{"id":28411,"date":"2022-08-04T11:42:36","date_gmt":"2022-08-04T09:42:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=28411"},"modified":"2022-08-29T13:54:24","modified_gmt":"2022-08-29T11:54:24","slug":"kaempfe-von-arbeiterinnen-und-klimaaktivistinnen-verbinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2022\/08\/kaempfe-von-arbeiterinnen-und-klimaaktivistinnen-verbinden\/","title":{"rendered":"K\u00e4mpfe von Arbeiter*innen und Klimaaktivist*innen verbinden"},"content":{"rendered":"<p>\u201eGemeinsam aus der Klimakrise\u201c: Der Untertitel von Johanna Schellhagens neuestem rund einst\u00fcndigem Film klingt zun\u00e4chst nicht besonders spannend. Schlie\u00dflich erwarten wir in der Regel die Aufforderung, den G\u00fcrtel enger zu schnallen und in der Gesellschaft zusammenzur\u00fccken, wenn Appelle mit dem Wort \u201egemeinsam\u201c beginnen. Doch wer Filme von Johanna Schellhagen, der Mitbegr\u00fcnderin der Plattform labournet.tv, kennt, wei\u00df, dass sie nicht in diese Tradition geh\u00f6rt. Schlie\u00dflich ist sie seit Jahren bekannt f\u00fcr ihre Filme und Videos \u00fcber die Klassenk\u00e4mpfe in aller Welt. Immer kommen dabei die Arbeiter*innen selbst zu Wort. Aus diesem Fundus sch\u00f6pft die Regisseurin auch bei ihrem neuesten Film \u201eDer laute Fr\u00fchling\u201c, in dem sie begr\u00fcndet, warum k\u00e4mpferische Arbeiter*innen und Klimaaktivist*innen gemeinsam agieren und eine neue Welt schaffen sollen, die eben kein gr\u00fcner Kapitalismus sein soll.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Der Film ist ein Diskussionsangebot an die Klimabewegung, weil es die M\u00f6glichkeiten aufzeigt, die ein gemeinsames Agieren von Lohnabh\u00e4ngigen und Klimaaktivist*innen er\u00f6ffnen w\u00fcrde<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im ersten Teil kommen Aktivist*innen vor allem aus dem globalen S\u00fcden zu Wort, die wegen ihrer Aktivit\u00e4ten gegen umweltsch\u00e4dliche Projekte multinationaler Konzerne verfolgt werden. Sie machen auch die Dringlichkeit klar, die K\u00e4mpfe gegen die Klimakrise, gegen Kapitalismus und Umweltzerst\u00f6rung zusammenzubringen. Das ist in der hiesigen noch recht jungen Klimabewegung nat\u00fcrlich noch l\u00e4ngst nicht Konsens. Aber auch hier ist vielen Aktivist*innen mittlerweile klar geworden, dass die L\u00f6sung der Klimakrise nicht in noch mehr Minister*innen mit gr\u00fcnem Parteibuch liegen kann. Der Film ist ein Diskussionsangebot genau an diese Klimabewegung, weil es die M\u00f6glichkeiten aufzeigt, die ein gemeinsames Agieren von Lohnabh\u00e4ngigen und Klimaaktivist*innen er\u00f6ffnen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><b>F\u00fcr einen Systemwechsel<\/b><\/p>\n<p>\u201eIn der globalen Klimabewegung setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass es so nicht weitergehen kann und dass wir einen Systemwechsel brauchen. In \u201aDer laute Fr\u00fchling\u2018 schauen wir mit Hilfe von animierten Sequenzen in die Zukunft und beschreiben, wie jene tiefgreifende gesellschaftliche Transformation, die wir brauchen, aussehen k\u00f6nnte\u201c, erkl\u00e4rt Schellhagen. Diese Zukunft beginnt im Film schon 2024 und ist tats\u00e4chlich ziemlich futuristisch.<\/p>\n<p>Die Klimakrise und die sozialen Verwerfungen wachsen im ganzen Land, aber auch der Widerstand der Bev\u00f6lkerung nimmt zu. Es gibt gro\u00dfe Streiks, nur die Arbeiter*innen im Lebensmittel- und Caresektor arbeiten weiter, weil sie f\u00fcr lebenswichtige G\u00fcter oder Dienstleistungen verantwortlich sind. Radio- und Fernsehstationen werden besetzt, \u00f6ffentliche Gro\u00dfk\u00fcchen \u00fcbernehmen die Essensversorgung. Es sind gleichzeitig Orte der sozialen Revolte.<\/p>\n<p><b>Wenn Klimaaktivist*innen das ehemalige VW-Werk in Wolfsburg verteidigen<\/b><\/p>\n<p>Im Rahmen des Aufstands bilden sich R\u00e4te, und es kommt zur Besetzung von Fabriken. Klima- und Betriebsaktivist*innen lernen sich kennen. Am vierten Tag des Aufstands kommt es zu R\u00e4umungsversuchen von Polizei und Milit\u00e4r. Aktivist*innen rufen \u00fcber die besetzten Radios zur Unterst\u00fctzung der besetzten ehemaligen VW-Werke Wolfsburg auf. Dort werden dann schon keine Autos, sondern gesellschaftlich n\u00fctzliche Produkte hergestellt.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick mag man denken, es handle sich bei den Szenen um Science-Fiction ohne jeden realen Bezug zur Wirklichkeit. Doch im Sommer 2021 k\u00e4mpften Klimaaktivist*innen gemeinsam mit den Besch\u00e4ftigten eines von Schlie\u00dfung bedrohten Bosch-Werks in Bayern f\u00fcr den Erhalt des Werks mit umweltfreundlichen Produkten. Vielleicht h\u00e4tte ein kleiner Hinweis darauf im Film deutlicher gemacht, dass die Zukunftsutopien durchaus Realit\u00e4t werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Aber auch so wird der Film Diskussionen ausl\u00f6sen. Es w\u00e4re zu hoffen, dass es dabei tats\u00e4chlich zu Kontakten zwischen Klimabewegung und Arbeiteraktivist*innen kommt. Dann k\u00f6nnte der Film die Rolle eines kollektiven Organisators spielen, der unterschiedliche Milieus zusammenbringt. Das ist gerade in einer Zeit, in der die unterschiedlichen gesellschaftlichen Szenen oft nur in ihrer eigenen Blase kommunizieren, wirklich sehr wichtig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGemeinsam aus der Klimakrise\u201c: Der Untertitel von Johanna Schellhagens neuestem rund einst\u00fcndigem Film klingt zun\u00e4chst nicht besonders spannend. Schlie\u00dflich erwarten wir in der Regel die Aufforderung, den G\u00fcrtel enger zu schnallen und in der Gesellschaft zusammenzur\u00fccken, wenn Appelle mit dem Wort \u201egemeinsam\u201c beginnen. 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