch K\u00fcnstler*innen und Musiker wie Gerd Schinkel, der fast t\u00e4glich neue Lieder zum Widerstand verfasst und komponiert. Die Unterst\u00fctzer*innen riefen immer wieder Parolen, auch w\u00e4hrend der Festnahmen: \u201eKlima-Aktivismus ist kein Verbrechen\u201c und \u201eDu bist nicht allein\u201c. Noch konnten die Zerst\u00f6rungen nur verz\u00f6gert, aber nicht aufgehalten werden. Es wird weitere Mobilisierungen geben. Auch wenn sich zeitweilig ein Erleben von Ohnmacht, Ersch\u00fctterung, Fassungslosigkeit, ma\u00dfloser Wut und Emp\u00f6rung breit machte, \u00fcberwiegt noch der Optimismus, mehr Menschen mobilisieren zu k\u00f6nnen. Viele denken dabei an die Massen-Demo mit 50.000 Menschen 2018 am Hambacher Wald. Die Rettung des <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/02\/der-hambacher-forst-und-die-anarchie\/\">Hambacher Waldes<\/a> (Hambi) vor Augen, auch wenn sich diese nun als nur vorl\u00e4ufig erwiesen hat, wird auf unterschiedliche Art und Weise weiter gek\u00e4mpft. Auch juristische Mittel und Wege erg\u00e4nzen den Mosaik-Widerstand. In mehreren St\u00e4dten, u.a. in Hamburg, Jena und Freiburg, ermutigen solidarische Baumbesetzungen und andere Solidarit\u00e4ts-Aktionen die Menschen, die vor Ort sind. Auch in diesen Tagen des Novembers 2020 hat die schwarz-gr\u00fcne Landesregierung in Hessen die R\u00e4umung der Waldbesetzungen im Dannenr\u00f6der Wald veranlasst. Dort wird \u00e4hnlich mit brutaler Polizeigewalt vorgegangen. Beide Brennpunkte beziehen sich solidarisch aufeinander.<br \/>\nLeser*innen unserer Zeitung stellen sich vielleicht die Frage: \u201eWie k\u00f6nnen sich Graswurzler*innen in den Widerstand einbringen?\u201c Dies tun zum Beispiel schon JunepA, das Jugendnetzwerk f\u00fcr politische Aktionen und \u201e<a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/produkt\/widerstaendige-musik-an-unmoeglichen-orten\/\">Lebenslaute<\/a>\u201c \u2013 Orchester und Chor, die zivilen Ungehorsam mit klassischer Musik verkn\u00fcpfen. Beide sind Teil des Netzwerks \u201eZUGABe \u2013 Ziviler Ungehorsam, Gewaltfreie Aktion, Bewegung\u201c. JunepA hat die Solidarit\u00e4tsaktionen in den verschiedenen Orten initiiert, eine Landkarte dieser Aktionen im Netz online gestellt. \u2028Lebenslaute war immer wieder vor Ort, manchmal mit einem Teil der Gruppe.<br \/>\nMitarbeit in den B\u00fcndnissen ist f\u00fcr libert\u00e4re und gewaltfreie Aktivist*innen selbstverst\u00e4ndlich notwendig. Mitmachen bei den Massen-Aktionen des Zivilen Ungehorsams von \u201e<a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/09\/ende-gelaende-aktion-2020-im-rheinland\/\">Ende Gel\u00e4nde<\/a>\u201c, deren Aktionskonsens gewaltt\u00e4tige Eskalationen gegen Menschen und andere Lebewesen ausschlie\u00dft, ist auch eine gute M\u00f6glichkeit, um die Perspektiven und Handlungskonzepte der Bewegung f\u00fcr eine gewaltfreie und herrschaftslose Gesellschaft einzubringen.<br \/>\nNotwendig, um m\u00f6gliche Risse in dieser Phalanx der Herrschaft zu orten und gegebenenfalls zu verst\u00e4rken, ist auch eine klare Analyse der Strategien und Interessen unserer Gegner: von RWE, den Regierungen von Land und Bund, der Exekutive und all der Kr\u00e4fte, die die kapitalistische Herrschaft der Banken und Konzerne st\u00fctzen. Ebenso sind diese Interessenslagen unter den Kriterien \u201ePassive Gegner*innen\u201c und \u201eNeutrale Akteure\u201c zu ber\u00fccksichtigen. Aus den passiven Gegnern sollten ja neutrale Akteure werden. Ebenfalls sollten aus den passiv Verb\u00fcndeten aktive Verb\u00fcndete werden \u2013 durch stimmige Beeinflussungen, Interventionen oder Kampagnen.<br \/>\nDer globale RWE-Konzern beabsichtigt viel mehr Braunkohle zu f\u00f6rdern und zu verstromen, als er selbst nach dem Gutachten des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW) d\u00fcrfte. Um die Erderhitzung, wie v\u00f6lkerrechtlich vereinbart, deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, d\u00fcrfe weltweit nur noch eine begrenzte Menge CO2 in die Atmosph\u00e4re gelangen. Runtergebrochen auf die Tagebaue Hambach und Garzweiler bedeute das: noch 280 Millionen Tonnen Braunkohle und dann m\u00fcsse Schluss sein mit der F\u00f6rderung an diesen Standorten. RWE plant jedoch noch mehr als das Doppelte zu f\u00f6rdern. Bei einer Begrenzung der F\u00f6rdermenge auf 280 Millionen Tonnen CO2 k\u00f6nnten die genannten D\u00f6rfer am Tagebau Garzweiler bleiben und sp\u00e4testens 2025 w\u00e4re Schluss mit der Braunkohle im Rheinland. Mit Ende Gel\u00e4nde und AusgeCOhlt strebe ich dagegen den sofortigen Braunkohle-Ausstieg an, der auch ohne Versorgungsprobleme innerhalb eines Jahres abgewickelt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<blockquote><p><em><strong>Alle Menschen, die sich dem Schauplatz dieser Strategie der Zerm\u00fcrbung, Vertreibung und des \u201eTatsachen-Schaffens\u201c durch RWE n\u00e4hern wollen, werden an den Tagen der Rodung auf allen Zufahrts-Stra\u00dfen und -Wegen aufgehalten. Polizeiautos mit permanent eingeschaltetem Blaulicht bilden eine Absperrung. Die \u00d6ffentlichkeit soll wohl vermuten, dass in dem abgesperrten Gebiet eine Gefahrenzone massiver Kriminalit\u00e4t herrsche.<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Der gr\u00f6\u00dfte Klima-Killer Europas<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hauptanteil der Stromerzeugung von RWE kommt immer noch von fossilen Energietr\u00e4gern. Die folgenden Zahlen zeigen den Energiemix von RWE im Jahr 2019: Gas-50,8TWh; Braunkohle-48,3TWh; Atomenergie-21,2TWh; Erneuerbare Energien-16,4TWh; Steinkohle-14,2TWh; Pumpspeicher, Batterien-1,8TWh. Damit ist RWE noch immer Klima-Killer Nr. 1 in Europa. Die Selbst-Darstellung des Konzerns zeichnet ein anderes Bild der Realit\u00e4t. RWE pr\u00e4sentiert sich als einen der weltweit gr\u00f6\u00dften Stromerzeuger aus Erneuerbaren Energien.<br \/>\nAls Beobachter des Rheinischen <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/04\/brennpunkt-braunkohle\/\">Braunkohle-Wahnsinns<\/a> seit 1978 und als Aktivist seit \u00fcber zehn Jahren bin ich davon \u00fcberzeugt, dass RWE intern auch 2038 nicht als endg\u00fcltiges Ausstiegsdatum betrachtet. Die Pl\u00e4ne, Braunkohle zu f\u00f6rdern, um diese u.a. als \u00d6lersatz chemisch zu verarbeiten, wie dies in der Lausitz auch schon geschieht und an der Bergbauakademie Freiberg intensiv erforscht wird, sind sicher nicht aufgegeben. Zudem ist RWE durch die Beteiligung an <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/03\/kleine-urenco-reaktoren\/\">URENCO<\/a> weiterhin in der Atomenergie-Verarbeitung aktiv und plant aktuell sogar in Kooperation mit Eon neue Atomkraftwerke in den Niederlanden. Aus meiner Sicht wird RWE auch niemals freiwillig einen vollst\u00e4ndigen Ausstieg aus der Braunkohle akzeptieren. Deshalb muss langfristig eine Enteignung und selbstorganisierte Vergesellschaftung von RWE angestrebt werden.<br \/>\nKurz- und mittelfristig ist aber durch den Aufbau einer noch st\u00e4rkeren Anti-Kohle-Bewegung bzw. Bewegung f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/10\/agenda-fuer-klimagerechtigkeit\/\">Klimagerechtigkeit<\/a> die Bildung einer Gegenmacht innerhalb des kapitalistischen Systems m\u00f6glich und damit doch noch ein Stoppen der schon begonnenen Klimakatastrophe. Eine falsche Interpretation der Parole \u201e<a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/05\/system-change-not-climate-change\/\">system change not climate change\u201c<\/a> kann zu dem Missverst\u00e4ndnis f\u00fchren, dass innerhalb des kapitalistischen Systems mit seinem Wachstumszwang keine Rettung unserer Lebensgrundlagen m\u00f6glich w\u00e4re. Dies kann demobilisierend wirken und Resignation f\u00f6rdern, da eine revolution\u00e4re Umw\u00e4lzung des Kapitalismus insgesamt realistischerweise betrachtet noch jahrzehntelange Vorbereitungen und Selbstorganisierungsprozesse ben\u00f6tigt.<br \/>\nWir k\u00f6nnen durch globale Mobilisierung die Klimakatastrophe stoppen, die Bewegung in Deutschland spielt dabei insofern eine wichtige Rolle, weil sich hier schnell beweisen l\u00e4sst, dass auf fossile Energietr\u00e4ger verzichtet werden kann. We shall overcome.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was passierte Mitte November 2020 \u2013 in Zeiten der Pandemie und des begrenzten Lockdowns \u2013 in diesen Brennpunkten des Widerstands gegen die schon begonnene Klimakatastrophe? Im Dannenr\u00f6der Wald wehren sich Besetzer*innen gegen den Bau einer \u00fcberfl\u00fcssigen Autobahn und damit auch gegen die Erderhitzung durch den KFZ-Verkehr. 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