{"id":2850,"date":"1999-09-01T00:00:20","date_gmt":"1999-08-31T22:00:20","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=2850"},"modified":"2011-12-12T17:14:20","modified_gmt":"2011-12-12T15:14:20","slug":"daddy-longleg-middle-toe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1999\/09\/daddy-longleg-middle-toe\/","title":{"rendered":"Daddy Longleg: &#8222;middle toe&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Die leisen Gitarrenankl\u00e4nge zu St\u00fcckbeginn sind vielleicht etwas ruhiger als auf der Vorg\u00e4ngerscheibe &#8222;Nada&#8220;. Aber dann, aber dann, dann geht es unbedingt ruppig ab. Die neue 10inch der M\u00fcnsteraner hc\/Punk-Band Daddy Longleg hei\u00dft &#8222;unrest&#8220; und ist gut. Mit zwei gekn\u00fcppelten Songs deutlich h\u00e4rter als Pennywise, klingen Daddy Longleg nach wie vor nach Kalifornien. Mit einer deutlichen Akzentverschiebung im Gegensatz zur letzten Platte: weniger NOFX, mehr Subtle Plague. Aber nat\u00fcrlich immer noch mehr No Use For A Name als Rockmusik. Irgendwie traditionell im Schlagzeug-Gitarren-Gemisch, kraftvoll im Gesang und flexibel in der au\u00dfermusikalischen Geste: Mittelzeh statt Mittelfinger! Alles in allem melodischer Hardcore vom Feinsten.<\/p>\n<p>Warum sollte gute Musik zuweilen auch dogmatisch r\u00fcberkommen? Oder sind am Dogma nur die surroundings t\u00e4tig, und gar nicht die Musik selbst? Ich denke, bei Punk verschwimmen diese Fragen. Zumindest in der Punk-Tradition, die au\u00dfer ihrem lifestyle auch noch Inhalte r\u00fcberbringen will. Solche politischer Art zum Beispiel. Es ist ja nicht selbstverst\u00e4ndlich, entweder aus der Polit-Szene auf die B\u00fchne zu finden, oder von den bedeutenden Brettern aus die Welt neu zu deuten. Ja, und? Die eingespielte zapatistische Stimme, die &#8222;Viva la revoluci\u00f3n&#8220; ruft, erinnert zumindest an eine M\u00f6glichkeit. Und die ist in diesem Falle weniger auf die Musik bezogen. Seit die kids nicht mehr all right sind, wie Poptheoretiker Diederichsen festgestellt hatte, weil sie auch mit Malcolm X-Baseballkappen Brands\u00e4tze auf AsylbewerberInnenheime schmei\u00dfen (Rostock 1992), weil &#8222;Jugendkultur&#8220; also nicht per se emanzipatorisch gedacht werden kann, ist es vielleicht auch wieder notwendiger, ein bi\u00dfchen von Freiheit und gegen Unterdr\u00fcckung zu br\u00fcllen. Ich find&#8217;s jedenfalls angemessen, nach wie vor. Als &#8222;Postmodern Protestsong&#8220;-Text formuliert: &#8222;the biggest lie they ever spread claims we were free&#8220; (Daddy Longleg). Punk scheut nat\u00fcrlich den Klartext nicht, und so gibt&#8217;s vom Politfl\u00fcgel auch auf &#8222;unrest&#8220; eing\u00e4ngiges Wortwerk gegen die b\u00f6sen Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>Dar\u00fcberhinaus ist es kein Zufall, da\u00df statt eines majors gleich drei Do-It-Yourself-labels die Platte rausbringen (Twisted Records, Pfinztal; Falling Down Records, M\u00fcnster und !Ya Basta! Recordings, Bocholt). Das ist der Dogmatismus, den ich meine. In Wort und Tat &#8211; falls wir da noch unterscheiden wollen &#8211; engagiert und ehrlich bei der Sache. Und zu Punk &amp; Politik noch eins: Antipop-Szenechronist Martin B\u00fcsser bringt gegen die Wirkung von Punk- \u00c4sthetik vor, da\u00df es nie von der Anzahl von ver\u00f6ffentlichten Punk-Platten abh\u00e4ngt, wieviel junge Leute zur Antifa gehen, sondern immer davon, wieviel Faschismus es gibt. Da hat er recht. Dennoch ist der \u00fcberdimensionierte Lautsprecherwagen der anarchistischen Milizen aus der Spanischen Revolution, der vom &#8222;unrest&#8220;-Cover prankt, eine &#8211; wie sag ich&#8217;s meinen Punkerfreunden? &#8211; wohltuende visuelle Positionierung.<\/p>\n<p><tt><strong>middle toe<\/strong><\/tt><\/p>\n<p><tt>do you know?<br \/>\nyour shirts are made of pain<br \/>\nbauxite factories still pollute latin america<br \/>\nin western germany there are more cars than in africa<br \/>\nin the southern countries workers<br \/>\nhave no right to organize <\/tt><\/p>\n<p><tt> boycotts are right but that can't be enough<br \/>\nwe shall not look through their bloody business<br \/>\nthe structures are wrong and the actors are despotic<br \/>\nthe names are known, we can try to fight back <\/tt><\/p>\n<p><tt> you tell you you don't see<br \/>\nany relations between<br \/>\nour lives and the so-called<br \/>\nless developed states <\/tt><\/p>\n<p><tt> you're too lazy to inform yourself<br \/>\ntoo ignorant to change our life <\/tt><\/p>\n<p><tt> revolution starts at home<br \/>\nt-shirts, coffee, cans of beer, oranges,<br \/>\ncomputers, guitars, footballs, stereos <\/tt><\/p>\n<p><tt> columbus hasn't died! <\/tt><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die leisen Gitarrenankl\u00e4nge zu St\u00fcckbeginn sind vielleicht etwas ruhiger als auf der Vorg\u00e4ngerscheibe &#8222;Nada&#8220;. 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