{"id":24061,"date":"2020-12-22T14:19:35","date_gmt":"2020-12-22T12:19:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/12\/danni-bleibt\/"},"modified":"2021-01-18T22:01:53","modified_gmt":"2021-01-18T20:01:53","slug":"danni-bleibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/12\/danni-bleibt\/","title":{"rendered":"Danni bleibt!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">#DanniBleibt ist zum Symbol f\u00fcr die kapitalistische klimasch\u00e4dliche Politik von Bundes- und Landesregierung geworden. Ein gesunder Mischwald wird f\u00fcr eine Autobahn zerst\u00f6rt. Die auf das <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/10\/autos-raus\/\">AUTO<\/a> fixierte Politik wird unter Inkaufnahme schwerer Grundrechtsverletzungen und Verletzungen von Klimaaktivist*innen durch den Einsatz Tausender Polizeibeamt*innen und ihren Kriegsger\u00e4ten durchgesetzt. Obwohl es f\u00fcr einen sofortigen Rodungs- und Baustopp auf politischer und rechtlicher Ebene Spielraum gibt \u2013 und die Aktivist*innen im Wald ein radikales \u201eSystem Change\u201c und eine umfassende Verkehrswende fordern.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Gesunder Mischwald<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Motivation, den \u201eDanni\u201c zu sch\u00fctzen, ist neben dem Kampf gegen die autofixierte Politik, dass es sich beim <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/11\/wald-statt-asphalt\/\">Dannenr\u00f6der Wald<\/a> um einen der letzten gesunden Mischw\u00e4lder Deutschlands handelt. Diese W\u00e4lder sind es, die die Klimakrise am ehesten \u00fcberstehen k\u00f6nnen und den gr\u00f6\u00dften Beitrag zu ihrer Bek\u00e4mpfung liefern. So schreibt der informelle Zusammenschluss \u201eWald statt Asphalt\u201c auf seinem Blog:<br \/>\n\u201eZusammen mit dem sich anschlie\u00dfenden Herrenwald garantiert der Dannenr\u00f6der Wald, dass eine halbe Million Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgt werden k\u00f6nnen. \u00dcber 200 Jahre alte Eichen sollen dem Stra\u00dfenbau weichen. Bereits seit \u00fcber 40 Jahren gibt es Pl\u00e4ne f\u00fcr den Bau der Autobahn A 49, die den Wald in zwei H\u00e4lften schneiden und im \u00d6kosystem irreparable Sch\u00e4den hinterlassen w\u00fcrde. Eine jahrhundertealte Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren in einem Biotop droht vernichtet zu werden. Durch die Folgen der Klimakrise kommen die W\u00e4lder hierzulande zunehmend in Bedr\u00e4ngnis. Nur noch jeder f\u00fcnfte Baum ist gesund. In vielen Regionen Deutschlands brechen ganze Waldbest\u00e4nde in Folge von Hitze, D\u00fcrre und St\u00fcrmen zusammen. Deshalb ist es besonders wichtig, noch bestehende Laubw\u00e4lder zu erhalten.\u201c<\/p>\n<h5>Politische Heuchelei<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/produkt\/kommen-sie-da-runter\/\">Baumbesetzung<\/a> hat das zerst\u00f6rerische Vorhaben von Regierungen und der f\u00fcr das Projekt verantwortlichen Deges GmbH in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit ger\u00fcckt. Appelle an die Politik, das Bauprojekt und die gewaltsame lebensgef\u00e4hrliche R\u00e4umung der Besetzung durch die Polizei zu stoppen, verhallten jedoch.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Motivation, den \u201eDanni\u201c zu sch\u00fctzen, ist neben dem Kampf gegen die autofixierte Politik, dass es sich beim <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/11\/wald-statt-asphalt\/\">Dannenr\u00f6der Wald<\/a> um einen der letzten gesunden Mischw\u00e4lder Deutschlands handelt. Diese W\u00e4lder sind es, die die Klimakrise am ehesten \u00fcberstehen k\u00f6nnen und den gr\u00f6\u00dften Beitrag zu ihrer Bek\u00e4mpfung liefern.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Politiker*innen schieben die Verantwortung hin und her. Das Land Hessen behauptet, die Entscheidung sei in Berlin getroffen worden, Bundesverkehrsminister Scheuer sei verantwortlich. In Wirklichkeit tragen sowohl die Bundesregierung als auch Hessens schwarz-gr\u00fcne Landesregierung Verantwortung. Der gr\u00fcne hessische Minister Tarek Al-Wazir meint, ihm seien die H\u00e4nde gebunden, der Bundestag habe den Bau beschlossen, ebenso die Gerichte, er sei eigentlich immer gegen das Projekt gewesen. Dies trifft allerdings nicht zu. Eine Gerichtsentscheidung zeigt, dass die Politik sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene durchaus die M\u00f6glichkeit hat, das Projekt zu stoppen.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Spielraum wird nicht genutzt<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Politiker*innen, die heute sagen, sie k\u00f6nnen nicht gegen Entscheidungen auf Bundesebene vorgehen, haben 2014 in einem gemeinsamen Antrag Finanzmittel des Bundes f\u00fcr die A 49 beantragt (Drucksache 19\/700). Darin hei\u00dft es unter anderem: \u201eDer Landtag wolle beschlie\u00dfen: Der Landtag ist sich der regionalen und \u00fcberregionalen Bedeutung des Verkehrsprojekts A 49 bewusst und h\u00e4lt an einem Weiterbau unter der Voraussetzung, dass die finanziellen M\u00f6glichkeiten gegeben sind, fest.\u201c<br \/>\nAngesichts dessen klingt es heuchlerisch, wenn die Gr\u00fcnen bei laufender R\u00e4umung im Danni zu Online-\u201eTalks\u201c zum Thema \u201eKlimaschutz und Verkehrswende\u201c einladen und die CDU mit \u201eWald sch\u00fctzen\u201c und dem \u201eTag des Bodens\u201c wirbt. Als w\u00e4re dies nicht genug, lobt die schwarz-gr\u00fcne Regierungskoalition auch noch die Arbeit der Polizei im Dannenr\u00f6der Forst. Ohne ein einziges Wort \u00fcber die Anwendung von Gewalt und Gef\u00e4hrdung von Menschenleben durch Uniformierte zu verlieren. Selbst die friedliche Baumbesetzung von Robin Wood vor ihrer Haust\u00fcr lie\u00dfen die Gr\u00fcnen nach wenigen Stunden durch ein SEK ohne Nennung einer Rechtsgrundlage r\u00e4umen. Die Botschaft ist klar: Die Politik ist weder gespr\u00e4chsbereit, noch will sie umdenken.<br \/>\nDas Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zeigt, dass ein Kurswechsel m\u00f6glich w\u00e4re. Eine 2015 auf EU-Ebene gef\u00e4llte Entscheidung spielt dabei eine gro\u00dfe Rolle, wie der Umweltverband BUND Hessen in Erkl\u00e4rungen vom 23. und 27.11.2020 betonte. Dabei geht es zum einen darum, dass die Gr\u00fcnen in Hessen diejenigen sind, die eine Einspruchsm\u00f6glichkeit h\u00e4tten und zum anderen, dass der Hebel daf\u00fcr bei der Gef\u00e4hrdung der Wasserversorgung liegt, weil die neue Autobahn durch Teile eines wichtigen Wasserschutzgebietes f\u00fchren soll. ((1))<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Effektiver Widerstand<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Menschen nehmen die Verkehrswende selbst in die Hand. Die Baumbesetzung im Herrenwald (\u201eHerri\u201c) und Dannenr\u00f6der Wald (\u201eDanni\u201c) wurde nach \u00fcber einem Jahr Bestehen Anfang Dezember 2020 ger\u00e4umt. Die R\u00e4umung dauerte \u00fcber zwei Monate an. F\u00fcr die Besetzer*innen war sie mehr als ein Hindernis f\u00fcr die Autobahn von Deges GmbH. Das war ein Ort zur Erprobung von alternativen Lebens- und Organisationsformen. Die Besetzung f\u00fcr viele eine Idylle in der Natur. Sie war auch nicht frei von internen Konflikten. F\u00fcr viele bleibt sie eine wertvolle Lebens- und politische Erfahrung, auch im Hinblick auf k\u00fcnftige K\u00e4mpfe. Die Besetzung ist ger\u00e4umt. Aber die Autobahn A 49 ist noch l\u00e4ngst nicht gebaut.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24210\" aria-describedby=\"caption-attachment-24210\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-24210 size-full\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Plakatalleinklein.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"280\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Plakatalleinklein.jpg 500w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Plakatalleinklein-300x168.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Plakatalleinklein-150x84.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-24210\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Eichh\u00f6rnchen<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beteiligt am Widerstand sind sehr unterschiedliche Gruppen, die trotz ihrer Differenzen einen gemeinsamen Weg gefunden haben. Anwohner*innen demonstrierten unerm\u00fcdlich im Wald und in den D\u00f6rfern. Unterst\u00fctzung bekamen die Baumbesetzer*innen von Gruppen wie <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/09\/ende-gelaende\/\">Ende Gel\u00e4nde<\/a>, F<a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/03\/fridays-for-future-saturdays-for-system-change\/\">ridays for Future<\/a>, der \u201e\u00dc60\u201c-Gruppe (Menschen \u00fcber 60 Jahre), Parents for Future. Sie unterst\u00fctzten die Besetzung durch Hilfe am Boden, die Blockade von Maschinen und \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen. Die widerst\u00e4ndige Musikgruppe <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/03\/ihr-maechtigen-seht-ungeruehrt-auf-eure-sklaven\/\">Lebenslaute<\/a> begleitete die R\u00e4umung mit zahlreichen Konzerten mitten im Wald. Sie wurden regelm\u00e4\u00dfig mit samt ihren Instrumenten durch die Polizei ger\u00e4umt. Die \u201eSwingforce\u201c verlangsamte die R\u00e4umungsarbeiten erheblich, indem sich Menschen in drei Metern H\u00f6he auf Schaukeln baumeln lie\u00dfen.<br \/>\nDie Gruppe der Besetzer*innen selbst war nicht homogen. Anarchist*innen sa\u00dfen neben Autonomen oder auch sich zu staatstragenden Organisationen wie XR zugeh\u00f6rig f\u00fchlenden Menschen. Die einen berufen sich explizit auf Gewaltfreiheit und zivilen Ungehorsam, w\u00e4hrend andere Gruppen diese Begriffe ablehnen. Viele \u201ealte Hasen\u201c f\u00fchlen sich an den <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/11\/gorleben-reloaded\/\">CASTOR-Widerstand<\/a> im <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/06\/40-jahre-republik-freies-wendland-2\/\">Wendland<\/a> erinnert. Dieser war auch sehr heterogen, vielf\u00e4ltig, nicht frei von Konflikten und dennoch erfolgreich.<br \/>\nDer Kampf gegen die A49 hat sp\u00e4testens zu Beginn der R\u00e4umung im Oktober 2020 bundesweit Bedeutung erlangt. Sowohl in der Medienlandschaft als auch bei Klimaaktivist*innen. Abseilaktionen an Autobahnbr\u00fccken bundesweit sorgten f\u00fcr Aufsehen. Die Menschen blieben au\u00dferhalb vom Regellichtraum, der Verkehr floss zun\u00e4chst weiter, bis die Polizei die Autobahn jeweils sperrte und die Aktivist*innen durch Einsatzkr\u00e4fte der Polizei und h\u00e4ufig auch der Feuerwehr ger\u00e4umt wurden. Die Aktionen sorgten jeweils f\u00fcr mehrere Stunden Stillstand auf den Autobahnen.<br \/>\nDabei gelten Autobahnen in Deutschland als heilig. Wer sich traut, politisch gegen den Autobahnausbau vorzugehen, bricht ein Tabu. Es entwickelte sich zum Teil eine hitzige Debatte darum. Ein Auffahrunfall am Ende eines Staus wurde Aktivist*innen zugeschrieben und durch einige Zeitungen so behandelt, als handele es sich gar um einen Mordversuch. Dabei ereignete sich der Auffahrunfall mit Verletzten sechs Kilometer von einer Aktion entfernt, am Ende des Staues. Ein Unfall mit Verletzten ist immer schrecklich. Auffahrunf\u00e4lle an Stauenden gibt es auf Autobahnen t\u00e4glich, weil Autofahrer*innen unaufmerksam sind oder entgegen der Bestimmungen der StVO ihre Geschwindigkeit nicht anpassen. W\u00fcrde daf\u00fcr die Deges GmbH oder die Strabag verklagt, w\u00fcrde ihnen ein Mordversuch vorgeworfen, weil ein Stau durch eine Baustelle verursacht wurde? Die Aktivist*innen bringen es auf den Punkt. Ja, der Autoverkehr ist t\u00f6dlich. Es gibt Verkehrstote. Es gibt auch Tote durch die verkehrsbedingte Umweltverschmutzung. Dagegen richtet sich der Protest.<br \/>\nDie Autobahnaktionen sind auch in juristischen Kreisen umstritten. Die eine Staatsanwaltschaft stellte die Strafverfahren ein, weil die Handlung nicht strafbar ist. Die andere sorgte daf\u00fcr, dass Beteiligte in Untersuchungshaft mit dem Vorwurf der \u201eN\u00f6tigung\u201c landeten. Bis heute sitzen Autobahngegner*innen nach Aktionen im Wald und anderswo aufgrund unterschiedlicher Vorw\u00fcrfe in Haft.<br \/>\nPolizist*innen wurden dagegen, der Polizeigewalt zum Trotz, nicht behelligt. Ein riesiges Polizeiaufgebot wurde zur Durchsetzung der Interessen von Deges, Strabag, Fererro und anderen aufgestellt. Die Polizei hat ihre Festung mit Nato-Stacheldraht direkt neben dem Wald aufgebaut. Die Baustellenfahrzeuge wurden in einer Burg aus \u00dcberseecontainern bewacht. Demonstrant*innen wurden durch Wasserwerfer, die auch bei Minustemperaturen eingesetzt wurden, fern gehalten.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Polizeiproblem und Polizeigewalt zur Durchsetzung einer VERKEHRten Politik<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Polizeieinsatz war von zahlreichen gef\u00e4hrlichen und rechtswidrigen Vorf\u00e4llen gepr\u00e4gt. Die Situation um die Gewalt der Polizei und ihr lebensgef\u00e4hrliches Vorgehen spitzte sich derart zu, dass die Aktivist*innen am 25. November eine Pressekonferenz veranstalteten und Pl\u00e4ne der besetzten Strukturen ver\u00f6ffentlichten, in der Hoffnung die Polizei w\u00fcrde kein weiteres Menschenleben gef\u00e4hrden. Zu diesem Zeitpunkt lagen zwei Personen mit gebrochenen Wirbeln im Krankenhaus, weil die Polizei ihre Sicherung kappte. \u201eVier meiner Wirbel sind gebrochen, jetzt bin ich bei jedem Schritt auf Hilfe angewiesen. Dass ich \u00fcberhaupt noch Schritte machen kann, ist reines Gl\u00fcck\u201c, schreibt eine verletzte Aktivistin.<br \/>\nDokumentiert wurden dar\u00fcber hinaus zahlreiche gef\u00e4hrliche Eins\u00e4tze und Verletzungen durch <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/11\/rodungsstopp-jetzt\/\">Polizeigewalt.<\/a> Verantwortungslos, lebensgef\u00e4hrlich und unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig war der Einsatz eines Elektro-Tasers in gro\u00dfer H\u00f6he, um zwei Aktivist*innen aus einer Umklammerung zu l\u00f6sen. Die Waffe l\u00f6st nicht nur unertr\u00e4gliche Schmerzen aus. Sie gilt selbst bei Eins\u00e4tzen auf dem Boden als gef\u00e4hrlich und hat (z.B. in den USA) den Tod mehrerer Menschen verursacht. Neben den k\u00f6rperlichen Verletzungen verursachten der gewaltt\u00e4tige Einsatz und die Zerst\u00f6rung des Waldes zahlreiche seelische Verletzungen. Traumata werden die n\u00e4chsten Monate viele Soli-Strukturen besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24211\" aria-describedby=\"caption-attachment-24211\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-24211\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Baumklein.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"375\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Baumklein.jpg 500w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Baumklein-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Baumklein-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-24211\" class=\"wp-caption-text\">Baumbesetzung in Wiesbaden bei den Gr\u00fcnen &#8211; Foto: Eichh\u00f6rnchen<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pressevertreter*innen wurden bei ihrer Arbeit stark behindert und zum Teil angegriffen. Die Polizei verwies Pressevertreter*innen, die nicht vor Ort berichten konnten, auf das Foto- und Videomaterial, das sie selbst fertigte und zur Verf\u00fcgung stellte. Dem Stellenwert der Pressefreiheit wird dies nicht gerecht.<br \/>\nEs ist zu bef\u00fcrchten, dass es bei k\u00fcnftigen Protestaktionen mit der <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/12\/tritt-gegen-demonstrantin-wird-untersucht\/\">Polizeigewalt<\/a> weiter gehen wird. Einsicht der Polizei ist nicht festzustellen. Sie ist viel mehr darauf bedacht, ihr Bild nach au\u00dfen zu polieren und Stimmung gegen Demonstrant*innen zu machen. Dies tut sie \u00fcberwiegend per Pressemitteilungen und \u00fcber ihre Socialmedia-Accounts, indem sie auch nachweislich falsche Darstellungen verbreitet.<br \/>\nDie \u00f6ffentlichen (Selbst-)Darstellungen der Polizei sind staatliche Informationen. Sie haben deshalb f\u00fcr viele Menschen einen h\u00f6heren Stellenwert als das was B\u00fcrger*innen \u00fcber ihre privaten Accounts verbreiten. Medien \u00fcbernehmen regelm\u00e4\u00dfig die \u00f6ffentlichen Aussagen der Polizei, ohne diese zu hinterfragen. Dies widerspricht dem journalistischen Kodex, nach dem die Polizei nicht als einzig \u201ezuverl\u00e4ssige\u201c Quelle betrachtet werden darf. Die Polizei h\u00e4lt sich wiederum nicht an ihre Verpflichtung zur Neutralit\u00e4t. Sie darf keine diffamierenden oder verf\u00e4lschenden Darstellungen ver\u00f6ffentlichen. Im Danni-Kontext hat sie aber exakt das getan.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Fake News der Polizei<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00f6chte dies anhand einer Analyse des offiziellen Twitter-Accounts der Polizei Mittelhessen mit drei Beispielen belegen. \u201eDie Tweets simulieren Objektivit\u00e4t und erwecken teilweise den Eindruck einer Agenturmeldung. Die Polizei pr\u00e4sentiert sich u.a. in Videoclips im Stile eine:r Reporter:in vor Ort. Foto- und Videoaufnahmen werden im Stil einer Reportage auf Twitter ver\u00f6ffentlicht. Wir bewerten dies als Versuch die \u00f6ffentliche Wahrnehmung des polizeilichen Einsatzes zu framen und bildpolitisch zu kontrollieren. Diese Inszenierung und Vort\u00e4uschung von Berichterstattung ist eine gef\u00e4hrliche Entwicklung\u201c, schreibt J\u00f6rg Reichel, Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in Berlin Brandenburg.<br \/>\nAm 10. November meldete die Polizei auf Twitter, ein Mensch sei verletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden, nachdem er von einem Bagger, den er besetzen wollte, abgerutscht sei. Zeug*innen und der Betroffene meldeten sich kurze Zeit sp\u00e4ter zu Wort. Sie erkl\u00e4rten \u00fcbereinstimmend, der Aktivist sei vor Erreichen des Baggers durch die Polizei ohne Vorwarnung niedergekn\u00fcppelt worden. Diese Darstellung erw\u00e4hnte die \u201eneutrale\u201c Beh\u00f6rde mit keinem Wort.<br \/>\nAm 15. November st\u00fcrzte eine Kletterin aus ca. f\u00fcnf Metern H\u00f6he. Die Polizei sprach von einem Unfall und betonte zugleich, die Polizei habe sicher kein Seil durchgeschnitten \u2013 die Behauptung der Besetzer*innen, wonach Fremdverschulden f\u00fcr den Unfall verantwortlich ist, sei falsch. Die Information sei gesichert. Aktivist*innen hatten Grund genug, dieser Darstellung keinen Glauben zu schenken. Tags zuvor hatten sie dokumentiert, wie die Polizei, trotz Hinweisschildern, die auf eine Lebensgefahr hinwiesen, Seile zerschnitten hatte und dadurch beispielsweise ein Monopod, eine besetzte Struktur, in gef\u00e4hrlicher Art und Weise destabilisierte. Beim \u201eUnfall\u201c vom 15. November musste die Polizei ihre Falschmeldung korrigieren. Der Polizist, der das Seil zerschnitten und so das Leben der Aktivistin gef\u00e4hrdet hatte, hatte sich bei seinen Vorgesetzten gemeldet. Seitdem wird wegen fahrl\u00e4ssiger K\u00f6rperverletzung ermittelt.<br \/>\nAuch wenn, wie die Polizei immer wieder betonte, die R\u00e4umung durch professionell geschulte Fachkr\u00e4fte durchgef\u00fchrt wurde, stellt sich die Frage ob nicht Vorsatz vorliegt. Geschulte Fachkr\u00e4fte wissen, dass man keine Kletterseile durchschneidet, ohne zu \u00fcberpr\u00fcfen, wo sie hinf\u00fchren und welche Sicherheitsrelevanz sie haben. In diese Richtung wird aber nicht ermittelt. Wenn ein*e Aktivist*in dagegen verd\u00e4chtigt wird, eine Struktur zu Fall gebracht und damit Polizisten gef\u00e4hrdet zu haben \u2013 belegt ist dies bislang nicht \u2013, dann startet die Polizei eine \u00d6ffentlichkeitsfahndung wegen versuchtem Mord.<br \/>\nAm 16. November, nur einen Tag danach, kam es zu einem \u00e4hnlichen Vorfall. Polizei und Waldarbeiter*innen sorgten daf\u00fcr, dass ein Baum bei Rodungsarbeiten ohne Sicherheitsabstand zu Aktivist*innen in eine Traverse (ein zwischen zwei B\u00e4umen quer gespanntes Seil) fiel und ein Aktivist durch den Ruck an seinem Sicherungsseil in die Luft gewirbelt wurde. Er st\u00fcrzte gl\u00fccklicherweise nicht zu Boden. Dies h\u00e4tte durchaus geschehen k\u00f6nnen. Seile, die f\u00fcr Traversen in Verwendung sind, sind statisches Material. Tief hineinfallen darf ein Mensch nicht. Es besteht die Gefahr, dass das Seil bricht. Und selbst ohne Bruch ist ein Sturz im Seil gef\u00e4hrlich, weil statisches Material den Sturz nicht federt, im Gegensatz zum dynamischen Sportkletterseil. Der Fangsto\u00df kann sehr gro\u00df sein. Das kann schwere Verletzungen (Sch\u00e4digung innerer Organe, Querschnittsl\u00e4hmung, Knochenbr\u00fcche) und sogar den Tod der abgest\u00fcrzten Person verursachen (H\u00e4ngetrauma und schlie\u00dflich Bergungstod). Die Polizei twitterte immer wieder, es gehe um \u201eSicherheit vor Schnelligkeit\u201c. Den hier geschilderten Vorfall erw\u00e4hnte sie nicht.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Ausblick<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer Wald konnte nicht gerettet werden. Aber es geht hier um mehr als einen Wald. Die Autobahn ist noch lange nicht gebaut.\u201c, sagen die Aktivist*innen. In der Vergangenheit wurden vorangeschrittene Bauprojekte gestoppt. Zum Beispiel die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. \u201eDas Camp bei Dannenrod ist noch bis M\u00e4rz 2021 angemeldet. Es bietet Raum f\u00fcr Vernetzung, Klimacamps, Workshops, Austausch, die Planung von neuen Dingen, die entstehen \u2013 kommt vorbei in Dannenrod und bringt euch ein!\u201c, schreibt \u201eWald statt Asphalt!\u201c Aktionen gehen auch nach der R\u00e4umung der Waldbesetzung weiter. Am 12. Dezember, dem Jahrestag des Pariser Klimaabkommens, besetzten Aktivist*innen einen Holzstapel. Die Polizei brauchte zur R\u00e4umung einen ganzen Tag.<br \/>\nDer Kampf um den Danni hat die Menschen bundesweit bewegt, der Klimabewegung neuen Schwung gegeben und der Forderung nach einer Verkehrswende Geh\u00f6r verschafft. Am 12. Dezember fanden zahlreiche dezentrale Soliaktionen f\u00fcr den Kampf gegen die A49 statt. Darunter zahlreiche Fahrraddemonstrationen \u00fcber Autobahnen. Die Versammlungen wurden vielerorts beh\u00f6rdlich untersagt. F\u00fcr die Gerichte in Schleswig-Holstein war der Einkaufsbummel \u2013 auch in Corona-Zeiten \u2013 wichtiger als das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit, es blieb beim Verbot, die Autobahn zu nutzen. In L\u00fcneburg sah es das Gericht wiederum anders und kippte ein Demonstrationsverbot. Ob A49. A14, A39, A100 oder weitere (Aus)Baupl\u00e4ne. Bei 850 geplanten neuen Autobahnkilometern ist viel Platz f\u00fcr Protest.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Eichh\u00f6rnchen<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#DanniBleibt ist zum Symbol f\u00fcr die kapitalistische klimasch\u00e4dliche Politik von Bundes- und Landesregierung geworden. Ein gesunder Mischwald wird f\u00fcr eine Autobahn zerst\u00f6rt. Die auf das AUTO fixierte Politik wird unter Inkaufnahme schwerer Grundrechtsverletzungen und Verletzungen von Klimaaktivist*innen durch den Einsatz Tausender Polizeibeamt*innen und ihren Kriegsger\u00e4ten durchgesetzt. 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