{"id":24303,"date":"2021-02-01T14:11:58","date_gmt":"2021-02-01T12:11:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/02\/widerstand-gegen-den-krieg-kriegsdienste-verweigern\/"},"modified":"2021-02-22T23:45:51","modified_gmt":"2021-02-22T21:45:51","slug":"widerstand-gegen-den-krieg-kriegsdienste-verweigern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/02\/widerstand-gegen-den-krieg-kriegsdienste-verweigern\/","title":{"rendered":"\u201eWiderstand gegen den Krieg \u2013  Kriegsdienste verweigern!\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In den 1980er Jahren pr\u00e4gten oft mitgliederstarke Sektionen in Westeuropa und den USA sowie die Mitglieder aus Indien mit seiner gandhianischen Tradition der Gewaltfreiheit die WRI. Seit den 1990er Jahren hat sich die WRI deutlich \u00fcber ihren vorherigen nordatlantischen geographischen Schwerpunkt hinaus erweitert. Heute sind im Netzwerk der WRI Gruppen, Organisationen und Individuen aus allen bewohnten Erdteilen aktiv \u2013 zusammen mehr als 90 Sektionen und assoziierte Mitglieder in 48 L\u00e4ndern.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Globalisierung der WRI<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Zerfall des sowjetischen Imperiums erm\u00f6glichte ab Ende der 1980er Jahre pazifistische Organisationen in Polen und Ungarn. Auch in Jugoslawien und seinen Nachfolgestaaten entstanden mit der WRI verbundene Friedensgruppen. Die jugoslawischen Aufl\u00f6sungskriege waren in den 1990ern ein Schwerpunkt f\u00fcr die WRI insgesamt. Die WRI warnte schon fr\u00fch vor dem drohenden Krieg ums Kosovo und unterst\u00fctzte im Kosovo mit dem Balkan Peace Team kosovarische Gruppen, die eine gewaltfreie Konfliktl\u00f6sung anstrebten. Wie so oft h\u00f6rte man nicht auf pazifistische Warnungen vor dem offensichtlich drohenden Krieg.<br \/>\nEin US-amerikanischer Pazifist, der im Korea-Krieg den Kriegsdienst verweigert hatte, berichtete mir, dass man ihm einst bei einer Europareise erz\u00e4hlt habe, dass die Kriegsdienstverweigerung etwas f\u00fcr angels\u00e4chsische L\u00e4nder sei, aber niemals anderswo, schon gar nicht in romanischen L\u00e4ndern gr\u00f6\u00dferen Anklang finden k\u00f6nne. Die Entwicklung von Pazifismus und Kriegsdienstverweigerung in Frankreich und Italien und sp\u00e4ter besonders eindrucksvoll in Spanien widerlegten diesen kulturellen Determinismus. In den 1980ern belehrten mich Aktive der deutschen Lateinamerika-Solidarit\u00e4tsbewegung, dass Gewaltfreiheit und Kriegsdienstverweigerung eurozentrische Konzepte seien, f\u00fcr die sich in Lateinamerika niemand interessiere. Dort m\u00fcsse man w\u00e4hlen zwischen der revolution\u00e4ren Guerrilla und dem US-Imperialismus. Doch Gewaltfreie aus Lateinamerika waren schon in den 1980ern bei WRI-Konferenzen anzutreffen, und seit den 1990ern entstanden in mehreren hispano-amerikanischen L\u00e4ndern dynamische antimilitaristische Gruppen. Die WRI ist seitdem au\u00dferhalb von Europa, Nordamerika und Indien auch in Lateinamerika stark verankert. Das seit den 1990ern gewachsene Gewicht der spanischsprachigen Welt in der WRI zeigt sich besonders deutlich darin, dass Spanisch intern und extern zur zweiten Arbeitssprache der WRI avanciert ist. Bei WRI-Treffen in Europa waren fr\u00fcher Englisch, Franz\u00f6sisch, Deutsch und die Sprache des Gastlandes die Standardkonferenzsprachen. In den 2010er Jahren wurde Spanisch auch bei Konferenzen in Indien und S\u00fcdafrika angeboten, Franz\u00f6sisch und Deutsch nicht mehr.<br \/>\nBindungen der WRI nach S\u00fcdafrika entstanden in den 1980er Jahren aus der Solidarit\u00e4t mit der s\u00fcdafrikanischen End Conscription Campaign. Es entwickelten sich auch Kontakte in andere afrikanische L\u00e4nder. 1996 fand das International Conscientious Objectors\u2018 Meeting (ICOM) im Tschad statt. Die WRI-Konferenz in Kapstadt 2014 erweiterte und vertiefte die Kontakte in Afrika. Die WRI arbeitet eng mit eritreischen Gruppen im Exil zusammen. Die brutale Diktatur in Eritrea, die junge M\u00e4nner und Frauen zum unbefristeten Milit\u00e4rdienst zwingt, erlaubt keine antimilitaristische und menschenrechtspolitische Arbeit im Land selbst. Hier geht es noch mehr als in anderen L\u00e4ndern darum, die Entwicklung von au\u00dfen zu beeinflussen. Anfang der 1990er Jahre entstand in der T\u00fcrkei eine h\u00f6chst aktive, mit der WRI eng verbundene Bewegung f\u00fcr Pazifismus, Gewaltfreiheit und Kriegsdienstverweigerung \u2013 erstmals in einem muslimisch gepr\u00e4gten Land. W\u00e4hrend in westlichen L\u00e4ndern der christliche Beitrag zur Geschichte des Pazifismus sehr bedeutsam war und ist, ist die t\u00fcrkische antimilitaristische Bewegung eindeutig s\u00e4kular, auch wenn es in der T\u00fcrkei mindestens einen islamistisch argumentierenden Verweigerer gegeben hat. Auch die seit 2010 entstandene Kriegsdienstverweigerungs-Bewegung in \u00c4gypten ist s\u00e4kular gepr\u00e4gt.<br \/>\nIn Israel war es noch in den 1990er Jahren schwer, \u00fcber Einzelpersonen hinaus Pazifisten zu finden, die Milit\u00e4r und Kriegsdienst insgesamt ablehnten. Typisch waren Verweigerer, die den Dienst in den besetzten Gebieten verweigerten, aber ansonsten bereit waren, Israel milit\u00e4risch zu verteidigen, und sich nicht zum Pazifismus der WRI bekennen konnten. Heute verweigern in Israel zahlreiche junge Frauen und M\u00e4nner den Milit\u00e4rdienst insgesamt, und israelische Pazifist*innen sind heute in der WRI stark vertreten. Mit World Without War (Welt ohne Krieg) hat die WRI seit Anfang der 2000er Jahre erstmals eine sehr aktive und lebendige Mitgliedsorganisation in S\u00fcdkorea, die schon zweimal Gastgeber von WRI-Ratstreffen war. Auch in Nepal und Georgien kamen neue Mitglieder hinzu.<br \/>\nW\u00e4hrend sich die Aktiven der WRI einst zu WRI-Dreijahreskonferenzen und -Ratstreffen in der Regel in Westeuropa trafen und nur gelegentlich in den USA und 1985 einmal in Indien, kamen in den 1990er Jahren auch Konferenzen anderswo zustande: 1992 WRI-Frauenkonferenz in Thailand, 1994 WRI-Dreijahreskonferenz in Brasilien, 2001 die WRI-Konferenz zu Gewaltfreiheit und gesellschaftlichem Empowerment in Indien. In den 2010er Jahren fanden alle WRI-Konferenzen au\u00dferhalb des nordatlantischen Raums statt: 2010 in Indien, 2014 in S\u00fcdafrika und 2019 in Kolumbien. Hinzu kam ein Treffen des WRI-Rats 2015 in S\u00fcdkorea.<br \/>\nW\u00e4hrend die WRI sich \u00fcber ihre Globalisierung freuen kann, ist ihr einstiger europ\u00e4ischer Kern erheblich geschrumpft. In den 1970er, 1980er und 1990er Jahren waren ihre damals noch mitgliederstarken westeurop\u00e4ischen Sektionen jugendlich gepr\u00e4gt. In den 1990er Jahren dachten viele in Europa, dass angesichts des Endes des Ost-West-Konflikts Friedensarbeit nicht mehr n\u00f6tig sei. Aktive der Friedensbewegung zogen sich zur\u00fcck, und politisch engagierte junge Menschen bevorzugten andere Politikfelder als Friedenspolitik. Die Friedensbewegung insgesamt und damit auch die WRI-Mitgliedsorganisationen begannen zu schrumpfen und zu \u00fcberaltern, was sich mit einiger Versp\u00e4tung auch auf die WRI auswirkte. In den 2010er Jahren war die \u00dcberalterung einst wichtiger europ\u00e4ischer Sektionen un\u00fcbersehbar geworden.<br \/>\nAuch in anderer Hinsicht ist die WRI nicht mehr eurozentrisch: Um Aktivit\u00e4ten zu und in Lateinamerika und Afrika zu entwickeln und zu koordinieren, richtete die WRI transnationale Arbeitsgruppen zu Lateinamerika und Afrika ein. Koordiniert wurden sie prim\u00e4r von Aktiven in Belgien und in den USA. Die Zeiten, in denen Europ\u00e4er WRI-Aktivit\u00e4ten anderswo koordinierten, sind vorbei: Heute gibt es das h\u00f6chst aktive Red Antimilitarista de Am\u00e9rica Latina y el Caribe (RAMALC, Antimilitaristisches Netz von Lateinamerika und der Karibik) mit Mitgliedsgruppen und Kontakten in mehr als acht iberoamerikanischen L\u00e4ndern. An die Stelle der Afrika-AG der WRI trat das Pan-African Nonviolence and Peacebuilding Network (PANPEN), das ma\u00dfgeblich an der Vorbereitung der WRI-Konferenz in Kapstadt 2014 beteiligt war.<br \/>\nAngesichts der Globalisierung der WRI sollten nicht die L\u00e4nder und Weltregionen ohne Aktivit\u00e4ten und Mitgliedsorganisationen der WRI \u00fcbersehen werden. In China ist die WRI nicht sichtbar, noch nicht einmal auf Taiwan und in Hong Kong. Auch im islamischen Raum ist sie schwach vertreten. Eine Ausnahme ist die starke Verankerung in der T\u00fcrkei, und es gab immer wieder Kontakte zu pal\u00e4stinensischen Friedensbewegten. Dass es nicht so bleiben muss, zeigt die Bewegung gegen den Milit\u00e4rdienstzwang, die sich erstmals in einem arabischsprechenden Land ab 2010 in \u00c4gypten herausgebildet hat, und neuerdings gibt es mit der WRI verbundene gewaltfreie Aktive unter Gefl\u00fcchteten aus der Westsahara.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Die WRI unterst\u00fctzt alle, die den Milit\u00e4rdienst verweigern, unabh\u00e4ngig davon, ob sie bereit sind, einen Milit\u00e4rersatzdienst zu leisten. Ob ein Ersatzdienst zu bef\u00fcrworten sei, war in der WRI jahrzehntelang umstritten. Auf der einen Seite standen diejenigen, die den Kriegsdienst insgesamt ablehnen und den Ersatzdienst sowohl als kriegsunterst\u00fctzend als auch als freiheitsberaubend verurteilen. Auf der anderen Seite standen diejenigen, die einen zivilen Friedensdienst als positives Ziel an sich anstreben und einen Zwangsdienst nicht als Freiheitsberaubung und Menschenrechtsverletzung begreifen. <\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erfolge sind reversibel. Die in den 1990er Jahre aktiven Sektionen in Polen und Ungarn existieren nicht mehr. Bis vor wenigen Jahren gab es au\u00dferhalb S\u00fcdosteuropas in Ostmitteleuropa und Osteuropa keinerlei WRI-Mitgliedsorganisationen. Doch nun kann sich die WRI \u00fcber eine Sektion in der Ukraine und eine assoziierte Mitgliedsgruppe in Tschechien freuen. In Russland ist es der WRI bisher trotz gelegentlicher Kontakte zu dortigen antimilitaristischen Personen und Gruppen nicht gelungen, sich zu verankern.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Schwerpunktthemen der WRI heute<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der ambitionierten Grundsatzerkl\u00e4rung der WRI, die sich die Beseitigung von Krieg und Kriegsursachen zum Ziel gesetzt hat, und aus der thematischen und ideologischen Diversit\u00e4t ihrer Mitglieder ergeben sich viele Arbeitsfelder. Wesentlich f\u00fcr die WRI ist der eigene aktive Widerstand gegen Krieg, sei es durch gewaltfreie Aktionen, sei es durch die Kriegsdienstverweigerung. Ein Gro\u00dfteil der Friedensarbeit, auch die der WRI und ihrer Mitglieder, besteht darin zu versuchen, vor allem mit \u00d6ffentlichkeitsarbeit die Politik von Staaten und internationalen Organisationen pazifistisch und antimilitaristisch zu beeinflussen. Sowohl die gewaltfreie direkte Aktion als auch die Kriegsdienstverweigerung weisen dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-24402 alignleft\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_a-bas-le-militarisme.jpg\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_a-bas-le-militarisme.jpg 330w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_a-bas-le-militarisme-300x436.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_a-bas-le-militarisme-206x300.jpg 206w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_a-bas-le-militarisme-103x150.jpg 103w\" sizes=\"auto, (max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Gewaltfreiheit und gewaltfreie Aktionen<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewaltfreie Aktion gegen Krieg und gegen die Ursachen von Krieg und Gewalt ist ein wichtiges Element in der Weltanschauung und in der Praxis der WRI. Speziell dazu hat die WRI ein Programm geschaffen, das von einem Mitarbeiter im WRI-B\u00fcro in London koordiniert wird. Abgesehen von zahlreichen Einzelaktionen im weltweiten Netz der WRI werden im Rahmen des Programms Trainings f\u00fcr gewaltfreie direkte Aktionen angeboten und Ressourcen entwickelt, darunter als j\u00fcngeres Beispiel das 2014 in zweiter Auflage ver\u00f6ffentlichte und mittlerweile in mehr als zehn Sprachen, auch auf Deutsch, erh\u00e4ltliche Handbuch f\u00fcr Gewaltfreie Kampagnen.<br \/>\nAktionen gegen R\u00fcstung und R\u00fcstungsindustrie und gegen Institutionen, die \u00f6konomisch von Kriegen profitieren, nehmen einen breiten Raum in der Arbeit der WRI und ihrer Mitglieder ein und finden weltweit statt. Dazu publiziert die WRI die War Profiteers\u2018 News. Die WRI vernetzt und koordiniert weltweit Kampagnen gegen Waffenhandel sowie Aktionen gegen R\u00fcstungsfirmen und Waffenmessen. WRI-Ratstreffen sind auch schon mit Aktionen gegen R\u00fcstungsmessen kombiniert worden.<br \/>\nDas Europ\u00e4ische Antimilitaristische Netzwerk (European Antimilitarist Network) der WRI organisiert und koordiniert in Europa transnationale Aktionen gegen Milit\u00e4rman\u00f6ver, gegen Waffenfabriken und Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte unter dem Motto Krieg beginnt hier, das auch von anderen Gruppen au\u00dferhalb der WRI \u00fcbernommen wurde.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Unterst\u00fctzung gewaltfreier K\u00e4mpfe<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die f\u00fcr Friedensorganisationen typischen Kampagnen f\u00fcr Abr\u00fcstung, gegen Milit\u00e4r, gegen Kriege und gegen Waffenhandel hinaus unterst\u00fctzt die WRI gewaltfreie K\u00e4mpfe um Selbstbestimmung. W\u00e4hrend sich diese fr\u00fcher gegen europ\u00e4ische Kolonialm\u00e4chte und das s\u00fcdafrikanische Apartheid-Regime richteten, ging es sp\u00e4ter vermehrt um Fremdherrschaft durch nicht-europ\u00e4ische Staaten. In den 1990ern engagierte sich die WRI f\u00fcr die Selbstbestimmung Ost-Timors angesichts der Besetzung durch Indonesien. Das damals etablierte Netzwerk unterst\u00fctzt nun den gewaltfreien Kampf in Westpapua gegen die indonesische Fremdherrschaft, wo es mit Pasifika auch eine Mitgliedsorganisation gibt. 2019 wurde mit dem Ambazonian Prisoners of Conscience Support Network eine Gruppe aufgenommen, die die Unabh\u00e4ngigkeit des englischsprachigen Teils von Kamerun anstrebt. Auch Gewaltfreie aus der Westsahara finden R\u00fcckhalt bei der WRI.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Kriegsdienstverweigerung<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-24403 alignright\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_antimilitarismus7.jpg\" alt=\"\" width=\"352\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_antimilitarismus7.jpg 352w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_antimilitarismus7-300x409.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_antimilitarismus7-220x300.jpg 220w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_antimilitarismus7-110x150.jpg 110w\" sizes=\"auto, (max-width: 352px) 100vw, 352px\" \/>Die pers\u00f6nliche Weigerung, sich an Kriegen zu beteiligen, ist ein Kernanliegen der WRI. Die Grundsatzerkl\u00e4rung der WRI beinhaltet den Aufruf, Dienst in jeglichem Milit\u00e4r zu verweigern. Damit unterscheidet sie sich von den Teilen der Friedensbewegung, die sich gegen Krieg und R\u00fcstung engagieren, die jedoch die Kriegsdienstverweigerung weitgehend ignorieren oder den Milit\u00e4rdienstzwang bef\u00fcrworten, wenn er von politisch sympathischen Staaten und Armeen ausgeht.<br \/>\nDie WRI unterst\u00fctzt alle, die den Milit\u00e4rdienst verweigern, unabh\u00e4ngig davon, ob sie bereit sind, einen Milit\u00e4rersatzdienst zu leisten. Ob ein Ersatzdienst zu bef\u00fcrworten sei, war in der WRI jahrzehntelang umstritten. Auf der einen Seite standen diejenigen, die den Kriegsdienst insgesamt ablehnen und den Ersatzdienst sowohl als kriegsunterst\u00fctzend als auch als freiheitsberaubend verurteilen. Auf der anderen Seite standen diejenigen, die einen zivilen Friedensdienst als positives Ziel an sich anstreben und einen Zwangsdienst nicht als Freiheitsberaubung und Menschenrechtsverletzung begreifen. Denjenigen, die jeglichen Kriegs- und Zwangsdienst verwerfen, geht es nicht darum, die \u00fcbergro\u00dfe Mehrheit der Verweigerer zu verurteilen, die notgedrungen den Ersatzdienst \u00fcber sich ergehen lassen, um Gef\u00e4ngnis oder Schlimmerem zu entgehen. Auch unter denjenigen, die den Kriegsdienstzwang in jeder Form ablehnen, waren und sind nur wenige so konsequent, alle Dienste total zu verweigern und Strafverfolgung und Gef\u00e4ngnis in Kauf zu nehmen. Der Streitpunkt ist, ob ein Zwangsdienst als friedensf\u00f6rdernd und menschenrechtlich akzeptabel gelten kann. Die Zwangsdienstideologie, dass jeder Mann einen Zwangsdienst zu leisten habe, wenn nicht f\u00fcr den Krieg, dann f\u00fcr den Frieden, war in Kontinentaleuropa und vor allem unter sozialdemokratisch, marxistisch-leninistisch und kirchlich orientierten Aktiven der Friedensbewegung stark verankert, gerade in Deutschland. F\u00fcr die dort in den 1970er Jahren aufkeimende Bewegung f\u00fcr die totale Kriegsdienstverweigerung bot die WRI einen wichtigen R\u00fcckhalt. Denn die Mehrheit sowohl in der deutschen Friedensbewegung als auch in der DFG-VK bef\u00fcrwortete den Zivildienst und den Dienstzwang, wollte ihn lediglich in Richtung eines \u201eechten Friedensdienstes\u201c verbessern. In der WRI \u00fcberwog damals die Ablehnung von Milit\u00e4rersatzdiensten, nicht zuletzt auch weil sich in den englischsprachigen L\u00e4ndern die kollektivistische, staatsverg\u00f6tternde kontinentaleurop\u00e4ische Zwangsdienstideologie nie durchsetzen konnte und das Bewusstsein daf\u00fcr, dass ein Zwangsdienst immer ein gravierender Eingriff in die individuelle Freiheit darstellt, wach geblieben war.<br \/>\nIn Spanien war nach dem Tod Francos offen, wie der Milit\u00e4rdienstzwang mit dem Recht auf Kriegsdienstverweigerung vereinbart werden sollte. In der allgemeinen politischen und gesellschaftlichen Aufbruchsstimmung verweigerten Tausende von insumisos (die sich nicht Unterwerfenden) den Kriegsdienst total, noch bevor der spanische Staat einen Zivildienst rechtlich und ideologisch etablieren konnte. Ein ziviler Ersatzdienst galt den insumisos als ein fauler Kompromiss mit Staat und Milit\u00e4r. Das Modell Deutschland mit dem weltweit h\u00f6chsten Anteil an Zivildienstleistenden schreckte sie ab. Stattdessen wollten sie das Funktionieren des Milit\u00e4rs wirksam st\u00f6ren und f\u00fcllten bewusst die Kasernen und Milit\u00e4rgef\u00e4ngnisse mit Gefangenen. Anfang und Mitte der 1990er waren jeweils gleichzeitig Hunderte von insumisos inhaftiert. Die mit anderen sozialen Bewegungen eng verbundene Bewegung der insumisi\u00f3n in Spanien wurde die weltweit radikalste und gr\u00f6\u00dfte Kriegsdienstverweigerungsbewegung, auch mit Ausstrahlung nach Lateinamerika. W\u00e4hrend anderswo in Europa der Kriegsdienstzwang aus milit\u00e4rstrategischen und volkswirtschaftlichen Erw\u00e4gungen abgeschafft oder ausgesetzt wurde, wobei der Beitrag der Friedensbewegung dazu minimal war, hat die spanische Bewegung ma\u00dfgeblich das Ende der Zwangsrekrutierung herbeigef\u00fchrt.<br \/>\nF\u00fcr Kriegsdienstverweigerung gibt es das im WRI-B\u00fcro angesiedelte Programm The Right to Refuse to Kill (Das Recht, sich dem T\u00f6ten zu verweigern). Die WRI tr\u00e4gt seit Jahrzehnten \u2028Informationen \u2028zur Rechtslage \u2028und Behandlung von \u2028Menschen zusammen, die den Kriegsdienst verweigern. Dem Welt\u00fcberblick von 1968, der lange als Standardwerk diente, folgte 1998 Refusing to Bear Arms. World Survey of Conscription and Conscientious Objection to Military Service, eine weltweit einzigartige \u00dcbersicht, die seitdem aktualisiert wird und im Internet zu Verf\u00fcgung steht.<br \/>\nMit Alarm-Benachrichtigungen, den CO Alerts, nach dem Muster der Urgent Actions anderer Menschenrechtsorganisationen, informiert die WRI kurzfristig \u00fcber Inhaftierungen, bevorstehende Prozesse und andere Repressionsma\u00dfnahmen und erm\u00f6glicht damit sofortige Solidarit\u00e4tsaktionen und Proteste zugunsten von Menschen, die weltweit wegen Kriegsdienstverweigerung inhaftiert oder verfolgt werden.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-24404 alignleft\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_krieg-gewinnt-der-tod.jpg\" alt=\"\" width=\"304\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_krieg-gewinnt-der-tod.jpg 304w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_krieg-gewinnt-der-tod-300x474.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_krieg-gewinnt-der-tod-190x300.jpg 190w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/phoca_thumb_l_krieg-gewinnt-der-tod-95x150.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 304px) 100vw, 304px\" \/>Die WRI setzt sich nicht nur f\u00fcr das Recht auf Kriegsdienstverweigerung in einzelnen Staaten ein, sondern fordert auch die Anerkennung von Kriegsdienstverweigerung als Asylgrund. Bei internationalen Organisationen wie den UN betreibt die WRI Lobbyarbeit f\u00fcr das Recht auf Milit\u00e4rdienstverweigerung. Dazu wurde ein Leitfaden durch das internationale Menschenrechtssystem erstellt: A Conscientious Objector\u2018s Guide to the International Human Rights System.<br \/>\nDie WRI koordiniert zwei j\u00e4hrliche Aktionstage zur Kriegsdienstverweigerung: Der Internationale Tag der Kriegsdienstverweigerung am 15. Mai dient seit 1985 als Aktionstag f\u00fcr das Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Zum Internationalen Tag der Gefangenen f\u00fcr den Frieden am 1. Dezember ver\u00f6ffentlicht die WRI seit 1956 die Liste der Gefangenen f\u00fcr den Frieden. Heute wird sie st\u00e4ndig aktualisiert und ist im Internet ganzj\u00e4hrig verf\u00fcgbar. Die Liste enth\u00e4lt exemplarisch f\u00fcr viele andere, deren Adressen unbekannt sind oder die diese Publizit\u00e4t nicht w\u00fcnschen, Namen und Gef\u00e4ngnisadressen von Menschen, die weltweit wegen ihrer Kriegsdienstverweigerung oder ihres Friedensengagements inhaftiert sind. Die WRI ruft dazu auf, den Gefangenen Kartengr\u00fc\u00dfe als Zeichen der Solidarit\u00e4t und Ermutigung in die Haft zu schicken. Selbst wenn die Karten die Adressaten und Adressatinnen nicht erreichen sollten, machen sie deutlich, dass die Gefangenen nicht vergessen sind, was sich auf die Haftbedingungen g\u00fcnstig auswirken kann.<br \/>\nAls seit den 1990er Jahren in Europa der Kriegsdienstzwang zunehmend ausgesetzt oder abgeschafft wurde, wurden dort und in den USA, wo seit den 1970ern nicht mehr zwangsrekrutiert wird, Stimmen laut, Kriegsdienstverweigerung als Thema in der WRI drastisch zu reduzieren. Angesichts der Lage in Lateinamerika und in L\u00e4ndern wie Finnland, Griechenland, Zypern, der T\u00fcrkei, Israel, Eritrea und S\u00fcdkorea, angesichts des Engagements der dortigen WRI-Mitglieder sowie angesichts der drohenden R\u00fcckkehr der Zwangsrekrutierung in europ\u00e4ischen Staaten ist Kriegsdienstverweigerung jedoch in der WRI inzwischen wieder wichtiger geworden. Seit den 1990ern widmet die WRI der Arbeit gegen die Rekrutierung durch Berufsarmeen, Counter-Recruitment (Anti-Rekrutierung) genannt, mehr Aufmerksamkeit.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Gegen die Militarisierung der Jugend<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Fachtagung Gegen die Militarisierung der Jugend 2012 bei Darmstadt entstand ein neues Programm im WRI-B\u00fcro: Countering the Militarisation of Youth (Gegen die Militarisierung der Jugend). Die WRI sammelt und publiziert Informationen \u00fcber die Militarisierung der Jugend und koordiniert seit 2013 transnational Aktionen dazu, aus denen sich 2015 die Internationale Aktionswoche gegen die Militarisierung der Jugend entwickelte. Nach ersten Erfolgen gingen Ende der 2010er Jahre die Aktivit\u00e4ten im Rahmen der Aktionswoche wieder zur\u00fcck. Es lag prim\u00e4r an mangelnden Kapazit\u00e4ten und zuletzt an der Corona-Pandemie, dass das vielversprechende Potenzial dieser Aktionswoche nicht genutzt werden konnte.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Thematische Diversit\u00e4t durch Globalisierung<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben Themen, die die WRI global verbinden, bringt die Globalisierung der WRI mehr thematische Diversit\u00e4t. W\u00e4hrend z.B. aus europ\u00e4ischer Sicht internationale Konflikte wie die Spannungen zwischen dem Westen und Russland sowie der Krieg in Syrien zentral sind, wird das in Lateinamerika kaum wahrgenommen, wo innerstaatliche, mit Klassenkampf, Rassismus, Sexismus und Ausbeutung der nat\u00fcrlichen Ressourcen verbundene Repression eher Thema ist. Die unterschiedlichen Themenfelder erzeugen innerhalb der WRI weniger Kontroversen und daher deutlich weniger kontroverse Grundsatzdebatten als im vergangenen Jahrhundert.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Gernot Lennert,<br \/>\n<\/strong><strong>Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Deutschen Friedensgesellschaft \u2013 Vereinigte Kriegsdienstgeg-nerInnen (DFG-VK) Hessen<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den 1980er Jahren pr\u00e4gten oft mitgliederstarke Sektionen in Westeuropa und den USA sowie die Mitglieder aus Indien mit seiner gandhianischen Tradition der Gewaltfreiheit die WRI. Seit den 1990er Jahren hat sich die WRI deutlich \u00fcber ihren vorherigen nordatlantischen geographischen Schwerpunkt hinaus erweitert. Heute sind im Netzwerk der WRI Gruppen, Organisationen und Individuen aus allen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/02\/widerstand-gegen-den-krieg-kriegsdienste-verweigern\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":502,"featured_media":24400,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"\u201eWiderstand gegen den Krieg \u2013 Kriegsdienste verweigern!\u201c - graswurzelrevolution","description":"In den 1980er Jahren pr\u00e4gten oft mitgliederstarke Sektionen in Westeuropa und den USA sowie die Mitglieder aus Indien mit seiner gandhianischen Tradition der Ge"},"footnotes":""},"categories":[1370,1025,1032],"tags":[1343,1312],"class_list":["post-24303","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-456-februar-2021","category-die-waffen-nieder","category-spurensicherung","tag-kriegsdienstverweigerung","tag-wri"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24303","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/502"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24303"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24303\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24400"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24303"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24303"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24303"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}