{"id":25317,"date":"2021-06-21T12:36:06","date_gmt":"2021-06-21T10:36:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/06\/tapetenwechsel\/"},"modified":"2022-01-12T19:47:26","modified_gmt":"2022-01-12T17:47:26","slug":"tapetenwechsel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/06\/tapetenwechsel\/","title":{"rendered":"Tapetenwechsel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Leser*innen,<br \/>\nTapetenwechsel ist das Motto unserer diesj\u00e4hrigen Sommerausgabe. Auch Anarchist*innen brauchen einmal Urlaub, und nach einem halben Jahr Lockdown und f\u00fcnf Ausgaben der Graswurzelrevolution, die wir seit Jahresbeginn herausgebracht haben, gilt das auch f\u00fcr diese Redaktion. F\u00fcr Euch haben wir in dieser Ausgabe u.a. ein paar Artikel zu alternativen Urlaubsm\u00f6glichkeiten zusammengestellt.<br \/>\nZwischen Naturidyll und Neofaschismus bewegen sich die Schwarz-Roten Bergsteiger_innen in der s\u00e4chsischen Schweiz. Die AG der Freien Arbeiter*innen Union Dresden organisiert gewerkschaftliche und antifaschistische Aktivit\u00e4ten, betreut Bergh\u00fctten und l\u00e4sst politische Aktivist*innen und Gewerkschaftsmitglieder dort gegen Spende Urlaub oder Klausur machen. Ger\u00fcchteweise vermindert das laute Singen revolution\u00e4rer Lieder bei der Wanderung den Unkostenbeitrag. Extremistisch wie wir sind, springen wir danach aus den ostdeutschen Bergen an die K\u00fcste der Nord- und Ostsee. In L\u00fcbeck finden wir das schickSAAL* und bei Wismar liegt der Olgashof. Das schickSAAL* ist ein libert\u00e4res Hostel und der Olgashof eine Kommune mit G\u00e4stehaus und Segelschiff. In beiden Projekten wird gemeinsam mit den Besucher*innen versucht, wenn schon nicht ein richtiges, so doch ein anderes, besseres Leben im falschen zu f\u00fchren. \u201eAndere Orte\u201c werden auch der Schwerpunkt der Septemberausgabe der Graswurzelrevolution sein. Dort wollen wir uns \u00fcber die Zukunft Gedanken machen. Falls ihr Lust habt, den Sommer \u00fcber etwas \u00fcber Utopie und Dystopie zu schreiben, meldet Euch bitte bei uns! Redaktionsschluss ist der 2. August.<br \/>\nTapetenwechsel auch bei der Graswurzelrevolution. Der\/die aufmerksame Leser*in hat im Fr\u00fchjahr vielleicht unsere Stellenanzeige \u201eGraswurzelredaktion sucht Redakteur*in\u201c bemerkt. Mittlerweile haben wir eine Nachfolgerin gefunden. Sie wird ab August bei uns einsteigen. Herzlich willkommen und auf gute Zusammenarbeit!<br \/>\nIm Herbst d\u00fcrfen wir dann w\u00e4hlen, was f\u00fcr eine Farbe unsere Bundestapete bekommt. Aus diesem Anlass enth\u00e4lt diese Ausgabe einige Artikel, die sich mit der Kritik der parlamentarischen Demokratie befassen. In seinem Beitrag \u201eSackgasse Klimaliste\u201c warnt Lou Marin die Klimabewegung vor dem parlamentarischen Irrweg, den die Gr\u00fcnen vor 40 Jahren beschritten haben. Mittlerweile machen sie sich zwar Hoffnung auf das Kanzleramt, aber ob die Ma\u00dfnahmen, die ihnen zum Klimaschutz vorschweben, ausreichen, um die Erderw\u00e4rmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, darf bezweifelt werden. Sicher ist, an einen grunds\u00e4tzlichen Wandel denken sie nicht mehr. Wer heute glaubt, \u00fcber Klimalisten radikale Ver\u00e4nderungen erreichen zu k\u00f6nnen, muss sich fragen lassen, was ihn oder sie von den Aktivist*innen, die seinerzeit die Gr\u00fcnen gegr\u00fcndet haben, unterscheidet und warum er oder sie nicht denselben Weg gehen wird. Ganz abgesehen davon, dass der Klimawandel nicht 40 Jahre wartet. Wiederholt nicht die alten Fehler!<br \/>\nDer Artikel \u201eAnarchistischer Antiparlamentarismus und Transformation der Demokratie\u201c vertieft die Kritik am Parlamentarismus und arbeitet den Unterschied zwischen anarchistischer und rechter Parlamentskritik heraus. Nun f\u00e4llt es leicht, die Unzul\u00e4nglichkeiten eines bestehenden Systems zu kritisieren. Eine Paradedisziplin sowohl von Linken als auch von Anarchist*innen. Schwieriger ist es, eine konkrete Alternative auszudenken, wie sich Millionen Menschen herrschaftsfrei organisieren k\u00f6nnen. Als Aufschlag zu diesem Thema ver\u00f6ffentlichen wir in dieser Ausgabe die \u00dcberlegungen Manfred Norwats \u00fcber die \u201epartizipative Demokratie\u201c.<br \/>\nWechseln wir nun nicht die Tapete, sondern das Thema. Neben dem Anarchismus ist die Gewaltfreiheit ein Grundpfeiler der Graswurzelrevolution. Wir kritisieren deshalb sowohl nationale Befreiungsbewegungen und andere Akteure, die Gewalt zur Erreichung politischer Ziele anwenden, als auch die Gewaltmittel des Staates im Inneren und nach au\u00dfen \u2013 Polizei, Justiz und Milit\u00e4r.<br \/>\nDie Gewalt nach innen kann sich auch gegen die Pressefreiheit wenden. So wird die Tageszeitung \u201ejunge Welt\u201c von einer Beh\u00f6rde, deren ehemaliger Pr\u00e4sident aufgrund ausgesprochener Rechtslastigkeit Kandidat f\u00fcr ein Parteiausschlussverfahren der CDU ist, als \u201elinksextremistisch\u201c und daher verfassungsfeindlich dargestellt. Auch die Graswurzelrevolution wurde seit ihrer Gr\u00fcndung 1972 vom Verfassungsschutz mehrfach als \u201everfassungsfeindlich\u201c eingestuft. <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/05\/solidaritaetserklaerung-mit-der-durch-den-verfassungsschutz-verfolgten-tageszeitung-junge-welt\/\">Wir solidarisieren uns mit der marxistischen Tageszeitung \u201ejunge Welt\u201c.\u00a0<\/a><br \/>\nDamit keine Unklarheiten entstehen: Ja, wir w\u00fcnschen uns einen grundlegenden Wandel der Gesellschaft. Nennen wir ihn ruhig Revolution. Eine Ver\u00e4nderung sowohl der Art und Weise, wie politische Entscheidungen getroffen werden, des Wirtschaftssystems, des Verh\u00e4ltnisses zwischen M\u00e4nnern und Frauen, eine Enteignung des einen zugunsten der neunundneunzig Prozent, die Abschaffung des Milit\u00e4rs und noch eine ganze Reihe anderer Sachen. Aber wir wollen diese Ver\u00e4nderung nur gewaltfrei, mit Willen und aktiver Beteiligung des Gro\u00dfteils der Bev\u00f6lkerung durchf\u00fchren. Und was k\u00f6nnte demokratischer sein? Dem Verfassungsschutz in die Abh\u00f6rprotokolle geschrieben: \u201eDieses Grundgesetz [\u2026] verliert seine G\u00fcltigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.\u201c Artikel 146 GG. Warum darf diese Verfassung nicht freiheitlich, sozialistisch sein?<br \/>\nNach au\u00dfen wird die staatliche Gewalt vornehmlich durch das Milit\u00e4r ausge\u00fcbt. In der Kritik der unfriedlichen deutschen Au\u00dfenpolitik sind wir uns mit anderen antimilitaristischen und pazifistischen Gruppen einig. Daher haben wir gerne an einem Online-Treffen verschiedener Friedenszeitschriften teilgenommen, das die DFG-VK im Mai dieses Jahres organisiert hat. Vertreten waren neben der Graswurzelrevolution die Zivilcourage, das IPPNW-Forum, das Friedensforum und die Zeitschrift Wissenschaft und Frieden. Nach der Vorstellung der einzelnen Zeitungen und ihrer Schwerpunkte haben wir \u00fcber unsere Arbeitsabl\u00e4ufe und m\u00f6gliche Kooperationen gesprochen. Ein zweites Treffen ist f\u00fcr September geplant.<br \/>\nWir hoffen, Euch gef\u00e4llt das bunte Spektrum an Artikeln, das wir in dieser Sommerausgabe zusammengetragen haben. Besonderer Dank geb\u00fchrt unseren Autor*innen und dem Layouter. Weil wir aber auch die unsichtbare Arbeit sch\u00e4tzen, danken wir an dieser Stelle ebenso der Verwaltung der GWR mit Finanzen, Abo und Vertrieb, unserer Druckerei und denjenigen, die uns mit Lektorat und \u00dcbersetzungen unterst\u00fctzt haben \u2013 und nat\u00fcrlich uns selbst.<\/p>\n<p>GWR-Redaktion<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leser*innen, Tapetenwechsel ist das Motto unserer diesj\u00e4hrigen Sommerausgabe. Auch Anarchist*innen brauchen einmal Urlaub, und nach einem halben Jahr Lockdown und f\u00fcnf Ausgaben der Graswurzelrevolution, die wir seit Jahresbeginn herausgebracht haben, gilt das auch f\u00fcr diese Redaktion. F\u00fcr Euch haben wir in dieser Ausgabe u.a. ein paar Artikel zu alternativen Urlaubsm\u00f6glichkeiten zusammengestellt. 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