{"id":25871,"date":"2021-09-30T12:27:00","date_gmt":"2021-09-30T10:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/09\/in-bewegung\/"},"modified":"2022-01-12T19:51:52","modified_gmt":"2022-01-12T17:51:52","slug":"in-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/09\/in-bewegung\/","title":{"rendered":"In Bewegung"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Leser*innen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Krieg in Afghanistan geht weiter. Die Ausbeutungsbedingungen weltweit versch\u00e4rfen sich. Die Klimakrise spitzt sich zu. Die Pandemie ist noch nicht beendet. Rechte Bewegungen sind in vielen Staaten auf dem Vormarsch. \u2013 Es scheint, als g\u00e4be es nur schlechte Nachrichten, und als k\u00f6nnten wir nicht dagegen ankommen.<br \/>\nAber es gibt auch Lichtblicke&#8230;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\">Massenhaft gegen Klimazerst\u00f6rung #AlleF\u00fcrsKlima<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon in den letzten Monaten hatte die Klimabewegung immer wieder mit gro\u00dfen Demonstrationen und direkten gewaltfreien Aktionen gezeigt, dass sie \u2013 allen staatlichen Repressionsma\u00dfnahmen zum Trotz und ohne sich von den pandemiebedingten Einschr\u00e4nkungen schw\u00e4chen zu lassen \u2013 keineswegs in einer Flautephase ist. Mit den Protesten gegen die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) hat sie erst vor wenigen Wochen ein weiteres Signal der St\u00e4rke ausgesandt. Zehntausende waren vom 7. bis 12. September in M\u00fcnchen auf der Stra\u00dfe, um massenhaft, vielf\u00e4ltig und laut gegen die menschenverachtende und klimazerst\u00f6rerische Politik der Autokonzerne zu protestieren, die sich bei der IAA ein Stelldichein gaben und sich und ihre Greenwashing-Versuche m\u00f6glichst ungest\u00f6rt pr\u00e4sentieren wollten. Mit spektakul\u00e4ren gewaltfreien Aktionen begann schon der 7. September, als sich Kletteraktivist*innen von Br\u00fccken und Schildern auf allen Autobahnen rund um M\u00fcnchen abseilten und damit \u00f6ffentlichkeitswirksam den gesamten Verkehr zum Erliegen brachten. Gro\u00dfblockaden am IAA-Gel\u00e4nde, Massenaktionen zivilen Ungehorsams und bunte Demonstrationen sorgten daf\u00fcr, dass das gut polierte Image der Autokonzerne einige tiefe Kratzer davontrug und die massiven Sch\u00e4den, die durch die Verkehrspolitik angerichtet werden, auch in den Massenmedien thematisiert wurden. Es hat tats\u00e4chlich funktioniert, \u201eSand im Getriebe der Autoindustrie\u201c zu sein und den Klima-Killern in die Suppe zu spucken!<br \/>\nDoch das war erst der Anfang.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\">Solidarisch gegen Repression<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre Fortsetzung fand die Anti-IAA-Kampagne zun\u00e4chst beim Globalen Klimastreik am 24. September, als weltweit Hunderttausende auf die Stra\u00dfe gingen. Und mit weiteren bevorstehenden gewaltfreien Massenaktionen wie den Protesten gegen den Kohleabbau in L\u00fctzerath oder Waldbesetzungen geht die Bewegung in einen engagierten Herbst.<br \/>\nUnd das, obwohl der Staat alle Register zieht, um die Aktivist*innen einzusch\u00fcchtern und die Bewegung auszubremsen. Brutale Polizeigewalt bei Demonstrationen \u2013 zuletzt bei der IAA \u2013 und bei den R\u00e4umungen der Waldbesetzungen, bei denen die Einsatzkr\u00e4fte durch ihr Vorgehen sogar den Tod von Klimaaktivist*innen riskieren, geh\u00f6ren inzwischen ebenso zum erschreckenden Standard wie hohe Geldstrafen und absurde Gerichtsprozesse. Sogar vor der Behinderung und Kriminalisierung von Journalist*innen und Presseaktivist*innen schrecken die Beh\u00f6rden nicht zur\u00fcck, zuletzt im Fall des GWR-Fotografen Pay Numrich, der wegen seiner Berichterstattung \u00fcber eine VW-Blockade am 20. September als Teil der Aktion betrachtet, vor Gericht gezerrt, aber gl\u00fccklicherweise freigesprochen wurde. Au\u00dferdem versuchen die Beh\u00f6rden, an der Danni-Aktivistin \u201eElla\u201c ein Exempel zu statuieren, indem sie schon seit November 2020 in Haft gehalten wird. Doch die Klimabewegung reagiert darauf mit Solidarit\u00e4t und fordert bei Kundgebungen \u00fcberall ihre Freilassung \u2013 ab 1. Oktober zudem mit dem neuen Doku-Film \u201eElla\u201c, der bundesweit gezeigt wird, um im Vorfeld des Berufungsprozesses den politischen Druck zu verst\u00e4rken.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Reise f\u00fcr das Leben<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in anderen Bewegungen wird staatliche Unterdr\u00fcckung genutzt, um gemeinsam neue St\u00e4rke und Gegenperspektiven zu entwickeln: Die Zapatistas haben sich \u2013 500 Jahre nach Beginn der kolonialen Unterdr\u00fcckung, aber auch 500 Jahre seit Beginn des indigenen Widerstands dagegen \u2013 auf den Weg gemacht, um ihre Vorstellungen von einem solidarischen, nichthierarchischen Miteinander mit der Gira por la vida, der Reise f\u00fcr das Leben, in die Welt zu tragen. Schon seit dem \u201eAufstand der W\u00fcrde\u201c 1994 setzen sie im mexikanischen Chiapas ihr Ideal einer alternativen Gesellschaft jenseits von Kapitalismus, Macht und Patriarchat um. Bei ihrer Reise, die sie unter anderem nach Europa f\u00fchrt, wollen die Zapatistas ihre Vorstellungen mit anderen fortschrittlichen Bewegungen und Projekten teilen, Ideen austauschen und sich in einem Prozess gegenseitigen Lernens weiterentwickeln. Nachdem die zapatistische Delegation Mitte September in Wien angekommen ist, sind sie seit dem 23. September hierzulande in mehreren Gruppen unterwegs, um sich bis etwa 9. Oktober mit Aktivist*innen unterschiedlichster sozialer Bewegungen zu vernetzen. Bienvenidxs, compa\u00f1erxs!<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Widerstand aus der K\u00fcche<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie politische Ideen in eine kollektive widerst\u00e4ndige Praxis umgesetzt werden k\u00f6nnen, ist auch Thema unseres Schwerpunkts in dieser Ausgabe der Graswurzelrevolution. Mit kulinarischem Aktivismus und aufbauend auf dem Prinzip der gegenseitigen Hilfe engagieren sich Solik\u00fcchen weltweit, auch wenn sie unterschiedliche Akzente setzen: Food Not Bombs protestiert gegen Militarismus und Krieg \u2013 in den USA bereits seit den fr\u00fchen 1980er-Jahren, wie Keith McHenry beschreibt, im polnischen Szczecin seit den sp\u00e4ten 1990er-Jahren. Ebenfalls gegen Armut und systematische Lebensmittelvernichtung geht die Anarchistische Lebensmittelhilfe aus Bochum vor, w\u00e4hrend die No Border Kitchen Lesvos die praktische Solidarit\u00e4t mit und unter Gefl\u00fcchteten organisiert. Aktionsk\u00fcchen wie Le Sabot unterst\u00fctzen soziale Bewegungen bei Camps und Gro\u00dfprotesten. Egal wo und wie: Nichthierarchisch, staatskritisch und mit leckerem Essen sind sie aktiv gegen den kapitalistischen Normalbetrieb und zeigen gelebte Alternativen im Hier und Jetzt auf.<br \/>\nAber auch jenseits der Suppent\u00f6pfe gibt es viele weitere spannende Artikel in dieser Ausgabe: Jacek Drozda f\u00fchrt seine Analyse des Post-Fu\u00dfballs fort, diesmal mit dem Fokus auf Clubs und Initiativen, die sich der Kommerzialisierung widersetzen und eigene Wege der Fankultur gehen. CG berichtet \u00fcber Anarchismus in der digitalen Welt und die M\u00f6glichkeiten einer selbstbestimmten Computernutzung, die sich durch Freie Software er\u00f6ffnen. In \u201eAlles in Ordnung\u201c widmet sich Mathias Schmidt diesmal \u201eTiny Houses\u201c. Eine kenntnisreiche Bilanz der rund 20-j\u00e4hrigen NATO-Milit\u00e4rinvasion in Afghanistan und der seit langem absehbaren Niederlage zieht Christoph Marischka in seinem Beitrag \u201eRealit\u00e4tsverweigerung\u201c. \u00dcber seinen neuen Film \u201eAtomkraft Forever\u201c, \u00fcber die Dreharbeiten und Hintergr\u00fcnde spricht Regisseur Carsten Rau im Interview mit der GWR. Mit Vortr\u00e4gen und B\u00fcchern will schlie\u00dflich die Anarchist Bookfair in New York libert\u00e4re Perspektiven er\u00f6ffnen und durch die Online-Veranstaltungen am 3. Oktober auch weltweiten Austausch erm\u00f6glichen, wie die Organisator*innen schildern.<br \/>\nDamit bietet sich der perfekte \u00dcbergang in die Libert\u00e4ren Buchseiten: Auf zw\u00f6lf Seiten versuchen wir wieder, einen Einblick in spannende Neuerscheinungen zu geben und diese unter einem gewaltfrei-anarchistischen Blickwinkel zu beleuchten. Ein leseintensiver Herbst steht bevor!<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>GWR-Redaktion<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">P.S. F\u00fcr Aktionen\/Termine verweisen wir diesmal aus Platzmangel komplett auf unsere Webseite <a href=\"http:\/\/www.graswurzel.net\">\u2028www.graswurzel.net<\/a> unter der Rubrik Termine &amp; Ank\u00fcndigungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leser*innen, Der Krieg in Afghanistan geht weiter. Die Ausbeutungsbedingungen weltweit versch\u00e4rfen sich. Die Klimakrise spitzt sich zu. Die Pandemie ist noch nicht beendet. Rechte Bewegungen sind in vielen Staaten auf dem Vormarsch. \u2013 Es scheint, als g\u00e4be es nur schlechte Nachrichten, und als k\u00f6nnten wir nicht dagegen ankommen. 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