{"id":25333,"date":"2021-06-21T12:37:08","date_gmt":"2021-06-21T10:37:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/06\/die-dynamik-der-macht-durchbrechen\/"},"modified":"2021-09-12T22:56:34","modified_gmt":"2021-09-12T20:56:34","slug":"die-dynamik-der-macht-durchbrechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/06\/die-dynamik-der-macht-durchbrechen\/","title":{"rendered":"Die Dynamik der Macht durchbrechen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>GWR: Nwe Oo, kannst du kurz ein paar Worte zu dir selber sagen und wie du in die Bewegung des Zivilen Ungehorsams (CDM) involviert warst, was deine Aktivit\u00e4ten in Myanmar waren und warum du das Land verlassen hast?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nwe Oo: Ich bin Sprachlehrerin und \u00dcbersetzerin und arbeite zudem als selbst\u00e4ndige Beraterin im Entwicklungsbereich und im Privatsektor. Dass ich im CDM aktiv geworden bin, hat unter anderem vermutlich mit meinem Alter zu tun, das mir mehr Selbstvertrauen gibt. Au\u00dferdem lebe ich nicht mehr zu Hause und habe daher die Freiheit, zu machen, was ich m\u00f6chte. Es hat aber auch mit dieser Zeit zu tun: Zuvor war ich nie Teil einer Widerstandsbewegung. 1988 ((1)), als ich ziemlich jung war, gab es Proteste und dann im Jahr 2007 die Saffron-Revolution.\u00a0((2)) Dazwischen gab es einen kleineren Aufstand\u00a0((3)) und dann 2014 einen gegen die \u201eEducation Bill\u201c\u00a0((4)).<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Wir sollten uns nicht grundlos so abgrundtief hassen. Die Anf\u00fchrer des Milit\u00e4rputsches benutzen uns f\u00fcr ihre Interessen. Die Soldaten m\u00fcssen das verstehen und auf unsere Seite wechseln. So k\u00f6nnen wir verhindern, dass wir uns gegenseitig umbringen.<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war in keinen davon involviert, weil ich nicht die Freiheit hatte, hinzugehen. Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, die gepr\u00e4gt war von Angst: Wenn du dich politisch engagierst, landest du f\u00fcr den Rest deines Lebens im Gef\u00e4ngnis oder wirst get\u00f6tet. Auch hatte ich geh\u00f6rt, auf welche Weise in den Gef\u00e4ngnissen gefoltert wurde. Also war mir Politik fremd und ich interessierte mich auch nicht daf\u00fcr. Aber dann kam 2011 diese Schein-Demokratie und wir hatten pl\u00f6tzlich mehr Freiheiten. Als jetzt der Tatmadaw-Milit\u00e4rputsch passierte, bekam ich wirklich Angst, dass wir zum vorherigen Zustand zur\u00fcckkehren w\u00fcrden. Also schloss ich mich den Protesten an. Als das Milit\u00e4r am 3. M\u00e4rz 2021 viele Demonstrierende t\u00f6tete, war ich am Punkt, wo ich wirklich etwas unternehmen wollte. Es gen\u00fcgte mir nicht mehr, nur an Demonstrationen teilzunehmen. Also begann ich finanzielle Mittel f\u00fcr den Widerstand zu beschaffen, um den zahlreichen Demonstrant*innen zu helfen, die schutzlos waren. Viele, die Verletzungen erlitten haben oder deren ganze Familien umgebracht wurden, sind sehr arm. Dort hat es f\u00fcr mich angefangen. Sp\u00e4ter bekam ich als \u00dcbersetzerin die Aufgabe, kritische Artikel zu \u00fcbersetzen. Oft funktionierte das Internet nicht und ich hatte das Gef\u00fchl, dass die ganze Zeit mitverfolgt wird, was ich mache. Ich war total verunsichert und konnte unter dieser st\u00e4ndigen Belastung nicht mehr gut arbeiten. Ich h\u00f6rte auch, dass viele Leute festgenommen worden waren, nur weil sie geholfen hatten, Spenden zu sammeln und an Demonstrierende zu verteilen. Das alles hat mir gro\u00dfe Angst gemacht und ich habe deshalb das Land verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Du hast immer noch Freunde und Familienmitglieder in Myanmar. Wie w\u00fcrdest du die aktuelle Situation im Land beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich spreche fast jeden Tag mit meinen Freund*innen. Alle stehen unter Druck, sind extrem angespannt und haben Angst um ihr Leben. K\u00fcrzlich wurde der Bruder einer meiner Freundinnen auf die Liste gesetzt. Nicht unter 505 aber auf die sogenannte \u201eBekanntheitsliste\u201c\u00a0((5)). Daraufhin ist die ganze Familie untergetaucht. Die Leute leben in st\u00e4ndiger Angst. Wenn wir sprechen, konzentrieren sie sich immer auf Ger\u00e4usche. Sie k\u00f6nnen auch verschiedene Waffen unterscheiden oder erkennen, ob es sich um Schockgranaten oder richtige Bomben handelt.((6)) Es ist traurig zu h\u00f6ren, dass wir anfangen, uns an dieses Chaos zu gew\u00f6hnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie w\u00fcrdest du aufgrund deiner Erfahrung die Entwicklung der letzten drei Monate seit dem Milit\u00e4rputsch am 1. Februar 2021 beschreiben? Die meiste Zeit warst du in Myanmar und bist erst vor kurzem geflohen. Was waren die gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Anfang war es ziemlich ruhig. Die Milit\u00e4rregierung wollte zeigen, dass sie im Umgang mit den Protesten internationale Standards einhalten w\u00fcrde. Aber sie hatten wohl auch nicht erwartet, dass der Aufstand ganz Myanmar erfassen w\u00fcrde. Sie dachten, sie w\u00fcrden das unter Kontrolle bringen, wie 2014 die \u201eEducation Bill\u201c-Proteste oder die Saffron-Revolution. Aber dieses Mal hatten sie den Fehler gemacht, uns Freiheit kosten zu lassen und nun konnten wir nicht mehr zur\u00fcck. Wir wollten nicht von neuem leiden und Folter ausgesetzt sein. Je mehr sie begriffen haben, dass sie die Menge nicht kontrollieren konnten, umso schlimmer ist es geworden und inzwischen ist es furchtbar. Sie verhaften Leute, nehmen Geiseln und t\u00f6ten auf eine Art und Weise, die wir nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tten. Wir konnten nicht glauben, was da passierte. Wenn bestimmte ethnische Gruppen sagten, dass das Milit\u00e4r seit 70 Jahren so vorgeht, haben wir es nicht geglaubt. Wie k\u00f6nnen Menschen so etwas tun?<br \/>\nEs eskaliert so schnell. Inzwischen haben einige bewaffnete ethnische Gruppen (EAOs) angefangen zu k\u00e4mpfen und das Milit\u00e4r hat deshalb in der Stadt nicht mehr die volle Armeest\u00e4rke zur Verf\u00fcgung. Sie sind geschw\u00e4cht durch den Druck von beiden Seiten und wir d\u00fcrfen jetzt nicht verstummen, uns zur\u00fccklehnen und entspannen. Das Tatmadaw k\u00e4mpft weiter, indem es Leute verhaftet und so versucht, uns einzusch\u00fcchtern. Und wir, die Zivilbev\u00f6lkerung, wir haben Angst, d\u00fcrfen uns aber nicht von ihnen abschrecken lassen. So geht es hin und her und findet kein Ende. Aber wenn wir jetzt aufgeben, geht es ganz zur\u00fcck in eine totalit\u00e4re Milit\u00e4rdiktatur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Du hast sehr gut beschrieben, wie das Milit\u00e4r immer skrupelloser, unmenschlicher und brutaler wird und versucht, die Angst zu sch\u00fcren und wie sich die Leute nicht unterdr\u00fccken lassen wollen und zur\u00fcckschlagen. Wie denkst du, wird sich die Situation entwickeln?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist schwierig abzusch\u00e4tzen, weil es im Moment eine falsche Hoffnung auf die Internationale Schutzverantwortung (R2P)\u00a0((7)) und die Unterst\u00fctzung durch internationale Organisationen gibt. Nat\u00fcrlich wollen die Leute sich nicht Gewalt aussetzen. Also bitten wir um Hilfe bei der internationalen Gemeinschaft, damit das Leben ruhiger und geordneter wird und die Gesellschaft weniger Schaden davontr\u00e4gt. Aber weil sie bereits so viel erlitten haben, begreifen die Menschen, dass sie sich nicht wirklich auf Hilfe von au\u00dfen verlassen k\u00f6nnen, und fangen deshalb an, die Angelegenheit selber in die Hand zu nehmen und sich zu wehren. Wir sind angewiesen auf internationale Anerkennung und das Komitee zur Vertretung des Parlaments (CRPH) und die Regierung der Nationalen Einheit (NUG) versuchen diese zu bekommen.<br \/>\nEin Punkt ist auch die Rohingya-Frage\u00a0((8)): Viele Leute wollen sie nicht thematisieren. Sie sagen Dinge wie: \u201eLass uns zuerst unsere Probleme l\u00f6sen und sp\u00e4ter darauf zur\u00fcckkommen.\u201c F\u00fcr mich ist es hingegen so, dass alle von uns f\u00fcr die Freiheit aller Volksgruppen und f\u00fcr Menschenrechte k\u00e4mpfen sollten. Die Rechte aller ethnischen Gruppen und somit auch der Rohingya sind genauso wichtig wie unsere eigenen. Darum denke ich, dass das NUG und das CRPH im Kampf f\u00fcr die Rechte aller zusammenarbeiten m\u00fcssen. Das k\u00f6nnen sie aber nur, wenn sie nicht ausschlie\u00dflich auf die bamarische Mehrheit Myanmars h\u00f6ren, sondern darauf, was die ganze Bev\u00f6lkerung will. Das wird zu einer besseren L\u00f6sung f\u00fcr die Zukunft f\u00fchren. Im Moment passiert das noch nicht wirklich. Je l\u00e4nger sie aber warten, umso mehr wird ihnen das Thema widerstreben und umso mehr Menschen werden sterben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Du hast gesagt, wenn das NUG und das CRPH besser zusammenarbeiten und alle ethnischen Gruppen miteinbeziehen w\u00fcrden, k\u00f6nnte der Konflikt schneller gel\u00f6st werden. Aber wie k\u00f6nnte eine solche gemeinsame Konfliktl\u00f6sung konkret aussehen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von den EAOs k\u00e4mpfen momentan nur die Kachin Unabh\u00e4ngigkeitsarmee (KIA)\u00a0((9)) und die Karen Nationale Befreiungsarmee (KNU)\u00a0((10)) gegen das Tatmadaw. Andere ethnische Gruppen wollen sich nicht darauf einlassen, weil sie der Nationalen Liga f\u00fcr Demokratie (NLD) nicht trauen. Die meisten NLD-Mitglieder sind im NUG und somit auch im CRPH. Es ist also eigentlich alles das Gleiche. Sie haben nicht hingeh\u00f6rt, was die anderen Volksgruppen zu sagen hatten und haben sich nicht daf\u00fcr entschuldigt, was sie getan haben\u00a0((11)). Sie m\u00fcssten sich entschuldigen und dann ihre Augen und Ohren weit \u00f6ffnen und mit den EAOs und auch mit allen anderen ethnischen Parteien zusammenarbeiten. Unser Hauptinteresse gilt nicht der NLD. Wir alle wollen einen f\u00f6deralen Staat. Also konkret: Menschenrechte f\u00fcr alle von uns. Darum m\u00fcssen sie sich k\u00fcmmern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Momentan sind nur die EAOs der Kachin und der Karen im Kampf gegen die Tatmadaw-Junta verb\u00fcndet. Glaubst du, der erfolgreichste Weg die Junta zu besiegen w\u00e4re, dass weitere EAOs sich dem Kampf gegen die Milit\u00e4rjunta des Tatmadaw anschlie\u00dfen w\u00fcrden? Oder siehst du auch eine andere M\u00f6glichkeit als den bewaffneten Konflikt, um die Milit\u00e4rregierung zu \u00fcberwinden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn du die Nachrichten mitverfolgst, wei\u00dft du, dass sie im Shan Staat auch k\u00e4mpfen, sogar innerhalb der bewaffneten Gruppen. Heute habe ich etwas von einem anderen Aktivisten gelesen, der es auf den Punkt bringt. Er hat gesagt: \u201eWenn es das Tatmadaw einmal nicht mehr geben sollte, was passiert dann?\u201d Und dann hat er betont: \u201eJa, wir haben viele ethnische Gruppen, auch in den gleichen Bundesstaaten mit vielen bewaffneten Untergruppen, die sich gegenseitig bek\u00e4mpfen. Ich glaube diese Parteien m\u00fcssen als erstes ihre Konflikte kl\u00e4ren. Sonst werden sie sich untereinander bek\u00e4mpfen, wenn es kein Tatmadaw mehr gibt.\u201c Sie m\u00fcssen also zuerst an einer L\u00f6sung ihrer eigenen Konflikte arbeiten. Danach sollte eine Delegation mit je einer\/einem Repr\u00e4sentant*in aus jeder Provinz zusammenkommen. Es wird zudem ein Dialog zwischen dem CRPH, dem NUG und den EAOs n\u00f6tig sein. Sonst wird das Land kaputt gehen. Au\u00dferdem muss CDM, der Kampf der Zivilbev\u00f6lkerung, weitergehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wenn ich dich richtig verstehe, siehst du die Vereinigung oder wenigstens eine Verst\u00e4ndigung zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen, den EAOs, den CDM-Akti<\/strong><strong>vist*innen sowie anderen zivilen Akteuren und Demon-strant*innen als wichtigsten Schritt, damit es danach friedlich weitergehen kann?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wei\u00dft du, in der burmesischen Kultur machen wir immer nur m\u00fcndliche Abmachungen und keine schriftlichen Vertr\u00e4ge. Aber jetzt gen\u00fcgt es nicht, einfach nur zu h\u00f6ren: \u201eOK, ich bin einverstanden mit diesem oder jenem\u201c. Nein! Obwohl die Leute in Burma es nicht unbedingt immer schwarz auf wei\u00df brauchen \u2013 ein klares \u201eWir arbeiten an diesem Thema und versprechen es\u201c muss jetzt auf Papier niedergeschrieben werden. Und wenn das gemacht ist, m\u00fcssen wir unbedingt verhandeln. Es geht nur so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was denkst du, sollte mit dem Tatmadaw in diesem Prozess passieren \u2013 und danach, wenn ein neues Land mit einem neuen politischen System und einer von Grund auf neu organisierten Gesellschaft aufgebaut wird? Es z\u00e4hlt immerhin mehr als dreihunderttausend Leute, die meisten davon Fu\u00dfsoldaten. Wie kann ein Prozess der Gerechtigkeit und Vers\u00f6hnung stattfinden, nach allem was passiert ist?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Menschen vertrauen dem Tatmadaw nicht mehr. Darum m\u00fcssen wir dem Milit\u00e4r einen anderen Namen geben &#8211; wir k\u00f6nnen nicht alle rauswerfen, aber wir m\u00fcssen das System ver\u00e4ndern. Das System, das sie besser behandelt als andere Menschen. Das alte Wertesystem muss beseitigt und durch ein neues mit einem anderen Namen ersetzt werden. Es braucht Transparenz, die es zurzeit nirgends gibt und ein gutes Regierungssystem. Dann wird sich alles zum Besseren wenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was denkst du, wird in den n\u00e4chsten Wochen und Monaten passieren? Ich habe k\u00fcrzlich geh\u00f6rt, dass es zum Beispiel Leute gibt, die glauben, dass die EAOs und Zivilisten beginnen werden, den Krieg gegen das Tatmadaw in den St\u00e4dten zu f\u00fchren. Ist das wahrscheinlich oder werden hier nur \u00c4ngste gesch\u00fcrt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann das nicht einsch\u00e4tzen. Ich habe ebenfalls geh\u00f6rt, dass der Krieg auch in den St\u00e4dten gef\u00fchrt werden soll. Nach meinen Quellen nicht vor dem 15. Mai; in f\u00fcnf Tagen. Ich hoffe es nicht, aber wir m\u00fcssen abwarten und werden sehen. ((12))<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Du hast ein paar sehr wichtige Punkte in Bezug auf politische Entwicklungen im Land aufgezeigt. Wir haben dar\u00fcber gesprochen, dass die Bev\u00f6lkerung nicht darauf hoffen sollte, dass die internationale Gemeinschaft ihre Verantwortung f\u00fcr den Schutz der Zivilbev\u00f6lkerung wahrnimmt. In den letzten Monaten hat sich das leider bewahrheitet, was sehr entt\u00e4uschend ist. Aber f\u00fcr die Leser*innen dieser Zeitung, als Privatpersonen mit einem politischen Bewusstsein: Was k\u00f6nnen Menschen in Deutschland oder Europa tun um die Sache der Bev\u00f6lkerung in Myanmar zu unterst\u00fctzten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube, das Problem ist, dass f\u00fcr Leute in politischen F\u00fchrungspositionen ganz andere Themen im Zentrum stehen als f\u00fcr die Zivilgesellschaft: Ihnen geht es um Auseinandersetzungen und B\u00fcndnisse innerhalb der internationalen Gemeinschaft und darum, einen Vorteil f\u00fcr sich selber daraus zu ziehen. Manchmal habe ich das Gef\u00fchl, sie taktieren nur und sorgen lediglich dann f\u00fcr gute Beziehungen, wenn sie profitieren wollen. Aber wir Menschen, wir unterst\u00fctzen uns und sorgen f\u00fcreinander. Wir k\u00f6nnen uns nicht zur\u00fccklehnen, weil es nicht nur um unsere jeweiligen L\u00e4nder geht, sondern um Demokratie f\u00fcr alle. Wenn die Leute nicht verstehen, dass jeder die Verantwortung hat, daf\u00fcr zu k\u00e4mpfen, machen sich anti-demokratische Kr\u00e4fte breit wie eine Krankheit und es wird f\u00fcr alle L\u00e4nder immer schlimmer. Bei euch gibt es zwar Demokratie, aber sie br\u00f6ckelt ebenfalls wegen den politischen Machthaber*innen. Was ihr also f\u00fcr uns tun k\u00f6nnt: Verfolgt die Nachrichten und macht Druck auf eure Regierungen. Und wenn ihr k\u00f6nnt: Bitte spendet, und wenn es nur ein oder zwei Dollars sind. Wenn ihr alle etwas gebt, wird es mit dem CDM weitergehen. Es wird vorausgesagt, dass 50\u00a0% der burmesischen Bev\u00f6lkerung in Armut leben wird. Das bedeutet, dass euer Geld diesen Leuten helfen wird, nicht zu verhungern, sondern zu \u00fcberleben und sich zu wehren. Wenn ihr kein Geld habt, ermutigt uns! Sendet uns eine Mitteilung \/ Nachricht. Das hilft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine Frage, die offen geblieben ist, betrifft die \u201enormalen\u201c Soldaten. Man liest viel \u00fcber Min Aung Hlaing\u00a0((13)) und die anderen Gener\u00e4le. Aber interessanter zu wissen w\u00e4re: Was f\u00fcr Leute sind die einfachen Fu\u00dfsoldaten? Warum folgen so viele dem Befehl, auf die eigenen Leute zu schie\u00dfen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die einfachen Soldaten kommen durch ihre Familien zur Armee. Ihre Eltern sind Soldaten und sie wissen nicht, was sie werden sollen. Oder sie haben kein Geld, kommen nicht aus mit ihrer Familie und gehen dann eben zum Milit\u00e4r. Zum Leben in den Kasernen: Ich habe ein Video gesehen, wo ein Vorgesetzter einen Untergebenen brutal schl\u00e4gt. Hier zeigt sich die Dynamik der Macht: Die Untergebenen werden manipuliert: \u201eWenn du nicht auf mich h\u00f6rst, wirst du isoliert und gefoltert.\u201c Von Anfang an werden sie auf diese Weise gedrillt auch wenn sie nichts falsch gemacht haben. Ich habe auch geh\u00f6rt, dass sie ihnen zu Beginn der Trainings Sand ins Essen mischen, um sie mental zu unterwerfen: \u201eWir k\u00f6nnen alles mit dir machen und du musst den Vorgesetzten gehorchen.\u201c Auch der Informationsfluss ist wie in der ganzen Gesellschaft unterbunden. Vorgesetzte etwas zu fragen, ist nicht erlaubt. Wenn du eine Frage hast, schluckst du sie. Zudem benutzen sie die Religion, um die Leute zu manipulieren. Im Sinne von \u201eDu hast so ein beschissenes Leben, weil du in einem vorherigen Leben nicht gut warst. Du verdienst das.\u201c<br \/>\nIch gebe dir ein Beispiel aus meinem eigenen Leben: Ich bin nach \u00b488 geboren und in diesem angsterf\u00fcllten Klima ohne Grundrechte aufgewachsen. Also habe ich gar nicht verstanden, was mit Menschenrechten gemeint ist. Es ist dasselbe bei diesen jungen M\u00e4nnern: Sie hatten nie die Gelegenheit als menschliche Wesen Respekt zu erfahren, also denken sie, dass ein solches Leben normal ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ich habe auch geh\u00f6rt, dass viele Soldaten w\u00e4hrend des Milit\u00e4rputsches und in der Zeit danach kein Internet und praktisch keinen Zugang zu Informationen hatten und viele deshalb nicht wirklich wissen, was drau\u00dfen passiert. Denkst du das stimmt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht ganz: Manche von ihnen haben Freunde au\u00dferhalb der Kasernen. Sie bekommen also immer noch Informationen. Man kann sie nicht total isolieren. Aber auf der anderen Seite rechtfertigen die Vorgesetzten die Gewaltanwendung. Das bedeutet, dass sie hin- und hergerissen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K\u00f6nntest du noch etwas \u00fcber deine Idee erz\u00e4hlen, Soldaten dazu zu bewegen, sich der anderen Seite anzuschlie\u00dfen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Idee kam mir, als ich ziemlich deprimiert war und mit einer Freundin spazieren ging. Ich m\u00f6chte wirklich, dass die Soldaten sich uns anschlie\u00dfen, aber ich wusste nicht, wie man das machen k\u00f6nnte. Da hat sie vorgeschlagen: \u201eWie w\u00e4re es, wenn du mit denjenigen Freunden sprechen w\u00fcrdest, denen du am meisten traust und diese anfangen, ihrerseits mit Vertrauenspersonen zu sprechen, die Soldaten kennen. Am Anfang musst du gar nichts machen. Du verbreitest nur die Idee, Soldaten umzustimmen.\u201c Der Cousin einer anderen Freundin ist Soldat, also habe ich mit ihr gesprochen. In Myanmar musst du eine solche Idee den Familien von Soldaten erz\u00e4hlen, weil die meisten auf ihre Eltern h\u00f6ren, ganz gleich was sie sagen. Und wenn Eltern Soldaten umstimmen die Seite zu wechseln, werden diese Soldaten mit ihren Kollegen reden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was ist die Botschaft, die \u00fcber Vertrauenspersonen zu den Soldaten und ihren Familien gehen sollte?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00f6rt auf, Unschuldige und sogar Kinder umzubringen. Das ist schlecht f\u00fcr beide Seiten. Wir bringen uns gegenseitig um, obwohl urspr\u00fcnglich nichts zwischen uns vorgefallen ist. Wir sollten uns nicht grundlos so abgrundtief hassen. Die Anf\u00fchrer des Milit\u00e4rputsches benutzen uns f\u00fcr ihre Interessen. Die Soldaten m\u00fcssen das verstehen und auf unsere Seite wechseln. So k\u00f6nnen wir verhindern, dass wir uns gegenseitig umbringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Danke f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\n<style> #Kasten {color: #ffffff; background-color: #007F4E; border-radius: .5em; text-align: center}<\/style>\n<\/p>\n<div id=\"Kasten\">\n<h5><strong>I Support Myanmar \/<\/strong><br \/>\n<strong>Ich unterst\u00fctze Myanmar.<\/strong><\/h5>\n<p>Die Auseinandersetzung zwischen der Bev\u00f6lkerung Myanmars und dem Milit\u00e4r dauert an. Um ein zweites Syrien zu verhindern, ist es wichtig die Bewegung des zivilen Ungehorsams moralisch und finanziell zu unterst\u00fctzen. Geld f\u00fcr den gewaltfreien Kampf kann u.a. \u00fcber I Support Myanmar (<a style=\"color: black;\" href=\"http:\/\/www.isupportmyanmar.com\">www.isupportmyanmar.com<\/a>) gespendet werden.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GWR: Nwe Oo, kannst du kurz ein paar Worte zu dir selber sagen und wie du in die Bewegung des Zivilen Ungehorsams (CDM) involviert warst, was deine Aktivit\u00e4ten in Myanmar waren und warum du das Land verlassen hast? 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