{"id":27570,"date":"2022-05-24T11:50:33","date_gmt":"2022-05-24T09:50:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2022\/05\/lisa-simpson-und-captain-planet-vs-emilia-friends\/"},"modified":"2022-08-29T14:17:44","modified_gmt":"2022-08-29T12:17:44","slug":"lisa-simpson-und-captain-planet-vs-emilia-friends","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2022\/05\/lisa-simpson-und-captain-planet-vs-emilia-friends\/","title":{"rendered":"Lisa Simpson und Captain Planet vs. Emilia &#038; Friends"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Entgegen der gesellschaftlichen Relevanz von Umweltthemen haben diese erst sp\u00e4t und in geringem Ma\u00dfe Eingang in Mainstreamcomics gefunden. Im Folgenden m\u00f6chte ich dennoch ein paar Beispiele aus unterschiedlichen Themenbereichen benennen.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Atomkraft und ihre Gefahren<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Atomkraft ist in den klassischen Superheldengeschichten sehr pr\u00e4sent. Der Biss einer atomar verseuchten Spinne machte aus dem jungen Peter Parker den Superhelden Spider-Man; auch der Wissenschaftler Bruce Banner verdankt seine Spaltung in Mensch \/ Hulk einem Unfall mit atomarer Strahlung. Diese Liste lie\u00dfe sich hier noch erg\u00e4nzen \u2026. Atomenergie wurde dabei in diesen Comics aber nicht generell verteufelt, sondern lediglich ein St\u00fcck weit mystifiziert.<br \/>\nAuch bei den Simpsons geh\u00f6rt Atomkraft zum Background der Geschichte. Papa Homer arbeitet in einem Atomkraftwerk \u2013 und seine dortige T\u00e4tigkeit wird im Vorspann der Zeichentrickserie skizziert. Die Auswirkungen und Gefahren \u2013 von der Atomspionage durch einen mutma\u00dflich russischen Austauschsch\u00fcler bis hin zur Verseuchung der Umwelt \u2013 werden als Thema auch immer wieder eingesponnen. Bestes Beispiel ist der drei\u00e4ugige Fisch, den Bart beim Angeln in der N\u00e4he des Atomkraftwerks aus dem Wasser zieht.<br \/>\nSeitens der Alternativbewegungen wurden zwar auch immer wieder Protagonist*innen in den Kampf gegen Atomkraft einbezogen \u2013 am bekanntesten ist sicherlich der als Raubdruck kursierende Band Asterix und das Atomkraftwerk. Die M\u00fcnchener Stadtzeitung Das Blatt, deren bekanntester Zeichner Gerhard Seyfried (Wo soll das alles enden?) war, schrieb 1980 s\u00fcffisant dar\u00fcber:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Die drei bekanntesten Vegetarier*innen der Comickultur sind der Matrose Popeye, Lisa Simpson und Poison Ivy<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNoch bisschen fr\u00fcher [als die im Artikel beschriebene Hausdurchsuchung] kam mal ein Sonderband raus, ein ganz besonderer, der hie\u00df \u201aAsterix und das Atomkraftwerk\u2018. Und dass es ein Sonderband war, sah man nicht nur daran, dass er etwas kleiner im Format und statt bunt nur schwarz\/wei\u00df war, sondern dass er auch gar nicht von den oben genannten Autoren stammte: im Verlag \u201aplutonium\u2018 erschienen, zeichnete f\u00fcr die Zeichnungen ein gewisser U. Raub verantwortlich und f\u00fcr den Text ein gewisser G. Druck.\u201c ((1))<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Vegetarismus und Gewalt gegen Tiere<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den \u00e4ngstlichen Hund Scooby-Doo und seinen besten Kumpel Shaggy geh\u00f6rt in der Serie Scooby-Doo, Where Are You! der Hot-Dog-Konsum \u00e4hnlich wie der klassische Braten in den Disney-Familien zum Savoir-vivre dazu. Fleischkonsum ist ein normaler Bestandteil des Alltags in der klassischen Comickultur. Es mag ein St\u00fcck weit der Zeit geschuldet sein, in der diese Comicfiguren entstanden und ihre Erfolge feierten: Ein Festmahl wird aber nach wie vor mit einem St\u00fcck Fleisch dargestellt.<br \/>\nKrasser erscheinen da schon die \u00c4u\u00dferungen des Reporters Tim in der urspr\u00fcnglichen Fassung des ohnehin mehr als problematischen ersten Bands der Serie \u2013 Tim im Kongo. Tim erschie\u00dft kaltbl\u00fctig einen Affen, um sich mit dessen Fell zu verkleiden. Georg See\u00dflen schrieb hier\u00fcber in seiner Studie Tintin, und wie er die Welt sah: \u201eKurzum, Tim im Kongo l\u00e4sst sich, neben seinem kolonialen Rassismus, auch als Anthologie der Tierqu\u00e4lerei lesen.\u201c ((2))<br \/>\nIm Gegensatz hierzu sind vegetarische Comicfiguren eher Randerscheinungen. Die drei bekanntesten Vegetarier*innen der Comickultur sind der Matrose Popeye, Lisa Simpson und Poison Ivy, eine pflanzen-affine Superschurkin aus dem DC-Universum. Vereinzelt wird auch Hulk als Vegetarier dargestellt, um seine generelle Sanftm\u00fctigkeit zu unterstreichen. Unter den Disney-Charakteren ist es ausgerechnet Graf Duckula, ein Vampirverschnitt, der sich als Vegetarier durchs Leben schl\u00e4gt.<br \/>\nDas Thema <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/12\/anarchismus-vegetarismus-und-veganismus\/\">Vegetarismus<\/a> wird aber auch in Ralf K\u00f6nigs Pretty Baby, einer Fortsetzung von Der bewegte Mann, aufgegriffen. Der sanftm\u00fctige Protagonist Norbert wird als Vegetarier dargestellt, dessen zeitweiliger Liebhaber Horst ausgerechnet Metzger von Beruf ist.<br \/>\nIn Gerhard Seyfrieds Comics d\u00fcrfen nat\u00fcrlich die klassischen Szeneveganer*innen auch nicht fehlen. In seiner Kurzgeschichtensammlung Let the bad times roll finden wir mit der Figur Mc\u00d6ko, dem Mitbewohner von Kultanarcho Zwille, einen solchen Protagonisten. Er entspricht vielen der zeitgen\u00f6ssischen Klischees der damaligen Szeneveganer*innen.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Kampf f\u00fcr die Umwelt vs. Leugnung des Klimawandels<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den 1990ern k\u00e4mpfte ein Team aus f\u00fcnf jungen Umweltsch\u00fctzer*innen aus aller Welt gemeinsam mit Captain Planet gegen B\u00f6sewichter wie Ratzfatz und Graf Atomar, die in ihrer Profitgier die Umwelt und Natur rigoros zerst\u00f6rten. In jedem Heft fanden sich dar\u00fcber hinaus alltagstaugliche Tipps zum Wasser- und Energiesparen bzw. zur M\u00fcllvermeidung. Jugendliche sollten \u00fcber diese Serie auf Umweltverschmutzung aufmerksam gemacht sowie zu umweltfreundlichem Verhalten animiert werden. In deutscher Sprache erschienen zwischen 1992 und 1993 insgesamt elf B\u00e4nde der Comicreihe beim Condor Verlag.<br \/>\nEin gewisser Running Gag in den Abenteuern des unbeugsamen Galliers Asterix ist das \u00f6kologische Gewissen des kleinen Hundes Idefix. Jeden herausgerissenen Baum \u2013 meist durch sein Herrchen Obelix \u2013 kommentiert er mit Gejaule. Leider wurde dieser sympathische Zug bislang nicht weiter in den Plot der Geschichten integriert.<br \/>\nEs gibt nat\u00fcrlich auch eine Reihe von Sachcomics zur Thematik Umweltschutz, -bewegung und Atomkraft \u2013 beginnend bei dem Sachcomic Atomkraft f\u00fcr Anf\u00e4nger (Rowohlt Verlag 1979) von Stephen Croall und Kaianders Sempler bis hin zu dem von Hanna Poddig verfassten und von Christopher Leo illustrierten Band Kleine Geschichte der Umweltbewegungen (Unrast Verlag 2020).<br \/>\nAuf der anderen Seite hat die rechte <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/05\/neues-feindbild-fuer-die-afd\/\">AfD<\/a> mit ihrer Comicreihe Emilia &amp; Friends den Versuch unternommen, in einer bunten Comicwelt gegen \u201elinks-gr\u00fcn versiffte Politik\u201c ein Zeichen zu setzen. In insgesamt sieben Kurzgeschichten wird gehetzt und gegen den \u00f6kologischen Umbau von St\u00e4dten mobil gemacht. Es ist weder inhaltlich noch grafisch gekonnt umgesetzt, aber der Versuch, \u00fcber ein solches Medium ein j\u00fcngeres Publikum anzusprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entgegen der gesellschaftlichen Relevanz von Umweltthemen haben diese erst sp\u00e4t und in geringem Ma\u00dfe Eingang in Mainstreamcomics gefunden. Im Folgenden m\u00f6chte ich dennoch ein paar Beispiele aus unterschiedlichen Themenbereichen benennen. Atomkraft und ihre Gefahren Atomkraft ist in den klassischen Superheldengeschichten sehr pr\u00e4sent. 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