{"id":27400,"date":"2022-04-12T11:33:34","date_gmt":"2022-04-12T09:33:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=27400"},"modified":"2022-04-28T14:38:05","modified_gmt":"2022-04-28T12:38:05","slug":"zweierlei-mass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2022\/04\/zweierlei-mass\/","title":{"rendered":"Zweierlei Ma\u00df"},"content":{"rendered":"<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Zwei Grenzen<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Gefl\u00fcchtete aus der Ukraine sind nicht v\u00f6llig sicher. Es wird versucht, Geld von ihnen zu erpressen, und es ist sogar von Zuh\u00e4ltern die Rede, die auf Frauen lauern. Meistens landen die Menschen jedoch in Privatwohnungen oder in vorbereiteten Einrichtungen. Wenn es ihnen gelingt, die Grenze zu \u00fcberqueren, erhalten sie eine Mitfahrgelegenheit, warmes Essen, Hygieneartikel und zumindest grundlegende Unterst\u00fctzung bei Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen. Die meisten Hilfsaktivit\u00e4ten sind von unten organisiert.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ein ganz anderes Schicksal erwartet die Gefl\u00fcchteten an der polnisch-wei\u00dfrussischen Grenze, die nur wenige Kilometer n\u00f6rdlich der ukrainischen Grenze beginnt. Hier k\u00f6nnen sich diejenigen gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, die es geschafft haben, aus dem Wald herauszukommen und ein Krankenhaus oder ein Privathaus zu finden. Aber sie f\u00fchlen sich immer noch nicht sicher. Es hat F\u00e4lle gegeben, in denen Verletzte oder extrem ersch\u00f6pfte Menschen aus dem Krankenhaus zur\u00fcck in den Wald gebracht wurden. Diejenigen, die an der Grenze festsitzen, riskieren den Tod durch Ersch\u00f6pfung, Schl\u00e4ge, Vergewaltigung und weitere Abschiebung.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Gleiche Zeit \u2013 andere Realit\u00e4t<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Als die russischen Truppen in die Ukraine einmarschierten, hatte sich in den W\u00e4ldern zwischen Polen und Wei\u00dfrussland bereits seit sechs Monaten ein Drama abgespielt. Die Gefl\u00fcchteten aus Afrika und dem Nahen Osten hofften, Europa, vor allem Deutschland, schnell zu erreichen. Sie wurden mit unerwarteter systematischer Gewalt konfrontiert. Der polnische Staat misst weiterhin mit zweierlei, ja dreierlei Ma\u00df. Es werden Einrichtungen f\u00fcr die Ukrainer*innen vorbereitet, und sie haben sicherlich ein Recht darauf. Menschen anderer Nationalit\u00e4ten, insbesondere anderer Hautfarbe, die aus der Ukraine fliehen, haben jedoch nicht die gleichen Rechte. Sie haben nur bei Vorlage ihrer Staatsangeh\u00f6rigkeit und eines Visums Anspruch auf eine Vorzugsbehandlung. Ganz am Ende dieser Abstufung stehen Gefl\u00fcchtete aus dem Sudan, Syrien, Afghanistan und anderen Konfliktgebieten, die \u00fcber die wei\u00dfrussische Grenze nach Polen gelangt sind. Sie werden nicht als Menschen, sondern als Objekte eines polnisch-wei\u00dfrussischen Hybridkriegs behandelt. Die Gewalt der Grenzsoldaten richtet sich gegen die Schw\u00e4chsten.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Im Internet kursieren viele Geschichten aus erster Hand:<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ein Junge aus dem Jemen liegt im Wald. Er ist unterk\u00fchlt, sein Kn\u00f6chel schmerzt, den er sich vor sechs Monaten gebrochen hat. \u2013 So beschreibt die \u00c4rztin Paulina Bowik einen ihrer Waldpatienten.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Eine schwangere 29-j\u00e4hrige Kongolesin erlitt eine Fehlgeburt, weil sie sechsmal \u201ewie ein M\u00fcllsack\u201c \u00fcber die Grenze geworfen wurde. \u2013 Eine Migrantin berichtet f\u00fcr Oko.press.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Als die Organisation \u201eMediziner*innen an der Grenze\u201c (pl. \u201eMedycy na granicy\u201c) eine bewusstlose Frau in einem unmittelbar lebensbedrohlichen Zustand in ein Krankenhaus einlieferte, brachte der Grenzschutz ihren Ehemann und ihre f\u00fcnf Kinder zur\u00fcck an die wei\u00dfrussische Grenze.<\/span><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"left\"><em><strong><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Krise, die durch den Krieg in der Ukraine und die Konflikte in anderen Teilen der Welt verursacht wurde, wird nicht so schnell enden. Wir k\u00f6nnen jedoch keine Situation tolerieren, in der Menschen in \u201elegale\u201c und \u201eillegale\u201c Personen unterteilt werden.<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Jeden Tag gibt es Geschichten wie diese. Manche enden gl\u00fccklich. Vor allem f\u00fcr diejenigen, die es schaffen, ein Visum zu erhalten und ihre wartenden Familien in Deutschland oder anderen Teilen Europas zu erreichen. In Polen werden sie ebenfalls in geschlossenen Zentren untergebracht.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Nicht nur Rassismus<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Differenzierung bei der Behandlung der Gefl\u00fcchteten hat viele Ursachen. Man kann sich jedoch nur schwer des Eindrucks erwehren, dass einer der Gr\u00fcnde die Hautfarbe ist. Albagir aus dem Sudan, dessen Geschichte urspr\u00fcnglich in der \u201eNew York Times\u201c erschien, wurde an der polnischen Grenze wiederholt zur\u00fcckgewiesen. Er landete mit anderen Gefl\u00fcchteten in einer wei\u00dfrussischen Garage. Wie er sich erinnert, wurden sie verpr\u00fcgelt und rassistisch beleidigt. Der einzige hellh\u00e4utige Kurde, der bei ihnen war, wurde nicht einmal ber\u00fchrt.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Auf der polnischen Seite ist der Rassismus in der Gesellschaft verwurzelt. Nicht-wei\u00dfe Migrant*innen aus der Ukraine hatten viel gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten, eine Wohnung zu bekommen. Ukrainer*innen haben Anspruch auf kostenlose Tickets, die Personen, die in der Ukraine studiert oder gearbeitet haben, hingegen nicht. Wei\u00dfe Kurd*innen, die sich an der polnisch-wei\u00dfrussischen Grenze aufhalten, m\u00fcssen ebenfalls mit dem Tod im Wald, illegalen Pushbacks und Schl\u00e4gen rechnen. Die polnische Regierung erkl\u00e4rt dies mit dem Widerstand gegen einen wei\u00dfrussischen Hybridkrieg. Es gibt jedoch keine Rechtfertigung daf\u00fcr, dass extrem ersch\u00f6pfte Zivilist*innen, von denen viele Frauen und Kinder sind, auf diese Weise behandelt werden. Die Verh\u00e4ngung des Ausnahmezustands in der N\u00e4he der Grenze hindert Hilfsorganisationen und Aktivist*innen daran, sie zu erreichen (siehe GWR 463 und GWR 464).<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Hilfe von unten trotz Schwierigkeiten<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Trotz der Schwierigkeiten seitens der polnischen Beh\u00f6rden und der illegalen Aktionen des Grenzschutzes gibt es immer noch Menschen und Organisationen, die helfen. Auch Privatpersonen engagieren sich f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten aus der Ukraine, von denen sich derzeit rund zwei Millionen in Polen aufhalten. Dank ihnen ist es manchmal m\u00f6glich, den besten Weg aus der schlimmsten Situation zu finden.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die gr\u00f6\u00dften Held*innen sind diejenigen, die den Migrant*innen in der N\u00e4he der wei\u00dfrussischen Grenze die Hand reichen, aber Hilfe wird eigentlich \u00fcberall gebraucht. Auf den Bahnh\u00f6fen der Gro\u00dfst\u00e4dte bieten die Aktivist*innen ihre Unterst\u00fctzung an und wechseln sich bei ihrem Dienst in Schichten ab. Auch die Migrant*innen selbst \u2013 sofern sie es geschafft haben, ihren Status zu stabilisieren \u2013 beteiligen sich an der Hilfe.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Krise, die durch den Krieg in der Ukraine und die Konflikte in anderen Teilen der Welt verursacht wurde, wird nicht so schnell enden. Wir k\u00f6nnen jedoch keine Situation tolerieren, in der Menschen in \u201elegale\u201c und \u201eillegale\u201c Personen unterteilt werden.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Grenzen Gefl\u00fcchtete aus der Ukraine sind nicht v\u00f6llig sicher. Es wird versucht, Geld von ihnen zu erpressen, und es ist sogar von Zuh\u00e4ltern die Rede, die auf Frauen lauern. Meistens landen die Menschen jedoch in Privatwohnungen oder in vorbereiteten Einrichtungen. 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