{"id":24065,"date":"2020-12-22T14:19:35","date_gmt":"2020-12-22T12:19:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/12\/brasilien-territorien-des-widerstands\/"},"modified":"2021-01-02T23:07:07","modified_gmt":"2021-01-02T21:07:07","slug":"brasilien-territorien-des-widerstands","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/12\/brasilien-territorien-des-widerstands\/","title":{"rendered":"Brasilien: Territorien des Widerstands"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mareen Butter (GWR): Ihr habt als Kollektiv Ro\u00e7a! von 2012 bis 2019 in geringem Ma\u00dfe Gelder bekommen von einem kleinen Verein aus T\u00fcbingen, Desierto Florido. War in dem Fall eure Autonomie in Gefahr?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Timo Bartholl: Es geht nicht darum, dass man nicht solidarisch von au\u00dfen unterst\u00fctzt werden kann. Was man dazu braucht sind interne Kriterien, wie man mit externem Geld umgeht. Zum einen ist es schwierig, wenn externes Geld fortlaufende Personalkosten deckt, denn dann schaffst du eine konkrete Abh\u00e4ngigkeit. Wir haben mit dem Geld unseren Laden renoviert, also Geld in die Infrastruktur gesteckt. Wenn ich \u00fcber zwei, drei Jahre von au\u00dfen Geld bekomme, dann muss es so funktionieren, dass ich danach sagen kann, wir sind gest\u00e4rkt gegen\u00fcber dem Moment, bevor wir dieses Geld bekommen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich selbst habe einen Mittelschichtsjob. Ich kann mittlerweile selber auch mit dem Geld, das ich bekomme, einige von unseren Strukturen unterst\u00fctzen, wenn es notwendig ist. Da ist es eigentlich egal, ob das Geld von jemandem ist, der mitmacht oder von einem Externen. Es darf sich halt keine fortlaufende Abh\u00e4ngigkeit ergeben in Bezug zur Aktivit\u00e4t der Gruppe. In unserem Fall sind wir \u00f6konomisch aktiv als Kneipenkollektiv, k\u00f6nnen dadurch auch einen Stadtteilladen finanzieren und machen eben auch Freiwilligenarbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meiner Meinung nach passiert es oft, dass versucht wird, mit Geld viel zu bewegen. In NGOs gibt es oft \u00dcberfluss an Equipment und Mitteln. Doch die personelle Dynamik, also die Menschen dazu, fehlen dann irgendwie. Aus Sicht einer sozialen Basisbewegung muss es andersherum sein, indem wir uns zuerst menschlich organisieren. Wenn wir dann noch eine Finanzspritze bekommen, k\u00f6nnen wir vielleicht auf ein anderes Level kommen, mit dem was wir machen.\u00a0 Dann geht es noch um die Verh\u00e4ltnism\u00e4ssigkeit. Wenn vier Leute hundert Tausend Euro bekommen, dann kann ich dir sagen, das ist unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig und es wird schwierig, dass sich das gesund weiterentwickelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auch wenn man versucht, sich unabh\u00e4ngig zu machen von dem Geld, das vom globalen Norden in die Favela flie\u00dft, bestehen doch immer Machtverh\u00e4ltnisse in dieser Beziehung. Wie geht man damit um?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Nord-S\u00fcd-Aspekt ist interessant aus verschiedenen Gr\u00fcnden. Einerseits ist es f\u00fcr Leute, die sich in der Favela engagieren, nicht so ein gro\u00dfer Unterschied, ob Geld aus der brasilianischen Mittel- und Oberschicht kommt oder aus der Mittel- und Oberschicht des Nordens. Es ist erst mal Geld, das von au\u00dfen kommt. Das basiert auf Machtverh\u00e4ltnissen, weil es von privilegierten Bev\u00f6lkerungsgruppen an nicht privilegierte Bev\u00f6lkerungsgruppen umgeleitet wird. Das ist ein Aspekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Geld aus dem Norden kommt, gibt das teilweise den Gruppen mehr Freiheiten, mit dem Geld zu machen, was sie wirklich machen wollen. Weil die Geber aus dem globalen Norden viel weiter weg sind und weniger drin stecken, in dem was da so passiert, teilweise aber auch politisch sagen: \u201eMacht\u201c. Und anders vielleicht vertrauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die 1990er Jahre waren gepr\u00e4gt davon, dass sich Menschen in Favelas zusammengetan haben, gesagt haben, wir wollen hier was ver\u00e4ndern zum Positiven, wir brauchen aber auch Geld, um das zu machen. Da haben sie sich dann die Organisationsform NGO gegeben und dar\u00fcber den Zugang zu Mitteln bekommen. Die Firmen waren damals noch nicht so aufgestellt, um zu sagen, welche Themen zum Beispiel bearbeitet werden m\u00fcssen. Da konntest du als Favela sagen, wir haben hier einen Uni-Vorbereitungskurs, der l\u00e4uft gut, aber wir brauchen Geld. Wir wollen kein Geld damit verdienen, wir brauchen Lehrmaterialien, wir m\u00fcssen die R\u00e4ume renovieren, die wir uns hart erarbeitet haben. Dann schwang das immer mehr um. Es ging irgendwann nicht mehr darum, wir hatten die Idee und brauchen Geld daf\u00fcr, sondern dann haben die Firmen gesagt, wir haben diese Idee und daf\u00fcr geben wir euch Geld. Das hei\u00dft also, die NGO in der Favela kann nicht mehr sagen, ich w\u00fcrde gerne einen Kurs machen und das halt \u00fcber 20, 30 Jahre hinweg, weil es eben fortw\u00e4hrend sinnvolle Arbeit ist, sondern die muss die ganze Zeit neu gucken, was gibt es gerade f\u00fcr Ausschreibungen und was muss ich machen, damit ich Geld bekomme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Logik der Firmen und die Logik der Philanthropie, nach dem Motto, wir brauchen sch\u00f6ne Fotos, weil wir das gegen\u00fcber unserem Kunden gut verkaufen m\u00fcssen, die hat sich immer st\u00e4rker durchgesetzt. Da ist es toll, wenn du drei Monate mit Kindern einen Theaterkurs machst und am Ende gute Fotos hast und alles in einer Hochglanzbrosch\u00fcre aufarbeiten kannst. Und die Kinder? Ja okay, die haben halt drei Monate einen Theaterkurs gemacht. Ob man danach weiterhin mit denen zusammenarbeitet, ist in dem Moment nicht so wichtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Thema Nord-S\u00fcd muss man stark unterscheiden, es gibt ja auch eine politisch basierte Nord-S\u00fcd-Unterst\u00fctzung. Zum Beispiel die Sozialbewegung Movimento das Comunidades Populares (MCP) hat \u00fcber Jahrzehnte von einer Organisation aus Luxemburg aus dem Bereich linker Befreiungstheologie Unterst\u00fctzung bekommen. Die haben dem MCP gesagt, hier ist Geld, macht damit, was ihr machen m\u00fcsst. Dieser MCP hat nie mit dem Geld so gearbeitet, dass daraus klassische NGO-Strukturen h\u00e4tten werden k\u00f6nnen. Sie haben damit ein Grundst\u00fcck gekauft oder sich ein Gemeindezentrum aufgebaut. Da sind Gelder geflossen, die im Sinne derjenigen, die es bekommen haben, verwendet wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Machtverh\u00e4ltnisse gibt es sowieso. Ab dem Moment, wo jemand jemandem hilft, ist das ja schon Ausdruck eines Machtverh\u00e4ltnisses. Wie geht man damit politisch um? Es muss klar sein, wer wer ist. Transparent ist politisch. Sich nicht komplett rausnehmen, sondern sagen, ich bin politisch so drauf, ich finde das wichtig und interessant, ich glaube, das was du da machst, ist was, das wir unterst\u00fctzen, ohne dass wir dir in die Details reinreden wollen. Sprich, nimm mal 10.000 Euro und sag uns einfach im Dezember, was ihr damit gemacht habt. Das gibt es auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ich habe eine wissenschaftliche Arbeit von Wendy Sinek gelesen, die sich mit NGO-Arbeit in Favelas besch\u00e4ftigt. Sinek analysiert verschiedene Formen von NGOs. Unter anderem spricht sie von \u201eDiamond Civil Society \u2028Organisation\u201c und meint da-\u2028mit eine Form der NGO, die relativ unabh\u00e4ngig von Geldgeber*innen agiert, da sie viele verschiedene Arten und Quellen von Ressourcen nutzt, wie auch Networking, Volunteering und so weiter. Die Mission dieser NGO ist es, die Sozialpolitik \u00fcber den Nutzen von Favelas zu informieren. Diese NGOs verbinden oft wissenschaftliche Arbeit mit Aktivismus. Es geht also nicht darum, f\u00fcr jemanden zu arbeiten oder Sozialprojekte zu finanzieren, sondern zum Beispiel um Nachforschung und Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcber Arbeit in Favelas, es geht um Organisation von Foren und Arbeitsgruppen, darum, politische Ma\u00dfnahmen in Favelas zu bewerten, Politiken zu kritisieren, die sie als sch\u00e4dlich f\u00fcr die Favelas empfinden. Und es geht auch darum, lokale Organisationen zu beraten und zu schulen. Diese NGOs setzen sich laut Sinek f\u00fcr kleinere Organisationen ein und arbeiten zusammen mit denen, ohne dabei ihre Arbeit zu ersetzen oder paternalistisch zu arbeiten. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In dem Zusammenhang nennt Sinek als Beispiel eine gro\u00dfe NGO, die ich selbst kenne durch ein Praktikum dort: Catalytic Communities, CatComm, eine NGO in Rio, die insbesondere bekannt wurde durch ihre Berichterstattung \u00fcber staatliche R\u00e4umungen der Favelas, bevor die olympischen Spiele in Brasilien stattfanden. CatComm organisiert auch Veranstaltungen zur Vernetzung von lokalen Organisationen. Ich war vor zwei Jahren anwesend bei so einer Veranstaltung, wo wirklich viele Vertreter*innen von kleineren Organisationen aus Rios Favelas sich getroffen und debattiert haben. Sie waren dankbar f\u00fcr diese M\u00f6glichkeit des Austausches. <\/strong><strong>Da habe ich gemerkt, die Leute, die anwesend waren, denen hat vor allem diese Vernetzungsm\u00f6glichkeit geholfen. Diese Veranstaltung und die Aktivit\u00e4t von CatComm kann aber nur stattfinden dank der internationalen Gelder, die CatComm bezieht, unter anderem von der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung. <\/strong><strong>Da stelle ich mir die Frage, was haben auch gro\u00dfe NGOs, die in Partnerschaften mit dem globalen Norden stehen, f\u00fcr Auswirkungen auf Widerstandsm\u00f6glichkeiten der Menschen in den Favelas.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das sind Sachen, die ich mir \u00fcberlege im Rahmen meiner eigenen theoretischen und praktischen Arbeit. Ich finde auch noch entscheidend zu unterscheiden zwischen NGOs, die territorial verankert sind und NGOs, die eher sektoral oder thematisch aktiv sind. Amnesty international beispielsweise arbeitet thematisch. Hier in der Mar\u00e9 haben wir eine NGO, f\u00fcr die ist die Favela Mar\u00e9 zur Marke geworden. Da muss immer in allem, was die machen, Mar\u00e9 drin sein. Im agrar\u00f6kologischen Bereich kenne ich hier noch eine NGO, die unterst\u00fctzt st\u00e4dtische Kleinbauern. Damit ernsthafte NGOs \u00fcberhaupt sinnvolle, unterst\u00fctzende Arbeit machen k\u00f6nnen, muss es soziale Basisbewegungen geben. Den bringen sie nicht selber. Sie brauchen kollektive Notwendigkeiten, Kampf und jemanden, der was macht. Als Anarchist w\u00fcrde ich es so formulieren: Radikaler sozialer Wandel ist aus meiner Sicht m\u00f6glich durch soziale Bewegung, die aus Dominanzverh\u00e4ltnissen entsteht. Aus Dominanzverh\u00e4ltnissen heraus haben Menschen die Notwendigkeit, sich zu organisieren. Sie versuchen, M\u00f6glichkeiten zu schaffen, ihre Lebensverh\u00e4ltnisse zu verbessern. NGOs sind Strukturen, die auf jeden Fall Teil der dominanten Herrschaftslogik der Gesellschaft sind. Sie basieren auf der Idee, dass man sich hierarchisch organisieren muss. Es ist klar, die Form NGO ist keine w\u00fcnschenswerte Form f\u00fcr eine m\u00f6gliche Art und Weise, sich in Gesellschaft zu organisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn man jetzt sagt, wir sind eine soziale Bewegung, aber wir brauchen ab und zu mal Kohle, um ein paar Sachen machen zu k\u00f6nnen, lass uns auch nochmal zus\u00e4tzlich die Form einer NGO annehmen, dann ist das nochmal was ganz anderes. Das k\u00f6nnte aber wiederum auch Richtung B\u00fcrokratisierung einer sozialen Bewegung gehen. Das geschieht, wenn die Struktur \u00dcberhand nimmt und letztlich der Zweck wird, die Struktur zu erhalten. Man verliert dann immer mehr aus den Augen, wozu die Struktur geschaffen wurde. Also, wenn ich eine NGO gr\u00fcnde gegen Kinderarbeit, dann arbeite ich ja eigentlich von der Vorstellung her so lange, bis es keine Kinderarbeit mehr gibt. Der komische Widerspruch ist, ich brauche Kinderarbeit, damit ich als NGO bestehen kann. Wenn ich eine NGO bin, habe ich auch Arbeitspl\u00e4tze, h\u00e4nge finanziell davon ab. Was mache ich denn dann, wenn keine Kinderarbeit mehr existiert?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube also, die NGO an sich muss sich so ein bisschen au\u00dfen vor stellen, weil sie als Struktur selber kein Modell ist, sondern eher ein Anti-Modell, das versucht, als Anti-Modell sinnvolles zu tun. Da w\u00fcrde ich sagen, das ist m\u00f6glich. Ich w\u00fcrde nie sagen, Partnerschaften soll man nicht eingehen und sich nicht gegenseitig unterst\u00fctzen. Wenn aber gleichzeitig alle Menschen, die linke NGO-Arbeit machen, auf einmal sozialrevolution\u00e4re Graswurzelarbeit machten, wenn Leute sagen w\u00fcrden, lass uns Kollektive organisieren, lass uns uns horizontal vernetzen, lass uns unsere eigenen \u00f6konomischen Strukturen aufbauen, lass uns unsere eigenen F\u00f6rdermodelle aufbauen und uns eigens untereinander solidarisch organisieren,\u2013 wenn das auf einmal Hunderttausende machen w\u00fcrden, das w\u00fcrde langfristig ein ganz anderes Potential freigeben, weil man l\u00e4ngerfristig aus Widerspr\u00fcchen heraus kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich bleibt man immer in Widerspr\u00fcchen drinnen, solange es Kapitalismus gibt. Wenn wir in Teilen was ver\u00e4ndern wollen, dann m\u00fcssen wir eigentlich alles ver\u00e4ndern, weil eben alles miteinander zusammenh\u00e4ngt. Ich glaube, das ist der entscheidende Unterschied aus libert\u00e4r-emanzipatorischer Sicht zwischen NGO-Arbeit und einer sozialen Basisbewegungsarbeit: Als soziale Basisbewegung sagt man, wir versuchen den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Teil an Widerspr\u00fcchen im Hier und Jetzt schon aufzul\u00f6sen. Andere Menschen arbeiten erst mal in den Strukturen, die es jetzt gibt, um dann auf eine freie Gesellschaft ohne Hierarchien in der Zukunft zu hoffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann ist da noch ein anderer Teil, \u00fcber den wir \u00fcberhaupt nicht gesprochen haben, was die Arbeitsverh\u00e4ltnisse angeht. Die beuten ja ganz oft ihre Leute aus, \u00fcber prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse, weil sie das Element der freiwilligen Zusatzarbeit haben. Das ist ja eigentlich etwas politisch Sinnvolles, was sie machen. Das Problem haben wir als Kollektiv auch, wir sind prekarisiert. Aber das haben wir ziemlich bewusst f\u00fcr uns und wir versuchen, dass es weniger prek\u00e4r wird. Wir machen auch immer wieder Abstriche, weil wir sagen, das ist wiederum nur ein Zusatzeinkommen und nicht das Haupteinkommen. Aber es gibt viele NGOs, die haben Prozesse am Laufen vor Arbeitsgerichten, weil die Leute ihre Arbeitsrechte nicht wahrnehmen konnten. Da ist die NGO eben in erster Linie einfach nur Teil einer liberal gedachten, gelebten Gegenwart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn du dir im Nord-S\u00fcd-Kontext \u00fcberlegst, woher kommt NGO-Arbeit, und warum wird die so stark unterst\u00fctzt, da ist oft ein Argument, der ganze Staatsapparat ist zu tr\u00e4ge, zu korrupt und da bewegt sich nichts, das hei\u00dft, wir arbeiten lieber mit NGOs zusammen, dann wird das schneller erledigt. Sprich, es geht darum, au\u00dferhalb des Staates, also Non-Government, die Sachen anzugehen, aber nicht Non-Government im Sinne von gegen Government, sondern im Grunde genommen eben liberal, mit einem Slim-State-Non-Government, einem reduzierten Staat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Tats\u00e4chlich k\u00f6nnte man ja im ersten Augenblick meinen, NGO, also Non-Government-Organization, w\u00e4re eine komplett anarchistische \u00dcberzeugung, weil der Staat au\u00dfen vor ist.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja genau, nur da fehlt eben der kritische Antimoment. Die NGO will nicht Regierung sein, aber sie will auch auf keinen Fall gegen Regierung sein. Die NGO an sich muss ja st\u00e4ndig oben auf der Mauer drauf sein, sie kann nie wirklich auf eine Seite kommen. Sie muss immer ihr T\u00fcrchen offen halten, dieser Stakeholder Dialogue, dieses Ding, alle an einen Tisch zu holen. Aus einer radikalen Graswurzelbewegungssicht, sind Stakeholder Dialogues einfach nur Legitimierungsmechanismen f\u00fcr das Fortdauern der etablierten Machtverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Interview: Mareen Butter<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mareen Butter (GWR): Ihr habt als Kollektiv Ro\u00e7a! von 2012 bis 2019 in geringem Ma\u00dfe Gelder bekommen von einem kleinen Verein aus T\u00fcbingen, Desierto Florido. War in dem Fall eure Autonomie in Gefahr? Timo Bartholl: Es geht nicht darum, dass man nicht solidarisch von au\u00dfen unterst\u00fctzt werden kann. 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