{"id":26079,"date":"2021-10-26T13:57:19","date_gmt":"2021-10-26T11:57:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=26079"},"modified":"2021-10-27T11:30:00","modified_gmt":"2021-10-27T09:30:00","slug":"es-wie-absicht-klingen-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/10\/es-wie-absicht-klingen-lassen\/","title":{"rendered":"Es wie Absicht klingen lassen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-26115 alignleft\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/TFD_Poster_Launch_A4_NURIMKINO_RGB.jpg\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"439\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/TFD_Poster_Launch_A4_NURIMKINO_RGB.jpg 595w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/TFD_Poster_Launch_A4_NURIMKINO_RGB-300x425.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/TFD_Poster_Launch_A4_NURIMKINO_RGB-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/TFD_Poster_Launch_A4_NURIMKINO_RGB-106x150.jpg 106w\" sizes=\"auto, (max-width: 310px) 100vw, 310px\" \/>Wes Anderson ist einer der Hollywood-Regisseure, von denen man sagt, die Hollywoodstars schl\u00fcgen sich darum, in einem seiner Filme mitspielen zu d\u00fcrfen und wie schon in seinem letzten Werk \u201eGrand Budapest Hotel\u201c, findet sich auch in The French Dispatch, der seit diesem Donnerstag im Kino l\u00e4uft, ein seltenes Starensemble zusammen. Angef\u00fchrt von Bill Murray, der den alternden Magazin-Chefredakteur des titelgebenden Magazins &#8211; inspiriert in erster Linie von dem US-amerikanischen \u201eNew Yorker\u201c &#8211; Arthur Howitzer Jr. gibt, der in der fiktiven franz\u00f6sischen Stadt Ennui-sur-Blas\u00e9 einige exzentrische Reporter um sich schart. Der Film zeigt nun drei der Reportagen aus der letzten Ausgabe des Magazins, das, wie in dessen Testament verf\u00fcgt, wegen des Todes Howitzers eingestellt wird. Die Gemeinsamkeit der drei im Film neben der Rahmenhandlung erz\u00e4hlten Episoden ist das Kuriose, das Erz\u00e4hlenswerte, die Liebe zum Erz\u00e4hlen und der immer in allem durchschimmernde freche Humor Andersons.<\/p>\n<p>In der ersten Geschichte wird der inhaftierte M\u00f6rder Moses Rosenthaler (Benicio del Toro) zum gefeierten K\u00fcnstler. Zun\u00e4chst sehen wir ihn allein in einem Raum mit einem Akt-Modell Simone (L\u00e9a Seydoux), doch als er anf\u00e4ngt, die Frau statt die Leinwand anzumalen, beendet Simone die Session, zieht sich ihre W\u00e4rter-Uniform an und f\u00fchrt den Maler flugs wieder in seine Zelle, eh sich der Kunsth\u00e4ndler Adrien Brody dem Werk Rosenthalers \u00fcberaus gesch\u00e4ftst\u00fcchtig annimmt.<\/p>\n<p>Im zweiten \u201eArtikel\u201c berichtet die Reporterin Lucindia Krementz (Frances McDormand) \u00fcber den jungen Anf\u00fchrer der 1968er Unruhen in Paris, Zeffirelli (Timoth\u00e9e Chalamet) und ihre kurze Aff\u00e4re mit dem fast 40 Jahre j\u00fcngeren Mann und in der dritten Episode wird der Food-Reporter Roebuck Wright in die Entf\u00fchrung des Sohnes des Polizeichefs verwickelt, obwohl er eigentlich nur den Polizeikoch Lt. Nescaffier (Stephen Park) portr\u00e4tieren wollte.<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/G-tNU743NIo\" width=\"100%\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><span style=\"display: inline-block; width: 0px; overflow: hidden; line-height: 0;\" data-mce-type=\"bookmark\" class=\"mce_SELRES_start\">\ufeff<\/span><\/iframe><\/p>\n<p>Quelle: Youtube<\/p>\n<p>Die Figuren und Geschichten beziehen sich auf tats\u00e4chliche New-Yorker-Artikel, etwa die Reportagen von Mavis Gallant von den 68er-Protesten oder die Texte des schwulen schwarzen Kulinarik-Reporters John Baldwin.<\/p>\n<p>Die Taktung, der Rhythmus, die Anderson seinen Filmen so demonstrativ verpasst, dass sie oft wie Musikst\u00fccke, wie Kompositionen wirken, dazu der jazzlastige Soundtrack, der diesen Eindruck noch verst\u00e4rkt, werden in The French Dispatch von einer \u00c4sthetik erg\u00e4nzt, die mehrmals auf den Magazincharakter des Films verweist. Jedes Bild ist durchgestylt, ist ein kleines Kunstwerk f\u00fcr sich, aber gerade diese beeindruckende und schier unendliche Facettenhaftigkeit der Bilder und der Geschichten ist oft zu viel des Guten. Statt all der Gags und all der cleverern Regie-Tricks und -Einf\u00e4lle h\u00e4tte man manches Mal lieber etwas mehr \u00fcber die Figuren erfahren, \u00fcber ihr Leiden und Lieben, ihre Geschichten und Motivationen, aber da ist The French Dispatch l\u00e4ngst beim n\u00e4chsten Anderson-Streich. Statt die sozialen, politischen Hintergr\u00fcnde der Geschichten und die pers\u00f6nlichen Br\u00fcche der Figuren und Geschichten irgendwie ernstzunehmen und zu bearbeiten, dienen diese ja durchaus schweren Themen \u2013 etwa die Auswirkungen von Haft auf Menschen, psychische Krankheit, gesellschaftlich-revolution\u00e4re Aufst\u00e4nde und Theorie, Rassismus und Homophobie \u2013 in erster Linie als Quell f\u00fcr Gags und die durchaus wundersch\u00f6n irren Inszenierungen Andersons. Angesichts der pedantischen Detailverliebtheit und dem gro\u00dfen Geschick des Regisseurs, jedes Bild irgendwie besonders wirken zu lassen und der un\u00fcbersehbaren Selbstreferentialit\u00e4t des Films m\u00f6chte man fast annehmen, dass Anderson seinen Film mit Absicht so \u00fcbertrieben andersonhaft hat Aussehen lassen. Schlie\u00dflich lautet der wichtigste Spruch des toten Howitzer: \u201eVersuchen Sie, es so klingen zu lassen, als h\u00e4tten Sie es absichtlich so geschrieben.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wes Anderson ist einer der Hollywood-Regisseure, von denen man sagt, die Hollywoodstars schl\u00fcgen sich darum, in einem seiner Filme mitspielen zu d\u00fcrfen und wie schon in seinem letzten Werk \u201eGrand Budapest Hotel\u201c, findet sich auch in The French Dispatch, der seit diesem Donnerstag im Kino l\u00e4uft, ein seltenes Starensemble zusammen. 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