{"id":27097,"date":"2022-02-28T12:36:43","date_gmt":"2022-02-28T10:36:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2022\/02\/teil-der-sozialen-bewegungen\/"},"modified":"2022-02-28T19:29:20","modified_gmt":"2022-02-28T17:29:20","slug":"teil-der-sozialen-bewegungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2022\/02\/teil-der-sozialen-bewegungen\/","title":{"rendered":"Teil der sozialen Bewegungen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>GWR: Wie hast du die Zeitung kennengelernt, und was bedeutete die GWR damals f\u00fcr dich?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">C\u00e9cile: Ich habe Wolfgang Hertle kennengelernt, als ich 2003 angefangen habe, mich in der internationalen Vernetzung des Anti-Atom-Widerstandes zu engagieren. Ich erz\u00e4hlte ihm, wie die Geschichte des gewaltfreien Widerstandes im Larzac mein politisches Engagement pr\u00e4ge. Er schenkte mir alte GWR-Nummern mit Artikeln \u00fcber den Larzac. Das hat mich beeindruckt, mir Lust gemacht, mich mehr mit der Vergangenheit und Gegenwart von politischen Bewegungen sowie mit Theorie und Praxis zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Du bist vor allem in der Klimabewegung aktiv, aber auch in vielen anderen Zusammenh\u00e4ngen. Wie siehst du das Verh\u00e4ltnis zwischen der Zeitung und den sozialen Bewegungen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich finde es wichtig, dass es Bewegungsjournalismus mit kritisch-solidarischer Berichterstattung gibt. Dass \u00fcber Proteste der Gegenwart, aber auch \u00fcber die Vergangenheit, \u00fcber die Geschichte von sozialen politischen Bewegungen \u2013 aus libert\u00e4rer emanzipatorischer Perspektive \u2013 berichtet wird. Journalistisch t\u00e4tige Menschen, die sich selbst als Teil dieser Bewegungen begreifen und oftmals darin sehr aktiv sind, bieten andere Einblicke in Bewegungen als Mainstream-Journalist*innen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In den vergangenen Jahren hat sich die GWR an vielen Punkten schneller ver\u00e4ndert als zuvor, vor allem durch die Digitalisierung. Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Neuentwicklungen, seit du dabei bist?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Layout sah fr\u00fcher etwas \u201ealtbacken\u201c aus, das hat sich sehr zum Positiven ver\u00e4ndert! Und ich finde es auch gut, dass die Inhalte \u00fcber Social Media beworben werden, um mehr Menschen zu erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Herausgeber*innenkreis ist sehr vielf\u00e4ltig zusammengesetzt. Die Mitglieder decken eine gro\u00dfe Altersspanne ab und verschiedene Lebensrealit\u00e4ten, sie sind mit unterschiedlichen Schwerpunkten aktiv. Ist das ausschlie\u00dflich eine Bereicherung, oder gibt es auch Konflikte?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist f\u00fcr mich eine Bereicherung, mich mit so vielen Menschen mit so viel Wissen austauschen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nNat\u00fcrlich gibt es auch Konflikte. Das ist aber nicht unbedingt negativ zu sehen. Ich denke, in jeder Gruppe gibt es Konflikte. Wichtig ist es, diese zu bearbeiten, dass sie die gemeinsame Arbeit nicht l\u00e4hmen.<br \/>\nMir fallen spontan ein paar Beispiele ein f\u00fcr Themen, die immer mal wieder zu kleineren oder gr\u00f6\u00dferen Konflikten f\u00fchren: die ewige Veto-Debatte, Fragen um die Gewaltfreiheit (Definition, Anspr\u00fcche), die Zug\u00e4nglichkeit von Inhalten (Kritik an \u201eBleiw\u00fcste\u201c versus akademischer Anspruch).<br \/>\nProblematisch finde ich Konflikte, wenn sie sich um Personen drehen, an Personen festgemacht werden \u2013 sie verlaufen selten konstruktiv. Solche Konflikte gibt es hin und wieder auch bei der GWR.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Welche Ver\u00e4nderungen im Herausgeber*innenkreis w\u00fcrdest du dir w\u00fcnschen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich finde gut, dass im Herausgeber*innenkreis mehrere Generationen vertreten sind. Aber es fehlt schon noch \u2028an j\u00fcngeren Menschen mit ihren \u2028Perspektiven. Es mangelt im Herausgeber*innenkreis nach \u2028wie vor an Vielfalt: Er besteht \u00fcberwiegend aus Akademiker*innen, es sind keine BiPoC, keine LGBTIQ-Menschen dabei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie ist die Rolle von Frauen* im Herausgeber*innenkreis?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sind noch zu wenige Frauen* dabei. Aber immerhin deutlich mehr als noch vor zehn Jahren, als wir auf Herausgeber*innenkreistreffen manchmal nur zwei Frauen* waren. Die Redaktion ist auch weiblicher geworden. Das ist eine positive Entwicklung, die sich in den Inhalten wiederfindet. Ich denke zum Beispiel an die regelm\u00e4\u00dfigen Schwerpunkte zum feministischen Kampftag, \u00fcber \u201eunsichtbare Frauen*\u201c (M\u00e4rz 2021), das A-Feminismus-Extrablatt (M\u00e4rz 2020), oder auch im November 2021 zu \u201eGewalt gegen Frauen*\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was siehst du als die dr\u00e4ngendsten Fragen, mit denen die GWR in die n\u00e4chsten 50 Jahre starten sollte \u2013 sowohl von der Themensetzung her als auch in Form von strukturellen Neuerungen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die GWR ist von Beginn an an Themen dran, die auch in Zukunft von gro\u00dfer Bedeutung bleiben werden: Klima(k\u00e4mpfe), Anarchismus, Antimilitarismus, politische Organisationsformen, soziale Bewegungen. Strukturell sollten wir uns intensiver mit der Digitalisierung besch\u00e4ftigen und unseren Weg finden: digitalaffines Publikum ansprechen und dabei auf Datenschutz, digitale Sicherheit und Unabh\u00e4ngigkeit achten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was ist die Zielgruppe der GWR? Wie w\u00fcrdest du die Leser*innenschaft der GWR charakterisieren?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist sehr divers. Anarchist*in-nen, Menschen, die sich f\u00fcr libert\u00e4re Theorie interessieren, Menschen aus verschiedenen sozialen politischen Bewegungen &#8230;<br \/>\nIch habe mal gelesen, dass auch der Verfassungsschutz die GWR liest, f\u00e4hig daraus zu lernen sind die Herrschaften jedoch nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wo siehst du die GWR in der Medienlandschaft angesiedelt? Was unterscheidet die GWR von anderen (nicht nur anarchistischen) Zeitschriften?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die GWR ist nah bei sozialen politischen Bewegungen, sie ist libert\u00e4r, unabh\u00e4ngig und gewaltfrei. Wichtige Unterschiede sind der Fokus auf Anarchismus und Gewaltfreiheit und die Tatsache, dass die Artikel ausschlie\u00dflich Erstver\u00f6ffentlichungen sind \u2013 alles sind Artikel, die mensch nicht bereits anderswo gelesen hat. Ansonsten kann ich es von der Arbeitsweise her nicht vergleichen, da ich nicht wei\u00df, wie es bei anderen Zeitschriften abl\u00e4uft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie sieht die Zusammenarbeit von Herausgeber*innenkreis und Redaktion aus?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir treffen im Herausgeber-*innenkreis Entscheidungen m\u00f6glichst im Konsens. Veto darf jede*r einlegen, es muss aber begr\u00fcndet werden. Die Redaktion hat vor allem eine koordinierende Rolle, \u00fcber Inhalte entscheidet der Herausgeber*innenkreis gemeinsam. Die Redaktion \u00fcbernimmt dar\u00fcber hinaus viele wichtige Aufgaben wie Ausgabenplanung, Lektorat (und\/oder Koordination dessen), Kommunikation mit Autor*innen und Leser*innen etc. Ich selbst mische mich eher inhaltlich ein, wenn es um Bewegungen geht, die ich gut kenne, z. B. Anti-Atom-, Klima-, Behindertenrechtsbewegung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Interview und den guten Einblick in die GWR-Abl\u00e4ufe!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GWR: Wie hast du die Zeitung kennengelernt, und was bedeutete die GWR damals f\u00fcr dich? C\u00e9cile: Ich habe Wolfgang Hertle kennengelernt, als ich 2003 angefangen habe, mich in der internationalen Vernetzung des Anti-Atom-Widerstandes zu engagieren. 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