{"id":25328,"date":"2021-06-21T12:36:55","date_gmt":"2021-06-21T10:36:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/06\/kultur-ist-arbeit\/"},"modified":"2021-08-03T23:23:09","modified_gmt":"2021-08-03T21:23:09","slug":"kultur-ist-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/06\/kultur-ist-arbeit\/","title":{"rendered":"Kultur ist Arbeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die einmal moderne Theorie richtig w\u00e4re, wonach es sich bei der Kultur um ein Zeichensystem, um einen \u201eText\u201c handeln w\u00fcrde, dann h\u00e4tte die Pandemie ihr nur wenig anhaben k\u00f6nnen: Zeichen erkranken nicht und sind auch nicht ansteckend. Tats\u00e4chlich aber gibt es nur Kultur, wo Menschen aktiv sind. Und damit wird es schwierig, nicht nur in Schulen. Zwar konnten sich im Lockdown elektronische Massenmedien, Streamingdienste und die sogenannten sozialen Netzwerke einer gro\u00dfen Nachfrage erfreuen, doch Theater und Kinos, Bibliotheken und Bildungszentren, Museen, Gedenkst\u00e4tten, Konzerts\u00e4le blieben geschlossen. Schon vor den Schlie\u00dfungen waren die Reiseeinschr\u00e4nkungen an den sinkenden Besucher*innen-Zahlen sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was auf der einen Seite ein Verlust an Erfahrungen und Zerstreuungen, an Unterhaltung und neuen Perspektiven darstellt, ist auf der anderen Seite der Ausfall der Erwerbst\u00e4tigkeit. In den Medien macht es sich dann gut, wenn bekannte K\u00fcnstler*innen und \u201eKreative\u201c in den Mittelpunkt gestellt werden: Prominenz ist prominent. Doch manche Museen stellen keine Skulpturen, Gem\u00e4lde oder Installationen aus, sondern behandeln die Natur- oder Industriegeschichte. Selbst wenn sie Kunst zeigen, dann sind die Kuratorinnen oder Kuratoren der Ausstellungen immer noch keine anerkannten K\u00fcnstler, h\u00f6chstens \u00dcberlebensk\u00fcnstler. Leider wird nicht alle Kreativit\u00e4t auch von der K\u00fcnstlersozialkasse anerkannt. Kultur ist mehr als Kunst. Und es braucht zur Kunst au\u00dfer K\u00fcnstler*innen noch Beleuchter, Tontechniker oder Kameraleute genauso wie die outgesourcten Kolleginnen und Kollegen aus dem Reinigungsgewerbe und dem Wachschutz.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Probleme vor Corona: Ein Offener Brief<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Menschen eine Ausstellung besuchen, dann gehen sie davon aus, dass die Leute, die dort arbeiten, auch dort angestellt sind. Das ist in der Regel nicht der Fall. Anfang M\u00e4rz 2019 trafen sich in Berlin einige Kolleginnen und Kollegen, die mit den Arbeitsbedingungen in den Museen und Ausstellungen der Hauptstadt unzufrieden waren. Sie kamen aus verschiedenen Bereichen, die sonst eher getrennt betrachtet werden: Freie und Angestellte, Servicekr\u00e4fte und Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, Kurator*innen und Bildungsreferent*innen, Leute aus NS-Gedenkst\u00e4tten und DDR-Gedenkst\u00e4tten und Museen aller Art, Ost und West und l\u00e4nder\u00fcbergreifend. Gemeinsam hatten sie, dass sie in Museen und Gedenkst\u00e4tten arbeiten und dass ohne diese Arbeit die Einrichtungen nicht funktionieren w\u00fcrden \u2013 auch wenn die Ausgaben f\u00fcr viele im Haushalt nicht als Personalmittel, sondern als Sachmittel verbucht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige Aktive hatten Erfahrungen aus gewerkschaftlicher Arbeit in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) oder der <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/04\/unruhe-im-koenig-reich\/\">Freien Arbeiter*innen Union<\/a> (FAU). Wobei in ver.di organisierte Kolleg*innen auf mindestens vier verschiedene Fachbereiche verteilt sind: Bildung, Wissenschaft und Forschung \/ Besondere Dienstleistungen \/ Bund und L\u00e4nder \/ Medien, Kunst und Industrie. Die Zuordnung ist \u00f6fter ziemlich willk\u00fcrlich, weil alle im Laufe der Zeit an verschiedenen Stellen in verschiedenen Jobs t\u00e4tig sind. Erfahrungen mit Konflikten auf Arbeit hatten alle. Nach einigen Diskussionen hatte das Netzwerk einen Namen: \u201eGeschichte wird gemacht\u201c. Im Ergebnis der langen Gespr\u00e4che \u00fcber die Lage am Arbeitsplatz blieb die unvermeidliche Frage \u00fcbrig: Was tun? Ein Offener Brief formulierte die gemeinsame Einsch\u00e4tzung der Situation:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>Viele Bereiche der notwendigen Dienstleistungen \u2013 von der Besucherbetreuung \u00fcber die Reinigung bis zum Wachschutz \u2013 sind schon vor Jahren outgesourct worden und unterliegen bei jeder Neuausschreibung einem neuen Kostendruck und neuer Unsicherheit. Das Wissen dieser Kolleginnen und Kollegen um die Bedingungen vor Ort wird gering gesch\u00e4tzt. Die Einkommen liegen h\u00e4ufig nur knapp \u00fcber den gesetzlichen Mindestentgeltvorschriften.<br \/>\n<\/em><em>Damit Erinnerungsorte und Geschichtsmuseen als Lernorte wirksam sein k\u00f6nnen, m\u00fcssen zun\u00e4chst Inhalte und Vermittlungsformate erarbeitet werden. P\u00e4dagogische und museumsfachliche Angestellte sind aber oft zu niedrig eingestuft und daher schlecht bezahlt. Regelaufgaben der Ausstellungsarbeit werden regelm\u00e4\u00dfig aus Drittmitteln oder Sonderprogrammen befristet finanziert. Auch diese befristet angestellten Kolleg*innen werden f\u00fcr einfach austauschbar gehalten. Tats\u00e4chlich m\u00fcssen sie kurzfristig zwischen Arbeitslosigkeit, Selbst\u00e4ndigkeit und verschiedenen Jobs wechseln. (&#8230;)<\/em><br \/>\n<em>Viele Referent*innen und ein Teil des wissenschaftlichen Personals sind auf Basis von Werk- oder Honorarvertr\u00e4gen f\u00fcr ein geringes Entgelt t\u00e4tig. Soziale Absicherung sowie M\u00f6glichkeiten der betrieblichen Mitbestimmung und der Einflussnahme auf die langfristige Programmgestaltung werden ihnen verwehrt. In verschiedenen Einrichtungen sollen sie jederzeit verf\u00fcgbar sein. Die Vorbereitung von Angeboten und zuweilen auch von Konzepten m\u00fcssen sie au\u00dferhalb der bezahlten Honorart\u00e4tigkeit selbst organisieren. Die in oft jahrelanger T\u00e4tigkeit erworbene Qualifikation wird nicht anerkannt, sondern vorausgesetzt. Als Freiberufler*innen m\u00fcssen sie mit dem Unverst\u00e4ndnis der Verwaltungen und Beh\u00f6rden fu\u0308r ihren Status umgehen. In Sozialversicherungs- und Steuerfragen sind sie mit Regelungen konfrontiert, die f\u00fcr ihren Status gar nicht gemacht wurden. Die Honorarh\u00f6hen spiegeln weder die Anforderungen an die Arbeit noch die sozialen und wirtschaftlichen Risiken. (\u2026)<\/em><br \/>\n<em>Wir brauchen Arbeitsbedingungen, die uns auf Basis der Anerkennung unserer fachlichen Leistungen eine sichere Existenz erm\u00f6glichen. Grundlagen hierf\u00fcr sind eine ad\u00e4quate Bezahlung, soziale Absicherung und die M\u00f6glichkeit der Mitbestimmung in Form von Interessenvertretungen. (1)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf diese Beschreibung folgte eine detaillierte Liste von Forderungen f\u00fcr die verschiedenen Bereiche und Statusgruppen. Der Offene Brief sollten den Kulturminister*innen in Berlin und Brandenburg sowie der Bundesbeauftragten f\u00fcr Kultur und Medien \u00fcbergeben werden \u2013 allerdings erst, wenn mindesten 100 Kolleginnen und Kollegen bereit waren, ihn namentlich zu unterzeichnen. Die Zielmarke ergab sich nicht nur aus dem Wunsch nach \u00f6ffentlicher Wirkung, sondern auch aus der \u00dcberlegung, dass ein gewisser Schutz gegen\u00fcber unzufriedenen Chefs und Auftraggeber*innen n\u00f6tig sein w\u00fcrde.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Kultur ist mehr als Kunst. Und es braucht zur Kunst au\u00dfer K\u00fcnstler*innen noch Beleuchter, Tontechniker oder Kameraleute genauso wie die outgesourcten Kolleginnen und Kollegen aus dem Reinigungsgewerbe und dem Wachschutz.<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der \u00dcbergabe des Briefes am 21. Januar 2020 zeigten sich die Vertreter*innen der Adressat*innen demonstrativ wohlwollend gegen\u00fcber den ge\u00e4u\u00dferten Anliegen, aber auch etwas unwillig \u00fcber die gew\u00e4hlte konfrontative Art der Kontaktaufnahme: Ein Offener Brief \u00f6ffentlich \u00fcbergeben, das \u201eh\u00e4tte doch nicht sein m\u00fcssen\u201c, man k\u00f6nne doch \u201e\u00fcber alles reden\u201c. Bis dahin hatten 220 Leute unterschrieben, vor allem aus Berlin und Brandenburg. An einigen Arbeitsstellen gab es dann die Frage, ob der Offene Brief etwa als Kritik an den Museen und Gedenkst\u00e4tten, personifiziert durch die Leitungen, zu verstehen sei \u2013 wobei auf die angestellten Kolleginnen und Kollegen mehr Druck ausge\u00fcbt wurde, als auf die freischwebenden Freien. Dennoch hat niemand seine Unterschrift zur\u00fcckgezogen. Im Laufe der Zeit kamen immer wieder Unterst\u00fctzer*innen dazu, von Bayern bis Bremen. Heute sind es gut 400.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Von Lockdown zu Lockdown<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>\u201eIch bin gesund, aber meine Auftr\u00e4ge sind zu 100% weggebrochen.\u201c<\/em><br \/>\n<em>\u201eJa, ich habe eine halbe Stelle (befristet), mit der ich meine Basics zahlen kann, brauche aber Einkommen als Freiberufler. Das f\u00e4llt nahezu komplett weg.\u201c (Wortmeldungen aus einer Umfrage)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bevor die erste Runde von Gespr\u00e4chen mit den Verantwortlichen absolviert war, begann Mitte M\u00e4rz 2020 der erste Lockdown. Zwei rasch organisierte Umfragen im Netzwerk zeigten, wie wenig von den vermeintlichen Hilfsprogrammen bei den Betroffenen ankam:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>Trotz aller positiven Ger\u00fcchte gilt bisher f\u00fcr die meisten betroffenen Angestellten \u2013 in der Regel Kolleg*innen im Servicebereich \u2013 die jeweilige Kurzarbeiterregelung, d.h. 60 Prozent (bzw. 67 Prozent bei Eltern). 67 Prozent von 1.800 Euro sind noch 1.200 Euro. Weitergehende Regelungen sind in der Diskussion, aber nicht beschlossen.<br \/>\n<\/em><em>Es wird \u00fcber umfangreiche Kredithilfen gesprochen \u2013 an denen dann aber auch entsprechende R\u00fcckzahlungsverpflichtungen h\u00e4ngen. F\u00fcr Freiberufler bleibt am Ende nur die Grundsicherung f\u00fcr Selbst\u00e4ndige (Berliner Senat, verdi) \u2013 auch wenn unklar ist, wie z.B. Studierende mit diesem Vorschlag umgehen sollen. Es gibt durchaus Kritik: Bei Simone Barrientos von der LINKEN, Sven Lehmann von den Gr\u00fcnen wie auch aus der Berliner CDU : \u201eEs bringt nichts, Honorar- und Zuwendungsempf\u00e4nger reihenweise in die Jobcenter zu treiben. Der unsichere Zustand muss so schnell wie m\u00f6glich beendet werden. Die notwendigen Gelder sind im Haushalt von Berlin und seiner Bezirke vorhanden, d\u00fcrfen aber nicht ausgezahlt werden. Die Krise fordert rasches und b\u00fcrgernahes Handeln.\u201c (Cornelia Flader, Bezirksstadtr\u00e4tin Treptow-K\u00f6penick). Tats\u00e4chlich sind in den Etats von Bezirks\u00e4mtern, Museen und Gedenkst\u00e4tten z.B. die Gelder f\u00fcr Honorarkr\u00e4fte eingestellt \u2013 sie m\u00fcssten nur sinnvoll freigegeben werden. (2)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So hart der erste Einschnitt aber auch war, nach 3 Monaten versuchten die Kultureinrichtungen im Sommer 2020 wieder zu einer Art Normalbetrieb zur\u00fcckzukehren, nur jetzt mit Masken und Hygienekonzepten. In dieser Atempause plante das Netzwerk f\u00fcr den Herbst ein Arbeitstreffen, um die n\u00e4chsten Schritte gemeinsam zu diskutieren. Als der Termin ((Anfang Oktober heran war, standen die meisten Auftraggeber schon wieder vor der n\u00e4chsten Schlie\u00dfung. Durch die Diskussionen zog sich das Balancieren zwischen grundlegender Unsicherheit und aktuellen Bef\u00fcrchtungen. Dabei gelang der Auftakt zu einer bundesweiten Vernetzung. (3)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im zweiten Lockdown gab es endlich auch Bundesmittel f\u00fcr den Lebensunterhalt von Soloselbst\u00e4ndigen. Werk- und Honorarvertr\u00e4ge, Online-Formate, Ausfallhonorare \u2013 was w\u00e4hrend des ersten Lockdowns noch die Ausnahme war, wurde langsam zur Regel. Zumindest f\u00fcr diejenigen, die noch auf dem Radar erschienen. Das waren nicht mehr alle. Die Hoffnung fehlt, dass es auch wieder weitergeht. Viele haben das Arbeitsfeld Kultur verlassen, denn die Botschaft ist klar: Ihr werdet nicht gebraucht. Ein Jahr nach der \u00dcbergabe des Offenen Briefes fiel ein vorl\u00e4ufiges Res\u00fcmee der Initiative skeptisch aus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Verbesserungen haben wir nicht erreicht, aber wir wurden geh\u00f6rt. Dann kam <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/05\/eine-andere-wirtschaft-nach-corona\/\">Corona<\/a> und tats\u00e4chlich hat kaum eine Politikerin oder Politiker vergessen, auf die schwere Lage insbesondere der Soloselbst\u00e4ndigen hinzuweisen. So weit, so gut. Oder auch nicht. Die Vorstellung, dass dieses Land doch mit HartzIV ein ausreichendes soziales Netz hat, ist auch nach einem Jahr der Stornierungen und Einschr\u00e4nkungen nicht wirklich gebrochen. Die verschiedenen Nothilfen sind genau das: zeitweilige Notbehelfe.<br \/>\nDie sogenannten \u00dcberbr\u00fcckungshilfen sind genau das nicht, was der Name verspricht: das andere Ufer ist noch nicht in Sicht. So werden die Kolleginnen und Kollegen eben doch auf das Jobcenter verwiesen. Eher aus Gr\u00fcnden einer gutb\u00fcrgerlichen Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr Selbst\u00e4ndige und Kultur im Allgemeinen ist die Kritik daran noch nicht ganz verstummt. Was dann tats\u00e4chlich bei der Antragstellung passiert, welche Unterlagen n\u00f6tig sind und wie lange es auch hier dauert, das bleibt im Dunkeln. Ebenso bleibt im Dunkeln, wie wir uns auf verschiedenen Wegen still und leise durchwursteln, unsere Reserven pl\u00fcndern und hoffnungsfroh oder besorgt auf die Zahlungsf\u00e4higkeit unserer Mitbewohner schauen. (4)<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Basis und \u00dcberbau<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Dezember 2020 bezog der Landesmuseumsbund Berlin deutlich Position:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>In der Pandemie zeigen sich einige strukturelle Probleme wie unter dem Brennglas:<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>Die d\u00fcnnen Personaldecken \u2013 insbesondere im Bereich der Bildung und Vermittlung \u2013 machen die Bew\u00e4ltigung des zus\u00e4tzlichen Aufwands f\u00fcr viele Museen zum Kraftakt. Neben dem hohen Innovationsbedarf m\u00fcssen die Museen mit der fehlenden Planungssicherheit umgehen. Es darf nicht zu Personalk\u00fcrzungen kommen; Kurzarbeit ist keine L\u00f6sung<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>Die Digitalisierung erfordert einen umfassenden Transformationsprozess. In vielen Museen fehlt es neben projektunabh\u00e4ngigem Personal, das sich mit Zeit und Know-How dieser Aufgabe widmen kann, an einfachsten technischen Voraussetzungen. Digitale Kompetenzen m\u00fcssen erarbeitet, erprobt und weitervermittelt werden. Daf\u00fcr braucht es zielgerichtete und leichtzug\u00e4ngliche Fortbildungsangebote.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>Viele freie Mitarbeiter*innen und Soloselbst\u00e4ndige k\u00e4mpfen mit hohen Einnahmeverlusten. Es besteht die Gefahr, dass diese der musealen Bildungslandschaft langfristig verloren gehen \u2013 und mit ihnen wichtige Erfahrungen und Wissen \u00fcber Institutionen, Inhalte und Besucher*innen. Unter anderem Initiativen wie \u201eGeschichte wird gemacht\u201c wiesen bereits vor der Pandemie auf zahlreiche Probleme in der Zusammenarbeit zwischen Museen und freien Mitarbeiter*innen\/ Soloselbst\u00e4ndigen hin. Hier braucht es dringend nachhaltige L\u00f6sungen. (5)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch es ist fraglich, ob die Botschaft vernommen wird. Wenn nach der Pandemie Kulturpolitiker*innen wieder Ausstellungen er\u00f6ffnen, dann werden sie dort wieder nur von den Leitungen herumgef\u00fchrt werden: Sie kommen nicht als schlichte Besucher*innen, sondern als umworbene Ehreng\u00e4ste. Der Alltag, die Arbeit im Museum interessiert sie nur als Kostenpunkt in den Haushaltsberatungen. \u00dcber Jahre haben \u2013 von der Politik bef\u00f6rdert \u2013 ein <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/05\/woher-kommen-die-pakete\/\">Niedriglohnsektor<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/03\/gut-und-guenstig\/\">prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse<\/a> zugenommen. Dann zeigte sich, dass viele Leute nur sehr geringe private Reserven haben, um mit der Krise umzugehen. Auch in au\u00dferordentlichen Situationen zeigt sich der Normalzustand, nur in einem besonderem Licht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die einmal moderne Theorie richtig w\u00e4re, wonach es sich bei der Kultur um ein Zeichensystem, um einen \u201eText\u201c handeln w\u00fcrde, dann h\u00e4tte die Pandemie ihr nur wenig anhaben k\u00f6nnen: Zeichen erkranken nicht und sind auch nicht ansteckend. 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