{"id":2462,"date":"1999-02-01T00:00:48","date_gmt":"1999-01-31T22:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=2462"},"modified":"2022-07-26T14:17:01","modified_gmt":"2022-07-26T12:17:01","slug":"der-citoyen-als-protoanarchist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1999\/02\/der-citoyen-als-protoanarchist\/","title":{"rendered":"Der citoyen als Protoanarchist"},"content":{"rendered":"<p>Wenn es um Libert\u00e4ren Kommunalismus geht, wird aus den Reihen des spanischen Anarchosyndikalismus hart geurteilt. \u00dcber die erste Konferenz, die vergangenen Sommer in Lissabon zum Thema stattfand, hei\u00dft es in einem offenen Brief: &#8218;es handelt sich eindeutig um ein reformistisches Man\u00f6ver unter dem Vorwand, die Kr\u00e4fte des militanten Anarchismus in die politische Kollaboration umzuleiten&#8216; (Asociacion Internacional de los Trabajadores). Der Begriff libert\u00e4rer Kommunalismus stammt vom us-amerikanischen Anarchisten Murray Bookchin. Grob gefa\u00dft bezeichnet er eine Initiative zur Wiederbelebung von Basis- oder Direktdemokratie. Der Ton der Auseinandersetzung darum klingt nach Bruderstreit in der Familie des Anarchismus und unzeitgem\u00e4\u00df dazu. Die dumme linke Tradition, im Streit um das rechtm\u00e4\u00dfige Erbe der ideologischen \u00dcberv\u00e4ter gesellschaftspolitische Irrelevanz zu kompensieren, scheint also auch bei den Libert\u00e4ren um sich zu greifen. Allerdings l\u00e4\u00dft sich der libert\u00e4re Kommunalismus m.E. auch gewinnbringender jenseits der Familien- oder Stammesfehde befragen. Einerseits danach, was seine Zeitdiagnose taugt, und zum anderen nach dem woher und wohin seiner Zielvorstellungen. Einen Anla\u00df dazu gibt das Buch von Janet Biehl, das jetzt im anarchistischen Trotzdem-Verlag erschienen ist (vgl. <a title=\"Libert\u00e4rer Kommunalismus f\u00fcr EinsteigerInnen\" href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1998\/10\/libertarer-kommunalismus-fur-einsteigerinnen\/\">Besprechung in GWR 232<\/a>). Sie erkl\u00e4rt und erl\u00e4utert darin die Ideen Bookchins, der sich als Weiterentwickler anarchokommunistischer Vorstellungen begreift.<\/p>\n<p>Und um mich im folgenden wichtigerem widmen zu k\u00f6nnen, das Fazit vorneweg: Biehls Buch enth\u00e4lt f\u00fcr Bookchin-KennerInnen nicht viel neues. Das Interview, das Biehl im Anhang mit dem Altanarcho f\u00fchrt, stellt die richtigen Fragen und gibt so vielleicht mehr Aufschlu\u00df \u00fcber dessen Intentionen als die doch oft schemenhafte Zusammenfassung im Hauptteil des Buches. Wer eine b\u00fcndige Einleitung in eine Str\u00f6mung des gegenw\u00e4rtigen Anarchismus sucht, wird auf jeden Fall hier f\u00fcndig.<\/p>\n<h3>Geschichte, einmal anders<\/h3>\n<p>Das Konzept Bookchins fu\u00dft auf einer zun\u00e4chst ungew\u00f6hnlichen Geschichtsbetrachtung. Nicht der menschliche Kampf gegen die Natur habe zu Unterwerfung gef\u00fchrt, sondern die Herrschaft \u00fcber Mensch und Natur sei erst die Folge der Ausbildung sozialer Hierarchien. Es l\u00e4\u00dft sich als ein durchaus lobenswertes Projekt bezeichnen, im Anschlu\u00df an diese These die Geschichte zu durchforsten auf der Suche nach hierarchiefreien sozialen Zusammenh\u00e4ngen. Ergebnis einer solchen und von Bookchin betriebenen Studie ist vor allem, da\u00df es bez\u00fcglich gesellschaftlicher Organisierung stets Alternativen zum Staat, insbesondere zum Nationalstaat gab (nachzulesen vor allem in Bookchins &#8218;Die Neugestaltung der Gesellschaft&#8216;, Grafenau 1992) . Die Ablehnung des entm\u00fcndigenden Nationalstaats geh\u00f6rt folglich ebenso zu Bookchins essentials wie die Verdammung kapitalistischen Wirtschaftens wegen ihrer zerst\u00f6rerischen Auswirkungen. Dieser setzt er eine nur grob umrissene &#8218;moralische Wirtschaft&#8216; entgegen. Ein Gef\u00fchl gegenseitiger Verpflichtung soll das Konkurrenzstreben des Kapitalismus abl\u00f6sen und ist somit die Voraussetzung f\u00fcr eine sogenannte &#8218;rationale Gesellschaft&#8216;, die als Gegenmodell zum Nationalstaat gedacht ist. Bookchin unterscheidet hier begrifflich Staatsr\u00e4son von Politik. Eine Differenzierung, die einerseits den Staatsbegriff historisiert, d.h. Staat als geschichtlich gewordene und damit ver\u00e4nderbare Herrschaftsformation begreift. Und andererseits wird Politik als \u00f6ffentliche Regelung gemeinschaftlicher Interessen reformuliert. Dann wird die abstrakte Gr\u00f6\u00dfe &#8218;gemeinschaftliche Interessen&#8216; in die konkrete Vorstellung von der &#8218;Gemeinde&#8216; \u00fcbersetzt, und fertig ist das revolution\u00e4re Subjekt. Ausgehend von der Selbstverwaltung der griechischen polis ist das Objekt seiner umst\u00fcrzlerischen Begierde n\u00e4mlich &#8218;die Stadt&#8216;. Im Gegensatz beispielsweise zur klassischen Soziologie, f\u00fcr die der Nationalstaat immer auch der Garant b\u00fcrgerlicher Freiheiten und moralischen Zusammenlebens war, feiert Bookchin die Stadt als Ort m\u00f6glichen politischen Lebens. Selbstverst\u00e4ndlich im Sinne von direkter Demokratie. Denn ebenfalls anders als in soziologischen Zeitdiagnosen, denen die moderne Stadt ja gerade die prototypische Schaub\u00fchne individualisierten Lebens war und ist, geht der libert\u00e4re Kommunalist von gemeinsamen Interessen aus. Wo die Insassen des sozialen Raums sich laut Soziologie in v\u00f6lliger Fremdheit begegnen, liegt f\u00fcr Bookchin im Gegenteil die M\u00f6glichkeit f\u00fcr gemeinschaftlich motiviertes Handeln. In Anlehnung an die historischen B\u00fcrgerInnenversammlungen in Neuengland, an die Pariser Commune oder eben die polis sollen in freien Versammlungen freie Entscheidungen aller getroffen werden. Im gem\u00e4chlichen Aufbau solcher basisdemokratischen Strukturen und Institutionen soll dann irgendwann der unausweichliche Konflikt mit dem Nationalstaat gesucht werden, der bekanntlich seine Herrschaft nicht freiwillig abgibt.<\/p>\n<h3>Anarchismus, one &amp; only<\/h3>\n<p>Auch Anarchoklassiker Bakunin war seinerzeit davon ausgegangen, es g\u00e4be einen praktisch orientierten, gesunden Menschenverstand, der gerade in kommunalen Belangen deutlich werde und im Gegensatz zum Interesse des Staates st\u00fcnde. Hier aber st\u00f6\u00dft die Theorie an die Realit\u00e4t und prallt weit davon ab, zumindest und ganz besonders heutzutage in Deutschland. Wer einmal auf einer Stadtteilversammlung war, wei\u00df, da\u00df gesund hier eher das &#8218;Volksempfinden&#8216; als der Verstand ist. Nach dem Niedergang sozialer Bewegungen der 70er und 80er Jahre an ein Aufleben von Basisdemokratie zu glauben, f\u00e4llt schwer. Wo schon die Mobilisierung kaum m\u00f6glich scheint, wenn es um einen einzigen Problempunkt geht, wirkt ein so multipunktuelles Unternehmen wie die B\u00fcrgerInnenversammlung doch etwas ab von der Welt. Vielleicht ist es ein Kapitel aus der Abteilung &#8218;Ironie der Geschichte&#8216;, da\u00df der Gegenwartsanarchismus gerade da utopisch im weltfremdesten Sinne daherkommt, wo er versucht, konkret und zeitgem\u00e4\u00df zu sein. Ganz davon abgesehen, da\u00df ein grunds\u00e4tzlich divergierendes Interesse zwischen Nationalstaat und Bev\u00f6lkerung in den westlichen Industrienationen ohnehin Wunschdenken derjenigen ist, die allein mit rationalen Argumenten ihr Ver\u00e4nderungsgl\u00fcck versuchen &#8211; heute wohl mehr denn je. So ist es nicht nur ignorant gegen\u00fcber postmodernen (individualisierten) Lebenswelten, von einer potentiellen interessegeleiteten Einheit der B\u00fcrgerInnen auszugehen. (Schon gegen einen Vermieter stellt sich selten ein ganzes Haus. Und wer ist nicht froh, da\u00df M\u00fcllabfuhr und Abwassersyteme von anderen geregelt werden?). Sondern es ist dazu ein theoretischer Fehler, diese citoyen auch noch in Opposition zum Nationalstaat zu konzipieren. Die Teilhabe an Privilegien sichert doch l\u00e4ngst und ausgekl\u00fcgelt die Zustimmung zum System. Ignoranz und Fehler \u00fcbrigens, die die Libert\u00e4ren KommunalistInnen mit dem Anarchosyndikalismus teilen, f\u00fcr den statt der Gemeinde nach wie vor das Proletariat der Hauptrevolution\u00e4r ist.<\/p>\n<p>Verwunderlich f\u00fcr anarchistische Konzepte ist vor allem die komische Einzigartigkeit, die von Bookchin\/ Biehl, wie auch vom Anarchosyndikalismus beansprucht wird. Im Anhang der Biehl&#8217;schen Ausf\u00fchrungen findet sich ein Interview mit Murray Bookchin, in dem er Stellung nimmt zu Kritikpunkten am Libert\u00e4ren Kommunalismus. Hier werden die richtigen Fragen gestellt, und im Grunde immer nur eine Antwort gegeben: &#8218;Eigentlich wird nur der libert\u00e4r-kommunalistische Ansatz Aussicht auf Erfolg gegen\u00fcber der konzentrierten Macht der Medien bieten&#8216;. Die Macht der Medien wird dabei wahlweise ersetzt durch Prozesse der Globalisierung und Privatisierung, die Entwicklung des Arbeitsmarktes oder die \u00fcbrigen Gro\u00dfprobleme der Zeit. Ganz im Sinne der Aufkl\u00e4rung stellt Bookchin sich Politik als einen Proze\u00df anwachsenden Bewu\u00dftseins vor. Die B\u00fcrgerInnen m\u00fcssen erzogen, ja einmal sagt er sogar: gest\u00e4hlt werden, um die politische Kultur der Zukunft zu verk\u00f6rpern. Bei dieser Haltung verwundert es wenig, wenn Bookchin angenervt scheint von der bisher fehlenden Resonanz auf sein fertiges Konzept. Dieses liegt immerhin schon seit Beginn der 80er Jahre in seinem Schreibtisch zur Umsetzung bereit. Aus diesem Groll erkl\u00e4rt sich vielleicht auch die teils abstruse Abgrenzung gegen andere libert\u00e4re oder linksradikale Str\u00f6mungen. Besonders abgesehen hat er es dabei auf den sogenannten Lifestyle- oder kulturellen Anarchismus, den er als klischeehaft eigenbr\u00f6dlerische und systemkonforme Variante libert\u00e4ren Gedankenguts beschreibt. Das ist schade, denn einerseits scheinen mir weder Stirner-Fans noch Esoterik- Hippies, auf die Bookchin abzielt, mit dem Label des &#8218;kulturellen Anarchismus&#8216; richtig etikettiert. Jenseits dieser Klischees k\u00f6nnte m.E. vielmehr der Schl\u00fcssel f\u00fcr ein realistischeres Bild von Gesellschaft liegen. Wenn wir mit Kultur ganz grob so etwas beschreiben wie die Summe aller Lebenswelten an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. Denn gerade in der Gestaltung ihrer pers\u00f6nlichen Lebenswelten lassen sich Menschen auch heute noch politisch ansprechen. Und zwar individuell, bei konkreten Problemen und zu bestimmten Zeiten und nicht als Stadtb\u00fcrgerin oder Prolet in geschichtlich entbundener Subjektform.<\/p>\n<p>Und andererseits ist auch auf anderen Ebenen der Theorie die Kultur sozusagen unerl\u00e4\u00dflich. Ohne die Erkenntnisse \u00fcber kulturelle Konstruktionen von Geschlecht beispielsweise, kann und darf auch ein Anarchismus heute nicht auskommen. So l\u00e4\u00dft doch der Blick auf die Konstruiertheit der Geschlechter f\u00fcr eins der \u00e4ltesten und sicherlich auch der gr\u00fcndlichsten Herrschaftsverh\u00e4ltnisse potentiell ganz neue Perspektiven auftauchen. Weil, ganz einfach, was konstruiert auch ver\u00e4nderbar ist. Und hat nicht zuletzt deshalb eigentlich der von beiden zuvorgenannten Anarcho-Schulen so gerne ausgelassene Anarchafeminismus mindestens den gleichen Anspruch auf die libert\u00e4re Konsequenz-Plakette? (Dar\u00fcber hinaus ist die gender-Debatte, im Gegensatz zu Syndikalismus und Kommunalismus, geradezu brandaktuell&#8230;).<\/p>\n<h3>Konstruktion vs. Heimat<\/h3>\n<p>Mit dem Stichwort Konstruktion l\u00e4\u00dft sich noch ein wenig weiter porkeln in den theoretischen Grundlagen des Libert\u00e4ren Kommunalismus. Das Aufsuchen von Theoriedefiziten geschieht nat\u00fcrlich am besten beim Meister selbst. In seinem letzten Buch &#8218;Die Agonie der Stadt&#8216; (Grafenau 1996) gibt es dann auch einige Aussagen, die das prinzipiell l\u00f6bliche Unterfangen in ein theoretisch schummriges Licht r\u00fccken.<\/p>\n<p>Die bereits erw\u00e4hnte, emanzipatorische Kritik am Politikbegriff zum Beispiel w\u00e4chst auf recht zweifelhaftem Boden. Bookchin schreibt: &#8218;Jeder Versuch, wieder eine authentische Politik zu schaffen und nicht nur ein weiteres Instrument der Staatsraison, setzt eine Erneuerung des Gemeinwesens selbst voraus; Politik ist gleichbedeutend mit der Erneuerung des Gemeinsinns und der Erziehung der Menschen zu B\u00fcrgern. Eine solche Politik weist gleichsam ein zellulares Wachstum auf, einen Proze\u00df organischer Vervielf\u00e4ltigung und Differenzierung gleich der eines Embryos im Mutterleib. Das Wort `Politik&#8216; w\u00fcrde geradezu entweiht, wenn man die Politik nur `konstruieren&#8216; wollte, so wie man einen Automotor aus Zylinderblock, Kolben, Z\u00fcndkerzen und dergleichen zusammensetzt (&#8230;)&#8216;. Er formuliert damit den Anarchismus als Substanzialismus, d.h. als eine Idee, die irgendwie organisch eingebettet sei. Diese Behauptung fu\u00dft auf dem plumpen Mi\u00dfverst\u00e4ndnis, das Bookchin mit einem Teil der von ihm geschm\u00e4hten Linken teilt. Dieses Mi\u00dfverst\u00e4ndnis beinhaltet zuallererst den Glauben, alles was als konstruiert bezeichnet w\u00fcrde, sei nicht wirklich da, nicht echt oder authentisch. Und dar\u00fcber hinaus transportiert es die Vorstellung, nur auf verwurzeltem, materiell eindeutigem Grund lie\u00dfe sich Politik betreiben. \u00dcber die materielle Grundlage, und inwieweit diese nicht selbst immer auch Ergebnis eines Konstruktionsprozesses ist, darf dabei nicht mehr nachgedacht werden.<\/p>\n<p>Bei Bookchin f\u00fchrt dieses Denkverbot ziemlich direkt in die Verwurzelung seiner Ideen in den Bereich nationaler Geschichte. Denn wie andere B\u00fcrgerrechtlerInnen hat auch Bookchin einen Traum, und der klingt verdammt us- amerikanisch: &#8218;Wie die Europ\u00e4er m\u00fcssen auch die Amerikaner ein ganzes Wiedervereinigen, das sie bisher nur in Teilen kannten: ihre Geschichte, die von der menschlichen Freiheit handelt, nicht nur von der Freiheit des Eigentums, des Handels oder des egoistisch verfolgten Besitzstrebens. Generationenlang konnte das amerikanische Volk die Stimme der gesellschaftlichen Erneuerung nur in fremden Sprachen vernehmen, deren \u00dcberlieferung und &#8218;Ismen&#8216; ihnen unverst\u00e4ndlich bleiben mu\u00dften (Marx auf deutsch, Lenin auf russisch, Mao auf chinesisch, Ho Chi Minh auf vietnamesisch)&#8216;. Zwar wehrt sich Bookchin im Anhang des Biehl-Buches gegen den Vorwurf des US-Chauvinismus, der ihm wegen dieser Passagen bereits gemacht wurde, vermag sie aber nicht wirklich zu entkr\u00e4ften. Die Staatsfeindschaft scheint vor nationalen Denkmustern nicht zu sch\u00fctzen. Denn wenn er die Grundlagen einer kommunalistischen Bewegung beschreibt, zeigt sich, da\u00df er auch meint, was er sagt. &#8218;Die Bewegung mu\u00df mehr aufweisen als blo\u00dfes Sendungsbewu\u00dftsein &#8211; sie mu\u00df ein `Heimatgef\u00fchl&#8216; vermitteln k\u00f6nnen. Den meisten progressiven Bewegungen geht n\u00e4mlich jedes Traditionsbewu\u00dftsein ab, jede Verwurzelung in dem, was Amerikaner lieb und teuer ist und was sich in den besten \u00dcberlieferungen ihrer Vergangenheit ausdr\u00fcckt&#8216;. Nun ist Heimat zwar noch nicht per se Nation. Aber dann schon, wenn Bookchin die im freiheitlichen und antinationalistischen Kontext entwickelten Werte bzw. Konzepte Dezentralismus, F\u00f6deralismus und Individualismus &#8218;dem kreativen amerikanischen Erbe&#8216; zurechnet. Es st\u00f6rt vor allem die universelle G\u00fcltigkeit, die Bookchin beansprucht. Was z.B. den Deutschen an ihren Traditionen lieb und teuer ist, hat mit Anarchismus oder Linkssein nicht das geringste zu tun. Es gibt also durchaus gute Gr\u00fcnde f\u00fcr die Skepsis gegen\u00fcber Traditionen und deren Identit\u00e4tsstiftung. Es zeugt schon von ideologisch motivierter Blau\u00e4ugigkeit, \u00fcber die Kehrseite der gepriesenen Kreativit\u00e4t hinwegzusehen. Immerhin konnten die Griechen der polis nur durch Sklavenhaltung und Kriegswirtschaft ihre Elitendemokratie abhalten, die kreativen Neuengl\u00e4nder lie\u00dfen ihre Frauen kochen und gingen nach der B\u00fcrgerversammlung auf Indianerjagd. Nur auf Kosten anderer konnten jene Werte im nationalen Rahmen verwirklicht werden. Nat\u00fcrlich wei\u00df auch Bookchin um all das. Deshalb sagt er in besagtem Interview auch ganz klar, da\u00df es nirgends wirkliche Vorbilder f\u00fcr den Libert\u00e4ren Kommunalismus gegeben habe. Als blo\u00dfe Behauptung wirkt das mehr wie ein R\u00fcckzieher denn als Konsequenz aus der Kritik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es um Libert\u00e4ren Kommunalismus geht, wird aus den Reihen des spanischen Anarchosyndikalismus hart geurteilt. \u00dcber die erste Konferenz, die vergangenen Sommer in Lissabon zum Thema stattfand, hei\u00dft es in einem offenen Brief: &#8218;es handelt sich eindeutig um ein reformistisches Man\u00f6ver unter dem Vorwand, die Kr\u00e4fte des militanten Anarchismus in die politische Kollaboration umzuleiten&#8216; (Asociacion &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1999\/02\/der-citoyen-als-protoanarchist\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Der citoyen als Protoanarchist - graswurzelrevolution","description":"Wenn es um Libert\u00e4ren Kommunalismus geht, wird aus den Reihen des spanischen Anarchosyndikalismus hart geurteilt. \u00dcber die erste Konferenz, die vergangenen Somm"},"footnotes":""},"categories":[161,1042],"tags":[],"class_list":["post-2462","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-236-februar-1999","category-ohne-chef-und-staat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2462","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2462"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2462\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2462"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2462"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2462"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}