{"id":24447,"date":"2021-03-02T11:46:19","date_gmt":"2021-03-02T09:46:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/03\/trump-als-wut-unternehmer\/"},"modified":"2021-03-05T18:04:34","modified_gmt":"2021-03-05T16:04:34","slug":"trump-als-wut-unternehmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/03\/trump-als-wut-unternehmer\/","title":{"rendered":"Trump als Wut-Unternehmer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Von Sloterdijk stammt das auf die alte Sozialdemokratie gem\u00fcnzte Bild, diese habe eine Wut-Bank angelegt und so die Wut, den Klassenhass ihrer Anh\u00e4nger*innen, verwaltet \u2013 eine m\u00fcndelsichere Kapitalanlage. Inzwischen ist auch diese Bank \u201einflationsbereinigt\u201c zu Negativ-Zinsen \u00fcbergegangen. Sie versucht eher, durch steigende Geb\u00fchren (Wahlkampfkostenerstattung etc.) Verluste zu vermeiden. Diese Wut ist (zun\u00e4chst!) auf die lange Bank geschoben.<br \/>\nAber die Wut der \u201eAngry White Men\u201c hat einen Banker gefunden. Deren Wut ist real, ernst und in Teilen berechtigt, wie die sensible Analyse Michael Kimmels ((2)) zeigt: Seit Jahrzehnten stagnieren oder sinken die Realeinkommen der wei\u00dfen Mittelschicht: \u201eHeute sind buchst\u00e4blich zwei Einkommen n\u00f6tig, um das zu verdienen, was ein Berufst\u00e4tiger vor 40 Jahren f\u00fcr seine Familie verdiente &#8230;\u201c ((3)) Die wei\u00dfen Arbeiter haben sichere Arbeitspl\u00e4tze und gewerkschaftlichen Schutz in der verarbeitenden Industrie ebenso verloren, wie die untere Mittelschicht kleiner Ladenbesitzer, Bauern und Handwerker ihre Lebensweise und ihr Selbstwertgef\u00fchl. Ihre traditionelle M\u00e4nnlichkeit war daran orientiert, eine Familie zu ern\u00e4hren und Respekt in einer Gemeinde \u00e4hnlich denkender und handelnder Leute zu finden. Leistungsbereitschaft, k\u00f6rperliche Kraft, Selbstbeherrschung waren Leit-Werte. Auch \u00dcberlegenheit \u00fcber Nicht-Wei\u00dfe und Frauen, eine bedenkenlose R\u00fccksichtslosigkeit in mehr als einer Hinsicht. Sie hatten den Anspruch, dass das Leben ihnen zumindest eine gewisse Sicherheit biete, materiell und emotional. Aber auch fr\u00fcher konnte man scheitern beim Versuch, es zu etwas zu bringen. Der \u201eSelfmademan\u201c war auch durch Ruhelosigkeit und Angst vor dem Misserfolg gekennzeichnet. Doch es blieb immer die Hoffnung, neu anfangen zu k\u00f6nnen, vielleicht im fernen Westen oder irgendwo anders.<br \/>\nDiese Erwartung und die wirtschaftliche Unabh\u00e4ngigkeit des Kleingewerbes und der Bauern sind seit den 1980er Jahren zerst\u00f6rt: Die Fertigungsindustrie wanderte ins Ausland ab. Staubst\u00fcrme und Agrarkrisen ruinierten die kleinen Bauern. Zwangsversteigerungen trafen sie hart. Agrarkonzerne \u00fcbernahmen. Familienbetriebe gingen unter. Das \u201eHeart Land\u201c wurde abgeh\u00e4ngt. In den USA geboren, getauft mit dem amerikanischem Traum, immer loyal gewesen, blieb der Anspruch, aber in der gesellschaftlichen Wirklichkeit fand eine gro\u00dfe Degradierung statt. So wuchs ein Zorn, das Ressentiment, dass den normalen \u201ekleinen Leuten\u201c, dies zugef\u00fcgt worden sei, damit andere (Nicht-Wei\u00dfe; Migranten, Frauen, St\u00e4dter, Juden, Uni-AbsolventInnen) aufsteigen sollten. Betrogen und besch\u00e4mt suchten diese wei\u00dfen Mittelschichten Erkl\u00e4rungen und Argumente gegen das Establishment, das sie verachtete, die Arbeitspl\u00e4tze ins Ausland verlagerte. Und sie idealisierten die Vergangenheit. Diese wurde ihre Utopie, das Amerika, in dem sie sich heimisch f\u00fchlen konnten. Die \u201eTea Party\u201c (hier waren die \u201eweiblichen\u201c Anteile noch am st\u00e4rksten), polemische Radiosender, die der Emp\u00f6rung eine Stimme gaben, eine deutlicher werdende Wir\/Sie-Unterscheidung, die rassistische Botschaft wei\u00dfer \u00dcberlegenheit und gar Nazi-Symbolik wurden st\u00e4rker und scharten sich schlie\u00dflich um Trump. Dabei gab es Alternativen wie die \u201eFarm Aid\u201c-Organisation, deren Ziel seit 1985 die Bewahrung und Unterst\u00fctzung der landwirtschaftlichen Familienbetriebe in den USA ist. Dazu veranstaltet sie allj\u00e4hrlich ein Musikkonzert mit bekannten Stars wie Willie Nelson und Bob Dylan, Neil Young und John Mellenkamp. Dr\u00fcckt sich das Ende mancher amerikanischer Tr\u00e4ume in den einf\u00fchlsam-melancholischen \u201eTom Joad\u201c-Balladen von Bruce Springsteen nicht viel angemessener aus als im barbarischen Geschrei der \u201eProud Boys\u201c? Vielleicht wollten sie nicht trauern und den \u201eamerikanischen Traum\u201c im Sinne eines Martin Luther King diesmal f\u00fcr alle erneuern, sondern statt dessen ihre alte \u00fcberlegene Position behaupten. King war erschossen worden. Die wei\u00dfen Unter- und Mittelschichten tendierten, einmal mehr, zur Seite der Sieger, der Sch\u00fctzen. Schlie\u00dflich hatten sie auch gelernt, dass Amerika noch nie einen Krieg verloren habe, und die Vietnam-Erfahrung wurde gerade neu interpretiert: Zur\u00fcck zu milit\u00e4rischer St\u00e4rke. Auch dies f\u00fcgte sich in die r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Utopie \u201eMake America Great Again\u201c.<br \/>\nKing hatte 1963 in seiner ber\u00fchmten Rede \u201eIch habe einen Traum\u201c gesagt: \u201eAls die Architekten unserer Republik die grandiosen Worte der Verfassung und der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung schrieben, unterzeichneten sie einen Schuldschein, dessen Erbe jeder Amerikaner sein sollte. Dieser Schuldschein war ein Versprechen, dass allen Menschen ja, schwarzen Menschen wie auch wei\u00dfen Menschen die unver\u00e4u\u00dferlichen Rechte von Leben, Freiheit und dem Streben nach Gl\u00fcck garantiert w\u00e4ren. Es ist heute offensichtlich, dass Amerika diesem Schuldschein nicht eingel\u00f6st hat (&#8230;) einen Scheck, der mit dem Stempel \u201aungen\u00fcgende Deckung\u2018 zur\u00fcckgekommen ist. Wir weigern uns aber, daran zu glauben, dass die Bank der Gerechtigkeit bankrott ist. Wir weigern uns, daran zu glauben, dass es eine ungen\u00fcgende Deckung in den gro\u00dfen Tresorr\u00e4umen der Gerechtigkeit dieser Nation gibt. Wir sind daher hierher gekommen, um diesen Scheck einzul\u00f6sen, einen Scheck, der uns auf Verlangen die Reicht\u00fcmer der Freiheit und die Sicherheit auf Gerechtigkeit gew\u00e4hren wird\u201c.<br \/>\nAber immer mehr vor allem wei\u00dfe AmerikanerInnen entschieden sich gegen Kings Traum und Jahrzehnte sp\u00e4ter f\u00fcr die Wut-und-Verachtungs-Bank Donald Trumps. Bei den letzten Wahlen ist ihre Zahl sogar noch gestiegen, weil Trump vor Corona durchaus f\u00fcr Arbeitspl\u00e4tze gesorgt hatte und f\u00fcr das Selbstbewusstsein, man sei das wahre, hart arbeitende, ehrliche Amerika, das von unamerikanischen Figuren um die Fr\u00fcchte seiner Arbeit und Loyalit\u00e4t betrogen w\u00fcrde.<br \/>\nKimmels Buch ist vor Trumps Siegeszug entstanden, aber er hat alle Zutaten f\u00fcr Trumps Rezepte und die sozialpsychologischen Bewegungen beschrieben, die \u201ediese zynischen Vermarkter des Zorns\u201c\u00a0((4)) gro\u00df gemacht haben. Auch der \u201eGewaltfreiheitsaktivist Jackson Katz\u201c hatte schon analysiert, wie Rush Limbaugh, einer der rechten Radiomoderatoren, im H\u00f6rergespr\u00e4ch \u201eKummer, Angst, Schmerz und Sorge des H\u00f6rers\u201c in politische Wut transformierte: \u201eEr braucht daf\u00fcr nur das gemeinsame Gef\u00fchl, dass \u201aandere\u2018 (gesichtslose, nutzlose Regierungsb\u00fcrokraten) \u201auns\u2018 (den rechtm\u00e4\u00dfigen Erben des amerikanischen Wohlstands) wegnehmen, was uns zusteht, und es unverdient wiederum \u201aanderen\u2018 (Minderheiten, Einwanderern, Frauen, Schwulen und anderem Abschaum) geben.\u201c\u00a0((5)) Die Emp\u00f6rungsradios und Wut-Medien, die sich als Opfer linker Meinungsdiktatur in Mainstream-Medien darstellen, machen aus den frustrierten wei\u00dfen M\u00e4nnern eine \u201evirtuelle soziale Bewegung\u201c\u00a0((6)), geeint durch das Ressentiment. Ein wei\u00dfes, m\u00e4nnliches Opfer-Wir, das es beispielsweise \u2013 an \u201enormale\u201c Ungerechtigkeiten und Privilegien gew\u00f6hnt \u2013 als schwere Diskriminierung wahrnimmt, wenn \u201edie anderen\u201c nicht mehr ferngehalten und herabgesetzt werden. Und wenn der Staat dabei versagt, Grenzen zu ziehen, muss man es selbst tun, wie im Minuteman-Projekt: Paramilit\u00e4risch organisierte wei\u00dfe M\u00e4nner der Mittel- und Arbeiterschicht patroullieren an der Grenze zu Mexiko.<br \/>\nM\u00e4nnlichkeit zeigt sich in der Gewaltbereitschaft.\u00a0((7)) In den USA sind so auch die Schulschie\u00dfereien zu verstehen. Die T\u00e4ter sind seit den 90er Jahren so gut wie immer m\u00e4nnlich und wei\u00df! Besonders nach Columbine geht es den T\u00e4tern nicht mehr darum, einzelne, bekannte Mitsch\u00fclerInnen oder LehrerInnen zu treffen, sondern eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Zahl ziemlich zuf\u00e4lliger Opfer: \u201eFr\u00fcher wollten die T\u00e4ter eine Rechnung begleichen, heute wollen sie ber\u00fchmt werden.\u201c\u00a0((8)). Fr\u00fcher waren die Taten \u201epers\u00f6nlicher\u201c, nach Columbine \u201epolitischer\u201c, sagt Kimmel\u00a0((9)), und es werde von den Attent\u00e4tern Respekt und Best\u00e4tigung auf diesem letzten verbleibenden Weg gesucht. Ausgegrenzt und gemobbt wurden sie meist, weil sie den Codes und Regeln der \u201eM\u00e4nnlichkeit\u201c nicht entsprachen; sie best\u00e4tigten ihre m\u00e4nnliche Selbstachtung, indem sie zur\u00fcckschlugen. Gewalt als ad\u00e4quate Antwort auf Ehrverletzung, Dem\u00fctigung, Besch\u00e4mung. Kimmel kann zeigen, dass es besonders die Bevorzugung von \u201eSportskanonen\u201c und ein aggressives Klima mancher Schulen ist, die Au\u00dfenseiter produzieren und in schier ausweglose Situationen dr\u00e4ngen. Die \u201ekulturbedingte Erwartung\u201c, dass \u201eein Mann zur\u00fcckschl\u00e4gt, wenn er provoziert wird\u201c l\u00e4sst die T\u00e4ter schlie\u00dflich \u201edem uralten Drehbuch des amerikanischen Western\u201c folgen.\u00a0((10))<br \/>\nDie politischen Str\u00f6mungen rechts der Reagan\/Bush-Linie des Republikanismus sind vielf\u00e4ltig, auch vielf\u00e4ltig gespalten. Gemeinsam sind ihnen oft rassistische\/bev\u00f6lkerungspolitische und antifeministische \u00dcberzeugungen, die allerdings wiederum gegens\u00e4tzlich begr\u00fcndet werden k\u00f6nnen. Radikalisiert wurden viele dieser Gruppen, als republikanische Regierungen eine banken- und konzernfreundliche Wirtschaftspolitik trieben und durch kriegerische Interventionen im Ausland Probleme im Innern der USA eher steigerten, statt sich ihrer Sorgen anzunehmen. Viele soziale Probleme verschlechterten die Lebenschancen dieser W\u00e4hlergruppen. Auch die zunehmende Abh\u00e4ngigkeit von Medikamenten und Drogen spielt eine Rolle. Wie so oft, werden S\u00fcndenb\u00f6cke gesucht und gefunden, um zu erkl\u00e4ren, wie es zu solchen Krisen kommen konnte. Der 11. September ist ein bedeutendes Datum f\u00fcr die Feindseligkeiten gegen \u201eunamerikanische\u201c Gruppen, Migranten oder jedwede \u201e5. Kolonne\u201c, die Amerika in seinem \u00dcberlebenskampf schw\u00e4chen k\u00f6nnte. . Ein weiterer Schock war f\u00fcr die wei\u00dfen M\u00e4nner der erste schwarze Pr\u00e4sident, und Trumps politischer Aufstieg begann mit der Erz\u00e4hlung, dass Obama ein illegitimer Pr\u00e4sident sei, weil nicht in den USA geboren, sondern in Kenia!<br \/>\nZunehmend werden geradezu apokalyptische \u201eEndkampf\u201c-Konzepte eines Rassenkriegs oder Weltb\u00fcrgerkriegs verbreitet, die z.T. aus der Science-Fiction-Welt oder Romanen stammen. Militant den Ideen einer \u201eSelbstverteidigung\u201c\u00a0((11)) verhaftet, geh\u00f6rt zu den Gemeinsamkeiten, dass sie das Recht verteidigen, offen Waffen zu tragen. In der \u2013 nicht selten mit Verschw\u00f6rungstheorien unterf\u00fctterten \u2013 Feindschaft gegen die Bundesregierung und die Eliten ist die Rechte oft auch \u201elibert\u00e4r\u201c, da die US-Traditionen der Rechten weniger etatistisch sind als die europ\u00e4ischen. Die Souver\u00e4nit\u00e4t freier B\u00fcrger kann sich hier mit der Ablehnung jeglicher Besteuerung und dann logischerweise mit dem bewaffneten Selbstschutz verbinden. Auch wenn manche dieser Ideen auf urspr\u00fcnglich diskussionsw\u00fcrdige philosophische \u00dcberlegungen oder tats\u00e4chlich freiheitliche Str\u00f6mungen des Individualanarchismus und anderer staats- und monopol-kritischer sozialer Bewegungen zur\u00fcckgehen, verbinden sie sich zunehmend mit rechtspopulistischen Bewegungen. Ebenso war in den USA eine Frontbildung \u201eethnisch\u201c oder \u201erassisch\u201c definierter Gruppen dominant gegen\u00fcber Klassenbewegungen und \u201eoben-unten\u201c-Konflikten. Viele der extrem rechten Gruppen kn\u00fcpfen an solche \u00e4lteren Erz\u00e4hlungen gegen (katholische, j\u00fcdische, chinesische) Au\u00dfenseiter-Gruppen an.<br \/>\nTrump gelang es, viele dieser Gruppen zu mobilisieren und hinter seinen Parolen zu versammeln, indem er ihre Schl\u00fcsselthemen aufgriff (Kampf gegen Einwanderung, Recht auf Bewaffnung, Senkung der Einkommensteuer, f\u00fcr die Todesstrafe, gegen Minderheiten und feministische Str\u00f6mungen, gegen Abtreibung) und zu \u201eMake America Great Again\u201c zusammenfasste. Von den gem\u00e4\u00dfigten Republikanern bis zu den Milizen, Proud Boys und Erben des Ku-Klux-Klan fand er Unterst\u00fctzung.<br \/>\nDabei kam ihm zugute, dass die Polarisierung des Parteiensystems in den USA so weit fortgeschritten ist, dass weniger einzelne Inhalte als die Zugeh\u00f6rigkeit zu einem der Partei-Lager entscheidet. Demokraten und Republikaner heiraten tendenziell nur noch untereinander, sie wollen nicht in den gleichen Vierteln leben, informieren sich nicht mit den gleichen Medien. Diese Trennung hat Trump versch\u00e4rft, aber sie ist \u00e4lter und ein Bollwerk gegen ein B\u00fcndnis von Menschen \u00e4hnlicher Klassenlage, die sich stattdessen \u00fcber gegens\u00e4tzlich definierte \u201eEthnien\u201c und \u201eKulturen\u201c identifizieren.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus kann man den Kapitalismus feiern und Banken und Konzerne hassen, besonders wenn diese als \u201ej\u00fcdisch\u201c oder \u201eparasit\u00e4r\u201c gekennzeichnet sind. Das Nazi-\u00c4quivalent dazu war \u201eBrechung der Zinsknechtschaft\u201c. Ein weiteres Bindeglied sonst unterschiedlicher Str\u00f6mungen ist der \u00fcbersteigerte Patriotismus, der sich sein \u201eeigentliches\u201c Amerika als r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Utopie erfindet, abgegrenzt gegen eine Welt von Feinden, zu denen durchaus die Regierung z\u00e4hlen kann. Heute sind Feindbilder der Nationalisten auch Stiftungen (besonders Soros war lange ein Lieblingsfeind, wird aber gerade von Bill Gates in der Wahrnehmung von Verschw\u00f6rungstheoretikerInnen etwas zur\u00fcckgedr\u00e4ngt) und \u00fcbernationale Verbindungen (UNO, \u201eTrilaterale Kommission\u201c, \u201eBilderberger\u201c), die in ihrer Macht \u00fcbersch\u00e4tzt und als Konstrukteure einer \u201eneuen Weltordnung\u201c bek\u00e4mpft werden. Der Patriotismus war schon immer leicht mit Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen zu verbinden, die \u00fcbernationale Kr\u00e4fte (Katholiken, Juden, Freimaurer) verd\u00e4chtigten.<br \/>\nDamit eng verkn\u00fcpft ist die Betonung von M\u00e4nnlichkeit: gegen verweiblichte, pazifistische, androgyne, aggressionsgehemmte, unk\u00f6rperliche und \u00e4ngstliche M\u00e4nner, die leicht Opfer werden. Deshalb hat die Wiederherstellung von M\u00e4nnlichkeit f\u00fcr die Abwehr der anderen Gefahren eine zentrale Funktion. Mit kriegerischer M\u00e4nnlichkeit steht und f\u00e4llt jeder Plan der Wiedereroberung, der Zur\u00fcckgewinnung von dem, was dem wei\u00dfen Mann \u201eeigentlich\u201c zusteht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sloterdijk stammt das auf die alte Sozialdemokratie gem\u00fcnzte Bild, diese habe eine Wut-Bank angelegt und so die Wut, den Klassenhass ihrer Anh\u00e4nger*innen, verwaltet \u2013 eine m\u00fcndelsichere Kapitalanlage. 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